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Dienstag 19. September 1911
SS. Jahrgang.
* Tuldaer M Zeitung
2. Statt.
vrack «ad Verlag der z»ldaer Actieadruckeret tn Zulda.
Aus dem Nachbargebiete.
,?/" Pilgerzell, 18. Sept. 1911. S» der gestern Hier abgehaltenen Versammlung der Ortsgruppe der Düsseldorser Krankenkasse gab der Vorsitzende bekannt! daß. die Verwaltungsstelle Pi^ tzerzell die zurzeit öOMitglieder zahlt, wahrend der 10 Jahre ihrer Tätigkeit, nahezu 4000 an Untere stützungen ausgezahlt hat. Zum 1. Oktober wird llir die Mitglieder aus Engelhelms eine eigene Ver- waltungsstelle errichtet werden. In der anschlie- ßenden Sitzung des Arbeitervereins, in der ein in» teressantes Referat über den Katholikentag erstattet wurde, richtete Herr Pfarrer Weber einen ApÄ an die Versammlung zur regen Beteiligung an der für nächsten Sonntag in Aussicht genommenen Ketteler-Feier.
* Bad Brückenau, 18. Sept. 1911. Die Session im hiesigen Kgl. Mineralbad ist am Sonntag offiziell geschloffen worden. Die Gesamtfiequenz im hiesigen Bade betrug Heuer nahezu 5000 Kurgäste. .
* Schlüchtern, 17. September 1911. Wie nn Verwaltungsbericht des Kreises Fulda so wird auch in demjenigen des Kreises Schlüchtern über das starke Auftreten der DiPhteritis geklagt. Im Kreise Schlüchtern sind im ganzen 148 Fälle dieser Krankheit festgestellt worden. Besonders Kitoei trat die Krankheit in Marborn auf, wo von n gemeldeten 7 Krankheitsfällen nicht weniger als 5 tödlich verliefen. Insgesamt haben 16 Fälle mit dem Tode geendet. — Um der Güter- schlächterei entgegenzutreten, ist unsere Kreisverwaltung bemüht, bei unumgänglich notwendig werdenden Grundstücksverkäufen die G e m e i n d en mit Unterstützung der Sparkassen oder der Raiff- eisenschen Darlehnskaffen zum Ankauf zu bewegen, sofern ein solcher verantwortet werden kann. Wenn bei diesem Verfahren die Gemeinde die Parzellierung übernimmt, den größern Teil an Einzelverkäufer wieder abgibt und den kleinern Teil für sich zur Vergrößerung des Gemeindelandes behält, so werden Vorteile mannigfacher Art erzielt. Eine Anzahl Gemeinden des Kreises Schlüchtern ist auf derartige Anregungen eingegangen und hat es, wie der Kreisausschuß in seinem Verwaltungsbericht mitteilt, bisher nicht zu bereuen gehabt.
* Ludwigshafen, l7. Sept. 1911. Eine Diebes- und Hehlergesellschaft, die aus dem Laboratorium der Chemischen Fabrik von Knoll in Ludwigshafen als Schmelttiegel verwendetes Platin im Werte von 10000 Mark entwendet hatte, onnte jetzt festgenommen werden. Während ein Ioldarbeiter und zwei Fabrikarbeiter als Diebe in Betracht kommen, hatte ein Uhrmacher-Ehepaar als Hehler die Veräußerung des Platins besorgt.
♦ Tndeistadt, 17. September 1911. Unter dem Lotsitz des Ober-Regierungsrats von Basse aus Hildesheim fand hier eine Beratung statt, an der die Mitglieder der hiesigen Denkmalskommission teilnahmen. Es handelte sich darum, die zu schaffenden Neubauten in dem durch Brand vernichteten Stadtteil so herzustellen, daß sie in ihrer äußeren Erscheinung sich dem Stadtbilde harmonisch einfügen, um so unserer alte Stadt ihren eigenartigen Reiz zu erhalten. Der Kultusminister hat 'n Anerkennung der Beveutung, welche die Frage für Duderstadt hat, 3000 Mark zur Verfügung gestellt, um die Ausarbeitung eines entsprechenden Projektes und die Leitung der Ausführung dieses Projektes zu unterstützen. Ans städtischen Mitteln bewilligte der Magistrat für denselben Zweck we -> tere 600 Mark. Die Ausarbeitung des Bauplanes wurde dem vom Minister empfohlenen Architetten Freiherrn von Tettau in Großlichterfelde übertragen.
