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Usbatt Gewährt.
H»tati»«rdruck«»d Verlag der Mdaer N» ttendruckerei in §uld« Lernsprecher M-».
ap 2 1.
Erstes B att.
Fulda, Mittwoch den 27. September DU.
Jahrgang.
X Jtairen und Tripolis.
Es fehlt nicht an Bemühungen, den Gang der Ereignisse wenigst.ns so weit auf uhalieu, daß kein Kanonenschuß fällt, man zweifelt aber nirgends daran, daß die Türkei, nachdem sich Italien so fest in Tripolitanicu verbissen hat, wird Opfer bringen, müssen, s n dieser Hinsicht ist die Silualion nicht mehr zu reiten. Italien bezeugt den unabänderlichen Willen, sich in Tripolitanicn festzusetzen, inib bat auch die Macht, es zu tun. Tie Türkei ist vor die Wahl gestellt, Tüpolitanien entweder mit verschränkten Armen oder mit dem Degen in der Faust zu verlieren. Die Frage des Tages kann daher nur lautcu: Wird Tripolitanien im Wege diplomatischer Verhandlungen unter dem Druck der italienischen KriegLvorbcreitnngen oder wird cs durch das blutige Schwert vom osmanischen Reich abgetrennt werden?
Nach offiziösen Mitteilungen gewinnt man den Eindruck, als ob die Kabinette von Rom und Kon» stantüiopel bemüht sind, die tripolitanische Frage auf nicht lvie.gerische Weise zum Austrag zu bringen. Wenn aber die Besorgnis vor kriegerischen Verwicklungen noch nicht ganz geschwunden ist, so beruht das darauf, daß man immer noch mit unvorhergesehenen Zwischenfällen re.t neu muß, die zu einer Entladung führen kömren. Arrf jeden Fall ist die türkische Regierung bemüht, irgendwelche Aus- schrciiungen gegen die Italiener sowohl in Tripolis als auch in den türkischen Häfen zu ve.hüten. Bisher ist auch noch nichts, gemeldet worden, was auf 'otche Zwischenmlle. sästicsten ließe.
Deutschlands Vermittelung in der TripoliLfrage ist bisher weder von der Türkei noch von Italien cmgerufen worden. Dagegen wird nicht offizieller Weise zu vermitteln und zu beruhigen versucht. Bis jetzt ist nach einer halbamtlichen Auslassung des „Tag"" nichts geschehen, was als ein feindseliger Akt von irgend einer Seite aufgcsaht werden könnte. Eine vertrauliche Note, welche der italienische Geschäftsträger vor einigen Tagen in Konstantinopel übergeben hat, spricht auch keine Klage aus, sondern lenkt nur die Aufmerksamkeit der türkischen Regierung auf die hochgradige Erregung der Mohammedaner in Tripolis und in der übrigen Türkei, aus der leicht Zwischenfälle entstehen könnten, wemi die türkischen Behörden nicht entsprechende Maßregeln träfen. Die wirklichen Wünsche und Ansprüche Italiens werden erst in einer Note formuliert werden, welche dec italienische Botschafter am 3. Oktober nach Konstantinopel mitnehmen wird. ES ist nicht unmöglich, daß inzwischen zur Unterstreichung der geplanten diplomatischen Aktion Italiens Fl o tt e n d em o.n st r a ti on c n vor Tripolis und im ägäischen Meere stattfinden Weiten, mehr aber wird vorläufig keinesfalls geschehen. Wenn nicht unerwartete Zwischenfälle eintreten oder her- beigcsürrt werden,, so wird wohl eine Formel gefunden werden, welche, ohne die türkische Oberherrschaft in Frage zu stellen, bcn italienischen Wünschen und Ansprüchen Rechnung trägt. Nach italienischen Vreßsiimmen läuft ja auch die Absicht Italiens nicht auf eine politüche Ablösung Italiens von der Türkest sondern auf die Errichtung einer Art wirtschaftlichen Protektorats hinaus.
