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M 209.

Mittwoch |5. September MI

38. rahrgmg.

fultlaer

Leitung

i. Blatt.

Bruck imt Verlag der Snlbatt Seilendrnckerel ta $«lbe.

wie folgt:

Hafer

5 ) 192 ( + 2)

>ew.)

last.

Reklamen- und Anzeigenteil.

Frankfurt München

^mrrein« Sauen und geschnitten« Eber (Lebendgew.) 00-00 (Schlachtgew.) 00-00 M. — Markt- L Ri"dergeschSft rotcfelte sich gedrückt ab, " aber nicht viel übrig. Ter Käidermarkt v«ru«s lebhaft, der Echafmarkt ruhig, bei Schweinen gerä t langsam. Schweine werden nicht

Aus Gberhesien u. den Hess. Remtern.

/X Marburg, 12. Sept. 1911. Auf dem heute hier abgehaltenen großen Herb st.Pferdemarkt standen rund 220 Pferde und Fohlen zum Verkauf. Der Handel ging flott. Bei der damit verbundenen Lotterie fielen die Hauptgewinne der Reihe nach auf folgende Nummern: 8826, 12 228, 4776, 5150, 8546, 6716, 14029, 13471, 13 822, 887, 11250, 1383, 1611, 2154, 2391. — Während der Vet- losung kam es zwischen den Eigentümern von sog. Zigeunerwagen, die auf dem Platze standen, zu einer Schlägerei; di« Polizei muhte Ruhe stiften. Eine Frau wurde anscheinend infolge der Hitze be- wußtlos und mußte vom Platze getragen werden.

[:] Neustadt, 12. Sept. 1911. Herr Amtsgerichts, fekreiär Wessel ist mit dem 1. Oktober nach Marburg versetzt. — Mit gleichem Termine ist Herr Stations- vorstand Jandy von hier nach Warburg versetzt. An seine Stelle tritt Herr Ide. — Der hiesige Gerichtsdiener ist aus bis jetzt unbekannten Gründen von seinem Dienste entbunden. Seine Stelle wird durch einen Mrlitäranwärter versehen.

* Homberg, 13. Sept. 1911. Auf der Tagesord­nung der Generalversammlung des landwirtschaftli­chen Kreisvecetns, die am Samstag stattfindet, steht der sehr interessante Punkt: Verlegung des Landgestüts von Dillenburg nach Ku v- hessen.

* Wabern, 13. Sept. 1911. Im nahen Dorfe Hebel konnte ein Mann verhaftet werden, der mit eini­gen Genossen eine Reihe von Einbruchsdiebstählen in benachbarten Orten wie Odershausen und Wega ver­übt hat.

* Fritzlar, 12. Sept. 1911. Auch die hiesige Stadt­verordnetenversammlung mußte stch mit der W a s s e r» leitungSfrage beschäftigen. Von einer Be­hebung d«s Wasseo-MangÄs durch Legung eines wei­teren Rohrstranges au» dem Quellengebtet (Kosten­anschlag 50 000 Mk.) nahm man Abstand. Es wird hiergegen der Anlage eine» Tiefbrunnens (60

Kochrezepte erregen bei Hausfrauen immer viel Interesse, besonders aoer, wenn sie Gerichte betreffen, die infolge ihrer leichten Verdaulichkeit und ihres hohen Nährwertes auch Kranken und Rekonvaleszenten ge­reicht werden können. Die „ Kuseke "-Kochbuch- vroschüre enthalten 104 solcher ausgeprobler Original- Kochrezepte für Kranke und Gesunde und ist in den Verkaussslellen des Präparats kostenfrei erhältlich.

iämmer und jüngere Masthämmel (Lebendgew.) 40—41 Mk., (Schlachtgew.) 84—86 M., b. ältere Masthämmel und gut genährte Schafe (Lebendgewicht) 35-00 M., (Schlachtgew.) 82—00 5DL, c. mäßig genährte Hammel und Schafe (Merz-Schafe) (Lebendgewicht) 00—00 M., (Schlachtgwicht) 00—00 Mark, d. Marschschafe oder AiederungSschafe (Lebendgew.) 00—00 M., (Schlacht­gew.) 00—00M. B. Etallmastschaf«: —. Schweine: a. vollfleischige Schweine von 80—100 kg Lebendgewicht (Lebendgew.) 50'/,-53 M., (Schlachtgew.) 65—67 M., b. vollfletjchtge Schweine unter 80 kg Lebendgewicht (Lebendgew.) 50—51'/, M., (Schlachtgew.) 64- 66 M., c. vollfleischige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht (Lebendgew.) 51V,-53 M., (Schlachtgew.) 65-66 M., d. vollfleischige Schweine von 120—150 kg Lebend­gewicht (Lebendgew.) 51—53 M., (Schlachtgew.) 65— 66 Mark, e. Fettschweine über 150 kg Lebendgewicht (Lebdgew.) 00 - 00 M., (Schlachtgw.) 00 —00 Mark,

