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Maer

Zeitung

V traut«. Beballtue

wsch-nl<llag«: „Illustrierte Sonutagqewlag"

Fulda, Montag den 4. September 1911

M 201.

38. Jahrgang

Xe$Hfte: Die ef» fpcUige Petftjefle obet den» Kam» |5 pfg. St0ame»di«p«titzeU» Plg-. bei Wied«» ^olnugtB wird entspr.

Kafcatt gcmi^rt

l»tatto»«»r»8im| Verlag der Fuldaer Ls. Le»dru«krrei I» Fulda

Stntfprtdjtr Ur. 9.

ist er. Ein rechtes so still liegen muß.

Iris tröstete sie. ihre Freude haben.

MonatrbeUager „gulbatr GeschWzblätter"

tetlungen Nb« folgmde Punkte an die Adresse des Verfassers gelangen zu lassen: a) Welche Städte mit katholischer Mehrheit besitzen Mittelschulen? b) Wie ist an diesm Mirtelschulen für die Erteilung des Re- Ügionsuntecrichts an evangelische Schüler gesorgt? c) Welche Städte mit evangelischer Mehrheit besitzen Mittelschulen? d) Wie ist in diesm Stödten für die Erteilung de» Religionsunterrichtes an die katho- lischm Kinder gesorgt? Möglichst genaue Angaben über das VechäktniS der Konfessionen bei der Ein­wohnerzahl im Ganzen und bei den Schülern der Mittelschulen wären sehr erwünscht.

Die Knabe« müßtm doch auch und ihr würde eS auch wieder

Crffttta «glich «tt Aura ahme der Son»* „d Feiertage. Vierlek PHAichervezugrpreis Ohne vringerlohn und kestellgeld in Fulda so. eteaasatoslsoiBL

griff mit beiden Händen in den waschen Schnee, formte die Bälle und «widerte die dahersausenden Geschosse.

Rudi fiel aus sein« feierlichen Rolle und jauchzte laut, so oft ein Ball traf — und das geschah fast immer. »Fräulein Iris", rief er, „wehren Sie sich! Ich w«d' Sie ganz einhüllm wie einen Schnee­mann. Hurra! Hurra!"

Und vor dm sausenden Bällm des starken Knaben mußte sie flüchten; « trieb sie vor sich h«, immer weit« ins Feld hinaus, bis sie feinen Ausweg mehr sah. D« Rückweg war ihr durch Rudi abgeschnittm. Da ersann sie eine List. Sie sank ins Knie, als ob sie sich geschlagm fühle, raffte aber mit beiden Armen bat Schnee um sich hn zusammen. Rudi stürmte da­her, voll Siegesjubel — jetzt wieder ganz Winnetou. „Die „weiße Blume d« Prärie" «gibt sich dem Häuptling d« Apachen; er wird sie fesseln und in feinen Wigwam führen.' Seine feuerroten Hände wühlen in den Taschm, um einen .Lasso' zu suchen, und wenn eS nur ein Stückchen Bindfaden wäre.

Aber das wurde sein Verderben. Die „weiße Prärieblume' schleuderte chm den Sch«« ins Gesicht, daß Augen :md Mund damit verklebt waren, und eilte an ihm vorüber, dem Haufe Wicks zu, damft das tolle Spiel ein Ende nehme.

Rudi stand verblüfft, spuckte und schluckte, lies dann in großen Sprüngen hinter ihr her und stieß sein Kriegsgeschrei aus, . .

Iris trat in die Stube, wo stch ein bleiches Ge­sicht aus den Kiffen hob. Verzeiht, Frau Wirk', sagte sie, „ich kann jetzt nicht helfen. Rudi imd ich l)aben uns eine Schneeballenschlacht geliefert. Und ich bin besiegt.' Sie sank lachend ans einen Stuhl und trocknete sich das Gesicht.

besser gehen, wenn das Frühjahr käme. Dann ging sie und versprach, abends ein bißchen hereinzuschauen.

