Watr N Zeitung
schon geschehen sei. Deshalb muß er manchmal den
«uf der anderen aber dem schlimnisten Kriege, der Ne-
die der Schuldner im letzten Jahre gemacht, ber» langt. Auch eine Herabsetzung der K o st e n für die Herbeiführung eines Offenbarungseides wird Verlangt. Die heutigen Kosten betragen 15 Mark Gebühr für die Verhaftung und annähernd 25 Mark für Hinterlegung eines MonatSvorfchusses für die Vollstreckung der Haft. Man ist der Ansicht, daß
träge handelt, auf die Erzwingung des Eides der Kosten wegen Verzichtet. Auch die Möglichkeit des Schuldners, sich der Verhaftung längere Zeit zu entziehen, soll nach den Vorschlägen der Handelskammer beschnitten werden. Heute braucht ein böswilliger Schuldner, gegen den ein Haftbefehl erlassen worden ist, nur in den Bezirk eines anderen Gerichtsvollziehers zu Verziehen und die Verhaftung kann von dem betreffenden Gerichtsvollzieher nicht Vorgenommen werden. So kann der Schuldner durch mehrfaches Verziehen die Gerichtsvollzieher tage-, Wochen- und monatelang Hinhalten. Die Haiwelskammer Verlangt deshalb eine Bestimmung, wonach Erwirkung des Haftbefehls jeder Vom Gläubiger anaerufene G erichtsvollzieher ohne weiteres Verpflichtet wäre, den Schuldner auf der Stelle zu Verhaften, umbekümmert darum, wo sich
deutschen Sozialdemokraten der Well in den letzten Wochen gegeben haben. Auch die große Flottenparade, die in dieser Woche vor dem Kaiser und vor dem Thwnfolger des verbündeten Ocherreichs in Kiel stattfand, dürfte auf das Ausland chren Eindruck nicht verfehlt und ihnen gezeigt haben, daß unsere Marine eine starke, zu jeder Zeit kriegsbereite Waffe ist. An der Parade nahmen 66 Torpedoboote, 20 Linienschiffe, 4 Panzerkreuzer, 8 kleine Kreuzer, 2 Minensuch- divistonen und 8 Unterseeboote teil.
In Frankreich fand in der vergangenen Woche in Toulon ebenfalls eine große Flottenparade statt, bei der der französische Marineminister Delcaffe, desien polittsche Geschichte ja hinreichend bekannt ist, und der Präsident der Republik, FalliereS, von dem mau bisher nur Friedliches gehört hatte, Reden hielten, aus benen immer nur das „2Bir find bereit, und unsere Munitionslager sind gefüllt!' herausklang. Aber so aufreizend das auch klingt, so ttagisch darf man er nicht nehmen. Der Marineminister Delcaffö hat nicht nur die schwierige Aufgabe, auS einer völlig zerrütteten französischen Kriegsflotte, die ihm bei seinem Amtsantritte übergeben wurde, ein brauchbares Kriegsin- ftrumcni zu schaffen, sondern er muß mich dem französischen Volke die Meinung Beibringen, daß dies in der verhältnismäßig kurzen Zeit feiner Annsdauec
Bei allen diesen Bewegungen läßt sich aber der revolutionäre Charakter, der auf die Verhetzung gewissenloser sozialdemokratischer Agitatoren zurückzuführen ist, nicht erkennen. Ja die sozialdemokrattschen Ideen sind in Frankreich sogar schon so weit ins Heer eingedrungen, daß eine Militärabteilung, die zum Schutze gegen die revoltterende Menge den Gendarmen zu Hilfe gesandt war, sich weigerte, gegen die Aufrührer vorzugehen.
Ebenso sind die Teuerungskrawalle in Belgien nur sozialdemokratische Aufruhrmache. Die revoltte» renden dorttgen „Hausfrauen' wollen nicht etwa für einen angemessenen billigen Preis die Ware vom Verkäufer haben, sondem sie schreiben ihm so niedrige Preise vor, daß er nur mit Schaden verkaufen kann, und ist er dazu nicht bereit dann wenden die „Hausfrauen' Gewalt an, sie verprügeln den Verkäufer und vernichten seine Ware. Also Drügerkrieg im wahren Sinne des Wortes.
