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20.

Krettrg IS. September Mi­rs. Jahrgang.

. Tuldaer ■ Zeitung

2. Blatt

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* Die Explosion des Militärlustschiffes „M. 3".

Die Fahrt und die Explosion des Militärlustschif- feS „9Ä.3*, das, wie berichtet, bet Schluß der Kai- sernumöver auf der Tollensewiese bei Groß-Beelow bei der Landung in Brand geriet, schildert ein Mit- fahrender wie folgt:

Unser „M. 3" flog auch heute wie an den Tagen vorher Prächtig. Wir bewegten uns in kriegsmäßi­ger Höhe — ungefähr 600 Meter — und wären wie­der in der Lage, all- Bewegungen des Feindes zu melden. Gegen 10 Uhr sahen wir den Signalballon, der das Ende der Manöver anfünbigte. Wir konnte» nun nach Hause, in die Lustschiffhalle bei Seltz, fah- ren. Der Führer nahm die Richtung über Friedland in die Halle. Wir merkten mit einem Male, daß an dem Ballon etwas nicht in Ordnung war. Der Bal­lon folgte dem Steuer nicht mehr ordentlich. Es war also nötig zu landen. Wir waren nicht mehr weit ab von der Halle und flogen gegen einen leichten Wind aus Südwestrn. Aber beim Niedergehen kamen Wir in bett Bodenwind, der stärker war- Ihm war die Steuerung nicht mehr gewachsen. Wir wurden nord­östlich abgetrieben. Als wir unter uns eine Wiese sahen, wollten wir landen. Ich glaube wohl, dis Reißleine wurde gezogen. Die Gondel setzte auf der Erde nicht ganz sanft auf, denn wir hatten ja k e i n e Hilfsmannschaft^n. Plötzlich hörtM wir einen furchtbaren Knall. Wir sahen empor und über uns schwebte eine dicke schwarze Wolke. Wir wußten nun, was geschehen war. Im Augenblick hatten wir die Gondel verlassen. Sehr elegant werden unsere Sprünge nicht ausgeschen haben, aber wir fanden uns alle gesund außerhalb der Gondel wieder, und nun kant die Ueberlegung. Wie leicht hätte auch das Benzin unseres Motors explodieren können, und wir fingen an zu rennen, bis wir außerhalb der Ge­fahr waren. Dort warteten wir und warteten, eins Explosion trat aber nicht ein. Der Ballon mit der Hülle brannte und das Gras rings auf der Wiese, das durch die Hitze getrocknet war, ging in Flamme» auf. Ns wir sahen, daß das Benzin keine Gefahr brachte, versuchten rott', einzelne Gegenstände^ diq wertvoll waren, aus der Gondel zu retten. Wir toarteten, bis Hilfsmannschasten herankamen- Kame­raden hatten von ferne gesehen, daß der Ballon in Rauch aufging, und hatten den furchtbaren Knall ge­hört. Sofort machten sie sich mit den Offizieren an der Spitze auf und find die acht Kilometer bis zu unserer Unfallstelle in einer Stunde im Trab gelau­fen. Der Knall der Explosion war so furchtbar, daß ihn nicht nur unsere Kameraden, sondern, wie wir später erfuhren, die Bewohner der umliegenden Ort« schäften gehört hatten. Dort hatte die Explosion sogar, solche Wirkung, daß mehrere Fenster elnge- drückt waren. Ms ich die Unfallstelle verließ, kam ich an einer TL- vorüber, die durch den koloffale« Luftdmck aus dm Angeln g—’ffen war. Ans den um« liegenden Dörfern strömte natürlich «ine große Menge zur Unglücksstelle und beglückwünschte uns, daß wir mit heiler Haut davongekommen waren. Sott den Offizieren, die im Ballon stationiert sind, ist bet Generalstabsoffizier, der zum Zweck der taktischen Erkundung immer dm Lustschiffm und dm Flugzeu- gen betgegeben wird, durch leichte Brandwun- den am Kopf verletzt. Er konnte aber ohne groß« Unbequemlichkeiten nach Hause fahren.

