uldaer WZeitung
Mchmb-ilage: „Illustrierte SomltagqewlNg"
SS
Fulda, Freitag den 8. September 1911-
38. Jahrgang
Erstes Blatt
vvS 205.
lesetftn Ne ei» fpdflge Petitzeile oder km 8<mm (5 Pf-. HeflounMePetUjeilc , pf-^ bei wieder» hebmg« wird eutfpt. Ladalt gewährt.
let«ttons6ru<fB8> Verlag der Zuldaer Ak- flesbniderti ia K»ld, Zerafprecher Nr. 9.
Mouatrbellas« .»§lüdaer SeschichtsbMer"
Aus Kirche UN- Schule.
• Köln, 7. Sept. 1911. Kardinal Fischer hat sich, wie die ,KS1«. Volksztg/ meidet, gestern in Aachen-Burtscheid einer Staroperation unter» zogen, die glücklich verlaufen ist.
rem dar Handwerk erleichtert. Da» Spiel der Sozialdemokraten und Liberalen ist also nicht bloß staatsfeindlich, sondern auch volksfeindlich.
betrage an, und da dieser Bettelei der drohende Hinweis auf .unsere bisherige Geschäftsverbindung" hin» zugefügt ist, so hat die Erpressung bei den .meisten un- erer Lieferanten^ auch tatsächlich den gewünschten Ersolg. Das ganze unglaubliche Ansinnen aber wird n einem Tone vorgebracht, als ob es sich dabei um eine Selbstverständlichkeit handelte. Umso notwendt- ger erscheint es, daß die Standesvertretungen von Handel und Industrie auch dieser Seite des Schmie» gelderunwesens, den Schmiergeldern für die Firmen» bescher, ihre Aufmerksamkeit zuwenden.
«rscheiat täglich mit Aurnahwe der Son» Mrd Feiertage, viertel» jährlicher vrzugrpreir Ohne vrinzerishn und Iepel-eld in Fulda so» ei»ew»fctti^o®L
_ Vtraut®. Redakteur i.v.r X weßler,
für Me Anzeigen: z. Varzeller in Fulda.
O Hanau, 8. Sept. 1911 (Tel.) Die national- 1 berate Partei wird für die bevorstehende Landtags-Ersatzwahl voraussichtlich den Baurat Wohlfahrt als Kandidaten aufstellen, derbekannt- ’ ch auch für den Reichstag kandidiert.
ReichStagswahlvorbereitungen.
* Düsseldorf, 7. Sept. 1911. Der Lauptvorstaud der liberalen Bereinigung hat beschloßen, den Mitgliedern und Parteifreunden für die Reichstagsersatzwahl am 19. September Wahlenthaltung ; ;u empfehlen. Dieser Beschluß hat scheinbar nur ür dm Rumpf der liberalen Bereinigung Geltung, ernt der rechte Flügel hat sich schon für die Sammel» !Kandidatur de» deutsch-nationalen Wahlausschusses erklärt, und die Fortschrittliche Dolkspartei, bte ebenfalls Sitz und Stimme im Hauptvorstand hat, macht gar kein Hehl daraus, daß sie für dm sozialdemokratischen Kandidaten eintritt.
volkswirtschaftliches und Sozialer.
* DaS Schmiergeld des Firmmrnhabers. Während die ErkmntniS allmählich au Bodm gewinnt, daß die Bestechung von Angestelltm durch Schmiergel. der gut Erlangung von Aufträgen eine Schande sowohl für den Bestechenden wie für bat Bestochenen bedeutet, häufen sich die gatte, in denen Firme» i n h a b e r ihre Macht als Käufer dazu ausnutzm, um von ihrm Lieferanten Schmiergelder zu fordern. Die .Franst. Zig/ weiß einm neuen ganz krassen Fall dieser Art miizuteilm. Es handelt sich um ein Schrei- bm einer sächsischen Firma an einm Lieferanten, da» also lautet:
„Wir teilm Jhnm ergebenst mit, daß wir in dm nächsten Tagen unsere neuen Geschäftsräume beziehen, und geftatteten wir uns. Sie hiermit Höst, um eine Ge- fälliakeit zu bitten. Von dm meisten unserer Lieferanten find unS bereits Barbeträge für die Einrichtung unsere» neuen Privatkontor» angegangen, und glauben wir bestimmt annehmen zu dürfen, daß auch Cie in Anbetracht unserer bisherigen Geschäftsverbindung bereit find, unS einm Barbetrag zu stiftm. Da wir aber nunmehr die Arbeit« für die Einrichtung unseres neuen PrivatkoutorS »ergeben muffen, wärm wir Jhnm für umgehende ZuseEwg deS UNS freundlichst rug-dachten Barbetrages, wofür wir Jhum schon im voran» verbindlich danken, sehr bantbaT. t .
