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erWdid täglich mlt lusnelntt ber Sons» mb Feiertage, viertel» jährlicher veza-rprei» «har vriagtkloh» and vt-tl-tld ia Fulda so» •lemwMsbSoait

verantw. Redakteur

wochmrellag.! „Illustrierte Sonntagrzeitung"

Zeitung

Monatrbeilage: „Küdaer Geschichtr-Mer"

*■ * 1

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Ralallambrackmch vertag der Fuldaer Lk. RaadruSeret tu Fulda Fernsprecher llr»g»

Fulda, Donnerstag den 7. September 1911.

264.

38. Jahrgang.

mit Pomp gefeiert, bann siedelte ec in die Residenz Über, wo er eine Villa gemietet hatte. Such Weißen. Hofen nahm ein Absteigequartier in der Residenz, und nun begann für Bergmann und dar Brautpaar ein herrliches Leben in dec Stadt. Bergmann f<md kaum einmal in der Woche Zett, nach seiner Fabrik hinaus­zufahren und die Herstelkmg der Rmnfahrzeuge zu überwachen; die übrige Zett widmete er den Freu» den und den Genüsse« de» Lebens.

13.

jBmifc von Sonneck stand am Kamin, in dem ein mächtig« Feuer Prasselte. Wilm, der Dienen legte neue Scheit« nach und wollte sich dann entfernen. Da fragte Sonneck: „Ist der Wagen für meine Tochter bereits Mr Bahn gestchren?'

jawohl, Herr Majors

«Gut - du kannst gehen.' Aber Wilm blieb an der Türe stehen und Sonneck fragte: .Nun — was willst du noch?"

Wilm legte den Daumen an die Hosennaht und sagte: .Herr Major, wenn Sie schon da» Schloß ver­lassen, so bitt' ich gehorsamst: nehmen der Herr Major mich «rill'

»WaS sagst du da? . . . Dich mitnehmen? Das geht nicht. Serßmann will alle behalten . . .'

.Aber den wollen wir nicht, den Parfünüh, da» ist keine richüge Herrschaft nicht! Bitte gehorsamst, Herr Major, mich mitzunehmen.'

Sonn eck lockerte den Kragen. Dieser treue Kerl war so anhänglich wie ein Hund! Zum Schreien war das! Er schüttelte Wilm an beiden Schultern. .Mensch,' rief er, .du willst mit mir gehen — ins Elend? Hast du vergessen, wie oft ich dir ein Donner­wetter an den Kopf geworfen habe?'

lieber das Gesicht des ehemalizen Soldaten ging ein zufriedenes Grinsen, „Ach, Herr Major,' sagte er, „das muß schon so sein. Sonst parieren wir Keris nicht! Wenn der Herr Major einmal nicht wetterten, so hab' ich gewußt: eS klappt was nicht!'

„Es klappt auch nicht, Wilm. Und dich mttnch- men in die Stadt — ich weiß nicht — dazu wird'S nicht reichen.'

„Aber Herr Major brauchen doch Bedienung. Und auf den Lohn kommts nicht an. Ich hab mir in den fünfzehn Jahren ’toaS erspart. . . Ich bin nun ein» mal fürs Militär und für'S Stramme.' Wilms ehe­liche Augen bettelten.

„Na, Wilm — wir wollen sehen. Ich will ein­mal mtt Hilde reden.' Er reichte ihm die Hand und sagte: „Bist ein braver Mensch!'

Diese» Lick rührte Wilm so schr, daß ihm die Tränen über die Wang«, kollerten. Mtt einem dankbaren Blick auf seinen Hchrn verließ er das Zimmer.

Herr v. Sonneck trat ans Fenster. Die Treue diese» Burschen hatte ihn ergriffen; das bißchen Liebe, das er empfangen hatte, freute ihn in» Herz hinein.

Dramen zog der Frühling durchs Land. Was sein Hauch berührte, verwandelte sich in Grün und Stuten, überall weckte er neues Leben, neue Freude. Nur an Schloß Sonneck schien er vorüberzugehen — ihm leuchtete kein Hoffnungsstrahl.

