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Zamrtag 25. September Ml

58. Jahrgang.

• Fuldaer W Leitung

5. Blatt.

VrMk hi) Verlag der $*lbaet Bttienbnidttel tu gMlbO.

Zahn-Creme

Mundwasser

bei«

Kleines Feuilleton

vermischtes.

* Radlerunfall. Ein 14 jähriger Telegraphen, bote beförderte vorgestern in Auxerres Telegramme, stürzte dabei mit dem Rade und zog sich eine schwere Schädelverletzung zu. Trotz furchtbarer Schmerzen setzte er seine Rundfahrt doch fort,

bis er sämtliche ihm übergebene Telegramme abgeliefert hatte. Dann begab er sich nach

Hause und legte sich zu Bett. Da sich sein Zustand immer mehr verschlimmerte, fo holte man einen Arzt, der einen doppelten Schädelbruch fest­stellte. Der tapfere Bursche ist gegen Abend seinen Verletzungen erlegen.

* Die neuentdeckte „Prinzessin Obrenowitsch". In Serbien macht seit einigen Tagen ein 35jähriges

Amt Geisa und Umgebung.

* Dermbach, 23. September 1911. Der Gastwirt August Eng, der stark verdächtig ist, den großen Brand im nahen NeidhardShausen am Sonn­tag angelegt zu haben, ist ins AnrtSgerichtSgrfcintzniS Kaltennordheim eingeliefert worden. — Einen sehr interessanten Silbermünzenfund machten Ar­beitet beim Ausschachten zum Scheunenumbau auf der Brandstätte des Maurermeisters Meß in Neid, hardtshausen. Sie fanden in einer Tiefe von ca. einem halben Meter unter einer alten Grundmauer einen Tontopf vergraben, der eine große Menge alter Münzen enthielt. Es waren 23 größere und 753 kleinere Münzen in Größe von 50 Pfg.. bis 5 Mark-Stücken vorhanden. Unter anderen sind ein 4 Prinzentaler mit der Jahreszahl 1617 und mit dem 4 Prmzen-Bildnis und den Namen Friedrich — Wilhelm — Albert—Ernst, desgl. ein Wildemann« taler und ein Bergmannstaler und viele andere wertvolle Altertumsmünzen aus dem 12.—17. Jahr« hundert vorgefunden worden.

* Tiefenorch 23. Sevt. 1911. Die Bohrung bei Unterrohn hat bis jetzt das Resultat ergeben, daß das Kali daselbst ziemlich flach steht. — Der Ge­meinderat beschloß, bei der Sparkasse in Eisenach ein Kapital von 221000 Mark aufzunehmen. Der Betrag wird zum Schul«, KanalisationS« und Wasserleitungsbau benötigt.

* Ans Thüringen, 23. Sept. 1911. Zu drei Wochen Gefängnis wurde der sozialdemokratische Redakteur Zorn in Saatfeld verurteilt, weil er den Malzfabrikanten Otto Prossen in Welkers­hausen durch einen Artikel beleidigt hatte. — In Wasungen wurde ein Arbeiter von einem Wagen

Hätte geschleift werd« konnte. Kur ein Toppcliffe war imstande, sei« Opfer bi» »um letzten Atemzuge zu verhöhnen, ihm das Abschiedswort und noch das letzte Stotzgebet zu wehren. Ohne die erklärte Gunst der Königin aber hätte dieser Entsetzliche sein Hand­werk nicht betreiben können" (S. 154 ff).

