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Fulda, Montag den 18. September 1911

38. Jahrgang

213

«e «t* fpaltfg« p ttitjeilt obet bereit Baum <5 pfg. BeflamenMePetttjeUe psg., bet Wicder- Qolungen wird entspr. Rabatt gewährt.

Botationrdruckunb Verlag der Fuldaer Ak- liendruckerei in Fulda Fernsprecher «r.-.

♦* Die deutsche Antwort auf die von Herrn Cambon überbrachten Vorschläge Frankreichs soll wie am SamStag offiziös angekündigt wurde, vor« ausfichtlich heute fertiggestellt fein und dann als­bald Herrn Cambon Übergeben werden.

-r- Die Reservisten-Entlassung. Aus Anlaß des Marokko-HandeiS wurden allerlei Gerüchte über dte Reservisten-Entlaffung verbreitet. Für die Entlassung der Reservisten ist nun eine Bestimmung maßgebend, die alljährlich, also auch in diesem Jahre, im Marz erlassen worden ist. Danach werden die Reservisten spätestens am drillen Tage nach der Rückkehr der Truppen aus dem Manöver entlassen. Wie halbamtlich festgestellt wird, ist an dieser Bestimmung nichts geändert worden. — Auch in Frank­reich gehen die Reservisten - Entlaffungen in der üblichen Weis« vor fich.

So die von der „Wartburg" wiedergegebenen Ausführungen des Marolkoredners! .Man"würde, so schreibt die .Deutsche Tageszeitung", an diesen Ausführungen mit verächtlichem Stillschweigen ha­ben vorübergehen können, zumal sie, soweit wir ge­sehen Haden, nur in dem unter fast völligem Aus- schlusie der Oeffentlichkeit erscheinenden Blättchen .Wartburg" eingehender wiedergegeben worden sind. Aber die Sache gewinnt dadurch eine ganz andere Bedeutung, daß die Geschäftsstelle Berlin des Deutschen Ostmarkenvereins es für angezeigt erachtet, uns den Bericht der „Wartburg" mit der Bitte um gelegentliche Veröffentlichung unter „Zeitungssc'.au" zu übersenden. Die Berliner Geschäftsstelle des Ostmarkenvereins gibt sich also dazu her, persönlich zugespitzte Angriffe gegen den Landwirtschastsminister zu richten, die in ihrer bodenlosen Gehässigkeit geradezu em­pörend sind. Den Landwirtschaftminister gegen diese Anwürfe in Schutz zu nehmen, ist nicht nötig. Wohl aber hängen wir sie niedriger, um darzutun, wie berechtigt der Kampf gegen die jetzige Leitung des Ostmarkenvereins ist."

Für uns beweist das Vorkommnis wieder ein­mal die alte Erfahrung, daß Ostma>kenverein und Evangelischer Bund eins sind.

0 Hanau, 17. Sept. 1911. Bei der bevor­stehenden Landtagsersahwahl, die am 17. Ok- tobet stattsindet, wird die konservative Partei, wie verlautet, den Landrat des Kreises Hanau, Frhrn. Laur, als Kandidaten aus sielten. Kandi- bat der nationalliberalen Partei, die seither im Be- sitze des Mandates war, ist bekanntlich Landesbau­inspektor Baurat Wohlsarth, Kandidat der Sozial­demokraten Parteisekretär Dißmann.

t. Detmold, 16. Sept. 1911. Die heutigen Landtagswahlen in Schaumburg-Lippe haben den Sozialdemokraten den erwarteten Gewinn gebracht. In zwei Wahlkreisen haben sie im ersten Wahlgange schlank gesiegt, in zwei anderen Wahl­kreisen sind ihre Kandidaten in die Stichwahl mit Freisinnigen gelangt. Die Nationalliberalen ver­loren zwei Mandate. Zu wählen waren zehn Ab­geordnete, und zwar aus Grund eines Wahlrechts, das dem Reichstagswahlrecht entspricht. Die übrigen sünf Mitglieder werden zumteil vom Fürsten er­nannt, zumteil von der Ritterschaft und von den Akademikern gewählt.