Eine schlimme Zeit lag hinter dem Schloßherrn. Die Gläubiger drängten und klagten ihn beim Ge­richt.

Nun war er gezwungen, feine Insolvenz anzu­melden. lieber sein Besitztum wurde dec Konkurs verfügt. Der alte, herrliche Fanriliensitz war verloren. Leo Bergmann kaufte ihn und wurde Herr auf Schloß Sonnzck. Der Riese da unten hatte bet alten Edel­mann bezwungen: das Großkapital, dieser Moloch der neuen Zett.

Elga v. Sonneck brach bei diesem Schlag zusam- mcn. Sie verfiel in Weinkrämpse und lief tobend, wahnsinnige Schreie ausstoßend, durch das Schloß. Ihr Geist verwirrte sich und sie mußte in eine Ner­venheilanstalt gebracht werden.

Her v. Sonneck stand allein wie ein morscher Baum. Nur eine blieb ihm treu — Hilde, sein Son­nenkind. Sie wußte Rat und verlor den Mut nicht. Eben jetzt erwartete er sie, um mit ihr den letzten Tag im alten Heim zuzubringen. — *

Gleich darauf trat Hilde herein — frisch und

rosig, mit leuchtenden Augen und roten Wangen; ein starker, würziger Dust schien mtt ihr zu kommen, wie ihn der Frühling bringt, wenn er über die Berge steigt. Sie warf sich ihrem Batet an die Brust. „Grüß dich Gott! Grüß dich Gott! Nun bin ich wieder bei dir . . .'

„Zum letztenmal, Hüde! Morgen gche ich —

Sie strich ihm über die Stirne. „Wir sind ge­fallen in Ehren,' sagte sie. „Aber gebrochen sind wir noch nicht, Papa. Stamm und Mark sind gesund ge­blichen. Nun beginnen wir chen von vorn. Du sollst es schön haben, Papa. Ich habe für dich drei hübsche Zimmer gemietet'

„Aber das kostet doch viel Geld, Hllde,' sagte er.

„Sei ohne Sorge, Papa, da» machen wir. Du hast ja deine Pension. Die hast du bisher Biftoc zu- eetoenbd, da» ist jetzt nicht mchr nötig —'

Der alte Herr räusperte sich. „Weißt du, wo V . . . , wo der Mensch sich herumtreibt,'

„Natürlich weiß ich'», Papa! . . . Der Arzt hat ihn an die Riviera geschickt. Bot acht Tagen ist et

abgereist.'

Sonneck sagte nicht». Er schritt zum Fenster und blickte in den Frühlingssturm hinaus . . .

Hllde legte Hut und Mantel ab, deckte den Tisch und trug einen kalten Imbiß auf. Dazu eine Flasche Wein und Papas geliebte Havanna», die et so lange

entbehrt hatte.

Dann führte sie ihn zu Tisch. Er aß wenig und schielte immer nach den Zigarren. Und att dann ber blaue Rauch emporwirbelte und er behaglich in seinem Lehnstuhl saß, schien es fast, als forme « stch doch r.Mb mtt feinem Schicksal auSsöhneu An kleinen "reeuden hängt ja so viel im Leben; sie Helsen UNS über bas Große »nd Schwere hinweg, sie sind die 8°l- benen Brücken, die sich über Abgründe spannen und uns wieder hineinfiihren in des Lebens goldene

Gassen. —

Am andem Morgen verließen sie das Schloß. Wei­nend stand die Dienerschaft im Korridor. Wilm saß hoch auf dem Bock, stolz darauf, daß er dem Major weiter dienen durste. ^Forts. folgt.)

gefaßt, sich in den Riß zu werfen und die am Nieder­rhein dem deutschen Reich drohende entsetzliche Gefahr — es sollen nämlich im April d. I. einige Jesuiten in Emmerich eine Mission abgehalten haben! — zu beschwören. Zu diesem Zwecke hat das würdige Blatt die schleunige Mobilisierung seiner bewährten Truppen angeordnet. Ein Teil: die evangelische Bundeskompagnie soll in den ersten Tagen marschbe- rett sein und ihr bann rasch die zweite, aus den Apostaten bestehend, folgen. Die zur Beförde­rung erforderliche Zahl Lokomotiven steht bereits unter Dampf. Weitere Truppen sollen zu Wasser folgen, sobald der Mittellandkanal fertig ist. Um das Schicksal des Niederrheins ist man unter diesen Um­ständen schr besorgt — nicht weniger um die geistige Verfassung des Generalstabs der „Tägl. Rundschau', der einen schweren Leibschaden unter dem Hut er­litten hat

Ausland.

