" fuldaer
Amt Geisa und Umgebung,
Reklamen- und Anzeigenteil.
ist überaus bezeichnend und für die Leute, die eine Zeitweise Aushebung deS MaiSzolleS wünschen, überaus ehrreich.
Sommer glaubte. Auch mit der Obsternte kann man zufrieden fein, haben doch in unserem kleinen Gebirgsdorfe die Bauersleute mindestens für 1800 Mark Zwetschen und Fallobst (Aepfel) verkauft, für das Gemeindeobst sind auch einige Hundert Mark gelöst worden.
Die Presse und die Wahle«.
Die hohe Bedeutung der Zentrumspresse im Wahlkampfe hat sich bei der Ersatzwahl in Düsseldorf roieber einmal recht interessant gezeigt. Das Düsseldorfer Zentrumsorgan hat im Laufe der letzten Jahre bedeutende Fortschritte gemacht und den toten Punkt, auf dem es seil Jahrzehnten schwebte, überwunden. Di« Auflage unseres Düsseldorfer Parteiorgans und der kleineren Zentrumsorgane im Kreise deckt sich ziemlich genau mit derZahl der Zentrums stimmen. Alles, was andere Blätter las, insbesondere die meisten Generalanzeiger« leser wählten rot. Wem da nicht die Augen auf' gehen, welches die wichtigste Waffe im Wahlkampfe ist, dem ist nicht zu helfen.
Er sprach von seiner Liebe, von einem neuen Leben in fernem, fremdem Lande . . .
Sie hörte ihm stille zu und lächelte. Aber ihr Lächeln war voll Schmerz und Weh; sie wußte, daß alles, was er sagte, nur Träume !innen einer großen Seele, durch welche das Hohelied der Liebe rauschte . . . . Das Ende stand klar vor ihr: Entsagung!
Die Prinzeffin weckte sie aus ihrem Traume. „Georg", sagte sie, „prüfe dich noch einmal. Hilde hat den rechten Weg gefunden. Er ist dornenvoll, aber- viele sind ihn gegangen. Denn Mensch fein — heißt leiden!"
Prinz Georg war ernst, als er ging; er hoffte einen anderen, besseren Weg zu finden.
Oben in ihrem Zimmer stand Hilde und blickte ihm nach: „Lebe wohl!" ftüfterte sie. Sie schloß das Fenster, warf sich auf ihr Lager und weinte um ihre junge, begrabene Liebe! —--
Am andern Morgen bat sie die Prinzessin um ihre Entlassung, am Mittag suchte sie ihren Vater auf. Es war ein grauer, schwermütiger Tag; wie ein Trauerschleier hing es über de Welt-
Bautz von Sonneck aber toar fröhlich. Er packte seine Bücher ein und Wilm füllte die Koffer. Run war ia alles gut: es ging in die Heimat!
Ms Hilde kam, siel ihm sogleich ihre Bläffe auf. „Kind, Kind, was haben sie dir getan?" rief er.
Da bekannte sie dem Vater alles.
Der Maior kleidete sich an und fuhr ins alte Palais. Hilde blieb zurück. Sie war mit ihren Gedanken allein und hatte Zeit, Abrechnung mit ihrem Leben zu halten. . . . Ihr Entschluß war gefaßt und sie sah ihren Weg vor sich: eine schmale, graue, steinige Straße, die in ein freudeloses Tal führte, wo der Nebel graute. Keine Blume blühte am Wege, kein Vogel fang, keine Sonne glänzte. Alles Nacht — und kein einziger Stern stand am Himmel.