Derartige Dinge soll man nicht vergessen, wenn man die Zahlen der Opfer der verschiedene« Reli- gionsberfolgunaen in England miteinander der- gleicht: die Zahl der unter Maria der Katholischen Hingerichteten Protestanten betrug nach Meyer 800, „in der neunmal länger« Regierungszeit Elisabeths starben, die Todesfälle im Gefängnisse milgerechnet, noch nicht 250 Katholiken al» Opfer der Straf- gesetze" (S. 139); er fährt aber fort: „Um nicht zu Viele Märtyrer zu schaffen, griff man in der zweiten Hälfte bon Elisabeths Regierung noch zu einem andern Mittel, die Priester unschädlich zu machen: man isolierte solche, die die Kosten ihres Unter­halts tragen konnten, in sicherm Gewahrsam. An Geldstrafen hat die Regierung in der Zeit bon 1583 an jährlich die ungeheure Summe bon 6000 Pfund, d. h. an Kaustraft fy?ute ungefähr 1 Million Mark,

— FrauenbildiM. Nicht alle Mädchen laufen ln den Hafen der Ehe ein. Die Zahl der Unser« mählten ist schrecklich groß. Nur ein geringer Teil ist materiell so gestellt, daß er ohne Bangen in die Zukunft schauen kann. Die meisten müssen sich nach einem Erwerb, nach einem Beruf umfehen. Der Frau sind nun in den letzten Jahren viele TätigkeitS- zweige zugefallen, außer denen, die sie von jeher besessen hat, denn in der Küche und im Haushalt hat sie stets das Szepter geführt. In den ver« schiedensten Geschäften sind Mädchen als Verkäufer« innen tätig, als Buchhallerinnen in den Kontoren, als Telephonistinnen usw. Außer diesen werktätigen Berufen gibt es noch die sogenannte« gebildeten Berufe, die viele Kenntnisse verlangen. Als Lehrer­innen finden viele Mädchen ihr Brot, auch als Bibliothekarinnen stellt man sie jetzt an. Selbst die Universitäten gestatten ihnen unter gewissen Bedin­gungen den Zutritt, so daß viele Frauen als Ober­lehrerinnen sich ausbilden, vor allem aber sich dem Aerzicberufe widmen. Weibliche Rechtsanwälle habc u wir allerdings noch nicht; man findet sie aber bereiis in Frankreich und Amerika. Auch im chemische« Berufe findet das weibliche Geschlecht Arbeit und guten Lohn. Haushaltungslehrerinnen find sehr begehrt, da ja jährlich neue Haushaltungs» schulen eingerichtet werden, für die es oft an ae- eignetcn Lehrkräften fehlt. Krankenpflegerinnen werden viel gebraucht, doch fordert dieser Beruf immer eine gewisse Veranlagung. Dasselbe gilt von den Berufen als Gefangenenaufseherin und auch als Gärtnerin. Neu ist der Berus als Zimmer« dekorateurin. Aus diesem Gebiete sind viele Frauen am liebsten tätig.

— Tie grösste Mühle der Welt. Frankreich kann sich rühmen, die größte Mühle der Welt zu besitzen . Die Mühle bon Corbi, die in den letzten Jaljren durch große Anbauten erweitert worden ist, h-t nun nach Vollendung dieser Arbeiten einen Re­im'! LuiüLÜelli:. iie üi imstande, .täglich 7000 Zentner.

Mehl zu mahle« und zum Versand zu bringen. Diese Leistungsfähigkeit einer einzigen Mühle, so erklären französische Blätter boll Nolz, sst auf der Welt einstweilen ohne Parallele.

— DaS verunglückte Gespenst. Eingehüllt in em weißes Bettlaken, stattete in Groß-Strelitz ein Spitzbube nächtlicherweile dem Gehöft eine- dortigen Besitzers einen Besuch ab. Obwohl er durch künst­liche Vergrößerung und Verkleinerung seiner Ge­stalt die Gespensterilluston zu vermehren suchte, hatte er doch bei seinem Vorhaben wenig Glück. Durch einen Fehltritt stürzte er in die Mi st grübe. Auf sein Hilfegeschrei eilte der anfänglich arg er­schrockene Besitzer herbei und half ihm, indem er ihm eine tüchtige Tracht Prügel verabreichte, aus dem wenig erquickenden Jauchebade.

— Türkinnen in Drutschlaud. Der türkische Staat hat erhebliche Mittel gestiftet, um türkische Frauen in Deutschland zu Kindergärtnerinnen und Leiterin­nen von Kinderhorten ausbllden zu lassen und er­wartet wohl mll Recht von diesen Maßnahmen eine segensreiche Hebung des türkischen Erziehungswesens.