In Persien ist es nach lmrgem Hin und Her endlich einmal zu einem entscheidenden Schlag gekommen. Der Beschlshaber der Truppen des Ex- schahS wurde von den Regierungstruppen überrascht und muffte fliehen. Mit 250 Mann wurde der Heerführer gefangen genommen.
Solution, dem Bürgerkriege, die Bahn zu ebnen. Niemand hat in diesen Tage so viel von Krieg gesprochen Als gerade die Sozialdemokratie. Da ist es denn gar nicht mehr verwunderlich, wenn sich eine lähmende Kriegsfurcht im Volke festsetzt. Die sozialdemokra- 'tische „Friedensdemonstration' im Treptower Park hat ,hald ihre Entgegnung erfahren in einer machtvollen ^Kundgebung, die 11s Millionen nationale Arbeiter Und Angestellte erlassen haben. Die Kundgebung, die "Her die wahre Volksstimmung in Deutschland zeigt, M die der aus „Parteidisziplin' demonstrierenden Sozialdemokraten, wird auch ihren Einbruch auf das Ausland nicht verfehlen und auch dadurch zu einer Sicherung des Friedens mehr beitragen, als das ekelhafte Schauspiel antinationaler Gesinnung, das die
der Schuldner zeigt.
Man kann diesen Forderungen, die darauf hinauslaufen, dem Kleingewerbetreibenden Vor den Betrügern Schutz zu bieten, nur zustimmen. Es gibt selbstverständlich auch unverschuldete Not, die zur Leistung des Ofsenbarungseides führen kann. Doch muß dem Gläubiger wenigstens die Haird- habe geboten sein, den Schuldner auch so bald wie möglich und ohne daß der Schuldner den Sinn des Eides umgeht, zum Offenbarungseide zu zwingen.
werde die Verwaltung mit allen ihr zu Gebot« stehenden Mitteln vorgehen und die Zugehörigkeit zu ihm als unvereinbar mit der Fortdauer de- Dienswerhältnisies erklären müssen.
* Der geschästsführende Ausschuß der fortschritt lichen Volkspartei wirb am 16. und 17. ds. in Berlin jufammcutteten. Der Gegenstand bet Verhandlungen burfte in der Hauptsache die Vorbereitungen bet kommenden Reichstagswahlen sein. Daneben wird sich der Ausschuß mit den Meinungsverschiedenheiten beschäftigen, die im Rheinland über die Frage crusge- tauchtfind, ob sie bei Stichwahlen für Sozialdemokraten einrteten soll ober nicht.
** Akademiker vor! In einer öffentlichen Zen- trumsversammlung zu Hannover führte der bekannte Abgeordnete Marx-Düsseldorf u. a. aus: Nichts kann uns Von der Zentrumspartei abtrünnig machen; darum wollen wir arbeiten für unsere Partei, wollen die schwebenden Fragen studieren und Vor allen Dingen unsere Presse unterstützen. Mögen sich Vor allen Dingen auch die Akademiker unserer Parieisache annehmen. Akademiker vor! Je unabhängiger ein Akademiker gestellt ist, desto größer ist die GewsssensvetVfli-btnng, seine Kraft der Partei zu widmen und voran zu leuchten mit gutem Beispiel. So wollen wir in den Wahlkampf ziehen mit neuer Siebe, neuer Zuneigung und neuer Begeisterung zu unserer Partei, und den Kampf führen zum Wohle des Vaterlandes, der Kirche und unserer Familie. Tann können wir uns einstens, wenn Rechenschaft abgelegt werden muß, sagen: Du warst ein echter und rechter Mann, du warst ein Zentrumsmann.
* Wie weit die rote Hetze geht, zeigt folgender Bericht des Vorwärts": Die zurzeit in der Lungenheilstätte Beelitz weilenden Patienten veranstalteten am Samstag eine Kundgebung gegen die Kriegshetzer und für den Völkerfrieden. Einstimmig wurde von den Anwesenden die Berliner Protestresolution angenommen". — Das geht denn doch über die Hutschnur, wenn selbst in Lungerchettstätten der Schwindel einreißt.
):( Mehr Schutz gegen böswMgr Schuldner.
