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Zuldaer WZeitung

Woch-Nb-Ilagr: „Illustrierte Sonntagrzeitung" 'W$Slllll& MmatrdeUage: „Fuldaer GeschlchtrblStter"

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Botationrdruckund Verlag der Fuldaer Ab üeudruäerrl in Fulda Fernsprecher Nr. 9.

Erstes Blatt

Fulda, Dienstag den 5. September 1911

202.

38. Jahrgang

aus

zweite Hypotheken bereit.

f e n Punkt sollte man in England und Frankreich Ijß nicht aus den Augen lassen.

toriums in Nom vom 17. August d. Is. der deut

scht schen Franziskaner-Ordensprovinz von der hl. Elisa- Kill. beth (Fulda) mit allen Rechten und Pflichten offi-

handlungen kam es zu einem stoß zwischen den Revisionisten

vottsWirtschafMches und Soziales.

* Tresdr», 4. Sept. 1911. Die Stadt Dresden

Zahl der Besucher nach den Schätzungen der bürger­lichen Preffe zwischen 30 bis 60 Tausend geschwankt hat, wird sie vom Vorwärts auf 200 000 angegeben. Und das „Seel. Tageb das sich bekanntlich noch sozialistischer gebärdet als der Vorwärts, ft^. die Zahl der Teilnehmer sogar auf nahezu 1%. Mill, fest. Ueberhaupt ist die Stellungnahme des Moffeor- gans, das sich noch immer zu der bürgerlichen Preffe gerechnet totff en will, zu der „Friedensparade"', wie es die sozialdemokratische Demonstration benennt, sehr

Delegierten. Zirka 60 Stuttgarter Radikale haben dann geschlossen den Parteitag unter Protest verlassen. Es wurden mehrere Erklärungen zu Protokoll genau men, worin die Ausziehenden dagegen protestieren, daß die Anträge der Stuttgarter Ge­nossen ohne sachliche Würdigung niedergestimmt wurden. Bei diesen Anträgen handelt es sich um die Einsetzung einer Preßkommission für das Stutt­garter sozialdemokratische Organ, wodurch dieses Blatt in radikalem Sinne beeinflußt werden sollte.

bezeichnend für feinen parteipolitischen Charakter. Das Blatt wird sich künftig nicht mehr beklagen können, wenn es mit der sozialdemokratischen Preffe über einen Kamm geschoren wird. Den Ausführungen der „N o r d d. A l l g. Z t g." kann man nur zustimmen, wenn sie schreibt: „Das frivole Spiel mit dem lan­desverräterischen Gedanken des Mas­senstreiks zum Zweck der Lahmlegung unserer Machtmittel im entscheidenden Augenblick hat sich auch gestern wiederholt. Versuche, solche Gedanken in die Tat umzusetzen, werden von der Nation im Nu hin­weggefegt. Darüber wird nirgend Zweifel bestehen. Daß diese Gedanken aber gerade jetzt ausgesprochen werden können, betorfft, wie verständnislos die so­zialdemokratischen Führer dem wahren Fühlen der Na­tion gegenüberstehen."

# Stuttgart, 4. Sept. 1911. Die Sozial­demokraten Württembergs hielten am Sonntag

ziell anvertraut und definitiv übertragen. Diese Miffion war bis dahin international, wiewohl das Missionspersonal zum größten Teil aus Deutschen bestand. Wie der Franziskaner-Orden tm „Lande

stellt zur Förderung des Baues von Klein­wohnungen 500000 Mark zum Ausleihen

Ausland.

I In Belgien spukt die Kriegsfurcht in ganz bedenklicher Weise. Polizisten entdeckten in der Nacht zum Sonntag auf der Fassade des deutschen Botschaftsgebäudes in Brüssel ein Plakat, welches folgende Jnichr st trug: „Kein Krieg! Over eS g bt Dynamit!" Auch an dem Gebäude der franzö­sischen Botschaft war ein solches Plakat ange­schlagen. — Die militärischen Maßnahmen werden fortgesetzt, und es wird nunmehr auch amtlicherseits zugestanden, daß es sich tatsächlich um eine Teilinobilisation handelt. Der Kriegsminister hat empfohlen, einen Automobilklub zu gründen, der bestimmt ist, den operierenden Truppen Kriegs­material zuzuführen. Die Automobile werden jedoch nur Anwendung finden, wenn die anderen Verkehrs­mittel, wie die Eisenbahnen, stillgelegt sind.