Um sich ein neue» Privatkonti -inzurichtm, bet- trit alfo bie noble Firma iB« Lieferantm um Bar-
Lokaler.
Fulda, den 8. September 1911.
F. Mehmärkte-Brrbot. Im laufenden Jahre sind biS jetzt alle hiefigen Biehmärkte aus vetermür» polizeilichen Gründm verboten worden. Daselbe Schicksal teilen die in diesem Monate üblichen, MLrtte, der Bullen- und Jungoiehmarkt am 20. September und der Viehmarkt am 28. September.1 DaS sind schon 12 Biehmärkte, die in diesem Jahre unterbleiben mußten. Für die beiden noch übrigen Märkte, den Vieh- und Schafmarkt am 26. Oktober, und den Rindviehmarkt am 30. November besteht wohl auch keine Hoffnung, daß sie abgehalten werden.. Äußer der Einbuße von einigen hundert Mark, die die Stadtkafle erleidet, gehen auch den Gasthaus« besitzern und Stätte-Inhabern manche Einnahmen verloren.
* Für Witwen und Waisen. Durch eine Bekanntmachung im Amtsblatt der Kgl. Regierung wird dar» auf aufmerksam gemacht, daß Wartegelder, Pensionen, Witwen- und Waisengrider und Witwen- und Waisen» renten, sowie Witwenpensionen und im voraus zahlbare Unterstützungen und EcziehungSbechilfm traten halb de» Deutschen Reichs im Wege des Postanweisungsverkehrs ohne MonatSquittmtgen bo> zogen werden können, sofern die Zahlung an die Bezugsberechtigten selbst — nicht an einen Dritten (Vormund, Pfleger, Bevollmächtigt«) — zu erfolgen bat Bei Waisengeldern gilt hierbei die witwmgeldbere^ ttgte Mutter al» bezugsberechtigt. Gleichzeitig wird zur Erleichtemng deS Zahlungsverkehrs und zur Beo- Meldung größerer Barbestände in eigener Verwahrm^ darauf aufmerksam gemacht, daß diese Bezüge auch im ReichSbankgiroverkehr durch Uebecwei» jung auf da» eigene oder auf ein fremdes Girokonto geleistet werden können. Die Zusendung oder Giro- Überweisung erfolgt nur auf schriftlichen Antrag de» Berechtigten. Formulare zu diesen Anträgen werden bei den zahlenden Kaffen nnmtgMich verabfolgt.
(*) Nochmals di» Fahrt der .Schwaben", lieber die Fernfahrt der .Schwaben', die am Mittwoch Fulda berührt hat, äußerte sich der Führer de» Luftschiffes, Dr. Eckener einem Mitarbeiter deS,Ben. Lok.«Anz." gegenüber folgendermaßen:
„Der Luftkreuzer „Schwaben' und mit ihm da» Zeppeünsche System haben sich bei der Fahrt ganz außerordentlich bewährt. Bis Darmstadt hatten wir sehr unter Gegenwind zu leiden. Bitt großem Jniereff» beobachteten wir, daß bei Darmstadt ein Flieger auf- stieg und mit unS zu konkurrieren versuchte. Er blieb aber bald hinter unS und kam erst biet Minuten nach unS in Frankfurt an, wo wir ihn im Dunst bann au» den Augen verloren, ein BewetS, daß die Lustschrff» eine mindestens ebenso große Geschwindigkeit entwickeln können wie Flugzeug«. Ueber Frank^rt wurde ein Motor abgestoppt und eine Schleife über der Stadt beschrieben. Bis in die Gegend von Schlüchtern hast« wir darauf Windstille, dann aber setzte «in harter Norbwestwind ein, mit bem wir bi» Bebra im Kamps lagen. Bon Bebra ab brehte sich bet Wind immer mehr nach Westen, und e» wurden mit nur zwei Motoren 90 Kilometer in der Stunde »urückgelegv Irgendein Motordefekt ist nicht vorgekommen.'