Die Zerstörung des Luftschiffes ist nach amtlicher' Mitteilung lediglich auf Reißen des Beintl< latvrseileS zurückzuführen. Hierdurch konnte die Betätigung des Ballonetts nicht in der nötigen Weise erfolgen; das Schiff wurde abgettieben. Der Füh­rer mffchloß sich, bei Groß-Beelow niederzugehen. Infolge starken BodmwindeS in der Tollense-Rlede- tutM sah er sich genötigt, das Schiff mittels Reih­vorrichtung zu entleeren. Bei dieser Gelegenheit er­folgte eine Entzündung; des Gases unter Detonation, die Hülle brannte ab. An der Maschinerie ist ein Schaden nicht wahrnehmbar. Das Versagen deS Vmtilatorseiles hat aller Wahrscheinlichkeit nach in einem Matenalfehler feinen Grund. — Fürdw Ent­zündung des Gases kann ein Anlaß mit Bestimmtheit nicht angegebm werden. Einwirkung von Luftelektri- zität scheint nicht ausgeschlossen.

Der Schaden dürfte nicht allzu groß sein, da es sich im ganzen nur um die Beschaffung einer neuen Hülle zu handeln scheint. Der „M. 3" war mit 16,4 Sek.-Mtr. Eigengeschwindigkeit nächst der Zeppelin- schen .Schwaben" einer der schnellsten Lustkreuzer. Ein Schwesterschiff, der .M- 4.", ist beim Luftschiffs batalllon im Bau nahezu vollmdet, und es dürste nicht allzu lange bauern, bis der „M. 4", sicherlich noch verbessert, neu aus der Asche seiner Hülle wiederer­standen sein wird.

♦ Der LinienschiMreuzer „Moltke" erreichte bet seinen von Cuxhaven aus vorgenommenen Probe- fatalen 291/» Seemeilen Geschwindigkeit m der Stunde. Er ist somit das schnellste Groß­schiff der deutschen Flotte.

Amt Geisa und Umgebung.

a. Zella, 14. Sept. 1911. Der hiesige Pfarrer, Herr Möller, wurde auS Rücksicht auf sein Gr- sundheitSzustand auf ein Jahr beurlaubt. Mit der Verwaltung der Pfarrei Zella ist für diese Zeü der bisherige Kooperator Herr Ludwig Braun be» auftragt worden.

♦ Heiss, 15. Sept. 1911. DaS in der Bahnhofs- straße gelegene Anwesen Nr. 128 des Herrn I. M. Knauf ging durch Kauf an Herrn Adam Loh über. Letzterer beabsichtigte daselbst eine Kunst-Tisch­lerei mit elektrischem Betrieb einzurichten. (Rh. Ztg.)

♦ Vacha, 15. Sept. 1911. Vor dem hiesigen Schöffengericht stand der Dienstknecht Theodor Müller vom Gut Kirstingshof bei Vacha. Er ist des Hausfriedensbruchs und der Sachbeschädigung angeklagt, weil er sich am 28. Juni 1911 trotz wiederholter Aufforderung nicht auS der Ruppe!» schen Gastwirtschaft in Vacha entfernt und, nachdem er hinausgebracht worden war, ein Fenster der Gaststube einschlug. DaS Gericht erkannte wegen der beiden Straftaten auf insgesamt 8 Wochen 4 Tage Gefängnis.

♦ Stadtlengsfeld, 15. September 1911. Der neue Steigerturm wird auf Anregung des Bezirks­direktors Baron von Groß mit einem wetter­beständigen Anstrich versehen werden. Der hiesige Gemeindevorstand beschloß, das notwendige Karbolineum auf Gemeindetosten zu erwerben.

