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Fulda, Mittwoch den 13. September 1911

Erstes Blatt

38. Jahrgang

269.

m Lande wetteifern die Liberalen mit ihren roten

Bundesbrüdcrn in schärfster Verurteilung aller Zölle Und Verbrauchssteuern und behaupten, daß dadurch

ruhiger« Sprache als den Ledebourschen Ana

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Mich zurückzedrängt. Bon 6 degk rin anhaltende« Q

Zete-tagr. viertel» pkhrttcherv«;ug»vrei, »h« vriagerlohn mi» Veffrllgeld in Zuldo so. »r»am»Srttl^0Dk.

Lokaler.

Fulda, den 13. September 1911, « Die 89. Tentralversammlmr- M Vereins kath. Lthrrr der Diözese Fulda findet am 8. und 8. Ott.

Btränt». Rtdakleur

i.V.t «.westleel .... * . „

w«chwr-llag-:„Ill«strktrte Sountagrzrörmg"

Aus UKche und Schule.

D Fulda, 13. Sept. 1911. Die amtlich« Konferenz für di« Lehrer und Lehre­rinnen de« Kreisschulinspektionsbezirk» Fnlda findet am Montag den 25. b. M., von nach­mittags Vit Uhr ab, im Saale de» kath. Gesellen- Hauses dahier statt. Von der Veranstaltung seither Üblichen gemeinsamen Esten» 'ft Abs «"KÄ ®»L 1=11.«« »«• f'»«mto, dem Fest« der Erhöhung deShl. Kreuze», wird um 7 Uhr morgen» in ber Der, Jesu-Kaprll« auf de» Schulzrnberg eine hl. Mef se gelesen.

dazu auf, überall den ZentrumSturm nachzusehen und zu untersuchen, ob die .Kanonen auch an bet rich­tigen Stelle* ständen. ES seien schwere Aufgaben zu lösen. Der Abg. G t t t a r t au» Aachen sprach Über die Reichsfinanzreform, Steuecfragen, die ReichSversichMMigSordnung und empfahl, sofort in die BorbereitungSachetten für die Wahlen einzu­treten. Abg. I t f ch e r t ans Berlin berichtete über die Tlttigkeit deS Landtags. Abg. Trimborn er» klärte, die Herbeiführung einer linlsltberalen Mehr­heit müsse verhindett werden, weil sonst die NeichS- politik in die Bahnen de» liberalen Großblocks ge­lernt und die bisherige Wirtschaftspolitik gefährdet würde. Redner lenkte dann dcn Blick auf die Reichs­tags wählen. Bor allem müssen wie die Einig­keit Hochhalten. Wir wissen, daß die gesamte Zen» trmnSwählerschast die Einigkeit will, daß derjenige, der diese Einigkeit stört, als ein elender Stänker an» E' hen und behandelt wird. (Stürm. Beifall.) Einig wir und einig bleiben wir. Da» alte Zentmm noch und wird weiter leben.

** KaisermauSver.

• StraSburg in der Uckermark, 12. Sept. 1911. Soweit beobachtet werden konnte, ging Rot mit dem 2. und 9. Korps auch weiter südlich und südöstlich vor. Beide Divisionen de» blauen 20. Korps standen heute früh bei Woldegk und wurden von Rot süd»

ttnnen.

** Marit Geburt und antiklerikale Politik in Ito- Hex. Die Stadt Rom bot anläßlich des Festes Mariä Gebutt seltene Kmttraste. Durch den kürzlichen Erlaß de» Papste» ist dieser Feiertag abgeschafst worden. Die stäbtischm Bchörden und der nicht katholische Tell der Bevöllerung machten flch nichts au» dieser Anord­nung. Während die Katholiken bte Läden geöffnet hielten, darunter auch solche von Devottonalien, feierten die Antiklerikale« da» Fest durch Schließung ihrer Läden. Auch die Stadtver­waltung (O Rachanl) hatte die Einhaltung de» Feiertage» dekretiert. Die päpstliche Garde hatte keine Gala angelegt, während die städtischen Polizisten in großer Uniform ausmarschienen (!) Sollt« man so wo» für möglich halten!