*’ Politische Aktion der italienischen Katholiken. In Como fand eine große Versammlung der italienischen Katholiken, in Anwesenheit des Präsi­denten vom Katholischen Wahlverband, Graf Centiloni, und der Deputierten Cornaggia und Mauri statt. Der erstgenannte Deputierte betonte me Notwendigkeit einer gemeinsamen Aktion der Kathol'ken, um der Entchristlichung des Volkes entgegen zu treten. Wohl seien, soweit die Katholiken ihre Stärke bewiesen hätten, die Verfolgungen weniger zahlreich geworden, aber man müsse doch auf der Hott bleiben. Der Abgeordnete Mauri wies auf die gewaltigen Anstrengungen der Feinde der Kirche hin, die den Katholiken alle Freiheit versagen, die sie selbst beanspruchen. Die Versammlung zeigte sich sehr begeistert.

* Prieftermimgel in Frankreich. Infolge der Trennung von Kirche und Staat wird es in Frank­reich immer schwieriger, jungen Nachwuchs für die Geistlichkeit zu finden. Einige Bischöfe haben aus 26 Priesterseminaren die Ergebniffe der letzten Jahre der» glichen und einer Bittschrift an den Vatckan beigelegt. Im ganzen zählte man im Jahre 1909 2077 neue Seminaristen, und im Jahre 1910 nur noch 1011, also weniger als die Hälfte. Besonders groß ist der Unterschied in Ajaccio in Korsika, wo die Zahl von 85 auf 20 fiel. In Algier sank sie von 120 auf 50, in Avignon von 15 auf 23, in Digne von 54 auf 22 und in Tülle von 40 auf 16.

*♦ Neue Unruhen in Mexiko. Als Präsident­schaftskandidat Bernardo Reyes am Sonntag an feine Wähler eine Ansprache halten wollte, wurde er von Anhängern Maderos verhöhnt und 20 Mi­nuten lang mit Steinen beworfen. Schließlich wurde er von feinem Balkon vertrieben. Die Polizei ging gegen die Menge vor. Insgesamt wurden 43 Perso­nen durch Steinwürfe und Säbelhiebe verletzt.

Ztavtverordueten-Versammlung.

Ä Fulda, 5. September 1911.

An der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung nahmen 23 Mitglieder des Kollegiums teil. Der Magistrat war durch den Oberbürgermeister Dr. Antoni vertreten. Zu der Sitzung war Gas- und Wafferwerksdirektor MeweS erschienen. Den Vorsitz führte der Stadtberordnetenvorsteher Justizrat Gegenbaur.

Rachruf für Robert Kircher +.

Vor Eintritt in die Tagesordnung richtet Stadtver­ordnetenvorsteher Justizrat Gegenbaur folgende Ansprache an die Versammlung, die sich von ben' Plätzen erhoben hat:

M. Herren I Sie wissen, daß seit unserer letzten Sitzung die Stadt von einem schweren Verlust be­troffen worden ist. Einer unserer besten Bürger, Herr Robert Kircher, der Ehrenbürger Fuldas, ist zu früh für seine Familie, zu früh für die Allgemein­heit, zu früh vor allem für seine Vaterstadt aus dem Leben abgerufen worden. Wir alle haben trauernd an seiner Bahre gestanden. Wir Wissen, daß wir einen ausgezeichneten, einen lieben Menschen verloren haben, wie es dem Charakter nach, der Gesinnung nach, dem eifrigen Interesse für das Wohl der Stadt nach nur wenige gibt; ja nur wenige gibt es, die sich so verdient gemacht haben wie er, die dabei so beliebt timen bei allen wie Robert Kircher. Wir haben von Trauer und von Dankbarkeit erfüllt an seinem Grab gestanden. Ich stelle fest; daß Sie auch hier das An­denken des Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen geehrt habem