* Salzungen, 15. Sept. 1911. Don einem hiesigen Polizeibeamten sollte ein Bettler in Polizeigcwahr- sam gebracht werden. Auf der RathauStreppe zog letztster plötzlich ein dolchartiges Messer und ging damit auf den Beamten los. Ehe er jedoch den beabsichtigten Stoß ausführen konnte, hatte ihn der Beamte gepackt und die Treppe hinuntergeworfen. Auf der Straße begann dann zwischen beiden ein Kampf um das Messer. Der Beamte kniete auf dem Menschen und es gelang ihm, das Handgelenk solange festzuhalten, bis Hilfe hinzukam. Bei der Vernehmung stellte sich heraus, daß eS sich um den früheren Landwirt Buchenau aus Unterellen handelt, welcher von der Staatsanwaltschaft wegen Dieb­stahls und Wilddieberei gesucht wird und von dem man vermutet, daß er ein Komplize Klotz- bachS ist.

♦♦ Aus Thüringen, 15. Sept. 1911. In Eise­nach wurde in einer Versammlung des Gewerbe- verettiS eine Resolution angenommen, die vollstän­dige Aufhebung der Jahrmärkte fordert. — An mehreren Orten Thüringens haben sich in diesem pilzarmen Jahre plötzlich Champignons in aus­fallend großer Menge eingestellt. Von einer Wiese bei Greiz konnte der Edelpilz korbweise heim­getragen werden. — Acht Mortui» Gefängnis er­hielt in Gera ein Mann, weil er durch unvor­sichtiges Rauchen 800 Zentner Heu hatte in Flam­men aufgehen lassen. — Mit Rücksicht auf die be­vorstehenden Reservisten- und Rekrutentransporte hat die Eisenbahndirektion zu Erfurt verfügt, daß an den Zügen von den Bahnhofswirten kein Brannt­wein zum Verkauf gebracht werde» darf.

AusGberheffen u- den Hess. Remtern.

♦ Ziegenhain, 15. Sept. 1911. Für das mutige Ve-rhalten des 4jährigen Sohnes deS Stations­vorstehers Ebhardt hier bei der Rettung des gleich­altrigen Sohnes deS Bildhauers W. Riehl hier vom Tode des Ertrinkens, hat der Kgl. Landrat Herr Kammerherr von Schwertzell dem Ebhardt, sowie dessen Sohne seine Anerkennung ausgesprochen.

* Kirchhain, 15. Sept. 1911. Der Rechtsanwalt Langerseldt in Minden i. W. ist zur Rechts­anwaltschaft bei dem Amtsgericht Kirchhain (M. W. Bahn) zugelassen worden.

* Homberg, 15. Sept. 1911. Der Erlös für das in diesem Jahre von der Stadt verkaufte Obst be­trug 2708,50 Mk., gegen 4105,90 Mk. im Vorjahre. Also eine erhebliche Mindereinnahme.

* Bürgeln, 15. Sept. 1911. Der hier bet dem niederen Wafferstand aus der Ohm herausgezogene Taufstein, ein in letzter Zeit mehrfach erwähntes Denkmal aus der Zeit des hl. Bonifatius, wird nun doch nicht wieder ins Wasser zurücktranSportiert werden. Reglerungs- und Forstrat Hermes in Marburg hat eiue Skizze für die dauernde Auf­stellung deS Steins am Ohmufer entwerfen lassen.

* Holzhanse» bei Battenberg, 15. Sept. 1911. In der Wtckenhöfer'schen Mühle entstand ein Brand, der daS ganze Gehöft in Schutt und Asche legte. Infolge der weit umherfliegenden Funken begann auch der benachbarte Gemeindewald zu brennen. Die Feuerwehren der ganzen umliegenden Ort­schaften eilten zur Hilfeleistung herbei. Ihren ver­einigten Bemühungen gelang es, die Gefahr zu befettiaen. Der entstandene Schaden ist recht beträcht­lich. Man rechnet die abgebrannte Waldfläche auf etwa 15 Morgen.

* Gemünden, a. Wohra, 13. Sept. 1911. Am 1. Okt. findet, wie bereits gemeldet, die Eröffnung der Reststrecke der Rebenbahn ZimmerS- rode-Gemünden — der Strecke Bahnhof Dens­berg bis hierher — statt. Dazu ist eine Festlichkeit geplant, deren Kosten die Stadtkasse übernommen hat. Am 2. Oktober beginnt bann der fahrplan­mäßige Betrieb der Strecke. Am 29. d. M, erfolgt zuvor die landespolizeiliche Abnahme der Strecke durch die maßgebende Behörde. Einwendungen gegen Bau und Ausführung der Strecke werden überall entgegen genommen, da der Probezug über­all auf Wunsch halten soll.