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lution mittelbar als gegen sich gerichtet empfinden muhten. Bei der Abstimmung ist die Resolution widerspruchslos angenommen worden.

3. Roch niemals ist der A.-B. in der Lage gewesen, einer katholischen Zeitung den Zentrumscharakter ab- zusprechen und sie zu ruinieren; noch viel weni- ger ist jemals ein katholischer Redakteur durch den A.-V. brotlos gemacht worden.

4. Der leitende Vorstand des A.-V. wird je­weils in freier Wahl von der Generalversammlung gewählt. Seine Unabhängigkeit und Selb- t ä n d i g k eit ist dadurch gewährleistet. Herr Justiz­cat Dr. Julius Bachem hat niemals dem Vor» tande des A.-B. angehört und nie den Anspruch er­hoben, ihm anzugehören. Es befindet sich zurzeit kein Mitglied der Redaktion der Kölnischen Volkszeitung im Vorstande des A.-V. Die Bezeichnung des A.-V. als „Leibwache des Herrn Julius Bachem mutz dem­nach als eine durchaus haltlose Insinuation zurückgewiesen werden. .

5. Herr Pfarrer Rieborowski ist niemals Mit­glied des A.-B. gewesen und kann deshalb aus eige- ner Wiflenschast über besten Wirksamkeit nichts sagen.

Umsomehr hätte er sich einer Verdächtigung dieses nun schon so lange in voller Oeffentlichkeit wir- kenden Vereins enthalten sollen,

0 Flugzeugs Ordnungen für den nächsten Reichs­tag? Das günstige Ergebnis, das die Erkundung der Fliegeroffiziere im Kaisermanöoer gezeitigt hat, wird, Berliner Blättermeldungen zufolge, dazu führen, daß das Kriegsministerium baldigst an den Reichstag mit einer Forderung für Vermehrung der militärischen Flugzeuge herantreten wird. Der Kaiser hat bereits, als er bei der Schlußkrilik die einzelnen Flugoifiziere zu ihren Leistungen beglückwünschte, auf die Notwendigkeit bet Bereitstellung größerer Mittel für die Militär- aviatik hingcw eseu. — Angesichts des bedeutenden Vorsprungs bet französischen Armee auf diesem Ge­biet wäre allerdings eine möglichst schnelle Ver­mehrung unseres kleinen Fliegerko.ps sehr am Platze. Der Reichstag wird sich aber wohl erst von der Brauchbarkeit der geforderten Luftzeuge im Kriegs­fälle überzeugen, ehe er die erforderlichen Mittel bewilligt.

)( Keine neuen Flottensoidemngen. Der Voran- fchlag des Rnchsmarineamtes für das Rechnungs­jahr 1912 ist festgestellt worden; er hält sich voll­ständig an dem alten Flottenbauplan.

** Wieder ein Vorstoß des Ostmarkenveteins gegen den Landwirtschaftsminister. Die in München er­scheinende Zeitschrift ,Wartbürg', das bekannte Organ des Evangelifchen Bundes, bericht.t über eine M irokkoversammlung, die in München statl- gesundeu hat:

„Der Redner in der Versammlung hat auch die Ost markenfr age gestreift und dabei dem Land­wirt sch aslsminist er nachgesagt, Freiherr von Schorlemer lasse in aller Stille, aber zielbewußt das Werk der Anstedeluugskommisston versanden; die be­währtesten Beamten würden entlassen oder kaltgestellt. Dann hat der Redner den Vater des Landwirtschafts- Ministers in die Erörterung gezogen, der angeblich in Preußen durch Entfachung des religiösen Hasses die nalionate Arbe t der Negierung lahmzulegen versucht habe. Der Sohn hüte sich, diese Gedanken öffentlich auszusprechen. Der Hauskaplan des gut katho­lischen Mannes (des Landwirtschaflsministeis) wisse aber, daß es in Rom zu großem Nutzen gereiche, wenn der Sohn das in der Praxis durchsetze, was der Vater in der Theorie bekämpft habe. Da der Kaplan täglich Gelegenheit habe, dem treuesten Sohn der katholischen Kirche das cinzuschärsen, was er im Jntereffe Roms zu tun habe, so brauche man sich nicht zu wundern, wenn das Arbeitsgebiet der deutschen Ansiedelungs­kommission wie ein Leichenseld aursehe. Ein Skaals- miniflcr, der, wenn auch in tiefster Stille, die Staats« gkdankcn aufS schärfste bekämpfe, fei bisher in Preußen e n U ding gewesen und sei hoffentlich auch heule noch ein Unding. Der Redner zweifele nicht daran, daß diesen unerhörten Zuständen bald ein Ende bereitet werde."

Ausland.

* Beruhigung in Belgien. Die belßi ehe Regie­rung hatte am Donnerstag vormittag den Befehl . erteilt, die Reservisten der Jahrgänge 1906, 1907 und 1908 schleunigst einzuberufen. Dieser Befehl; wurde am Freitag abend rückgängig gemacht. Offenbar ist dies das Ergebnis des Ministerrates, der unter dem Vorsitz König Alberts stattgefunden hat. Dagegen bleiben die zur Entlaffung kommen­den Reservisten einstweilen noch unter den Waffen. Was es mit der Einberufung der Reservisten für Bewandtnis hatte, erzählt die ,Etoile Belge' in folgender Weise:

Am Donnerstag vormittag habe der Kriegsminister die Nachricht erhalten, daß im Norden Frank­reichs, an der belgischen Grenze, große Truppen­sammlungen stattfinden, worauf er die Einberufung der drei Reseroejahrgänge beschloffen habe, im Laufe des Nachmittags aber habe er erfahren, daß die Truppen­ansammlungen in Frankreich lediglich deshalb erfolgt seien, weil die Regierung Vorsichtsmaßregeln habe treffen müssen wegen der revolutionären Teuerungskrawalle. Mit der Marokkofrage habe das nichts zu tun. Infolge dieser Auf­klärung nahm der Kriegsminister von der Einberufung der drei letzten Reservistenjahrgänge Abstand.

Wenn die Nachricht der „Etoile Belge" den Tatsachen entspricht, kann man der belgischen

Die „Norddeutsche" hofft

Die halbamtliche ,Nordd. Allg. Zlg/ schreibt stille an der Spitze des Blattes:

„Der an dieser Stelle vorausgesagte glattere Fortgang der Marokko-Verhandlungen nach der Pause ist tatsächlich eingetreten. Die Blätter berichten günstig über eine Unterredung vom Freitag nachmittag, in der zwischen dem Staatssekretär o. Kiderlen und dem Botlchafter Cambon die Antwort Frankreichs auf Deutschlands Bemerkungen zum Ent- iroirrf der abzuschließenden Uebereintunft erörtert wurde. Die Antwort trägt in einem Teil d en deut­schen Wünschen Rechnung, bezüglich eines »eitiTei Teils ist es gelungen, die Auffassungen der j eiben Mächte einander so weit zu nähern, daß bei <intfle n guten Willen auf beiden Seiten unschwer eine Einigung erzielt werden kann. Ueber einige Punkte herrschen allerdings noch solche Gegensätze, paß noch eingehende Verhandlungen nötig sein werden, ehe das Einverständnis hergestellt sein wird. Doch ist zu hoffen, daß auch diese Schwierig­ketten werden überwunden werden."