Erst gegen Abend kehrte Sonneck in großer Erregung zurück. Er hatte Abrechnung gehalten mit der Prinzessin und eS mußten wohl harte Worte gefallen sein-
Sonneck kannte sich nicht mehr »ar Zorn. Das machte ihn bitter und ungerecht. Daß fein Kind ge
* Wem dir Notstandstarife zugute kommen. Ter .Deutschen Tageszeitung' wird geschrieben:
Auf die Zeitungsnachrichten hin, daß die Regierung entschlossen sei, einen Notslandstarif auch für Mais etnzusühren, wandte sich eine Genossenschaft an einen österreichischen Händler mit dem Ersuchen, eine etwaige Zoll- oder Frachtermäßigung ihr, wenigstens teilweife, zugute kommen zu lassen. Ter Händler schrieb aber, daß eine etwaige Ermäßigung der Fracht oder Herabsetzung des Zolles eine ganz erhebliche, die Ermäßigung wahrscheinlich völlig aufwiegende Preiserhöhung seitens der russischen Produzenten zur Folge haben weide. Diese Antwort
* Brückenau (Rhön), 22. Sept. 1911. In Platz kürzte bei dem Neubau eines Hauses der Maurer Edmund Deeg aus Lauter ab und erlitt derartige Verletzungen, daß er bald darauf st a rb.
* Schlüchtern, 21. Sept. 1911. Der landwirt- chaftl. Kreisverein bezog Speisekartoffeln aus Pommern und gibt diese zum Preise von 3.60 Mark pro Zentner ab. Abnehmer sind demzufolge genug vorhanden, da sonst 4—5 Mark pro Zentner bezahlt werden müssen. — Zur Zeit gastiert in Schlüchtern das Ensemble der „Neuen Frankfurter Schauspielbühne". Es muß sich dabei um ein hervorragendes Ensemble handeln. Der Kritiker des „Schlüchterner Kreisblattes" widmet nämlich der Darstellerin der Titelrolle in „Deborah" von Rosenthal folgenden Lobspruch: „Dieser Dame hat sicher Mclpomene, die Muse des tragischen Gesangs, an der Wiege Patin gestanden. Sie besitzt anscheinend speziell tragisches Talent und wird, wenn sie auf der betretenen Bahn weiterschreitet, noch viele Lorbeeren zu ernten Gelegenheit haben, ja zu einer großen Tragödin unsrer Zeit berufen sein. Ihr Mienenspiel ist vortrefflich, das Rollen ihrer Augen auffallend! Das Publikum wußte das zu würdigen und, wenn wir nicht irren, wurde ihr sogar bei offener Szene einmal applaudiert." Bei solchen Leistungen der Tragödin ist ein Irrtum doch ziemlich ausgeschlossen.
* Aus dem Werratale, 20. Sept. 1911. An manchen Stellen des Werratales ist in diesem Jahre ein so bedeutender Zwetschenreichtum wahrzunehmen, wie kaum in einem früheren Jahre. Die Leute können die Zwetschen gar nicht ernten. Deshalb kaffen die Besitzer vielfach die Früchte von den Konsumenten selbst pflücken und berechnen dann die Preise nach dem Gewicht.
* Aus Franken, 21. Sept. 1911. In S ch w ej n- h e i m wurde der 12jährige Sohn des Wagners Joh. Kolb von einem 17jährigen Bürschchen, namens Haraschka mit einer Pistole in die rechte Brustseite geschossen. Die Kugel drang bis auf die Lunge. — In Aschaffenburg wurde ein Heist icker Offizier a. Dr. tocgen Sittlichkeitsvergehen, die er gegen zwei Knaben versuchte, in einer Wirtschaft verhaftet.
* Aschaffenburg, 20. Sept. 1911. E i n R e i n- f a 11. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die liberale Presse kein größeres Vergnügen kennt, als alle paar Tage einen sog. „Priefterfkandal" zu melden und nur in den seltensten Fällen es für notwendig hält, von den Richtigstellungen später gleichfalls "Mitteilung zu machen. Anläßlich des Quartalswech sels glaubt die gleiche Presse aber doch gut daran zu tun, die k a t h. Leser etwas einzulullen. So bringt die „Aschaffenburger Zeitung" heute ein Bild von dem „berühmten Wallfahrtsort Lourdes". Im begleitenden Texte wird dann von dem „j a h r h u n d e r t e alten Rus der Grotte von Lourdes" gesprochen. Dabei sind die wundertätigen Erscheinungen, welche die Wallfahrten nach Lourdes veranlaßten, erst vor zirka 50 Jahren vorgekommen, während vorher niemand etwas von Lourdes wußte. Wer so wenig von katholischen Dingen weiß und in Wirklichkeit auch vom Katholizismus nichts wiffen will, täte besser daran, zu schweigen.
