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Seinstig ». September>»U 38. Zatzr-a»-.
* fuldaer M Zeitung
z. Blatt.
vr««k «nd Verlag der Znldaer AetlendruSerel in Znlda.
• KathokNches Leben in SSd- ««» Zentralamerika.
c*n Chile hat ein KothoM doS Mini- fttrimn übernommen und im mexikanischen Pa ' &SS ist ein »g
den. Bei diesen Er-Miifferr handelt sich nM um vereinzelte Boryäirge, sondern um emmachtiges Aufst^ben kakhokischen Geistes m den zentral- und südmnerrkanrschen Republiken, das man fast nut der Blüte dergleichen möchte, die der katholischen Aktion in den Vereinigten Staaten beschieden ist.
Die Republik Chile hat einen katholischen Ministerpräsidenten, der aus seiner katholischen Überzeugung kein Hehl macht, der offen erklärt, er fei für christliche Sozialpolitik und christliche Demokratie. Sennor Gutturiez, so heißt der neue chilenische Ministerpräsident, hat seine Bildung in Europa cm den besten Stätten katholischen Lebens, in Belgien, Deutschland und Oberitalien geholt und von dort auch die Progrummpunkte für sein Ministerium mitgenommen. Wackerer katholischer Journalist verrät er in der „Unioue", die er znm angesehensten Blatte des Landes, mit allen technischen Fortschritten ansgestattet, gemacht hat, eine glänzende Feder. Als Professor an der größten Landesuniverfität hat er sich derart hervorgetan, 5aß seine Autorität unbestritten ist. Beweis dafür ist der Umstand, daß in sein Ministerium dre Vertreter anderer Parteien eintraten, um sich willig seiner Führung zu unterwerfen.
Die katholische Aktion in Mexiko toar.unter Dem Diazregime niedergehalten worden, nicht so sehr, weil Diaz zu sehr Diktator war. Er duldete keine Organisationen auf politischer oder sozialer Grundlage. Dennoch waren die Katholiken in der Stille zu Organisationen znsammengetreten und treten jetzt, nach dem Sturze des Diaz, hervor. Ihre Organisation war bisher ihre Presse, um die sie sich in einer Weise geschart haben, die manchen anderen Ländern zum Vorbilde dienen könnte. Die katholischen Blätter Mexikos haben 300 000 zahlende Abonnenten, wenn man lediglich die Tagesblätter rechnet. Dabei ist erst der Anfang gemacht, unb der Boden für die Ausbreitung ist jetzt noch viel günstiger geworden. Starke Ansätze zu christlichen Arbeiterorganisationen sind in Mexiko vorhanden und werden "ein kräftiger Stützpunkt für die katholisch- nationale Gruppe des Parlaments, die sich kürzlich gebildet, werden.
In A r g e n t i n i e u ist die öffentliche Meinung vollständig auf festen der Katholiken. Tas ist am deutlichsten hervorgetreten, als die Italiener den Deputierten Martini als ■ ihren Spezialgesandten nach Argentinien für die llnabhangig- keitsfeier dieser Republik schickte«. Martini besaß die Ungeschicklichkeit und Geschmacklosigkeit, sich als Vertreter Italiens an der Kundgebung der argen- tinischen Freimaurerei zu beteiligen. Dir kathotifche Presse der Republik schlug sofort Lärm und bezeichnete die Mission Martints als einen Schimpf für die katholischen Empfindungen des argentinischen Volkes. Die öffentliche Meinung pflichtete dieser Anschauungsweise glatt bei und dre Spezialgesandtschaft Martinis endete mit einem koloffalen Mißerfolg. Die Mißstimmung der Argentinier ist bis beute noch nicht vergessen und kürzlich, anläßlich des Cholerakonfliktes, schrieb ein großer Teil der argen« tinischen Presse, die italenische Regierung sei nicht so sehr erbost über die argentinischen Quarantäne- Vorschriften, sondern über den Fehlschlag der Martinimission in Argentinien, der deutlich abgewunken worden sei. Mst ziemlichem Nachdruck wurde auch "verkündet, daß Argentinien keine Gesandtschaft zu der italienischen Urrabhängigkeitsfeier entsenden werde.
