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Fulda, Montag den 11. September 1911.

38. Jahrgang.

ESS

(Fortsetzung folgt.)

rant, in dem man gut und reichlich speisen will. Eine starre, unheimliche Ruhe kam über ihn; er wollte war­ten, bis seine Stunde kam.

Am achten Tage erhielt er von Hilde zweihundert Mark mit ein paar Zeilen von ihrer Hand. Er war darüber so gerührt, daß er den Brief küßte und auf seinem Herzen barg. Dieser Geld wollte er nie angrei- fen; das sollte ein Talisman sein. Das mußte ihm Glück bringen, da es in Liebe und Sorge gegeben war.

Er dankte ihr herzlich und sagte sich: „Heute werde ich Glück haben."

Mit diesen Gedanken betrat er den Kaflnoplatz. Da kam ihm sein Bruder Sixt entgegen. „Alle Wet­ter", sagte er, „alle Welt scheinr in Monte Carlo zu sein."

Sixt ü. Sonneck kam mit blassem Gesicht und ver­störten Augen, wie hundert andere, die gespielt und — verloren hatten. Selbstverständlich trug er tadellosen Gehrock, Zylinder — der ganze Mann wie aus dem Ei gepellt.

„Tag!" sagte Sixt von Sonneck und reichte Viktor die Fingerspitzen. „Wieder auf dem Damm, was? . . . War Unsinn, Junge, na —" Er drückte das Mo­nokel fest ins rechte Auge und blickte suchend um­her.

„Bleibst du länger hier?" fragte Viktor.

„Weiß nicht, ganz nach Umständen. Koinmst du einmal auf einen Sprung ins Hotel Bristol hinüber?"

„Danke. Da ist's mir zu teuer."

„Na — dann nicht. Also —"

„Hör einmal," sagte Viktor erbost, „warum btefe. Eile? Wenn man sich einmal im Jahr trifft, könnte man doch auch eine Stunde zusammmbleiben. Und nach Papa hast du dich nicht einmal erkundigt — schließlich ist ec doch auch dein Vater —*

„Natürlich! Wie geht es ihm?"

Viktor erzählte, daß es bergab gehe. „Scheußlich!" rief Sixt. „Die Sonnecks haben immer Pech. Mer jetzt — pardon — da kommen die Damen —"

„Ach so —' machte Viktor. „Also wieder einmal auf der Jagd nach dem Glück. Bitte, tu dir keinen Zwang an."