— Bananen-Speisen. Bananen wurden in letzter Zeit in so großen Mengen auf den deutschen Martt gebracht, daß man die schmackhafte Frucht auch in kleinen Städten billig zu kaufen bekommt. Allerdings könnte sie noch viel billiger sein. Roh gegessen ist die Banane eine gesunde Speise für jedermann; sie schmeckt umso herzhafter, wenn die Außenschale mehr grün als gelb ist. Man kann die Früchte aber auch schälen, zerschneiden, mll Weißwein anfeuchten und mit eingemachten sauren Kirschen vermischen. Das alles gibt man in eine Glasschüssel und füllt Schlagsahne obenauf. Oder man schält die Bananen, zerdrückt sie, treibt die Masse durch ein Sieb und mischt auf je 2 Früchte ein Eiweiß und einen Löffel Zucker dazu. Hernach bearbeitet man alles mll dem Schaumschläger zu einer steifen, schaumigen Masse, die man nach Be­lieben mll etwas Vanille, Arrak oder Wein würzen kann. Endlich kann man die Bananen nach dem Schälen in einen Eierkuchenteig tauchen, ganz so .wie Apfelfcheiben, und in heißem Schmalz schön

gegen dar Tor gequetscht und getötet. — In den letzten acht Wochen find Koburg neun Typhus- erkrankungen vorgekommen. Von ben Erkrankten find drei gestorben. — Die Stadtverordneten-Ver« sammlung in Koburg genehmigte eine neue Ge- hallSskala für die. Volksschullehrer, die durchweg eine Erhöhung der'Gehälter bringt. DaS Höchst- gehall beträgt fortan 3800 M. statt bisher 8200 M. Koburg steht jetzt in bezug aus die Lehrergehäller a« der Spitze in Thüringen. — Der außerordeut- sich« Professor Dr. Hans Reichel in Jena hat einen Stuf als Ordinarius für römisches Recht an die Universität Zürich erhalten.

* Ans der Geschichte der englische« Kathoi ikenvcrfolgrmg.

?nqen über kat^holisFe Intoleranz und ^tzev- verssolgung. Rabenschwarz wird der Katholizismus aemalt, während der Protestantismus in schnee­weißem Gewand ungetrübter Unschuld erstrahlt. Wird dann darauf hingewiesen, daß auch der letz­tere in Katholikenverfolgungen blutigster Art zum Kapitel der Intoleranz beigetragen hat, so wird das großmütig — totgeschwiegen. Geradezu köstlich war das Verhalte« der liberalen „Kölnischen Zei­tung" vor wenigen Jahren. Hatte sie da einen mächtigen Artikel über Inquisition und dergleichen Dinge gebracht, die notwendig sind, um ein libe­rales Herz bon Zeit zu Zeit ins Walle« zu bringen, so hatte ein katholischer Historiker die Freundlich­keit, dem Blatt eine geschichtliche Untersuchung über die englischen K at h oli k e«b e r f o I g un- gen einzusenden. Aber siehe da, er erhielt seine Arbeit wieder zurück; liberale Leser sollten ja nicht erfahre«, wie es i« der wirklichen Geschichte des Protestantismus zugegangen hat. , Jetzt bringt ein neues Werk, aus den Veröftentlichungen des Kgl. Preußischen Historischen Jnstllutes in Rom, A. O. Meyer, „England und die katholische Kirche unter Elisabeth", Rom 1911, neues, hoch­interessantes Material.