♦ Diez, 17. September 1911. Der Kandidat der Fortschrittlichen Votkspartei im vierten nassauischen Wahlkreise Diez-Limburg-Weilburg, Rechtsanwalt Güth, ist von seiner Kandidatur zurückgelrelen. Bekanntlich sitzt Güth wegen Unterschlagungen im Untersuchungshaft.
Amt Geisa und Umgebung.
* Geisa, 19. Sept. 1911. In den Waldungen des bei Kranlucken gelegenen Rosberges halten sich feit Wochen Zigeuner auf. Ihre Weiber betteln täglich die umliegend.« Dörfer ab. Die Bewohner
der dortigen Ortschaften und namentlich die Kinder, welche daS Bieh auf den Waldwiesen des Ros- bergeS hüten müssen, sind durch die Anwesenheit des fahrenden Volkes nicht wenig beunruhigt.
* Spahl bei Geisa, 19. Sept. 1911. Bei der hier vorgenommenen Vizebürgermeisterwahl wurde im dritten Wahltermin Herr Hermann Göbel mit 50 Stimmen zum Vizebürgermeister gewählt. Sein Gegenkandidat, Herr Landwirt Gerhardt, erhielt 34 Stimmen. — Anstelle deS Lehrers Brand, welcher nach Barsch versetzt wurde, ist diese Lehrerstelle dem Lehrer Karl Treuleben aus Mark Oberndorf übertrugen worden.
♦ Dermbach, 18. Sept. 1911. Im benachbarten Neidhartshausen hat gestern ein Großfeuer den Endert'schen Gasthof, sowie 9 Scheunen und rahlreiche Nebengebäude vernichtet. Bei dem rasenden Umsichgreifen des Feuers war es nicht möglich, sämtliches Vieh zu retten, auch wurden zahlreiche landwirtschaftliche Geräte und Maschinen vernichtet. Das Feuer ist im Endert'schen Gasthof zum Ausbruch gekommen. Man vermutet Brandstiftung. — Die infolge Beisetzung des Lehrers Fromm nach Föhlritz frei werdende Stelle an der hiesigen kathol. Schule ist Lehrer Bühler aus Moosen a. Vilz in Bayern übertragen worden.
♦ Tiefenort, 17. Sept. 1911. In der Gewerkschaft Heiligenrode sind Feierschichten eingelegt worden, was auf die Liefemng im Syndikat zurückgeführt wird. Trotz ihrer drei Schächte soll die Gewerkschaft nur eine geringe Lieferung haben.
* Aus Thüringen, 19. Sept. 1911. Die Nähmaschinenfabrik von Stöhrer in Saalfeld ist nachts total niedergebrannt. — In Gera entleibte sich der Lederfabrikant Franz Lehmann, weil er bei dem Zusammenbruch der Bank Bauer u. Anders, bei dem zahlreiche Geschäftsleute geschädigt sind, über 100000 Mark verloren hat.
Mus Gberheffen u. -en Hess Remtern.
** Marburg, 17. Sept. 1911. Der Direktor der chinirgischen Klinik Geheimrat Prof. Dr. Fried» ri ch hat ben an ihn ergangenen Ruf nach Königsberg angenommen.
* Kirchhain, 17. Sept. 1911. Für den Ausfall der Kartoffelernte in hiesiger Gegend ist folgendes gute Ernteergebnis! bezeichnend: ein Landwirt erzielte auf einem 9 Ar großen Acker 40 Zentner Kartoffeln, gute gesunde Knollen, von denen einzelne Exemplare das respektable Gewicht von 1% Pfund aufweisen.
* Gudensberg, 19. Sept. 1911. Der Buchdruckereibesitzer Fritz B. aus Gudensberg stand dieser Tage unter Anklage der Verletzung des Urheberrechts vor der Strafkammer in Kassel. Er hatte von einem Photographen taufend Ansichtskarten bezogen. Nach diesen Karten ließ er sich später von einer Frankfurter Firma kolorierte Karten machen, auf denen er sich als Verleger ausgab. Der Angeklagte hatte geglaubt, durch den Kauf von tausend Postkarten erwerbe er zugleich das Verlagsrecht. Das Gericht verurteilte B. zu 50 Mark Geldstrafe.
vermischtes.