** Der Rekrutenmongel in Frankreich wird jetzt chronisch. Der eben veröffentlichte Kostenvoranschlag des Militäreiats für 1912 weist gegen das Vorjahr einen Minderbedarf von 19 Millionen Frank auf. Kriegsminister Meffimh hat in einigen Budgetkaptteln Abstriche gemacht und wird versuchen, sie vor dem Parlament zu rechtferiigen. Der Effekttvbe- stand der Truppen wird 1912 um 19010 Mann geringer sein als im Vorjahre. Die jüngste Re- krutterung hat nämlich einen Ausfall ergeben, da die Geburtsziffern, die für die einzustellenden Jahrgänge in Betracht kommen, sehr ungünstige waren.

** Wieder einen „deutschen Spion" haben die Franzosen erwischt, an dem sich ihr Ueberparriotismus austoben kann. Die Polizei von Croix St. Quen verhaftete am Dienstag dorr einen jungen Deutschen. Bei seiner Vernehmung gab er an, R i ch t e r zu hei­ßen und aus Dresden zu stammen. Richter wird in Hast behalten, da er sich der Spionage schuldig ge­macht haben soll.

** Eine kalte Dusche auf die Jubiläumsbegeiste- rnng in Italien find, wie das liberale „Giornale d'Italia' schreibt, die blutigen Vorgänge von Ver­bi r a r o. Das Land hat sich viele Monate hindurch immer wieder sagen lassen, daß Italien bewunderns­werte Fortschritte gemacht har und von der ganzen Welt bewundert wird. Italien hat dies so fest ge­staubt, daß es im Triumphe auf den kapitolinischen Hügel stteg, um ben Schutzgöttern des Vaterlandes zu danken. Plötzlich hat der Sklave, der dem golde­nen Wagen be§ Triumphators folgt, das Wort ge­flüstert, welche Italien vorn stolzen Flug zur Wirk­lichkeit und Bescheidenheit zurückmfen muß. Diese» Wori ist: Verbicaw.' Ein halbes Jahrhundert von Freiheit und Einhett, intellektueller Wiedererhebung und wirtschaftlichem Auffchwung, von Eisenbahnen, Wahlrecht und obligatorischem Unterricht ist über ^tollen dahingegangen, ohne in Verbicaro Spuren zu hinterlassen.

** Sin sozialistischer „Flieger". Ein in ber ita­lienischen Stadt Alessandria tagender sozialistischer Kongreß beschloß die Ausschließung des so- zialistischcn Provinzialrates Ferrara aus der Par­tei, weil er sich kürzlich zum König von Italien be» geben und mtt ihm einige Worte gesprochen habe. Und Btssolatt? Der wollte "doch sogar königlicher Mi­nister werden.

** In Portugal scheint man vor dem Ausbruch einer Gegenrevolution zu stehen. Senor VaSconcello, der portugiesische Minister des Aeußeru, erklärte auf eine Anfrage, er wisse, daß royalistische Truppen Mittwoch oder Donnerstag in Portugal ein- bringen werden, und daß sie sich an der spanischen Grenze gegenüber von Chaves versammelt hätten. Der Mnssier fügte hinzu, daß alle Vorsichtsmaßregeln getroffen feien, so daß die Gegenrevolution fast ohne, einen Schwertstreich erledigt werden würde.

zwischen diesen und Herrn v. Kiderlen-Wächtei ent» gegensehen, die morgen stattfinden dürft».'

Wir hoffen, daß in der entscheidenden Phase der Verhandlungen unser« Regierung bei aller an­gemessenen Mäßigung ihrer Forderungen bezüglich ver von Frankreich zu leistenden Garantien auf wirtschaftlichem Gebiet mit allem Nachdruck darauf besteht, daß sie so ausfallen, wie er das Interesse Deutschlands gebietet.