Handel und Jndnsirie.
* Berlin, 21. Sept. 1911. An der heutigen Börse machte sich die Nähe des Ultimo bemerkbar. Die Preisveränderungen auf dem Spekulationsmarkte waren nicht belangreich. Leitende Bankaktien um kleine Bruchteile abgeschwächt; auf dem Montanmarkte gab es Kursverluste von 0,5 Proz. Elektrische Unternehmungen 1 Proz. niedriger. Schiffahrtsaktien schwach.
* Diskonterhöhungen. Die Bank von England hat ihren Diskontsatz von 3 Proz. auf 4 Proz., di« Oesterreichisch-ungarische Bank von 4 Proz. auf 5 Proz. und die Belgische Nationalbank von 4,5 Proz. auf 5,5 Proz. erhöht. ,
BF billigst. "VL
M Xalb, Sohn, Eütterffiarkt 5
M 2\T.
Lrettag 22. September 19U 58. Jahrgang.
Deutsches Reich.
Zur Düsieldorfer Reichstagswahl schreibt die „Berliner Zeitung am Mittag", die nicht bloß linksliberal ist, sondern sogar einen starken sozialistischen Zug hat:
„Man wirb nicht ohne Sorge den Hauptwahlen entgegensehen angesichts dieser Unerschütterlichkeit des Zentrumsturmes."
Allerdings der Zentrumsturm ist unerschütterlich. Der Eindruck ist um so stärker, als die 29 000 Stimmen für den Zentrumskandidaten offensichtlich nur von den Anhängern des Zentrums selbst aufgebracht worden sind. Es steckt keinerlei Wahlhilfe einer anderen Partei dahinter. Die Nationalliberalen, die auf die Aufstellung eines eigenen Kandidaten verzichteten, haben das keineswegs getan, das Zentrum irgendwie zu unterstützen. Im Gegenteil, unter der Grohblock- Strömung war anzunehmen, daß ein Teil der liberalen Stimmen dem sozialdemokratischen Zentrumsgegner zufallen würde. Das ist zweifellos auch geschehen. Besonders fällt ins Gewicht, daß der Hansabund die Unterstützung des Zentrumskandidaten ablehnte, obschon derselbe sein Mitglied war und sich zu seinen Richtlinien bekannte. Diese Haltung des Hansabiindes war sehr häßlich, aber sie hat ihre gute Folgen. Erstens weiß nun alle Welt, was es mit der angeblichen Unparteilichkeit des Hansabuudes auf sich hat, und zweitens steht es außer jedem Zweifel, daß der Zentrumskandidat seine Stimmenzahl von 29 000 nicht dem Hansabund oder sonst einem Dritten, sondern nur der eigenen Partei verdankt. — Was die Stich- wahlaussichten angeht, so wird die Sozialdemokratie außer den 34 000 eigenen Stimmen die 3300 Stimmen der Demokraten erhalten. Soll das Zentrum siegen, so muß es also gegen 38 000 Stimmen aufbringen, d. h. zu den vorhandenen 29 000 noch gegen 9000. Von den christlich-sozialen Nimmen für Heckenrath (3000) werden Wohl die meisten für den Zentrumsmann als den bürgerlichen Kandidaten stimmen. Dann bleibt aber immer noch ein Bedarf von 6 bis 7000 Stimmen. Hat das Zentrum noch Reserven? Wir möchten es vermuten angesichts der bereits vermerkten eigentümlichen Erscheinung, die ein Fremder kaum zu enträtseln vermag, daß diesmal in dem Land kreis Düsseldors das Zentrum 3000 Stimmen weniger aufbrachte als 1907, während in dem Stadt- kreis Düsseldorf die Zentrumsstimmen um 3000 stiegen. Auf jeden Fall aber sind noch etliche 1000 nationalliberale Stimmen notwendig, um den Wahlkreis Düsseldorf vor dem Anfall an die Umsturzpartei zu bewahren., Tie Verantwortlichkeit für den Ausgang liegt also bet den Rational- liberalen Düsseldorfs.
