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38. Jahrgang

Fulda, Samstag den 23. September 1911

Erstes Blatt

M 218.

schen Religion zu erziehen sind, da der Ehe- Die Konservati ben, die Gegner des Abkom- mann eine abweichende Erklärung nicht abgegeben mens, haben einen vollständigen Sieg davon getra- habe. Die dem katholischen Geistlichen gegenüber i gen. Im früheren Parlament, das eigens zum Zwecke abgegebene Erklärung sei ungültig. Also durch reale der Befragung der Wähler über das Abkommen auf« Unmöglichkeiten läßt sich ein Wohllöblicher gelöst wurde, hatte die Opposition von den 221 Man- Magistrat von Schöppenstedt in seinem „Rechtsem- baten 89 inne; in das neue Parlament zieht sie mit

sen!

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zu gewinnen.

Demgegenüber möchten wir zunächst daran er­innern, daß im Januar 19 0 7 Verhandlungen zwischen dem Zentrum und den Nationalliberalen ge­pflogen worden sind wegen gegenseitiger Unterstütz­ung in verschiedenm rheinisch-westfälischen Stich- Wahlkreisen. Sie scheiterten, weil die Jung- liberalen in Köln nicht für den Abg. Trimborn stim- wen wollten. Dir Erinnerung ist sehr zeitgemäß, denn sie lehrt, daß man bei Abmachungen über Wahl­hilfe auf Gegenseitigkeit immer erst genau zusehen muß, ob auch die liberalen Wähler überall und in allen ihren Teilen der vereinbarten Pa­role Folge leisten werden.

♦♦ Berlin, 22. Sept. 1911. Die Vorarbeiten für reichsgesetzliche Regelung der Luftschifs- fahrt sind im Reichsamt des Innern und im Reichs« justizamt im Gange und dürsten in etwa 6 Wochen abgeschlossen sein. —Zum Ausbau unserer afrikani­sch enBahnen erfährt die ,Post',daßdieFortführnng der Usambarabahn bis zum Viktoriasee und die Verlängerung der Zentralbahn in Osiafrika von Tabora an den Tanganykasee seitens der zustän­digen Stellen im Prinzip beschloflen ist. Wahr« scheinlich werde der Etat für 1912 bereits Mittel für Vorarbeiten auf diesen Strecken fordern.

* Bell und Bebel. Gegenüber den Ableugnungen des Vorwärts bett, das Bündnisangebot bei den letzten Reichstagswahlen schreibt der Aachener Volks«

der Drei*, welche zur politischen Polizei gehören und das Sittentat cmstisteten, um den Attentäter am Orte des Verbrechens zu überraschen und dienstliche Kar­

riere zu machen.

** Die Wahlen in Kanada. Präsident Tast wird von Mißgeschick verfolgt. Fast alle seine großen Ideen auf dem Gebiete der internationalen Politik schlagen fehl. Sein Antrag auf Neutralisierung der Mandschu­reibahnen, der von Rußland und Japan nur mit Ach­selzucken ausgenommen wurde, verschwand in kürzester Frist von der Bildfläche. Seine Schiedsgerichtsver- einbarungen mit England und Frankreich sind infolge des ablehnenden Verhaltens des amerikanischen Se­nats aussichtslos geworden; im günstigsten Falle wer­den sie eine Umredigierung bis zur Unkenntlichkeit erfahre^. Seiner drillen Lieblingsidee, zu einem handelspolitischen Gegenseitigkeits-Abkom- menmitKanadazu gelangen, haben foeben die kanadischen Parlamentswahlen den Garaus gemacht. Die Konservatt ben, die Gegner des Abkom-

gezogen werden können, und daß schon aus diesem Grunde die Anstrebung eines Geheimvertrags unrichtig sind.

«rscheint täglich mtt Ausnahme bet 5o.m- pud Feiertage. Viertel­jährlich« Bezugspreis ahne vringertohn und VesteSgew in Fulda so- tvieanrwärtrl.üoMk.

verant». Redakteur» Sark Schütter

Ausland.