Oberbürgermeister Dr. Antoni: M. Herren! Gestatten Sie auch mir einige Worte. Im Jahre 1906 schon, als der nun Verewigte fein Beigeordneten­amt niederlegte, habe ich Herrn Robert Kircher einen Nachruf gewidmet. Fürwahr, der jetzt Heimgegangene tim der beste Mitarbeiter, den ich hier in Fulda in den städtischen Körperschaften antraf. Groß ist mein Bedauern, daß ich ihn verloren habe. I» allen schwierigen Angelegenheiten habe ich stets feinen Rat gesucht und seine Ratschläge waren stets gut und vorteilhaft. Es fällt mir nicht leicht, seiner heut» hier zu gedenken, da ich gerade in diesen Tagen in manch wichtiger Angelegenheit den Rat des Verewig­ten entbehren mutzte. Ich wünsche, daß in unserem Magistrat auch fernerhin der Geist eines Robert Kircher wehen möchte. Das Andenken des Ver- torbenen wird im Magistrat stets in hohen Ehren gehalten tverden.

Der Vorsitzende teilt mit, daß die anberaumte gemeinschaftliche Sitzung des Magist- rats und der Stadtverordneteuver- s a m m l u n g zwecks Vornahme der Ersatzwahl für das verstorbene Mitglied der Schätzungskommission betreffend die Erhebung eines Kamrlbeitrages, Hein­rich Lederle, ausfällt, da diese Ersatzwahl gleich­zeitig mit der durch das Ableben Stöbert Kirchers not­wendig gewordenen zweiten Ersatzwahl vorgenommen werden soll.

Auf der Tagesordnung der regelmäßigen Stadtverordnetensitzung steht:

1. Ersatzwahl für das verstorbene Mitglied der SchätzuugSkommisfion nach 8 4 der Grundsteuerordnung, Heinrich Lederle. Einstimmig wird der Bankier Ri­chard Knips auf Vorschlag Kapp zum stellvertreten- den Mitglied der Kommission an Stelle des verstor­benen Mitgliedes H. Lederle gewählt.

2. Anschluß des Neubaues der Stanz- und Email­lierwerke am Franzoseuwäldcheu an die Wasserleitung und Bewilligung der Kosten. Die GaS» und Wasser- werkskommiffion schlägt vor, den von der bezeichneten Firma beantragten Anschluß vorzunehmen unter der auch sonst üblichen Bedingung einer 10 prozentigen Verzinsung des Anlagekapitals. Die Kosten werden sich auf 800 Mk. belaufen und sollen aus dem Waffer» leitungs-Erweiterungsfonds gedeckt werden, der nach Angabe des Gae- und Wasserwerksdirektors MeweS noch 11000 Mk. enthält. Die Stadtverordneten Kircher und Sunkel beanstande» bei dieser Ge- legenheit, daß hiesige Industrielle, dre zu Zeiten no^ maler Wasservcrhältniffe ihren Wasse«edarf ourq eigene Pumpwerke decken unddlbnehmer für daS Wasserwerk in solchen Zeiten m Wegfall kommen m den fetzigen Tagen der Wasserknapphelt die städtische Wasserleitung sehr stark in Anspruch nehmen. Ober- bürgermeister Dr. Antoni erklärt, daß ihm davon nichts bekannt sei, obgleich die Verwaltung zurzeit die großen Abnehmer scharf im Auge habe, um sie zu möglichst großer Einschränkung im Wasserverbrauch zu veranlassen. — Der Anschluß des Neubaues an die Wasserleitung finket Zustimmung.

