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M H6, Donniirstag 2 l. September 1911 38. ruhrgang.

* Tuldaer M Leitung

2. Blatt.

Druck und Verlag 6er fiulbaet Rcttendnrckerei in Fulda.

Aus dem Nachdaraebiete.

Deutsches Keich.

eine

nisse und eine

„Es ist Prinz Georg/ erwiderte Hilde leise und

von Inseraten.

Aus denn zur Agitation für die „Fuldaer Zeitung".

Aus Oberheffen u- den Hess. Aemtern.

* Marburg, 21. Sept. 1911. Der derzeitige Rek­tor unserer Universität, Prof. Dr. Karl Budd e, wurde anläßlich der 500-Jahrfeier der schottischen Universität St. Andrews zum Ehrendoktor die­ser Hochschule ernannt-

A Aus Oberhessen, 21. Sept. 1911. Aus den Hatzfelder, Wittgensteiner und Hainaer Forsten, so­wie aus dem Burgwalde, treten jetzt oft rudelweise die Hirsche aus und richten in den Kartoffel­feldern vielfach Schaden an. Bei Berleburg wurde z. B. in den letzten Tagen ein großes Kar- tosfelstück total verwüstet

* Kirchhain, 21. Sept. 1911. Am vergangenen Samstag wurde, nach der „Kirchh- Ztg.", beim Be­zirksausschuß in Kassel die Klage des Landwirts August Stein und 19 Genossen von Langenstein gegen die Stadt Kirchhain wegen Heranziehung zu Spann­diensten verhandelt. Die Langensteiner Einwohner stützten ihre Klage in der Hauptsache daraus, daß die Feldmark Bichmannshausen nicht zum Gemeindede- zirk Kirchhain, sondern zu Langenstein gehöre und die Stadt Kirchhain deshalb nicht zur Erhebung des Spanndienstgeldes berechtigt wäre. Die Klage wurde abgewiescn und die Kläger in die Kosten des Rechts­streites verurteilt. — Wie bereits vor einigen Jah­ren, so soll auf vielseitigen Wunsch auch im Laufe dieses Herbstes ein M e i st e r k u r s u s hier abgehal­ten werden. Di- Handwerker, besonders die aus­wärtigen, welche an dem Kursus teilzunehmen wünschen, wollen sich baldigst bei Herrn Obermeister Becker dahier anmelden, damit die Einrichtung des Stundenplanes möglichst mit Anschluß an die Züge

möglich? Du —"

„Schweig," bat Hilde. „Frage nicht! Laß uns eilen, Iris. Ich mutz nach Hause. Lebe wohl!

Als Hilde ins Palais zurückkehrte, fand sie den Prinzen. Die Prinzessin hatte mit dem Fürstenpaar eine Ausfahrt nach einem Jagdschloß gemacht und war noch nicht zurückgekehrt. Prinz Georg schien ne erwartet zu haben. Er lehnte am Karnin, in dem ein Feuer prasselte, und starrte in die züngelnden Flam­men. Sein Gesicht war bleich, seine Haltung müde und abgespannt-

Er begrüßte Hilde herzlich und sagte: „Liebste heute faßt die Entscheidung. Vielleicht wird gerade in dieser Stunde auf Schloß Wildenstein über unser Schicksal entschieden."

Hilde erblaßte. „Mein Gott," sagte sie, „mir bangt vor der Zukunst. Und wie tut es mir leid, daß du meinetwillen so schwere Kampfe zu bestehen hast. Gib mich frei, Georg." ,

„Niemals!" rief er. „Wahre Liebe ist em Hei­ligtum, für das man fein Herz hingibt- ^zch lasse nicht von dir, Hilde. Dmn unser Herzensbund ward nn Himmel geschloffen und Menfschen sollen ihn nicht trennen." t ,,

„Wie du willst!" sagte sie, und er erzählte ihr von den Hindernissen, die ihm in den Weg gelegt wurden. . ,. m .

Darüber war es Abend geworden und die Prin­zessin kehrte zurück. Nun wußten sie, daß sie vor der Entscheidung standen- — —

20.