*♦ Italiens Verlangen nach Tripolis.

Italien begehrt immer heftiger die türkische Pro­vinz Tripolis als „Kompensation" für die Vorteile, die Frankreich und andere Mächte aus der Neuor^ nun« der Macht- und Besihverhältniffe zu ziehen sich anschicken. Auf diese Provinz richten sich die Wunsche der Italiener schon seit dreißig Jahren, feit ber Er­richtung des französischen Protektorates in Tunis.,

Die Erörterung der Tripolisfrage hat jetzt m Italien alle anderen Fragen in den Hintergrund ge­drängt. Ueberall herrscht die Meinung vor, daß man jetzt oder nie nach Tripolis gehen werde. Die offiziöse „Tribuna" bringt die Meldung, daß bet König ben Ministerpräsidenten Giolitti mittels Automobils nach Racconigi geholt und mit ihm zwei ©tunbat bie iripoliianische Frage besprochen habe „Giomale b'Jialia" erklärt an leitender Stelle, da ihm zahlreiche voll beglaubigte Informationen über bie militärischen Vorbereitungen zur Besetzung Tri­polis vorliegen. ,

Gegen den Versuch, diese Provinz zu besetzen, wehrt sich nun aber bie Türkei mit bent ganzen Aufgebot ihrer Kräfte. In Konstantinopel wurde beim Großwesir ein SDlinifterrat abgehalten, wel­cher sich auch mit Tripolis beschäftigte und insbeson­dere, wie verlautet, über die militärische Organisation in Tripolitanim und die Ernennung des Stabschefs der brittm Armeeinsvektton Achmed Feyzi zum Mi- litäckommandantm von Tripolis beriet — Der tür­kische Botschafter in Rom, Kiazim-Bei, ist tn ben Ruhestanb versetzt worden. Zu seinem Nachfol­ger ist Ali-Fuad ausersehen.

? Der französische Dreadnought „Jean Bart" ist am Freitag nachmittag in Brest in Gegenwart des Manne-Ministers Delcasse glücklich von Stapel ge«

baten 89 inne; in das neue Parlament zieht sie mtt minbestenS 129 Mandaten ein (einige Ergebnisse feh­len noch). Die industriellen Interessen Kanadas, die durch die Oeffmmg bet Grenze für amerikanische Jn- bustrieprodukte geschädigt worden wären, haben auf diese Weise das Uebergewicht erlangt über die In­teressen der Landwirtschaft, der die Ausfuhr ihrer Produkte nach ben Vereinigten Staaten hochwillkom­men gewesen wäre. Im englischen Mutterlanbe wird man ben Wahlausfall mit größter Genugtuung begrü­ben. Denn nicht mit Unrecht fürchtete man dort, daß )et Vertrag, wenn er zustande käme, eine Lockerung des Bandes zwischen England und Kanada zur Folge haben mußte; man vermeinte darin den Beginn des Abfalls Kanadas vom Mutterlanbe sehen zu sollen. Der Wahlausfall in Kanada hebt England über diese Sorge hinweg. Für bie Bereinigt« Staa­ten unb ihren Präsidenten aber bedeutet das Wahl­ergebnis eine arge Schlappe.

leiten aufweisen.

Nach der .Rheinisch-Westfälischen Zeitung' sollte eine Geheimklausel vorbereitet sein, in der Frankreich sich verpflichtet habe, die Erzausfuhr nach Deutschland niemals mit einem Zoll zu belegen. Dazu berichtet die Köln. Ztg.: Nach der ganzen Art der Marokko-Verhandlungen liegt es wohl auf