neues; im allgemeinen wurde gestern schon Gesagte» wiederholt. Bebel führt im allgemeinen etne ’1 am Montag, erst al» er sich

aufmersamteit und lebhafte Unruhe. Reichliche« Unterhaltungsstoff bot aber dann «in kleine» Miß­geschick, da» dem Parteitage zugestoßen ist. ES war beschlossen worden, trat AbbLdmckmal einen Kranz nie- derzulegen. Aber — o Schrecken! al» der Kranz vom Gärtner abgeliefert wurde, da gierte ihn ein« blütenwetß« Schleif«, die dem Gärtner versehentlich statt der roten in die Hände gelangt sein soll. E» gab unter den Genossen zahlreiche, oie den Gärtner dieser schwarzen Tat für fähig hielten und ein Ab­grund von Bosheit in der Anbringung der weihen Schleif« erblicken wollten. Größere Aufmerksamkeit wurde den Anträgen bett. Jugendagitation entgegeuaebracht. Man muß e» den Genossen lassen, sie entwickeln auf diesem Gebiet eine rege_ Tätigkeit und man kann nur wünschen, daß die bürgerlichen Parteien sich an der rührigen Werbearbeit der Sozial- demokvatte ein Beispiel nehmen. Wie sehr die Sozial­demokratie den Wert der Jugendorganisation zu schätzen weiß, zeigten em besten die Randglossen, bte tn den Ausführungen der einzelnen Diskussionsredner über bi« Maßnahmen Preußen» gegenüber der sozial- demokrattschen Jugendbewegung zum Ausdruck kamen. Nachdem die Anträge bett, die Jugendagitation ange­nommen waren, wird dem Patteiworftand ein stimmt- Entlastung erteilt.

Liberale Herrcheles.

Ea3 liberale Schlagwort dom Raub- und Beute» ■«ug auf die Taschen ber Steuerzahler ist noch immer sn Flor unb bie liberal-sozialdemokratischen Bundes­genossen machen noch immer recht ausgiebig bet jeder fassenden und unpassenden Gelegenheit Gebrauch ha- *jon. Das Verlogene bet liberal-sozialdemokratische,r Steuerhetze ist bereit» so ost gekennzeichnet worden, daß es sich wirklich nicht lohnt, das heute noch ein» mal zu wiederholen. Recht eigenartig berühren muß scher das Verhalten der Herren Liberalen, toenn man einmal prüft, wie sie es selbst mit den Verbrauchssteuern halten, wo sie da» '£>eft in bet Hanb halten, zum Beispiel in ben zahl­reichen Großstädten, wie z. B. in Berlin, wo der Linksliberalismus eine unbeschränkte Herrschaft aus- Übt.

Wir wollen ganz davon absehen, daß eS etne un­bestreitbare Tatsache ist, daß der Liberalismus be­reit war, deinerseits bei der letzten Finanzreform so­gar 400 Millionen indirekter Steuern zu bewilligen, während der sogen, blau-schwarze Block nur rund 800 Millionen indirekter Steuern bewilligt hat. Der ganze Entrüstungsrummel, ben die Liberalen im Bunde mit ben Genossen seinerzeit inszeniert haben, jtnb jetzt bei den kommenden Reichstagswahlen tote» ter inszenieren, stellt sich nach dieser einen Tatsache chon als eitel Heuchelei heraus. Im Reichstag und

U»)«i§«»: vi« et» fpsltjg«pkttfteil« ottr bett« Sam» 15 pfg. LeüwUeuSiepetttzeil« Pf»., bei wieder, holmi-en wird entfpt, Rabatt gewährt.

8»t»fleesbr«tftmb Verlag der Zuldaer llk»

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befonber» al» er meint«, zur Salome mit dem Haupt« Molkenbuht» sei sie gestern nicht geworden. Di« Situation verschärfte sich und die Gemüter erhitzten sich mehr und mehr — Ledebout schreit manchmal zu den lächerlichen Ausführungen Fischers: .Unwahr, lächerlich!" Der Streit absorbiert da» ganze In- terefle der Bersammlung unb als ein Redner ein andere» Thema anschlug, setzte eine allgemeine Pri- vaiunterhaltung ein, die aber sofort verstummte, al» der streitbare Genosse Dittmann-Solingen die Tribüne besteigt. Aber er enttäuscht die gespannte Erwartung, er enthält sich der Aggressive und begnügt sich damtt, darzulegen, wie er sich bte Reorganisation des Parteivorstande» denke. Auch der nun folgend« Zehngedote-H o f f m a n n war gegen seine sonstige Art geradezu merkwürdig gemäßigt und sachlich. Er meint, Molkenbuhr sei etwas zu pomadig. Pomadig, keit sei ja sonst eine ganz schöne Sache, aber manch- maß tote sich das auch jetzt bei dem Marokkorumme! gezeigt hab«, sei sie jedoch geradezu ein Hemmschuh. Nun kommt Liebknecht, ber gefürchtete Dauer­redner. Papa Dietz ermahnt ihn unter allgemeiner Heiterkeit, von der Redezett nicht allzu ausgiebigen Gebrauch zu machen, sondern zu bedenken, daß außer ihm noch andere Redner sprechen wollen. Liebknecht stellt sich auf die Sette Rosa Luxemburgs, aber er ist sehr gemäßigt. Die Sache wird nach und nach langweilig, und während auf ber Tribüne ein Redner nach dem anderen erscheint unb wieder verschwindet, fetzt unten im Saale eine immer lautere Unterhal­tung ein.