W Paris, 26. Sept. 1911. Der türkische Bot - s ch a.s t e r Rifaat Pascha erklärte einem Mitarbeiter des ,„TemM": Ich tarnt sagen, daß es sich nicht bloß um. eine tripolitanische Frage handelt. Denn eine Lcmdrmg in Tripolis toürtre sich völkerrechtlich nicht von einer Landung in Smyrna oder Saloniki unterscheiden Unter diesem Gesichtspunkt muffen die öffentliche Meinung und die Regierungen Europas die Frage betrachten. Wir fassen nicht allein die Notirentügkeit eines lokalen Widerstandes ins Auge. Falls ans den Drohungen Wirklichkeit würde, so müßte die Türkei ihre Existenz als souveräner und unaLchäugiger Staat gegen diese Methode aus einem anderen Zeitalter verteidigen
V; Rom. 28. Sept. 191.1. Die „Agenzia Stefans meldet: Versuche der Sozi a list en in Rom, Mailand, Eomo, Bares.' rmd anderen Städten, den ©euer a l st r e i l: zu erklären, um gegen das Vorgehen in Tripolis zu protestieren, sind an der ein» nniiigeu Haltung der öffentlichen Meinung gescheitert. Das Zentraltamitee der Eisenbahner fordert diese auf, sich jedem Streikst fernzuhalten, mit der Erklärung, daß diese Kundgebung der Ernsthaftigkeit' entbehren würde:
* Rom, 26. Sepst 1911. Die italienischen Dumpfer ,Swilia" und „Sardegna" sollen von Syrakus und dem benachbarten Hafen Augusta Truppen an Bor d genommen haben. — Das italienische Paketboost „Regina Margherita" ift unbehelligt von Konstantinopel in Alexandria ein- getrosftm. — Nachrichten aus Mittel- und U'nterita- lien '.usvlge verlief die Einstelbmg der Reservisten überall ohne Störung.
Deutsches Keich.
*** Tas Marokko Abkommm.
?cr Montag abend von dem französischen Bot- schoüct, Herrn Eüm bau, dem Staatssekretär von Kl d er ken-W mech t er übergebene Vertragsentwurf, den die französische Regierung am Sam-vag fe|tgc|te[lt hat, e,r lspricht nach halb» amtlkkcr SJiitletlung in allen wesentlichen Punkten de.ir Wünschen der beiden Regierungen. Es sind nur no u einige redaktionelle Aendcnungen rrot g. Nach. Abschluß des Marokko- ftatiiii sind dann mir noch die Kongokompensationen in «iertragLform zu taiugeu.
** Berlin, 26. Sept. 1911. Ms Gäste des Kaisers sind der Staatssekretär des Reichs, marineamts Großadmiral v. Tirp:tz und der Ches oes Mariuekabinetts Admiral «. Müller in
Rominteu em getroffen; sie werden dort eütiac Tage bleiben. — Da» Regierungsblatt die .Norddeutsche Allgemeine Zeitung" begeht am 1. Oktober d. I. die Feier ihres fünfzigjährigen Bestehens. — Mit dem nationalliberalen ReichS- tagsabg. Dr. Heinze haben, wie daS,B. T" hört, sehr diskret geführte Verhandlungen über seine Berufung in daS Reichsjustizamt geschwebt. Tie Verhandlungen sollen sich jedoch zerschlagen haben. Der Staatssekretär Dr. v. Lindequist hat nach seinem Urlaub am Dienstag die Leitung des Reichskolonialamts wieder übernommen.
* Angebliche Reform der Fahrkart eusteuer. Liberale Blatter wußten mitzuteilen, die Vorberatungen für die Reform der Fahrkartensteuer seien dem Abschluß nahe, sodaß dem neuen Reichstage der neue Entwurf werde zugehen können. Demgegenüber erfährt die ,Deuksche Tagesztg.", daß diese Mitteilung ebenso unrichtig ist, wie die früheren. Vor geraumer Zeit hätten allerdings Besprechungen über eine Abänderung der Fahrkartensteuer stattgefunden; neuerdings aber, nicht. Davon, daß die Vorberatungen dem Abschlüsse nahe seien, könne keine Rede fein.