DaS Luftschiff hat von Gotha au» geltem zrvet Pafsagierfahrten unternommen. Gestern morgen erschien es um 10 llhr 50 über der Wartburg und über Eisenach mit 16 Paflagieren an Bord. Es kehrte nach Gotha zurück und trat nach erfolgter Auswechslung der Passagiere eine zweite Reise an, bei der eS 12.55 über Eisenach erschien. Nach un» gesähr zweistündiger Fahrt erfolgte tn Gotha die Landung. Auch heute werden Paffagiersahrtni unternommen. Morgen tritt bte .Schwaben bte Fahrt nach Potsdam und Berlin an.
&. Beim Patronenfüllen, da» ein Mitglied ^der Gewehrgruppe deS hiesigen KriegerveremS gestern nachmittag vor dem Ausrücken zur Beerdigung deS Kameraden Kreß in Neuenberg vornahm, erfolgte eine kleine Pulverexplosion. Das Mstglted erlitt an drei Fingern etne stark blutende Verletzung und mußte durch ein Mitglied der Sanität»# kolonne verbunden werden.
& Einen billige» Kaninchenbraten wollte sich ein hiesiger Einwohner auf die Art verschaffen, daß er .heimlich, still und leife* bcn Statt eines Kantnqen- züchters zu öffnen suchte. Er wurde jedoch von dem Eigentümer beobachtet und, als er flüchtete, nut Huf» eines Nachbars m der Nähe der Gasfabrtk em geholt. Tie Verfolger verabreichten dem Dieb «ne so erhe liche Tracht Prügel, daß er hakend und ohne emrn Kaninchenbraten in Aussicht zu haben, den Hetm eg
w maemdl in s«ufta »»fife des ßerrn Oekovomen Hetnrtch ®t.pttu ' ffrith^Pächt-? ,u Niefig)
Kaufpreis beträgt, rott vertautü, 2-0000 Mark.
d Zmkerverein. In der Monatsversammlung : bildete bi« Herbstfütterung der Biene« den : Gegenstand eingehender Besprechung. Nachdem nun die ganze Zest über die Königin R-zfutter erhalt« . hat, empfiehlt es sich, jetzt eine kleine Pause ei» >. treten zu lasten und dann alSdald mit dem Ei»
Aber, wie soll es werden, wenn die verlogene Hcke nicht endlich eingestellt wird? Werden nicht schließlich auch bei uns die Gemüter sich erhitzen, wenn fortgesetzt alle Leidenschaften aufgewühlt werden? Muffen nicht weite Schichten unsres Volkes irre werden, wenn sie eine Partei, die sich noch zu den staaiserhalienden Parteien gezählt wiffen will, in trautem Bunde mit der Umsturzpartei gegen bewahrte Staatseinrichtungen in verlogenster Weise Hetzen sehcu. Wollen baut die Liberalen nicht einsehen, daß sie mit ihrem Treiben nur der U rnstu r z p art ei in die Hände arbeiten? Niemand wird es bcn Liberalen verübeln, wenn sie mit erlaubten Mitteln unsere Schutzzollpolitik bekämpfen und ihr Ideal, den Freihandel, zu verwirklichen suchen. Aber das Spiel, das sie jetzt treiben, macht sie zu Mitschuldigen der Sozialdemokratie, die den Umsturz will und der die Verhetzung der Massen Lebenszweck ist.