Endlich kam der große Moment doch noch, wo Rosa Luxemburg und Bebel, Ledebour und Fischer, David und Klara Zetkin in grimmer Fehde gegen einander entbrannten. Es war für die Versammlung geradezu ein zugkräftiges Schauspiel, ihre Parteihäuptltnge sich gegenseitig zerrupfen zu sehen. Daß dabei mit Schimpsworten nicht gespart wurde, — besonder» Ledebour tat sich dabei hervor — versteht sich von selbst. Inhaltlich boten die Redeschlachten nicht die!

in den Straßen bc» Städtchen» befand sich Artillerie, auch bte Maschinengewehr« traten ta Tätigkeit Man sah Artilleriemannschaften Geschütz« einen steilen Ab­hang hinauffchleppen. Auf die abgehängten Protz­kästen waren 4 Meter hohe Eisengestell« al» Beobach­tungstürme aufgesetzt. Dec blaue Lenkballon, ein Eindecker und rin Zweidecker arbeiteten. Berit­tene Fernsprechtrupp» verlegten Telephonvecbindun. gen vom offenen Gelände nach den Stationen. Der Kaiser traf um 6 Uhr im Automobil von Woldegk ein. 6r beobachtete da Gesicht erst am NordauSgang de» Städtchen», dann von 7 Uhr ab vom Galgenberg südlich von Woldegk. Später "begab sich der Kaiser im Automobil von SttaSburg nach Marienhöhe, wo et um 10 Uhr zu Pferd« stieg. Später griff auch die Garde-KavalleneDivision unb da» Gardekorps in bat Kampf ein. Auf der Lini« Güsterberg-Fahren­holz südlich von SttaSburg gingen diese, von Osten kommend, vor. Lang« wogte hier die Schlacht hin und her. Di« Mannschaften der Garde-Kavallerie- Diviston, ebenso die Leibgarde-Husaren, welch letztere di« Divtflon6-fiatiallerte der ersten Garde-Division bilden, saßen ab und gingen mit bat Truppen der 4L Division in die Schützenlinie. Mttag war längst vorüber, al» Rot immer neue Mass« in» Gefecht warf. Da» Wetter tft sehr schön. Die Staubentwick­lung ist natürlich ungeheuer. Da» Aussehen der Truppen ist vorzüglich, nur gibt e» eine Anzahl Fuß- kranker.

• Woldegk, 12. Sept. 1911. Kleiner, ®«. fechte setzten sich den ganzen Nachmittag fort Da» Srttöerlefeuer auf beiden Setten nahm kein Endet Die Fürstenwerdersche Seengen und bte Gegend hin­aus bi» WolsShagen waren am späten Nachmittag noch in den Händen von Blau. Im Manövergelänb« find alle Städte, Flecken und Dörfer mit Laubgewin» den sowie deuffchen, mecklenburgischen oder preußi­schen Fahnen geschmückt Die Bevölkerung, die dm Kaiser allenthalben jubelnd begrüßte, nimmt regste« Anteil an dm Manövem. Biele Tausende sind heute ausgewogen, um bte Gefechtsbilder zu sehen. Bor allem bemühen fich di« Leute, die die Ortschaf­ten durchziehenden Mannschaften, die unter der Hitze und dem Staub viel leiden, zu erquicken. Abend» arbeitete da» blaue Lenklustschiff. Herzog Adolf Friedrich von Mecklmburg tft al» Kraftwagenführer tm Freiwilligen Automobilkorps tätig.