lubringett Nach § 5 Absatz 1 des erwähnten Gesetzes von 1902 kommen für die religiöse Erziehung em« wandernder Familien dir Gesetze des Landes tn Be­tracht, in dem die Eheleute ihren ersten Wohnsitz hatten. Als „erster Wohnsitz' kann in diesem Falle nur der Ort in Frage kommen, wo die Eltern zur Zett der Geburt deserstenKindeS wohnten. Als „ersten Wohnsitz hier etwa den Ort der Eheschließung oder des Aufent­haltes kurz nach der Ebeschließung annehmen zu wollen, ist völlig unmöglich, da von einer religiösen Erziehung der Kinder doch nur bann die Rede sein kann, wenn solche bereits vorhanden sind, und da ferner die An­nahme zu der widersinnigen Forderung führen wurde, der evangelische Bater hätte, um die katholische Er­ziehung seiner Kinder sicherzustellen, nach der Geburt und vor der Taufe deS ersten in Backersbreek- Australien geborenen Kindes vor dem Stadlmagi­strate in Schöppenstedt die erforderliche Erklärung über Taufe und religiöse Erziehung abaeben muffen.

Auf bie Eingabe der Mutter kam 4 Wochen spater der Entscheid, daß die Kinder in der lutherr-

In dieser Beziehung wecken auch die neuerlichen Vorgänge in Düsseldorf einiges Bedenken. Das Ge­rede von oorzeittger Festlegung ist doch im Grunde nicht stichhaltig. Di- Liberalen Düsseldorfs hätten sich um ihrer künftigen Wahltaktik gar nichts ver­geben, wenn sie jetzt erklärt hätten: Wir wollen für das Zentrum stimmen, das gegenwärtig bas Man­dat inne hat, unb wollen ben gegenwärtigen Bestand anerkennen, bis im nächsten Januar eine Neuregelung eintritt Auf dieser Grundlage hätten bie National- liberalen mit dem Zentrum über gegenseitige Stich­wahlhilfe im Januar ebenso gut verhandeln können; ja noch besser, denn bas Zentrum hätte alsdann schon eine Probe des guten Willens vor Augen gehabt. Was wir aber jetzt sehen, fleht nicht nach gutem Wil­len aus, sondern vielmehr nach der Absicht, bas Zentrum hineinfallen zu lassen. Die Liberale Vereinigung in Düsseldorf arbeitet in be­denklicher Gleichmäßigkeit mit dem Hansabund zusanimen, der es offenbar auf eine Niederlage seines „schivarzen" Mitgliedes abgesehen hatte und den So- zialdeniokraten für einen besseren Patron von Handel unb Gewerbe hält.

Aus unverdächtizen Schilderungen über bie Stimmung im liberalen Wahlbüro unb aus sonstigen Anzeichen geht hervor, daß ein s e hr große r $ e i l der Düsseldorfer Liberalen seine Helle Freude an dem Erfolge der So­zi a l b em o Ira ti e unb an dem Zurückblei­ben bet Zentrums stimmen hatte- Wio viele von diesen jubilierenben Leuten haben trotz der Parole der Wahlenthaltuna für ben Sozialdemo­kraten gestimmt! Und wie viele Würben bei der Stichwahl doch für den Sozialdemokraten stimmen, auch wenn die liberale Parteileitung die Parole zu Gunsten des Zentrums als der bürgerlichen Pattei ausgeben wollte! Daher erhebt sich angesichts des angeregten Wahlabkommens für den Januar die Frage: Wird es der liberalen Parteileitung in Köln, Essen Düsseldorf, Krefeld überhaupt möglich fein die versprochene Leistung zu erfüllen, d h die liberalen Wähler in der nöti­gen Anzahl für ben Zentrnmskandi- baten an die Wahlurne zu bringen? Oder sollen wir es erleben, daß bie treuen Zen­trumswähler in Dortmund, Duisburg, Bochum usw. die liberalen Kandidaten heraushauen und zum Dank dafür unsere Zentrumskandidaten in Köln usw. von den kultttrkämpserischen Liberalen niederge stimmt werden?

