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Jtö 202.

elend«! tot 5. September |9N

M. Jahrgang.

• fuldaer U Zeitung

2. Vlaü.

8rn4 und Verlag der 5«lda«r Aeiiendruckerei iw Znlda.

Deutsches Reich.

).( Ein fortschrittlicher Schuhzollner. Im Kreise Rotbenbura hat der Druliche Bauernbund btt ttZtaftSSfl des Kandidaten der fortschrittlichen GS9befd)Iofftn. Im .Wochenblatte des Bauernbundes" wird jetzt mitgeteilt, daß der Kan- bibat der fortschrittlichen Volksparlei, Gutsbesitzer «wfA« in'Landsberg, schriftlich sich auf den Boden dcZ Programms des Deutschen Bauernbundes und auf den Boden der heutigen Schutzzölle ^stellt habe. — Mehr kann man von der Charakterlosigkeit unseres heutigen Fortschritts nicht verlangen!

0 Sind Dienstwohnungen steuerpflichtig? Das Oberverwaltungsgericht hat in feiner bisherigen Rechtssprechung die Ausfassung vertreten, daß die in staatseigenen Grundstücken untergebrachten Dienst­wohnungen gemeindesteuerpflichtig seien. Von dieser Nuffassung ist das Oberverwaltungsgericht neuer­dings jedoch abgekommen. Es hat in mehreren Entscheidungen erkannt, daß die in oder bei Staats- gebäuden eingerichteten Wohnungen von beamteten öder nichtbeamteten Angestellten ebenso wie die im dienstlichen Interesse eingerichteten Dienstwohnungen der aktiven Militärpersonen nicht gemeinde­steuerpflichtig sind, wenn sie unmittelbar zum öffentlichen Dierttt bestimmt ftrb.

** Der sozialdemokratische Maulkorb. Das sozial­demokratische Stadtratsmitglied in Neustadt a. H., Köppe, hat dec .Franks. Ztg." zufolge, plötzlich sein Amt niedergelegt mit der Begründung, er lass e sich von seinen sozialdemokrat. Fraktions- kollegen le in en Maulkorb Vorhängen. Herr Koppe war der Meinung, daß er nur in poli­tischen Dingen mit seinen Fraktionskollegen einig sein müsse, in kommunalen Fragen aber gegebe- tenfalls.seine eigene Meinung haben dürfe. Daraus Inb ihm Schwierigkeiten entstanden, die zu seinem Rücktritt führten.

f. Zur Verständigung der Deutschen tu Bosen erhält die .Post" von parlamentarischer Seite eine Zu- sckrift, in der dringend zur Einigkeit gemahnt wird. Die im Weg stehenden Schwierigkeiten, wie groß sie immer seien, müßten im deutschnationalen Interesse überwunden werden. Daß dieses Ziel sticht ohne Opfer von beiden Seilen zu erreichen ist, heißt es zum Schluß, liegt auf der Hand. Aber solche Opfer im Interesse der deutschen Sache zu bringen, ist die patriotische Pflicht aller Parteien und zwar der Liberalen nicht minder wie der rechts« Stehenden Parteien. — Daß den Herrn Hakatisten >ie Uneinigkeit der Deutschen in Posen allmählich 'ünfängt, unheimlich zu werden, glauben wir recht gern. Aber sie dürfen sich nicht beklagen; denn gerade sie sind cs, die diese Uneinigkeit herbeigesührt haben.

Ans dem Nüchbargeblele.

[] Traisbach, 4. Sept. 1911. Eine seltene Jagd­beute machten gestern abend einige Jagdpächter Von hier. Sie erlegten eine Wildkatze, welche Hine Länge von 90 Zentimeter und eine Höhe von 10 Zentimeter aufwies. Ein Exemplar von dieser Größe dürfte in unserer Gegend wohl kaum je er­legt worden sein.