läufig hierüber an amtlicher Stelle Stillschweigen beobachtet wird. — Daß der Verlauf der Marokko­verhandlungen, foroeit man einigermaßen Zuver­lässiges über ihn erfahren hat, nicht nach dem Ge- schmack unserer Alldeutschen ist, ist ohne weiteres klar. Die Herren versteifen sich darauf, daß Deutsch­land unter allen Umständen ein Stück Marokkos für sich beanspruchen müsse. Und da Herr von Kiderlen nach den bisher vorliegenden Nachrichten davon nichts wissen will, so spricht die alldeutsche Presse dem Abbruch der Verhandlungen das Wort. Zum Sprachrohr dieser Forderungen macht sich in einer Zuschrift an die „Post* (Nr. 414) der Reichstagsabgeordnete Generalleutnant v. Liebert. Er behauptet, daß es in allen poli­tischen und besonders kolonialen Kreisen wahre Ent- rüstung hervorgern,en habe, daß Deutschland terri­toriale Ansprüche in Marokko nicht erheben wolle, und bezeichnete das Geschäft als für Deutschland mehr wie fragwürdig. Nnd daher sei es das beste, die Verhandlungen abzubrechen und alles beim alten zu lassen. — Wir möchten dem Herrn von Liebert da doch widersprechen. Zunächst möchten wir kon­statieren, daß wir von einer wahren Entrüstung in allen politischen Kreisen bisher nichts wahrgenommen haben. Was eine Landerwerbung in Marokko an­belangt, so haben wir schon darauf hingewiesen, daß eine solche nicht in dem Interesse des Deutschen Reiches gelegen ist. Ein Abbrechen der Verhandlung würde für das Deutsche Reich ebenfalls keinerlei Vorteile bringen. Seine Folge könnte entweder nun die Fortdauer der bisherigen unklaren Verhältnisse ober aber die Einberufung einer neuen Marokko- konserenz fein. In beiden Fällen würde aber für Deutschland schwerlich viel herausspringen. Dagegen würde eine endgültige Verständigung Deutschlands mit Frankreich für Marokko endlich klare Verhält­nisse schassen und uns auch Vorteile sichern.

X D«r Rücktritt des amerikanischen Botschafters in Berlin, D. I. Hill, erregte seinerzeit großes Auf­sehen. Es wurde behauptet, der Rücktritt erfolge, weil der Botschafter in dem bekannten deutsch­amerikanischen Kalistreit zum Nachteil der ameri­kanischen Kaliinteressenren gewirkt hätte. Tiefer Behauptung tritt Hill jetzt bei seinem Scheiden aus Berlin entgegen. Er bezieht sich dabei auf ein Schreiben des Präsidenten der Vereinigten Staaten, in dem es heißt:

„Ich schreibe Ihne», um Ihnen ru versichern, daß ich niemals die gc-ti-püs Verantassnng hatte, Ihre Haltung und ihre Dienste auf dem höchst wichtigen Posten in Berlin zu kritisieren. . . . Sie haben Ihre Ernennung in jeder Hinsicht gerechtfertigt, und es ist mir eine angenehme Pflicht, nachdrücklich und kategorisch üt Abrede zu stellen, daß Ihr Rücktritt die Folge irgend einer Meinungsverschiedenheit zwischen der Administration und Ihnen über ihre Haltung in bezug auf die Katiftage oder irgendeine andere Frage war, welche zwischen Deutschland und unserem Lande ver­handelt worsen ist.

(*) Ergebnis der Kartoffelernte. Von parlamen- tarifcher Seite wird der „Poff geschrieben:

„Bei der Bedeutung, welche die Kartoffel für die Ernährung von Menschen und Vieh besitzt, ist der Aus­fall der Kartoffelernte von der grössten Wichtigkeit für die Ernährung unseres Voltes in dem nächsten Jahre und sür die zu diesem Ende etwa zu ergreifenden Mass­regel, Zurzeit lässt sich der Ertrag der mit Kartoffeln bestellten Felder noch nicht mit voller Sicherheit über­sehen, aber gegen M i 11 e des Monats wird man ein zuverlässiges Bild davon gewinnen können. Die Regierung besitzt zweifellos die geeigneten Mittel, um alsdann ohne Verzug für den ganzen Umfang des Staates die zu einem vollständigen Bild von dem Ausfall der Kartoffelernte nötige» Ermittelungen zu veranstalten. Sie wird zweifellos nicht $ögerit, wenn die Zeit gekommen ist, diese (Stmiltelunoen mit der nötigen Beschleunigung vornehmen zu lassen. Erst wenn deren Ergebnis vorliegt, wird man inbezng auf die BoUsernährmig und die etwa nach dieser Richtung hin zu treffenden Massnahmen sich ein zutreffendes Urteil bilden können."