Im Ganzen macht der Orakelspruch einen gün­stigen Eindruck, obschon es an einem dicken dunklen Punkt nicht fehlt. Die deutfche Regierung halt die Antwort Frankreichs, die der Botschafter Cambon letzte Woche nach Berlin gebracht und am Bntag mit Herrn v. Kiderlen erörtert hat, offenbar eine geeignete Grundlage, zwar nicht zum als- digen Abschluß, aber doch zur hoffnungsvollen Weiterverhandlung. Der Ausdruck bei Hoffnung am Schluß ist etwas kühl und vorsichtig gefaßt. Einersetts will man die öffentliche Meinung nickst, beunruhigen, aber nach der andern Seite hin auch eindringlich zu verstehen geben, daß doch er­hebliche Nachgiebigkeit noch notwendig ist. Nm über die noch schwebenden Gegensätzlichkeiten hinwegzukomnien.

Welches sind denn nun diese kritischen Punkte? Ja, darüber schweigt das kurzatmige offiziöse Orakel. Trotz der anscheinenden Offenher- jigkeit wird das Amtsgeheimnis nach wie vor sorg­fältig bewahrt. Man bleibt auf Vermutungen und Andeutungen der Pariser und Londoner Presse an­gewiesen, um zn der Ansicht zu kommen, daß immer noch die wirtschaftlichen Bürgschaften in Marokko die Schwierigkeiten Hervorrufen. Das sind allerdings sehr verzwickte Fragen, sowohl m technischer, als in politischer Hinsicht. In letz­terer Hinsicht namentlich dann, weun außer den beider! verhandelnden Mächten noch eine dritte sich einmischt, wie man es in diesem Falle von England oermuten muß. Fehlt da der rechte Drang Zwang zum Nachgeben auf der französischen Seite, so können tailich die weiteren Verhandlungen noch sehr „ein­gehend" nnd langwierig, auch langweilig werden. Denn Deutschland muß nach den Erfahrungen, die wir mit dem wohlgemeinten Abkommen von 1909 gemacht haben, unbedingt darauf bestehen, daß wirksame Garantien für die Frecheit und .Gleichberechtigung seines Gewerbefleißes in Marokko gegeben werden, und Miar derartige Garan­tien, daß auch mit den kunstvoll „arabischen" Schi­kanen den deutschen Waren und Unternehmern nicht beizukvmmen ist.

Tas Ende vom Liede ist also wieder die Mah­nung zum geduldigen Abwarten. Sehr be­dauerlich! Die Geduldsprobe währt ohnchin schon viel zu lange. Ein Trost ist nur die Wahrnehmung, daß die Nervosität, die neulich an der Börse Und unter dem Sparkassen-Publikmn sich kundgab, wieder verschwunden ist. Ter offiziöse Orakelspruch kann, wenn er auch sonst nicht viel greifbaren In­halt hat, doch die Beruhigung fördern helfen, da er im großen und ganzen die Sage als günstig er­scheinen läßt.

Nun aber Bolldampf, Herr v. Kiderlen!

Deutscher Reich.

*♦ Berlin, 17. Sept. 1911. Der Kaiser be­sichtigte Samstag in Sabinen mehrere Einrichtungen auf seinen Gütern. — Der Kronprinz ist von Danzig wieder nach Potsdam gefahren.

* Der Vorstand des Augustinus» rrrms veröffent­licht folgende (uns verspätet zugegangene) Erklä- rnng:

Herr Pfarrer Dr. Rieborowski in Reichthal (Schlesien) hat unterm 25. August er. eine öffentliche Erklärung erlassen, in welcher er sagt:

„Dah katholische Stimmen, welche das Zentrum vor der jetzt so eifrig, aber verhüllt betriebenen Ueberleitung ins christlich-sozial- nat tonale Fahrwasser warnen wollen, nur in ausländischen Blättern zu Worte kommen können, ist traurig genug. Schuld daran -st die „Leibwache des Herrn Julius Bachem", der Au g u st i n u s v e r e i n, der sich vollständig in den fänden der „Kölner Richtung" befindet und es heute noch in der Hand hat, jedes kleinere und mittlere katholisch« Blatt, das „Köln" nicht zu willen ist, durch Absprechen des Zentrums-Charak­ters zu ruinieren, namentlich aber einen allzu mutigen Redakteur dauernd brotlos zu machen."