.' * Vom Kreuzberg, 5. Sept. 1911. Von Brückenau aus bestieg am letzten Freitag ein dortiger Kurgast den Kreuzberg. Er wollte abends Uhr den Rück­weg nach Wildflecken antreten. Bei der Steigung, und zwar bei dem Steg, glitt er aus und erlitt einen Beinbruch. Da den Weg abends niemand mehr passiert, mußte der Verunglückte bis gum Morgen hilflos liegen bleiben. Seine Frau, die inzwischen ängstlich geworden, machte sich Samstag früh auf nach dem Kreuzberg und fand ihn an der oben bezeichneten Stelle. Der Verunglückte wurde darauf nach Brü­ckenau in ärztliche Behandlung verbracht.

i i. Hechelmannskirchen, (b. Burghaun), 4. Sept. 1911. Hier mußte zur Notfchlachtung eines Rindes geschritten werden, da? wahrscheinlich an Milz­brand erkrankt war. Ein hiesiger Einwohner, ein Mann in den besten Jahren, der die Abschlach­tung vornahm, zog sich dabei eine Blutvergis- t u n g zu, der er bereits nach zwei Tagen zum Opfer fiel.

* Frankfurt a. M., 4. Sept. 1911. In der Maschinenfabrik Pokorny u. Wittekind explodierte

Schloß Sonneck.

33) Roman von Felix Nabor.

„Glückliche Jugend," dachte Iris. „Die kennt we­der Sorgen noch Not und nimmt das Leben als leich­ter, frohes Spiel, dem stets ein heiterer Morgen folgt." i Sie trat in die ruß- und rauchgeschwärzte Fabrik. Der tosende^Lörm, der ihr entgegenbrauste, das Knar-- ten, Aechzen und Sausen der Räder, das Zischen des Dampfes, düs Klingen und Dröhnen der Hämmer, das Raffeln der Maschinen: all das klang wie ein ge­waltiges, donnerndes Lied durch das Tal — wie das Heldenlied der Arbeit, das trotzig und kühn seine eherne Melodie in die Welt hinaussingt. —

Sie blickte noch einmal zurück nach dem weißen, leuchtenden Schneefeld, das sich mit bunten Gestalten leichte, und eine stille Sehnsucht erfüllte ihre Seele > das Heimweh nach dem Jugendlande mit seinen fußen Märchenträumen. Aber das lag weit hinter ihr und war dahin — ewig verloren!

■'t Iris schloß einen Augenblick die Augen und trat Hann ein. Der Traum war vorüber, das Leben for- ,'erte sein Recht. Auch ih fang das Leben eine rau­chende Melodie ins Ohr: „Auf, an die Arbeit!"

12.

Leo Bergmann, Baron Weißenhofen und Alice aßen beim Wein. „Man sollte jedes wichtige Ge­schäft mir einem Opfer an Bacchus einleiten," sagte f 1 ergmann. „Es bekommt dann gleich ein anderes

L Besicht — ein helleres. Und die Geschichte mit dem .Auto sollten Sie sich einmal überlegen. Baron. Das , st doch etwas anderes als Ihr armseliges Gig. Auch Hr Kaiser treibt diesen Sport."

t Bergmann war nun einmal im Zug; et setzte sei- Mm Gaste die Vorteile des „Automobilismus" ausein­ander und pries seine „Weiße Alice" als ein Wunder­werk. Dann kam er auf die große Zukunft zu spre­chen, die dem Automobil bevorstehe. „Sehen Sie", sprach er, „da liegen Millionen auf der Straße und Jan braucht sie bloß aufzuheben. Das Fahrzeug der

der Luftzylinder eine« Gasmotors, wodurch der Maschinist Mott so schwer verletzt wurde, daß er bald danach verstarb. Mott ist erst vor 9 Monaten dadurch verunglückt, daß ihm ein Dampfventil an den Kopf flog. Er hatte nach längerer Krankheit vor 3 Wochen die Arbeit wieder ausgenommen. — Der Frankfurter Automobilklub hat beschlossen, aus Anlaß des von uns bereits erwähn­ten Reklameauffatzes der französischen Pneumatik- Fabrik Michelin, der von Beleidigungen gegen den deutschen Kaiser strotzte, hinzuwirken, daß die Marke Michelin in Zukunft von allen deutschen Automobilisten boykottiert werde.