* Maultiere statt Pferde. Im Hinblick auf den herrschenden Futtermangel verschrieb sich die Berliner Omnibusgesellschaft eine größere Anzahl von Maultieren aus Argentinien. Diese Tiere sollen genüglamer und weniger Krankheiten ausgesetzt fein als Pferde und dabei dieselbe Leistungsfähigkeit wie diese besitzen. Ob das Beispiel in weiteren Kreisen Nachahmung finden wird, hängt von dem Ergebnis des gegenwärtigen Versuches ab, das abzuwarten bleibt.
♦ Eisenbahndiebe. In Leipzig wurden sechs Güterbodenarbeiter verhaftet, dis auf dem preußi- chen Güterschuppen feit einer Reihe von Jahren Warendiebstähle verübt hatten. In der Wohnung der Verhafteten wurde eine Menge gestohlener-Sach en vorgefunden.
♦ Manöverunfall. Bei Cambrai in Frankreich überritt bei einer Attacke eine Kürassier- Eskadron zwei Kompagnien Infanterie. Bei dem Zufammenswß wurden zahlreiche Mannschaften zu
Boden gerissm und durch 'Huftritte bet scheugeworbenen und über sie hinwegeilenben Pferbe schwer verwundet. Unter ben Schwerverletzten befinbet sich ein Leutnant; ein Unteroffizier ist seinen Verletzungen bereits erlegen.
* Ein Pechvogel. Der ehemalige Konservator des Louvve-Musmms Homolle, der dieser Stelle enthoben würbe, weil er bie „Mona Lisa" hatte stehlen taffen, wird vom Mißgeschick verfolgt. Am Bil- lcttfchalter de? Pariser Orleansbahnhofs wurde ihm seine Reisetasche gestohlen, die zahlreiche Wertsachen enthielt.
* Die Telefunkenstation aus der Zugspitze, Deutschlands höchster Zinne, konnte bei dem schönen warmen Wetter rasch fertig gebaut werden. Der Erweiterungsbau im Zugspitzhaus ist fertig, der Benzinmotor auf der 2964 Meter gelegenen Höhe montiert worben. Die Antennen (Geber- unb Nehmerbrähte) werben in bem brüchigen Gestein nur lose nach unten gerichtet unb leicht gespannt, eine MontiemngSavt, die so zum erften Male gemacht wird. Die Versuche sind sehr gut gelungen. Als Gegenstativn wird die vor München gelegene Station bienen, von bet die Zeichen von Norddeich und Greenwich deutlich ab- gefangen werden können.
* Zigeimerfrechheit i« Serbien. DaS einem Oesterteicher gehörende Kinematographentheater in Wrania wurde am vergangenen Donnerstag der Schauplatz eines unerhört frechen UederfalleS einer Zigeunerbande. Als die Vorstellung ihrem Ende entgegen ging, und der Saal dicht gefüllt war, drangen plötzlich ungefähr 40 Zigeuner in das Theater ein, zerstörten alle elektrischen Leitungen und beraubten dann das anwesende Publikum seiner Barschaft. Auch mehrere Kinder nahmen sie mit sich. Die Gendarmerie machte sich sofort an die Verfolgung Der Zigeuner, von denen zwei getötet wurden. Der Besitzer des Theaters erlitt vor Schreck einen Schlaganfall, dem er wenige Stunden später erlag. Die geraubten Kinder konnten unversehrt zurückgebracht werden.
Handel und Industrie.
* Berlin, 18. Sept. 1911. Bei Beginn des Geschäftes zeigte heute die Börse eine merkliche Reserve; später zeigte sich eine festere Haltung. Bankenmarkt fest und etwas höher. Transport- werte von 0,5 bis 0,75 Proz. höher. Auf dem Montanmarkte war bei kleinen Schwankungen die Tendenz verschieden. Schiffahrtsattien behauptet; Elektrizitätswerte ruhig, aber fest. Für morgen rechnet man mit einer Diskonterhöhung der Reichsbank.
* Berlin, 18. Sept. 1911. Der Zentralausschuß der Reichsbank wird morgen einberufen. Eine einprozentige Diskonterhöhung wird erwartet.
Märkte.