* Anerkennung der Republik Portugal.

deutsche Gesandte, der spanische Gesandte sowie die BeschästSttäger England», Oesterreich» und Italiens Übergaben dem portugtestschen Minister des Aeußern ein« Note, in der fie die Repudiik Portugal aner-

tob“ offenbar keinen Beifall unb deshalb beantragten bie dortigen Genossen, ihn besser auSguftatten. Heber- Haupt scheinen bie Hamburger Genossen einen aus­gesprochen ästhetischen Geschmack zn haben, berat auch bie übrigen sozialdemokratischen Unterhaltungsblätter erregen ihren lebhaften Unwillen unb so verlangen sie Abhilfe. Daß bie» notig ist, beweist allein schon bte Tatsache, daß selbst Zehngevote-Hoffmann tmregte, ein besser auSgestctttete» Unterhaltungsblatt von Par» ieiwegen herauszugeben. Die Anträge werden durch­weg nach kurzer Debatte bem Borstanoe zur Erwägung überwiesen. Zu Aufregungen irgendwelcher Art boten

Sozialdemokratischer Parteitag.

o Jena, 12. Sept. 191L

Heute vormittag waren die streitbaren Mannen wieder vollständig zur Stelle, um auf» neue ben Par. teivorstand zu bekämpfen. Aber zuerst gab e» ein lustige» JntermeRo: Genosse Leber teilte mit, daß Jena ein sehr schöne» Volksbad habe, wovon die ®e» nassen ausgiebigen Gebrauch machen möchten. Einige hätten e» schon benutzt. (Allgemeine groß« Heiter- kett.) Ein besonder» witziger Genosse macht den Zu- ruf: „Da muß Rosa reinst' (Stürmische Heiterkeit.) Aber Rosa scheint von ber Heiterkeit auf ihre Kosten wenig erbaut zu fein. Eie sitzt da, einen blutig-roten Schal um bie Schultern geworfetü mit finsterer Miene, bie nicht» gute» ankündigt Kaum hat sich die Heiter- keil gelegt, da wird e» ernst. Gleteh ber erste D» kussionSredner schwingt da» Krieg-be-l gegenden Par- teivorstand. JMeressartt wird d^ Sache, Richard Fischer-Berlin ber SMa Sujemburg unb Genüssen auf die Singer Hapft

messen- Schale seines schaden SarkaSmu, über fte aus unb hatte batet die Lacher auf feiner Sette,

man merkt ihm die Erbitterung über Ledebour» Vor­wurf an, daß er (Bebel) sich habe schieben lassen.' Wie eine giftgeschwollene Furie erschien bann Klara Zetkin, um gegen den kleinen David zu Felde zu ziehen. Sie kreischt wuterfüllt in den Saal hinein unb ihr Gequttsche fällt förmlich auf bte Nerven. Mehreren Genossen entrang sich unwillkürlich der Stoßseufzer i „£) Klara 1" Aber Klara kreischt weiter bi» ihr Mt Puste ausgeht. Schließlich macht ein Antrag auf Schluß ber Debatte der anderthalbtägigen Redeschlacht ein Ende. Die Entscheidung fiel so auS, wie e» bot» auSzusehen toar: Die Luxemburg und ihr Anhang erlitten eine glatte Niederlage. Sie streckten die Waf­fen vor der letzten Entscheidungsschlacht, ber Abstim­mung, indem sie unter dem gewaltigen Hohngelächter der Revisionisten ihre Anträge, bem Parteivorstanb« wegen seiner Haltung in ber Marokkofrage ein Dtttz- trauenSbotam auszusprechen, zurückzogen.

Nach ber Mittagspause hielt Müller. Berlin namen- be» Parteivorstandes ein überau» langwei­liges Schlußwort, indem er nochmals alle bie Schand­taten der Luxemburg, Ledebour und Cie. Revue pas­sieren ließ. Dann wurde zur Diskussion und Ab­stimmung über die einzelnen Anträge betreffend Agi­tation und Organisation, sowie PrEe und Literatur gefdjrttten. Erwähnenswert ist ein Antrag, zwei wei- tere Parteisekretäre anzustellen und zwecks Beratung über eine Reorganisation de» Parteivorstandes eine 21 gliebrige Kommission zu wählen. Der Antrag wird

die aHgetrtrine Teuerung hervorgerufen sei. Nun Iollte man annehmen, daß die Herren Liberalen, die sch so gern ein volksfteundliches Mäntelchen Um­gängen möchten, ihren Abscheu vor allen die Lebens­haltung versteuernden Abgaben und Steuern überall >a, wo sie die Mach' dazu haben, in die Tat umzu- setzen und schleunigst alle jene Abgaben zu beseitigen. Wer weit gefehlt.