(Lebendgew.) 45—50 M., (Schlachtgew.) 76-85 M., c. mittlere Mast- und gute Saugkälber (Lebendgew.) 00—00 M., (Schlachtgew.) 00—00 M., d. geringe Saugkälber (Lebendgew.» 00—00 M., (Schlachtg« 00—00 M. Schafe: A. W-idemastschafe: a. M,

schenkt. Herr Pvälal Geistlich« Rakh Hagemann überreichte da» von Er. Kgl. Hoheit dem Grvßhetzog Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar übersandte Ju­biläums geschah. Möge der liebe Gott da» Jubelpaar noch viel« Jcchre in Gesundheit und Glück verleben lassen.

* Barsch b. Geisa, 19. Sept. 1911. Nachdem der bisherige zweite Lehrer hierselbst, Herr Erb, auf feinen Antrag aus dem Weimarischen Volksschuldienst auLgeschieden, ist der bisherige Lehrer in Spahl, Herr B r a n d, al» 2. Lehrer für unfern Ort besttmmt wor­den.

* Neidhartshausen, 12. Sept. 1911. Die ledig« Marie E. Fuß von hier wurde beim Laubstreuholm am Reuberg von einer Kreuzotter gebissen. Der Arm schwoll sofort an und durch irrtümliche An­wendung von Eukalyptusöl (die Fuß hatte geglaubt, sie wäre von einem Insekt gestochen roorben) wurden Arm und Bmst nebst Gesicht mit lauter großen Bla­sen bedeckt. Nur durch schnell« Eingreifen der Frau Pfarrer Löber, welche die Bißwunde mit dem Mund auSsmigte, gelang eS, die F. am Sehen zu erhalten.

♦ Sünna, 12. Sept. 1911. Dem durch die Dresch­maschine verletzten Schulmädchen V. von hier wurde wenige Stunden nach ihrer Ankunft tat Schwesternhaus in Eisenach der Fuß abgenommen.

* Tiefenort, 10. Sept. 1911. Ein heitere» V orkommniS trug sich letzthin auf der hiesigen Bahnstrecke ta einem Wagenabteil 4. Klaffe zu. Ein ausländischer Arbeiter (Kroate), welcher von Dorn­dorf kam unb nach einem anderen Orte in Arbeit ging, führte auch einen Seinen Koffer mit sich, in dem er seine Habseligkeüen hatte. U. a. hatte er auch einen halben Laib Brot bei sich und mehrere Stücke Wurst. Unterwegs bekam er Hunger und öffnete sein Köffer­chen, um ein Stück Brot herauszunehmen. Wer 6c- schreibt aber nun den Schrecken, als au» dem Koffer eine — Ratte springt und in dem Wagenabteil um« berläust. Einige mitfahrende Vertreter des weiblichen Geschlecht» sprangen auf die Bänke und machten ge­hörigen Lärm. Erst als die Tür geöffnet war, konnte das Tier ^nausbefördert trieben. Der Kroate aber, der ganz „hoff' über den lebenden Inhalt seine Kof­fers war, meinte resigniert: „Geht sich so ein Razzi in mei' Koffer und frißt sich Wurst!"

Weizen Roggen

vermischtes.

♦ Der voraussichtliche Ueberfchuh der HygieneanS- strllung soll zur Gründung eine» hygienischen Mu­seum» in Dresden verwendet werden. Die Aus­stellung besuchten bi» jetzt annähernd 5 Millionen Personen. •

* Einen ergötzliche« Selbstmordversuch berichten Rewyorker Blätter au» Dinardsonville. Dort hatte ein Anstreicher au» irgend welchen Gründen be­schlossen, seinem „schweren" Dasein ein Ende zu machen und sich tat Mississippi zu ertränken. Der Selbstmordkandtdat hatte aber mcht bedacht, daß er das ansehnliche Gewicht von 800 Pfund hatte. Als er sich nun in di« Fluten stürzte, kam er bald wieder an die Oberfläche und trieb nun zwei ganze Meilen den Strom hinunter, bis chn einige mit- leidige Seelen bemerkten und auffischten.

