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Erstes Blatt

Fulda, Mittwoch den 6. September 1911

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38. Jahrgang

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der bekanntlich

irrt« Mitteilungen

Auf. Schritten.

Herzog Franz drücke seiner

denburgischen Adler. Die Mannschaften paradierten und brachten beim Passiere» der Kaiserjacht drei Hurras aus. Der Kaiser befand sich mit dem Erz­

nehmen neuerdings einen bevenklichen Charakter an. So wurde Montag in Fredriksstad ein Infanterist verhaftet, weil er mehrere Offiziere mit dem Seiten­gewehr angegriffen habe. Bei einem Lerhog gab er unumwunden zu, er hab« seine Vorgesetzten toten wollen. In seinen Taschen fand man bei der Unter- uchung mehrere Kartuschen und aufrührerische

bezeichne», wenn auch die Verhandlungen anscheinend nicht eine» so glatten Verlauf nehmen werden, als man vielfach bet unS und tu Frankreich anzunehmen geneigt war. Der ,Berh Lok>Anzch L._

xmn folgte das Flottenflaggschiff, da? sogleich aus ixr Linie schor, um der „Hobenzollern" zu folgen, danach wettere 20 Linienschiffe, 4 Panzerkreuzer, 8 kleine Kreuzer und 2 Minensuchdivisionen. Den Schluß bildete eine Unterseebootsflottille von 8

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über den Stand" der Marolloaugelegenheit brachte^ kam am Dienstag abend mit einer ausführlichen Darlegung über die gegenwärtige Lage heraus. Da allem Anschein nach auch dies« neuerliche

Sämtliche Schiffe postierten n einreihiger Formation unter genauer Jnnehal-

die Nervosität sogar sowett gesteigert, daß innerhalb 3 Tagen über en« halbe Million Sparkaflengut- haben abgehoben worden find. Ma« kann mit gutem Gewissen diese Rervosttät als unbegründet

stellung in Kiellinie genommen, während das Re» servelinienschiffsgeschwader und die kleine» Kreuzer westtvättS dampften. Nachdem die »Deuffchlarüt* die Kaiserstandarle gchißt hatte, folgte daS Schiff i»

Ausland.

** Belgien entschuldigt sich. Von zuständig w Stelle in Brüffel hat man sich wegen der Besudelung der Gesaudffchastsgebäude Deutschlands und Frank- kreichs mit unflätigen Inschriften offiziell entschuldigt. Eine Reihe Persönlichkeiten der belgischen Regierung haben dem deutschen Geschäftsträger ihr Bedauern ausgedrückt Eine polttische Tragweite ist nach den bisherigen Feststellungen dem Zwischenfall nicht bei- zumeffen.

* Die Unruhe« unter dem norwegischen MUitär

Deutsches Reich.

4" 3»ur Stand der Marokkoverhandlungen.

«k Eine neue Zusammenkunft deZ Herrn v. Kiderlen- Wächter und dem französischen Botschafter Cambon hat am Dienstag nicht stattgefunden. Die münd. Üchen Besprechungen werden erst in den nächsten Tagen ihren Fortgang nehmen. Voraussichtlich Serben einige Tage vergehen, bevor die deutsche ntwort dem Botschafter mitgeteilt werden wird.

Inzwischen macht sich in der öffentlichen Meinung «nige gesteigerte Nervosität bemerkbar. So­wohl in Straßburg wie im Rheinland und in Berlin Mgren Kriegsgerichte verbreitet. In Stettin hat sich

Fürstlichkeiten und die Gaste. Ein Teil der Gäste ging an Bord der „gela*. Es folgten dann Vor­führungen der Hochseeflotte nach einem be­sonder« Programm, und die Schiffe mit den Zu- schauern mußten sich von den Kriegsfahrzeugen entfernen. Die Flotte hatte sich getrennt und zwar hEe das erste und zweite Geschwader mit den P än­

dert Manöverflotte ein. Die Schiffe hatten Topp, flaggen gesetzt und gaben Salut. Die Schiffe führ­ten im Vortopp die deutsche, im Großmast die ostenetchlsch-mtgarifche Kriegsflagge, das Linie n-

Kundgebung des Berliner Blatter ans offiziösen Ursprung zurückzuführen ist, so dürfte es unsere Leser intereffteren, näheres darüber zu erfahre». Da» Blatt schrewt:

.Der Bern dem Botschafter der französischen Re­publik überbeachte umfaffexBe Vertragsentwurf- der zurzeit unserem Auswärtige« Amt zur Prüfung unter­liegt, bietet für eine schleunige Erledigung der leidige» Marokkoangeleaenhett vorläufig nur geringe Aussicht. Co viel wir wtffeu, ist unsere Regierung zurzeit mit der Ausarbeitung von Segenvorschläge» beschäftigt. Wie eS auch fa der französischen Presse feit einiger Zett schon betont wird, scheint Frankreich inbezug auf Terrttorialkompensattonen nicht knauser» zu wollen, wen« in Marokko in seinem Sinne reine Bahn geschaffen wird. Soweit wir unterrichtet find, liegen die noch zu überwindenden Schwierigkeite« aus anderem (Bettete.*

Das Blatt geht da»» auf diese Schwierigkette« des näheren em und bezeichnet als größte Schwierig­keit den »beinahe unbegrenzten Einfluß, den eise rücksichtslose und gierige Oligarchie von Spekulan­ten und Kapitalisten seit Jahren auf alle sich em- anderfolgenden Regierungen der Republik und durch die Presse auf das französische Publikum auSübt*. Im weiteren wird dann betont, daß Frankreich in Zukunft, wenn es in Marokko polittsches Recht ausüben wolle, direkt und persönlich ht ganz Ma­rokko sür Leben und Eigentum jedes deutschen Untertanen verantwortlich fein müsse, und Kiffer Grundsatz könne nicht scharf genug m dem ab­zuschließenden Vertrag« betont werden, falls der- selbe zu einem befriedigenden Abschluß komme. Endlich wird bezüglich der wirtschaftlichen Zu- gefiändniffe in Uedereinstimmung mit der von uns stets vertretenen Forderung betont, daß Frankreich die weitest gehenden Garantte» geben müsse. Eine weitere Schwierigkeit scheint die Verwendung ein­geborener Truppen auf europäischem Boden den Verhandlungen zn bereiten, jedoch wird dieser weniger Bedenlnng beizumeffeu sein.

In der Auslassung des LokalanzeigerS wird ausdrücklich betont, daß auf den Einspruch gegen die Aufstellung von marokkanischen Truppen und ihre Verwendung auf europäischem Boden weniger Gewicht gelegt werde, ^nächst werde die Be­friedung Marokkos noch sür viele Jahrzehnte hinaus Truppen facher«, nicht aber die Anwerbung von Kriegern Mm Dienst der Ungläubigen gestatte». Zum Schluß wich noch einmal darauf hiugrwieseu, daß eine Befitzergreisung und Besiedelung des SuS- gebietes unzweckmäßig sei. Erstens sei da garnichtS oder nut sehr wenig mehr zu besiedeln, da da» Land schon ausreichend besetzt sei und zweitens hätten wir kaum Siedler, die dahin paffen, und schließlich würde die Besitzergreifung dem Reich gewaltige Opfer anferlegen. Sie würde für das Deutsche Reich nicht mehr und nicht minder bedeuten als eine neue und sehr gefährliche und dabei vollkommen unnütze Achillesferse.

Das ist auch unsere Ansicht. Nach der oben wiedergegebenen Schilderung steht die Sach« also jetzt so, daß die Hauptschwierigkett in den von französischer Seit« zu machendrn wirtschaftlich«« Konzessto»«» zu erblicken sind. Wir meinen jedoch, daß diese Schwierigketten bei gutem Wille« Frank­reichs wohl zu überwinde« sind. Den» darüber muß man sich in Frankreich doch ohne weiterS klar sein, daß der gänzliche Verzicht deS Deutschen Reiches auf Marokko nur gegen weitreichende wirt­schaftliche Zugeständnisse zu erreichen ist. Und von der deutschem Regierung darf man wohl mit Recht erwarte«, daß sie sich auf diesem Gebiete den französischen Ansprüchen gegenüber nicht nach­giebig zeige« wird.

geschwader und setzte sich an die Spitze der ersten Division, worauf die Manöver fortgesetzt wurden. Damtt hatte die offizielle Flottenschau ihr Ende ge­funden. Um 2 Uhr war Mittagstafel beim Chef der Hochseeflotte für die auf der „Deutschland* ein» geschifften Fürstlichkeiten und Gäste.