O Weitere Maßnahmen zur Linderung der LebenS- mittelteuerung. Wie die „Nordd. Allg. Ztg." hervor- hebt, bildeten die infolge der anhaltentmi großen Dürre eingetretenen und noch zu erwartenden Schädi­gungen überall dm Gegenstand trnfter Sorge. Der Kai­ser habe bereits ausgesprochm, wie sehr ihn die dem Lande aus dem Mißwachs drohende Not beschäftige und ben Reichskanzler unb Ministerpräsidenten beauf­tragt, alle im Bereiche staatlicher Möglichkeit Hegenben Maßregeln zur Abhilfe beS Notstandes zu ergreifen. Die Staatsregterung hätte darum zwecks Bekämp­fung der Not die soforttge Einführung eines NotstandstarifeS beschlossen und durch eine Reihe anderer Maßnahmen fördernd eingegriffen. Jn- zwischm feien weitere Erwägungen an gestellt wor­den. In der bevofftehmden Sitzung des Staats- ministeriums werde über die Ausführ­barkeit und Zweckmäßigkeit der einzelnen gemachten Vorschläge enrschieden, und das danach Erforderliche zugleich veranlaßt werden. Das Blatt spricht fein Be­dauern darüber aus, daß hier unb da versucht werde, die durch ein elementares Ereignis hervorgetretene Ror, die zunächst die landwirtschaftlichm Produzenten treffe, aber auch in jedem Haushalt durch die Verteue­rung der Lebensmittel fühlbar werde, zur Bekämp­fung unserer Wirtschaftspolitik auszu­nutzen. Wie wenig, so sagt das offiziöse Blatt, unser wirtschastspolittsches System für den gegenwärtigen Notstand verantwortlich gemacht werden kann, zeigt am bestm die Tatsache, daß die Folgen der ungewöhn- lief)en klimatischen Erscheinungen dieses Jahres sich mit gleicher unb größerer Härte auch da geltend ma- chm, wo die Wirtschaftsvolitik auf anderer Grundlage beruht. — DaS ist zweifelsohne richtig, aber den Li­beralen ist eben jede Gelegenheit recht, ihr Parteiinter­esse in ben Vordergrunb zu schieben. Aus etwas mehr ober weniger verlogene Hetze kommt es ihnen da »richt an. Die preußische Zentralgenosfen- schaftskasse hat sich, wie die „Deutsche Tages­zeitung" auS „zuverlässiger Seite" erfährt, bereit er­klärt, ben Genossenschaften zum Zwecke bc8 Ankaufs von Futtermitteln 10 Millionen Mark zur Verftigung zu stellm. lieber bte Bedingungen, unter denen diese Ausnahmekredite gewährt werden sollm, schweben noch Verhandlungen. Es liegt aber auf der Hand, daß die Gelder nur zu dem Zweck angewandt werden dürfen, für den sie bestimmt sind, unb daß die Ver­bandskassen sie auch zu benfelben Bedingungen an die Genossenschaften weitergeben, zu denen sie sie von der Zentral-Genossenschaftskasse selbst erhaltm. Durch dieses Entgegenkommen wird sich die Zentral-Gerios- senschaftskaffe zweifellos den Dank der deutschen Landwirtschaft erwerben.

-r- Die Reichsfinanzreform unb die Börse. Ziemlich unbemerkt ist in weiteren Kreisen die Tatsache ge­blieben, daß während der kürztichen Börsen-Deroute die Reichsanleihen dauernd einen erheblichen Wider­stand bewiesen haben und nur wenig gewichen sind. Die Erktärnng hierfür liegt, wie wir einer Nach­richtenstelle entnehmen, in den starken Intervention«, kaufen, die der Reichsschatzsekretär hat vornehmen lassen. Hierfür befähigt wurde Herr Wermuth durch den ihm zur Verfügung stehenden Mlllionen- überschuß aus den neuen Einnahmequellen des Reiches. Verlust von vielen Millionen Mark sind auf diese Weise, also direkt durch die Folgen der Reichsfinanzreform 1909, für die deutschen Sparer vermieden worden. Das ist eine glänzende Recht- sertigung der Reichsftnanzresorm.

)( Einen Mittelstandskongreß wird der Hansa- bunb anfang November d. I. in Berlin abhalten, zu dem Vertreter der Ortsgruppen und Zweig- organisalionen des Hansabundes sowie der dem Hansabund angeschloffenen Mittelstandsv>.rdände ge- taden sind. — Mit diesem verzweifelten Versuche, den Mittelstand, der nach dem ersten Haniatage fahnenflüchtig wurde, wieder einzufangen, wird' der Hansabund wohl kaum Glück haben. Von -einem liberalen Wahlunterstütz.mgsverein, der noch dazu

Ausland.

** Die Vermählung des österreichischen Erz­herzogs Karl Franz Joseph mit der Prinzessin Zita von Parma wird am 2l. Oktober Im Schloß Schwarzem am Steinfelde stattfinden.