Tas Buch enthält ergreifende Schilderungen über den Helden- und Todesmut der katholischen Missionare, die von den Seminarien in Douai später in Reims in den sichern Tod gingen. Wenn ihre Feinde sie politischer Umtriebe ziehen oder als politische Verschwörer verdächtigten, so entbehrt diese Anklage jeder Unterlage. War doch alle politische Betätigung timen Verboten. Daß diese Katholiken­verfolgung vor Justizmorden nicht zurückschreckte, ist ebenfalls unleugbar. Meyer erzählt:

„Set Priester James Fenn sprach unter dem Gal­gen die Abschiedsworte (1584): „Ich werde verurteilt, weil ich mich mit Haydock in Reims verschworen haben soll zu einer Zeit, als Haydock in Rom studierte und ich gefangen in England lag. Urteilt also, liebe Leute, ob ich schuldig bin oder nicht." Die Richtigkell dieser Aussage ließ sich aktenmäßig damals so gut beweisen tote heute. In einem solchen Falle kann auch dar vorsichtigste Urteil, das jede Möglichkeit des Irrtums prüft, nicht anders lauten: Justizmord entweder in bewußter Absicht oder durch unverzeihliche Fahrlässigkeit, Da aber derartige Fälle nicht vereinzelt blieben, sondern die Anklagen gegen die ?3riefter häufig Unmögliches enthielten, und da sich emer das Spiel mit falschen Zeugen allmählich zum System entwickelte, so verliert die Annahme des wiederholten fahrlässigen Justizmordes an Wahr­scheinlichkeit, und die Bluturteile gegen die angeb. lichen Priesterverschwörer wandeln sich zur schwe« reu Anklage gegen die Elisabethanische Rechtsprechung" (S. 128 f).

Wie aber die Katholikenverfolgung moralisch eörend auf die Verfolger selbst zurückwirft, zeigt ?er an dem Beispiel des Staatssekretärs Wal­singbarn, „dieser bestgehaßte Feind Roms in Eng­land trägt unverkennbar Züge von Roheit und Fa­natismus" (S. 150). Von dem Spioniersystem und der Gesinnungsschnüffelei, welche das ganze Privatleben durchdrang, ganz abgesehen.

Besondere Erwähnung verdient der Miß­brauch der Folter, der sich a« de« Namen Toppcliffe knüpft:

„An dem Bilde der alternden Elisabeth haftet kein häßlicherer Makel als der Name Richard Topp« t l i f f e. Was eine überreizte Phantasie ausdenken mag an Entmenschung, ist verkörpert i« diesem Ab­bilde namenloser Gemeinheit. Kaum noch religiöser Fanatismus, sondern Habgier und perverse Wollust waren die Motive zu Toppcliffes Handeln. Sein Name gewann sprichwörtliche Bedeutung. In , jahrelanger Uebung hatte dieser Mann das Nerven- shsteni auf seine Schmerzempfindlichkeit untersucht und betrieb die Erfindung neuer Qualen als Beruf und Genuß. Schon für das, was durch Augenzeugen oder durch die Gefolterten selbst überliefert ist, reicht keine Vorstellungskraft mehr aus, und doch fällt der Vorhang vor dem letzten fürchterlichen Akte, der Aus­lieferung des Verurteilten an Toppclifte, ohne Zeu­gen und Inquisitoren. Nur ein Toppcliffe war im- stände, auch den Gebrochenen, der jedes gewünschte Geständnis und Bekenntnis ablegte, der selbst seinen Glauben abschwor, unbarmherzig weiter zu- martern, bis nur ein hilfloser Krüppel zur Richt-

braun braten. Vor dem Servieren streut man Zucker darauf. Alle diese Gerichte schmecken aus­gezeichnet. fh.

— Verwechselte Manöverquartiere. Quartier­macher von der zweite« Eskadron des Garde- Kürassterregiments rückte« kürzlich in Strelltz (Mecklenburg) ein und bestellten für 90 Garde« kürassiere Quartiere. Große Erwartung herrschte bei den Einwohnern. Manch saftiger Braten und sonstige Leckerbissen wurden in Bereitschaft gehalten, um ben Vaterlandsverteidigern einen würdigen Empfang zu bereiten. Da endlich erschien ein Amts- diener der Stadt und verkündigte, daß die Gäste nicht kämen, die Quartiermacher hatten nämlich Neustrelitz mit Strelitz verwechselt.