! I Eine Lohnerhöhung der Eisenbahnarbetter. In der Audienz, die Eisenbahnmiuister ». Breiten­bach bei seiner Anwesenheit in Moniigny bei Metz dem Arbeiterausschuß ber bärtigen Haupt» werkstätte gewährte, würbe dem Minister auch eine Petition um eine wettete Lohnerhöhung überreicht. Der Minister bemerkte dazu, dieser Wunsch decke sich mit gleichartigen Wünschen von anderer Seite, bilde bereits den Gegenstand einer Prüfung, und er freue sich, in nahe Aussicht stellen zu können, daß ihm nach Möglichkeit Rechnung getragen werde. Hoffentlich werbe die Arbeiterschaft mit dem als» dann Erlangten zufrieden fein und anerkennen, daß die Verwaltung bestrebt fei, allen berechtigten Interessen ihrer Bediensteten entgegenzukommen.

* Eine Konferenz von Vertreter» für Handel, In­dustrie und Landwirtschaft findet nach der „Nordd. Allg. Zig." am 29. d. M. in Berlin im Reichsamt des Innern statt. Die Konferenz, zu ber auch Ver­treter der Presse als Sachverständige zugezogen werden, soll sich unter dem Vorsitz des Staatssekretärs des Jnnem mit der Frage der besseren Ausgestaltung ber im Reichsamt des Innern zusammengestellten „Nachrichten für Handel und Industrie" beschäftigen, damit diese bat Zwecken unseres Wirtschaftslebens noch mehr dienstbar gemacht werden können. — Daß man zu dieser wichtigen Frage auch Vertreter ber Presse heranzieht, ist sehr zu begrüßen.

(*) Sozialdemokraten als Arbeitgeber. Die kürz­lich in München abzehaklene Generalversammlung deS sozialdemokratischen Lagerhalter- und Lager- balierinnenverbandes nahm nach dem Vortrage eines Verbandssekretärs über „Die Konsumgenossenschaften als Arbeitgeber und ihre Beziehungen zur nwdernen Arbeiterbewegung' eine Entschließung an, in der es u. a. heißt:

„Die letzte vom Verband ausgenommene Statistik zeigt, daß ein großer Teil der Konsumvereine seine soziale Pflicht als Arbeitgeber nicht er­füllt. . . . Die Generalversammlung verurteilt aufs schärfste das Verhalten einiger Konsumvereine, die ihren Lagerhaltern ben Beitritt zu dem Lagerhoiterverband verbiete», und fordert die Gewerkschaften auf, nur die Konsumgenoffenschaflen zu unterstützen, die das Stoati« tionsrecht ihrer Angestellten und Arbeiter respektieren."

Diese Anklagen richten sich gegen Kousumvereine, die unter sozialdemokratischer Verwaltung stehen. Also nicht nur schlechte Löhne und zu lange Arbeits­zeiten, worüber viele Lagerhalter schon lange geklagt haben, sondern auch noch Verkümmerung des Koali- tionsrechtS. Darüber sind ir der sozialdemokratischen Presse aber keine Entrüstungsarlikel zu finden. Es handelt sich «ben um „rote' Arbeitgeber.

r4- Erhebungen über die Inhaber des Eisernen KreuzeS 1. und 2. Klasse. Gegenwärtig lassen sich nur die in den amtlichen Handbüchern und Listen geführten Ordensmhaber mtt Bestimmtheit ermitteln, so daß die statistische» Angaben ü dieser Beziehung wesentliche Lücken aufweisen dürsten. Es ist nun in Preußen beabsichtigt, im nächsten Jahre ein­gehende Erhebungen über di« Inhaber des Kriegs» ordenS anstellen zu lassen, zu welchem Zweck die Provinzialbehörden heranznziehen sind.

