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Medizin zu erwerben. Nun übte ste ihren ärztlichen Beruf, der ihr lieb geworden war, mit größter Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit aus. Er füllte ihr Leben aus, gab ihrem ganzen Fühlen und Denken eine neue Richdmg. Der große Strom von Liebe, der in ihrer Brust verschlossen war und einem Toten gehörte, ergoß sich nun, geläutert und verklärt als heiliger Bom des Mitleids und der Barmherzigkeit, über die Kranken und die Armen. Ach, was war es doch Großes, Hohes und Heiliges, zu helfen und zu heilen, der leidenden Menschheit rin Engel zu sein?

So wurde sie die treue Genossin der jungen Schloßherrin, in Freud und Leid eine helfende Schwe­ster, den Armen ein lichter Engel. Ein Engel allen Müden, mit Rot und Sorge Belasteten, die ste mit starker Hand emporführte zu den lichten Höhen des Lebens, wo die Freude Mhte und das Glück seine Hütten baute.

Nur ste selber konnte dar Glück nicht finden; dazu war die Wunde in ihrer Brust zu tief, der Schmerz zu groß.

Sie war eme Märtyrerin ihrer Liebe. —

Auch Iris war ernster und stiller geworden; von dem goldenen Hoffnungsbaum, den ste tm Frühling ihrer Liebe gepflanzt hatte, fid Blatt um Blatt, und die Matter Valoren ihren hellen Schimmer.

Es kamen manch schmucke Bewerber und begehrten die Hand des reichen Mädchen; aber sie hatte für jeden nur ein kurzes, hartes Nein? Da wagte sich endlich keiner mehr in ihre Nähe, und das war ihr lieb.

Ein halbes Glück wollte sie nicht; sie verlangte nach einem ganzen und großen- Und ob ste fich auch äußerlich den Anschein der Ruhe gab, des Sichfügens in den starren Willen des Schicksal: ihre Seele war doch ruhelos und irrte rastlos durch die Welt und suchte dm, der ihr lieb und teuer war, wie keiner auf Erdm. —

Auch die andern sorgten fich um ihn und manch­mal sprachen sie ihre Sorgen aus und fragten fich, wo er wohl weilen möge und ob er die Heimat ganz vergessen hätte, weil er ihnen kein Zeichen gab.

Von Sixt war einmal ein kurzer Brief gekommen — aus Rewyork. Er hatte die diplomatische Lauf­bahn aufgegeben, da er im Begriffe stand, sich mit einer Millionärin zu vermählen. Der war nun mdlich nach allen Irrfahrten glücklich in den Hofen der Ehe eingelaufen und hatte darüber Heimat und Angehörige vergessen.--

Wo aber war Viktor von Sonneck, — —

War er tot — oder hatte er noch hart mit dem Leben zu ringen? — Fünf Jahre waren vorüber, und in dieser Zeit hatte Viktor nichV von sich hören lassen.

Aber er war am Leben.

Während die ©einen in der Heimat seiner wie eines Toim gedachten, lag er, in eine Wolldecke ge­wickelt, am Lagerfeuer im fernen Afrika — dicht neben ihm ein blutjunger Leutnant aus dem Hessen­land.

Die Nacht war kalt, taufend Sterne standen am klaren Himmel und der Mond leuchtete so hell, daß die Gegenstände aussahen, als wären sie von weißem Glühlicht innerlich durchleuchtet

Leutnant Reuther zog fich die Wolldecke höher und schüttelte sich. „Donnerwetter, Sonneck, ist das eine Kälte? Mich friert's bis auf die Knochen. Und bei Tag eine Hitze, daß man einen Ochsen braten könnte. Ein kurioses Land. Na — schlafen Sie schon?"

„Nein."

„Hm — Sie könnten wenigstens Antwort geben. Da kann doch keiner schlafen, wenn man bis aufs Mark friert." Er gähnte. „Aaah — wie war's doch in Mainz so schön? Das schöne rheinische Land! Na, wenn wir erst die schwarzen Kerls niedergewor- fen haben, dann geht'S zurück bi die deutsche Heimat. Freuen Sie sich auch darauf, Sonneck?"