Weltmarktpreise: Wetzen: Berlin Sept. 206.75 (—9.00), De,. 214.00 (— 6.50), Budapest Olt. 203.60 (4- 2.10), Pans Sept. 206.30 (+1.50), Liverpol Oft. 167.30 (+1.00), Lhicago Dez. 144.2a (+ 8.65). Roggen: Berlin Sept. 185.75 (—10.75), Dez. 189.50 (— 9.75). Hafer: Berlin Dez. 186.00 (16.50). Futter­gerste cif. Hamburg Sept. 128.50 (— 3.50), Nov. 131.00 (— 2.00), Dez. 132.50 (— 1.50). Mais: Mexed Dez.-März 128.50 (+ 1.5o), Donau Aug.-Sepi. 132.50 (+ 4.50). Odessa Aug.-Sept. 132.00 (+ 3.00) Mark per 1000 Kilogramm.

Ausland.

** Die „Kompensation für Italien". Die „Daily News" bringt von ihrem römischen Korrespondenten ein Telegramm, worin darauf hingewiesen wird, daß der allgemeine Eindruck in Italien der sei, daß die Besetzung von Tripolis und Cyrennia be­schlossen sei und inmittelbar bevorstehe. Die Rechte Italiens in der Herstellung des Gleichgewichtes im Mittelmeer würden bei allen Mächten vollständig an­erkannt und von den verbündeten Mächten unterstützt. Die italienische Presse ist in der Triftolisfrage sehr gespalten. Unter den radikalen Blättern fällt beson­ders auf, daß dec „Secolo" sich gegen ein Tripolis- abenteuer aus spricht, während der im gleichen Ver­lag erscheinende „Messaggero" sich für eine Expedition nach Tripolis ausspcicht und erklärt, Italien müsse die jetzige internationale Lage ausnützen. Der so­zialistische „Avanti" wendet sich in der schärfsten Weise gegen eine Aktion in Tripolis, indem er schreibt, man mache dem Volke den angeblichen Reich­tum von Tripolis vor und übersehe den wirklichen Reichtum Italiens, ben man ausbeuten sollte. Es gebe kein gesegneteres Land, wie Kalabrien.

** Dir Katholiken und die italienische Wahlreform. In s*n letzten waren verschiedene Aeufre- rangen katholijchcr Parlamentarier zu bezeichnen, die sich mit der Frage der Wahlreform befaßten. Alle gingen dahin, daß die Katholiken der Erwei­terung des Wahlrechts sympathisch gegenüberstehen. Diese" Haltung ist mcht beeinflußt von der Erwä­gung, daß vielleicht geracc unter den bisher aus­geschlossenen, der vollständigen Volksschulbildung Ermangelnden Schichten sich viele Katholiken be­fänden, weil die Gebiete der katholischen Erfolge ausschließlich bei dem intelligenteren Volksteil er­rungen wurden und nur die Unkultur der Nähr- boden für die Umsturzparteien ist; sondern sie ent- springt dem Bestreben, diese Leute dann politisch organisieren und in der Bildung heben zu können. Was der Staat versäumte, wollen die katholischen Organisationen nachholen.

* Die russische Staatsschuld. Nach dem bei der Duma 'eingebrachten Reichskreditetat wird die Staatsschuld auf 1. Januar 1912 um 71 Millionen Rubel reduziert werden und 8942 Millionen betragen. Die Gesamtausgaben für 1912 sind mit 540 Millionen veranschlagt, die Einnahmen des Etats der indirekten Steuern und des Weinmono- tzols auf 1016% Millionen.

Deutsches Mich.

(*) Ein netter freisinniger Kandidatt Bn einer Weihnachtsrebe im rechnnrgen Volksverem , ^7nt batte der Saganer Bürgermeister ffd)1ne8 ber für die Fortschrittliche Volkspartei

Armen gebrochen ,md" aeteilt Ti- Agrarier und die Führer deS Bun- des der Landwirte aber haben das Brot verteuert. Sie haben Steuern al^elehnt, die den Besch treffen Sollten, und dafür Steuern angenommen, bte den Irmen schwer belasten. So sieht die christliche Ge- techtigkeit aus ..."

