Einzelbild herunterladen
 

M 220.

vf^nst-rz 26. Septemser |9U

58. 3aiftgaig.

« fuldaer M Leitung

2. Blatt.

vrttck und Verlag btt Seibaer aefieabradetet in Silbe.

inz Hessen-Nassau und des Waldeck, die in Limburg abge-

in so klarer und anschaulicher Weise niedergelegt, daß

Lippen geküßt!

Amt Geisa und Umgebung.

In Geisa und Umgegend hat die,Fuldaer Zeitung' von jeher einen getreuen Leserkreis aufzuweisen. Zum bevorstehenden Quartalswechsel richtet Redaktion und Verlag an die bisherigen Leser die Bitte, Nachbarn und Freunden die.Fuldaer Zeitung' zum Abonnement zu empfehlen. Um Gründe für diese Empfehlung werden unsere Freunde nicht verlegen sein. Das kur­hessische Zentrumsorgan, das führend« Blatt tu der DiSzese Fulda, ist darauf bedacht gewesen, dem Geisaer Leserkreise besonderes Entgegenkommen zu beweisen. I» der Rubrik „Aus Geisa und Umgegend" finden die dortigen Leser die wichtigen Ereignisse ihrer engeren Heimat pünktlich und in eingehender Weise verzeichnet. Der Ausbau dieser Rubrik liegt der Redaktion sehr am Herzen. Auch bie politischen Verhältnisse des

Von einer Halbierung der Beiträge der Krankenkaffen, wie sie vorgesehen war, hat man

"T*-'-11'' a— —— *1— —---- —--I*"- —

ist, der ist tofter Hn. Der Vortrag fand verdienter- maßen lebhaften Beifwll. Der Vorsitzende der sehr

auch Mittel und Wege gefunden, um das sozialdemo­kratische Uebergrwicht in den Krankenkaffen zu be­seitigen. Die Krankenkassen find Selbstverwaltungs­körper unter Aufficht des Versicherungsamtes. Nach­dem die Ortskrankenkasse errichtet sst, wählen die be­teiligten Versicherten rind Arbeitgeber, und zwar jeder für sich, eisen Ausschuß. Dieser bildet die Vertretung der Versicherten gegenüber dem Vorstand. Er besteht zu zwei Dritteln aus Vertretern der Ar­beitgeber. Diese Vertreter wählen mm die Vor­standsmitglieder, und zwar die Vertreter der Arbeit­geber ein Drittel, die der Versicherten zwei Drittel. Dem Vorstand obliegt die Verwaltung der Kaffe- Die Vorstandsmitglieder wählen dann wiederum den Vorsitzenden des Vorstandes, und zwar gilt nur der gewählt, der die Mehrheit der Stimmen auf beiden Seiten hat, also sowohl aus der Gruppe der Arbeit­geber^ wie auch der Versicherten Das gleiche gilt auch für die Anstellung von Beamten sowie bei Aen- drrung des Statutes, fotoeit es sich nicht um die Festsetzung der Kassenleistungen über eine gewiffe Höhe handelt. Es ist also in Zukunft eine Mehrheit auf beiden Seiten in diesen Dingen not­wendig.

Bei der Un f a I l v e r f i ch e r u n g hat sich nicht sonderlich viel geändert. Reu einbezogen sind die Dekorateure und die Gerber, dagegen sind nicht mehr versicherungspflichtig jene Gewerbetreibenden, die bei

HmrH «»ter plötzlich herab fall end er Ge stein. Henrich starb im Krankenhaus« zu Limburg. Der Verimglückte war verheiratet unb Vater von 4 Kindern.

TroßhrrzogtumS finden in der »Flüdaer Zeitung' aus« Siebig« Behandlung. Deshalb kann jrdk? Leser dem etwa der »Fuldaer Zeitung' noch fernstehenden Be­kannte« raten- Bestellen Sie die .Fuldaer Zei« tung', das passendste, reichhaltigste und billigste Orga« für daS Geisaer Land.