„Ich werde Wohl in Afrika bleiben —"

„Was? —" Der junge schlanke Leutnant richtete sich halb auf und sah Svnneck groß an. „Wirklich — Sie wollen hier bleiben? Na — Sie müssen ja nicht ganz bei Trost fein, Sonneck."

„Ich Bin eigentlich hier zu Hause -

„Ah — Sie sind in Afrika ansässig. Kurioser Geschmack, Sonneck. Nun — des Menschen Wille

ist bekannüich sein Himmelreich. Und „drüben" ha­ben Sie niemand mehr?"

„Doch. Later und Schwester. Aber —*

»Ja, ja — dies« aber. Das ist immer eine schlimme Geschichte."

„Haben Sie das auch schon erfahren?"

„Persönlich nid#. Aber ich weiß es von andern. Von Kameradm, die um die Ecke — und übers Meer gingen. Sie find doch auch was Besseres, Sonneck, Was? Ich meine — aus gutem Hause."

Viktor von Sonneck schwieg.

Leutnant Reuther zog die Knie hoch- „Zum Kuckuck, können Sie denn nicht antworten?"

Viktor sagte leise: „Hai es Ihnen der Herr Hauptmann nicht erzählt? Der weiß es doch."

„Der Me? — Kein Wort."

Eine Welle war es ftiK. Viktor von Sonneck starrte in die klare Nacht hinein. Jeder Gegenstand stand mit greifbarer Deutlichkeit vor seinen Augen: die weiße, mit Buschweck durchglänzte Ebene, auf der ein gelbliches Halmenmeer wogte, in der Ferne spitze Bergksgel und zur Linken ein dunkler Streifen Wclld. Das alles war ihm so fremd; nur der Wald dort drüben mahnte ihn an die deutsche Heimat. Und mit emmamal erfüllte ihn eine heiße Sehnsucht nach seinen Lieben, und seine Seele flog über Länder und Meere hiiUveg und hielt nicht eh« an, als bis sie das grüne Tal sah, und darüber das Schloß mit dem grauen, verwitterten Turm, das durch seine Schuld den Seinen entrissen worden war. —

Er stöhnte. Immer wieder trat die alte Schuld vor ihn wie eine drohende Richterin und ließ ihn nicht zur Ruhe kommen. Und wie er nun die Augen des jungen Kameraden an seiner Sckte so groß und fragend auf sich gerichtet sah, da überfiel ihn die Sehnsucht nach dem Lande feiner Jugend nut solcher Macht, daß ihm die Worte mtt Gewalt über die Lippen flössen. Er glaubte, ersticken zu müssen, wenn er sein Herz nicht ausschüttete. Der Offizier an seiner Sette war ein junges Blut, aber ein lieber Mensch, dem man Vertrauen schenken konnte, mutig und tapfer ohne Prahlerei, gut gegen seine Leut« und schnell bei der Hand, wenn es zu helfen galt

(Fortsetzung folgt.)

M 22t IMlwoch 27. September 19U 38. Jahrgang.

« Tuldaa M Zeitung

2. Blatt.

vkttck «nd Verlag d« Mdaer «ktiendruckerei i» 5«Ii>a.

e.

Aus dem Nachdargediete.

* Alsfew, 26. Sept. 1911. Im Kampf gegen die Schundliteratur hat die Direktion der hiesigen höheren Mädchenschule an die Eltern der Schülerinnen ein Rundschreiben gerichtet, worin sie die Eltern bittet, die Eltern möchten mehr wie seit­her die Lektüre ihrer Töchter überwachen.

* Elm, 26. Sept. 1911. Aus der Strecke Elm- Gemünden werden zurzeit sämtliche Tunnels voll­ständig a u s g e b a u t, da die Strecke in absehbarer Zeit zweigleisig betrieben werden soll.