X Stöffel, 3. Sept. 1911. In der letzten Vor­standssitzung deS Fremdenverkehrsvereins wurde noch einmal Betont, daß nach den überaus glän­zenden Gutachten der geologischen, chemi­schen und medizinischen Sachverständigen auf W i l- helmShöhe eine Quelle erschlossen werde dürfte, die unserer Stadt den Weg zu einem Weltbad eröffne. Eine kohlensaure Kochsalzchcme von her­vorragenden Qualitäten ist gefunden worden. Nun handelt eS sich darum, diese Quelle durch eine neue sachgemäße Bohrung zu erschließen. Diese erfordert ein Kapital von 200 000 und soll in 9 Monaten vollendet sein. Der Betrag soll zunächst durch An­teilscheine von je 100 M aufgebracht werden, vor­nehmlich von jenen, welche als Grundsstücks- oder sonstige Jntereffenten aus dem Werden des Bades einen unmittelbaren Vorteil haben werden.

* Aschaffenburg, 3. Sept. 1911. Um den kollofsalen Preistreibereien mit Kartoffeln zu be­gegnen, wird der hiesige Magistrat Veranlassung nehmen, Kartoffeln von auswärts zu beziehen und rum Selbstkostenpreis zu verkaufen. — Erschossen hat sich in einem Gesträuch auf dem großen Exer- z-erplatz der wegen emes Stttlichkeitsverbrechens verhaftete und r ach seiner Vernehmung wieder in Freiheit gesetzte Wechselwähler Jmmrnmiec.

♦ Würzburg, 30. Ang. 1911. Unter der albernen Swmmke „Ein kühner Sprrug^r" schreibt das „Würzb. Journal":

„Der frühere Obmann des „Kath. Votksoerelns'' und präsumtiver Zentrumskanoioat für den Wahlkreis Würzburg-Land, Herr Franz Grrtiq, ist vom Ecken« bahnsekreiär zum Verwalter beckck.oert worden. Das wäre nun an sich nichts besonders Merkwürdiges. Aber man sagt unter den Eisenbahnern, Herr Gerl'g habe nicht weniger alS f>2 Vorlruir übersprungen, und zerbricht sich den Kopf darüber, welcherlei Verdienste wohl das Sprungbrett zu diesem RiesrnsprMg gebildet baden mögen. Sein Glaub« allein kann ihm doch nicht geholfen haben."

Ter Schreiber dieser Zeilen tenni den Beför­derten nicht, er weiß auch nicht, welche Quali- i fikation ihm ausgestellt wurde. sD.is weiß >edeu- falls auch das Demokratenblatt nicht!) Eins aber zu sagen sei trotzdem gestattet, daß es sich nämlich geradezu zu systematischen Schnü >' selei heraus- wächst, wie gern ffe Blätter gegen Beamte Hetzen, die nicht ihrer politischen Meinung sind. Wir zweifeln keinen Augenblick daran, daß der so be­fehdete Beamte die Beförderung verdient hatte, die gegenteilige Meinung wäre ja eine Beleidigung für dessen Vorgesetzte. Was die „vorzugsweise" Beförderung anbelangt, so ist diese bei der Eisen­bahn bekanntlich seit Jahren gang und gäbe. Die- bestqualifizierten Beamten werden eben „vorzugs­weise" befördert. Daß die Tatsache, daß Herr Gerlig Obmann des „Kaih. Volksvereins" war, ein Ausschließungsgrund von der Beförderung im Staatsdienste bilden sollte, kann wohl selbst ein Demokratenblatt, wie es daS „Würzburger Journal" ist, nicht verlangen. Und wir glauben, daß es geradezu ein Verdienst um Staat und Gesellschaft rst, wenn es noch Beamte gibt, die ihre freie Zeil benützen, um sich in den Dienst von Organisationen zu stellen, deren ganze Lebensaufgabe in der ent» fchiedenen Bekämpfung aller Monarchie» und staats­feindlichen Bestrebungen gipfelt. Das ist eines Staatsbeamten nicht unwürdig, sondern im höchsten Grade würdig und — entsprechend.