* Frankfurter Getreidemarktbericht vom 18. Sept. Der Markt verlies heute in äußerst flauer Stimmung. Landweizeu wurde fast nichts gehandett. Die Mühlen suchten mit 21 Mark franko zu kaufen. Roggen lag ebenfalls matter. Fremde Weizen waren V« Mark billiger offeriert. Gerste lag unverändert fest. Hafer war reichlich angeboten und ebenfalls matter. Mais ruhig. Futterartikel in effektiver Ware lebhaft gefragt. Es notierten nach Qualität: Weizen: hiesiger und Wetterauer 21.00—21.25 M , auf dem Lande abgeholt 21.25-21.50 M., kurheffischer 21.00-21.25 M., norddeutscher 21.00—21.25 M., Amerik. Redwinter 00.00— 00.00 M., Kansas 00.00—00.00 M., russischer Nieolajeff 23.00-23.50 M„ Saxonska 22.75—23.50 M., Ulfa 23.00 -23.50 M., Azima 22.90-23.60 M., La Plata 23.25- 23.75 Mk., rumän. 22.75—23.50 Mark, Malta Walls 23.25-23.75 M. — Roggen: hiesiger, 19.00 bis 00.00 M., auf dem Lande ab geholt 18.40—18.50 Mk., Pfälzer 00.00-00.00 M. russischer00.00-00.00M., rumänischer 00.00—00.00 M. — Gerste: hies. 20.25 bis 21.50 Mark., Pfälzer 20.75—21.75 Mk, fränkische 20.75-21.75 M., Riedgerste 20.50—21.50 M., ungarische 23.50-24.50 M., Futtergerste 16.00—17.00 M. — Hafer: hiesiger und Wetterauer 19.00—19.50 Mk., kurhess. 19.00 - 19.50 Mk., bauer. 19.00—19.50 Mk., La Plata 00.00-00.00 Mark, russischer 18.75—19.75 Mark. — Mais (Mixed) 00.00— 00.00 Mark, Donaumais 17.00—17.25 Mark, La Plata 17.00—17.25 Mark, Odessa 17.00-17.30 M., russischer 17.25—17.50 Mark. — Alles per 100 Kilo netto, effektiv loko hier. — Mehl: fest. — Es notieren je nach Qualität: Weizenmehl, hiesiges, Nr. 0 31.75—32.25 M., südd.
Schloß Sonneck.
45] Roman von Felix Nabor.
Die Männer eilten in langen Sprüngen hinter bem Fahrzeug her, hoben Steine auf unb schleuber» ten sie nach Bergmann. Die „Alice" aber raste aus der Straße bafjin.
„Zur Stabt!" rief Bergmann. „Ich will Mili- tär requirieren! Die Kerls sollen mir büßen!"
In rajenbem Laufe trug ihn bas blanke Fahrzeug bation.
*
Der Aufstand bet Arbeiter wirbelte viel Staub auf. Bergmann ließ sich nicht mehr sehen in bet Fabrik; bet ganze Aufenthalt bort, sogar das Schloß, war ihm verleidet. Er reifte nach England, wo seine „Alice" bei einem Wettrennen einen Preis gewann.
Nun häuften sich bie Aufträge unb er ging baran, feine Fabrik in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln, ©r fand auch einige kapitalkräftige Leute, die sich beteiligten. Doch war beten Zahl nicht genügen!». Im toai lieber Friebe. Weißenhofen hatte vermittelt unb seinem Schwiegervater geraten, bas Dorf nie wieber zu betreten.
Diesen Rat befolgte Bergmann gerne. Er besuchte feine Tochter in Baden-Baden unb verlebte herrliche Tage- Dann aber riß ihn ein Telegramm Ws allen Himmeln. Es war von seinem Rechtsanwalt und lautete: „Prozeß fontra Buchner endgültig verloren!"
Bergmann tobte, aber bas änberte an bet Sache nichts; er mußte seiner Nichte ein unb eine Viertel- Million herausbezahlen. Das war ein harter Schlag, unb nur bie Aussicht, ben Verlust burch bie aus Eng- Ian b einlaufenben Aufträge zu decken, tröstete ihn Einigermaßen. Der Aufenthalt in Baben-Babm war Um aber nun doch gründlich verdorben unb er bezog seine Villa in ber Residenz wieder.
Unter diesen Umständen ging er daher auf ben Vorschlag Buchners gerne ein, ber ihm im Namen sei
ner Klientin Iris Bergmann mitteilte, diosckbs wünschte Teilhaber ber Fabrik zu bleiben unb sich mit einer Million Kapital an bem Unternehmen zu beteiligen. —
Darüber war es Spätsommer geworben.