Draußen lehnte Rudi an die Türe mit unter- schlagenen Armen. Er vertrat ihr den Weg. „Winne­tou ist stark wie der graue Bär und flink wie der springende Hirsch", sagte er, „aber die weiße Pcärie- blume ist tTug wie die Schlang«. Keines von beiden ist besiegt. Wir wollen die Friedenspfeife zusammen rauchen." Er zog das für diesen Fall ertta präpa­rierte Instrument aus der Tasche — eine leere, mit zerschnittenem Hans gefüllte Wallnußschale, in die der Schaft einer Kielfeder gesteckt war — und bot es Iris an. Aber diese lehnte lachend ab. „Das Spiel hat ein Ende, Rudi. Ich muß an die Arbeit. Den Apa­chen und ihreni tapferen Häuptling Winnetou wünsche ich Glück auf den KriegSpfad!'

„Meine große weiße Schwester möge sich hüten, die feindlichen Jagdgründe dies« Coyoten von Sioux zu betreten, damit sie nicht in ihre Hände fallt. Mein großer weißer Bruder ist ihr Gefangener; aber Winne­tou wird ihn befreien. Howgh!'

„Howgh!" sagte Jis lachend und ging ihres We­ges. Die Straßen waren jetzt le«, von der Fabrik her ertön« der schrille Ton der Pfeifen, die zu Arbeit riefen.

Iris schritt rasch üb« das glitzernde Schneefeld. Einen Augenblick hatte die Jugend bei ihr angevocht; jetzt verlangte Wied« die Pflicht ihr Recht: „An die StrbeitI' war das donnernde Kommando, das ihr das Leben zurief. „An die Arbeit!' . . .

Hinter den Häusern standen Gruppen von Kn. ab en beisammen und rüsteten sich zum Kampfe, der heute entbrennen sollte Die einen trugen lange, mit Rop- baaren geschmsicke t:nb bunt bemalte Lanzen, andere hatten eine alte Armbrust oder ein anderes ungefähr­liches Schießzrug über den Rücken gehängt. Fast alle trugen bunten Kopfschmuck aus Hahnenfedern oder die Schwingen abgetan« Gänse und kamen sich nugeheuer wichtig vor . . .

(Fortsetzung folgt.)

„Der wilde Bube', sagte Frau Wick. „Ick will froh sein, wenn « die Schule hinter fich hat und unt« meines Mannes Aussicht kommt. Ganz toll Kreuz ist es, wenn eine Murt«

Deutsches Reich.

♦* Bulin, 3. Sept. 1911. Der ö sterrei chischs Thronfolger trifft Blättermeldungen zufolge am Montag nachmittag gegen 4 Uhr mit Gefolge in Kiel ein. Am Dienstag finden dann die Flotten», manöver in seiner Gegenwart statt und am Mitt» woch früh tritt er dann wieder die Heimreise an. Tcr Reichskanzler, d« sich aus diesem Anlaß »ach dort begibt, wird voraussichtlich schon am Montag vormittag in Kiel fein. — Wie einer Nachrichten» stelle aus Anfrage von zuständiger Se-te mitgeteilt wird, ist die Nachricht, daß di« Nächstjährigen Kaisermanöver in Torgau vor der Einweihung eines Denkmals Friedrichs des Großen durch den Kais r stattfinden werden, unzutreffend. Bisher such noch keinerlei Bestimmungen ü.er Zeit «nd Ort der nächstjährigen Kaifermcmöv« getroffen morde», da die Bestimmung darüber erst zu einem viel späteren Termin erfolgt. — Der türkische Thronfolger besichtigte heute vormittag das Hohenzoüernmujeum. Nachmittags empfing er aus der türkischen Botschaft die türkische Rolon e und folgte abends ein« Ein­ladung der Majestäten zur Tafel nach dem Neuen Palais. Die Abreise vom Schloß «folgt morgen früh. Ter Prinz fährt nach Essen.