Das Treiben der Liberalen begünstigt aber auch ^ie Preissteigerung, die sie angeblich bekämpfen wollen. Es ist schon jetzt ausgemacht, daß die ZeitangS- nachrichten über Mißrrrmn ganz kolossal übertrieben sind. So wird au9 dem Osten gemeldet, daß dort die Ernte an Brotgetreide geradezu ausgezeichnÄ war, und was bei dec Kattoffel- und Rübenernie voraussichtlich an der Menge fehlt, wird zum guten Teil ausgeglichen durch die ausgezeichnete Beschaffenheit. Dasselbe gilt von der Fmterernte, deren erster Schnitt sehr gut war. Die landwirtschaftliche Zentral- genossenschast in Bayern hält die Preistreibmig für unberechtigt. Die ergiebigen Regen der letzten Augustwochen haben vieles wieder gut gemacht, was der heiße Sonnenbrand verdarb« hat, und die Wetterlage läßt die Erwartung durchaus berechtigt erschein«, daß der Herbst ba8 Manko des Sommers noch ausgleichen soll. Die Berichte rcher die angebliche Fuiternoi find so, daß auch die Futternot nicht zu einer Teuerung Anlaß geben kann, denn in ganz Bayern ist gegen die Erwartung eine große Menge Heu aus dem bayerischen Wald dem bayerischen Hochgebirge und sogar aus dem Allgäu zum Verkauf angeboten ward«. Auch Ms dem Oberland lauten die Nachrichten glänzend, ebenso aus Unterfranken. Von einer Fütternor kann tzlso ebenfalls nicht gesprochen werden.
Durch das Geschrei über Mißernte und Neuerung Mrd nur den Preistreibern und Lebensmittelwucho-
Ausland.
*• Mit der LebeuSmitteltenenmg beschäftigte sich gestern der französtsche Ministerrat. ES gelangte eine Anzahl von Reformen zur Besprechung, bte vornehmlich die Einfuhr von Schlachtvieh ans de» französischen Kolonie« und Verminderung der Transportkosten betreffen. ®ie in Aussicht genommenen, 10 Punkte umfassenden Maßregeln mürben vom Ministerrat genehmigt. Endogen wurde bei den Erörterungen auch bte Oeffnung der Grenzen für bte Einfuhr fremden lebenden VieheS und gefrorenen Fleisches. — DaS französische Budget schließt mit einem Fehlbeträge von 178 Millionen Francs ab, für den bereits Deckung vorgeschlagen ist.
• Ar Phrasenhelden find nicht immer bte größten Helden. Der bekannte französische Arbeiter A v e tot, der kürzlich in Berlin eine sozialistische Friedensliebe gehalten hat, ist, al» et wegen Aufreizung zum Streik in Paris verhaftet werden sollte, entflohen. In Berlin hat dieser feige Sozialist auch schnell das Hasenpanier ergriffen, als die Polizei ihn wegen seiner Frechheiten gegen die deutsche Regierung zur Verantwortung ziehen wollte.
* I« neugeeinten Italien haben 50 Jahre lang bte Liberalen bte Alleinherrschaft auSgeübr. Und toae haben diese Erbpächter des Fortschritts für Bildung und Schulen geleistet? Am 8. September wurden die Ziffer« der letzte« Volkszählung veröffent- licht. Daraus ergibt sich, daß in her Stadt Neapel allein 21000 schulpflichtige Kinder die Schule nicht besuchten. Der Prozenffatz macht Über 30 Prozent MS. — Wie wird die .klerikale Regierung" in Belgien verdächtigt, weil dort noch kein Sckul- zwang bestehl, obwohl dort der fteiwillige Schulbesuch 90 Prozent Der Schulpflichtigen beträgt lieber die italienische Rückständigkeit schweigen alle liberalen Blätter. Warum? Well Liberale unb Freimaurer dort bei Heft i« Händen haben.
- Roosevelt gegen die SchicdSgerWSvertrüge. In einem Artikel des .Dutlooct" greift Expräsident Roosevelt die Schiedsgerichtsverträge an. Er sagt die zum Teil zwischen den Bereinigte« Staaten, Großbritannien und Frankreich bestehenden SchiedS» gerichtSverträge seien bester al- die vorgeschlagenen neuen Verträge, well sie keine falsche« Vorsptegeluu- gen machten und Frage« auSschlöffeu, die allgemeine Interesse« der Nation berühren. Ntemal« würden bte Amerikaner zugeben, daß Fragen der Monroe- Doktrin, die kubanische Frage oder die Bus- schiffung der Auswanderer durch Schiedsspruch geregelt würben.