beit sich um den 26jährigen stellungslosen Kellner Wilhelm Kirmes. Seit geraumer Zeit verschwanden auf den Berliner Bahnhöfen Reifenden kurz vor der Abfahrt der v-Züge wertvolle Gepäckstücke aus den Koupees. Kirmes verfuhr bei seinen Diebereien auf folgende Weise: In eleganter Kleidung mit einer Bahnsteigkarte versehen, begab er sich kurz vor Abfahrt der v-Züge auf den Bahnsteig und beobachtete dort die zur Abfahrt bereiten Reisenden. Sobald er bemerkte, daß ein Reisender fein Gepäck im Koupee nntergebracht hatte und sich wieder auf den Bahnsteig zurückbegab, um sich von Bekannten zu verabschieden, bestieg er den v-Zug, nahm das Gepäck des Reisenden und verließ den Zug am anbereu Eube. Er gab bas Gepäck sofort einem Gepäckträger uub ließ es in die Aufbewah- । rungsstelle bringen, um unauffällig ohne Gepäck den Bahnsteig und den Bahnhof zu verlassen. Dann holte er später auf Grund der ihm übergebenen Gepäckscheine das gestohlene Gepäck ab, dessen Inhalt er versetzte ober verkaufte. Der Verhaftete HK bereits 25 berartige Diebstähle eingestanben, doch dürfte die Zahl der von ihm verübten Räubereren erheblich größer sein.
* Wegen Unterschlagung im Amte verhaftete die Polizei den geschäftsführenben Obersekretar vom Oberlanbesgericht in Bamberg, Kanzleirat Franz Nemnaier. ' Bis jetzt sinb Unterschlagungen im Betrage von 1 4 0 0 0 M a r k festgestellt worben. Man I nimmt jedoch an, daß die unterschlagenen Summen bedeutend größer sind. .
* Auf dem französischen Kreuzer „Gloire wurde während der Anwesenheit des Marinemini- sters Delcasst- in.2oulo.it beim.Salutschießett das V e rschlnßstück einer Schiffskanone herausgeworfen. 7 Mann sind tot, 11 verwundet.
Ans Gberhesien u. den Hess. Aemlern.
KirckHain, 22. Sept. 1911. Gestern sand Hierselbst die amtliche Konferenz für die Lehre r und Lehrerinnen des Kreisschulinspektionsbezirks Amöneburg statt. Den Vorsitz führte Herr Dechant und Kreisschulm- spektor Kräh. Herr Lehrer Lambert-Neustadt wrach über den „Ministerial-Erlaß vom 31. Januar 1908" und Herr Lehrer Schlitt-Erfurtshausen über „die Behandlung fwwachbegabter Schüler in der Volksschule". Nachdem der Herr Vorsitzende noch einige Verfügungen bekannt gegeben hatte, vereinigten sich die Konferenzteilnehmer zu einem gemeinschaftlichen Mahle im Bahnhofshotel.
* Frankenberg, 22. Sept. 1911. Wie schon ge- j meldet, hat die Stadtverordnetenversammlung dem I Neubau einer kathol. Schule mgestimmt. Die katholische Gemeinde wünscht den Bau der Schule in größere Nähe der Kirche, da die Schüler | ihren Religionsunterricht in der Kirche eHalten und der Weg zur projektierten neuen Stadtschule sehr weit ist. Sie erbietet sich, einen Bauplatz gratis zur Verfügung zu stellen, auch sind die weiteren Bedingungen deratt, daß für die Stadt dadurch keine wesentlich größere Belastung enffteht. — An den Folgen des Sturzes in bet Scheune des Wolfersdorfer Hofes ist der Verwalter K e I b e r in bet Marburger Klinik gestorben. ,
* Treysa, 21. Sept. 1911. Gelegentlich einer Bertraneusmänner-Versammlung der deutsch-sozialen Partei, die am nächsten Sonntag in Treysa ftattfinbet, wirb bet Reichstagsabgeordnete Oberlehrer Dr. Werner-Gießen eine Gedächtnisrede für den verstorbenen Reichstagsabgeordneten Liebermann tzou Sonnenberg halten.