* Limburg, 4. Sept. 1911. Limburg ist aus eigenartige Weise um das ihm bei der Revision des Eichwesens zugedachte staatliche Eichamt gekommen. Der Fiskus hatte bereits, wie das ja auch in Fulda geschehen ist, von den städtischen Körperschaften die Zusage erhalten, daß ein geeig­netes Lokal für das Amt zur Verfügung gestellt werden solle. Genüsse Einflüsse haben es fertig

gebracht, daß der Name der Stadt Limburg au8 den Akten verschwand und an seine Stelle Diez gesetzt wurde. In Limburger Bürgerkreisen ist man mit dieser Verlegung des Amtes nach Diez durchaus nicht einverstanden. Limburg liegt nämlich für die in Betracht kommenden Kreise zentral, ferner haben die Hauptinterefsenten (3 Brauereien mit einem jährlichen Ausstoß von zusammen ca. 60000 Hekto­liter Bier) ihren Wohnsitz in Limburg, während in Diez auch nicht eine einzige Brauerei ist. Man hofft in Limburg, daß in der Angelegenheit das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.

Amt Geisa und Umgebung.

* Vacha, 5. Sept. 1911. Die hiesigen Mahlmüh­len leiden unter großer Wafferarmut, sodaß es ihnen fast unmöglich ist, zu mahlen. Für diejenigen, welche ihre Brotfrucht hier mahlen lassen, ist das sehr fatal. Trotz ausreichender Getreidevorräte besitzen sie kein Mehl, sodaß sie schließlich solches aus Mehlhandlun­gen kaufen müssen.

* Frankenheim t. d. Rhön, 5. Sept. 1911. Der Schreckensruf „Feuer"! erscholl am Sonntag früh gegen 3 Uhr. Der Brand brach im Hause des Arno Dietzel aus. Wahrscheinlich wurde er durch einen mangelhaft gewesenen Schornstein veranlaßt. Die links und rechts angebauten Häuser von Oskar Abe und Arnim Rauch wurden gleichfalls ein Raub der Flammen. Sie sind versichert.

* Stadtlengsfeld, 5. Sept. 1911. Ein Wald­brand von riesigen Dimensionen wittere am Sams­tag in der sogen. Werkcrschen Ecke. Dem Feuer, wel­ches teils den fiskalischen Wald, teils den Gräfl. v. Boyneburgkschen Forst heimsuchte, fielen ca. 300 Mor­gen Waldbestand zum Opfer. Den eifrigen Bemühun­gen der zahlreich herbeigeeilten Wehren gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken.

* Oechsen, 5. Sept. 1911. Die Drahtseil- bahn am Scham ist dem Betrieb übergeben worden. Eine gewaltige Basaltmühle sorgt für Zer­kleinerung. Eine kleinere Mühle hat die Aufgabe, Ba­salt für die Straße zur Gewerkschaft zu mahlen.

Aus Gberhesien u. den Hess. Aemtern.

* Kirchhain, 5. Sept. 1911. Vom 1. September ab ist hier eine Wander-Eingangsstation für die Wan­der-Arbeitsstätte Marburg eingerichtet worden.

* Frankenberg, 5. Sept. 1911. Zwei Knabenklas­sen der hiesigen Seminarübungsschule wurden auf unbestimmte Zeit wegen bei einigen Kindern vorge­kommenen Diphtherieerkrankungen ge­schlossen.

* Ziegenhain, 5. Sept. 1911. Ein Einbrecher, der vor, kurzem aus dem hiesigen Zuchthause entwichen war, hat verschiedene Einbrüche in der Umgegend von Homberg verübt. In Caßdorf erbeutete er etwa 186 Mack. Er wurde dingfest gemacht und in das Huätbaus elnaeliefet

* Günsterode, 5. Sept. 1911. Einem 15jährigen Arbeiter von hier, der in der Weberei von Fröhlich u. Wolff in Heff.-Lichienau beschäftigt ist, wurden in der Färberei beide Beine verbrüht.

* Zwesten, 4. Sept. 1911. Gestern mittag ereig­nete sich hier auf der übe: den Melzebach führenden Brücke ein Automobilunfall. Ein von Ober- urf herabkommendes Automobil rannte gegen den Wa­gen des Schweinehändlers P. von hier, trotzdem dieser vom Wagen gestiegen war und das Pferd am Zügel hielt. Der Wagen, sowie das Pferdegeschirr wur­den stark beschädigt. Personen kamen nicht zu Scha­den.