In wirklich vorbildlicher Weise stemmen sich die Katholiken der Republik Uruguay gegen die Kulturkampfversuche des Präsidenten Battle. Ihre Preßkanrpagne hatte den Erfolg, daß sich ein Storni» tee aus Politikern verschiedener Parteien, bildete, das oon den unfreihestlichen Akten des Präsidenten stichts wissen will und seinen Rücktritt fordert. Der Sturz Battles ist besiegelt, wenn er es auch nur in einem einzigen Falle wagen sollte, ein Kulturkampf- gesetz in die Tat umzusetzen.
Am dem Nachbargebiete.
? Titllofrvd, 8. Septbr. 1911. Die Güter- schlächter von denen kürzlich berichtet wurde, Haden bis auf ein Stück Wald das ganze damals erwähnte Gut verkauft. Dem früheren Besitzer stellten sie zwei magere Kühe m den Stall. Nachdem der Rahm abgeschöpft mar, hat es den schlechtesten Teil seines schönen Bauerngutes wieder zurück- gekaust. Die Bauern rissen sich um die Aecker und die Früchte förmlich. Dabei machten die Güterschlächter noch Nebengeschäfte durch Tausch unter den Bauern. Wenn dies« Landgier so weiter geht, so werden über kurz oder lang weitere .Schlachtungen* stattfinden. Auffallend ist, daß ein Land- befitzer, der auswärts arbeitet, für seine Früchte, deren Berkaus er angezeigt hatte, keine Nachfrage fand. Wann werden die Bauern endlich einmal gescheit werden und den Güterschlächtern nichts mehr abtaufcn?
4- Aus der Rhön, 3. Sept. 1911. Sonnüberstrahlt liegen sie jetzt vor uns, die blauen Rhönberge, Tag für Tag, kein Wölkchen trübt den Himmel und leiser Zephir streicht über die kahlen, sonnverbrannten Gipfel. Die sastig-grünen Weideplätze sind verschwunden und die Viehweiden sind ins Tal verlegt, dessen grünen Wiesen das Auge erfreuen. Trotz der Hitze haben sich die Rhönwälder gut gehalten, ihr Kleid prangt noch in üppigem Grün. Die Touristik stand in den letzten Wochen und steht jetzt noch infolge des schönen Wetters in üppiger Blüte. Die Sommerfrischen der Rhön wurden zu längerem Aufenthalt viel besucht und auch für den Herbst he^ man noch gute Hoffnungen. Und warum auch nicht? Die Aussicht von den Bergen ist überraschend schön. Die Wanderung wird begünstigt durch einen kühlen Wind, der die 'Tageshitze wesentlich mildert, während abends im Tal schon eine kräftige Prise erhebliche Abkühlung bringt, sodaß man älteren Touristen anraten kann, den Wind- und Wettermantel nicht zu Hause zu laflen. Wer seine Nerven stärken will, der gehe jetzt in die Rhön. Die reine, köstliche und würzige Luft wird sicher kräftigend wirken.
* Hanau, 9. September 1911. In einem der Nebendepots der Kaserne des Eisenbahn-Regiments Nr. 3 war nachts Putzwolle durch Selbstentzündung in Brand geraten. Der Wachtposten bemerkte sofort das Feuer. Es wurde alarmiert und das Feuer im Keime erstickt.
* Bebra, 8. September 1911. Auf dem hiesigen Bahnhof war gestern ein Güterzug zur Abfahrt nach Kassel bereit und stand mit dem Packwagen über Distanz gerade auf einer Kreuzung, als ein einfahrender Güterzug von Göttingen, der die Kreuzung passieren mußte, dem Packwagen in die Flanke fuhr und diesen zertrümmerte. Die Lokomotive des Göttinger Zuges wurde stark beschädigt, das Dach des Führerstandes wurde vollständig weggerissen, ohne daß die beiden Beamten eine Verletzung erlitten. Der in dem zertrümmerten Packwagen anwesende Zugführer kam ebenfalls mit dem Schrecken davon.