— Amerikanische Protzenhastigkeit. In Newyork ist ein Buch von Bradley Townsend Martin über die „untätigen Reichen Nordamerikas" erschienen, das an Offenherzigkett der Sprache nichts zu wünschen übrig läßt. Martin ist selbst der Reich­sten einer in Newyork und kennt die Verhältnisse, über die er redet. DaS Buch strotzt von grotesken Seifrielen von Protzenhastigkeit in der amerikanischen Gesellschaft. Er erzählt von einer Millionärin, die zwölf Diener für einen — Affen hielt, und von einer anderen, die sich mit Goldstücken zu bedecken pflegte. Mr. Martin ist überzeugt, daß eine Revolution in Amerika nicht lange auf sich warten lassen wird. =a.

— Frl. Zwirn, die Schneiderin, hatte schon eine ganze Weile im Bette gelegen, als sie durch heftiges Klopfen an chrer Haustur geweckt wurde. Sie sprang auf unb gewahrte einen Knaben, der auf die Tür loshämmerte. „Holla, du!" rief sie ärger­lich. Der Knabe sah auf. „Bitte," schrie er, „Sie werden sofort nach Nr. 14 gewünscht. Meine Mutter" — „Mach' daß du wegkommst, du kleiner Dussel," unterbrach chn Frl. Zw., „du bist an der falschen Tür. Der Doktor wohnt zwei Hauser weiter." — „Aber," schrie der Kleine noch lauter, „Wir wünschen Sie doch. Mutter hat heute ibren neuen Humpelrock angehabt und wir wissen nicht, wie wir sie wieder 'rauskriegen.

eingezogen.

Zur Entschuldigung oder richtiger zum bessern geschichtlichen Verständnis dieser Dinge wird hin­gewiesen auf den Geist der Zeit, der eine re- ligtöfe Duldung, Toleranz gegen eine andere reli- giöse Ueberzeugung nicht gekannt habe. DaS ift richtig; aber warum klagt man dann immer die Päpste dieses Zeitalters besonders grimmig an, wo andere protestantische Fürsten genau so handelten? Wenn der Papst KlemenS VIII. von „Hirngespin- ften der Gewissensfreiheit" redet, nun dann weist Elisabeth von England mit großer Entrüstung die freche Unterstellung zurück: „daß wir etwa vor- hätten, zwei Religionen in unserm Reiche Duldung zu gewähren! Gott, der die Herzen erforscht, Weiß, daß wir an dieser Vorstellung unschuldig sind, und wie fern eS jedem unserer Berater gelegen hat, uns einen solchen Steg anzuraten, der den Friede« der Kirche stören und unfern Staat in Verwirrung bringen würde" (S. 390).

Dazu bemerkt Meyer: „Der Begriff der reli­giösen Duldung ist und bleibt also bis zum Schluffe der Regierung Elffabeths ebenso verpönt wie in Rom. Kein Unterschied zwischen der katholischen Kirche und dem protestantischen England!"

Dann wäre es der Wahrheit entsprechender, wenn die ewigen Lamentationen über „römische Intole­ranz" endlich einmal aus der Literatur ' schwänden!

Aur Gberhessen u. den heff. Aemtern.

(!) Marburg, 23. Sept. 1911. Vor einiger Zeit berichtete die „Heff. Landesztg.", daß die Firmung in Marburg diesmal der Bischof aus Fulda spenden werde. Unseres Wissens hat der Bischof von Fulda das immer besorgt; ob sie wohl gemeint hat, daß die Firmung voü Fulda a u S gespendet toeibe! Daß der Bischof Adalbert schon o Jahre tot ist, scheint sie auch nicht zu wissen; sie berichtete nämlich am SamStag, baff Bischof Adalbert eintreffen werde, auch am Montag hatte chr noch niemand gefagt, daß der jetzige Bischof Joseph Da­mian h«ißt, denn chr Festartikelchen trug die lieber« schrist: „Bischof Adalbert in Marburg." Gewiß ein gut unterrichtetes Blatt und für katholffche Leser sehr geeignet!

* Marburg, 23. Sept. 1911. Der bisherige Hilfsbibliothekar Dr. Phil. Konrad v. Scheele wurde zum 1. November d. I. zum Bibliothekar Hierselbst ernannt.