Besonders der kleine Gewerbetreibende, der Handloerker und Kleinkauftnann, erleidet alljährlich ungeheure Verluste durch böswillige Schuldner, die sich einfach ihrer Zahlungsverpflichtung entziehen. Greift der erzürnte Gläubiger bann zum letzten Mittel und labet den Schuldner zum Offenbarung seid, so kann dieser bei den heutigen Rechtsverhältnissen sich zunächst der Eidesleistung eine ganze Zeit entziehen uub so den Gläubiger auf Kosten treiben und dann schließlich, wenn es zum Aeußersten kommt, mit ruhigem Gewissen nach allerlei Schiebungen und Verkäufen den Offtn- barurlgseid leisten, trotzdem ihm die Möglichkeit zu einem auskömmlichen Wohlleben gegeben ist. Die Kölner Handelskammer hat jetzt allerlei Vorschläge ausgearbeitet, wie dieser ungesunden Rechtslage ab- geholfen werden kann. Sie verlangt vor ollen Dingen die Ausdehnung der Leistung des Ofsenbarungseides auch ans das Einkommen des Schuldners und nicht nur auf das Vermögen. Sie begründet das wie folgt:
„Uns sind Fälle bekannt geworden, in denen Per- fönen den Offenbarungseib geleistet haben, die ein Jahreseinkommen von 10 000 Mark und mehr hatten und sich der Regelung verhältnismäßig
M 206.
Samstag 9. September 191t
58. Zahrgang.
Ausland.
** Die Militärkapellmeister zu Rad. Der fran- zösische Kriegsminsster hat den Kapellmeistern der Infanterie-Regimenter die Benützung des Fahrrades geftattet Sie brauchen nun nicht mehr dem Musikchor zu Fuß vorauszugehen, wie ihre deutschen Kameraden, sondern können vom 45. Lebensjahre ab, mit dem sie die erste Klasse ihrer Anstellung erreicht haben, auf Märschen und Manövern das' Fahrrad benützen. Bei Parademärschen und in ganz großen Städten, ferner bei militärischer RcVue, soll jedoch das Fahrrad nicht benützt Werdern
* Die wirtschaftliche Krisis in England. Die englischen Nationalökonomen sind bet Ansicht, daß England trüben Zetten entgegengeht, da die Arbeiterkämpfe in den nächsten Jahren eine bisher ungewohnte Schärfe annehmen werden. Der bekannte Professor Chapmann äußerte, er sei überzeugt, daß England vor einer ganzen Reihe von Streiks von der Art des Eisenbahner-Generalausstandes stehe. Die zunehmende Teuerung der Lebensrnittel sei die Ursache. Er bebauerie lebhaft, daß die geschäftliche Tüchtigkeit der englischen Großindustriellen solchen Krisen nicht gewachsm sei, die deutschen Fabrikanten seien in dieser Beziehung viel leistungsfähiger.
** Attentat gegen Königs AlfonS? Die in Paris umlaufenden Gerüchte Von einem geplanten Attentat gegen bett König Alfons werben in Madrid als nicht unglaubwürdig bezeichnet. Das Attentat sollte auf französischem Boden verübt werden, um dem Attentäter eine geringere Strafe zu sichern. Es beftättgt sich, baß der Sommersitz des Königs in ganz außerordentlicher Weise bewacht wirb.
** Die spanischen Handelskreise für Marokko. Tas Komitee der am spanisch-marokkanischen Handel beteiligten Kresse in Barcelona hat ein Telegramm an die Regierung gerichtet, in dem es energisch die Besitzergreifung von Jfnif innerhalb der festgesetzten Frist verlangt, attdernsalls würden die schlimmsten Wirkungen im Lande hervorgerufen werden, da man die Ursache der Nichtbesetzung auf die dagegen gerichteten Angriffe der französischen Presse zurückfuhren würde, die hier einen tiefen Eindruck machen. — Dieses Beispiel
2. Blatt.
ttnb Verlag der fiuibaer Aetlendrmketei in Mda.
Er verneigte sich. „Bitte, gnädige Frau. . .
„Sie machen es mir so schwer,' sagte sie. „Sie find so stolz, so unnahbar. Und ich möchte doch fo gerne gutmachen, was geschehen ist. Wenn ich nur wußte, wie all bas rückgängig gemacht werben könnte."