In Suma: das gegenwärtige Verhalten des Düs- felborfer Liberalismus ist nicht die geeignete Ein­leitung zu einem fruchtbaren Wahlabkommen im «anuat. Besser wäre es, wenn die Düsseldorfer in setzter Stunde sich noch auf ihre patriotische Pflicht Unb die Ehre ihrer Vaterstadt besännen.

* Berlin, 22. Sept. 1911. Die Meldung, daß die Sozialdemokraten die G ü l t i g k e i t der Br e i t« scheidschen Stimmzettel anfechten wollten, weil darauf der Wohnort des Kandidaten Breit- scheid gefehlt habe, ist, wie der .Vorwärts" erklärt, ttnztttreffend.

rung wird am Montag in Berlin erwartet. Man glaubt, daß sie so ausfalle« wird, daß die gründ- sätzlichen Marokkofragen mit ihr erledrgt sind. Dann kommen die damit zusammenhängenden Fragen, die daS Kongogebiet betreffen, zur Verhand­lung. Selbstverständlich müflen diese erst in emer befriedigenden Weise geregelt werden, ehe das Marokkoabkomme» in Kraft treten kann.

In Pariser polttischen Kreisen ist man sehr zuversichtlich gestimmt und es wird bestätigt, daß auf den b a l d i g e n A b s ch l u ß der deutsch-französi­schen Verhandlungen zu rechnen ist. Es wird er­klärt, daß eine außerordentliche Annäherung der beiderseitigen Standpunkte staltgesunden hat, ob- wohl noch einige heikle Punkte große Schwierig­

laufen.

♦ Die Wahlen in Schweben ergaben einen starken Rückgang der konservativen Mandate, die fast sämt- lich von den Sozialdemokraten gewonnen wurden. Da die Wahlen eine Niederlage der Regierung be­deuten, so beabsichtigt der Ministerpräsident Lind­mann mit dem Kabinett zurückzutreten.

*♦ Die Revolution in Spanien liegt in den letzten Zügen. Der allgemeine Arbeiterverband in Madrid beschloß die Wiederaufnahme der Arbeit. Gestern erschienen die Zeitungen wieder. In der Provinz dauert der Streik in Gügon und in den Kohlenminen von Pueblo nuovo bei terrible fort. Dort haben einige Zusammenstöße sich ereig­net, wobei mehrere Personen verwundet wurden.

** Der Mörder Stolypins, Bagrow, wurde ge­stern vom Kriegsgericht in Kiew zum Tode durch ben Strang verurteilt. - Das Attentat °us Stolypm nimmt immer geheimnisvollere formen an. ^«friert lauer Oktobristenblatt -Golos Moskwy "MneN Gerüchte, denen zufolge dem Attentat ein g r otza gelegtes Komplott zugrunde liegt Ander­seits ist die Rede von einem geheimmsvollen „Rat

ich zu den Richtlinien des Hansabundes bekannte. Ader weil er dem Zentrum angehörte, setzte man ihm ben Stuhl vor die Türe. Der Bund hat damit den unumstößlichen Beweis geliefert, daß er unter allen Umständen Gegner des Zentrums ist und daß er den Kampf gegen das Zentrum auch bann aufnimmt, wenn er dadurch der Partei des Umsturzes in die Hände arbeitet. Ja, er läßt seine eigenen Mitglieder im Kampfe gegen den Umsturz im Stich, wenn sie sich polittsch zur Zentrumspartei bekennen! Damtt ist der Linksabmarsch des Hansa­bundes ganz unzweideuttg vollzogen. Für einen Zentrumsmann gibt es fortan hn Hansa- bunde keinen Platz mehr!