Hilde hatte bisher immer geglaubt, Prinzessin Franziska stehe nicht gut zu ihrer Verlobung mit dem Prinzen und ein leises Mißtrauen hatte sich bei ihr eingeschlichen. Als sie aber jetzt in ihr sorgenvolles, aramdurchfurchtes Gesicht blickte, als sie ihr ins Auge

seid ihr beide zu vornehm."

„Ich würde mit Freuden arbeiten!" rief Hilde. „Was denn, mein Kind, "

gl. Aus der Staatsbeamtenbewegung Eine der be­deutendsten Beamtenorganisationen, der Verband mittlerer Reichs post- und Telegraphen-^ Beamten, hielt vom 18. bis 20. September seinen Verbandstag in Berlin ab. Der Verband ist mit eine der ersten Beamtenorganisationen, die neben Pflege der Kollegialität und Geselligkeit auch die Lösung sozialer Probleme mit in ihr Programm ausnahmen und eine Verbesserung der Berufsverhalt­nisse sowie eine planmäßige Fürsorgetätigkert in Form von Wohlfahrtseinrichtungen erstrebte ^m Mittel­punkte der diesjährigen Tagung stand ein Referat über die soziale Fürsorgetätigkeit des Ver­bandes. Das bedeutet insofern eme Wendung, als in den letzten Jahren in dem Ausbau der sozialen Fürsorgeeinrichtungen ein Stillstand eingetreten war Der Verband mußte eben seine ganze Tätigkeit aus

erfolgen kann.

»Gudensberg, 20. Sept. 1911. Ein eigenar­tiger Unfall hat sich, nach Meldungen auswär­tiger Blätter, hier ereignet. In einem Kartofsel- keller, der zugleich als A ep f el w e l nke ll er diente, wurde die Frau eines Einwohners von ihrer Tochter bewußtlos aufgefunden. Rasch eilte sie hinaus, rief eine Nachbarin zu Hilfe, beide begaoen üch in den Keller, verloren aber gleichfalls binnen wenigen Minuten in dem durch den Gährungsprozetz des Aepselweins mit Kohlensäure ungefüllten Keller das Bewußtsein. Zum Glück kam bald Hüse, sonst wären die Frauen im Keller erstickt. Das Rettungs­werk war übrigens sehr schwierig, da die Emtreten- den ebenfalls Gefahr liefen, betäubt zu werden.

* Wittelsberg, 21. Sept. 1911. Beim Aepfel- pslücken stürzte ein hiesiger Arbeiter vom Baum und erlitt eine schwere Gehirnerschütterung.

* Zimmersrode, 21. Sept. 1911. Am samstag sand eine Vorbesichtigung der Strecke D e ns b ur g- Gemünden statt. Die Arbeiten sind sämtlich so weit vorgeschritten, daß der für den 29 d M. ange­lten landespolizeilichen Abnahme und ebenso auch der Eröffnung am 2. Oktober nichts mehr hinderlich im Wege steht- Von Gemünden aus fuhren die be­sichtigenden Beamten nach Kirchhain, um das Ter­rain für die auszuführende W o h r a t al b ah n in Augenschein zu nehmen. Die Bauabteilung in Jes­berg wird am 1. Oktober dieses Jahres aufgelöst und ist berttt« ein Teil der Beamten nach Kirchhain ver­setzt Die auf hiesiger Station ausgeführte Perfonen- Unterfiihrung geht ihrer Dollendung entgegen Eben­so gelangt auch die schon längst beschlossene elektrische Beleuchtung des gesamten hiesigen Bahnhofes tn aller Kürze zur Ausführung.

„Run - wie gefällt Ihnen das? So würd' ich das ganze Buch schreiben. Mein Gott, wir haben doch Zeit dazu . . . Ach, wäre das köstlich! Ich stelle meinen Schreibtisch auf die Terrasse unter die rot- gestreifte Markise — Sie setzen sich in Ihren sessel an den Tisch, rauchen Ihre Havanna, trinken Ihren Rotspon und diktteren mir . - - und auf der Terrasse liegt der blanke, goldige Sonnenschein und der alte Turm lacht herüber und die Bäume rauschen . . •

Sonneck war überwältigt. ,,3rt5", rief er, „ich nehme an! Mein Gott, an so viel Gluck kann ich ja gar nicht glauben!"