Selbstverständlich haben diese Worte bte Ent­rüstung einiger Zuhörer hervoraecufen unb btt An­gelegenheit war dem unmittelbaren Vorgesetzten des Bürgermeisters, dem Liegnitzer Regiernngs- präsidenten unterbreitet worden. Der Regierungs­präsident hat daraufhin dem Bürgermeister einen Verweis erteilt!

-4- Tie Frage der Einfuhr gefrorenes Fleisches. Die deutsche Regierung h.t den Bundesrat um Anskunjt ersucht, über die Erfahrungen, die dir Schweiz bisher mit der Einfuhr von gefrorenem, überseeischen, insbesondere argentinischen Fleschts gemacht hat. Ter Bundesrat wirs der deutschen Regierung demnächst seine Antwort übermitteln.

Meta Liefe) auf den Blauinühlenwitfen näh« ge­treten. Nach üorgenommenen Messungen würbe bet Brunnen pro Tag 400—500 Kbm. Wasser liefern, wel. che» durch einen Llektromoror gehoben unb in da» WasseröaPn geleitet wird. Auch btt Kostenauftvanb würbe sich erheblich ntebriger (nach bisher angenom­mener Schätzung auf ca. 10000 Mk.) stellen. — In berfdben Sitzung mußte auch auf Drängen bet Regie­rung hin bte Anstellung eine» Hauptleh­re r» an ber katholischen und evangelischen Schule bavilltgt werben.

Märkte.

• Frankfurter amtliche Notierungen der Btehmarkt- preise vom 11. Sept. 1911. Auftrieb: 1741 Rinder, 496 Ochsen, 41 Bullen, 1204 Färsen und Kühe, 0 Fresser, 298 Kälber, 261 Schafe, 2385 Schweine. Preise für 1 Zentner: Rinder, A. Ochsen: ». vollfleischige, ansgemästete höchsten Schlachtwertes höchstens 7 Jahre alt (Lebendgewicht) 49—54 Mark, (Schlachtgewicht) 89—93 M., die noch nicht gezogen haben (ungefocht) (Lebendgewicht) 44—48 M., (Schlachtgewicht) 80—87 Mark, b. junge fleischige nicht ausgemästete und ältere auSgemästete (Lebendgew.) 39—43 M., (Schlachtg.) 72—79 M., c. mäßig genährte junge, gnt genährte ältere (Lebendgew.) 00—00 M., (Schlachtgew.) 00—00 Mark, d. gering genährt« jeden Alters (Lebendgew.) 00-00 Dt., (Schlachtgew.) 00-00 M. 8. Bullen: a. vollfleischige, ausgewachsene höchsten Schlachtwette» (Lebendgew.) 41—42 Mark, (Schlachtgew.) 68 —70 M., b. vollfleischige jüngere (Lebendgewicht) 89—40 Mark, (Schlachtgew.) 65—66 M., c. mäßig genährte jüngere und gut genährte älter« (Lebendgewicht) 00 - 00 Mark, (Schlachtgew.) 00—00 M., d. gering genährte (Lebdgew.) 00-00 M., (Schlachtgew.) 00-00 M. C. Färsen und Kühe: &. vollfleischige, auSgemästete Färsen höchsten SchlachlwerteS (Lebendgew.) 40—44 Mark, (Schachtgew.) 72—79 M., b. vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren (Ldgew.) 39—45 M , (Schlachtgew.) 72—81 M., o. 1) wenig gut entwickelte Färsen (Lebendgew.) 33—39 M., (Schlachtg.) 63—75 M., do. 2) ältere ansgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe (Lebendgew.) 32—88 M., (Schlachtgew.) 59—70 M., d. mäßig genährte Kühe u. Färsen (Lebendg.) 26—30 M., (Schlachtg.) 52-60 M., e. gering genährte Kühe und Färsen (Lebendgew.) 18—24 Mk-, (Schlachtgew.) 44—55 M. D. Gering genährtes Jungvieh (Fresser) (Lebendgew.) 00—00 M., > Schlachtg.) (00- 00 M. Kälber: u. Doppelender feinste Masi (Lebendgew.) 53 — 55 M., (Schlachtgew.) 90—97 M. b. fernste Mast- (Bollmilchmast) und beste Saugkälber