** Auch Holland rüstet für die Eventualilät eine- deutsch-französischen Krieges. In verschiedenen Gar­nisonstädten, namentlich an der deutschen Grenze, wurden Mobilisierung en vorgenommen. Außer­dem haben die Milizen aus dem Jahrgänge 1907/08 Befehl erhalten, in diesem Jahre ausnahmsweise einen Monat länger bei ihrem Regiment zu bleiben. Diese Mobilmachungen haben die Bevölkerung sehr beunruhigt, besonders da die Regierung keine Er- llärungen für ihre Vorsichtsmaßregeln geben will. Auch der Antimilitarismus scheint sich jetzt in Hol- land breit zu machen. Als bekannt gegeben wurde/ daß die Reservisten nicht entlaffen werden, sondern' ,iwch 3 Wockeu unter den Waffen bleiben müssen,' veranstalteten die Soldaten der Jahreskassen 1907 unb 1908 im Lager von Laren eine Kundgebung. Eme Anzahl von ihnen versammelte sich vor dem Kasino der Offiziere und sang sozialistische Lieder. Emer der Offiziere trat heraus und be- fahl den Mannschaften, abzuziehen, sonst würde aus Befehl des Kommandanten das Lager für eine Nacht­übung alarmiert werben. Erst dann zogen die Maui- festanten ab.

** Die monarchistische Gegenrevolution in Portu­gal. Der Korrespondent eines Roterdamer Blattes meldet aus Lissabon, daß der Monarchistenführer Conceiro über die spanische Grenze in Portugal eingefallen ist. Die Monarchisten haben im Norden des Landes schon festen Fuß gefaßt. Es wurden bereits Schüsse gewechselt. Der Ministerrat war während der ganzen Nacht versammelt. Die in tonbon angehaltcnm unb beschlagnahmten Schiffe mit Kriegsvorräten waren für No dportugal be­stimmt. Die Polizei verhaftete einen Sergeanten unb mehrere Eisenbahnangestellte wegen Teilnahme an einer monarchistischen Bewegung.

** Der Bürgermeister von Konstantinopel Kiasim, ber zugleich bie Stellung eines Mali von Konstanti- nopel bekleibet, hat seine Ent lass ung aus beiben Acmtern eingereicht. Tas Entlaffungsgefuch ent- hält eine abfällige Kritik der konservativen Politik ber Regierung.

** Perfiem Wie gemeldet, ist die Schlacht, in der bte Regierungstruppen am 6. d. M. Sardar Arschab schlugen, burch bte Tätigkeit der unter Leitung des deutschen Instrukteurs Haase stehenden Maschinengewehre entschieden worden. An anderer Stelle sind nun aber die Regierungstruppen

SrHLoß Sonneck.

38, Roman von Felix Nabor.

f Erst ging er durch eine säulengeschmückte Vorhalle, chann fühlte er sich gedrängt, gestoßen, geschoben — Und stand in der Spielhölle von Monte Carlo. — Er vernahm das leise Klirren des Goldes, dann klang scharf und bestimmt das Wort durch den Saal, das Tag und Nacht hier durch die Luft flog, das Motto von Monte Carlo, das Leitmotiv der Weltmusik, die Hier aufgeführt wurde: „Meine Herren, spielen Sie!"

Viktor betrachtete die großen Spielsale. Der mitt­lere bildete eine Säulenhalle, deren Onvx-Säulen einen Hohen Kuppelbau trug, von dem das Tageslicht herab- ftrßmie, während vier riesige Kronleuchter für die Be­leuchtung bei Nacht sorgten. Aber das alles waren schließlich nur Nebendinge. Die Hauptsache waren hie Roulette-Tische, auf denen die Scheibe mit fiebern 'iinbbreifdg Fächern kreiste, wo die Elfenbeinkugel, svelche über die in Schwung versetzte Scheibe raste, .Gewinn oder Verlust von Tausenden markierte, je Hachdem sie in einem der Fächer liegen blieb.