— Aus dem Musterlande der Intoleranz. In Schöppenstedt in Braunschweig ist seit einigen Jahren von der Pfarrei Wolfenbüttel aus Religions­unterricht für bie katholischen Kinber von Schöppenstedt und Umgebung eingerichtet. An diesem Unterrichte haben bis zum April d. I. auch bie vier Kinder der Frau Lukas tellgenommen, die in Ba- ckersbreek-Australien geboren und in der katholischen Kirche zu Ranango getauft sind. Der Vater dieser Kinder war luthettsch. Im Februar dieses Jahres verlangte der lutherische Rettor zu Schöppenstedt, daß die Kinder den lutherischen Religionsun­terricht besuchen sollten, da die gesetzlich borge- schrieben Erklärung des Vaters nicht vorliege. § 1 des Katholikengesetzes vom 29- Dezember 1902 ver­langt nämlich, daß Kinder aus gemischten Ehen in dem Bekenntnis des Vaters zu erziehen sind, es sei den, daß der Vater nach der Geburt des ersten Kindes und vor der Taufe desselben vor der Behörde die Er- Rärung abgegeben hätte, daß sämtliche Kinder in dem Bekenntnis der Mutter erzogen werden sollen. Eine solche Erklärung war im vockiegendeck'Fall u n m ö g- 1 j ch. Aus einer Eingabe der Mutter an die Kreis­direktion ersährt man nämlich nach der „Germ.',

daß die Trauung in der katholischen Kirche zu Wolfenbüttel geschehen ist, nachdem von dem Bräu­tigam die eidesstaatliche Erklärung abgegeben war, daß alle zu erwattenden Kinder in der katholischen Religion zu erziehen feien. Kurz nach feiner Verehelichung wanderte das Ehepaar nach Backersbreek in Aufttalien aus. Dort wurden ihnen drei Kinder geboren und in vollstem Einverständnisse mit dem evangelischen Bater katholssch getauft Da die Ehefrau Lukas das Klima Australiens nicht vertragen konnte, erfolgte die Rück­wanderung der Familie nach Schöppenstädt. Der Ehe­mann reiste nach Amettka, um dort eine Farm zu er­werben und dann die Familie nachzuholen. Inzwischen ist er aber verschollen und die verlaffene Ehefran müht sich unverdrossen, sich und ihre Staber ehrlich durch«

---- Frachtermäßigungen.

Die ,Nordd. Allg. Ztg/ v röffentlicht zu ben geplanten Tarifermäßigungen auf den preußisch- hessischen Staatseisenbahnen, die am 16. September beschlossen worden sind, dir enbgiltigen gütertarif­lichen Maßnahmen:

Betroffen werden Futtergerste, Mais zu Futter- und Brennereizwecken, Futter- und Streu- mittel, Kartoffel, Gemüse, Hülsens rüchte, Düngemittel und Seefische. Die Frachtsätze für Futtergerste, Mais und Kartoffeln sind soweit ermäßigt worden, daß die Ware durch die Fracht überhaupt nicht mehr bemerklich belastet wird. Selbst auf die 932 Kilometer lange Strecke Preußisch-Eylau-Dortmund entfallen auf den Zentner Kartoffeln nur 42 Pfg. an Fracht. Auch als Stückgut bezogen, würde der Doppelzentner von Eylau nach Dortmund nur 3.64 Mark, der Zentner also nur 1.80 Mk. betragen Haden, wodurch das Pfund mit nur 1,8 Psg. belastet wird. Der Verbraucher ist somit bei der Auswahl deS Be- zugSortes nicht mehr deschrSntt. Bei allen übrige« wichtigen Lebensmitteln ist das Verhältnis dasselbe. Der Futtermitteltatif ist derart verallgemeinert worden, daß Futter an jedermann, anstatt nur an Landwitte und Viehzüchter gesandt werden kann. G e müse geht vom Spezialtarif 3 auf die halben Sätze des Rohstofftarifs, so daß zehn Tonnen Grünkohl usw. von Salzbergen bis Berlin 49 Mk. (früher 111 Mk.) Fracht tragen. Erbsen, Bohnen, Linsen stad vom Epezialtattf 1 in den Rohstofftarif gesetzt, so daß z. B. für zehn Tonnen von Salzbergen bis Berlin an­statt 214 Mk. 93 Mk. Fracht zu zahlen sind. Bet Stückgutsendungen entfallen auf Gemüse und die ge- nannten Hülsenfrüchte die Sätze für daS halbe wirb liche Gewicht auf das Pfund etwa 0,6 bis 0,7. Nach den großen Ermäßigung dauernder Art für frisch« Seefische beträgt die Fracht noch weitere, den Ge­meindebehörden und wohltätig en Organi­sationen gewährte Vergünstigungen von 20 Prozent Diese Ermäßigung wird wohltätigen Unter­nehmungen in Höhe von 15 Prozent auch aus di« anderen Lebensmittel gewährt. Die Frachtsätze für Düngmittel des Spezialtarifs 3 sind auf Die halben Sätze herabgesetzt. Bei der Durchführung btefet Er­mäßigungen rechnet man mit einer erhöhten Ware n- zufuhr, waS eine weiter Verbilligung im Gefolge haben muß. Die Getreideexporttarife werden nicht