Dieser Vorschlag ist durchaus beachtenswert nnd hoffentlich gibt die Regierung ihm Folge.

(*) 40 Millimien Mk. Schulden getilgt hat das Reich in den letzten Mooa'cn. Der Neberschuß von 1910 setzte das Schatzamt in den Stand, langsam aufzrttatisen und so einem Sturz der Kurse vorzn- bengen. Ohne die Reichsfinanzreform hätte diese Aktion nicht dnrchgeführt werden können nnd wir stünden wahrscheinlich in einem großen Kurssturz. So zeigen sich auch hier die wohltätigen Folgen der Reichsfi nanzreso'.m in der Auslands Politik.

— Wir die Wettzuwachssteuer umgangen werden kann, zeigt die mit dem geringsten zulässigen Kapital erfolgte Gründung einer neuen Aktiengesellschaft unter der Firma „Grunderwerdsgesellfchast Berlin". Das Aktienkapital beträgt 5000 Mk., ein­geteilt in 5 Akt°en a 1000 Mark, die auf den Inhaber lautend, von je einem Gründer der Aktien­gesellschaft übernommen sind. Zweck der Gesellschaft ist, der Erwerb und die Veräußerung von Grund- stücken, Avssührung von Bauten und sür eige, e und fremde Rechnung, sowie jegliche andere Verwertung von Grundstücken. — Aufgabe des Reichsschatzamtes wird es sein, aus derartige Gründungen besonders zu achten und deren Geschäfte genau zu kontrollieren.

* Der sozialdemokratische „Friedensrmmnel" am Sonntag findet in der Berliner bürgerlichen Preffe verdientermaßen geringe Beachtung. Die „Kreuz- zeitung" bezeichnete die Versammlung al» Wohl- täiigkeitsvorstellung zugunsten der französischen Ma- rokkopolirik und zu einem innerlich durchschlagenden Erfolge habe sie es durchaus nicht gebracht. Das Publikum fei sehr kalt geblieben, trotz einiger 30 Grad Celsius im Schatten. Im ähnlichen Sinne äußert sich auch die „T ä g l. Rundschau"'. Während die

Deutsches Reich.

*♦ Berlin, 4. Sept. 1911. Erzherzog Franz .Ferdinand ist heute nachmittag 4,50 Uhr in Kiel angekommen. Der Kaiser geleitete seinen hohen Gast M Bord der „Hohenzollern", wo der Prinz mit Ge­folge Wohnung nahm. Die tm Hafen liegenden Schiffe tsalutterten mit 21 Schüssen. — Der Reichskanzler ist ebenfalls in Kiel eingetroffen.

+ Wiederbeginn der Marokkoverhandlungeu. Tie Verhandlungen zwischen dem Staatsfekretär von Kiderlen-Wächter und dem hiesigen französische!! Botschafter Cambon, d e durch die Pariser Reise Cambons sowie dessen Unpäßlichkeit eine mehr als 14tägige Unterbrechung erfahren hatten, sind, wir in Aussicht genommen, wieder ausgenommen worden. Am Montag mittag stattete, w e der „Tag* hört, Serr Cambon dem Staatssekretär den angekündigten esuch ab. Dem Ergebnis der Verhandlung sieht man selbstverständlich mit großer Erwartung ent­gegen. Wir haben bereits hervorgehobcn, daß vor­

Eine Negierung auf demokratischer 'Grundlage ist abhängig von den jeweiligen Stim- tziungen der Menge. In England herrscht augen­blicklich im Volk ein b^enklicher Größenwahn, ver- chnnden mit einer heftigen Eiserfucht gegen­über Deutschland als dem Wettbewerber auf Dem Weltmarkt für Ware und Macht. Diesen Trie- •ben der Volksseele müssen alle Minister, die Minister 'bleiben tvollen, sich dienstbar machen, sogar Herr s.Llohd George.