Ausland.

** Der katholische BolkSverein in der Schweiz. Die Elegierten-Versammlung d«S schweizerischen katholischen Dolksvereins, welche am 12. September anläßlich deS Schweizerischen Charitarkongresses in Basel tagte, wurde von etwa 150 Delegierten be­sucht. In feinen Eröffnungs worten verlangte der Zentralpräses Pestalozzi-Psyffer die Verschmelzung aller noch bestehenden katholischen Männervereine in den Bolksverein. Er bemerkte u. a. noch, daß, nachdem die Modernistenfrage endlich einmal zur Ruh« gekommen sei, sei von den Herzen der Schweizer Katholiken ein schwerer Alp gewichen. Die allgemeine Geistesströmung, die in den Tagen brr französischen Revolution und in den vierziger Jahren deS vergangenen Jahrhunderts für daS Christentum einen schr peinlichen Charakter zeigte, machte eS dem katholischen Volksverein zur drin­genden Pflicht, nach Kräften zur Erhaltung und Förderung des katholischen Lebens beizuttagen. Der Bolksverein weist 483 OrtSsektionen mit rund 33000 Mitgliedern auf. Es wurde weiter be­schlossen , die Organisation eines katholischen Frauenbundes mit aller Energie in di« Hand zu nehmen. @8 ist für daS nächste Jahr ein erster Frauenkongretz in Einsiedeln in Aussicht genommen.

** Italienische Korruption. In Mailand ist ein großer Justizskandal ausgebrochen. Ein Richter unb ein Gerichtssekretär würben verhaftet, weil sie um dm Betrag von 15 000 Lire einen Industriellen, der der fahrlässigen Tötung angeklagt war, frei­gesprochen hatten.

** Freudenkundgebungm in Portugal. Die Blät­ter feiern die erfolgte Anerkennung der Republik durch die diplomatischen Vertreter Englands, Spa­niens und des Dreibundes in großen Artikeln. Ein Teil der Press« behauptet, es sei alles versucht rootben, um diese Anerkennung noch weiter hinaus, zuschieben, doch vergeblich. Nun werd« Portugal erst recht ein republikanisches Leben beginnen. — Aerger als bisher kann man'S doch nicht mehr treiben!

Wahlkreise, wo sie schon Schwierigkeitm genug haben, eiuzudringen. Unter Berücksichtigung der Sesamtlag« möchten wir aber in beiderseitigem Interesse nicht wünschm, daß man uns von kon- servativer Seite noch mehr Schwierigkeitm macht. Mtt beut Zentrum haben wir Berührungs­punkte sozialer und wirtschaftlicher Raiur."