** Eine schreckliche Entdeckung hat das „Berliner Tageblatt" gemacht- Zum Nachfolger des Untev- staatsfekretärs Schwartzkopff sst im preußischen Kultusministerium Ministerialdirektor v. Chappuis ernannt worden, was das Blatt zu folgender Je- rcnrinabe veranlaßt:
Herr von ChapiuS, das ist ein offenkundiges Ge- heimniS, ist in Wahrheit der Vertrauensmann des Zentrums nn Kultusministerium, und keine offizielle Ableugnung wird an dieser Tatsache auch nur das geringste abzuandern vermögen. Er vertritt den Ultra in ontanismus als eine Weltanschauung innerhalb unseres Ministeriums deS Unterrichts und die Ernennung eines derartig gesinnten Parteimannes erfolgt nur kurze Zeit nach der Veröffentlichung der Borromäus-Enzyklika und Bulle Pascendi! Es wäre seltsam, wenn diese Ernennung so ganz stmrlos an der gesamten öffentlichen Meinung vorübergehen sollte. Man kann sich von feder kulturkämpferischen Meinung vollkommen frei wissen und dennoch vor diesem neuesten und stärksten Zugeständnis der Staatsregierung gegenüber dem Zentrum nicht mit der Aeutzeruug einer tiefen Verstimmung zurückhalten."
Alsa endlich so eine Art von „Zentrumsmüri- ster", nur schade, daß es nichts damit ist. Der neue UutexftaatssekFlär steht dem Zentrum denkbar, fern; er. ift a rt.h / üoxer Protestant und hat mit dem Zentru/i nichts zu tun. Aber es gibt Blätter in Deutschland, die schon nervös werden, wenn ein gläubiger Protestant befördert wird. Das „Berliner Tageblatt" sah natürlich in Chappius einen Katholiken und da handelt es nach dem Rezept vom Abg. Schrader, daß man Katholiken in Staatsämter nicht berufen könne. Wir danken für diese Offenheit und gratulieren zu dem Hereinfall. Neben dein Hereinfall ist aber die Frechheit zu registrieren, mit der hier gegen die Anstellung angeblicher Katholiken gehetzt wird. — Die „Kreuzztg." begleitet die „Entdeckung" des Berliner „Tagebl."" mit folgenden sarkastischen Glossen:
„Das jüdssche Blatt, das so gern die christlichen Konfessionen gegeneinander hetzt, sollte wissen, daß die Familie b. Chappuis (nicht Chapuis, wie es konsequent schreibt) evangelisch ist, das steht sogar im „Gotha". Es hätte sich auch leicht durch Erkrmdi. grmgen davon Überzeugen können, daß der Ministerialdirektor v. Chappuis niemals parteipolitisch, am wenigsten aber im Sirene des Zentrums gewirkt hat. Aber wenn es gegen den „schwarzblauen Block" geht, dann pfeift der Jude auf die Wahrheit."
X Politische Neutralität im Trier - Berliner Cisenbuhner-Berbcmd. Die Zeitung des Verbandes Deutscher Eisenbahn-Handwerker und -Arbeiter (Nr. 37) ftefit in einer Polemik gegen eine Opladener Zeitung in Wrede, daß von Verbandswegen für die Wahl des Verüandsvorsthenden und liberalen Reichstagskandidaten Ickler Mittel gefummelt würden und zu dem Zweck ein Geheimzirkular versandt worden sei. Diese Ableugnung ist stark, wie der Wortlaut nachstehenden Rundschreibens beweist, das von der Zentralstelle des Trier-Berliner Eisenbahner- Verbandes versandt wurde:
„Berlin, den 29. Juli 1911. Birkenste. 7. An sämtliche Herren Mitglieder des Zentralvorstandes, des Aufsichtsrates und an die Herren Vorsitzenden der Ortsvereine! Sehr geehrter Herr Kollege! In der Anlage lassen wir Ihnen einige Flugblätter zugehen und einen Wahlaußarf zur Bildung eines Wahlfonds für den Kollegen Jckler. Von den Flugblättern können Sie Exemplare rrmh Bedarf von der Zentralstelle durch Postkarte anfordern. Haben Sie in der Wcchlaufruf- angelegeriheit noch eine Nachfrage, bann wollen Sie sich mit dem Shndiku» Heißner, Berlin NW. 5, in Verbindung setzen. Mi: kollegialem Gruß Zentral-
Em anderes, inhaltlich gleiches, vom zwetten Vev- bandsvorsttzenden Fettner unterzeichnetes Rundschreiben an die Ortsvereinsvorsttzenden schließt: wörtlich: „Die Sammellisten wollen Sie nach Berlin RW. 5, Mrkenstraße 7, Verbandsbüro, einsenden." — Trotz dieser unwiderleglichen Taffachen noch mit der politischen Neutralität des Trier-Berliner Verbandes zu prunfen, ist ein starkes Stück.