Die Tische waren dicht umlagert. Die Menschen hier saßen mit geschlossenen Lippen und starren Zügen da; nur die Augen verfolgten gierig und funkelnd den Verlauf des Spiels. Es lag in ihren Blicken etwas Dauerndes, Bestienhaftes. Die Gesichter waren oer- ierrt, grinsend, von Leidenschaften durchwühlt. Es bten, als habe ein Dämon Besitz von diesen Men- chen ergriffen, ein häßlicher, grausamer, zähnefletschen- er, teuflischer, boshafter, mordgieriger Dämon

$ Nur die Croupiers saßen kalt und ruhig an ihren Plätzen; die Hände hielten die meffingbeschlagenen Rechen, um das Geld bald dahin, bald dorthin zu s chieben. Ganze Berge von Gold häuften sich, flogen wie Spreu auseinander und die kleine Kugel rollte. . .

So ging das Tag für Tag. Viktor machte die Er­fahrung, daß der Verlust meistens auf Seiten der Spie­ler war, während die Bank fast immer gewann.

L Viktor fühlte sich bald hier heimisch und betrat die Säle mit denselben Gefühlen wie etwa ein Restau­

zu.r Geltung kommen. Eine wichtige Rolle wird wieder der Kraftwagen spielen. Ein ganzer Wagen- park steht den Truppen zur Verfügung. Jeder der Wagen faßt etwa 50 Mann und kann 30 Kilometer in der Stunde zurücklegen. Die eine Armee steht unter dem Oberbefehl des Armee-Jnfpekteurs Ge­neralobersten Prinzen FriedrichLeopoldvon Preußen, die andere unter dem des General­feldmarschalls Frhrn. v. d. Goltz. Das oberste Schiedsrichteramt ruht, wie immer, in den Hän­den des Kaisers, zu Oberschiedsrichtern sind die Ge­nerale v. Kessel, v. Dulitz, v. Kleist, v. Manteuffel und Mudra berufen. Bei den diesjährigen Kaiser- manöbern wird auch die Kavallerie in verstärktem Maße wieder Verwendung finden, denn das Ge­lände ist Flachland, sodaß die Reiter zu Auf­klärungszwecken, und, wo sie aussichtsvoll er- scheinen, zu Attacken Verwendung finden können. Fremde Gäste nehmen diesmal nur wenig an den Manöver« teil, namentlich fehlen die englischen Offiziere. Auch Fürstlichkeiten werden diesmal wenige in der Umgebung des Kaisers wellen. Als Gast des Kaisers weilt Prinz Heinrich der Nieder­lande aus Boitzenburg.

Deutsches Reich.

4- Gegenüber der Beunruhigung der Bevölkerung jvegeu der Marokko frage, die sich in dem Sturm auf die Sparkaffen in manchen Städten äußert, und die auch am Samstag durch panik­artige Kursstürze an der Berliner Börse zum Aus- hruck kamen, mahnt der „Berl. Lok.-Anz." (Nr. 460) in einer anscheinend offiziös inserierten Auslassung jur Besonnenheit. Das Blatt betont, daß zur einer Beunruhigung nicht die geringste Veranlassung vor- liegt.

„Jeder Geschäftsmann sollte Verständnis dafür haben, daß diese Bemühungen bei der Größe und der internationalen Verstriklheit deS Problems nicht durch einen Schriftwechsel von wenigen Tagen oder Wochen zum Ziel geführt werden können, lieber dieses Ziel ist bereits eine Einigung erreicht, es handelt sich jetzt um die Mittel, die es sichern sollen. Deutschland will sich in Marokko politisch desinteressie­ren, aber wirtschaftlich sich nicht an die Wand drücken lassen. Es bedarf daher einer Abgrenzung dieser Heiden Sphären und der Schaffung von Garantien so­wohl für Frankreich, damit in Zukunft nicht unter dem Vorwand wirtschaftttcher Interessen politische Macht­fragen wieder aufgerollt werden, als auch für Deutsch­land, damit nicht wirtschaftliche Bemühungen unter politischen Gesichtspunkten verleitet werden. An der Aufgabe, hier die richtigen Wege zu finden, um weder zu viel zu geben, noch zu wenig zu nehmen, arbeitet die Diplomatie beider Länder mit angestrengtestem Eifer, und es ist klar, daß ihre Arbeit um so glatter vonstatten gehen kann, je weniger sie von außen her üufgehalten und gestört wird."