* Eine Mobilmachung erfolgt — so meldet die „Germ.' — aber nicht etwa gegen Frankreich oder England eher irgend eine andere Ländecmacht, son- bern gegen die — Jesuiten, die am Niederrhein einen Einfall in das deutsche Reich verübt haben. Bei der bekannten Schwäche unserer Regierung gegen­über „miSlänbiscken Machten" hat die rühmlichst be­kannte „Täol. Rundschau' den heroischen Entschluß

Kundgebung gerade von ben Arbeitern, deren Auf- merksamkeit nach der Behauptung des Vorwärts von dem „Lebensmittelwucher und Steuerraub des Zen­trums" abgelentt werden soll, herrührt. So leicht sollte sich der Vorwärts ble Sache berat boch nicht machen. Der flammende Protest der organisierten nationalen Arbetter, ber gewiß auch tausenden Nicht- organtfterten aus dem Herzen gesprochen ist, ist der beste Beweis dafür, daß unsere Arbetterschast sich nicht mehr durch die verlogene Hetze der Roten täu­schen lassen. Der Vorwärts weiß übrigens genau, daß der Ausruf Wori für Wort die reine Wahrheit enthält und wett er das weiß, verlegt er sich aufs Schimpfen. Der vai Irlands frindliche Charakter ber Sozialdemokratie ist nie so offen zutage getreten, wie jetzt. Und wenn der Vorwärts bas Zeugnis ber nationalen Arbeiterschaft nicht gelten lassen will, so wollen totr ihm mit einem anderen Zeugen dienen, der gewiß nicht verdächtig ist, „die Austnerksomkeii dn schwierig werdenden Arbeiter von dem Lebens- mittelwucher und dem ©teuerraub des Zentrums ab­lenken' zu wollen. Es ist die „Freisinnige Zeitung". Das Organ des mit der Umsturzpartei verbündeten Freisinns schreibt zu der „Friedensdemonstration":

„Nun wirb wohl kein einziger Franzose oder Eng­länder glauben, daß Herr v. Kiderlen-Wächtei auf die sozialdemokratische Resolution hin sich des Rückhaltes, den ihm unsere Rüstung gewährt, begibt Insofern ist die Treptower Kundgebung nur ein Schlag ins Wasser. Aber dafür kann sie in anderer Be­ziehung einen schlimmen, von den Veranstaltern gewiß nicht beabsichtigten Erfolg zeitigen. Es ist leicht mög» lich, daß man sich im Auslände ein rettet, hinter dieser Resolution stehe, wenn nicht die Mehrheit, so doch ein außerordentlich großer Bruchtell der deutschen Nation, und es könne daher im Fall des Ausbruchs eines Krieges zu schweren inneren Krisen bet nnS kommen, die unsere Schlagfertigkeit illusorisch machen. Diese Erwägung kann gerade für dir Chauvinisten drüben — und deren Zahl und Einfluß ist nicht gering — ein neues Reizmittel sein, ihrerseits eine kriege» rische Entscheidung zu provozteren. Die Herrschaften würden sich srritich arg verrechnen. Aber das wäre bann gleichglltig; die Hauptsache ist, wir hätten gerade infolge der unbegreiflichen Haltung der Sozialdemokratie einen Krieg mtt allen seinen Schrecken."

Sehr richtig! Treffender konnte das frivole Trei­ben der Sozialdemokratie nicht gezeichnet werden, als es hier von ihrem Bundesgenossen geschieht Die Sozialdemokratie ist vaterlandsfeindlich und hoffent­lich trägt das hochverräterische Treiben der Genossen mit dazu bei, den zahlreichen Mttlöusecn ber roten Internationale noch zur rechten Zeit die Augen zu öffnen.

Deutsches Reich.

** Berlin, 6. Sept. 1911. Der Kaiser ist von der Flottenparade in Kiel m Potsdam einge» troffen. Ein türkisches Blatt meldet, Kaiser Wil» heim werde in Begleitung der Raifetin und der Kronprinzessin nächste» Frühjahr zum Besuch des Sultans nach Konstantinopel kommen. — Der preußische Gesandt« in München, Freiherr von S ch ö l z e r, beabsichtigt in den Ruhestand zu treten.