* Rotenburg, 9. September 1911. Hier verstarb der Privatmann Fackenheim, der mit seinen 93 Jahren wohl der älteste Einwohner unserer Stadt und der Umgebung gewesen sein dürfte. Der Verstorbene erfreute sich trotz seines hohen Alters bis noch vor wenigen Tagen der größten Rüstigkeit.
* Hemebach, 8. September 1911. Ein hiesiges Dienstmädchen, das auf den Acker geschickt wurde, um Kartoffeln zu holen, ist von "feinem Gange nicht wieder nach Hause gekehrt. Als man genauer nachsuchte, sand man am Ufer der Fulda den Kartoffelkorb nebst Hacke, auch Schuhe und Strümpfe der Vermißten. Die Vermutung, daß sie in der Fulda b:.' Tod gesucht, hat sich heute bestätigt. Man sand nämlich bei einer genauen Durchsuchung des Flusses die Leiche des Mädchens.
* Spangenberg, 9. September 1911. Hier wird vom 2. Oktober d. I. ab ein Wanderkoch- und Haushaltungskursus abgehalten durch die vom Kreisausschuß angestellte Lehrerin Frl. Sall- mann aus Melsungen. Es ist dies der sechste Kursus. Für den acht Wochen dauernden Kursus haben die Teilnehmerinnen ein Schulgeld von je 18 Mk. zu zahlen, wofür aber freie Beköstigung geboten wird.
* Arolsen, 7. September 1911. Zwischen den Burschen der beiden Dörfer Kohlgrund und 9! e u d o r f, die eine halbe Stunde von einander entfernt sind und zu einem Kirchspiele gehören, besteht schon feti einiger Zeit ein gewisser Zwist. Kürzlich gingen die Kohlgrunder am Sonntag abend nach Neudorf. Als sie in das Dorf kamen, wurden sie von den' Neudörsern mit Knütteln, Wagenrungen und bergt zurückgetrieben. Beim Handgemenge zückte der 17jährige B. aus K. ein dolch- artiges Messer und stach mit aller Kraft in den Hals eines Neudörfers, der blutüberströmt zusammenbrach. Der Getroffene starb kurz darauf. Der Messerheld wurde verhaftet, lieber die Tat, die man anfangs ziemlich verschwieg, herrscht in hiesiger Gegend große Aufregung.
vermischtes.
* Bewegte Zeiten für Sparkassen. Infolge beunruhigender, aber unbegründeter Gerüchte zahlte die Königsberger städtische Sparkasse über 200000 Mack zurück. Am Freitag hielt der Answrm an. — Seit Freitag vormittag erfolgt auf den Spar- und Kcediwerein in Radeburg bei Dresden ein Sturm. Es wurden Spareinlagen in der Höhe von 60 000 Mark abgehoben. Den Anlaß zu diesem Sturm bilder eine Anzeige in einer Dresdener Tageszeitung, in der es hieß, daß durch Generalversamm- lungsbeschluß der Spar- und Kreditverein in Radeburg aufgelöst worden sei, daß er keine Spareinlagen mehr annehme und daß die Spareinlagen innerhalb acht Tagen zuruckgezahlt werden. Wie sich nun herausstellt, ist diese Anzeige von einer bisher noch nicht festgestellten Person gefälscht und der betreffenden Tageszeitung zugesandt worden. Die Staatsanwaltschaft hat alle Schritte zur Feststellung des Täters ergriffen.
* Eröffnung des Hamburger Elbetunuels. Seit Jahrzehnten wird bereits eine Verbindung des Hamburger Hauptstadtteils mit dem südlichen Elb- ufer angestrebt. Unzähliche Projekte sind aufgestellt und wieder verworfen worden, gewaltige Strom- briicken, Schwebefähren und dergleichen wurden in Betracht gezogen, bis man sich endlich zu dem Bau eines großen Tunnels entschloß. Nunmehr ist nach reichlich vierjähriger Bauzeit und einem Kostenaufwande von 10% Millionen Mark das große Wunderwerk der Technik dem Verkehr übergeben worden. Das Bauwerk zerfällt in drei Teile: Die beiden Einfahrtschächte in St. Pauli und auf dem Steinmarder und den Verbindungstunnel, der sich auch wieder in einen östlichen und einen westlichen Gang gabelt. Durch die beiden Schächte, die mit Einfahrtshallen überdacht sind, werden die Fuhrwerke und Fußgänger mit sechs Auszügen befördert. Außerdem hat jeder Schacht doppelte Treppen. Ein Straßeubahuverkehr durch den Tunnel ist nicht vorgesehen. Die Sohle des Verbinduugsganges befindet sich 16 Meter unter dem Wasserspiegel.