Im weiteren richtet das Blatt einen Appell an bie Geschäftswelt und besonders an die Börse, sich sticht durch Allarmnachrichten ins Bockhorn jagen zu lassen, sondern ihren Verbrettern ordentlich auf bie Finger zu klopfen. Bei der großen Beunruhi­gung bet Bevölkerung scheint sich die Regierung Nun doch entschlossen zu haben, aus ihrer bisher beachteten Zurückhaltung herauszutreten, wie die folgende Schlußbemerkung des,Lokaianzeigers^ an­zudeuten scheint:

„Trotzdem wird die Regierung vielleicht abermals Has Unheil aufzuhalten versuchen, da sie auch das dringendste Interesse hat, es nicht zu einer finanziellen Katastrophe kommen zu lassen. Dabei muß fie sich naturgemäß der größten Vorsicht befleißigen, und sie .darf auch Rücksichten anderer Art nicht außeracht .lassen, über die nicht erst weiter gesprochen zu werden Sraucht. Ob damit aber eine nachhaltige Wirkung zu erzielen sein wird, steht nach den jüngsten Erfahrungen doch sehr dahin. Mit viel größerem Recht als die Börse an die Regierung, könnte diese an die Börse appellieren, sie solle sich doch endlich auf ihren eigenen Verstand besinnen und aus sich selbst heraus zu einer Gesundung der Verhältnisse kommen."

Einem Vertreter der Berliner Großfiitanz, der im Lause des Samstag-Nachmittags Gelegenheit hatte, den Staatssekretär des Auswärtigen per­sönlich zu sprechen und ihn darauf aufmerksam zu machen, daß die Unsicherheit in der politischen Lage Und das grundsätzliche Schweigen der deutschen Re­gierung eine arge Gefährdung des Geldmarktes mit sich bringe und daß selbst die Großbanken absolut sticht in der Lage wären, einen Ansturm auf die Depofitenkassen standzuhalten, erklärte Herr von Kinderleu - Wae ch t e r , daß absolut kein Grund zur Beunruhigung vorliege. — Wir haben von Anfang an den Standpunkt ver­treten, daß es sich empfehle, wenn die Regie- ftung von Zeit zu Zeit in geeigneter Weise die Ocffentlichkeit über den Stand der Verhandlungen lauf dem Laufenden halte. Wir sind weit entfernt, der Regierung wegen ihres Schweigens, für das sie gewiß ihre guten Gründe haben wird, einen Vor­wurf zu machen, aber es wird wohl nicht bestritten fweroen können, daß es zu der jetzigen Beunruhigung sticht gekommen fein würde, wenn die Regierung 'rechtzeitig aus ihrer Zurückhaltung herausgetreten !wäre.

„Schwerreiche Amerikanecin," sagte Siri wie zur Entschuldigung. „Miß Whites . . . zehn Millionen!

. . Du verstehst —"

Viktor lachte. Ich verstehe! Viel Glück diesmal! Adieu!" —

Gleich darauf betrat er die Säle.

„Sixt Hai verloren — ich gewinne!" sagte er mit solcher Bestimmtheit, als löste er ein einfaches Re- chemxempel.

Sobald ein Platz frei wurde, setzte er sich und machte feinen Einsatz auf Rot. Gartz unwillkürlich, ohne auch nur etwas dabei zu denken.

Er verlor. Gleichgültig holte er ein neues Zwan­zigfrankenstück aus der Westentasche. „Rot."

Er verlor immer wieder, vier-, fünfmal . . . zehn­mal. Zweihundert Franken waren dahin. Aber das kümmerte ihn nicht.

Beim elften Satz gewann er; fünf-, zehnmal!

Gold und Banknotne häuften sich vor ihm; da ver­doppelte et die Sätze.