Amt Geisa und Umgebung.

e Geisa, 11. Sept. 1911. In der vorigen Woche feierten die Eheleuts Hnimacher Adolf Rimbach und Ehefrau das seltene Fest der goldenen Hoch­zeit in körperlicher und geistiger Frische. Die Ju- vri-Eheleute wurden von ihren Kindem reichlich be-

220 (4- 21/.) 195 ( -4- 235 ( + 2 ) 208 ( 4-

Mur$tr Setreide.Woch«nb«ticht d« Pr«i»berichtSft«llt des deutschen Landwirtschaft- rat» vom 5. di» 11. September 1911.

M« voeauszusehen war, folgte ben spekulativen Uebertreibungen btt vorangegangenen Woche diesmal bet unvermeidliche Rückschlag. Zu den stark gestie- gentn Preisen schritt die Spekulation zu Glattstellun- gen, die bei Roggen am Dienstag einen Kurssturz von 8—9 Mark bewirkten, während Weizen und Ha­fer Verluste von ca. 5—6 Mark erfuhren. Erneute pollttsch« Besocgniff« und die mit der andauernden Trockenhest zusammenhängenden Befürchtungen be­treffs ber Kartoffelernte führten im wetteren Ver­laufe toteber eine merkliche Befestigung herbei, bi« durch den ungünstigen amerikanischen Erntebericht unb burch bte stramme Haltung Rußlands noch ge­fördert wurde. Als jedoch heute die amtliche 6mte> Schätzung für Preußen bekannt wurde, die für sämt­liche Halmfrüchte eine Besserung gegenüber dec Er­hebung von Anfang August ernennen ließ und für Roggen sogar ein Plus von ca. 400 000 Tonnen gegenüber dem Vorjahre zeigte, wurde die Haltung ausgesprochen matt, wozu übrigens auch der Um­stand beitrug, daß man betreff» der polittschen Lage allgemein zu einer ruhigeren Auffassung neigte. Da­zu kam, daß der Export durch die hohen Preise eine Erschwerung erfahren hatte und die Mühlen unter Hinweis darauf, daß die Mehlpreife mit der Be­wegung de» Rohprodukts nicht gleichen Schritt ge­halten hätten, größere Vorsicht beim Einkauf bekun­deten. Di« Folge davon war, daß auch mehrfach Lieferung gegen Ware abgegeben wurde. Nach dem heuttgen Rückgänge Betrögt der seit dem letzten Mon­tage etagettetene Verlust bei Roggen 10—11 Mk., bei Weizen 6—9 Mk. Hafer stellt sich im Lieserungs- geschäft nach mehrfachen Schwankungen ca. 6 Mark nichtiger, während das Warenangebot vom Inland« knapp geblieben ist und die Forderungen dafür keine Ermäßigung erfahren haben. Braugerste hielt sich im Preise, ttotzdem die Brauereien nach wie vor sehr vorsichtig taufen. Futtergerste wurde von Rußland weiter sehr fest gehalten, doch war aus zweiter Hand billiger als direkt zu kaufen. Rege Kauflust machte sich diesmal für Mais bemerkbar, wozu zeitweise da» Gerücht beitrug, daß Frankreich ben Zoll auf Futter­mittel autzuheben beabsichtige, auch scheinen sich bte EmteauSsichien in Südrußlanb zuketzt verschlechtert zu haben.

@8 stellten sich die Preise für inländisches Getreide am letzten Markttage in Mink pro 1000 Kilogr. je nach Qualität, wobei da» Mehr (4-) bezw. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Klammern () beigefügt ist

Danzig 2061/. (- IV,) 174'/.(— 31/.) 176 ( — 2)

Berlin 206 ( — 6 ) 184 ( - 8 ) 198 ( — 2)

~ — -• -..... " 1 6 ) 195 (4-2V«)

Schloß Sonneck.

40] Roman von Fetix Rabor.

„Wer, kann ich nicht auch ein bischen mich elfen?" fragte Hilde.