♦ Kassel, 26, Sept. 1911. Durch die bisherige ge­richtliche Untersuchung haben sich die Verdachts­momente gegen den unter der Beschuldigung des Raubmordes an der Frau Müller verhafteten Kellner Fritz Cron erheblich vermehrt. Bei seiner Vernehmung verwickelte sich Cron in Widersprüchq Er hatte angegeben, an dem Vormittag, an dem der Mord geschah, bis nach 12 Uhr im Bttt gelegen zu haben. Jetzt haben sich Zeugen gemeldet, die bq- stimmt aussagen ,den Verhafteten auf der Straße Gesetzen zu haben. Ein Zeuge hat ihn sogar gespro­chen. Ferner sand man in der Wohnung der Eltern Crons ein dem Verhafteten gehöriges Messer vor, dessen Klinge dadurch abgebrochen war, daß versucht toorben ist, das Messer durch Einstecken in den Erd­boden zu reinigen. Das Messer hat eine noch frische Bruchstelle, und bei eingehender Untersuchung zeigte sich denn auch, daß dieses Messer Blutspuren auf- wies. Ganz wenige Blutspuren waren es, und ste waren auch nur dort zu finden, wo sie durch ober- sachliche Reinigung nicht hatten beseitigt werden können. Außerdem wurden Blutspritzer an Rock und Weste des Verhafteten vorgefunden. Der Angeschul- digte leugnet hartnäckig.

* Von der Lahn, 24. Sept. 1911. Anfangs dieser Woche wird eine Bereisung der Lahn durch eine Ministerialkommission und Beamte der Wasserbauinspettion in Diez statlfinden. Die Be­reisung steht angeblich im Zusammenhang mit dem steuen von Direktor Bansa ausgearbeiteten Lahn- kanalifierungSprojekt.

Amt Geisa und Umgebung.

* Vacha, 26. Sept. 1911. Der hiesige erste Vor- fchutzverein kann im nächswn Monat auf ein Mjähriges Bestehen zurückblicken. Er wird den Tag ZV 5. Oktober im Anschluß a« eine Generalver­sammlung durch ein gemeinsames Essen begehen, tz • Termbach, 26. Sept. 1911. Am Samstag abend wurde im Saale des Gasthofs „Zum Deut­schen Haus" das Richtfest der neuen Schule gefeiert.

!i * Oberweid in der Rhön, 25. Sept. 1911. Der Aarlehnskassenverein Oberweid, der die statt« gliche Zahl von 214 Mitgliedern ausweist, wird am Mchsten Sonntag in Unterweid im Schäfnerschen .Lokale feine diesjährige Herbst-Generalversammlung abhalten.

:' * Unterweid i. d. Rh., 26. Sept. 1911. TaS Großherzogliche Staatsministerium hat es in einem Schreiben als empfehlenswert bezeichnet, das Meinigen der Schulräume und das Feuer- .stnwachen im Winter nicht mehr durch Schul- ikinder, vielmehr auf Kosten der Schule durch Er- svachseneauSführen zu lassen,zumal nachden gesetzlichen Bestimmungen der Schulvorstand haftpflichtig ist und bei irgend welchen Unfällen strafgerichtlich verfolgt äperden kann. Der Schulvorstand trat dieser Ato- assung bei und bestimmte, daß die Schulraume ortan durch Erwachsene gereinigt werden und bmso das Feueranmachen nicht mehr durch Kinder wrgenommen werden soll. Dieser Beschluß dürste Aich für andere Gemeinden nachahmenswert fei».

* Stadtlengsfeld, 26. Sept. 1911. Von hier sind Mehrere Roheits-Akte zu berichten. Dem Hund »es Nachtwächters Weitz wurde der Schwanz aus» Herisserr, nachdem vor einiger Zett der Hund des Steigers Suffa vergiftet worden ist. Letztere Tat bringt man mit dem Einbruch in die Kantine am Schrannenhof in Zusammenhang.