■4- DaS preußische Staatsmimstrrium wird voraus­sichtlich bereits Ende nächster Woche seine Beratungen ebenso wie der BnndeSrat aufnehmen. DaS Staats- Ministerium wird, der »Post* zufolge, zunächst Stellung zu der Frage der Landtagseinberufung nehmen und sich mit der Beratung des WaffergesetzeS befassen. Wie bestimmt verlautet, wird der Land» tag erst im Januar 1912 einberufen werden; ob ihm daS Waffergefetz zugehen wird, ist noch un­bestimmt, da die Absicht besteht, di« Session des Landtages nicht zu sehr zu belasten.

* Bauernbund und Schutzzoll. Der liberale Deut­sche Bauernbund erllärt in seinem Organ, »daß der Bund auf dem Boden der Schutzpolitik stehe und daher seinem Programme nach nur solche Kandida­ten unterstützen könne, die für die Beibehaltung derSchutzzölle in derheutigenHöhe eintre­ten. Wenn deshalb der Deutsche Bauernbund irgend­wo einen Freisinnigen unterstütze, so wäre ba8 nur da der Fall, wo dieser sich zum Schutzzollprogramm deS Deutschen Bauernbundes bekannt hätte*. Das Wirt­schaftsprogramm der Freisinnigen lautet aber auf Freihandel. Einige Freisinnige wollen allerdings zugestehen, daß man durch allmählichen Abbruch der Schutzzölle zum Freihandel zurückkehre. Ent­spricht da» auch dem Schutzzollprogramm des Deut­schen liberalen Bauernbundes? Sßerben dessen An­hänger auch für einen solchen Freisinnigen stimmen, der den Abbruch der Schutzzölle will?

* Ueberaü Grenzen auf! Grenzen auf! heißt es in Deutschland. I» Frankreich findm Re­volten statt, um die Oeffming der Grenzen zu erzwin­gen; in Belgien beginnen Protestversamnilungen für Oeffmmg der Grenzen. AuS Oesterreich kommt der Stuf: Grenzen auf! Man könnte noch ein halbes Dutzend von Ländern nennen, wo auch dieser gedankenlose Stuf ertönt: Woher sollen denn da di« Lebensmittel kommen?

* Beschimpfung des Heiligen Vaters. Die »Tägl. Stundschau*, das Organ des ©hanget. Sunb«8, lei­stet sich folgend« unverschämte Gcobhett gegenüber dem Lkerhcmpt der katholischen Kirche:

„State Ziel« der Kurie? Wie mir meldeten, soll bet Papst ein Schreiben vorbereitet haben, in dem er sich gegen die Todesstrafe auSsprechen will und daS allen Herrscher«, Staatsoberhäuptern und gesetz­gebenden Körperschaften zugedacht fein soll. Stimmt da» wirklich, bann sollte der Heilig« Vater doch die- Schreiben wieder in die Schublade stecken. Selbst wenn er darauf verzichte« müßte, ausnahmsweise ein­mal ben Beifallsruf deS .Vorwärts' buchen zu können. Er ist doch »och nicht bet Großvater Europas. Und wen« er durchaus seltsame Kundgebungen ver­anstalten muß, so ist doch fein rein kttchenpolitischeS Gebiet groß genug dazu."

Wir geben wohl nicht fehl in der Annahme, daß eine so erbärmliche Schimpferei deS evangelischen Sun» desblatteS von anständigen protestantischen Kotts« entschied« Verurteilt wird. In den Augen der Ro- tholiken sind solche Leistungen ohne weiteres gerichttt; die Liebe und Verehrung der Kacholiken zu ihrem obersten Hirten wird durch berariige perfide Verdäch­tigungen lediglich verstärkt werden.

+ Teilnahme der Preffe am Etrafrrchtsansschnß. Zu den wetteren Beratungen der Kommission für das neue Strafgesetzbuch sollen, wie die »Post* erfährt, auch Vertrtter der Preffe hinzugezogen werden. Die Hinzuziehung von Verttetern der Presse wird be­nötigt, wenn di« strafgesetzlichen Bestimmungen fest­gesetzt werden, welche die Presse angehen. Insbe­sondere wird eS sich dabei, wie bekannt, um Be­leidigungen durch die Presse und andere Preßdelikte handeln. Wie lange noch die Beratungen der Kommisfion, die am 18. September wieder aus­genommen werden, dauern werden, ist jetzt noch nicht abzusehen. Der Staatssekretär de» Reichsjustiz- amteS hat die voraussichtliche Dauer der Kommissions­beratungen ungefähr auf 1 Jahr bemessen, sodaß als Ende der Kommissionssttzungen, die am 4. April 1911 begannen, das Frühjahr des Jahres 1912 cmzusehen wäre.