y Himmels berg, 21. Sept. 1911. Trotz der großen Dürre und Hitze, welche diesen Sommer herrschte, ist auch hier die Ernte zufriedenstellend ausgefallen. Der Roggen und Gerste waren gut, Hafer hätte freilich besser sein dürfen, ebenso die Erbsen. Die Gmmmeternte war schlecht, Kartoffeln und Gemüse sind besser ausgefallen als man im
Aus dem Nachbargebiele.
O Gersfeld (Rhön), 21. Sept. 1911, Wie in )en Vorjahren fand auch die diesjährige amtliche Konferenz der katholischen und israelitischen Lehrer des Amtsgerichtsbezirks Weyhers heute hier statt. Herr Kgl. Kreisschulinspett. und Dechant Medler eröffnete die Konferenz in der üblichen Weise und führte den Vorsitz. Außer den Lehrern waren auch die Lokalschulinspeftoren des Bezirks sowie Herr Landrat v. Doernberg erschienen. Referent bezw. Korreferent waren die Herren Hauptlehrer Schröder aus Poppenhausen und Lehrer Jung in Gersfeld. Vor Schluß der Konferenz hielt Herr Zahntechniker Kapp aus Fulda einen lehrreichen Vortrag über das Thema: „Zahnpflege der Kinder." Der Zahnpflege soll künftig in allen Schulen mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden.
häuft und ins Herz verwundet wurde, konnte er nicht verschmerzen.
Es litt ihn nicht mehr in der Residenz; er wollte sobald als möglich nach Schloß Sonneck zurückkehren. Zugleich drang er auf sofortige Entlassung Hildes aus dem Dienst bei der Prinzessin. Das wurde ihm gewährt.
Dann kam ein neuer Schlag: Fran Elga war durch einen sanften Tod von ihren langen Qualen erlöst worden. Die Beerdigung fand in aller Stille statt.
Nach ihrer Rückkehr in die Residenz trafen Hilde und ihr Vater ihre Vorberciwngen zur Abreise.
Da brachten die Zeitungen eine kurze Notiz, daß sich Prinz Georg im aufreibenden Dienst eine Erkältung zugezogen habe, die möglicherweise schlimme Folgen haben könne. Er werde daher zugleich mit seiner Tonte, der Prinzessin Franziska, den Winter an der Riviera zubringen.
Diese Nachicht riß die alten Wunden in Hilde wieder auf und erschreckte sie.
Am gleichen Tage erhielt sie einen Brief von Georg, worin er sie um eine Unterredung bat. Sie konnte ihm seine Bitte nicht abschlagen, denn auch sie drängte es, ihm Lebewohl zu fagen und zu erfahren, wie es um feine Gesundheit stehe.
Es war ein grauer, trüber Herbsttag, als Hilde durch den Park schritt, wo Georg sie erwarten wollte. Grauer Nebel kroch über den abfterbenben Rasen, und wenn der Herbstwind dir Wipfel bet Bäume schüttelte, rieselte ein kalter Regen nieder-
Auch in ihrem Leben war es Herbst geworden. All die frischen Knospen, die ihre junge Liebe getrieben hatte, hatte der Reif getötet.
Ihr war weh zum Sterben.
Auf einem einsamen Seitenweg traf sie Georg. Er trug einen weiten, langen Mantel und hatte den weichen' Filz tief in die Stirne gezogen. .Hude!
Alle seine Liebe Hang aus diesem Wort. «Die faßten sich bei den Händen. ,
ö „Weißt du, daß ick nach dem Süden muß? fragte
Schloß Sonneck.