, f®- Sept- 1911. In einer gestern hier

abgchaltslen Versammlung von Genreindevertrstern

«-Fracht komnenden Bezirke wurde ein von der S«hsisch-Thurtnglschen Eiseubahngesellschast in Eisenach vorgelegtes Projett einer normalspurigm Nebenbahn von Blankenhain nach Kahla einstnn- mig angenommen-

* Salzungen, 25. Sept. 1911. Der Kassierer der Vereinsbrauerei, Georg Kistvr hi^r, feierte vor einigen Tagen sein 25jährigck Di en stjubi - l ä u m. Aus diesem Anlaß wurde dem Jubilar von der DirAtton der Vereinsbrauerei eine goldene Uhr mit Kette überreicht

* Aus Thüringen, 25. Sept. 1911- Der Gemein­nützige Bauverein für das Fürstentum Reuß j. 2. wird vom 1. bis 15. Oktober in Gera eine Garten- stadt-Ausstellung veranstalten.

den. In der Hauptversammlung am Freitag waren 304 Delegierte vertreten. Sparkassenrendant Hucke- Kaffel erstattete den Geschäftsbericht: Im vergangenen Geschäftsjahr bestanden in dem Verbandsgebiet 88 Sparkassen mit zusammen 586 885.17 Mark Sparein­lagen. An dieser Riesensumme nehmen teil: Der Re­gierungsbezirk Kassel mit 257 855 457.20 Mark, der Regierungsbezirk Wiesbaden mit 299 446 014.05 Mk., das Fürstentum Waldeck mit 29 583 966.92 Mk. Der gesamte Einlagenbestand verteilt sich auf 778411 Spar­kassenbücher. Von diesen entfallen auf den Kasseler Bezirk 322 027, auf den Wiesbadener 431938, auf Waldeck 24 446. Das verflossene Jahr hat wieder in allen drei Gebieten eine» erheblichen Zuwachs an Spareinlagen anb Spar- kassenbüchern gebracht. Es betrug näm­lich der Zuwachs in 1910 für Kassel 17 546 408 Mk. Einlagen (12 382 neue Sparkaff enbücher), für Wies­baden 18 484 989 (15 280), für Waldeck 1307 367(721). Im übrigen war auch das vergangene Jahr ein gün- stiges. Der Sparkassen-Verband besitzt ein Vermögen von 5165 Mk. Als Rechnungsrevisoren wählte man die Rendanten Bruhn-Melsungen und Bartelmes- Gersfeld. Handelskammer-Syndikus Dr. Metterhau- sen-Kassel ließ sich sodann über: „Scheckverkehr, seine wirtschaftliche Bedeutung und gesetzliche Regelung" und Rendant Meinecke-Frankfurt a. M. über: „Die Er­fahrungen des ersten Jahres im neuen Konto-Ko r- rent- und Scheckverkehr bei der städtischen Sparkasse zu Frankfurt a. M." aus. Der letzte Redner hob hervor, daß man seit August 1910 in Frankfurt a. M. bei der städtischen Sparkasse den Ausbau der bargeldlosen Zahlungen in Angriff genommen habe. Das erste Jahr habe ergeben, daß die Klassen des Mit­telstandes am stärksten den Scheckverkehr in Anspruch genommen hätten. Er habe sich als nützlich erwiesen, bedürfe des Ausbaues. Der Gewinn fei natürlich ein verschwindender, nur auf volkserzieherischem Gebiete sei er zu suchen. Der Referent gab der Hoffnung Ausdruck, daß sämtliche Sparkassen des Verbandes den Verkehr einführen und eine sogermnte Giro-Zentrale erstehen würde. Stadtrat Lewin-Frankfurt a. M. brachte hierauf folgenden Antrag ein: „Der Verbands­tag empfiehlt wiederholt den Verbandskassen je nach den örtlichen Verhältnissen die Einfiihrung des Scheck­verkehrs und namentlich des Ueberweisungsverkehrs allein oder in Verbindung mit Depositen- und Konto- Korrentverkehr. Er ersucht den Vorstand, über die weiteren Ergebnisse dieses Verkehrs, sowie über die Einrichtung einer Giro-Abrechnungsstelle bei der näch­sten Hauptversammlung weiter Bericht zu erstatten." Diese Entschließung fand einstimmig Annahme. Ren­dant Grammel, Limburg, machte Mitteilungen über die Erfahrungen mit dem Abholungsverkehr auf der Kreissparkasse zu Limburg. Mit den soge- nannten Heimsparkassenbüchern hätte man keine Erfolge erzielt, große dagegen durch die Abholung der Gelder in den Häusern der Sparer. Landesbank- rat Reusch, Wiesbaden, teilte zum Schluffe mit, daß nach dem ihm von den Sparkassen des Verbandes zu- gegangenen statistischen Material im letzten Rechnungs­jahr den Sparern in der Provinz Hessen-Nassau an ersparten Zinsen nicht weniger wie 16,9 Millionen Mark gutgeschrieben worden find. Damit war der geschäftliche Teil der Tagung erledigt.