Die Großstädte sind heute fast ohne Ausnahme dazu übrcgegangen, die Lieferung deS elektrischen Mromes, von Gas und Wasser in eigene Regie zu übernehmen, und sie erzielen mit diesen ihren indu­striellen Unternchmungeu nachweisbar große Ge­winne. Und da Verbrauchssteuern bekanntlich nicht das Ideal der Herren Libemlen find, so sollte man Erwarten, daß der in den Städten herrschende Libe- kÄisorm» das Volk, das ja angeblich durch die Ver­brauchssteuern des blau-schwarzen Blocks schon so fthr überlastet ist, nickst auch noch durch Abgaben i'3 r Licht und Wasser zu besteuern. Wie haben Psi Liberalen nnLt im Reichstag gegen die Siebt- fleuern gewettert unb was tun fie selbst. Sie selbst scheuen sich nicht, ihrerseits der städtischen Bevölke­rung von Magistratswegen ganz erfteckliche Licht- peiicrn aufzuerlegen. Trotz der großen Reingewinne her städtischen Gas- und Elektrizitätswerke in Be r- l t n packt die dortige liberal-sozialdemokratische Mehrheit dem Volke fortgesetzt steiaende Lichtstmern auf, die tm letzten Jahre sogar über 8 Millionen Mark ausmachten. Ganz ähnlich liegen die Berhält- mlsse bei den städtischen Wasserwerken und nicht zu­letzt auch bei den Schlachthäusern, zu denen das Dolk nicht nur mit. Steuerlasten bstzntragen hat, son- ibero die ihm auch noch das Fleisch nicht unerheblich verteucm. Diese Verhältnisse ht der Stadt Berlin können als typisch gelten für zahlreiche Großstädte, In denen der Liberalismus am Ruder ist. Wenn es also dem Liberalismus wirklich ernst wäre mit fernem so sehr zur Schau getragenen Abscheu vor Ver- st'rcruchsabcmbeir, warum bemitzt er dann nicht die ^Gelegenheit, wenigstens da, wo cS nur an ihm liegt, bie Verbrauchssteuern zu beseitigen? Es toäre- ja ifo einfach, fie brauchen ja nur die städtischen Licht- fteiterrt und die Wasserabaaben durch Krersherabseh- tMF zu beseitigen, und sollte ein Nusfalk entstehen, so köirnrvr sie ihn ja durch einen kleinen Zuschlag ju den von ihnen als allein gerecht bezeichneten direkten Stenern decken.

Mer das fällt dm Herren Liberalen gamicht ein unb wir möchten einmal sehen, welch ein Ent- rüstungSsturm durch die liberale Stadtväierschast von Berlin gehen würden, wcim ihnen solches allen Ern­ste» ju gemutet würde. Der ganze liberale Entrüst- ungsrummel ist eben werter nichts, als Heuchelet und diesen Vorwurf werden die Liberalen auf sich fitzen lassen müssen, solange sie nicht durch die Tat bewei­sen, daß ez ihnen ernst ist mit ihrem Kampf gegen Je Verbrauchsabgaben.

veuisches Kelch.

** Berls, 13. Sept 1911. Trr Kaiser wird im 18. Oktober in Rache» zur Enthüllung des ^euliratS Kaiser griebtid)»" ttniicffen. — Die yxip.-tifire Viktoria Luise vollenbet heute ihr IS. . eb.usfthr.

J- Guts Aussichten der Marolkov er Handlung en. Wle Aussichten einer baldigen Verständigung mit »«m.chlaud über die Marokkofrage werden sowohl jn rjrankreui; wie in EilgtanL sehr günstig beurteilt.