Frau v. Sperber starrte Hilde mit großen runden Augen an. „Sie? — Das ist zum Lachen. Haben Sie denn je einmal einen Blick in ein Fürsteuzimmer getan? — Verstehen Sie etwas von Armngement? Nein! Das muß ich wissen, Sonneckchen. Wissen Sie, was Goethe sagt? Sie kennen doch Goethe, ja? Der sagt:

Der rechte Griff und der ferne Ton,

Das lernt sich nur um des Feldherr« Person —".

„Sehr richtig! Nur ist dieses Zitat au? Schiller» „SBaffarftem' —",

„So? — Nun, Sie wissen natürlich alle» besser/

„Das möchte ich nicht behaupten. Wer nun sa­gen Sie doch einmal, verchrteste Frau Oberhofmeiste- rin: wer kommt denn eigentlich zu Besuch? Herr oder Dame —"

Frau von Sperber fiel über diese ihr eigentüm­liche Frage fast in Ohnmacht. „Was — Herr ober Dame?" rief sie, unb ihre Stimme überschlug sich gleich um zwei Oktaven. „Herr ober Dame? — Gibw bei uns nicht. Zu uns kommen nur Fürsten, Prinzen, Herzoge ober Majestäten auf Besuch — Verstauben?"

-Ach — danke sehr! Also — welche Durchlaucht, Hoheit oder Majestät gibt uns die Ehre?"

Frau v. Sperber seufzte vernehmlich „Ja, wenn ich das wüßte! Wenn nur Seeburg käme! Der hat eine so feine Witterung. Aber just wenn man ben vm nötigsten hat, ist er nicht ba. Dann ruht auf mir Vie ganze Last. Ach Gott, Kind! Geben Sie mit mal ben Kochnischen. Ich will nachschlagen.'

Hilbe zog sich zurück. Wenn Frau Sperber ein­mal über bem Gothatschen saß, kam sie vor Miüev- nacht nicht roteber los.

Am anbem Morgen glich ba8 Palais einem Heerlager, unb Hilde flüchtete vor dem Lärm der

Scheuerfrauen ins Freie. Sie besuchte ihren Vater und sand ihn, hinter einem ganzen Berg von Büchern verschanzt, emsig bet der Arbeit. Er hatte heute keine Zett für fle unb so machte sie einen Spaziergang durch den Pack. Sir suchte eine entlegene Bank auf, setzte sich unter die überhängenden Büsche und träumte von Glück unb Jugend.

Sie war versunken ta ihre Gedanken, daß fle die Schritte nicht hörte, bte sich näherten. Ein schlanker Herr ta elegantem Reifeanzug kam auf bem Wege daher unb blieb bei ihrem Anblick plötzlich stehen. Als ber Sand knirschte, blickte fie auf, starrte den Fremden an unb sprang bann jäh empor. „Georgi" „Hllde? - Du hier? - Du?

Da faßten sie sich plötzlich bei ben Händen unb sahen sich ta bte Augen Unb bann saßen sie beisam­men auf ber Bank. „Wie braun unb verbrannt bu bist I" sagte Hilde. „Unb so ernst. Nur bi« Augen find bte aßen, Beben Sonnenaugen 1"

„Unb bu — tote schön bist bu!" sagte er. „Jung unb frisch wie ber Frühling. Ach, Hilde, was habe ich mich nach bir gesehnt! — War es nicht süß ba- mals am blauen Meer? Ewiger Frühling war eSl"

„Wie waren glücklich wie Staber! — Wir kann, ien bas Leben nicht, wir schritten burch ein Traum- lanb —.'

Seine Züge würben ernst, fast büster. „Die Welt ist so hart", sagt« er, „unb bas Leben so grausam.'

„Ach Gott', sagte sie, „wer hat nicht seine Sor­gen!"

„®u auch?" fragte er. „Sage mit alles."

Da erzählte fie ihm von bem Unglück, ba» ihr« Familie getroffen hatte unb baß fie nun arm wären. „Der Vater ist hierher gezogen unb ich habe einen Dienst angenommen.'

Er nahm ihre Hand nnd streichelte sie. „Arme Hilde! Wenn ich bir doch helfen könnte! Mer ich bin selber gebunden! Habe Geduld, Hllde, vielleicht wird nach alle» gut Ich bin heute nur auf der Durchresse, komme aber gegen Ende der Woche wieder hierher. Dann bringe ich vielleicht bessere Nachricht. Jetzt muß ich gehen —'

„Wie, bu willst schon wieder gehen," fragte Hilde.