Eine starke Monarchie, wie Wir sie in Dentsch- 'land haben, kann den Wirren Trieben und Wilden Leidenschaften der Volksseele ganz anderen Wider­stand leisten, als eine von den Stimmzetteln ab­hängige Regierung. Es sei z. B. an die korrekte Haltung unserer amtlichen Kreise zur Zeit der Burenbegeifterung erinnert, die uns freilich keiner- -lei Dank von England eingebracht hat.

Eine starke Monarchie kann also äutzerft fried- I i ch sein. Aber Wenn es schließlich doch zum Krachen kommt, so ist die starke Monarchie auch viel b e ser befähigt zur Wirksamen Kriegfüh­rung, als ein „demokratisches" Land, und die»

in Stuttgart ihren Parteitag ab. Bei den Ver- heftigen Zusammen- und den Stuttgarter

Aus Airche und Schule.

* Rom, 4. Sept. 1911. Der Osservatore Romano veröffentlicht ein von drei französischen Bischöfen verfaßtes und an den portugiesischen Epis­kopat gerichtetes Schreiben, in welchem auf die mutige Haltung des Episkopats gegenüber der religiousfeitidlichen Gesetzgebung hingewie en wird; das Schreiben enthält auch die Zusicherung vollster Sympathie für die Durchführung der kommenden Kämpfe im Interesse der Kirche. Ferner ist auch ein Telegramm mit einer Sympathiekundgebung der in Luzern versammelten schweizerischen Bischöfe an den portugiesischen Episkopat eingelaufen.

❖ Die seit 1907 bestehende Frauziskanermis- fhm in Japan (Hokkaido) Wurde durch ein Schreiben der hl. Kongregation „De Propaganda Fide" und durch Beschluß des Hochtoürdigsten General-Defini-

der ausgehenden Sonne" eine große Vergangen- hert hat, — hatte er ja bereits Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts in den bedeutend- ften Städten Japans blühende Missionsstationen, und gehören ihm eine ganze Reihe der helden­mütigsten Märtyrer aus den Zetten der Ersttings- kirche in Japan an — so leuchtet den armen und opferfreudigen Söhnen des hl. Franziskus von Assisi im Sonnenlande auch eine hoffnungsvolle Zukunft entgegen. Heber die religiöse Betätigung in der Hauptstation Sapporo schreibt z. B. der HochWür- digste Herr Bischof Berlioz von Hakodate in seinem offiziellen Missionsbericht: „In Sapporo herrscht besonderer Eifer in Erlernung der religiösen Wahr­heiten. Komutt man in die Kapelle, so glaubt man in einer Ordensgemeinde zu sein. So gut ist am frühen Morgen die hl. Messe besucht, so zahl­reich ist der tägliche Empfang der hl. Kommunion. Gewiß ist das eine Frucht, daß die Söhne des heil. Franziskus hier eingezogen sind." Bereits sind fünf Stationen an bedeutenderen Orten dauernd besetzt. Es bestehen zwei Sprachenschulen, ein Studentenheim und ein Spital. Neugründungen und der Ausbau der bestehenden Stationen sind geplant. Mit einer freudigen Begeisterung, die nicht unfruchtbar bleiben Wird, Wurde tue Uebertragung der Mission von der thüringischen Ordensprovinz ausgenommen. Mögen die Katholiken Deutsch­lands nun auch dieser jungen Mission ihrer Lands­leute ein Plätzchen in ihrem mildtätigen und opfer- fteudigen Herzen einräumen! Die Gläubigen stehen ja Wie eine mächtige Wagenburg hinter den Mis­sionaren. Sie reichen ihnen die Munttion im Kampfe gegen das Heidentum. Sie bieten für die mutigen Kämpfer in der Schlachtreihe einen festen Rückhalt durch ihr Gebet und ihre Almosen. Wir wünschen der jungen Mission kräftiges Aufblühen und Gottes reichsten Segen!

Je? Friedliche Monarchie und kriegerische Demokratie.