4- Zum Stand der Marokksverhandlungen schreibt der,Tag':

„Die nächste Untenebung in bei Marokko frage dürfte zwischen dem Reichskanzler und dem Staats­sekretär v. Kidetien-Wächter vermutlich im Lause des heutigen Tag«» stattfinden, da Herr v. Bethmann- Hollweg im Laufe de» heutigen Tages von Siet zurück­erwartet wurde. Wie bei seinem Eintreffen in Kiel hielt der Reichskanzler heute »ach der Abreife des Erz­herzogs Franz Ferdinand dem Kaiser an Bord der „Hohenzollem' einen längeren Vortrag. Bei dieser unmittelbar bevorstehenden Besprechung zwischen Reichs- kanzler und Staatssekretär dürste es sich vermutlich um bi« enbgtltige Feststellung der deutschen Gegen­vorschläge auf ben von ttambon überreichten fran» zöfischen Vertragsentwurf handeln. Mit um so größerer Spannung darf man der nächsten Zusammenkunft

o Eine «aiiMitaie Arbeiterkmrd gebung

ist ber Widerhall der sozialdemokratischen Friedcns- .bemonftration am Sonntag gewesen. Die braven Ge­stossen hatten sich tounber was von ihrer Demonstra­tion erträumt. Und nun müssen sie es erleben, baß sie nicht nur mit ihrer Kundgebung als solcher eine Schlappe erlitten haben — denn nach den überein» stimmenden Berichten ber gesamten bürgerlichen Presse -ist bie Demonstration em Schlag ins Wasser gewesen, ■jonbern es ist auch die erhoffte Wirkung auf die üb­rigen Arbeitermassen ausgeblieben. Die Reaktion auf baS vaterlandsfeindliche Treiben der Roten konnte nicht ausbleiben, dafür ist die große Mehcheit unserer Arbeiterschaft viel zu vaterländisch gesinnt.

Den roten Volksverrätern und Vaterlandsfeinden .ist aus berufenem Munde die richtige Antwort zuteil geworden. Der Ausschuß des deutschen Ä r b e i t e r k o n g r e s s e 8, der den Gesamtverband ,ber christlichen Gewerkschaften Deutschlands, die Ver­bände der katholischen Arbeiter- und Gesellenvereine Deutschlands, ben Gesamtverband der Evangelischen .Arbeitervereine Deutschlands und verschiedene nativ- nalc Verbände von Privat- .mb Staatsbediensteten mit zusammen iy4 Millionen Mitgliedern umfaßt, hat 'einen Aufruf erlassen, in welchem mtt aller Entschie- benhett gegen das Treiben der Sozialdemokraiie pro­testiert wirb. In bem Aufruf heißt es u. a.: i „Wir betrachten den Veriuch, eine so kritische Lage wie diejenige, in der sich bas deutsche Volk 'gegenwärtig befindet, auSzunutzm, um eine soziale Revolution vorzubereiten, als einen Verrat an ;«olt und Vaterland. Wir schätzen die Seg­nungen des Friedens, der uns seit 40 Jahren beschieden .ist und wünschen die Aufrechterhallung des Friedens. Umsomehr legt allen deutschen Volksgenossen die gegen» ’Wättige kritische Lage die Pflicht auf, die deutsche ; Nation einig und geschlossen zu erhalten, in dem Be- Jireben, unsere Volkswirlschast weiter zu entwickeln .und dem deutschen Volke Arbeit und Brot zu sichern, sowie stie Würde und das Ansehen des deutsch.Reiches zu wahren. sDas Gebühren der Sozialdemokratie ist leider nur zu ssehr geeignet, im Auslande den Elndruek zu erwecken, Als würde im Falle einer kriegerischen Verwicklung in 5Deutschland die soziale Revolution auLbrechen und die Widerstandskraft unserer Nation geschwächt sein. Es ist zudem im höchsten Maße eine Gefährdung des Friedens und ein indirekter Anreiz auf das Aus­land, eine friedliche Entwicklung Deutschlands und seiner Weltwirtschaft gewaltsam zu hindern, nicht zuletzt jum schwersten Schaden der deutschen arbeitendenSiände. Wir erheben gegen dieses vaterlandsfemdliche und Krbeiterschädigende Treiben der Sostaldemo- Irralie energischen Protest. Wir fordern zugleich alle ■Jtational gesinnten und christlichen Arbeiter und ?In- gefleltten auf, der Propagierung des voliincheu Massen­streiks mit aller Entschiedenbei: oni ,«azutreten. Der ^unterzeichnete Ausschuß etilen nauienS der l1/- Million Mitglieder ter ihm angeschlossenen Organisationen, daß die christlich gesinnten Arbeiter, Gehilfen, Be- stieirsieten und Angestellten solidarisch mit allen übrigen ^Ständen und Volksgenossen das Ansehen und die Ehre Unseres Vaterlandes in der Stunde der Gefahr ver­teidigen werden."