A Düsseldorf, 14. Sept. 1911. Der Reichs- tagswahlkampf in Düsseldorf hat in dm letz- ten Tagen außerordentlich heftige Formen angenom­men. Besonders durch das Eingreifen der demokra- ttfchm Vereinigung, beten führende Häupter aus Berlin, Hamburg unb Köln nach Düsseldorf geeUt sind und dort In inniger Verbrüderung mit dm So- zialdemokraten das Zentrum bekämpfen, ift es in verschiedenen Zentrumsversammlungen zu heftigen Zusammenstößen gekommen. In linksliberalen Blät­tern sind diese Vorgänge in tmdmziöser SBeife gegen das Zentrum ausgebeutet toorben. Es heißt in biefen von Düsseldorf aus in die linksliberale Presse longierten Berichten, in Zmtrumsversammlungm im Paulnöhause in Düsseldorf und in der zum Wahl­kreise, gehörendm Ortschaft Lintorf feien demokra­tische Redner zuerst „ntebecQebrüHt" und bann schwer mißhandät toorben. Diese Behauptungen sind unwahr. Die Demokraten, beren Sigita» ttonSweise die der Genossen an Gehässigkeit und Un- wahryafügkeit noch übertrifft, habm eS sich zur be» sonderen Aufgabe gemacht, in ZentrumSversammlun- gen zu «schein« und boflt ihre Brandreden loszulaffen. Im Panlushause führte sich ein demo- kraüscher Führer so auf, daß er verhaftet wer­den mußte. Dem demokratischem Feldzug lag ein bestimmter Plan zugrunde. Die Demokratm wvlttm absichtlich mtt reiflicher Ueberlegung in Zentrums- versammlungm Krawalle provozlerm, um hinterher auf dem Zentrum herumschlagen zu tonnen und Stirn- ntung jur ihren Kandidaten zu machm. Dank der tadellofm Haltung bet Zentrumsanhänger ift ihnen das nicht geglückt. Trotzdem gehen sie jetzt hin und schreim in die Welt hinaus, sie felm von dem bösen Zentrum mißhandelt unb vergewaltigt worden. Die Demokraten ftnben bei ihren roten Frmnden ver­ständnisvolle Unterstützung. Auch die Gmossm suchen nach Krästm die Zentrumswähler zu terrorisieren. In einer am Dienstag abend abgehaltenen ZentrumS- wäUerversammlung in Unterbilk haben die Sozial­demokraten in einer Weise skandaliert, daß die Versammlung aufgelöst wurde. Sie tobten, schimpf­ten und schrieen, daß eine Fortführung der Ver­sammlung nicht zu denken war. Die Zentrumswäh­ler versammelten sich nach der Auflösung von neuem und gingen mit den roten Störenftieden scharf ins Gericht. Auch die konservativen Parteien haben un­ter dem taten Terrorismus zu leiden. In einer Wählerversammlung in Rath, wo Pfarrer Tetzlaff aus Solingen spach, riefen die Genossen, die in der Mehrzahl warm, Tumulte hervor, die nur durch die energische Verfammlunzsleitung unterdrückt wurden. Unsere Parieifteunde taffen sich durch solche Manö­ver nicht ebnschüchtern. Sie arbeiten unbeirrt fort und sehen mit Zuversicht dem Wahltage entgegen. Die vergifteten Waffen der Demokraten roter und rosaroter Färbung habm unsere Wähler mächttg auf- gerüttelt, die mit Ungeduld ben Tag der Abrechnung erwarten.

Deutsches Reich.

- * Wirtschaftliche Kommission brr Kvlonialverwal- fung. Die erste Sitzung der ftfinbigen wirtschaft­lichen Kommission der Kolonialverwaltung ist auf Mn 28. September, vormittags 11 Uhr, anberaumt jroorben. Die Tagesordnung betrifft folgende Punkte • 1. Aufgaben der Kreditorganisation in dm deutschen Schutzgebieten mit besonderer Berücksichtigung von Südwestafrika; 2. Maßnahmen gegen unsolide koloniale Gründungen, und bei ausreichender -Zett 8. Förderung der Handelsbeziehungen der veutschen Schutzgebiete mit dem Mutterlande.

** Die Stellung der christlichsozialeu zu den an- deren Parteien betreffend führte Lic. Mumm auf chem Wiesbadener Parteitag aus: .Der sozialdemo­kratischen Partei stehen wir ablehnend gegenüber. Die liberalen Parteien — ausgenommen die Rechts- nattonalliberalen — stehe« uns heute ferner denn X Wo Stichwahlen zwischen Freisinnigen und -Joitalbemirfralen stattfinden, werden wir uns in Her Regel der Stimmabgabe zu enthalten haben.

ie konservative Partei hat wiederholt versucht, Schwierigkeiten zu machen. Wir haben davon «sehen, Gegenmaßregeln zu ergreifen unb in

Wer sollte denn wsschlagen?

Je langer die diplomatische Geduldsprobe bauert, desto mehr ist die Mahnung am Platze, das Publikum möge ruhiges Blut bsoahren mid Ach durch Klatsch und Kannegießeret, die in solcher Wartezeit besonders üppig gedeihen, nicht auS der Fassung bringen lassen.