Die Angelegenheit würbe von Justizvat Buchner rasch unb glatt erlebigt unb Bergmann war int Grunbe froh, baß es so gekommen war — bie Aktiengesellschaft war nun komplett. Trotzdem Ivar es ihm eine grenzenlose Ueberraschung, als ihn eines Tages im Spätsommer seine Nichte Iris besuchte. Da er kein ganz reines Gewissen hatte, war er verlegen unb begrüßte sie kühl. Zugleich aber staunte er, baß aus bem bescheibenen Mäbel eine große Dame geworben war.
Er war neugierig, was sie eigentlich zu ihm her- führte. Sie hielt auch nicht lange Hinterm Berg, sonbern sagte: „Lieber Onkel, ich, als bie jüngere, reiche bir bie Hand zuerst zur Versöhnung. Was hinter uns liegt, soll vergessen sein —"
„Zum Kuckuck," knurrte er, „bas hast bu leicht sagen. Glaubst bu, man lasse sich eine Million nur so ohne weiteres abzapfen?"
„Es war ein Akt ber Gerechtigkeit, Onkel. Du hast ohnebies zu leben. Was meinen Besuch anbetrifft — ich komme in Geschäften."
„Ah — ba bin ich begierig —'
Iris legte Selbe Hänbe auf ben vergolbeten Knopf ihres Sonnenschirmes unb sah ihrem Onkel ins Gesicht. „Da ich nun einmal bas Glück habe, betii Kompagnon zu sein, so legt mir dies gewisse Verpflichtungen auf. Ich werbe bafür sorgen, baß baS Verhältnis ber Arbeiter zum Fabrikherrn ein an- beres — besseres wirb. Die Löhne muffe« erhöht, bie Arbeitszeiten genau festgelegt werden- Die Fabrik hat bisher zwanzig Prozent Reingewinn ab« SSvorfen, wir werben -mS mtt zwölf bis fünfzehn Prozent begnügen und ben Ueberschuß zu Wohlfahrtseinrichtungen für bie Arbeiter verwenden. ES soll Gerechtigkett werden. Unffeve Acketter sollen nicht darben, nicht nur hartes, trockene» Brot essen
— ich will ihnen ben Wein des Lebens reichen. Sie sollen zufrieden sein, bann wirb auch ihre Arbeit eine Beffere unb fegenbringenbe sein. Damit mir bies möglich ist, werbe ich bestänbig in ber Nähe bet Fabrik wohnen unb bieselbe überwachen."
Bergmann war von biesen Ausfühmngen völlig verblüfft. „Sie will bie Villa haben", dachte er.
„Damm bin ich gekommen, lieber Onkel, um dir — Schloß Sonneck abzukaufen —"
„Schloß Sonneck?, . . . Du?? , , , rief Berg- mann.
„Nun ja — findest du das sonderbar?"
„Hm — eigentlich kann es jeder kaufen, der das nötige Geld hat- Aber bu — was willst bu mit Schloß Sonneck?"
„DaS Schloß will ich bewohnen — bas Gut bewirtschaften. Dir wirb ber Boben in Sonneck ohnebies ein bißchen heiß geworden sein, nicht? Also bitte, nenne ben Preis . .
Bergmann ging rasch im Zimmer auf unb ab. Zum Kuckuck, war bas Möbel keck! Diese Jbeenl Unb bann bas Resolute unb Sichere in ihrem Wesen. Sie flößte ihm im Grunbe orbenllich Respekt ein. Ihr Antrag war ihm im Grunbe willkommen, fofem sich ein gutes Geschäft machen ließ. Er schraubte ben Preis in aller Eile um 20 000 Mark hinauf unb sagte: „Ja, stehst bu, bas Schloßgut ist ein bißchen teuer. Unter 225000 Mark könnte ich es kaum oblafsen —"
„Veckaust!" sagte Iris, unb streckte Bergmann bie Hanb hin. —
„Donnerwetter, Mädel — bu gehst scharf ins Zeug", rief Bergmann, schlug aber kräftig ein.
„Justizrat Buchner wirb alles Geschäftliche orb- nen. Die Uebergäbe kann boch sofort erfolgen?"
„Gewiß. Du willst es gleich beziehen?"