Iris klatschte vor Freude in die Hande. „Es ist zu schön! Sie müssen gleich nächste Woche nach son- neck ziehen, damit Sie noch recht viel von dem wun- bcrbaren Herbst haben. Das wird 'Die rasch gesund machen. Und Hilde muß auch kommen! Ach Gott, wird das schön werden! . . ." Sie umfaßte Hüde und tanzte mit ihr im Zimmer umher. Dazu stieß bet Major mit seinem Stock auf den Boden und lachte, wie er seit langem nicht mehr gelacht hatte. —

Schließlich drängte er die beiden zum Zimmer JinauS, indem er rief: „Ihr seid ja ganz toll, Mä- els! Toll seid ihr! Hört auf, sonst tanze ich auch noch mit."

Da gingen sie. Er aber stand am Fenster und schaute ihnen nach, wie sie Arm in Arm da unten da­hinschritten, froh und heiter, Jugend neben Jugend.

Hilde und Iris schritten indes durch den Park. Sie sprächen von der Zukunft, vom Leben auf Son­neck, von Viktor. . , r, .

Ans dem Reitwege nahte ein Rettet, em schmucker Offizier Die Parksoldaten 'gaben biet Honneurs- Der Offizier verbeugte sich und grüßte lebhaft her­über. Hilde dankte, während ihr Gesicht wie Purpur ,t9lXr ist bM der Offizier?" fragte Iris. .Schau Mut. all die 3Lute sehen ihm nach."

fallen.

* Aus Thüringen, 21. Sept. 1911. Die Arbeit­geber in der Erfurter Metallindustrie haben sich mit den Ausgespcrrten und Streikenden geeinigt, w- daß heute in sämtlichen Betrieben die Arbeit Wieder ausgenommen wird.— Große Unzufriedenheit herrscht in der Umgegend von Eisenach über die strenge '•tbfberrung der dortigen Wälder. Die Dore der durch die Wildzäune führenden Wege sind sogar durch Vorhängeschlösser gesichert. Die vom Rennsteig ab- zweigenden Wege können infolgedessen meist gar mcht benutzt werden. — In Blumen au bei Mellen­bach ist der Zeidlersche Gasthof Niederge­bra n n t. — Am Montag morgen wurde in ’S i e g- niundsburg bei Meiningen leichter Schneefall beobachtet.

* Göttingen, 20- Sept. 1911. Im nahegelegenen Holensen ist der Bäckeimieister H. ein^Opfer des A l k o h o ls geworden. In früheren fahren erfreute sich seine Brotbäckerei eines guten Rufes. Er ergab sich jedoch dem Alkohol und sein Geschäft ging rück­wärts. Er hatte in der Stadt tüchtig gezecht und Wurde in einem Fuhrwerk nach Hause gebracht, ^n seinem Rauschzustand hat er dann m seiner Woh­nung zmn Strick gegriffen. Morgens sand man. ihn

solche Artikel angestachelt, unreife Kopfe auch ander­wärts die Pistole ergreifen dann kommt auch die e Bluffchuld auf das Haupt der Genoffen. Die ganze bürgerliche Gesellschaft hat den Mord alseines der schwersten Verbrechen gebranbmartt, mir die Sozial­demokratie verherrlicht ihn; das ist ein Stuck der neuen Moral der Volksbeglücker. Wir gratulieren dem Liberalismus zu diesem Bundesbruder mit der Pistole in der Hand- . _