„Maximum! . . . 6000 Franken! ..." Der Croupier warf einen Pack Banknoten hin, so daß 12 000 Franken standen . .. Viktor gewann. Der ganze Berg wurde ihm zugeschoben.

Die Zuschauer staunten diesen Glückspilz an und drängten sich herzu.

Nun änderte er die Farbe; er hatte zehnmal auf rot gezogen — jetzt setzte er auf schwarz.

Er setzte auf schwarz, aber nur fünfzig Franken — und verlor.

Fünfmal — dann zog er zweihundert Franken.

Er verzehnfachte den Satz und gewann. Allmäh- lich fteigerte et die Sätze und gewann!

Gewann unuitterbrochen ... mit ein paar Schlä­gen Verlust, die nicht- bedeuteten . . .

Und da fühlte er, wie ihn das Fieber packte. „Noch mehr! Noch mehr! . . ." Aber eine Stimme warnte ihn. „Es ist genug!"

Da stopfte er das Geld in die Taschen und schwer­fällig wie ein Trunkener erhob er sich und verließ den Saal

Eine unsichtbare Macht trieb ihn fort. „Nur nicht mehr zurück", dachte et, „sonst verliere ich alles." Und

wie ein Flüchtling eilte er davon, alle Taschen voll Gold und Banknoten.

15.

Die Hände auf feine straffgefüllten Taschen ge­drückt, sicht er nach Mentone, schloß sich in fein Zim- mer ein und zählte seine Schätze. Einen Augenblick war er enttäuscht, er hatte eine halbe Million gedacht — die Verluste hatte er vergessen. Dann aber brach die Freude durch. Was da an Gold und Banknoten aufgehäuft war, repräsentierte einen Wert von 65 000 Franken, etwa 52 000 Mark.

Run überlegte er. Zwanzigrau send Mark wollte er sofort an den Oberst von Rothenburg absenden, daß er sic Rixhofen übermittle. Blieben noch etwa 32 000 Mark. Damit konnte er Schloß Sonneck unmöglich zurückkaufen.

Der Versucher trat an ihn heran. „Wage es noch einmal!" svrach er. „Du kannst die Summe verdop­peln, verzehnfachen!"

„Nein," sagte Viktor fest. „Gerade so gut kann ich alles bis auf den letzten Pfennig verlieren. Ich will festhalten was ich habe, und setze keinen Fuß mehr in die Spielhölle."

Er verwahrte das Geld in seinem Koffer und über­legte. Aliees Wort fiel ihm ein: „Arbeit, nichts als Arbeit!"

Da wußte er seinen Weg.

Er wollte »ach Afrika in die Kolonien. Dort la­gen Millionen Morgen Land, jungfräulicher Boden, der bei richtiger Bewirtschaftung eine ungeahnte Fruchtbarkeit entfalten unb reiche Ertrage abwerfen mußte Ueberdies war dort das Land spottbillig, da konnte et ja mit seinem Gelde den halben Erdteil kaufen. Nebenbei ließ sich Handel treiben, im gern ben — mit Elfenbein und Baumwolle! Betriebskapi­tal besaß er ja, da mußte es rasch vorwärts gehen!

Fünf, sechs Jahre tüchtig arbeiten, dann könnt« er ein reicher Mann sein und Schloß Sonneck zurück- taufen.

mit der Sozialdemokratie liebäugelt, nichts anderes ist der Hansabund mehr, hat der Mittelstand nichts zu erwarten.