* Gilserberg, 4. Sept. 1911. An einer plötzlich erckrankien und abgeschlachteten Kuh des I. H. von hier konstatierte der hinzugezogene Tierarzt Milz­brand. Den gesetzlichen Bestimmungen gemäß wurde die Kuh unter polizeilicher Aufsicht verbrannt.

* Homberg, 5. Sept. 1911. In der letzten Sitz­ung des Vorstandes des Ostbauvereins für den Reg.- Bez. Kassel wurde auf Anregung des Hornberger Obst­bauvereins beschlossen, die für den 4. Oktober d. I. in Homberg geplante Obstausstellung aus- fallen zu lassen, weil infolge der anhaltenden Tro­ckenheit nicht zu erwarten steht, daß eine reichhaltige Beschickung der Ausstellung stattfinden wird.

* Fritzlar, 5. Sept. 1911. Nur ein Teil des Rit­terguts Kalbsburg ist verpachtet worden. Der Eichen- unb ein Teil des Ackers, welcher zu großen Obstplantagen genügt, sind von dem Besitzer, dem Regierungsbaumeister a. D. Franz Mühlenbruch in Dassel, zurückbehalten worden.

vermischtes.

nr Echütte-Lmz. Es gewinnt den

Slntoeii^ als ob bte Arbeiten zum Bau des Luft­schiffs Schntte-Lanz bei Mannheim nunmehr doch dem glücklichen Abschluß entgegen gingen, der bisher wegen verschiedener Schwierigkeiten und Hindernisse, die sich bei der Ausführung der Pläne ergaben, stets wieder hinausgeschoben wurde. Tas Holzgerippe mit Metallteilen ist fertiggestellt, und augenblicklich werden die einzelnen Luftballone — die in diesem Falle auch Ballonette genannt werden, aber mit den Ballonetten oder Lustsäcken der Prall- Lustschiffe nichts gemein haben — in das Gerippe eingebaut. Das neue Luftschiff ist auch wieder eines der größten Art; es wird drei Gondel besitzen und soll eine Nutzlast von etwa 600 kg tragen können. Man rechnet damit, daß der „Schütte- Lanz" in einigen Tagen, vielleicht schon Mi te Sept., seine erste Fahrt werde versuchen können.

* Während eines Streites mit einem am Neben­tisch sitzenden Bäcker geriet in einem Berliner Weinlokal ein Feldwebel derart in Zorn, daß er den Mann erstach.

* Bei einem Erntefest in Reinickendorf bei Berlin geriet ein Festwagen in Brand; ein Kind er­litt dabei den Flammentod; mehrere Personen wur­den verletzt.

* Mit einem Feldzuge gegen die europäischen Für» stcuhöfe beginnt jetzt das Pariser Sensationsblatt, der „Matin". Zu diesem Zwecke har er die Memoi­ren der Gräfin Montignoso, dieser gefalle­nen ehemaligen Kronprinzessin von Sachsen, aufge­kauft und beginnt jetzt mit ihrer Veröffentlichung. An­scheinend wird das Sensationsblatt aber nicht auf seine Kosten kommen, denn die ersten Kapitel sind nichts als Himettreppenhofklatsch von ermüdender Langweiligkeit. Die gefallene Kronprinzessin versucht ihre Fehltritte zu rechtfertigen und stimmt darum ein Klagelied übet die Erziehung an den Höfen an. Sie hadert über den „ewigen Zwang", schilt das Salzbur­ger Schloß als alten verfallenen Kasten und geht dann ihre Jugenderziehung durch. Dabei paßt ihr alles nicht, die Erzieherinnen, die Tatsache, daß sie studie­ren muß, ihre Beichtväter usw. Die ganze „Dressur" habe darauf abgezielt, sie für ihren künftigen Beruf als Herrscherin vorzubereiten ober vielmehr, sie zur Figurantin zu erziehen, auf der die Blicke des Volke» ruhen. Zwischendurch kommt Hofklatsch. So erzählt sie mit Ausführlichkeit, wie die Kaiserin Elisabeth von Oesterreich sich ihr Haar kämmen und frisieren ließ. Der Versuch, den die ehemalige Kronprinzessin da macht, ihre Fehltrittte zu rechtfertigen, wird ihr miß­lingen. Mit der gefallenen Frau könnte man schließ­lich Mitleid haben. Für die ehemalige Kronprinzessin, die ihren Fehltritt ausnutzt, um der Welt eine Samm­lung von Hofklatsch zu offerieren, hat man nur Ver­achtung.