X Ein sozialdemokratischer Wahlaufruf. Der sozialdemokratische Parteivorstand veröffentlicht im Vorwärts einen Wahlaufruf. Er Beginnt mit folgendem Satze:
Parteigenossen! Der Parteitag in Jena hat die Einheit und Geschlossenheit der Partei in allen wichtigen politischen Fragen bekundet."
Ja, aber der „Vorwärts" hat doch selbst in seinem Rückblick über den Parteitag geschrieben:
.Llichtig ist, daß auch in Jena starke Mei- nungsverschieoenheiten in unseren Reihen hervorgetreten sind — und, wie offen zugestanden' werden soll, nicht nur in bezug auf nebensächliche tat» tisch« Fragen. Die Diskussion, die sich an den Geschäftsbericht deS Parteivorstandes und die Bebelfche Rede über die nächsten Rctchstagswablen knüpfte, ferner die zwecklose Opposition eines Teiles der Delegierten bei der Wahl HaaseS zum Vorsitzenden beweisen, daß sich in unserer Partei nicht nur verschieden.
artige, sondern teilweise selbst direkt gegensätzliche Ansichten über die von unS einzuhaltende politische Marschrichtung herauSgebildet haben. Ist eS auch völlig verkehrt, um die Frage, ob dem Parteivorstand wegen seiner sogenannten „Unterlassungssünden" eine Art Tadels Votum zu erteilen sei ober nicht, als einen Kampf zwischen Radikalen und Revffioniften hin- zustellen und von einer Trennung der Geister oder gar von ganz neuen Konstellationen innerhalb der Partei zu sprechen, so bleiben doch immerhin so manche Widersprüche zwischen den auf dem Jenaer Parteitag hervorgetretenen Anschauungen übrig, daß von einer Annäherung zwischen Nord und Süd kaum gesprochen werden kann."
DaS nennt man dann „Einigkeit".
= Die Flottenpolitik des Großadmirals Köster. Die auf der kurhessischen Provinzialversammlung des FlottenvereinS in Kassel (vergl. Nr. 219) munter fortgesetzte Agitation zur Vermehrung der Zahl der Panzerkreuzer erfährt in der Presse ziemlich allgemeine Abweisung. Die ,®ermania' schreibt:
„Mit seinem Appell an Regierung und Reichstag, der Forderung des Flottenvereins, einer „schnelleren Durchführung des Flottengesetzes nachzukommen, wird Großadmiral a. D. v. Köster keinen Erfolg erzielen. Es muh immer und immer wiederholt werden, daß es Sache der berufenen Leiter der Marinetierwallung ift, für den Ausbau der Kriegsflotte zu sorgen. Der Flottenverein ist dazu weder berufen noch befähigt, wenn auch ein Großadmiral a. D. jetzt an dessen Spitze steht Hat Herr Großadmiral a. D. ti. Köster seine besonderen Wünsche hinsichtlich beS Ausbaues der Flotte oder Veränderung des Floikenbauplans, so möge er diese an der zuständigen Stelle im-Reichsmarineamt vortragen und begründen, nicht aber vor einer Anzahl von Flottentiereinsmitgliedern, die doch nur wenig oder garnichts davon verstehen."