* Verhalten der Kriegervereine bei Wahlen. Auf dem letzten Vertretertage des Kreis-Kriegerverbandes Königsberg-Land hat, nach der „Ostpreußischen Zeitung", der Vorsitzende des Verbandes, Landrat a. D. von Batockt-Biedau, über das Verhalten der Kriegervereine bei den bevorstehenden Reichstags- wählen folgende bemerkenswerten Ausführungen gemacht:

„Ein wichtiger Grundsatz der Sriegeroereine ist die Wahrung voller Unparteilichkeit zwischen den auf dem Boden der monarchischen Slaatsordnung stehenden Parteien. Die Satzungen der Vereine und Verbände und das Gelöbnis, welches jeder Kamerad beim Eintritt in den Verein freiwillig ablegt, sind mit der Abgabe der Stimme für einen sozialdemo­kratischen Kandidaten unter keinen Um­ständen vereinbar; darüber lassen die Satzungen und wiederholte Beschlüsse der allgemeinen Vertretertage keinen Zweifel. Gleichzeitig Mitglied eines Krieger­vereins zu fein und einem Sozialdemokraten seine Stimme zu geben, wäre ein Beweis von unehrlicher, heuchlerischer Gesinnung und ist, da der Aus­tritt aus dem Verein jedem ohne weiteres freisteht, ein Gewissenszwang also in keiner Hinsicht geübt wird, unter keinen Umständen entschuldbar."

** Petroleum - Monopol in Deutschland. In der Presse war kürzlich zu lesen, daß dem Deutschen Reichstage im nächsten Jahre ein Gesetzentwurf zu­gehen werde, der sich mit dem Petroleum-Monopol in Deutschland befassen solle. Diese Nachricht ist, wie die,Kreuzztg/ von zuständiger Se te erfährt, etwas verfrüht. Denn vorerst werden von den verbündeten Regierungen Erhebungen darüber ange­stellt, „inwieweit durch das Vorgehen der Standard Oil Company und ihrer Tochter - Gesellschaften die Gefahr einer Monopolisierung in Deutschland in Bezug auf den deutschen Petroleumhandel unter Ausschluß des Zwischenhandels vorliegt und ob vielleicht, falls das letztere zutrifft, die Errichtung einer unter der Aufsicht des Reiches stehen­den Anstalt zum Vertrieb des Petroleums im Interesse der deutschen Volkswirtschaft geboten er­scheint."

** Die Kaisermanöver.

Gestern ist der Kaiser in Boitzenburg in Meck­lenburg emgetroffen, in dem dortigen Schloß hat er sein Hauptquartier während des Manövers auf- geschlagen, das heute früh seinen Anfang nahm und wahrscheinlich Mittwoch beendet sein wird.

Den Kaisermanövern ist immer eine besondere Bedeutung beigemessen worden. Immer, wenn sie m der Nähe der Küste stattfanden, (die diesjährigen spielen sich links der Oder in der Gegend zwischen Anklam, Neubrandenburg, Neustrelitz, Templin, Prenzlau, Pasewalk, Uckernmünde ab), hat die deutsche Flotte mit in den Kampf eingegriffen. So war es namentlich 1904 in Schleswig-Holstein, als der Angriff gelandeter feindlicher Truppen aus die schwache deutsche Stellung mit Hilfe der Flotte vom Meere aus zurückgewiesen wurde. Ob man diesmal eine ähnliche Kriegslage annehmen wird, ist noch nicht bekannt. Ein Manöverplan darf selbstverständlich nicht vorher veröffentlicht wer­den, sonst hätten ja die ganzen Hebungen keinen Zweck. An den diesjährigen Kaisermanövern neh­men das Gardekorps, das 2. und das 9. Armee­korps teil. Was im verflossenen Jahre an neuen Errungenschaften der Kriegstechnik ersonnen wor­den ist, wird in den Kaisermanövern zur Verwen­dung kommen. Von Flugzeugen werden diesmal aus, jeder Seite ein Luftschiff, und zwar Groß- Schisse und 8 Aeroplane, auf der einen Seite nur Eindecker, aus der anderen Seite nur Zweidecker/ mitwirken. Zivil-Aeroplane werden keine dienst­liche Verwendung finden. Die neue Ausrüstung der Jnsanterietruppeu mit Fernsvrechgeräten wird in den diesjährigen Kaisermanövern zum erstenmal