* Von der deutschen Südpolarexpedition. Nach einem soeben von dem Leiter der deutschen Südpolar- expeditton, Oberleutnant Dr. Filchner, aus Buenos Aires eingegangenen Telegramm hat die argentinische Regiemng den Bau einer großen Telefunkenstation auf der Neujahrs in sel an der Südspitze Feuerlands zugesagt, um den Verkehr des Polarschiffes „Deutschland" während seines Aufenthalts in der Weddellfee mit den Kontinent stcherzustellen. Die Station soll bis zum Dezember in Betrieb gesetzt sein. Die argentinische Regierung hat auch sonst in entgegenkommendster Weise der Expedition jede Unterstützung zugesagt. Durch diese Telefunkenstaiion wird es aller Wahrscheinlichkeit nach möglich sein, die Verbindung zwischen der „Deutschland" und der Heimat noch lange Zeit aufrecht zu erhalten, sodaß die Nachrichten über den Fortgang der Expedition auch nach Erreichung der Eisgrenze zu erwarten sind.
* Verheerende Brände. Ein Großfeuer äscherte die Mechanische Webereien von Strobel, Kießig und Heyer in Elsterberg ein. 350 Webstühle wurden vernichtet, der Schaden beträgt über 500 000 M. — Die Scheunen des Frhru. v. Seckendorffschen Ritterguts Meuselwitz sind mit für 100 000 M Erntevorräten niedergebrannt. — Das Strunzesche aus vier Gebäuden bestehende Gehöfte in Rückensdorf in Sachsen-Altenburg ging in Flammen auf.
— $n Bibrantitz bei Königsgrätz in Nordböhmen vernichtete ein Braud fünf Bauernhöfe samt Nebengebäuden. Ein zweijähriges Mädchen erlitt den Feuertod. — Die große Spinnerei von M. Windzburg in Lodz wurde vom Feuer zerstöck. Mehrere Hundeck Arbeiter wurden dadurch brotlos. — Im Wohnhause des Stellmbefih-rs Stolka in K el t s ch in Oberschlesien, Kreis Groß-Sttelitz, brach nachts Feuer aus, durch das die ganze Besitzung ein- geüscheck wurde. Stolka, dessen Ehefrau und ein 1 jähriger Hickenjunge kamen in den Flammen um.
* Der Kampf in der Metallindustrie. Die Verhandlungen in der sächsischen Metallindustie sind gescheitert. Die vorgestern nachmittag im Leipziger Volkshaus abgehaltene Versammlung der Gelbmetallarbeiter lehnte die Vorschläge der Unternehmer, die durch die Kommission vorgelegt wurden, einsttmmig ab. Die Metallformer verlangten, wie berichtet, die Erhöhung ihres Tarifs und die übrigen Gelbmetallarbeiier die Erhöhung des ©tum dcnlohns um 3 H und die Erhöhung der Akkordsätze um 10 Prozent. Die Arbeitgeber dagegen wollten den Sttindenlohn nur um einen Pfennig erhöhen und keine Aufbesserung der Akkordsätze zubilligen. Somit dauert der Streik in der Metallindustrie fort und es ist auch für die nächste Zeit kein Ende zu erwarten, da neuen EinigungsverhMdlungen jegliche Gvund^ tage fehlt. Die Berliner Verhandlungen des Arbeitgeberverbandes, in denen die Frage der Generalaussperrung oder der „Sympathie-Aussperrung" er- örteck wurde, ist bekanntlich bis zur Beendigung der Verhandlungen im sächsisch,thüringischen Kampfgebiet vertagt worden. Jetzt wird wahrscheinlich die Frage einer über ganz Deutschland auszudehnenden Aussperrung der Metallarbeiter aufs neue akut werden.