0 Jena, „ein Sedan oder em J«s»s - Aus der Rede Bebels auf dem sozialdemokratischen Par­teitage will die liberale Presse ersehen, dap die radikalen Roten eine Niederlage erlitten und daß die Gemäßigten (d. h. Revinonisteiis den Sieg davon getragen hätten. Das ist wdochnrch)t richtig. Bebel hat n u r d e s h a l b m der Marokko- iraae so ruhig gesprochen, weil alle Deutschen, bi/noch etwas nationales Empfinden haben, ent­rüstet waren über die sozialdemokratische -jobitng, beim Ausbruch eines Krieges den eigenen Soldaten durch einen Generalstreik in den Rucken zu fallen. Weil er den ü b l e n E r n d r u ck f u r die Z a h­len fürchtete und das Zusammengehen der bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokraten, rückte er schnell ab, um die Liberalen wieder beim Bündnis mit den Sozialdemokraten zu erhalten. Das ganze Referat $eU war lediglich bestimntt, das stutzig gewordene liberale Burgerium wieder einzululleii.

erhängt vor. . r,

* Darmstadt, 21. Sept. 1911. Bei dem schon ge- meldeten'Automobilnnglück in der Nähe von Darmstadt ist der Führer des Wagens der Chausseur Schreiber, auf der Stelle getötet, der zwecke Ali­asse, der Ingenieur Buß, schwer beriecht worden. Beide sind aus Frankfurt a. M.

Vermischter.

* Ein sozialdemokratischer Schwindel. Unter der Spitzmacrke: „Die Sünde am Freitag erzählten sozialdemokratische Blätter, der katholische Geistliche von Dilsberg (Baden) habe in Mückenloch m der Wirtschaft „Zur Lined" eine Politische Bersamm-. hing abgehalten und dort über die neuen Steuern gesprochen. Danach habe er sich bei der Witim Wurst mit Brot bestellt, obschon es ifrmtag, war. Einige Burschen, die an einem andern Tische saßen, hätten nun zii einander gesagt: „Siehe, der Pfarrer ißt auch noch am Freitag Wurst!" Darauf habe die Wirtin den Pfarrer zur Rede gestellt und ihm die Wurst wieder toeggenommen, worauf natürlich ein allgemeiiies Hallo entstanden sei. Der in Be- tracht konuneilde Pfarrer Wäldele m Dilsberg muß fein. Ihr seid beide mittellos. Wovon wollt ihr leben? Um einen bürgerlichen Beruf auszuüben, da-

Genuztuung:

Die Gewaltpolitik der rMsischen Gegenrevolution, die Politik der Greuel und Verbrechen hat bie A n - wort gesunden, die sie prophezeit hat. ^or Hauptz ihr blutbefleckter Vertreter ist durch die Kugel eines Revolutionärs zu Boden gestreckt. Der Tater hat Ver­geltung geübt usw."

Selbswerständlich äußert das sozialdemokratische Blatt Mitleid mit dem Attentäter, indem es be- mertt: .

eis wäre lächerlich, diese Tat mit dem Ma«- stab des Strafrechtes $n messen. Wo eine I Bande, wie die um Nikolaus H. über einem unglück­lichen Volke wütet, da kehrt der alte Urlaub b-r Natur wieder, wo Mensch 5em Menschen gegenüber- steht. Mögen sich das die tieuie gesagt lern lassen, die in Deutschland nach russischer Gewaltpolitik gegen die Arbeiterklasse schreien."

eine geeignete Lektüre. . I

. Für das katholische Haus kann nur eme tm ka-1 tholischen Sinne geleitete Zeitung geeignet sein. Es soll und darf deshalb auch in keinem katholi- scheu Hause eine katholische Zeitung fehlen. Für Fulda, Kurhessen und die angrenzen­den thüringischen Lande kommt als Organ der Ka- tholiken nur die „Fuldaer Zeitung" in Frage. Die „Fuldaer Zeitung", dieser Prediger des Alltags, Wie man zutreffend die katholische Presse genannt hat, wird stets vornan stehen im Kampfe um die christliche Weltanschauung, der zurzeit in aller Heftigkeit ent­brannt ist. Die katholische Presse in diesem Kampfe, der nach allen Seiten geführt werden muß, zu unter- stützen, ist die Pflicht eines jeden Katholiken. Ganz besondere Veranlassung bieten dazu die Wahlen zum Reichstag, die in den nächsten Monaten bevorstehen. Tie „Fuldaer Zeitung" wird auch im Wahlkampfe wieder die bewährte Politik des Zen­trums vertreten, die Politik, die bestrebt ist, jedem das Seine zu bringen und der als Wahlspruch das Wort dient: „Für Wahrheit, Freiheit und Recht." Sie Wird Wie bisher auch ferner eintreten für die soziale wub wirtschaftliche Hebung aller Bevölkernngsklasseii.