* AuS Thüringen, 26. Sept. 1911. In Oder- vörtlitz bei Ilmenau brach in dem Gehöft des Glas­bläsers Heinrich Voigt F e u e r au8, das die Scheune, sämtliche Hintergebäude und einen Test des Wohn­

hauses in Asche legte. Auf dem Futterboden war eine Laterne explodiert. Ein Feuerwehrmann aus Ilmenau wurde verletzt. — An eine« Gebäude in Oelsnitz ist eine schon seit etwa 20 Jahren gebaute Souder.Gasleitung entdeckt worden. Durch die unbefugt« Gasentnahme ist die Stadt arg ge­schädigt worden. 68 ist bereits eme Verhaftung er­folgt.

Aus Oberhessen u. den Hess. Aemtern.

** Marburg, 26. Sept. 1911. Die .Hessische Landesztg/ behauptet auf unsere Notiz in Nr. 218, daß sich ihre Mitteilung, die Firmung werde dies­mal der Bischof aus Fulda spenden und daß der Bischof von Fulda nicht Joseph Damian, sondern Adalbert heiße, auf die Angaben, eines der Fuldaer Zeitung nahestehenden katholischen Herrn stütze. — Das kann glauben, wer will. Jedenfalls, wenn jemand für gut findet, der ,Hess. Landesztg/ einen Bären aufMbinden, dann ist sie nicht ver­pflichtet, darauf hineinzufallen.

* Marburg. 26. Sept. 1911. Beim hiesigen I ä- gerbataillon gelangen die Einjährigen am 2. Oktober, die Rekruten am 11. Oktober zur Einstellung.

* Ziegeichain, 25. Sept. 1911. Bei einem notge­schlachteten Schwein des Fuhrmanns Schröder in der Festung stellte der Tierarzt Milzbrand fest, lieber das Gehöft des Sch. wurde die Sperre ver­hängt. Den Bürgermeistem H a a ß in Todenhausen und Bornschier in Ibra ist das Allgemeine Ehrenzeichen verliehm worden.

* Fritzlar, 26. Sept. 1911. Ein 4jahriges Mäd­chen eines Arbetters in Obermöllrich kam mit seinen Kleidern dem Kartoffelfeuer zu nahe, so­daß diese von den Flammen ergriffen wurden und die Kleine unter furchtbaren Schmerzen ihren Tod fand. — Ein gwßes Schadenfeuer brach auf dem Gehöft des Gutsbesitzers Bott in Heimarshausen aus und zerstöcke die Hofgebäude vollständig Wie das Feuer entstanden ift, war nicht festzustellen.

vermischtes.

* Wegen Beleidigung christlicher Gewerkschafts­führer hatten sich vor dem Schöffengericht in K ölttj die sozialdemokratische „Münchener Post" und die „Pfälzische Post" zu verantworten. Sie schrieben seinerzett, daß, seitdem die christlichen Gewerkschafter „verkappt" wären und dir Aufgabe hätten, „die Ar- b etter im Namen der Kirche dem Unternehmertum auszuliefern", müßten sie, toenn sie noch ein wenig GewUen hätten, „in jede Arbeiterzusam­menkunft mit zitternder Angst gehen, sie könn­ten entlarvt werden." Es sei wahrscheinlich mit dem unsühnbaren Frevel von Arbeiterführern, die in vollem Bewußtsein die ihnen vertrauenden Men­schen an ihre Feinde verraten." Me beiden Zeittm- jen wurden zu 50 Mark Geldstrafe und zur Tragung der Kosten verurteilt. Der sozialdemokrattsche Karls­ruher Valksfteund, der den fraglichen beleidigenden Artikel zuerst veröffentlichte, touÄe vor einigen Mo­naten zu 100 Mack Geldstrafe verurteilt.