* Italienischer Aberglaube. Abermals ist von einer abergläubischen Untat im italienischen Choleragebiet zu berichten. Ein Arzt, der es für nötig hielt, einem von der Seuche Befallenen eine Einspritzung zu machen, wurde von dem Bruder des Kranken mit dem Tode bedroht. Als der Arzt seine Pflicht trotzdem in Abwesenheit des Bruders erfüllt hatte und gerade das Haus verließ, kehrte der Bruder zurück und erschoß in einem Wutanfall den Arzt. Als der Bruder des Arztes von dieser Tat erfuhr, streckte er den Mörder durch einen Revolverschuß nieder. Im übrigen wird aus den verschiedenen Gegenden ein Abnehmen der Seuche gemeldet, was wahrscheinlich darauf zurückzuführen ist, daß die Vorsichtsmaßregeln mehr und mehr verstärkt werden. In Apulien sind die religiösen Feste abgesagt worden und in Venedig hat die Stadtverwaltung 90 000 Lire für Abwehrmaßregeln ausgeworfen.
* Die Märchen der Frau Toselli. Wir lesen in der „Deutschen Tageszeitung": Einige, erfreulicherweise immerhin wenige Blätter fahren fort, den blöden und zum Teil giftigen Klatsch, den Frau Toselli im „Matin" zu Markte trägt, weiter zu verbreiten. Was die hysterische Frau den Lesern zumutet, gebt ins Ungeheuerliche. Nur um ein Pröbchen zu geben, wollen wir einiges anbeuten. Sie erzählte über ihren Empfang am preußischen Hofe, über die Begrüßung seitens des Kaisers, über die Gespräche, die sie mit ihm geführt hat, Dinge, die den Stempel hysterischer Erfindung an der Stirn tragen. Wer unfern Kaiser und das Leben am preußischen Hose auch nur einigermaßen kennt, wird nicht verstehen, wie man so lächerliches, ab- geschmacklos Zeug erzählen kann, mit dem Anspruch, ernst genommen zu werden. Dann erzählt Frau Toselli Aeußerlichkeiten über den Anzug, die Haare und Fingernägel des Prinzen Max, die ebenso läppisch wie unglaublich sind. Geradezu gehässig und niedrig ist aber chr Urteil über den Heimgegangenen König Georg. Wie das schon längst tiefgefallene Weib diesen ernsten, viel verkannten Mann herab- setzt und beschimpft, das ist für jeden, der ihn und sie einigermaßen kennt, in hohem Maße empörend. Bon Frau Toselli wundert uns schließlich nichts mehr. Daß der „Motin" ihre Klatschereien, Lügen und Gehässigkeiten auf den Markt bringt, ist für jeden Kenner seiner Eigenack erklärlich. Daß aber deutsche Blätter es immer noch über sich gewinnen können, die Auswürfe und Anwürfe ihren Lesern vorzusetzen, dasistmitder Würde derPressenichtvereinbar. —■ Wir können uns diesen Ausführungen vollständig anschließen.
+ Werner Henschel nud Werner von Haxthausen.
In dem Artikel „Die BonifatiuS-Kapelle auf der Salzburg" in Nr. 168 d. Bl. erwähnten wir, haß in einem Fensterbogen der verfallenen alten Kaiserpfalz an der ftänlffchen Saale eine kolossale Bonifatiusbüste steht, die getreu den Kopf unseres erzgegoffenm Standlüldes des Apostels der Deutschen roiebetgtbL Es wird angenommen, dem König Ludwig I. von Bayern fei die Aufstellung dieses gerade hier so gewaltig wirkenden, ja an die Zeus- .vüste von Otricoli gemahnenden Bits Werkes zu atr» danken. Indessen näher liegt die Vermutung, daß her damalige Eigentümer der Salzburg, Graf Werner von Haxthausen, die finnrtid)e Schmückung veranlaßt habe. Unb es ist dies um fo wahrscheinlicher, als der Letztere, in dessen sehr bewegtem Lelensgang sich so recht die romantisch-nationale Stimmung seiner Zeit widerspiegelt, mit dem .bchöpfer unseres Bonisatiusdenkmals ja eng befreundet gewesen ist.