Der gediegene und reichhaltige Inhalt der „tful= vaer Zeitung" hat ihr viele Freunde erworben. Wenn aber die „Fuldaer Zeitung" ihre Mission, die ihr als | Organ der Katholiken und des Zentrums zufällt, in vollem Maße erfüllen soll, ist es notwendig, daß sie immer weitere Verbreitung findet. An der Verbreitung der „Fuldaer Zeitung" mitzuarbeiten sind auch mitberufen alle Leser, denn dadurch dienen sie der guten Sache, die unser Blatt vertritt, und werben im gegenwärtigen Kampf der Geister neue Streiter. Jeder mutz es deshalb als eine Ehren­pflicht betrachten, die Presse, die für feine Ideen ein­tritt, auch nach Kräften zu unterstützen durch Abon­nement, durch Empfehlung in Freundeskreisen, durch Aufgabe von Adreffen solcher Personen, die als Abon­nenten gewonnen werden können, durch Zuwendung

Schloß Sonneck

47] Roman von Felix Rabor.

sah, in dem nur Gitte zu lesen war, da bat sie ihr im stillen jeden Vorwurf ab.

Nach einer herzlichen Begrüßung bat sie Hilde und Prinz Georg, Platz zu nehmen. „Meine Lieben", sagte sie, „es gibt Tage im Leben, von denen ein ganzes Menschenschicksal abhängt. Ein solcher Tag ist heute für uns. ... Ich habe euch beide ins Herz geschlossen und mein heißester Wunsch ist es, euch glück­lich zu sehen. Wir wollen ganz offen zueinander reden. ... Ich habe heute mit dem Haupte unserer fürstlichen Familie eine ernste Unterredung gehabt. Er ist dir wohlgesinnt, Georg, er hat auch gegen Hilde persönlich nichts einzuwenden, aber trotzdem kann er niemals die Zustimmung zu dieser Heirat ge­ben. Ich muß seine Gründe gutheißen. Es ist nur eine Möglichkeit übrig: alle Vorrechte deiner Stel­lung aufzugeben und ein einfacher Bürger zu wer­den.' Du müßtest demnach deine Karriere als Offi­zier aufgeben, dich von deiner Familie trennen und das Land für immer verlassen."

„Ach, Tante," rief der Prinz, „das sind doch alles nur kleine Ding- —"

„In euren Augen — ja. Aber diese kleinen Dinge wachsen mit der Zeit zu Lawinen an, die euch erbrüten."

„Wenn man sich aber lieb hat!"

„Das ist freilich ein triftiger Grund. Aber ist diese Liebe so stark, daß sie allen Gefahren trotzt? Wird nicht die Reue, bie'es schwarze Rachegespenst, am Ende eures dornigen Weges stehen und euch aus­einanderreißen? ..."

„Niemals!" riefen beide tote aus einem Munde. „Wir werden uns ewig lieben!"

Die Prinzessin lächelte trübe. „Ja, die Jugend!" sagte sie. „Tie schwört nur bei Ewigkeiten. Sie weiß nicht, daß eine einzige Stunde solche Ewigketts- schwüre zertrümmern kann. Ich glaube gern, day eure Liebe durchs Leben anhalten wird Dmn ihr seid beide große, edeldenkende, innerlich , i.

Me- es kommen dabei auch noch andere ~mge in Betracht. Es ist häßlich, davon zu reden, aber

„Um des Lichts Stellge Mamme^ sammeln sich die Hausbewohner.