* HeiratSfchwintzelcke» en gros. Der Kriminal­polizei in Berlin ist es gelungen, einen der gefährlichsten Heiratsschwindler, den früheren Apotheker August KlöderS, der die Behörden schon häufig beschäftigte, estzunehrnen. Der Schwindler, der fich m der Regel Dr. Klöders nennt, aber auch unter anderen Namen auftritt, machte vor drei Jahren, nachdem er anderwärts schon viele Schwindeleien verübt hatte, i« Berlin zum ersten Male durch die Ent- ührung eines jungen Mädchens von sich reden. Gleichzeitig mit dieser Entführung spielte ein groß- angelegter Schwindel, der enter Berliner Dame beinahe ihr Vermögen von 200000 Mark gekostet hätte. Dann gelang es „Dr. Klöders", einem neuen Opfer, einem Fräulein H., 17000 Mark ab- zunehmen. Bon der Kriminalpolizei endlich er­griffen und entlarvt, wurde der Schwindler schließ, lich in eine städtische Irrenanstalt gebracht. Auf Betreiben eiuiger Damen, die trotz aller Entdeckun­gen nicht von ihm lassen wollten, kam er bald in eine Privatheilanstalt, aus der er nach kurzer Zeit entwich. Von neuem sestgenommen, kam er wieder nach einer Privatheilanstatt. Seit Mitte vorigen

Jahres befand er sich auf freiem Fuße. Eine Zeit- lang hiett er sich jetzt gut, daun aber nahm er sei» Schwmdellreiben wieder auf. Zu seinen neuen Opfern gehört eine Witwe aus dem Westen Berlins, der er unter der Vorspiegelung 20000 Mark ab­nahm, daß er eine leitende Stellung in einem gro­ßen Laboratorium bekomme und dazu eine hohe Bürgschaft gebrauche. Der Schwindler ist jetzt am Rhein festgenommen worden.

** Der Naturforschertag, d. i. die 83. Versamm­lung deutscher Naturforscher und Aorzte, begann am Montag in Karlsruhe seine eigentlichen Arbei­ten- Der ersten Sitzung wohnten auch der Großher­zog und die Großherzogin von Baden bet. Zunächst sprach Geheimrat Prof. E. Fraas aus Stuttgart über die ostafrikanischen Saurier. Der Gelehrte wies zunächst darauf hin, in welch erstaun­lichem Maße das Material angewachsen sei, das als UeBerrefte früherer Lebewesen dem Boden und den Gesteinen entnommen worden ist. Dementsprechend sei auch unsere Kmntnis von den Bewohnen! der Erde in früheren Perioden und ihren Verhältnissm zu einander bis zur Jetztzett erweitert wordvi. Unter Vorführung anschaulicher Lichtbilder gab der Redner einen Ueberblkf über die verschiedenen Saurier. Es existierten unter ihnen kleine Tiere von % Meter Größe und Riesen von 25 bis 30 Meter. Es gab Tiere von der Art der Eidechse, auf den Hinterbeinen hochaufgerichtste, schwerfällig gebaute Riesen von langgedchntem oder auch hochgestelltem Körperbau, ebenso auch gedrungene, zum Teil gepanzerte, an Nashörner erinnernde Arten. Mit Recht hat man die größten Exemplare als wandelnde Berge bezeich­net. Von dm fleischftessmdm -Sauriern fei nur der ungeheure tyrannosaurus rex und andere aus dm oberen Gegenden Nordamerikas erwähnt, wohl die gewaltigsten Raubtiere, die jemals gelebt habm, mit 15 Meier Länge und 5 Meter Höhe und langM bösartigen zweischneidigen Zähnen. Welch ein An­blick, toenn eine solche Bestie mit 20 Metern langen Sätzm daherjagte und sich auf feine Beute stürzte. Nach fremdartiger wirken die großm gepanzerten Formen der Stegos, von welchen auch in Ostafrika Reste gefunden routbett. Den fremdartigsten Anblick aber mag wohl der gehörnte Tricerotopos geboten haben, der gleich einem riesigen zehn Meter lcmgm Nashorn die sastigm Wälder durchstreifte und seine aus Pflanzen bestehende Nahrung suchte. Von dm Schwierigkeiten der Hebung eines solchm versteiner­ten Tierskcketts, so fiihrte der Redner aus, macht man sich kaum eine Vorstellung. Die zerbrechlichen und mürben Knochen müssen meist an Ort und Stelle mit geeigneten Mitteln gehärtet und zum Transport in Gipsmassen eingegossen werden, und es braucht oft monatelanger Arbeit, um ein Skelett eines großen Dinosauriers dem Bodm zu entnehmen- Dabei han­delt es sich um Lasten, die tn versandfähiger Ver­packung üb« 10000 Kilo betragen, und die Kosten einer solchm Ausgrabung stellen sich, zumal wenn es sich um entfernte Gegenden handelt, auf 150 000 Mk. — Im Laufe des Nachmittags fanben gegen 60 Ab­teilungsvorträge statt, unter baten u. a. in der Ab­teilung Amdnheilkunde Professor Prausnitz-Prag ein Referat über Sommersterbltchkeit der Säuglinge hielt. Der Redner begrüßt zunächst das Zusammenarbeiten von Erzieher und Hygieniker in dieser wichtigen Frage, und ging bann auf die Häufigkeit der Säuglingssterblichkeit und deren natio­nale und wirtschaftliche Bedeutung näher ein. In dem Referat wurde die Wichtigkeit der Brustnahrmig hervorgehoben und erörtert, weshalb Versuche, aus Kuhmilch Präparate zu machen, um die Muttermilch zu ersetzen, nicht den gehofften Erfolg habm konnten. Dann kommt Prausnitz vor allem auf die Wohnungs- rage zu sprechen, und erörtert schließlich die beiden Möglichkeiten, in denen die Sommerhitze auf die Kin­der wickm kann. Sie wirkt indirekt durch eine bak­terielle Zersetzung der Nahrung, speziell der Milch, und birckt durch die Temperatureinflüsse, denen auch der Körper des Erwachsenen ausgesetzt ist. Die eigentliche Gefahr bet Hitze für ben Säugling liege größtmtells tn ungenügenden Wohnungsverhältnissen.