„Ich muß. Aber ich kehre wieder, um mit mein Glück zu eckämpfen." Da sah er den Veilchenstrauß an ihrer Brust. „Schenk ihn mir zum Andenken!" bat et.

Mit zitternden Händen löste fie ihn unb legte ihn in seine Hänbe. Er brückte ihn an seine Lippen unb barg ihn an seinem Busen. „Dank bir, bu Liebel Unb nun: leb wohl!"

Rasch nahm er fie an seine Brust unb küßte sie. Dann ging er mft raschen Schritten.

Sie sah ihm nach, bi» er verschwanb, unb dachte: „Er ist wieder gekommen und hüt mich lieb! Jetzt fängt ein neue» Leben an!" —

Langsam kehrte fle in die Stadt zurück.

War der Tag heller, der Himmel blauer, bte Sonne strahlender geworden! Hildes Seele fühlte ein wonniges Leuchten, einen Jubel, ber sie empor­hob über Wett unb Menschen: in ihrer Brust war jetzt ber Frühling auf» neue erblüht! Jeden Tag ging sie nun ta ben Park unb hoffte, ihn bori wiedev- zusehen. Aber er kam nicht.

Dafür aber traf sie eine» Tage» Iris unb be­grüßte sie voll herzlicher Frrube.

Arm in Arm gingen sie burch ben Park unb hat­ten sich taufenb Dinge zu sagen: Hilde erfuhr, baß Iris im Haufe be» Justtzrccks Buchner wohne. „Ich muß bort bleiben, bis ber große Prozeß entschieden ist", sagte fle.

„Welcher Prozeß?' fragte Hilde.

„Der Prozeß mir Onkel Bergmann! Justiztat Buchner führt ihn. Es handelt fich um eine Million, bte ich erhalten soll. Dmk nur, so viel Geld. Unb Buchner sagt, wir werben ben Prozeß gewinnen.'

„So wirst bu also Millionärin? — Da gratuliert ich.'

„Laß ba», Hilbe! Zum ersten hab« ich ja das Geld noch gar nicht, >mb zum anbem — ich weiß ja gar nicht, wohin bamtt, wenn ich e» bekomme.

„Dafür wird dein Justtzrat schon sorgen', sagte Hildo. „Unb bann bebenfe, wieviel GuieS bu mft diesem Reichtum wirkm kannst."

„Das ist wahr. Das könnte ich aber auch, wenn ein anderer das Geld in Verwaltung hatte, ein Mann —"

Hllde neigte stch zu ihr. „Dein Mann, Iris? —'

Jri» errötete. „Ja, Hilde — meta Mann! Wer eS müßte ein ganz besonderer sein, ben ich so recht von Herzen lieb habe."

„Wit müßtt er benn heißen?"

„Frag doch nicht. Du weißt es ja, daß ich nut an ben Einen denke! — Weißt bu, wo er sich aufhäll unb wie es ihm geht?"

Hilbe berichtete, waS fie selber wußte.

„Warum aber geht er in bie weite Wett?" rief Iris. „Warum läßt er mich so ta Sorge? Er könnte boch bann unb wann eine Zelle schreiben ober einen Gruß fenben."

„Ja, siehst bu, so sind bie Männer nun einmal", ertoiberte Hilde. „Erst machen sie tolle Streiche — dann laufen fle in die weite Welt Met schilt ihn nicht, Jtir! Et weiß, warum er so gehandelt hat. Et will gut machen, was er fehlte ,er will arbeiten unb als ein Mann zurückkehtm, ber sich in Ehren sehm laffen kann.'

Darauf wußte Iris nichts zu sagen. —

Als fle flch trennten, geschah es mit bem Verspre­chen, von jetzt an öfter zusammen zu kommen unb treue Freunbschast zu halten. Unter heißem Er­röten flüsterte JriS: „Nicht wahr, wenn ein Brief von Viktor kommt, bann läßt bu es mich wissen. Mit ist so bange um Ihn —"

„9tdj, Iris, ich fürchte, das wirb ein wenig lange bauern —'

„®iefe bösen Männer! Sie haben ein Herz oon Stein.'

Hilde lächelte. „Unb doch hat man fie so gern — nicht?'

„Mcht als bas Leben!" rief Ins eifrig und küßte Hilde zum Abschied.--

(Fortsetzung folgt)