aufgehoben.

Gegenüber dem Verlangen nach Aufhebung der Getreideexporttarife erklärt das Regierungsorgan, daß diese Tarife ohne jede Bedeutung seien, wie dies auch in früheren Jahren wiederholt festgestellt wor- den ist. Vielleicht werden sich die Staatsregrerungen noch zur Gewährung zinsfreier Darlehen an arme notleidende Distrikte verstehen. Die Preu- ßische Zentralgenossenschaftskasse hat vorläufig 10 Millionen Mark Darlehen zu 3'/- Prozent bewilligt.

Die Regierungen haben, wie man sieht, die beste Absicht, die bösen Folgen der Dürre dieses Sommers vom Volke abzuwenden, und es vor der ärgsten Not zu schützen. Selbstverständlich darf sich das Volk nicht allein auf die Staatshilfe verlassen. Selbsthilfe ist auch hier angebracht. Gerade in dieser Zett der Teuerung muß immer wieder auf eine maßvolle Lebensführung hingewie- sen werden. Keine Zeit mahnt so gebieterisch zur

Uen auf gegriffen u. in anerkennswerter Weise be­schlossen, ihre Winterseste ausfallen zu lassen.

Wenn so Staatshilfe und Selbsthilfe zusammen­wirken, so wird diese Prüfung des Himmels, wie sie der Kaiser genannt hat, an uns vorübergehen.

Außer den als Maßregeln gegen die drohetide Futternot bereits beschlossenen Frachtermäßigungen

pfinden" nicht irre machen. Auf die wichtige, in der Eingabe berührte Frage, was unter „erstem Wohnsitz" im Sinne des Gesetzes zu verstehen sei, geht der Magistrat nicht ein. Aus seiner Entschei­dung geht aber hervor, daß er darunter den Ort der Eheschließung versteht. Danach müßte also jeder nicht braunschweigische Protestant, der sich iw Herzogtum trauen läßt, auch wenn er bei der Ge­burt des ersten Kindes in Sibirien wohnt, ehe er sein Kind taufen läßt, irgend einem StcwtmcPi- fträte ober einer Herzoglichen Kreisdirektion tm Lande Braunschweig Mitteilung machen, daß er sein Kind katholisch erziehen lassen wolle, da ja doch die. Möglichkeit bleibt, daß er einmal wieder dies Para­dies der religiösen Freiheit und Toleranz aussuchen könnte. Mit der Entscheidung eines Wohllöblichen Magistrats von Schöppenstedt gab sich die Mutter der Kinder nicht zufrieden, sie richtete an den Her­zogregenten ein Gnadengesuch! Nach drei Monaten langen Harrens traf die Antwort ein, daß ein ablehnender Bescheid erfolgt sei; die Kinder seien demnach lutherisch zu er­ziehen. Die Ehesrau Lukas darf also in Zukunft ruhig im Lande Braunschweig wohnen bleiben, sie darf auch weiter Steuer zahlen, darf sich fernerhin für ihre unmündigen 4 Kinder und eine betagte Mutter quälen, aber zusammen beten an hei­liger Stätte darf sie mit diesen ihren lieben Kin­dern nicht. Was bleibt also der Witwe Lukas als einer überzeugungstreuen Katholikin übrig? Sobald als möglich dies gastliche Land zu verlas-

freunb (Nr. 220):