Aus dem Nachbargebiete.

* Bad Orb, 23. Sept. 1911. Die Stadtverord- neten-Versammlung hat beschlossen, zwecks Besei­tigung des Wassermangels den „Kaiser­born" zu fassen und sein Wasser der städtischen Leitung zuzufuhren. Jene Quelle ist imstande, täg­lich 2500 Kubikmeter Wasser zu liefern. Der Kosten­aufwand für die Zuleitung, die sofort in Angriff ge­nommen werden soll, beträgt zirka 40 000 Mk.

u. Soden-Stolzenberg, 25. Sept. 1911. Gestern hielt der V o l k s v e r e i n seine vierte Versamm­lung fest seinem halbjährigen Bestehen im großen Saale des goldenen Hirsch ab. Herr Professor Haggeney aus Luxemburg, der gerade zur Kur hier weilt, hielt einen Vortrag über die verschiedenen Weltanschauungen. Die verschiedenen Schattierun­gen der Christus feindlichen Weltanschauung wurden

Und nnn alles tot imb starr.--

Sie wußte nicht, wie lange fie so tu feinen An­blick versunken stand — es war wohl eine Ewigkeit. Und m diese: endlosen Zeit zog noch einmal ihr Liebesleben an ihrer Seele vorüber, still und ernst wie ein feierlicher Leichenzug, aber rein und verklärt durch das goldene Licht der Treue, das darüber fuxldte.

Doch es war kaltes Gold. Sie fror dabei — ihre Seele erstarrte. Und ihre Liebe ruhte darin wie ein Kristall, ohne Mecken, ohne Trübung, ewig rein, glänzend und schön. Unbefteltt und unberührt wollte sie dem Toten diesen Kristall bewahren-

Der Welt war fie gestorben; ihre Seele war mit dem Toten gegangen, chre Liebe leuchtete ihm nach wie eine stille, goldstrahlende Flamme, die ver­borgen in einer dunklm Kammer brennt. —

Seeburg berührte leise ihren Arm. „Es ist Zelt."

Sie erwachte wie aus schwerem Traum. „Gehen? — Ja! —" Dann sank sie am Fuße des Katafalks nieder, berührte eine herabhäiMnde Seidenschleife und drückte einen Kuß darauf. „Leb wohl. Liebster! — Ich gehe jetzt — aber ich bin immer bei dir. Immer. — Ich kann nicht von dir lassen — du hast mir meine Seele genommen. — Ich bete für dich und für mich, daß wir uns dort oben wiederfmden."

Auf Seeburgs Arm wantte sie davon.

An der Türe wandte fie sich noch einmal um. „Georg, du Lieber, Gitter —"

Da rauschte ein Gewand. Die Prinzessin stand vor ihr und streckte ihr die HSnde hin. „Hilde, daß es so kommen mußte. —" „ , .

Hilde sah das marmorblaffe Gesicht der Prinzes­sin, sah ihre vom Weinen geröteten Augen — da schrie sie auf und sank der Prinzessin in die Arme. „Ich kann es nicht fassen", schluchzte sie-

„Kind, wir müssen stark sein", sagte die Prins zeffin. „Höher als beS Menschen Wille sind @otte$ Wege, und seinen Ratschlüssen müssen wir uns in Demut beugen Und so groß auch unser Schmerz ist — uns bleibt noch größeres: die Licke!" (F. f.)

Sie wankte in ihr Zimmer und schloß sich ein.

Draußen jauchzten tausend lockende Frühlings­stimmen und waiße, duftende Blütenflockm flöge» um Hüdes Fenster. Wer fie sah fie nicht. Ihr war alles Leben erstorben, alle Freude getötet. Me sah immer nur ein bkaffeS, stilles Gesicht — das schaute sie auS todtrmrrigen Augen cm. — —

Nur einmal noch wollte sie den Geliebten scheu, ehe er für immer aus der Welt verschwand. Sei» Bild sollte sie durchs Leben begleit«.