Bor allem ist der Ansicht entgegenzutrettn, <dS »b der Krieg hereinbräche, sobald die schwebenden diplomatischen Verhandlungm schetterim. Wir hof­fen zuversichtlich, daß sie nicht scheitern; aber wenn «S zum Abbruch käme, wäre es auch noch nicht schlimm. Dann würdm noch längst nicht die Kanonen Ursgehen, sondern vielmehr das Abwarim von neuem anfangen. Dann kehrte einfach der Zu­stand wieder, wie er beim letzten Quartalswechsel vorhanden war, als Dmffchland seinm Krmzer nach Agadir geschickt hatte, um damit zu bekunden, daß shm die französische Wirtschaft in Marokko nicht ge­falle und es selbst die Interessen der Dmtschm dort schößen wolle.

Wenn Frankreich ober England Lust ge­habt hatten loszuschlagen, so wäre damals die Ge­legenheit günstig gewiesen. Einige Heißspome in Paris und London hatten ja auch vorgefchlagm, man möge alsbald englische oder französische Kriegs­schiffe nach Agadir schicken, die den deutschen Kreu­zer in die Mitte nähmen- Dio beiden Regierungen lehnt en aber wohlweislich ab. Man beantwortete das deuffche Vorgehen nicht mit einer Herausforde­rung ober gar einer Gewalttat, sondern vielmehr mit her Anknüpfung von diplomatischen Verhandlungen.

Das muß wohl beachtet bleiben: die Jnitia- i i O e zu den Verhandlungen ging von Frank­reich aus. Sollten sie scheitern, so hat Deutsch­land durchaus keine diplomatische schlappe erlitten. Es bleibt einfach stehen auf dem Standpunkt, den es sich ausgewählt hatte, und Wartet ob, wie die Dinge sich weiter entwickeln. Daß Krankreich oder England jetzt nachttäglich losschla- :geu sollten, ist sehr unwahrscheinlich; denn eine etwa vorhandene Kriegslust hätten sie gleich nach der Ent- stndmig de§ Kreuzers viel besser betätigen können.

Dabei muß man sich erinnern, daß die West- Mächte auch vorher die schönsten Gelegenheiten zum 'Losschlagen unbenutzt haben vorbeigchen lassen.

Wollten sie wirklich wegen Marokko einen Waf- tf en gang mit Deutschland Hechelführen, so war schon '1905 der rechte Augenblick, als Deutschland gegen den englisch-französischen Vertrag feinem Einspruch erhob. Deutschland war damals viel mehr „isvff Mett", als heute. Wovor König Eduard VII. und Has Pariser Ministerium von 1905 zurückfchreckten, Has werden deren Epigonen heute wohl nicht ris­kieren mögen.

Und bann kam die Krisis wegen der förmlichen Dlnverlelbung Bosniens und der Herze- tzowina. Iswolsky, bet damalige russische Minister des Jnnem, zog von einer Residenz zur andern, um die westlichen Staatsmänner zmn Losschlagen im -Verein mit Rußland zu bewegen. Aber er brachte Nichts als Körbe nach Hause unb nahm feinen Ab­schied. . , , ,

-I Inzwischen hat die russische Politik eine bedeut- Jame Schwenkung gemacht nach der friedlichen, rutsch-freundlichen Seite hin- Wenn Frankreich unb England damals, als Rußland noch in voller Kampf­lust war, bas Risiko angesichts der deutschen und österreichischen Macht für zu groß erachtet^ so wer- den sie jetzt, nachdem Rußland ein unsicherer Kriegs­kamerad geworden ist, erst recht Bedenken haben. ;i Bange machen gilt nicht. ES kommt nicht zum Kriege, wenn uns nicht jemand an greift, und ein solcher Angriffsluftiger ist nfcht zu Sntdecken.

Scheitern die gegenwärtigen Verhandlungen, fo folgt aller menschlichen Berechnung nach nicht eine Waffenprobe, sondern eine neue Geduldsprobe. !lnd schließlich wird man sich verständigen, weil man ch verständigen muß; denn die Logik der Tad- achen zwingt geradezu zu einem Ausgleich auf tiner Mittellinie zwischen den politischen Interessen Frankreichs und den wttffchaMchen Interessen Deutschlands.

Wer klug ist, bleibt ruhig.