In seiner lokalgefchichtlich sehr interessanten Darstellung „Fulda und das Rhöngebirge im 19. Pahrhundcri'l) erzählt Dr. Justos Schneider Fol- gendes:
. "^."..derselben Zett, nut ein Jahr früher, als in Rhöngebirges gelegenen Stadt Fulda 841^1 h<.trURmnI"10l.entl>,lBt ""»de, sand am 11. JuU 158n V ebenen Rhönstadl Neustadt a. d.
. ba..le ebenfalls eine Bonisatmsfeiet statt, wobei der Bümtler Henschel eine Rolle spielte. Der iunftliebenbe ©r .| Werner von Haxthausen war Besitzer der alten km rpfalz Salzburg und des Schlosses und Bades Ke. ,auS. Henschel hatte das Schloß, in welchem sich ine Bildergalerie von Meisterwerken in dem Besitze , iefc Grafen befand, durch verschiedene Bildwerke, eine Madonna, eine Charitas und eine Löwen- rrippe, ausgefchmückt und mit Graf Haxthausen die »eistellung der alten Bonifariustapeile Jütf der Salzburg geplant."
I*--
i l) Festschrift zum 2ö jährigen Jubiläum des Rhön- sluds. Fulda 1909. I. L. Ulh's Hofbuchdruüerei.
So Justus Schneider, dem ja die Erinnerungen seines um die Errichtung unseres Bonifatiusdenk- malcs Hervorragmd verdienten Vaters ausgiebig zur Verfügung standen.
An Henschel» Werken wird vornehmlich die glückliche Verschmelzung antiker Grazie mit moderner christlicher Innigkeit gerühmt. Tas älteste aller seiner noch vorhandenen Bildwerke soll das etwa drei Fuß hohe Gipsmodell einer Madonna mit dem Jesuskinde, zu deren Füßen zwei Engel knim, in altdeutschem Stile sein. Diese Gruppe hat der Künstler in Paris geschaffen, wohin er als 23 jähriger Jüngling gezogen war, um dort im Atelier des großen Historienmalers David im Zeich- neu nach lebenden Mobellen bedeutsame Vorstudien zu machen
Die Einwirkung der romantischen Schule scheint in der Komposition stark hervorzutreten. Rührend ist es, daß den jungen Künstler ein Traumbild zu dem Werke begeiftert haben soll. Un dieses Motiv mag wohl den späteren preußischen Kultusminister Mähler zu einem schönen Gedichte inspiriert haben. Nur aus dem Gedächtnis vermag ich zwei Verse zu zitieren:
Unb hat er der Arbeit Pflicht erfüllt. Und fallen die Augen ihm zu. Dann steiget di» Muttergottes mild Hernieder in seine Ruh'.
In ihrer Glorie steht sie da, Und tröstet ihn stets aus's Neu'» Und was in der Nacht er träumend sah, Das bildet aiH Lag er treu.
In Paris war es auch, wo Henschel, wie sein Biograph im »Neuen Nekrolog der Deutschen" (Weimar 1850) zu erzählen weiß, an seine berühmten hessischen Landsleute Jakob Grimm und samgny sich besonders angeschlossen hatte.
Eine andere Arbeit Henschels, „bei deren Lösung et die ganze Innigkeit seines gefühlvollen Wesens zur schönsten Darstellung bringen konnte", war die lm Jahre 1818 geschaffene lebensgroße CharitaS- gruppe, zu der ihn die kunstsinnige Kurprinzessin, spatere Kurfürstin Auguste von Hessen (jüngste
Tochter deS Königs Friedrich Wilhelm II. von Preußen) sowie deren Schwester Königin Maria von Holland angeregt hatten. In der halb knienden, in die faltigen Gewandungen eines anschließenden Kleides und Mantels züchtig gehüllten Charitas- gestalt, welche zwei unbekleidete Kinder an sich drückt, ist nach Kennerurteil dem seligen Muiter- gesühle und der zärtlichen Kindesliebe ein wunderbar befriedigender Ausdruck verliehen.