Handel und Industrie.

* Berlin, 26. Sept. 1911. Die heutige Börse zeigte trotz der bewegten Zeit eine ruhigere Haltung

^«Börsen von Paris, London und Newyork. Bankaktien durchweg behauptet. Transportwerte euvas niedriger. Auch Moutanwerte meistens bc« hauptet- Schiffahrtsaktien sest. Elektrijirätswcrte werter abbröckelnd.

Lnrzer Sekelde-Wochmbericht der Preisberichtsstelle des deutschen Landwirtschaft« rats vom 19. bis 25. September 1911.

Währmd das Warengeschäft im Jnlanbe seinen schwerfälligen Charakter beibehielt, begann sich bei ben ermäßigten Preisen an der Küste wieder Nach­frage zu Exportzweckm einzustellm, und in Verbin­dung damit zeigte fich auch auf dem Lieferungsmarkte wieder mehrseitig Interesse für Roggm, dessen Preis­stand infolgebeffen eine Verbesserung von 3—4 Mk. erfahren konnte. Die Anregung zu der gleichfalls fefteren Stimmung für Weizen ging zunächst vom Roggmmarkte aus, doch fehlte es im »fiteren Ver­laufe auch für diesen Artikel nicht an befeftigenben Einflüssen. In dieser Richtung wickte vor allem bei Umstand, daß der amerikanisch-kanadische Gegensei­tigkeits-Vertrag, der dem kanadischen Weizm zoll­freien Eingang nach Amerika verschaffm sollte, durch dm Ausgang der kanadischen Parlammtswahlm als gefallen zu betrachten ist, was die amerikanischen Ge- treibemäckte mit einer scharfen Hausse beantworteten. Hinzu kämm in den letzten Tagen wieder neue poli­tische Besorgnisse, auch der geringe Umfang der dies» toöchigm Weltverschifftmgm trug zur Befestigung bei, fobaß im Verlaufe eine Wertbesserung von 3—5 Mk. Platz greifen konnte. Im Gegensatz zu der lebhafte­ren Nachfrage auf dem Lieferungsmackte bestand im Warengeschäft nur geringe Unternehmungslust, und auch seitens des Exports blieb Weizm vernachlässigt. Hafer hatte diesmal gleichfalls festere Tendenz, zumal Rußland infolge befferm Absatzes nach England sein« Forderungm steigerte und vom Jnlande nur mäßiges und teures Angebot vorlag, für das sich hier aber nur wenig Kauflust zeigte. An der festen Situation für russische Gerste haben die umfangreichen Abladungen der letztm betben Wochen angesichts der starkm Auf­nahmefähigkeit Deittschlands nichts geändert. Für Mais habm einersetts die ermäßigten Bahntarife und andererseits die Aussichten auf Besserung der Schiff­fahrtsverhältnisse etwas mehr Kauflust angeregt, ohne baß bie Anschaffungsbedingimgen dadurch sonderlich beeinflußt rourben.