* Kirchhain, 23. Sept. 1911. Der Kataster­kontrolleur, Steuerinspektor Hoßbach ist zum 1. Ja­nuar 1912 nach Eschwege versetzt. — Die Stadt Kirchhain erlöste in diesem Jahre für verkauftes Obst rund 3600 Mk. gegen 3800 Mk. im Vorigen Jahre, wo die Obsternte bedeutend besser war.

* Frankenau, 23. Sept. 1911. Ein schwerer Unfall ereignete sich im Hause des Landwirtes H. von hier. Die Frau, die aufgestanden war, um Kaffee zu kochen, fiel, als sie zur Türe hinein gehen wollte, rücklings die Treppe fo unglücklich hinab, daß der Tod sofort eintrat. — Die Kartoffelernte ist hier hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Besonders geschädigt wurden die hiesigen Landwirte durch die Wildplage. Hirsche kamen in Rudeln bis an den Ort und verwüsteten ganze Kartoffelstücke vollständig.

* Neukirchen bei Ziegenhain, 23. Sept. 1911. Am Mittwoch wurde in unserer Stadt eine neue Turmuhr eingeweibt, die bon einem auS Neukirchen stammenden Amerikaner — Herrn Stumpf — ge­stiftet worden war.

* Homberg, 23. Sept. 1911. Was man alles stiehlt! Es ist kaum zu glauben, mit welcher Frech­heit die Spitzbuben ihrem sauberen Gewerbe ob­liegen. Dem Gutsbesitzer Br. zu Homberghausen wurde dieser Tage eine ganze Hühnerfamilie von 13 Stück Vorn Hofe entführt. Sie hat den Weg über Mosenberg nach Mardorf gefunden, wurde hier vom Wachtmeister Horn entdecft und dem rechtmäßigen Besitzer wieder zu geführt. In dem Nachbarorte S. wurde dem dortigen Bürgermeister bei Nacht und Nebel aus einem verschlossenen Schweinestall ein feistes Spanferkel gestohlen.

Mädchen viel von sich reden, das sich für die recht, mäßig« erstgeborene Tochter des Serbenkönigs Mft lan und feiner Gemahlin Natalie auSgibt. Der Bel­grader Rorrefronbent des „Verl. Lok.-Anz." hat bil angebliche Königstochter besucht und sich von thj eine wunderbare, wenig glaubhafte Geschichte erzäht lm lassen. Sie berichtet: .Ich wurde 1876 im Bell grober Konak geboten. Serbien erwartete damals einen Kronprinzen, weshalb ich verschwinden müßig Man schmuggelte denn ohne Wissen meiner Mutte, den späteren König Alexander an meine Stelle; idj ober wurde in Pflege gegeben und später bis z„ meinem achten Jahre im Djakovarer Nonnenkloste, aufgezogen. Später kam ich. zm Familie Baitsch i« Djickovar, wo ich es sehr gut hatte und eine sorg faltige Erziehung erhielt. Vor acht Monaten stark mein Pflegevater Johann Baitsch, der auf seinen Sterbebette mir mitteilte, daß mein Vater nicht Pa stalitsch war, nach dem ich genannt wurde, sonder« daß ich das rechtmäßige Kind König Milans uni der Königin Natalie bin. Er habe dies bisher aul patriotischen Gründen verschwiegen, damit in Seo bien keine politischen Wirren entstehen möchten. Jetzt da et feinen Tod nahe fühle, muffe er mir das Ge heimnis mitteilen. Der Sterbende übergab mir aud einen Ring, den Sie auf meinem Finger sehen, wer chen er vorn König Milan für mich erhalten hatte In diesen sind auch die Anfangsbuchstaben „M. D? eingraviert. Meinen Pflegeeltern ging es späte schlecht, und die Wegemutter mußte eine Putzmache ret einrichten, wo ich diese Beschäftigung erlernte von der ich mich auch derzeit erhalte. Später kar ich auch nach Belgrad und wurde im Konak als Büg lerin angestellt. Dort hörte ich ost die Geschichte voi bet vertauschten Tochter der Königin sprechen. Doi erlebte ich auch die grausame Blutnacht des Königs motdes. Einige Monate noch der großem Tragödi wurde ich entlassen und seitdem lebe ich in Semlin.' „Was gedenken Sie jetzt zu tun? fragte ich. „Ji spare mir Geld, mit dessen Hisse ich meine Muttei die Königin Natalie, in Paris auffuchen kann. „Warum schreiben Sie ihr nicht?" »Das tat W schon, machte ihr aber von meinet Herkunft keine Ei wähnnng und verlangte nur Unterstützung von ihl Bis heute habe ich aber keine Antwort " So ftirnz die mysteriöse ErzMung der entdeckten Prinzessi Obrenowitsch.