Hofsnrurg auf bte Erhaltung deS Frie-

M1 überad gewachseu. Vor allen Dingen Kn - ^orgehoben, daß Tentschland für fich feine >i«-Uetxltvre^£n vertrete und daß es vor allem iab- weitgehende Nachgiebigkeit gezeigt

nair-f,« et1. <onti8l!et Blatt bemerkt dazu, daß die utr st äenP’9 53französischen Haltung nicht - ® e ^krwergerung deutscher Sonderprivilegien,

Ausschließung der anderen Mächte »- .^eilsberechügung an der Entwicklung Marokkos sei. Auch in Deutschland hat eine ruhi- gnce Stimmung Platz ergriffen. Der durch die Alarmnamrichten bercorgerufene Sturm auf die Lparkasleu verschiedener "Städte hat nachgelassen. .LdLchriL': mdbCt m

J Während bte Anmeldungen zum Umtausch ber am fälligen deutschen-4 prozentigen ReichS- ®,etn,e 4prozentigen preußischen Schatz» R 6rft 1915 kündbare Echatzscheine in Er? "tzten Woche nur zögernd einltefen, sind tiefe

gestern unb heute infolge ber beruhigenden politischen Nachrichten und be» sichtbar leichteren Geldmärkte» nach unseren Jnformaltone« in ansehnlichen Be­trägen eingegangen. Dabei maß hervvrgehoben werde«, daß auch bi« 3lHm«lbuug«n au» dem Auslaub« ndit uutfanaxcich finb.

Die französtschen Minister hietten am Dienstag nachmittag einen KabinetiSrat ab, in dem sie über bi« von bem Minister de» Amßeren vorbereitete Antwort berieten, di« Botschafter Sambo« dem Staatssekretär ». Kiderleu-WLchter überreichen soll. Ter britisch« Botschaftrr ta Wien, Cartwright, beffm in ber »Neuen Fr. Presse* veröffentlichte» Jnterwiew vor kurzem so viel Etaub aufgtroirbett hat, hat sich nunmehr einem Mitarbetter bet .Wiener N. Nachr.^ bahta geäußert, baß er bte Veröffentlichung seine» Jnterwiew» bebauet«, wett brr» webet b«äbfichtigt gewese« sei, noch in ber wiebergegebenen Form überhaupt stattgefunben habe. Den Dorwutf, Antipathie« gegen Deutschland zu haben, weist er «ntschiebe« zurück. Di» Person de» Kaisers sei in der Nnterhattung mit dem Vertteter ber »Neue« Fr. Presse", Dr. Siegmund Münz, mit keinem Wort erwähnt worden. Di« einzig« KrM, bie er an Deutschland grübt habe, sei bte gewesen, baß er bas Verlangen ber Alldmtschen in ber (int- schädigungSfrage als übertrieben bezeichnet habe. — Hert Cartwright scheint eine« ziemlich deutlich« Wink von London erhatteu zu haben.

X Ter deutßhr Städtitag nahm zur Frage der .Kreditbeschaffung der deutschen Städte^ ein« Reso» httion an, m der bte Einrichtung einer ,93er- mitlelmigSstelle für kommunal« Darlehen" empfohte« wirb. Hierbei ist zu beobachte«, baß für kurzfristige Darlehen eine Gelbvermittelmtgsstelle bet große« beuischen Städ-tevetwallunge« besteht. E» wirb habet zu erwägen fein, bte Vermittelungsstelle für langfristige Kowmunalbarlehen an biese anzuschließen. Der beutsche Städtetaa beschäftigte sich bann wettet mit der Frage der Arbeitslosenversicherung. Die beiden Referenten Oberbürgermeister Wallraf- Köln und Oberbürgermeister Dr. AdickeS-Frankfurt a. M. legten der Versammlung Leitsätze vor, welch« sich zwar für eine ZwaugSoersicherung in be» schrätiktem Umfange aussprachen, eine allgemeine Arbeiterverficherung zurzeit schon deshalb für aus­geschlossen erachtm, weil ihr» Voraussetzung, ein allgemeiner Arbettsnachweis, nicht vorhanden ist unb voraussichtlich auch in naher Zett nicht vor» Händen sein wird, aber die Mithilfe ber Gemeinde«, nameutftch für bie Vorbereitungen zur Lösung dieser Frage in Aussicht stelle«. Zunächst würbe zu prüfen sein, ob eine obligatorische Arbeitslosen­versicherung für Bauarbeiter emzuführen sei.