** Der standrechtlich erschösse« Heerführer deS früheren Schahs von Persien, Archad eb Dauleh würbe von bet ersten Salve nur verwundet Er richtete sich wieder auf, und als ein ausgesprochener Anhänger de» ExschahS stieß er, fern Angesicht bett kotnmanbierenben Soldaten zuwenbenb, die Worte heran-: »Lang lebe Mohammeb Alt SchahI" Dann sank er, von mehreren Kugeln getroffen, tot nieder. Archad eb Dauieh bedauerte tief das untapfere Verhalte« seiner Leute, obgleich sie m dreifacher llebermacht waren. Er »erriet, daß der Exschah in Savadkuh stehe und seine Operationen mit großem Jnterresse verfolgte. Er soll mehrere Maschinengewehre besitzen, wird nunmehr aber schwerlich gegen Teheran vormarschieren. Die Regierung beabsichtigt die Jephrem-Expedition die zurückgekehrt ist, gegen de« Ex chah zu entsenden.
gestellt hat.
— Aus Anlaß des Futtermmigels find von de» Generalkommando» dqr beteiligt-« Armee- korps Maßnahmen getroffen worben, um eine Steigerung bei Futternot durch bte diesjährigen Herbst- Übungen und durch bat Bedarf der Pferde vorzubeugen. Nach F 5 deS RaturalleisttmgSgesetz« muß bte Pf erb ev erpflegun, während der Hebungen von der Truppe befolgt Werden und darf von den Gemeinden und Gutsbezirken nur dann gefordert werden, wen» bte Genehmigung der KommunalaufsichtS- behörden vocliegt Die Fourage durch die Gemeinden erfolgt nut bei den Märschen der berittenen Truppen. Diese gesetzliche» Bestimmungen und Einschränkungen haben bisher nur auf dem Papier gestanden. Da dieses Iaht aber für bte Landwirte ein besonder» angenehme» AuSnahmejahr ist, so sollen bte gesetzlichen Bestimmungen, wie Berliner Blättern mitge- teilt wird, in allen Fäll« in Kraft treten, wo eS sich um wesenüiche gutteriiefectmgen handelt.
0 OrtSschulanfficht und Dezentralisation btt Schulverwaltung. Zur Frage ber OrtSschulausstcht und ähnlicher Schulverwaltungsfragen hat ber Kultusminister bisher keine Stellung genommen, ba bte Arbeit ber Jrnmebiatkommifston noch nicht erledigt ist. ES sind aber Beratungen übet die Neuordnung der SchulverwaltungSbehSrben im Gange. Die Mitteilung, daß die Verwaltungsreform in einem Jahre geregelt sein werbe, unzutreffend.
--- Novelle zum Rtichsbeamtmgesetz. Unter den Vorlagen, bte bem neuen Reichstag bestimmt zugehen werden, desinbet sich bte Novelle zum Reich», bearntengesetz, bteba»Wiederaufnahmeverfahren im Disziplinarverfahren wieder ein führen wird. Trotz erheblicher sachlicher Schwierigkeiten find die Ver- Handlungen zwischen den Refforts ix dieser Materie, Berliner Blättermeldungen zufolge, erfolgreich ge- wesen. Die größte Schwierigkeit, die der Regelung entgegenstand, war die Wiedereinsetzung eines disziplinierten Beamten für den Fall ferner Rechtfertigung. Heber diesen Punkt ist jetzt eine Einigung erfolgt. Ter Beamte wirb ta feine Stellung wieder eingesetzt; für den Fall, daß ferne Stellung bereit» besetzt worden ist, erhält er eine andere gleichwertige. Will er in den Reichsdienst nicht mehr »hüteten, so werben seine Ansprüche durch eine Geldentschädigung abgelöst.
♦♦ Die Regelung »a Feuerbestattung wirb, wie bte ,Kötn. VolkSztg/ berichtet, eine der ersten Ausgaben auf gesetzgeberischem Gebiete sein, bte der neue Landtag für Elsaß-Lothringen zu lösen Haden wirb.