Diese Erklärung ist durch zahlreiche Blätter ge­gangen und gegen oen Augusttnus-Berein ausgebeu­tet worden. Wir nehmen daraus Veranlaffung zu fol­gender Erklärung:

1. Mitglied des Augustinus-Vereins kann je» der Katholik werden, der sich zu den satzungsmätzigen Bestrebungen des Vereins bekennt. Bei der Aufnahme von Mitgliedern wird nicht darauf geachtet, wie sie über die Frage der Organisation der Katholiken, ins­besondere über die Anschauungen denken, die man neuerdings mit dem Namen „Berliner" und „Kölner Richtung" bezeichnet.

2. Die Generalversammlungen des A.-V. finden abwechselnd in allen Teilen Deutschlands statt. Regelmäßig wird eine Generalversammlung am Ta­gungsort der Generalversammlung der Katholiken Deutschlands einberufen. Die bedeutsamste Versamm­lung findet jedes Frühjahr in Berlin statt, und zwar in Verbindung mit den Zentrumsfrattionen des Reichstages und des Preuhischen Landtages. Jedes Mitglied kann auf diesen Versammlungen zu Worte kommen und fich rückhaltlos aussprechm; nie ist die Rede beschränkt worden. Tatsächlich kommen bei den Debatten die verschiedenen Anschauungen zum Aus­druck, und jedes Mitglied hat dabei lediglich die Be­deutung, welche dem Gewichte der von ihm beige« brachten Gründe zukommt. Aus zahlreichen Gene­ralversammlungen haben eingehende und lebhafte Er­örterungen über die Tazesfragen stattgefunden, und immer ist man zu einstimmigen oder fast einstimmi­gen Beschlüssen gelangt.

Auch in der jüngsten Versammlung zu Mainz vom 6. August 1911 ist eingehend und rückhaltlos ver­handel! worden. Es waren auch Mitglieder in der Versammlung anwesend, welche die von dem Vorstand vorgelegten, gegen die Quertreibereien im In- und Auslande in der schärfsten Weise sich wendende Reso-

Schloß Sonnects.

44 Roman von Fel ix Rabor.

Ocrgmanu war starr. Nocks keiner hatte es ge­wagt. ihm zn widersprechen. Das Blut stieg ihm zu Kops. „Willst du wohl schweigen, du Lump!" schrie er.'

„Ich bin kein Lump!" gab Kivper zurück.

„To? Was bist du denn? — Was seid ihr alle? Habt ihr nicht gestern bis Mitternacht getarnten? Habt ihr nicht Wick einen Fackelzug gebracht, um mich zu ärgern, he? Ihr Lumpen, ihr Tagediebe!"

Die Arbeiter waren näher gerückt; durch die Türen der anstoßenden Säle drängten sich rußige Männer, die Werkzeuge in der Hand. Ihre Augen glühten, zornig sprangen sie an.

„Wir sind keine Lumpen!" rief es. „Wir las­sen uns nicht beschimpfen — und auch nichts am Lohn abziehen. Wir haben beit ganzen Morgen unsere Schulbigkeit getan. —"

Bergmann knirschte mit ben Zahnen. „Was — was sagt ihr?" schrie er unb packte Kipper mit bei« ben Händen, schüttelte ihn unb warf ihn bann mit seiner Löwchikrast gegen bte schwarze Mauer ber Arbeiter.

Ein fürchterlicher Tumult brach los. Die Ar- better sprangen auf Bergmann los, umringten ihn und hoben drohend die Arme-

Bergmann raste vor Wut. „Die Hände nieder!" schrie er. „Kipper ist entlassen — auf der Stelle!" „Kipper ist unschuldig", klang es ihm entgegen.