Es stellten sich die Preise für inländisches Getreide am letzten Markttage in Mark pro 1000 fiilogr. j« nach Qualität, wobei bas Mehr (-j-) bezw. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Klammern 0 beigefügt ist wie folgt:

Weizen Roggen Hafer

Danzig 207-/, -j- 6V.) 174 (+ 8 ) 175 ( 4- 6)

Berlin 202 1 ) 182 (-f- 2 ) 195 ( 4- 1)

Frankfurt 212'/, ( ) 190 ( ) 192‘/i( )

München 235 (— 1 ) 211 (— 2 ) 193 ( )

Weltmarktpreise: Wetzen: Berlin Septbr. 205.70 (4-4.75J, Dez. 212.25 (-s- 3.00), Budapest Ott. 200.25 (+ 0.95), Liverpol Ott. 166.20 (+ 2.90), Chicago Sept. Dez. 147.65 (-f- 6.05). Roggen: Berlin Sept. 184.25 (4- 3.75), Dez. 190.00 (4- 3.25). Hafer: Berlin Sept. 182.00 (4- 2.75), Dez. 185.75 (+ 4.50). Futter­gerste cif. Hamburg Sept. 129.50 (+ 1.50), Nov. 133.75 (4- 2.25), Dez. 134.50 (ss- 2.00), Mais Mixed Dez. bis März 128.00 (-0.50), Donau Sept. 131.50 (—1.00), Odessa schwtm. 131 (—) Mk. per 1000 Sfilogr.

Reklame»- und Anzeigenteil.

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die

Schloß Sonneck.

62] Roman von Felix Nabor.

Da richtete sich Hilde auf. „Uns bleibt

Webe!

Und Hand in Hand mit der Prinzessin trat sie M den Silbersarg und sie beugten beide die Knie por der Majestät des Todes. „Uns bleibt die Liebe!

Und die Liebe, sie höret nimmer auf!" — f Groß und edel war die „Fürstenbcaut" auch in Krem Schmerze und etwas Königliches lag in ihrem Wesen, als sie an der Sette der Prinzessin dm Mar- Morsaal verließ — stolz und schön wie eilte ent­thronte Königin? —

22.

Die Jahre schwanden dahin.

Der Efm wucherte dichter um Schloß Sonneck ■unb umspann allmählich auch die Erinnerung mit Weichm Ranken. Die Träume unbegrabener Hoff- ^lungen wurden milder und stiller- In Hildes Ge- Hcht hatte bet Schmerz feine Runenschrift geschrio- ■Jen: ihre Wangen warm bleich, der Mund zeigte Linen herben Zug, den man nur bei Menschen findet, vie tief ins Leben geschaut und wenig Frmde ge- Nvssm habm.

Aber »erbittert war sie nicht. Ihr Los war Ent- cr0en ^wahrte fich das Höchste, was eine grau besitzen kann: ihre Liebe, die Krone ihres Lebens.

Sie tE still und ernst, aber sie tat unverdrossen .ihre Pflicht und ging dm Ichweren Dornenweg dm ihr das Leben vorgezeichnet hatte: des Mitleids, der Sorge für andere.

/ Sie war des Hauses Engel und legte ihre Hand inif die Wunden, die das Leben dm andern schlug: ste hatte eine so weiche, leichte, kühle Hand!

Und da unten im Torfe traten so viele arme, jen Geist und Körper darbende Mmschm, die ihrer Hilfe bedurften. Sie hatte ihre unterbrochenen Stu- jbien wieder ausgenommen, die Universität in Heidel­berg besucht und ihrer Energie und ihrem unermüd­lichen -Kleist tvar es a dun/1 en. das Doktordiplom für