So reiste fie de die Residenz und Iris begleitete fie. ES war eine traurige Fahrt. Ein schöne: Traum war zu Ende; nun Hub das graue Glend an Nun endete der lichte, smmige blumenbestreute Weg in einer öden Wüste. —

Im Marmorsaal des Alten Palais war Prinz Georgs Leiche ausgebahrt.

Das Totenbuc^ das aufgelegt war, wies lauge Reihen vornehmer Samen und hochklingende Titel auf. Die Menschen kamen, schrieben ihren Namen in die Liste und gisset ihres Weges. „Er ist zu früh gestorben! * sagten die einen.

„Es wird ein großartiger Leichenkondukt fein', meinten die andern. „Er war so beliebt.'

Oben in dem mit schwarzem Samt ausgeschlage­nen Saal lag der, dem diese Reden galten, still und stumm. I« der ganze» Sticht ehrte man den Toten: in den Kunstläden sah man sein umflortes Bild, die schwarze Flagge über« Palais wehte auf Halbmast und Soldaten seines Regiments hatten bfe Ehren­wache.

Als Hilde von Sonneck das Alte Palais betrat, wehte ihr eine dumpfe, kälte Luft entgegen, die fie kannte: der Todes^mch des ®rabeS!

Sie sandte dem Hofmarfchall ihre Karte hinouf, worauf Herr von Seeburg selber erschien. Ex ging feierlich in Schwarz und dazu leuchteten die weißen Haare auf seinem Haupte wie eine silberne Krone. Sein Gesicht war ernst und vom Schmerze durch­wühlt.

„Gnädiges Fräulein —' Die Stimme stockte ihm-

sehen?"

„Ja — teueres Fräulein." Er reichte ihr den Ar». Kommen Sie! —"

„Wie endlos viele Stufen die Treppe hat!"

„Es sind nicht mehr als früher, verebtes Frau» lein. Aber der Schmerz macht fie steiler. Warum hat nicht mich der finstere Gast in die Arme genom­men und an seiner kalten Brust erdrückt! Warum dies junge Leben! Fräulein Hilde — ich hab ihn liech gehabt! Wie mein eigen Blut! —*

„Wissen Sie Näheres über die — über seine letz­ten Augenblicke? —"

„Er mtschllef wie ein Kind, still und ohne Schmerz. Wie ein Licht verlöscht. Er schaute hinaus auf das blaue Meer, als die Sonne sank. Ihre gol- benen Strahlen umglänzten ihn, ihr Purpur hüllte ihn in einen Königsmantel. Er hatte am Abend noch Blumen bestellt, die wollte er in die Heimat sen­den. Dazu eines Gruß. Aber der Goldstist entglitt während des Schreibens seiner Hand und auf dem Blatte standen mir ein paar Worte - . . „Harre mei­ner — ich komme! Ich habe dich lieb —"

Hilde schluchzte leise. „Wem galt der Gruß?*

Seeburg zog ein weißes Blatt aus seinem Gala­rock und legte es in ihre Hände. „ES ist fein letzter Gruß an fefcte Braut. Mit dem Gedanken an Sie ging er hinüber ..." Und der alte Mann mit der sikbamen Haarkrone beugte vor ihr das Kn« und küßte ihre Hände „Arme, liebe Fürstenbraut! —*

Daun traten sie in den Saal. Hilde gewahrte nichts von der düsteren Pracht, auf welche die Flambeau; blutrote Lichter warfen. Sie sich nur das schmale, weiße, stille Gesicht zwischen den hohen Palmen und dem Wald von Blattpflanzen. Sah das Kreuz zwischen seinen starren Händen und auf der Brust zwei verwelkte tote Rossi. —

Tränenlos, zu Stein erstarrt, blickte sie bt das Gesicht des Toten; dann aber beugte sie daS Haupt und schluchzte. __