Die Kurfürstin Auguste, die bekanntlich mit ihrer ältesten Tochter Prinzessin Karoline mehrere Jahre im Schlosse zu Fulda residierte (als ihr Gemahl Kurfürst Wilhelm II. unter dem unheilvollen Einflüsse der Gräfin Reichenbach stand), war es auch, welche den an der Spitze unseres Denkmal- unternehmens stehenden Mannern, vorab ihrem Leibarzt, dem Geheimen Medizinalrat Dr. Joseph Schneider, den von ihr sehr geschätzten Bildhauer zur Schaffung des Bonisatius-Monuments warm ?npfohlen hatte.
Als Werner Henschel nach Kaffel (wo er am 14. Februar 1782 als Sohn des aus Gießen eingewanderten Stückgießers Karl Henschel geboten) wieder zurückgekehrt war und in i einer Vaterstadt seine ausgezeichnete künstlerische Wirksamkeit entfaltete, da sind auch seine Beziehungen zu vielen bebeutenben Männern jener Zeit, bie zu Haxthausen'- Freunbeskreis gehörten, mehr unb mehr lebhaft geworben. Auch bet kuthessische Minister Haffenpflug zählte bazu, ber, als seines Bleibens in Kassel nicht länger war, samt seiner Familie auf bett Harthausen'schen Gütern gastliche Aufnahme fanb. Bekannt ist ja auch bie innige Freundschaft, welche Annette von Droste — deren Mutter eine gebotene von Haxthausen war — mit Amalie Haffenpflug, bet geistreichen Schwester des Ministers verband. — Vielleicht war es der Einfluß und das Vorbild des mit dieser Familie gleichfalls befteun- beten Bilbhauers Werner Henschel, was bett 1824 in Kassel gebotenen Ministerssohn Karl der ploilnchen Kunst zuführte. Karl Haffenpflug ist 1890 zu Kassel als Professor an der Akademie der bildenden
Künste gestorben, nachdem er manches herrliche, ihn gleichfalls als Romantiker kennzeichnende Kunstwerk geschaffen hat. Wir nennen nut die Apostelgestaltcn für den Lettner der St. Elisabethkirche in Marburg, die Standbilder Rembtand's und Rubens für bie Kasseler Gemäldegalerie, die hessischen Fürsten für das Orangeriegebäude in der Aue zu Kassel, ferner die reizenden Gruppen Galalhea sowie Amor und Psyche (letztere im Rasaelsaal der neuen Orangerie zu Potsdam), und endlich die trauten Gestalten aus unterer Mätchenpoeste. Auch die matkanreil Züge der bekannten hessischen Märchenfrau, von bet ja sein Onkel, ber Dialer Emil Grimm, ein Bildnis hinterlaffen, hat er in einem Relief sestgehaltcii, wie et auch 1864 in Rom eine Büste von Deinsch- lanbs größter Dichterin Annette von Droste fertigte (im Besitz des westfälischen Kunstvereins) und seinen berühmten Oheimen, den Brüdern seiner Mutter, Jakob und Wilhelm Grimm, in den in der Landesbibliothek zu Kassel ausgestellten Matmotbüsten ein herrliches Denkmal errichtet hat. Zum Schluß wollen wir noch daran erinnern, baß biefet der christlich-germanischen Richtung zugewandte, treu- heimische Künstler auch unsere Stadt mit einem Bildwerk beschenkte. Es ist das den drachentötenben Erzengel Michael barstellenbe Sanbsteintelief am Sübportal unserer St. Michaelskitche.
J. Gr.
— Zn einem Lnstkutort. „. . . O, bie prächtige Luft schlägt mir vortrefflich an — aber mein X. rann meint immer: eine billigere Luft häit's auch •
— Ein Optimist „Sehen Sie, bas ist eben da» Schöne bei uns: sämtliche Sportsleute, mögen sie nun b.m Skiverband, dem Rudervcrband, dem Radfahierverband oder oem Gcbirgsverband angc- hören, finden sich doch immer wieder in einem großen Verbände." — „Unb bas wäre?" — „Der Gipsverband."
— Name» für Luftschifferkinber: Plaverich, Aeto- bett, Steigtrude, Fliegowald, Stutzelpolb, Fallwart, Gasodalb, Amalelinbe, Gonbelette, Provelletich.