* Eine internattonale Postwertzeichen-Ausstel- luug wird am 7. September in Wien eröffnet. Die Ausstellung dürfte die größte Aufmerksamkeit der Markensammler erwecken, da auf ihr glänzende Sammlungen zu sehen sein werden. Der Wert der Objekte läßt sich zwar noch nicht ganz ermessen, doch gewinnt man immerhin einen Anhaltspunkt, wenn man erfährt, daß die Versicherungssumme der vom Auslände bisher eingesandten Markenwerte sich be- reits auf 8% Millionen beläuft. Das bedeutendste Objekt ist die Kollektion von ungebrauchten Post­wertzeichen von Don Jorge E. Rodriguez in Buenos Aires, die allein einen Wert von mehr als stark einer Million repräsentiert. Es werden darunter die ältesten Marken fein, auch die vielbegehrte alte „Mauritius".

* Erfolge deutscher Telegraphenbeamten. Von den am internationalen Telegraphenwettstreit in Turin teilnehmenden Beamten sind im Hughes- Wettbewerb den deutschen Telegraphenbeamten ein erster Preis und vier goldene Medaillen zugefallen. Da an dem Hnghes-Wettbewerb nur 15 deutsche Beamte teilgenommen haben, und hierfür nur im

Zukunft ist das Auto. England allein braucht in einem Jahre für 20 Millionen! ... Ist daS nichts? Davon hol ich mir meinen Teil. Todsicher! . . . Meine „Weiße Alice" melde ich zum Gcrdon-Benett- Rennen an, und wenn ich mir einen Preis hole, hab ich fünf Millionen in der Tasche." Seine Arme grif­fen in die Lust, als reiße er die Millionen schon an sich.

Weißenhofen schwindelte es fast, als er von sol­chem Reichtum reden hörte; er wollte sich die Erbin dieser fabelhaften Reichtümer sichern. Der Alte würde hoffentlich keine Schwierigkeiten machen.

„Ich wollte wegen Alice mit Ihnen reden", sagte ec, als Bergmann eine Pause machte.

„Schön," lachte Bergmann. „Ein großartiges Fahrzeug! Ich will Ihnen mal die Zeichnungen ho­len." — Er lief davon. Alice und der Baron sahen sich erst verdutzt an. bann brachen sie in ein lautes Gelächter aus. „Ich wollte ja wegen der wirklichen — der lebenden Alice reden," sagte der Baron

„Diese Verwechselung ist köstlich," sagte das Mäd­chen. „Bester Baron, Sie müssen also vorderhand mit mir vorlieb nehmen.

„Wie wäre eS, Fräulein Alice, wenn wir Hand in Hand durchs Leben fahren würden? Hätten Sie et­was dagegen?"

Alice errötete, ihr Atem ging schwer. Die sieben- zackige Krone winkte! Hinter ihr versank ein Ju- genbtraum!

Sie ließ Weißenhofen ihre Hände und lächelte: „Wenn Sie glauben, daß es eine gute Fahrt wird, so können wir es ja wagen."

Weißenhofen nahm sie in seine Arme und küßte sie „Meine Baut! —"

Da trat Bergmann ein.

„Herr Baron! , , $ , Alice — was soll daS?" rief er.

Alice lächelte und sagte: „Papa — wir haben uns eben verlobt —'

Weißenhofen legte Alices Arm in den feinigen und trat mit ihr vor den Fabrikherrn. „Ich habe die Ehre, Sie um die Hand Ihrer Tochter zu bitten," sprach er feierlich.

Bergmanns Gesicht strahlte. „Donnerwetter — das ist ja ein bißchen fix gegangen, was? Ja, Alice, Mädel, ja liebst du ihn wirklich?"

„Natürlich, Papa! Hast du das nicht bemerkt?"