Kein anderer als her Reichslagsabg. Bek> elselbst hat im Auftrage unb Einverständnis mit dem damals erkrankten Parteichef Singer in einem Eilbrief, der seinen Adressaten am 28. Januar 1907 erreichte, dem Zentrum ein Wahlbündnis vor den Snch- wahlen angeboten. Jedenfalls hat der Abg. Bebel der Sitzung des Parteivorstandes, in welcher die Antwort für die sozialdemokratische Presse zurecht gezimmert wurde, nicht beigewohnt, da er sonst wohl die Mär von diesem „neuen Zentrumsschwindel' nicht hätte auf­kommen lasten.

)( Der Hansabund und die Reichstagskaudidaten. Der Hansabund Stuttgart hat eine Resolution beschlossen, worin die Genugtuung darüber ausge- prochen wird, daß bei der Reichstagsersatzwahl in Düsseldorf der Zentrumskandidat nicht unter» tützt wurde und worin für die allgemeinen Reichs­tagswahlen die Erwattung geäußert wird, daß vom Hansabunde nur solche Kandidaten unterstützt wer­den, die dem Hansabunde an^ehören und die in ganzer Persönlichkeit eine Gewahr dafür bieten, daß ie die vom Hansabund ausgestellten Forderungen unentwegt vertreten. In Klammern gehört da­hinter: aber unter keinen Umständen einen Zen- trumsmann! In Düsseldorf hatte man ja einen Kandidaten, der dem Hansabund angehörte und

Deutscher Reich.

** Abschluß in Sicht.

Heute versammelt sich der französische M ini ft er r at in Rambouillet, dem Sommeraufent. halt des Präsidenten der Republik, um über bie letzten Vorschläge der deutschen Regierung schlüssig zu werden. Die Antwort der französischen Regie-

K Fiir die Reichstagsstichwahl in Düsseldorf

xrließ die Demokratische Vereinigung einen Aufruf, worin sie, wie zu erwarten war, ihre Wcchler aufforbert, alles daran zu setzen, um in der Stichwahl dem Sozialdemokraten zum Siege zu ver­helfen. Die nationalliberale Partei hat pollkommorie Wahkenthaltung prokla-

So betreiben die Demokraten offen, die National­liberalen versteckt die Auslieferung des Wahlkreises an die Sozialdemokratie. Vielleicht wird dieses Verhängnis trotz alledem noch einmal abgewendet, wenn die Zentrumspartei noch ausreichende Reserven heranziehen lann, namentlich aus dem Landkreise, und wenn die rechtsstehenden Wähler sich in größerer Anzahl auf ihr patriotisches Gewissen besinnen. Aber wenn es nicht gelingt, so fällt dem Nationalliberalismus die demokratte zu. | < foanb daß dabei Fragen, die sich auf die

rr N ° Liberalen ihrstaats- unbgefeff- j ^dechchätze beider Länder beziehen, nicht heran-

schaftSfemdliches Verhalten damit, daß sie sich f r ei e 3 - — —-*■ <- -r- tA-— —»

Hand bewahren wollten für ein umfassendes Wahl­abkommen im nächsten Januar. Jetzt wollten sie sich nicht festlegen für die Stichwahltaktik bei den bevor­stehenden allgemeinen Wahlen. Die „Berliner Post" wird noch deutlicher, indem sie meint, bei rechtzeitigen Verhandlungen und Abmachungen werde es möglich fein, nicht nur dem Zentrum Köln, Düsseldorf, Kre­feld und Essen zu sichern, sondern auch den Nattonal- liberalen Duisburg, Dortmund und Bochum wieder

MldaerW Zeitung

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