Alice bohrte mit ber Spitze ihres Sonnenschirmes im Sande und war verlegen. „Es kommt vieles so ganz anders als man fich's denkt," sagte sie endlich. „Vielleichr wird doch noch alles gut.'
Bittor lachte hart. „Ich wüßte nicht, wie das geschehen sollte," sagte er. „Außer es gelänge mit, die Batik von Monte Earlo zu sprengen."
„Wie, Sie wollten?" — rief sie. „Tun Sie's nicht! bat sie eifrig. „Es ist zu gefährlich!"
„Bah," sagte Viktor, „man kann ja auch Glück haben. Wer so viel Unglück hatte tvie ich, dem kommt's auf das bißchen mehr auch nicht an. Vielleicht aber wendet sich auch das Blatt . . . vielleicht könnte ich hier an einem Tage reich werden. Wer reich ist, ist ein König und kann sich alles zu eigen machen —"
Alicens Augen zuckten.
„Nicht alles," sagte sie leise. Und da loußte et, daß sie sich mit all' ihrem Reichtum das Beste doch nicht hatte erkaufen können: das Glück des Heo- zens.
„Was beginnen Sie denn nun?" fragte sie nach einer langen Pause.
„Ich weiß nicht,' sagte er. „Erst muß ich gesund fein —'
„Es geht Ihnen aber doch besser, nicht.' Es llang fast ängstlich und ihre Augen hatten einen warmen Manz. Viktor verbeugte sich. „Ich danke. Sie sind wirklich gut — besser, als ich mir einbilbete.'
Wie ein Leuchten ging es über ihr Gesicht und eine rosige Glut stieg Üjr langsam in die Wangen bis zur ©time empor. Sie antwortete nicht darauf, sondern sagte: „Ich könnte Ihnen wohl einen guten Rat geben, wenn ich nicht fürchten müßte. Sie zu ver- letzen —"
„Nun, feben Sie," sagte sie. „Arbeit Arden nichts als Arbeit, das ist di- Parole unsrer Zeitt Damit kommt rn.m embor. Sie muffen fia> einen
Beruf wählen. Bei Ihren glänzenden Talenten, Ihren feinen Umgangsformen und Ihrem reichen Geiste werden Sie rasch vorwärts kommen" — '
Da hielt sie plötzlich inne, aus Furcht, zu. viel von ihren Gefühlen beträten zu haben. Jähe Röte schlug ihr ins Gesicht. „Verzeihen Sie", stammelte sie, „daß ich so rede.'
„Ich danke Ihnen," sagte Vittor und drückte ihr die Hand. „Ich danke Ihnen für Ihre gute Meinung und für den Weg, ben Sie mit gezeigt haben. , Ich will ebenso offen zu Ihnen fein, wie Sie zu mir waren. ... Als ich Sie hier erblickte, da haßte ich Sie. Sie wissen ja, warum . Aber fett ich nun Ihre Worte vernommen habe, ist etwas in mir weich geworben. . . Aller Groll und alle Bitterkeit find geschwunden uni aus freien Stücken reiche ich Ihnen die Hände — toi wollen Frieden schließen und im Frieden auseinande gehen. Das haben wir ja früher oft getan nach heftiger Fehde. ...
„Ach, die Jugend, die schöne Jugendzeit! Da war es freilich schön." Ein Seufzer hob ihre Brust und leise fagte sie: „Es war ein Traum! .. . Leben Sie wohl! Alles Gute wünsche ich Ihnen!"
Sie drückten sich die Hände, und als sie in Vittots blaue Augen sah, überfiel sie ein plötzlicher Schmerz. Es war, als ob sie sich ihm an die Brust hätte werfen mögen. Aber sie bezwang sich. „Vittor . . sagte sie leise — und dann ging sie, Tränen in den Stu« ^"'Viktör'stand erschüttert. Was war dasLedm doch so sonderbar und das Menschenherz so rat’ elhast wa nun ein Weib, das übet Millionen »erfugte unb «- ää: ÄK “,n8
märe- das Herz, das sie llebte.