Die sonderbarste Erscheinung in dem jüngsten Wellengang der öffentlichen Meinung War die -Legende von der unbedingten Friedensliebe •des deutschen Kaisers. Im Auslande, •namentlich in Frankreich, hatte man sich allen ^Ernstes eingebildet, Kaiser Wilhelm habe auf seinen ZSchWeriknauf ein unverbrüchliches „Niemals" ge­schrieben und Werde auch bei der Zurückweisung aller i putschen Ansprüche auf keinen Fall los­ch l a g e n. Leider ließen sich auch im Jnlande >inige blinde Eiferer verblüffen und in die Be- isorgnis jagen, daß der Kaiser Wirklich etwas ge- agt habe, was den Franzosen Anlaß zu der Spe- !ulation auf seine grenzenlose Gutmütigkeit gegeben.

Inzwischen ist für alle Leute, die hör- und denk­fähig sind, Wohl zur Genüge klargestellt, daß der ^Kaiser zwar eine große, aber kei neunbedingte ^Friedensliebe hat und daß er keinen anderen Frieden zu erhalten sucht, als den Frieden in Ehren.

Wir sagten schon beim Auftauchen der Legende, haß sie im Grunde eine Huldigung für Kaiser ^Wilhelm II. bedeute. Und diese Huldigung bezieht ,sich nicht bloß auf die monarchische Regierungs- jfonn. Die Legende hätte gewiß nicht einen so Wei­ften Anklang im Auslande gefunden, Wenn man hort nicht instinktiv zu der Erkenntnis gelangt Wäre, jdaß ein starker Monarch besser im Stande fei, den Frieden zu Wahren, als eine republikanische loder eine vom Parlament abhängige, nur dem Mchein nach monarchische Regierung.

Früher herrschte die entgegengesetzte Meinung vor. Dem Monarchen, der nicht bloß fdie zivile, fonbern auch die militärische Macht in seiner Person bereinigte, schrieb man einen natür­lichen Drang nach tveltgeschichtlichen Großtaten, nach kriegerischem Lorbeer zu; z. B. auch unserin Kaiser im Anfang feiner Regierung. Dagegen setzte man bei allen demokratischen Regierungen die größte i Friedensliebe voraus, da man annahm, der per- fsouliche Ehrgeiz sei bet ihnen ausgeschaltet und der > Volkswille, den sie repräsentierten, sei durch und durch friedlich. Eine Bestärkung sand diese Ansicht 'dadurch, daß die demokratischen Regierungen sich vielfach beeiferten, von Abrüstungen und sonstigen friedfertigen Vorrichtungen schön zu — reden.

Den schönen Worte,: entsprachen aber nicht die Daten. So hat die gegenwärtige englische ^Regierung trotz allem Gerede von Abrüstung usto. ft>ie Flotte um acht des britischen Weltreick-cs mit einem Eifer entwickelt, der unseren deutschen Flottenbau in den Schatten stellt, und sie hat neuer» dings in die Marokko-Verhandlung mH einer Rück­sichtslosigkeit und einer Anmaßung ein» gegriffen, zu der Kaiser Napoleon III. auf der Höhe seiner Macht das Vorbild gegeben zu haben schien.

So lange Eduard VII. noch lebte, konnte man ibie lluzufriedlichkeit der englischen Polttik auf des­sen persönliches Konto schreiben. Wer nach 'dem Regierungsantritt des gegenwärtigen ruhigen Königs hat die herausfordernde Haltung ^Englands sich nicht gemildert, sondern vielmehr verschärft. Und das unter einem liberalen Ministerium, dessen „Grundsätze" von Versöhnlich­keit und Menschenfreundlichkeit triefen!

Die Sache erklärt sich sehr einfach. „Der Bien /muß: DaS Ministerium in England muß seinen Schifsskoloß über den andern bauen und es muß deutsch-feindliche Politik treiben, Weil es sonst von der nnionistischen Opposition ausgestochen und durch Auspeitschung der nationalen Leidenschaften ‘tm Volk seiner Mehrheit bei den Wahlen beraubt Werden würde.