+ Die Vorbereitungen für die Reform der Fahr» karlenstemr zwischen Preußen unb den größeren Bundesstaaten werben, bet .Post' zufolge, im Herbst zum Abschluß gebracht werten, so daß bem neuen Reichstage ber Entwurf zu Beginn bes nächsten Jahres zugehen kann. Er soll Härten auSgleicken unb vor allem bie unbillige Belastung der beiden oberen Wagenklaffen mildern. Eine Be­steuerung der 4. Wagenklaffe ist nach rote vor nicht beabsichtigt. Möglich ist auch, daß die unterste Steuergrenze, jetzt 60 Pfg., auf 1 Mark herauf­gesetzt wird, um bem Stabt- unb Vorortverkehr enigegenzukommen, zumal ta Berlin bie geplante Elektrisierung ber Stadtbahn eine Erhöhung ber Tarife bebtngen wird. Durch bte Reforn- "en die Einnahmen be» Staate» nicht gekürzt ; n, da man hofft, durch fie die Benutzung oct vieren Klassen zu heben.

-r- Mehr Mittel für di» Zngenbpflea«. Durch den preußischen Haushalt für 1911 ist bekanntlich eine Million Mark zur Psteg» der schulentlassenen männlichen Jugend bereitgenellt. Di» Nachfrage nach Beihilfen ist nun außerordentlich lebhaft ge» wesen, dem, tarntet weiter« Streife haben sich von ber Siotwendigkett einer umfassenden Pflege für bte schulentlassen« männliche Jugend üb eräugt Unter diesen Umständen darf man mit der.Post" amtehmen, daß bie bisher berettgestellten Wittel für di« Zukunft nicht avSteichen. Ma« rechnet vielmehr damtt, daß schon für da» nächste Jahr fich verstärkt« Mittel all notwendig erweisen werde», beten Bewilligung vom Landtage wohl zu erwarten ist.

(*) Stenerfteihett der HiittetdliebenenbezSge. Der preußische Ftaanzminister hat der.Deutschen Tages­zeitung' zufolge bte Vorsitzenden ber Einkommen- steuer-BertfungSkommisfionen angewiesen, bei bet Besteuerung ber Hintetdliebenenbezüge nach folgen- ben GnmdsStzr« zu verfahre«:

1. Die ben Htaterdlteb«,«, zustehrnden Snaben- oezüge find «jitkommen steuerfrei mtb zwar auch banx, wen» bie Dauer ihrer SewLhrmtg de» Zettrarttn eine» Bierteljlcht«» übersteigt X Dte Veranlagung hat vom ersten Tage bei auf ben Tod be» Genannte« folgenden Monats ab zu erfolgen. Den« bet Rechtsanspruch auf das Witwen- und Wcnsengeld entsteht nach Gesetz mtt dem Zeitpunkt be» Tod«» be» Beamten, wenn auch bie , Fälligkeit bet erste« Monatsrate dieser Bezüge bi» zum Ablauf der Snadenzett läuft. 8. Da zurzeit der Ber- anlagung et« JahreSergebniS noch nicht vorliegt sind in Anwendtmg de» § 9 9h. 2 beS Einkommensteuer­gesetzes die bis »um Schluffe des Steuerjahr«» tatsäch­lich zur Auszahlung grlaugrnden Bezüge nach dem Berhällnssse be» für bte Berantaguug ht Betracht kommenden Zeitraumes zum Steuerjaht auf ein Iaht umzurechn« unb mtt diesem Betrage al» ihrem mrtt- maßliche« Jahreiertrag in Ansatz zu bringen.

* Koblenz, 11. Sept 191L Auf dem gestern hier abgehaltenen Aentrumsparteftage für ben Regierungs­bezirk Koblenz berührte ber Wg. Trimborn aui Köln, der Vorsitzende d« rheinische« ZentrumSpar- tei, auch bi« Matokko-Fcaser Er stellte aui- drücklich fest, daß tm gegenwärttgen Augenblick kein Anlaß zu ernsthaften Befürchtungen vocktege. Das Zentrum fei an» ganzer Seel« Anhänger bei Frie­den». E» könnten aber Sagen kommen, wo e» fest enffchloffm sd, auf da» hohe Gut bei Frieden» zu verzichtm, wo e» dte Ehr« bet Ration erfordere, zum Schwerte zu greifen. Et fd fest überzeugt, daß da» deutsche Reich fu Wasser unb zu Lande jedem An- sturm gewachsen fei Dte Ehre bet Ration würde unter allen Umständen hochgehalten. Den Worten folgte ßürmffcher Beifall. Der Redner Sorbette dann