Am anderen Tage ftanb er wieder Vor dem Sa« Hno" Von allen Setten strömten Menschen über die Freitreppe und traten durch die drei großen Tore ein.
Vittor folgte dem Strome. Er wollte das Terrain rekognoszieren, Studien machen, Erfahrungen sammeln, ehe ec einen Einsatz wagte.
(Fortsetzung folgt)
Sie die sozialdemokratischen Redner als Volkserzieher h so schön im Pöbelorgan ansdrücken: „Gegen Mist- kjunker und Pfaffen" aufzuhetzen, und so mit ihren Worten auf ber einen Seite den Frieden zu predigen,
Schloß Sonneck.
87^ Roman von Felix Rabor.
Auch in Vittor erwachte bet glühende Durst nach Gold! Er hatte alles verloren, et war bettelarm: hier konnte et alles wieder zurückerobern! Sollte ihm, der so viel Unglück gehabt hatte, nicht auch einmal das Glück hold sein — nur einen einzigen Tag, nur eine Stunde? Dieser Tag mußte kommen!
Et lebte wie im Fieber und sehnte sich nach diesem verlorenen Paradiese.
Wohl sah auch er die Schlange, die in diesem Paradiese lauerte: den Tod! Manchmal stützte einer mit totblassem Gesicht aus den Pforten des Tempels der Fortuna: ein Schuß dröhnte durch die blaue, sonnige Luft; bet Spielteufel hatte sich wieder ein Opfer geholt! Man erzählte sich furchtbare Geschichten von Selbstmördern — und ber „Campo Infernale", Wie ber Friedhof der Selbstmörder am Bergabhang genannt Suche, War mit seinen schlichten Holztafeln und ben amen der Opfer von Monte Carlo ein furchtbares kLatnungszeichen.
Vittor wollte nicht bes Gelbes wegen spielen, son- decil um mit feinem Gewinne sich und den Seinen die ’rtlorene Heimat zurückzukaufen.
_ biefeu Gedanken betrat er eines Tages das Kasino, das sich mit seinen schneeweißen Mauern wie rin marmorner Tempel erhob, in dem die höchste Gott- »eit her mobernen Welt ihren Thron aufgeschlagen falte: dar Gold!
Sein Herz hämmerte, feine Nerven bebten vor .Verlangen nach Gold. Da sagte er sich: „Ich bin hi aufgeregt. Da ist man ein Sklave feiner Sterben, «eines Blutes. Ich muß erst Ruhe und kaltes Blut haben, bann werde ich Sieger sein."
Und er kehrte um. Als er ben Platz verlassen wollte, trat ein Paar aus ben geöffneten Pforten. Vittor blieb wie erstarrt stehen — das war ja Baron Weißenhofen unb Alice Bergmann.
Die beiden waren über dieses Zusammentreffen nicht weniger erstaunt als Vittor. Weißenhofen kam
mtt jovialem Lächeln auf Vittor zu, während ihn Alice mtt scheuem Blick streifte. „Ra, mein Junge," rief ber Baron, „das ist ja das reinste Meerwunder, daß wir dich treffen. Wieder flott, was? . . . Wir sind natürlich auf — ber Hochzeitsreise unb haben einen kleinen Abstecher gemacht. Man nmß doch Monte Carlo gesehen haben, nicht? Ein teures Vergnügen! Zwan- zigiausend Em sind futsch!"
Viktor zog ben Hut. „Ich kondoliere", sagte et, verbeugte sich und ging.
Der Baron stand einen Augenblick ganz erstarrt. Daim rief er: „Was ist denn das? Der Junge, der schneidet uns! Na, ber Hafts nötig, der —'
Alice saßt: feinen Arm und zog ihn mit sich fort zum Ccsstz de Paris. „Schweig", sagte sie. „Siehst du nicht, wie krank und elend et ist?"
Bei seinem Anblick flammte die alte Liebe noch einmal auf. Sie wollte ihn noch einmal sehen, ein letzteSmal sprechen. Nicht in Zorn unb Haß sollte er ton ihr scheiden.
Unter dem Vorgeben, ihre kleine Brieftasche auf dem grünen Tisch zurückgelassen zu haben, entfernte sie sich rasch aus bem CafS, während Weißenhofen eifrig die Wein- und Speisenkarte studierte.