48’ Roman von Felix Nabor.
„Es ist besser so", gab Hilde mit schmerzlichem Lächeln zurück. „Was vermöchte ich Arme denn zu bieten? Und wenn die Reue känie, die Enttäuschung, bann wären wir beide doppelt arm. Drum wollen wir oben bleiben auf der Höhe unseres beffaren Selbst, und wollen — entlegen. Dadurch werden wir erst ivahrhast groß."
Der Prinz umfaßte sie mit seinen Armen. „Du darfft mich nicht verlassen!" rief er. „Du bist mein — ewig bist du mein! Weißt du denn nicht, daß ich ohne dich nicht leben kann? Du bist mein Leben, mein Licht, mein Glück, meine Sonne! So klein List du nicht, daß du dem Kampfe ausweichst. Du bist Lo stolz, so groß. . . ."
„Wir werden erst bann wahrhaft groß, wenn wir uns selbst bezwingen. Wir wollen groß sein und edel — Adelsmenschen, die nicht auf die kleinen und törichten Wünsche des eigenen Herzens hören, sonder» der Stimme der Pflicht folgen. Das Leben erhebt seine Stimme und ruft Sie auf den Platz: auf den Thron! Sie müssen dem Rufe folgen, das ist Ihre heilige Pflicht!"
„Hilde! .... Du Hohe! Du Reine! Geh nicht von mir! Du sollst mir ja die Sonne meines Lebens jein. Ich werde für dich kämpfen —"
»Nein — nicht um mich sollst du kämpfen, sondern um deinen Namen, um deine Ehre Wenn dein Fürstenschild wie Gold erglänzt, wenn deine Krone schimmert und dein Name mit Liebe genannt wird im gangen Land; er hat mich einmal lieb gehabt. Ich war Ihm eine Blume, deren Anblick ihn erfreute, aber es war ihm nicht vergönnt, sie an seine Brust zu heften."
„Nein, nein!' rief der Prinz und faßte ihre Hände. „Immer sollst du hier ruhen! In dieser Stunde erkenne ich erst recht deine Größe- Ich nehme dein Opfer nicht an, ich trenne mich nicht von dir!"
er. „Die Aerzte befehlen es — und ich gehorche. Aber ich konnte nicht gehen, ohne dich gesehen zu haben."
„Mein Gott," rief Hilde, „bist du ernstlich krank?"
Er lachte gezwungen. „Ach, wo denn! Die Aerzte sagen, ich mußte mich in Acht nehmen, daß die Krankheit meiner Mutter bei mir nicht zum Ausbruch käme. Ist ja Unsinn, Hilde. Ich bin kerngesund Nur die Aufregung, die Sorgen, du weißt ja, und dann der anstrengende Dienst — das alles hat mich ein bißchen gepackt. Ein paar Monate Ruhe und warme Luft — und ich bin wieder auf dem Damm!"
Hilde betrachtete ihn und erschrak. Sewe Augen waren von dunklen Ringen umgeben, das Gesicht ab« oemagert, bie ganze Gestalt schien geknickt. Was war das nur? . . Wie konnte ein Mensch in em paar Wochen so herunterkommmen?
Der Prinz sah die Angst m chrem Blick und tröstete sie. „Wenn ich erst recht viel Sonne habe, Hilde, werde ick bald gesund fein."
' Sie schmiegte sich an ihn, voll Liebe und Mitte,d. „Reise bald, Georg," bat sie, „damit du gesund wirst."
Er nickte. „Und du hast mich immer heb, Hude-
„Immer! Ich liebe nur dich."
„Du bist mir nicht böse? . . .'
„Wie sollte ich? Ich habe dich doch heb!