„Auf ber Stelle. Der Herbst fft tn unserem Tale so wimbervoll-"
Bergmann kraute sich hinterm Ohr. „Ich weiß nicht ... ich sollte mir die Sache doch noch einmal überlegen —"
Nr. 0. 32.00-32.25 M., hiesiges Nr. 1 29.75-30.25 M., süddeutsches Nr. 1 30.00 -30.25 M., hiesiges Nr. 3 27.75-28.25 M., süddeutsches Nr. 3 28.00—28.25 M., hiesiges Nr. 4 25.75-26.25 M., süddeutsches Nr. 4 26-00-26.25 M. - Roggenmehl,hiesiges,Nr.0 27.75 bis 28.25 M., bo. Nr. 01 26.75—27 25 M., do. Nr. 1 25 75-26.25 Mk. Alles per 100 Kilo inklusive Sack loko hier. — Futterartikel: knapp. — Weizen- ichalen 13.25—13.50 Mk., Weizenkleie 13.25—13.50 Mk., ?-6^Eeie 12.75-13 50 M., Weizen-Futtermehl 14 5» bis 15.50 M., Biertreber, getrocknet, 14.00—14.50 M Malzkeime 12.25—12.75 M., Rapskuchen 12.50—13.00 M., Palmkuchen 13.00—13 50 Mk. Kartoffeln 7.00 bis 7.50 Mk. Alles per 100 Kilo netto effektiv loko hier bei Abnahme von 10900 Kilo.
* Frankfurter amtliche Notierungen der Viehmartt- preise vom 18. Sept. 1911. Auftrieb: 1849 Rinder, 576 Ochsen, 42 Bullen, 1231 Färsen und Kühe, 0 Fresser, 315 Kälber, 375 Schafe, 2217 Schweine. Preise für 1 Zentner: Rindet: A. Ochsen: a. vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes höchstens 7 Jahre alt (Lebendgewicht) 48—52 Mark, (Schlachtgewicht) 87—90 M., die noch nicht gezogen haben (ungejocht) ILebendgewicht) 43—47 M., (Schlachtgewicht) 78—85 Mark, b. junge fleischige nicht ausgemästete und ältereauSgemästete(Lebendgew.) 43—47 M., (Schlachtg.) 78—85 M., c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere (Lebendgew.) 36 -40 M., (Schlachtgew.) 66-74 Mark, d. gering genährte jeden Alters (Lebendgew.) 00—00 M., (Schlachtgew.) 00—00 M. B. Bullen: a. vollfleischige, ausgewachsene höchsten Schlachtwertes (Lebendgew.) 42-44 M., (Schlachtgewicht) 70-73 M., b. vollfleischige jüngere (Lebendgewicht) 36—40 Mark, (Schlachtgew.) 60—66 M., c. mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere (Lebendgewicht) 00 - 00 M, (Schlachtgew.) 00—00 M., d. gering genährte (Lebdgew.) 00-00 M., (Schlachtgew.) 00 -00 M. 6. Färsen und "Kühe: a. vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Echlachtwertes (Lebendgewicht) 40—44 M., (Schachtgew.) 72—79 M., b. vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren (Ld gew.) 40—43 M-, (Schlachtgew.) 74—77 M., c. 1) wenig gut entwickelte Färsen (Lebendgew.) 34—38 M., (Schlachtg.) 65—73 M., do. 2) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe (Lebendgew.) 33—38 M. (Schlachtgew.) 61—70 M., d. mäßig genährte Kühe u. Färsen (Lebendg.) 27—31 M., (Schlachtg.) 54-62 M., e. gering genährte Kühe und Färsen (Lebendgew.) 18 —25 Mk., (Schlachtgew.) 41—57 M. D. Gering genährtes Jungvieh (Fresser) (Lebendgew.) 00—00 M., «Schlachtg.) (00—00 M. Kälber: a. Doppelender feinste Masi Lebendgew.) 00 - 00 M., (Schlachtgew.) 00—00 M., b. feinste Mast- (Bollmilchmast) und beste Saugkälber (Lebendgew.) 50—60 M., (Schlachtgew.) 91-100 M., c. mittlere Mast- und gute Saugkälber (Lebendgew.) 50—54 M., (Schlachtgew.) 85—91 M., d. gering« Saugkälber (Lebendgew.) 45—48 M., (Schlachtgew.) 76-81 M. Schafe: A. Weidemast schaff: a. Mast, lämmer und jüngere Masthämmel (Lebendgew.) 39—41 Mk., (Schlachtgew.) 82-84 M., b. ältere Masthämmel und gut genährte Schafe (Lebendgewicht) 31—32 M., (Schlachtgew.) 