-j- Ein frevles Spiel,
Kaum war es zur betrübenden Gewißheit geworben, daß das Deutsche Reich infolge der außergewöhn- sichen Dürre einer Teuerung aller Lebensmittel entge- gengehm werde, da setzte auch auf der ganzen Linie das "volksverhetzende Treiben derjenigenKretse ein, die noch stets beflißen waren, einen Uebelstand, unter dem die Massen zu leiden haben, in parteipolitischem Interesse auszuschlachten und daraus für ihre Bestrebungen Kapital zu schlagen.
Die Sozialdemokraten und ihre Bundesbruder, die Herren Liberalen, scheuen sich nicht, das Unglück, das hie Dürre übec die weitesten Volksmassen bringt, zu einer Verhetzung zu mißbrauchen, die geradezu fri- v o l ist. Denn was ist es weiter als eine Verhetzung, wenn man dem Volke glauben machen will, daß dir 'N e g i e r u n g es in der Hand habe, die Lebensmittel- teuecung zu beseitigen durch Aufhebung der LebenS- Mttelzölle usw. Aber natürlich, der böse „schwarz- ,blaue Block", die Agrarier und die Regierung mit im Bunde, sind daran schuld, wenn das Volk hungern muß. Die Liberalen und Genoss« wollen doch nicht im Ecnst glauben machen, daß sie sich wirklich von einer Aufhebung der Lebensmittelzölle 'eine Beseitigung der Teuerung versprechen. Für so einfältig wird niemand sie halten. Ihnen ist es nur darum zu tun, eine Bresche in unsere be- währte Schutzzollpolitik zu legen, und da ihnen jedes Mitte? zur Fördenmg ihrer Bestrebung« recht ist, so scheuen sie sich nicht, in veclogenster Weise die Lebensmittelzölle für die Teuecung verantwortlich zu machen, die doch lediglich durch die Ungunst der Witterung verursacht ist.
Der Hinweis auf die allgemeine Teuerung in allen uns benachbarten Ländern genügt allein schon, das Widersinnige der Behaupfting der rosaroten Bundes- ,brüder ins rechte Licht zu rücken. Was soll uns eine ^Aushebung der Lebensmittelzölle nützen, wenn Ringsum alle Völker unter der gleichen Kalamität zu leiben haben wie wir? Und nicht nur nutzlos würde eine Aufhebung dec Lebensmittelzölle sein, sondern auch in höchstem Maße gefährlich für die Finanzen des Reiches, die erst mit großen Opfern wieder Der Gesundung «igegengesühri sind. Eine Aufhebung dec Lebensmittelzölle würde einen Einnahmeausfall von etwa rund 100 Millionen Mark für das Reich bedeuten.
Mso an der Lebensmittelteuerung sind weder die Zölle schuld, noch würde ihre Aushebung die Teue- rung beseitigen. Das wissen die Liberalen und So- zialoemokcateu natürlich sehr gut, und trotzdem scheuen sie sich nicht, die Leidenschaften der Mass« aufzw- wühlen, um ihre Interessen zu fördern. Für ein derartiges Verhalten gibt es nur eine Bezeichnung: staatsfeindlich. Daß die Sozialdemokratie das ist, bedarf nicht erst des Beweises. Ihr Verhalten ist daher allzu begreiflich. Um so unbegreiflicher aber ist das Verhalten der Liberalen, das an Verlogenheit und Hetze der ihrer roten Brüdec kaum nachsteht. . . Sehen die Liberalen denn gar nicht ein, welch eine ungeheure Verantwortung sie mit ihrem Treiben auf sich laden? Die Lebensmittelkrawalle in Frankreich und Belgien sollten doch eine Warnung für sie sein, nicht weiter zu schreiten auf dem einge- schlagenen Wege. Dort hat die systematisch untergrabene Achtung vor der Autorität des Staates zu den schlimmsten Ausschreitungen geführt, vor denen selM das Privateigentum nicht mehr heilig war. Und wenn es bei uns in Deutschland nicht zu ähnlichen Aus- schrcitungen gekommen ist, wie in Frankreich und Belgien, so ist das wickltck, kein Verdienst der Liberalen und Sozialdemokraten. Nein, mir der gesunde Sinn der Mehrheit unseres Volkes, seine noch nicht unter- grabene Achtung vor Ordnung und Recht haben uns ein so tranciges Schauspiel erspart.
deutsches Reich.