* Einstellung des Luftpostdienstes in England. Dey englische Minister für Post- und Telegraphenwesen ließ bekanntmachen, daß er die Beförderung von Postsachen mittels Aeroplans nicht mehr gestatten würde. Von Donnerstag ab ist also der Luftpost« dienst in England eingestellt. Uebrigens konnte bet Luftpostdienst zwischen London und Winsor seit seinem etwa achtwöchigem Bestehen nur an ganz schönen Tagen aufrecht erhalten werden. Das Ganze ist mehr Spielerei als praktische Emrichtung.

* Verbrecherjagd mit dem Aeroplan. Aus dem Staate Illinois wird berichtet, daß der Polizeichef von Jtafeka und der Aviatiker Simon mit Aero­planen flüchtige Verbrecher verfolgten, sie entdeckten und feftnahmen. (Amerikanisch!)

— Druckfehler. Junge Witwe, Inhaberin einer flott gehenden Bäckerei, wünscht sich mit einem gelernten Bäcker zu vermehlen.

— Summarisch. Heiratsvermittler: „Diese Dame sst ebenso geist- wie stein- und liebreich."

Literarisches.

Das Herbst-Werbehefi der „Allgemeinen Rund­schau" (Wochenschrift für Politik und Kultur, Heraus- geber und Verleger Dr. Armin Kausen in München, vierteljährlich 2.40 Mk.) darf wohl mit Recht als ein Gradmesser für den unaufhaltsamen Aufschwung der so beliebten Wochenschrift.bezeichnet werden. Wer sich vorüber informieren will/ wie die „Allgemeine Rund­schau" in der katholischen Presse und in ihrem inter- nationalen Leserkreis gewürdigt wird, braucht nur die auf drei Seiten mitgeteilten Stimmen aus dem Jahre 1911 zu überblicken. Es gibt wohl nicht leicht ein katholisches Organ, das Aehnliches aufzuweisen hat. Sehr bemerkenswert ist ein Bischofswort vom 26. August 1911: Ich habe mit eigenen Augen und eigenen Ohren den gewaltigen Missionseffekt der „All­gemeinen Rundschau" schon oft beobachtet." Da das Werbeheft in der Riesenauflage von 100 000 Exempla­ren erschienen ist, und die Geschäftsstelle (München, Galeriestrahe 36a), Gratishefte an jede mitgeteilte Adresse versendet, ist gerade in diesem Augenblick jeder­mann die beste Gelegenheit gegeben, die „A. 9t." auf beaueme Weise kennen zu lernen. m.

Handel nnd Industrie.

* Berlin, 22- Sept. 1911. Die Stimmung an der heutigen Börse war wieder gedrückt. Der Banken- warft war von vornherein gut behauptet; Eisen- bahnwerte fest. Auf dem Montanmarfte Preisv^. schlechtemngen von durchgehend 1 Prozent. Schiff« fahrtsaftim still. Eleftrizitätsoktien etwas niedriger-

Märkte.

+ Fulda, 23. Sept. 1911. Auf dem heutigen Schweinemarfte waren 3 Läufer und 235 Ferkel aufgetrieben. Bezahlt wurden für Säufer je nach dem Atter 21, 25 und 30 Mark, für Ferkel 6, 8 und 13 Mark für das Stück.

C®* Appetitlosigkeit

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1 li ch den Namen Dr. Hommel.

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