„Nun gehe ich gern! Wenn ich erst gesund bin, wenn ich meine alte Kraft uirückbekommen habe, dann will ich den Kampf zu Ende führen. Dann werden wir uns nie mehr trennen und immer gluckhck fenv
Sie gingen zu einem kleinen Pavillon und ,eo sich S-ite an Seite- Ein paar kleine rote Rosen nm ten zu der Brüstung herein - wohl d,e letzten die, es ^ßilbe brach die Röslein und schlang ihre Ranken ineinanbet. Sie hatte nicht gesehen, wie sich der Prinz hastig die Lippen wischte. Etwas Warmes, Süßes war ihm im Munde emporgequollen, eine fleine, warme, rote Weile, deren Spuren er ängstlich verwischte.
(Fortsetzung folgt.)
* Bach«, 22. Sept. 1911. Vor dem hiesigen Amtsgericht fand jetzt die Anerkennung der Verträge statt, welche seinerzeit zwischen der hiesigen Stadtgemeinde und beit Käufern der Widmarck- Grundstücke abgeschlossen worden sind. Es waren I _ * Istha b. Naumburg, 22. Sept. Der Arbeiter dazu etwa 100 Personen geladen. Herbold st ü r z t e hier beim Abnehmen von Stroh
* Tiefenort, 22. Sept. 1911. Hier fand der vom durch eine Bodenluke in die Tiefe. Er erlitt Großherz Bergamt anberaumte Termin zur Ent- einen Schädelbruch und einen komplizierten Bruch eignung der für die Grubenanschlußbahu der Ge- des linken Oberschenkels.
Werkschaft Kaiseroda nach ihren neuen Schächten ---------
bei Merkers erforderlichen, in den Fluren Tiefen- IWiinSefctoc
ort und Merkers gelegenen Grundstücke statt. Nach vvl »lllfu/lc».
längeren Verhandlungen ging eine gütliche Einigung I * Luftschiffmanöver bei Köln. Im Oktober wer- zwischeit der Gewerkschaft und den Grundbesitzern I ^eit jn Umgebung von Köln umfangreiche Luft- vor sich, sodaß das Enteignungsverfahren nicht tu I schsflmanöver stattfinden. Das Militärluftschiff Wirksamkeit tritt. Je nach Lage, Größe und Be- II" ist Mittwoch dort eingetroffen und in schaffenheit der Grundstücke zahlt das Werk für das ^e. Bickendorfer Luftschiffhalle gebracht worden, erforderliche Areal 0.70 bis 1.25 Mk. pro Quadrat- Außerdem sind noch zwei transportable Luft- meter. schiffhallen in der Halle untergebracht.
* Aus Thüringen, 22. Sept. 1911. Seit Mitt- * Festnahme eines V-Zugräubers. Der Ber- woch ist in verschiedenen Teilen des T h ur t n g er [jner Kriminalpolizei ist es nach langwierigen Be- Waldes Schneefall eingetreten. ~tcJ10^. obaditungen gelungen, einen gefährlichen Eiseu- lichen Regionen Thüringens zeigen habet nach tote jaljnräuber auf frischer Tat zu ertappen. Es han- vor warme Temperatur; man klagt sogar verschiedentlich über Dürre und Trockenheit. — Zwischen Benzhausen und Melhts bei Suhl ist ein Automobil infolge Versagens der (Steuerung gegen einen Chausseestein gefahren. Die Jnsafsen wurden herausgeschlcudert. Eine junge Dame war sofort tot, ihr Bräutigam ist schwer verletzt. Das Automobil wurde stark beschädigt. — Auf dem Bahnhofsterrain von C o r b e t h a spielten Kinder nut Zund- hölzchen und setzten die Weidenbestände einer Korb- warensabrik in Brand. Es gingen Weiden für etwa 30 000 Mk. verloren. — Das Krematorium in Meiningen ist jetzt fertig gestellt und wird tu näcbfter Zeit in Gebrauch genommen werden. Dieser Tage sand eine Probeverbrennung statt, bet der ein Tierkadaver im Gewicht von 175 Pfund binnen IV. Stunden in Asche verwandelt wurde. An der „Leistungsfähigkeit" des Verbren- nnitgsofeus ist also nicht zu zweifeln.
tT At #|| H 2. Blatt.
I | | vrack und vertag der Mdaer Aettendrilckerei