ReichstagswahlvorbereUrmgen.

* Lauterbach, 6. Sept. 1911. In einer national» liberalen Vertrauensmännerversammlung wurde Land- wirffchaftslchrer H e ck-AlSfeld als nationallibe­ralen ReichStagSkandidate« aufgestellt. Jedoch wird mit Stücksicht auf die Verhandlungen mit der fortschrittlichen Volkspartei die offizielle Prokla­mierung der Kandidatur erst am 25. September er­folgen.

rX Die Kriegsangft in Belgien.

In Deutschland ist man sehr ruhig, in Frankreich ziemlich ruhig, aber in Belgien ist man unruhig. Wenn zwei sich stteiten wird der Dritte nervös.

Belgische Minister und Generäle haben beson» dere Beratungen gehalten und außerordentliche Maßregeln vorgenommen zur Armierung und Ver- proviantierung der Festungen usw. Und doch soll Belgien nur die Rolle des Neutralen spielen. In Deutschland aber, das im Ernstsall den grimmigen Kampf zu bestehen hätte, hat man nichts von außerordentlichen Sitzungen oder Maßnahmen ge­hört, Die Dinge gehen dort ruhig ihren gewohnten Gang. Man sagt sich: Es wird Wohl nicht zum Klappen kommen, und sollte es doch dazu kommen, nun, dann machen wir ebenso wie int Juli dar bet reffende Aktenfach auf. Da liegen alle Pläne, Verfügungen ufw. hübsch vorbereitet darin. Es braucht nur festgestellt zu werden, welches Datum vls der erste Tag der Mobilmachung gilt; das Wei­tere regelt sich dann von selbst, ohne daß die Mi- Nister oder der Generalstabschef ihre Suppe kalt tverden zu lassen brauchen.

Deutschland ist bereit für alle Fälle. Bel­gien aber ist für die Aufgabe als neutraler Staat 'Nicht bereit. Daher die Unruhe, das Nachholen von ^Versäumnissen, die Nervosität. Ob Frankreich wirb» sich bereit ist, lassen wir dahingestellt, die Franz». feit scheinen es ja zu glauben.

So lange der Frieden ganz gesichert ist, haben die sog. neutralen Staaten es gut. Sie machen sich .ihre Rüstungen so. leicht als möglich; der Waffen­dienst ist mehr Spielerei, als Schweißarbeit, und die Militärischen Einrichtungen sind meistens billig Md schlecht. Die Bürgerschaft dieser kleinen Staaten freut sich, daß sie nicht im Joche des Milstarismus zu stöhnen und zu steuern braucht, wie die Bürger .der Großmächte, die ihrem Ehrgeiz fortwährend die schwersten Opfer bringen müssen. Aber wenn nun die Lage kritisch wird, dann ändert sich da? Bild. Der Neutrale wird sich einerseits der Gefahr bewußt, daß sein Land zum Kriegsschauplätze gemacht Merde, und andererseits seiner Unfähigkeit, sich selbst zu helfen.

Der neutrale Staat hat P f l i ch t e n zu erfüllen. Menn ein Heer einer der kriegführenden Mächte .Über seine Grenze tritt (freiwillig oder gezwungen), ff» muß er dessen Entwaffnung durchführen. Vermag j!r die Uebergetretenen nicht zur Niederlegung der bestimmen, so erhält der Gegner das 1 Land nachzurücken, und so wird dann das neutrale Volk von den Schrecken

des Krieges heimgesucht.

Für Belgien ist diese Gefahr tat- ächlich nicht gering. Wenn Moltke 1870 en Ring um Sedan nicht so kunstgerecht und fix eschlossen hätte, so würde ein großer Teil der fran- Hvsischen Armee über die belgische Grenze geschlüpft Jein. Die Einkreisung Bourbackis im Süden gelang bekanntlich nicht so gut, und deshalb mußte die Schweiz sich die unwillkommene Stnquartierung tzefallen lassen und die Entwaffnung vollziehen.