Diese Hände, die fetzt starr mtb fast durchsichtig gefaltet waren, hatten fie einst umschlungen, diese

anderen Gewetzbetreibeude» auf Maschine» arbeiten lassen. Wenn z. B. der Küfer bei eine« andere» Geschäfte, da» mft Maschinen arbeitet, sqtn Holz zurechtschneiden läßt, so fällt er nicht mehr unter die Unfallversicherung, eS sek denn, daß er sckbst Ma- sch inen verwendet. Wenn jemand nicht mehr tote 10 verstcherungspflichtige Personen beschäftigt, aber je nach der Mt seine» Betriebes mehreren BerufS- genoffÄrschaften augehöreu müßte, so kann er bean­tragen, daß er nur derjenigen Berufsgenoffenschaft anzugehören hat, zu welcher sein Hauptbetrieb gehört. Außerdem können kleinere Handwerksmeister, die nicht so schr der Gefahr ausgesetzt find, well fie nicht mehr so viel persönlich Mitarbeiten, sondern mehr die Arbeit dirigieren, von der Vrrstcherungspflicht für ihre Person befreit werden. Durch die Satzung kann die Versicherungspflicht ausgedehnt werden auf Hand­werker selbst, deren Jahresarbeitsverdienst 3000 Mk. nicht übersteigt, oder welche regelmäßig keine oder höchstens 2 vmstcherungspflkchtige Lohnarbeiter be­schäftigen. Freiwillig versichern können fich Hand­werker, deren Jahresverdienst nicht mehr wie 3000 Mark beträgt, oder welche regelmäßig keine oder höchstens 2 Lohnarbeiter beschäftigen. Familienan­gehörige, die im Betricke beschäftigt find, find tiet- ficherungspflichttg, bei Ehegatten der Betriebsunter­nehmer entscheidet die Satzung. Die Festsetzung der Rente bleibt nach wie vor der Bemfsgenoffenschast Vorbehalten; man hat, tote es ursprünglich vorge­sehen war, davon abgeschen, dem Versicherungsamte die Festsetzung der Rente zu überweisen. Das Ver­sicherungsamt ist nur begutachtender Fattor, die Bo- rufsgmoffenschaft fällt die Entscheidung.

gut besuchten Versammlung forderte zum Abonne­ment auf katholische Blätter auf, worunter auch die „Fuldaer Zeitung" und der „Bonifatiusbote" ge­nannt wurde.

* Eschwe^, 24. Sept. 1911. Ein Soldat der 1. reitenden Batterie des 11. Feldartillerie-Regiments, die in dem nahen Städtchen Wanftied einquartiert war, erhielt am Freitag keim Betreten des Stalles von einem Pferde mehrere Hufschläge gegen Brust und Unterleib, so daß er zu Boden fiel und bewußtlos liege» blieb. Nach ärztlicher Feststellung sind die inneren Verletzungen schr ernster Natur. Der Bedauernswerte sollte in einigen Tagen zur Entlassung kommen.

* Kassel, 25. Sept. 1911. Das 6jährige Töchter­chen einer in der Mnrhardstraße wohnenden Fa- mllie hatte sich gestern an einer Brotrinde ver­schluckt. Die Eltern erbaten auf telephonischem Wege sofort zwei Aerzte zu sich. Leider kam die Hilfe zu spät, bene das bedauernswerte Kind fand bett Erstickungstob.

* Weilluug, 24. Sept. 1911. Die Stadtverord­neten beschlossen, ein Kapital von 70 000 Mark aufzunehmen, wa? zum Geländeerwerb für den Kasernen-Neubau der Uuteroffizierschuie be* stimmt ist.

* Limburg, 25. Sept. 19-11. Im Basaltbruch in Hergennckh geriet der 33jährige Steinbrecher

P.Handwerk rinSReichsverficherungs- ordnung.

i.

Man kann in manchen Kreisen der Handwecksr eine gewisse Verstimmung ub^ die Annahme d« Reichsverficherungsordmtng (RVO.) feststellen Man spricht von einseitiger Begünstigung der Arbeitnehmer und neuen sozialen Lasten. Es darf dabei aber nicht übersehen werden, daß eine Reform der bis­herigen drei Versicherungszweige unbedingt notwen­dig war, und daß das neue Gesetz auch für den Hand­werker eine Reihe von Vorteilen gebracht hat. An­dererseits stellt das Gesetz die Handwerkerorgani- fationen vor neue Aufgaben.