! Das ist bie richtige Antwort auf bie sozialdemo­kratische Demonstration. Der „Vorwärts" ist natür- mch außer sich vor Wut tinb wie es stets feine Art ast, wenn ihm unangenehme Wahrheiten gesagt wcr- ■beii. Es betitelt bie nationalgeflmtten Arbeiter als >>;Schwefelbanbe" unb glaubt, bie Kundgebung mit |£et lächerlichen Behauptung abtun zu können:

„Die klerikalen und antisemitischen Gaukler, die jbie bevorstehende Abbrechnung bei den Reichstagswahlen jwk den Tod fürchten, scheinen daS Marokkoabenteuer Dazu auSnützen zu wollen, um die Aufmerksamkeit der schwierig werdenden Arbeiter von dem Lebensmittel» wuchrr und Steuerraub deS Zentrums abzulenken, was Ihnen bei dieser Zeit der drohenden Hungersnot aller» Pings schwer gelingen soll."

? Das ist einfach dumm und einer Erwiderung nicht inert. Aber wir wollen boch nicht verfehlen, ben ^Vorwärts" daraus aufmerksam zu machen, daß, was Ir in seiner Wut anscheinend ganz vergessen hat, bie

Schloß Sonneck.

85J Roman von Felix Rabor.

s Wick atmete schwer unb seine Fäuste preßten sich wie Hämmer auf feine Brust. „Was Eie mir heute 'angetan haben," fuhr er fori, „bas trennt mich auf Immer von .Ihnen. Ich gehe aus Ihrer Fabrik, Denn bei Ihrem Anblick empört sich alles in mir, und ich weiß nicht, ob ich Sie nicht eines Tages Nieder­schlagen würde .. .'

Bergmann prallte zurück. . „Sie sind toll!' rief $t. „Sie drohen mir?'

„Nein — ich will mich nur vor mir selber schützen.'

„Aber wovon wollen Sie den» mtt Ihrer Familie leben? Sie müssen ja hungem!'

Wick schob die von schwerer Arbett eingesunkenen .Schultern vor und sagte: „Das find wir seit zwanzig -Jahren gewöhnt."

Vor ber Wucht biefer Anklage verstummte Berg­mann. Er schob ben Schein in bie Tasche, ging ein Paarmal auf und ab und sagte bann; „Ich will Ihre Worte nicht gehört haben, Wick. Sie sprachen im ßorn unb im Schmerz. Uebertegen Sie sich bie Sache ein paar Tage, dann reben wir weiter davon. Für heute lönnen Sie gehen.'

,, "2a — ich gehe,' sagte Wick, „aber für immer.* Und mit kurzem Gruße verließ er das Kontor

Bergmann sandte ihm einen Fluch nach. Wick be- -saß großen Einfluß bei den Arbeitern und war selber 'eine fast unersetzliche Kraft, die er sich erhalten wollte. t6r sprach daher mit Iris, daß sie Wick zur Vernunft bringe, allein sie lehnte es ab. Wick sei in seinem Rechte. Bergmann goß die ganze Schale seines Zor­nes über sie aus, nannte sie eine falsche Schlangelnd brohie, sie aus dem Hause zu jagen.

. Wick ging wirtlich — und unter ben Arbeitern es bie Unzufriedenheit von Tag zu Tag. Berg-

i zog es darum vor, für einige Zeit zu ver­schwinden. Er berief einen neuen Werkführer und Mßte im übrigen, so lange Iris im Kontor herrschte, Isis Geschäft in guter Hut. Alices Verlobung wurde