Sie fand den Gesuchten an einer Slauerbrüitung, wie er aufs Meer hinausfiarrte.
Der Anblick ergriff sogar chre kalte Natu
Da unten lag das Meer — glatt wie ein Spiegel, ewigblau, vom Sonnenschein wie von einem goldenen Netze überspannt, ans beficn Maschen es von Perlen Gold und Edelsteinen funkelte und glitzerte. Einzelne Schiffe zogen ruhig durch die Flut, weiße Schaumfur» chen hinter sich lassend, und über ihnen blähten sich weiße Rauchwolken in der Lust.
Alice trat an die Brüstung. „Wie wunderbar schön —"
Vittor fuhr herum. „Frau Baronin!" „Wunderbar —' wiederholte sie.
Viktor blickte sie groß an. „Sind Sie gekommen, um mir dies zu sagen?" fragte et.
Sie sah ihn vorwurfsvoll an. „Nein," sagte sie. „Ich mußte mit Ahnen sprechen, ich konnte nicht anders. . . .'
geringfügiger Forderungen zu entziehen wußten. Eine Person, die ein Einkommen von 20 <fl. und mehr pro Tag hat, muß, auch wenn sie kein Bermögen besitzt, in der Regel doch als zahlungsfähig betrachtet werden. Naturgemäß läßt sich das Einkommen eines Schuldners nur sehr schwer vom Gläubiger nachweisen; wird der Schuldner aber verpflichtet, dasselbe im OffenbarungS- eid anzugeben, dann Wird das wesentlich zur Klar- legung seiner Verhältnisse beitragen, chm vorläufig tber auch Veranlassung geben, seinen Verpflichtungen im letzten Augenblick noch nachzukommen.'
Außerdem Verlangt die Handelskammer ein Mittel für den Gläubiger, daß der Schuldner ihm nicht im letzten Augenblick durch Schiebungen unb Verschleuderung seines Vermögens ein Schnippchen schlagen kann. In der Regel totrb ber Schuldner, der zum Offenbarungseid geladen wird, alle pfänd- baren Gegenstände vorher durch Schenkungen, Verkäufe oder Uebertragungen auf die Seite schaffen. Hiergegen wird die Ausdehnung des Offenbarungseides auf die Verkäufe und Schenkungen,
toon gelten iet. L'esyaro nmp er manwmar oen ^«legung eines Wochen Vorschusses für die 3Runb recht voa nehmen. Streiks sind bei unseren Vollstreckung der Hast genügen würde, da nach einer weltlichen Nachbarn an bet £ageSorbnung, die noch Haft in ben meisten Fällen der Schuldner bUH? h«Jn ram«Itt berfAärft'werbw r“au den Eid leisten würde und bei den gegenwärtig hohen entstandenen Krawalle S“- A°sten mancher kleine Geschäftsmann, besonders
sammenstöße zw.schm den Sicherhettsmannschaslen, sich um die Beitreibung geringerer Be-
(Senbarmen unb Militär, werden überall gemeldet. ’ - 11 J ... -
deutsches Mich.
(*) Arbeiterorganisation und Eisenbahurnini- sterium. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Der Staatsminister Breitenbach empfing am 30. August in Montigny ben Arbeiterausschuß der dortigen Hauptwerkstätte und äußerte sich hierbei über feine grundsätzliche Stellung zu den Arbetterorgani- fationem Der Minister betonte, er messe den Arbeiterausschüssen den größten Wert bei. Ihre Ausgabe sei, die Beziehungen zwischen ihren Mitarbeitern und der Verwaltung zu fördern. Dazu gehöre auch, daß sie nicht krstiklos die Wünsche ihrer Rittarbeiter Weitergaben, sondern sie auch auf ihre Erfüllbarkeit prüften. Bezüglich des Vereins- wesens könne eine große Anzahl Arbeitervereinigungen in feinem Verwaltungsbereiche sich frei betätigen. Die unbedingte Voraussetzung sei aber chr Fernhalten von sozialdemokratischen Bestrebungen, die Ausschließung ber Arbeitseinstellung als Mittel zur Durchsetzung irgend welcher Ansprüche, unb ihre Anpassung an die Ordnung und die Disziplin. Leider habe der elsaß-lothringftche Verband in der kurzen Zett seines Bestehens schon zu ernsten Ausstellungen Anlaß gegeben. Trete in der Haltung des Verbandes keine Aenderuug ein, so
wochen-lluildscha».