(*) Zu« Staad der Marokkoverhaudlungen. Die in Aussicht genommen» Unterredung des Staatssekretärs v. Kiderlen-Wächter und bem au3 Kiel zurückgekehrten Reichskanzler v. Bethrnann-Hottweg hat am Mittwoch abenb stattgefunden. Am Donners- tag vormittag ist m einet abermaligen Konferenz zwischen den beiden Staatsmännern bte Antwort der deutschen Regierung auf den französischen Pro- grammentwurf vereinbart worden. Arn Donnerstag nachmittag erfolgte alsdann die angekündigte Besprechung zwischen v. Kiderten-Wächter und dem französischen Botschafter Sambvn. Die Nachricht eines anderen Blatte-, eS fei bereits am Mittwoch abend eine Zusammenkunft zwischen Herrn v. Klderten- Wächter unb Herrn Cambon erfolgt, beruht, bem .Tag" zufolge, auf einem Irrtum.
»• Di» Flottenmanöver, die ursprünglich m der Nähe von Danzig stattfinden sollten, find, wie da» ,B. erfährt, an die Grenze der Ost- unb Nordsee verlegt worden.
* Hebet die Kriegshetze gewisser farbloser Otgm* les« wie tn der .Germania": E» ist nicht zu verkennen, baß gegenwärtig deck Säbelgerassel unb die Kriegslust in einem weiter« Kreise der Presse al« der alldeutsch« zum Ausdruck kommt und auch in einem größer« Teil de» Bolle» sein Scho findet. S» komm« hier besonder» bte parieilos« Generalanzeiger und ihr Lesepublikmn in Betracht. Ganz natih> ltch: die Blätter, die in der tattern Politik keine Meinung äußern dürfen, halt« sich dafür auf dem Gebiete der äußern Polttll unb in ber Kritik anderer Nationen schadlos; und lene Spezies von Lesern, bte über irgend etwas, toa» e» nun auch sei, geschimpft seh« will, kommt so ebenfalls auf ihre Rechnung. So komm« die Hetzcrrtikel gegen England zustande, in Blättern auf bet« Redaktion« meist niemand Englisch versteht, außer etwa ber beim LawntemüS üblich« Red«sarten. Gewiß muß b« Engländern auf die Finger geklopft werden, aber bte blöde Eng» landhetze, bei dec unsere kommerziell« und kulturell« Wechselbeziehung« mit bem Jnselreiche gcm, außer acht gelass« werden, ist sehr töricht, und das .B«- di«s? der Gmeralauzeiger um diese tatemattonate Verhetzung ist ein äußech problematisches. Klaffe»- Hetze, Religionshetze, Völkerhetze steh« alle auf einem Blatt.
-5-' Tas Wanderlagerwes«. Zwischen den verbündeten Regierungen haben, dem .Tag" zufolge, Erörterung« darüber flattgefunden, ob tat Interesse des seßhaften Mittelstandes eine anderweit» und zweckentsprechender» reichsgesetzliche Reg»lung des Wanderiagerwesens geboten erscheint. Es haben sich in manchen Teilen deS Reiches auf diesem Gebiete unzweifelhaft Mißstände ergeb«, und durch das Ueberhandnehrnen der Wanderlager ist dem stehenden Gewerbe vielfach ein erheblicher Schaden zugefügt worden. Unter den verschiedenen Vor. fch lägen, die gemacht worden sind, dürste derjmige wohl schließlich den Vorzug erhatten, den Betrieb von SBanberlagern in den Ortschaften, für die solche» durch Ortsstatut vorgeschrtebsu wird, von einer besonderen Erlaubnis abhängig zu mache«, und diese im allgemeinen da zu versage«, wo sich ein Bedürfnis für die Einrichtung von Wanderlagetn nicht Hera«»-