Dieses Dichterwort kommt ^Rächte

deS Herbstes, wenn die Tage kn z |

l^ger ^^Menschen, die nun mehr als in den aber auch Aufenthalt in den Häusern

angewiesen sind, das Lesebedürfnis hervor. Dieses Bedürfnis zu befriedigen, ist m erster Lime die gespresse berufen und geeignet. Ohne den Ge- fchichtsschreiber des Alltags auszukommen ist Wohl niemand mehr möglich, der über die Ereignisse m der Politik, im Wirtschaftsleben, in der Staats- und Kommunalverwaltung, im Vereinsleben usw. auf dem laufenden bleiben Will. Doch nicht jede Zeitung b,etet

Verhältnisse lenken. Das Referat sollte Anregung^ den die Fürsorgetätigkeit von neuem weiter au-zu- bauen. Es stellte eine Reihe von Forderungen auf -^Gründung einer Haftpflichttasse, einer Brandfcha- esi- und Einbruchsdiebstahlversicherung, Ausbau der Schulungsgruppen und Ferienkurse, um die Bttdung zu fördern (habet wurde auch des sozialen Kursus für Beamte, wie ihn der Vottsverein im April d. ^5- veranstaltete, gedacht), Tätigkeit zur Bekampstuig der Tuberkulose usw. Wenn diese nur zum Teil m die Wirklichkeit umgesetzt werden, dann bedeuten sie einen großen Fortschritt. Der Verbandstag empfahl weiter feinen Einzelorganisationen den Anschlüße den Verband deutscher Beamtmvereme Die alten Wünsche hinsichtlich der Offenhaltung der Personal­akten und vierteljährlichen Gehaltszahlung, ebenso der Antrag wegen Gleichstellung der Post- und Tele^ graphmgehilsen und der mchiangchellten W. um) Telegraphcnassistenten aus dem Zwilanwarterstande mit dm aus dem Supemumerat hervorgegangenen preußischen Beamten wurden wiederholt.

• Verherrlichung des Mordes. In den letzten Wochen hat die Soz iald emokrat t e sich wie­derholt der staunmden Welt als Fnebensengel vor- aestellt. Mitten in diese Komödie siel der schuß von Kiew und er zeigte die Sozialdemokratie m ihrer wahren Gestalt: als eine blutdürstige, Ge­sellschaft, wie alle Revolutionäre. Da ist von Frieden oder Brüderlichkeit gar keine Rede mehr, ^n der aanzen roten Presse liest man kein Wort des Bedauerns über den feigen Mord. Die bürgerlichen Parteien aber erinnern sich daran daß die soziaU- stische Presse unmittelbar vor diesem Attentat ou»- aeführt hat, daß die deutsche Sozialdemokratie 500 000 Mark zur Unterstützung der russischen Revolution ausgegeben habe, daß Bebel auch „binnen kurzem einen neuen Aufschwung" der Revolution aritunbigte Kaum hatte er gesprochm, da fiel der Schuß tm Stadttheater zu Kiew und der ihn abgab, das ist ern Sozialdemokrat, der zynisch erklärte, daß er tm Auf­trage seiner Partei gehandelt habe- Mit blu.beiu- beiten Händen steht also die Toztaldemokratie vor uns; ein netter Friedensengel. Immerhin, hxnni bie Sozialdemokratie den Mörder von sich abschutteln würde, könnte die voliiische Sette des Attentats als erledigt betrachtet werden. Aber btc_rote Presse denkt Lar nicht daran Im Geoenetl; sie freut i ich I über das Attentat, wie wir toon geltem am $ ctip -ej des Frankfurter sozialdemokratischen Blattes, der „Bolksstimme", zeigten. Die deutsche Sozialdemokratie wird natürlich jede Verbindung mit der russüchen Mordtat ableugnen, aber der Freudenschrei, den die rote Presse über die Kiewer Schreckenstat aus- itieß ist bezeichnend genug für die Gesinnung dieser Leute. Der vorwärts" beschäftigt sich mit dem Attentat w dem Leitartikel „Eine furchtbare Wa„-

I innig" in Nr. 217 und schreibt triumphierend: ,^en I genfer der Revolution hat das Schicksal ereilt, da- er so vielen der Besten des russischen Volkes bereitet bat." Deutlicher schon wird die „Leipziger I Volkszeitung". Unter der Ueberschrrst „Ver- 1 „eltnng" verkündet das Blatt in Nr. 214 das blutige

Ereignis. Sie schreibt im Hochgefühl revolutionärer

schaute ihm nach. .