„Wir erklären uns solidarisch mit ihm."

„@ul!" rief Bergmann, „dann jag ich euch alle zum Teufel! Rhadm, notieren Sie die Leute! Wer in fünf Minuten nicht bei der Arbeit ist, wird ent« lossen!"

In üble: Laune begab er sich in seine Villa, fest entschlossen, den Rebellen den Herrn zu zeigen.

i In der großen -Halle stand die „Weiße Alice" — blank und glänzend. Er stopfte mit der Hand auf die blarkpolierte Motorhaube, und sagte: „Ich habe dich etwas vernachlässigt, aber heute wollen wir eine steine Ausfahrt machen." Er befahl dein Chauffeur ,den Wagen sogleich instand zu setzen.

Währenddessen ließ er sich eine Flasche Rotspon vorsehen und rauchte eine Havanna.

Er wurde aber unangenehm überrascht, als ihm eine Anzahl Arbeiter gemeldet wurde. Sie batten sich in Eile in die Sonntagssteider geworfen, man­che von ihnen trugen noch Rußflecken im Gesicht unb an ben Händen.

„Was wollt chr?" fuhr er sie an.

Es war eine Deputation der Arbeiter, welche deren Forderungen überbrachten- zehnprozentige Lohnerhöhung; Verminderung dec lieb erstunden; Belassung Kippers in der Fabrik.

Bergmann fand es unverschämt und lehnte alle Forderungen rundweg ab.

„Dann find wir gezwungen, die Arbeit einzustel- ten —" erklärten sie-

„Meinetwegen. Dann werde ich andere Arbei­ter einstellen", sagte er.

„Das werden Sie nicht tun, Herr Bergmann. Kein Fremder darf lns Dorf."

„Also eine regflrechte Verschwörung!" rief Bergmann. „Gut — ich nehme den Kampf auf. — Geht, sagt es den andern — und erwartet keine Gnade von mir/

Da gingen sie.

Eine halbe Stunde später aber stürmte die ganze Arbeiterschaft zur Villa. Frauen und Kinder folg­ten dem Zuge; das Einfahrtstor zur Villa war von einer Menge schwarzer, zorniger Gestalten umlagert. Die lang zurückgchaltene Erbitterung brach endlich hervor und machte sich in Verwünschungen, Drohun­gen und Hohnreben Lust.

Bergmann trat auf den Balkon hinaus. Der Platz vor der Villa war mit Männern, Weibern und Kindern bedeckt.

Bei Bergmanns Erscheinen verstummte der Lärm. „Was wollt ihr hier?" rief er in feiner herrischen Art-

Ein grauhaariger Arbeiter trat vor und sagte mit lauter Stimme: „Herr Begmann, wir bitten Sie, unsere Forderungen nochmals zu prüfen. Dte Löhne sind «ttschieden zu niedrig. Geben Sie uns wenigstens zehn Prozent Erhöhung —"

Bergmann hob zum Zeichen, daß er zu sprechen wünsche die Hand. „Leute!" rief er, „ihr habt einen falschen Weg ein geschlagen. Bitten hättet ihr müssen — nicht drohen. Das war unklug. Denn zwingen läßt sich Leo Bergmann nicht. Ich war immer gut zu euch, ein Vater —"

Lautes Pfeifen und Lachen war die Antwort.

Bergmanns Geduld war erschöpft. „Ihr seid Undankbare und Aufrührer!" schrie er. „Was habe ich für euch unb bte Gemeinde getan!"

„Wir haben's bezahlen müssen!" schrien die Ar­beiter zornig. „Von unserem Lohn ist's gegangen! — Die Gemeinde ist ruiniert. Alles ist Sögel Höheren Lohn wollen wir!"