Die »Freisinnige Zeitung" bemerkt:
„Gerade jetzt, da von allen Seiten berichtet wird, daß eine friedliche Beilegung des Marokkostreites als verbürgt erscheint — in diesem Moment von einer „tiefgehenden Besorgnis um die Unabhängigkeit unserer Nation" zu reden und dadurch erst eine wirkliche Beunruhigung herbeizuführen, das ist nicht nur eine Entstellung der Tatsachen und eine ganz ungehörige Beeinflussung weiter Kreffe, sondern besonders auch im höchsten Maße unpatriotifch. Jetzt aber stellt sich ein Mann, der als Großadmiral der Marine eine ganz exzeptionelle Stellung einnimmt, hin und versucht es, das Vertrauen des Volkes in seine Rüstung zu erschüttern und es mit Besorgnis um seine Unabhängigkeit zu erfüllen. Ein solches Treiben ist ein» fach unerhört. Großadmiral v. Koester hat in seiner Hetzrede auch an die Regiergung appelliert. Wir unsererseits tun dasselbe und verlangen von ihr, daß sie nunmehr aus ihrer Reserve heraustritt und ohne Um- schweife die Machenschaften des Deutschen Flottenvereins zurückweist.
= Düsseldorf, 26. Sept. 1911. Gestern hielt die Zentrums Partei für den Regierungsbezirk Düsseldorf hier ein Parteitag ab. Der ge» fchlosfenen Vertreterversammlung folgte abends eine Wählerversammlung im Kaisers aal der Tonhalle. In einem Generalappell vor der Stichwahl würdigten die Abgg. Trirnborn-Köln und Gies- BertS-Esfen die Verdienste des Zentrums rmd widerlegteu die Vorwürfe, die ihnen in konfessioneller, politischer und wirtschaftlicher Richtung gemacht werden. Justizrat Trünborn wies vor allem den Vorwurf zurück, daß das Zentrum eine konfessionelle Partei fei, und Herr Giesberts bestritt, daß dir Teuerung und der Notstand in unfern Tagen als eine Folge unserer Wirtschaftspolitik anzusehen feien. Abg. Marx, der Führcr des Düsseldorfer Zentrums, hielt ferne unlängst ausgegebene Parole für die Reichstagswahl: „Hie Christentum, hie Antichrfflentum, hie Glaube, hie Unglaube!" auf» recht. Wie das ,Tüss. Tagebl." aus der geschlossenen Vertreteroersammlung mitteilt, wurde dort auch über die politische Organisation der Frauen berichtet. In Düsseldorf zählt die Zentrumspartei zurzeit 2400 Frauen als eingeschriebene Mitglieder. Diese Bewegung hat auch schon nach Essen, Bochum und Mühlheim a. d. Ruhr überg-griffen. In der Ver- treterversammkung wurden ferner die Lehren und Erfahrungen für die Zentrumspartei aus der Düsseldorfer Wahl, „dem Vorexerzieren" für die allgemeinen Wahlen, wie sie genannt wurde, besonders in ihrer Verwertung für andere Wahlkreise erörtert.
* München, 26. Sept. 1911. Prinzregent Luitpold, der vorgestern in München eingetroffen ist, erfreut sich gegenwärtig eines besseren Wohlseins, als es seit längerer Zeit der Fall war. Heute vormittag sst der Prmzregeut nach Berchtesgaden abgereift.
Reichstagswahlvorbereitimgen.