Iris wurde aufmerksam. „Du, Hilde, du bist ja ganz rot geworden! Dein Arm zittert, ^a, wa- ift dir denn? Ach, bin ich dumm! Er ist doch der Neffe deiner Prinzessin. Ja, Hilde, Hilde — ist es

So hat es die sozialdemokratische Presse immer gemacht. Sie trieft vor Mitleid für jeden Atten­täter. Die Drohung gegen die Gegner der So­zialdemokratie in Deutschland kennzeichnet im uon= gen am besten die wahre Gesinnung ber get= Verband mußte eben seine ganje auf I g1Tt>i o^äT/n @ru n b g e b am

d-- I°Md-n°I°°qch.» Id«,. W-»», du-ch

Ami Geisa und Umgebung.

* Dermbach, 21. Sept. 1911. Mr die Abge­brannten in Neidhardtshausen bat die Vorsteherin des Haupffrauenvereins im 4. Verwaltungsbezirk, Baronin von Groß, eine Sammlung veranstaltet.

* Wenigentaft, 21- Sept. 1911. Die Eisenbahn­linie Sechsen—Wenigentaft wird am 15. Dezember eröffnet werden.

* Stadtlengsfeld, 21. Sept. 1911. In Hohen­wart hat über Nacht die 19jährige Tochter des Ge­werkschaftsarbeiteis Haase die Sehkraft ver­loren.

* Sondhrim v. b. Rhön, 21. sept. 1911- Die hier ausgebrochene Manl- und Klauenfeuche hat binnen kurzem einen bedeutenden Umfang ange­nommen. Der Seuche, die bis jetzt in 29 Gehöften amtstierärztlich festgestellt wurde, sind bereits ein Rind, drei Kälber und zehn Ferkel zum Opfer ge-

Da schwieg sie, denn sie sah keinen Weg.

Der Prinz starrte trübe vor sich hin. Endlich rief er: „Wir werden uns durchkämpfen, wie es andere in meiner Lage auch taten. Zum Beispiel Prinz Gustav, ber mit allen Traditionen brach und ein bür­gerliches Mädchen heiratete, das er liebte. Atan hat noch andere Beispiele, daß Fürstensprossen von tyren goldenen Höhen herabstiegen und dem Zuge ihre- Herzens folgten —"

— und tief unglücklich wurden," ergänzte die Prinzessin. „Da — lies!" — Sie reichte ihm em Zeitimgsblatt. Der Prinz nahm es und erschrak. .Ist das möglich?" rief er erschüttert. „Prinz Gu­stav hat sich scheiden lassen? Er, der mit so stolzem Muts aufs Lebensmeer hinausfuhr und die arme Malerstochter freite, will nun zurück au seinen Hof und versucht olles, um wieder in seinen früheren Rang eingesetzt zu werden?! . . . ."

„So ist es."

^Das — das ist ja furchtbar!" stammelte der Prinz.

Hilde sah das Ringen in feiner Brust und er­kannte, daß es keinen Ausweg gab Sie erhob sich und fah den Prinzen voll Traurigkeit an Es war unrecht von mir," sagte sie »euren Mann »erdolch eine entsetzliche Wahl zu stellen, x' , hoben

Vftichttn^die' die ^b^atnnn2t baV ßXn.^anleiste -*.*1 - '» gebe Ihnen Ihr Wort zurück - —

Der Prinz starrte sie fassungslos an. »•‘vuöe. schrie er dann auf, „Hilde — was sagst du? Du willst mich aufgeben, willst mich verlassen m Kampfe?

(Fortsetzung folgt.)