„Keine Slhnung," log Bergmann. „Ja, da bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als Ja und Amen zu sagen. Ich schätze Sie sehr hoch, lieber Baron, das wissen Sie — na also; seid beide glücklich, glücklich! Meinen Segen habt ihr!" Er drückte erst Alice, dann Weißenhofen an sich und küßte sie auf die Wangen.

„Ach, du lieber, goldiger Papa! . . . Und jetzt müßt ihr gleich „Du" zu einander sagen."

„Natürlich!" rief Bergmann, während Weißen­hosen einen gelinden Stich in die Herzgegend emp­fand.

„Ich bin für baldige Hochzeit," erklärte Bergmann „lange Brautschast ist nichts. Und jetzt wollen wir auf euer Glück anstoßen."

Er füllte die Gläser mit Sekt und sie stießen an, lachten und tranken.

Eine kleine Vorfeier der Verlobung sollte heute noch stattfinden, ganz im engsten Kreise. Bergmann schrieb die Einladungskarten: an den Pfarrer und Bürgermeister und an die höheren Beamten seiner Fabrik.

Nur das Souper für den Abend machte etwas Schwierigkeiten; es sollte dem Namen Bergmann Ehre machen. Es stellte sich indes heraus, daß es an Sekt fehlte. Wer Bergmann wußte Rat. „Wozu habe ich denn mein Auto? Ich fahre einfach in die Residenz, laß mir einen Korb Sekt einpacken und bringe gleich das Diner für zehn Personen mit. Na — was sagt ihr dazu?"

„DaS ist doch unmöglich!" rief Weißenhofen. „Es ist sechzig Kilometer in die Residenz —" ___

„Bah," sagte Bergmann mit einer großartigen Handbewcgung, „das machen wir in drei Stunden. Es ist jetzt dreiviertel zu drei — um halb acht wird soupiert. Wetten wir?" —

„Zum Kuckuck — ja!" rief Weißenhofen, den es ärgerte, daß Bergmann so schwadronierte.

„Bon — es gilt einen braunen Lappen: tausend Reichsmarck. Ich gewinne, todsicher!"

Er entfernte sich, um in Eile die Vorbereitungen zu treffen. Weißenhofen schüttelte den Kopf. „Das ist zu toll," sagte er. .In drei Stunden in die Re­sidenz und wieder zurück. Wo doch ein Bahnzug zwei Stunden hin braucht."

„Du vergißt, daß ein Auto keinen Aufenthalt hat," sagte Alice. „Und bei gutem Weg ist das gar keine übermäßige Leistung. Unter fünfzig Kilometer die Stunde fährt kein anständiger Mensch und ein Renn­wagen macht pro Stunde seine hundertundzwanzig und und hundertunddreißig. Du wirst voraussichtlich die Wette verlieren. Wird dich das kränken?"

„Rein," lachte Weißenhofen, „nicht im geringsten. Denn ich habe ja dich gewonnen — das ist des Glücks genug für einen Tag!"

Schlag drei hielt die „weiße Alice" vor der Villa. Der Chauffeur untersuchte nochmals Pneumatik und Benzinbehälter und trat dann zu Bergmann, der in Gummimantel, die Schirmmütze auf dem Kopf, auf bet Freitreppe stand. „Zur Abfahrt fertig!"

„Gut," sagte dieser und reichte dem Brautpaar die Hand. „Adieu!"

Er wollte selber fahren und nahm den Platz ded Chauffeurs ein, faßte dm Hebel, setzte den Fuß aufs Pedal und drehte die Kurbel. Der Wagen setzte sich langsam, mit lautem Rattern in Bewegung.

„Auto Heil!" rief Alice und schwenkte ihr Ta­schentuch.

„Auw Heil!" gab Bergmann zurück.

.Nicht forcieren," wandte -r sich an den neben ihm sitzmdm Chauffeur, „efft auf der Stt°ße legen wir Tos Wie der Blitz muß es gehen; ich will sehen, ob Alice hält, was sie verspricht."

Auf der Straße löste er die Bremse aus und ließ dem Fahrzeug vollen Lauf. In rasender Eile schoß eS dahin.--

(Fortsetzung folgt.)