§§ Kassel, 26. Sept. 1911. Ein Gegenseitigkeits- Abkommen ist zwischen den Landes-Organisationen der Fortschritt!. Volk spart ei und der nationalliberalen Partei in Kurhessen getroffen worden. Tie Nationalliberaleu verpflichten sich, für die Volkspartei in Eschwege - Schmalkalden - Witzen- haufen, Fritzlar-Homberg-Ziegenhain, Hersfeld-Hün- seld - Rotenburg und Waldeck - Pyrmont geschlossen einzutreten, wahrend die Fortjchrittl. Volkspartei die nationaQiberalen Kandidaten in Kassel - Melsungen und m Hofgeismar-Rinteln-Wolfhagen in jeder Richtung unterstützen wird. Die Nationalliberalen werden also auch in dem vom verstorbenen Abg. Liebermann von Sonnenberg vertretenen Wahlkreise Fritzlar-Homberg »Ziegenhain nicht den Geschästssührer des Bauernbundes, Hesterwann, unterstützen, sondern geschloffen für den fortschrittlichen Reichstags- Kandidaten Dr. Laporte eintreten.
♦ Ein konservatives Stichwahlangebot. DaS Berliner Tagebl. meldet: Die konservative Par- teilcitung in Schlesien hat der fortschrittlichen Parteileitung in Breslau daS Angebot eines Stichwahlabkommens für ganz Schlesien gemacht. Die Antwort steht noch aus-
16. Charitastag.
(e.) Dresden, 26. Sept. 1911.
Di« Einberufung des eigentlichen Cbaritaslages bildet« zwei Borversammlnnge», die gestern vormittag im katholischen Gesellenvereta« stattfanden: eine Konferenz zur Besprechung der Organisation bet Jugendfürsorge und di« dritte Konfcrev; für Auswandererwesen. Für die Jugeudsürsorge- Konserenz waren sieden Reserenten vorgesehen. In der Konferenz für das Äuswandererwefen sprach Msgr. Dr. Wertheim-Freiburg über Zahl, Verbreitung und Beschäftigungsarten der ausländischen Saisonarbeiter in Deutschland. Die nachfolgenden Redner erörterten Einzelheiten dieses Themas nach den verschiedenen dabei in Bewacht kommenden Gesichtspunkten. In der Nachmitlagssitzung der Konferenz, an der auch der hochw. Herr Bischof Dr. A. Schaefer teünahm, wurde die Dtitasfion fortgesetzt.
Der Begrüßungsabend fand tat festlich geschmückten Saale des Gewerbehauses statt. Oberlehrer Dürmedier-Dresden hielt die Begrüßungsansprache.
Mit einem feierlichen Pontifikalamt in der katholischen Hofkirche wurde heute die eigentliche Tagung des Charstas-Verbandes eingelettet Im festlich aus geschmückten Saale des Geweröehauses sand um IO1/» Uhr die feierliche Eröffnungssitzung statt. Die Spitzen der kirchlichen, der staaUtchen und städtischen Behörden waren erschiene». Anwesend waren auch Prinz Max und Prinzessin Mathilde, Prinz und Prinzessin Johann Georg von Sachsen. Kurz nach der Eröffnung erschien noch mit einem spontanen dreifachen Hoch begrüßt, der König Friedrich August. Im Namen des Lotalkomitees eröffnet Graf Schönburg-Glauchau mit einet warnen Begrüßung der Anwesenden die Versammlung. Hierauf hieß Bischof Dr. Schäfer den Charitastag in seiner Diözese willkommen rmd erteilte ihr den bischöflichen Segen. Weitere Ansprachen hielten Geh. Rat Dr. Blase namens des sächsischen Ministeriums des Innern, Oberbürgermeister Dr. Beutler, der den vorbildlichen Leistungen katholischer Charitas hohes Lob spendete, Oberleurer Schadet namens des katholischen Lehrerverbandes für das Deutsche Reich und das Königreich Sachsen und Freim v. Mirbach, die die Grüß« des kathol. Frauenbundes überbrachte. Msgr. Werth» mann dankte für die Beglückwünschungen und fuhr fort: „Was noch keinem Charitaskage deschieden gewesen ist, das ist der diesjährigen Tagung zuteil ge» mord«: ein regierender Fürst, Er. Majestät unser allergnädigster König, hat unsere Tagung mit seiner Gegenwart beehrt. Eure Majestät dürfen überzeugt sein, daß die Kunde von Allerhöchst Ihrer Teilnahme Freud« bereiten wird in bet kleinsten Niederlassung unserer Barmherzigen Schwestern an den entsrrmesten Grenzen unseres Vaterlandes unv '- ich Freude bringen wird in die Dachkammern, wo No. und Elend gelindert wird. Es ist uns ein Trost enfr eine Ermutigung in den Nölen unserer Zeit, wenn wir wissen, daß die Träger der höchsten Gewalt an unseren Bestrebungen regen Anteil nehmen; dafür danke ich tat Namen btt gesamten katholischen Charitas." (Lebh. Beifall.)