Bei der Krankenversicherung ist der Kreis der versichenmgspflichtigen Personen etwal erweitert worden. Tie Meistersöhne, die nach Be­endigung ihrer Lehrzeit gegelt Kost, Logis unb Taschengeld bei ihren Eltern arbeiten, sind meistens versicherungspflichtig, zum mindesten aber verstche- rungsberechtigt. Der Lehrling kann auf Antrag der Eltem von der Vetstchemngspflicht befreit werden, solange er in ihrem Betricke beschäftigt ist. Dem selbständigen Handwerker ist die Möglichkeit, sich selbst zu versichern, gegeben, vorausgesetzt, daß er nicht mehr tote 2500 Mk. verdient und in seinem Be­triebe keine oder höchstens zwei Versicherungspflich­tige Personen beschäftigt. Ebenso ist die Frau oder die Tochter der Handwerkers, die beispielsweise im Laden mithilst, versicherungsberechtigt. Der Hand­werker hat auch das Recht der Weiterversiche­rung. Wenn er sich selbständig macht, kann er der Kaffe, der et bisher angehört hat, so lange als Mit­glied angehören, bis fein Einkommen 4000 Mark übersteigt-

Die Träger der Versicherung sind in Zu­kunft die Orts-, Land-, Betriebs,- und JnnungS- krankenkassen. Demnach sind die Gemeindekranken­kassen verschwunden, dagegen sind die Jnnungskran- kenkassen erhalten geblieben, und an den bisherigen Bestimmungen für Jnnungskrankenkaffen hat sich wenig geändert.

Die Jnnungskrankenkasse kann nur er­richtet werden, wenn sie den Bestand oder die Leist­ungsfähigkeit vorhandener allgemeiner Orts- und Landkrankenkaffen nicht gefährdet. Dabei gilt eine Kasse nicht als gefährdet, wenn sie mehr als 1000 Mitglieder besitzt. Die schon bestehenden beson­deren Ortskrankenkaffen für einzelne Gewerbe dür­fen auch in Zukunft bestehen. Dagegen dürfen solche neu nicht mehr errichtet werden.

Schloß Sonneck.

51' Roman von Felix Nabor.

Er lebte mit seiner Frau in beständigem Kampfe und hatte angefangen, sich aus Verzweiflung dem Trünke zu ergeben.

lieber aller Arbeit unb all den Sorgen war es Frühling geworden, ein lachender Frühling, der neues Leben weckte, und bas Land in ein blühendes Paradies verwandelte.

Aber mitten durch das schöne, blühende Land schritt der unerbittliche Herrscher der Welt: der Tod, unb schwang seine Hippe! ...

Eines Tages erschienen die Zeitungen mit brei­tem, schwarzem Trauerranb und meldeten: „Prinz Georg fft von seinem schweren Leiden durch einen sanften Tod erlöst worden."

Er war im Süden gestorben, am blauen Meere, während um ihn her die Blumen dufteten unb Früh- lingslüfte durchs sonnige Land zogen; aber er wollte in der Heimat begraben sein-

Als die Nachricht vom Tode des Prinzen auf Sonneck eintraf, wollte der Major es feiner Tochter Erst verschweigen. Dann aber sagte er fich, daß ihr dieser Lüge nicht gcholfen fei. Und als daun y^be zu ihm kam, nahm er sie in seine Arme unb jagte ihr: „Hilde, es fft etwas Furchtbares ge­schehen. Prinz Georg —-

„Sot? ichrie sie auf und suchte sich aus ihres Vaters Armen fteizumachen; aber er hielt sie nur umso scher umfangen.

„Er ist an der Krankheit seiner Mutter gestorben."

Hilde sah ihn mit erschreckend große« Augen cm. .Oder an der Härte der Menschen", sagte sie und machte sich aus chres Vaters Armen los. Wie ein Marmorblld stand fie da, so blaß und so starr. Sie weinte nicht, sie klagte nicht, sie fand kein Wort für ihren Schmerz — so groß war er, so unermeßlich tief tato furchtbar. Als ob der Tod auch ihr die Seele -enommen hätte!

Aus Gberheffen u. den Hess. Remtern.

* Marburg, 25. Sept. 191L Die Zahl der An- Meldungen für die in der neuen städtischen Festhalle stattfindende dritte Hessische Junggeflügel­schau beträgt bereits über 500, obgleich in vielen Orten Hessens die Gesundheitsbescheinigungen für die Tiere toegen der herrschenden Maul- und Klauen­seuche verweigert werden. Der Geflügelzuchtverein Marburg hat keine Mühe gescheut, um die Ausstellung recht reichhalttg zu gestalten.