Nicht bloß eine fliehende Armee, sondern auch -ine vordringende kann zur Grenzüberschreitung sich heranlaßt sehen. Daß ein deutscher Heerführer frei» Millig die Neutralität Belgiens verletzen würde, hal­ben wir für ausgeschlossen. Aber Frankreich hm vermutlich geringere Scheu. Ein ähnlicher Unter­schied zeigt sich ja in der Annektierungsfrage. Deutschland könnte den belgischen Bissen nicht ge­brauchen, auch wenn er zu haben wäre. Frank­reich aber könnte sich durch das wallonische Belgien .trefflich „arrondieren". Deutschland hat auch stets Jt>ie Bestrebungen der Holländer und Belgier, ihre Neutralität widerstandsfähig zu machen, sympathisch gehandelt. Als Holland aber Vlissingen ernst­haft befestigen wollte, erhob man in Paris Ein­spruch. Man wollte nicht, daß den befremdeten Eng­endem das Landen an der niederländischen Küste Erschwert iverde. Dieser Zwischenfall erinnert nun auch die Belgier daran, daß sie für den Fall eines französisch-deutschen Konflitts mit der Einmischung Englands zu rechnen haben und daß England gewiß -richt skrupulös sein wird in der Benutzung belgischer Häfen.

Belgien wird jetzt nervös, weil sein Militär- jvefen nicht auf der Höhe der Zeit steht. Bei einer prüften Kraftprobe wird es den Spott und den Schaden haben. Hoffentlich kommt es jetzt nicht zu Einern Konflikt. Aber die Belgier sollten sich au3 dieser Beunruhigung doch die gute Lehre ziehen, Haß sie etwas mchr tun müssen für die Wehrfähig­keit ihres schönen und reichen Landes. Auch die kon­servative Partei in Belgien wird, wenn sie am Ruder pleibt, ihre Scheu vor Heeresdiest und Heeresaus- aaben noch in toeiterem Maße ablegen müssen. Trotz aller schönen Aufmachungen, wie Friedens­kongresse und Schiedsgerichtsveriräge usw., fft doch in dieser mangelhaften Welt nach wie vor der Staat g die Selbsthilfe gestellt. Wer sich nicht

reu kann, kommt auf die Dauer nicht zu Ehren.

h die sog. Neutralität, mag sie auf den besten Pergamenten verbrieft sein, hat nur so lange re> JÜen Wert, als eine Macht dahinter steht, die den Respekt vor der Neutralität erzwingen kann.

Rn» Perfim meldet bi« »Petersburger Tele» graphrn-Agentur*: I« Astrabad verlautet, Prine Schua «S Saltaueh habe ein« Abteilung von Re- gierungstruppen unter Serdar Fatich zerstreut. Serdar Fattch selber stt gefangen genommen worben.

** Du Opposition gegen di« Eiseubahnpolittk der chinesisch« R-giermrg dauert in Tscheng-tu-Fu fort Die Regierung hat den Generaldirettor der Ccmton— Hankau und der Hankau—Szechucm Eisenbahnen Tuan Fang angerotefen, sich dorthin zu begeben und den Vrzekönig von Szechuan beauftragt, auch fer er« hm eine feste Haltung zu bewahren und energische Vorsichtsmaßregel« zum Schutz von Lehen und Eigentum zu ergreife«.

Y. Mittelstand.

Direktor Neuhaus vom Königsberger Statisch, schen Amt hat an Hand amtlichen Materials nach­gewiesen, daß die Zahl der Selbständigen in Deutsch­land feti 1882 keineswegs abgenommen hat, ja zum tul sogar absolut gewachsen tft In der Landwirt- schäft zählte man 1882 2,290,000 und im Jahre 1907 2,500,000 selbständige Betriebe. Dem Han­del lagen 1882 , 701,500 und 1907 wohlgezähltr 1,012,200 Selbständige ob. Einen wenn auch ge­ringen Rückgang der Selbständigen hat freilich di« Jndusttie zu verzeichnen. Statt 2,201,000, mit denen das Jahr 1882 paradieren konnte, erscheinen jetzt nur noch 1,977,000 Unabhängige in den Akten. Alles in allem wirkten 1907 in Deutschland 5,490,000 Selbständige gegen 5,190,000 im Jahr« 1882. Diese Zunahme ist gewiß gering; sie be­deutet aber alles andere eher als den ost aus- Poscmnten völligen Ruin des Mittelstandes.