73—75 $1., c. mäßig genährte Hammel und Schaff (Merz-Schafe) (Lebendgewicht) 00 —00 M., (Schlachtgwicht) 00—00 Mark, d. Marschschafe oder Niederungsschafe (Lebendgew.) 00-00 M., (Schlacht- gew.) 00—00M. B. Stallmastschafe: —. Schweine- a. vollfleischige Schweine von 80—100 kg Lebendgewicht (Lebendgew.) 52 -54 M., (Schlachtgew.) 65-67 M., b. vollfieischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht (Lebendgew.) 50-51*/. M., (Schlachtgew.) 64-66 M., c. vollfleischige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht (Lebendgew.) 52—53*/. 31, (Schlachtgew.) 64—66 M., d. vollfleischige Schweine von 120—150 kg Lebendgew. (Lebendgew.) 51*/,—53V, M., (Schlachtgew.) 66— 67 Mark, e. Fettschweine über 150 kg Lebendgewicht (Lebdgew.) 00 —00 M., (Schlachtgw.) 00 —00 Mark, f. unreine Sauen und geschnittene Eber (Lebendgew.) 00—00 M., (Schlachtgew.) 00—00 M. — Von den Schweinen wurden am 18. Septbr. verkauft: a. Lbdgew. zum Preise von 54 M. 17 Stück, von 53*/, M. 79 Stück, von 53 M. 149 Stück, von 52*/, M. 55 Stück, von 52 M. 235 Stück, von 51*/, M. 53 Stück, von 51 M. 27 Stück, von 50*/, M. 1 Stück; b. Schlachtgewicht zum Preise von 69 M. 2 Stück, von 68 M. 138 Stück, von 67V, M. 2 Stück, von 67 M. 207 Stück, von 66*/, M. 36 Stück, von 66 M. 241 Stück, von 65 M. 141 Stück, von 64*/, M. 12 Stück, von 64 M. 99 Stück. — Das Rindergeschäft verlief flau; es verbleibt Ueberftanb. Bei Schafen war das Geschäft ruhig, bei Kälbern und Schweinen lebhaft. Es wird geräumt.
^NESTLE
W AItbewährte Nahrund
: fürKinder und Kranke
Iris erhob sich. „Onkel — ich habe dein Wort. UebrigenS hast bu ein gutes Geschäft gemacht und im Handumdrehen 30000 Mark verdient. Bitte, widersprich nicht, ich kann boch auch rechnen! Aber ich gönne bir ben Gsvinn — unb will nun einmal bas Schloß haben. Vergiß aber nicht, mir ben Rest von 25000 Mark anzuweisen —"
„Hat es solche Eile?"
„Ja. Ich will bannt eine Krankenkasse für unsere Arbeiter funbkren. Damit wäre unser Geschäft erlebigt. Unb nun ist hoffentlich Friebe zwischen ms. Ich sage baher: Auf Wiedersehen!"
Bergmann sah ihr lange nach; er war sehr nach- benflich geworben.
19.
Boutz von Sonneck stanb am Fenster seiner Mietwohnung unb blickte hinüber in ben Park, um dessen Bäume der Herbst seine grauen Schleier wob- Ueber ben bunten Blättern zitterte der Sonnenschein unb ließ sie wie große Ebelstetne erglühen.
DaS stimmte den alten Herrn trübe. „Es ist Herbst geworden," dachte er, „in ber Natur unb im Leben. Alles Frohe und Schöne ist geschwunden unb nur die graue Sorge ist geblieben."
Er machte sich wieber über seine Bücher her und suchte ihren Jnhatt zu enträtseln.
Sein Werk schritt rüstig voran. Auf bem Schreibtisch log ein Stoß von Blättern mit des Major» Hanbschrist, bie auffallende Aehnlichkeit mit Krähenfüßen unb Hühnerzehen hatte. —
Der erste Band ber Kriegsgeschichte war.abgeschlossen unb bem Verleger gefonbt wordem Allein liefet geriet über die Hieroglyphen bes Majors in V-rrweifluna und gab das Werk mit bem Vermerk S S ber Gelehrte, ber blefe kabbalistischen Zeichen zu entziffern vermöchte, noch nicht geboren fei.
Der Major war tofitenb. Also wieder nichts! Mühsame Arbeit, die nichts eintrug.
(Fortsetzung folgt)