[•] Fulda, 8. Septe nber 1911.
kincm^defWitwen »schloß gebracht werden sollen. S/nri- mebr als 14rägiger Unterbrechung würben am Montag $bie Besprechungen z wischen Staatssekretär von Kideclen-Waechter unb bem französischen Bot- chastcr Cambon wieder aufgenommen, bann aber so- ort, nachdem letzterer den ziemlich umfangreichen Ver- ’ regäenttourf ber französischen Republik überreicht unb begründet hatte, wieder auf kurze Zeit verschoben, um unserem Auswärtigen Amt Gelegenheit zu geben, die französischen Vorschläge zu prüfen unb Gegenvorschläge jpusjuarbefien. Wenn auch Frankreich sich bereit zeigt, uns verhältnismäßig umfangreiche Gebietskompenfa- ftonen zuzugestehen, so liegt boch der Schwerpunkt der ganzen Verhanblung in ber wirtschaftlichen Gleichberechtigung Deutschlands mit Frankreich in Marokko. Unb hier stehen sich bk Interessen beiber Staaten diametral, Wenn auch nicht unausgleichbar, gegenüber: euf Seiten Frankreichs ist es eine rücksichtslose unb gierige Gruppe von Spekulanten unb Kapitalisten, bie plle wirtschaftlichen Vorteile in Marokko für sich allein beanspruchen möchte unb die auch in diesem Sinne die 'Regierung unb öffentliche Meinung Frankreichs bearbeitet; auf unserer Seite gilt es, nicht nur alle Wirtschafts- und Hanbelsinteressen, bie uns bisher in Ma- xokko laut früher abgeschlossenen Verträgen zugestan- Jbcn haben, auch für bie Zukunft uns zu sichern, sondern auch alle Objette, die etwa zukünftig in dieser Beziehung in Betracht kommen können, wie Erzlager, Bergbau ufw. dem deutschen Handel und der deutschen Industrie zugänglich zu erhalten, ohne diese Rechte mit Beschränkungen, Zöllen und Abgaben be- lasten zrr lassen, und hierfür sowohl als auch für die Verantwortlichkeit Frankreichs, wenn es in Zukunft in Marokko polittsche Rechte ausüben will, für Leben unb Eigentum ber brutschen Untertanen vollwertige unb sichere Gacantieen zu forbern, nicht nur solche, die .bloß auf bem Papier stehen. Wenn auch auf ftanzö- S Seite wenig Neigung besteht, in bie Berliner , mblungen auch bie Ansprüche Spaniens u. eventuell Italiens in Marokko hineinzubeziehen, so steht doch fest, daß, wenn der Vertrag zustande kommt, wie wir ihn wünschen, von ihm nicht allein die Deutschen, sondem auch andere Staaten vomehmlich England bedeutende Handelsvortelle haben. Daß Deutschlanb in Marokko selbst keine Gebietsteile erwerben will, ist schon wiederholt hervorgehoben worden; umso unbegreiflicher ist es, daß gewisse alldeutsche Kreise auf ,Vieser Forderung beharren und die deutsche Regierung !ju diesem Verlangen zwingen möchten. Wenn Frank- Deich uns keinen Landerwerb in Marokko zugestehen Wolle, bann sollten lieber bie Verhandlungen abgebrochen werden. Und in dieser Fordemng begegnen sich letzten Endes sonderbarerweise bie Wünsche ber Alldeutschen mit benen der Sozialdemokratie. Aber Während man sich das Auftreten ber ersteren aus üebr- iriebenem nationalem Ehrgefühl erklären kann, das lieber bretnschlagen, als nur eine Wenigkeit nachgeben will, kommt es ber Sozialdemokratie, wie ja auch ihre Protestversammlung vom vorigen Sonntag im Treptower Park zu Berlin beweist, nur darauf an, die Arbeiter gegen die' Besitzenden, gegen Obrigkeit unb ■Regierung, gegen die staatserhaltenden Parteien ober,