* Kirchhain, 25. Schi. 1911. Der für Dienstag anstehende Schweinemarkt fft auf Mittwoch verschoben worden. — Ein Landwirt aus hiesiger Gegend erzielte auf einem 9 Ar großen Acker 40 Zentner Kartoffeln, gute, gesunde Knollen, von benen einzelne Exemplare das ansehnliche Gewicht von ein und dreiviertel Pfund aufweifen.

A Frankenberg, 25. Sept. 1911. Der um unser Gemeinwesen sehr verdiente Bürgermeister Herr D e r tz wurde am Samstag einstimmig vom Magistrat und den Stadtverordneten auf 12 Jahre zum Leiter unserer Stadtverwaltung toiedergewählt. — Der dies­jährigen Seminaraufnahmeprüfung, die am 21. und 22. ds. stattfand, unterzogen sich 32 Prüf­linge, von denen 26 bestanden. Drei wurden verfuchs- weise aufgenommen

* Frmckenau, 23. Sept. 1911. Der ObsterlöÄ der hiesigen Stadt betrug in diesem Jahre 330 Mark 80 Pfennig.

* Fronhausen, 24. Sept. 1911. Dem Amtsge­richts rat Henkel hier ist die nachgesuchte Dienst­entlassung mit Pension bewilligt worden.

(§) Fritzlar, 25. Sept. 1911. Aus Anlaß des am 1. Oktober erfolgenden Eintritts des Herrn Lehrers Ludorf in den Ruhestand, fand am Sams­tag morgen, vor Beginn der Herbstferien, eine kleine Schul-Abfchiedsfeier statt. Zu dieser hatten sich die Herrn Dechant Jestädt, Kaplan Möller und die übrigen Kollegen und Kolleginnen in der Kiasft des Herrn Labors eingefunden. Der Herr Bürgermeister war durch eine Reife am Erscheinen verhindert. Ein zweistimmiger Knabenchor ^8obet den Herrn", vorgetragen von der oberen Kuaben­tlasse,' leitete die Feier ein. Tann folgte ein Gedicht, das den Dank der Schäler am Tage des Abschieds zum Ausdruck brachte. Herr Dckhavt Jestädt sprach als Pfarrer, fowie als Kreis- und Ortsschulinspektor Worte des Dankes für die ver­dienstvolle Wirksamkeit des Herrn Ludvrs r 43 Jahre habe er mit unermüdlichem Eifer und unwandel­barer Treue feine Berufspsticksten erfüllt; als NeligionSkehrer sei er stets bestockt gewesen, die Kinder z« tugendhaften, edlen Mensche» zu erziehen; vor allem habe er seinen Schülern und der ganzen Gemeinde stets ein musterhaftes Beispiel gegeben. Redner schloß mit dem Wunsche, daß nach den langen Jahren derAr beit noch recht viekJahre wohlverdienter Ruhe folgen möchten. In bewegten Worten dankte so- d mnHerrLudorf färbte ihm geworden: Anerkennung. Der Gesang des Liedes „Großer Gott wir loben dich", beschloß die einfache aber würdige Feier. Somit scheidet ein verdienter Lehrer aus dem Amte,

• Limburg, 24. Sept. 1911. Der 16. Hauptver- sammlung des Sparkassenverbandes für bie Provin Fürstentums " _

halten wurde, ging am Donnerstag eine Vorversamm­lung der Sparkassenbeamten voraus, in der Fragen über den praktischen Sparkaffenverkckr besprochen tour»

„Lassen Sie doch diese steife Etikette, Herr Hof- Augen hatten ihr geleuchtet, dieser Mmid hatte ihr« marschall", fegte Hilde leise. „Dars ich ben Prinzen Lippen gcküßt!

Abstanb genommen Es bleibt bei dem bisherigen keinem Zuhörer ein Zweifel bleiben konnte über das System, daß zwei Drittel der Beitrüge von den Ver-1 Unsinnige dieser Weltanschauungen. Als besonders sicherten und ein Drittel von den Arbeitgebern auf-; zu bekämpfenden Feind ist die unchristliche Presse gebracht werden. Büi Jnnungskrankenkaffen kann | zu bezeichnen, wozu auch bie sogenannte farblose jedoch die Satzung bestimmen, daß die Arbeitgeber > Presse zu rechnen ist. Denn wer nicht für Christus und die Versicherungspflichtigen je bie Hälfte der Beiträge zu zahlen haben. Andererseits hat man