Wenn die letzte Berufszählung ergab, daß die zum „neuen Mittelstand" gehörenden Ingenieure,' Chemikr, Zeichner, Architekten, Werkmeisters Bureauangestellte v-m 263,000 int Jahre 1895 auf 686,000 im Jahre 1907 gestiegen sind, fo werde« die Leser eine fo rapide Steigerung mit gelindem Zweifel aufnehmen und leicht einer Zuschrift an die „Köln. Ztg." recht geben, welche diese ausfällige Erscheinung auf die — Titelsucht zurückführt. Ge­rade in ben beiden letzten Jahrzehnten habe di« Titelsucht ungemein zugenommen. Warum hat man den Diplom-Ingenieur mit staatlÄhem Doku­ment erfunden? Werl jeder, der mit Schraubstock und Feile hantiert und daneben ein wenig theo­retischen Abendunterricht genossen, zum Ingenieur auswuchs. Heißt doch schon mancher Hetzer „Jw- genöri'. In Amerika ist die Bezeichnung Ingenieur für tiefe Klasse von Sorten fo allgemein, daß man dort bei Erwähnung eines wirkliche« Ingenieur- Mühe hat, feine Gedanken vom Dampfftocher lot- zulöfe«. Wieviele von den Arbettern deS Wasser» leitung»-, der Elektrizität», und de» Gasbetriebes, die bei Reparaturbedürfnissen in die Häuser geschutt werden, sind au» Monteuren bereit» Tvchniker ge­worden? Auch der Kontorlehrling richtet sich stolz aus, wenn der Vater auf der Zählkarte ihn der Rangliste der Koniorangestellten oder der Kommi» zuteilt Er bekommt ja auch schon lange nicht mehr zu Weihnachten die seidene Weste, sondern 300 Mk. Salär.

In dieser Betrachtung steckt sicher ein richtiger Kern; aber es wäre pnrichtig, dieses Streben, au» seiner Sphäre herauszuwachsen und sich wohl­klingende Titel beizulegen, als Hauptursache der überaus starke« Vermehrung hinzustellen. Auch Dr. Neuhaus, der Direktor de» Königsberger Sta-: tistischen Amts, macht darauf aufmerksam, daß z. B. die größeren Ansprüche, die an das Bon- gewerbe in den letzten Jahren bei Ausführung der Immer umfangreicher werdenden Baulichkeiten ge­stellt worden sind, zu einer Vergrößerung des tech­nisch gebildeten Personals geführt haben, das von 1895 auf 1907 um 255 Prozent zugenommen hat. Oder man denke daran, daß gerade in die Zeit zwi­schen den beiden Berufszahlungen der Aufschwung Der Elektrotechnik gefallen ist, der auch eine überaus große Zahl von Ingenieuren angezogen hat. Jeden­falls liegen die eigentlichen Grunde für das An­wachsen der Angestelltenzahl in der wirtschaftlichen Entwicklung und nicht in Aeußerlichkeiten.

Stellte man beide Erscheinungen, die Vermeh­rung der Zahl der Selbständigen im alten Mittel­stand und Der Ungeteilten im „neuen Mittelstand* nebeneinander, so liegt die Schlußfolgerung auf der Hand. Insbesondere die Aussichten des alten Mit­telstandes sind keineswegs hoffnungslos. Freilich lassen sich die Zahlen der Statistik drehen und deuteln — sagt Richard Nordhausen hn „Tag" — und ganz sicher hat sich der Anteil des Handwerker­standes am nationalen Einkommen sehr beträcht­lich verringert; den Wohlstand seines Vorganges aus ben achtziger oder gar den siebziger Jahren erreicht der Handwerksmeister von heute auch nicht einmal mehr annähernd. Nichtsdestowniqer haben mit- telstandSfreudige Polftiker keinen Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. Noch fft hn Grunde nichts verloren. Vernünftige Gesetze, die den Klemen vor der Uebermacht schützen, können noch alles retten. Erinnert sei hier nur an die Not­wendigkeit, den Bauhandwerker vor dresstem und überlegtem Betrug zu bewahren. Wenn man er­wägt, welch ungemessene und immer gleichbleibende Kraft jahrtausendelang dem deutschen Mittelstände zu Deutschlands Wohl entflossen ist, so sollte mtt ganzer Energie an seiner Erhaltung gear­beitet werden, ehe denn die Nacht hereingebrochen ] •

»US «irche und Schul«.

n FuNia, 6. Sept. 1911. Der hochw. k. David Miebach 0. F. M., bei am 20. August von hier aus bie Reise nach Japan dortreten, schreibt au8 Rom unter dem 3. September;

„Endlich ist heute der letzte Tag meine» Verweilens in der ewigen Stadt angebrochen. Soviel Rom auch an Sliter« und Heiligtümern und Sehenswürdigkeiten, au bieten vermag die Stadt kann mich _bte5mal nichts