Sodcnm ergreift das Wort Universtkätsprosessot Dr. S chrö r s-Boun zu fernem Festvortrage über die katholische Krantenpflege im Laufe bet Jahrhunderte. Ausgehend von der Tatsache, daß di« katholische Kirche von ben ersten Tagen ihres Entstehens an die Ausübung der Krankenpflege als eine Ehrenpflicht für sich in Anspruch genommen habe, schilderte der Redner in metsterharter uni» packender Form ihre geschäftliche Entwicklung, ihre Leistungen, ihre Erfolge durch die Jahrhunderte hindurch dis auf unsere Zeit. Das Ehrfftentum und die christkiche Charitas, so schließt er, hat die Welt deS antiken Herdeniums überwunden; ste wird auch an den Menschen unserer Zeit ihre milde und doch sieghafte Kraft erproben. rSlürm. Beifall.)
VokttWirtschaftliches und Soziales
+ Abwanderung von Landmädchen m die Großstadt. Ausgedehnte statistische Erhebungen haben einen Ueberblick darüber ermöglicht, in weichet Wesse btt große Zahl der noch immer im steigenden Grade vom Lande in die Großstadt abwandernden Mädchen dort ihr Fortkommen finden. Danach fand die größte Zahl in derJndustrie als Lohn- arbeiterinnen Unterkunft. Davon waren in Spinnereien etwa 150000 Mädchen und in der Tabakfabrikation 52 000 Mädchen beschäftigt. AIS Wäscherinnen und PläUertnntn fanden 8300 Frauen ihren Lohn, von denen allerdings ein nicht gelinget Prozentsatz sich häuslichen Diensten zuwandte. Ein sehr großer Teil der vom Lande zugewanderten Mädchen fand als Verkäuferinnen im Waren» handel Stellung. Dabei betrug das Durchschnittsgehalt nur ctwa 60 Mark monatlich, wovon der ganze Unterhalt bestritten werden mußte. Die günstigsten Arbeitsbedingungen erlangten die 210 000 Mädchen, die sich dem häuslichen Dienst widmeten. Von ihnen gelangte auch ein ziemlich großer Prozentsatz zur Selbständigkeit durch lieber» nahmt eines kleinen Verkaufs von Lebensmittelwaren. Eia nicht geringer Prozentsatz verheiratete sich. In der GefundheitS- und Krankenpflege fand im Verhältnis zu anderen Berufs- arten nur eine geringe Zahl Unterkunft, nämlich etwa 75000. Auch von ihnen kamen die meisten in gesicherte Lebensverhältnisse, die ihnen eine sorgenfreie Zukunft gewährleisteten. In Gast« und Schankwirtschaften werden 167000 Frauen angestellt. Unter ihnen waren jedoch nur sehr wenige, die direkt vom Lande oder aus der Kleinstadt kamen, ©te waren schon feit, längerer Zeit in der Großstadt und ergriffen, anfthemend als letzte Möglichkeit, ihr Leben zu ftiflen, dreien Beruf.
Aus Mrche uud Schule.
+ Fulda, 26. Sept. 1911. Während der Fest- Otten des hl. Franziskus ist in diesem Jahre in Der Klosterkirche aus dem Frauenberge jeden Abend Predigt und feierliche Am acht zu Ehren deS HI. Vaters Franziskus. Die Oktav beginnt So «»tag den 1. Olt. und dauert bis Sonntag den 8. Okt. An den beiden Sonntagen beginnt die Predigt um V» 8 Uhr, an den Werktagen um