Ein riesenhafter Kesselschmied drängte sich vor. Er hatte noch das lederne Schurzfell um und die Aermel aufgestülpt. »Herr Bergmann!" schrie er, „wollen Sie uns den Lohn erhöhen ober nicht? Das ist des Pudels Kem. Alles andere ist Quatsch."

Bergmann zuckte unwillkürlich zusammen. Ihm war es, als sei der schwarze Riese im Tal plötzlich lebendig geworden, als komme er mit schweren, dröh­nenden Schritten auf ihn zu und erhebe die Eisen­faust gegen ihn. —

Einen Augenblick schwankte er in seinem Ent­schlüsse. Dann aber erwachte seine Herrennatur und bäumte sich auf gegen diesen Zwang. „Nein!" rief er, „um keinen Pfennig erhöhe ich den Lohn!"

Der Schmied reckte beide Arme. „Das ist eine bestimmte, aber eine schlimme Antwort. Nun die zweite Frage. Sie betrifft unsere Ehre! Wir sind Männer, Bürger, wir waren Soldaten! — Wir las­sen uns nicht beschimpfen! Sie haben uns Lumpen und Tagediebe genannt: nehmen Sie die Beleidi­gung zurück?'

Bergmann lachte laut. „Ihr seid wohl ver­rückt?" schrie er. „Abbitten? Lieber werde ich mir die Zunge abbeißen. Nein — vor Leuten eurer Art beugt sich Leo Bergmann nicht/

„Was find denn wir für Leute/ schrien hundert Stimmen. „Sind wir vielleicht Hunde,"

Ein Stein flog empor, dicht an Bergmanns Kopf vorüber. Er sprang zurück. „So kommt tyr mm — Na, wartet einmal!"

Rasch eilte er in sein Arbeitszimmer und kehtte mit der geladenen Büchse zurück. Der blanke Lauf glänzte in der Sonne, als ihn Bergmann auf diü Balkonbrüstung legte. „Nun rede ich eine andere Sprache mit euch!" schrie er. „Zurück — oder ich schieße!"

Die Arbeiter schauten sich zuerst verdutzt an. Dann lachten sie und der Schmied schrie: „Den Schieß­prügel flüchten wir nicht! Die Zeiten sind vorbei, daß man auf Menschen wie auf Hasen schießt/

„Was — ihr glaubt nicht, daß es mir ernst ist? — Da kennt ihr mich doch schlecht. Zurück, sag ich:; eins — zwei--breit"

Keiner wich. Da bröhnte ber Schuß durchs Tal unb weckte ein bonnerndes Echo. Die Kugel flog über die Köpfe hinweg.

Unten herrschte ein wirres Durcheinander. _ Die Frauen und Kinder eilten in gesttecktem Lauf den Hügel hinab, wo sie vor den Kugeln Bergmanns Mer waren. Die Männer sprangen wie Raubtiere gegen da» Haus an. Der Schmied rüttelte an der Türe. „Ausgemacht! Jetzt wollen wir abrechnen!"

Die Türe wich nicht. Der Chauffeur hatte sie in Elle verriegelt und sprang nun die Treppe em­por. „Herr ^Bergmann — fort! Kommen Sie! Die KeflS sind rasend. Sie sind Ihres Lebens nicht sicher. Das Auto steht bereit/

Bergmann stand unschlüssig. Da prasselte es zur Rechtm und Linken. Die Fenster gingen in Trüm­mer, ein Hagel von Steinen flog empor.

Bergmann erblaßte und folgte dem Chauffeur durch dte Hintertüre. Ehe fünf Minuten um wmen fuhr dte „weiße Mce" aus der H«Ze und fauste w raschem Lause mitten unter dis Arbei er h Diese schrien laut auf bor Sorn unb gut

Ls Ein paar Weiber flogen tote Federball« zur Sette, eine Frau wälzte sich mn Boden und fing an zu jammern, die andern liefen schreckensbleich davon,

(Fortsetzung folgt.)