** Der Aufschub bet Marokkovethanblunze«. Der französische Botschaft« Cambon ist sowohl am Freitag als auch am Samstag wegen seines leidenden Zustandes, der b«eiis eure Verzögerung seiner Abreise aus Paris nötig gemacht hatte, nicht ausgegangen. Während des F.eitags Hal er das Bett hüten müssen. Er ist aber jetzt soweit wieder- hergestellt, daß die nächste Unterredung zwischen den beiden Diplomaten für heute, Montag, fest«

Der Mann tat schw«. Er hatte zehn Kinder, dir alle satt sein wollten; die Mutt« kränkelte und mußte zufehen, wie ihr Hauswesen znrückging. Da trat denn manchmal Iris in das Häuschen, sagte d« Frau ein paar liebe Worte »d« brachte einige gute Bsssen und sah nach dem Rechten. Wick wat ihr dafür dankbar und wäre für sie durchs Feuer gegangen.

Als Iris eben eintreten wollte, kam der dreizehn­jährige Rudi, ein schlanker, gescheiter Bursche, um He Hausecke und trug einen ganzen Arm voll Schnee­ballen herbei, die « in dem bevorstehenden Kampf als Wurfgeschosse benützen wollte. Iris hatte den kecken Knabm gern und ging auf feine oft recht aben­teuerlichen Gedanken ein.

Sie lachte ihm zu. „Run, Rudi, was habt ihr Jungens denn heut vor? Eine große Schlacht? Einen Feldzug?'

Rudi nahm eine feierliche Haltung an. „Das Kriegsbeil ist ausgegraben zwischen den Apachen und den Hunden von Sioux. Winnetou, ber große Apa­chenhäuptling, wird üb« diese Coyoten wie ein Blitz» strahl niederfahren und sie in die ewigen Jagdgründe schicken. Winnetou hat gesprochen. Howgh!'

Iris machte «staunte Augen. „Ei b« tausend, so hab' ich also die Ehre, Winnetou, den berühmten Apachenhäuptling vor mir |u sehen?'

Rudi richtete fich stolz in sein« ganzen jungen Größe empor. „Die weiße Ptärieblume sagte e». Will sie in meinen Wigwam treten?'

Der Schall lachte in Iris' Augen. Sie griff schnell nach den Schneeballen und Mang ein paar Schritte zurück. „Aufgepaßt, Winnetou! Die „weiße Prärieblume' verteidigt sich' und die weißen Bälle flogen — einer au Rudis Schultern, bet andere riß ihm die Mütze vom Kops.

Rudi war einen Augenblick sprachlos. Dann regte sich Kampflust tn ihm. Ohne sich um die ver­lorene „Skalplocke' zu kümmem, griff er nach seinen Bällen unb ließ st« wohlgezielt auf Iris Rücken sau­sen. Der Schnee stob um fie. Der feine, weiße Staub überschüttete Haar und Schultern; ihr« Augen leuchteten, helle- Rot färbte ihre Wangerh. Etwas wie Jugendübermut kam üb« sie, und fie

Schloß Sonneck.

82' Roman von Felix Rabor.

Hier in dem kleinen Fabrikdorfe war es noch nicht so wett; die Arbeit« waren uneinig und durch kleine Sonderiiiterriffen getrennt. Zumeist war es aber die Furcht vor dem Allgewaltigen, was sie ab- . hielt, gewaltsame Schritte zu ihrer Besserstellung zu unternehmen.

Unter den Arbeitern gärte es, uni) ein Feuer brannte unter der Asche, wie in einem Vulkan.

Sie besprachen heimlich eifrig die Forderungen, welche sie stellen nwllten. Allein sie waten jetzt noch nicht genügend organisiert, um einen Vorstoß wagen zu können und w artet m daher eine günstige Gelegen-

+ Der sozialdemokratische Protest- r«mmel „gegen die Kriegshetzer" im Treptower Park.

Während der ganzen verflossenen Woche hat es auf der ersten Seite des „Vorwärts" mit großen Lettern gestanden, und wer etwa den „Vorwärts" nicht gelesen haben sollte, dem schriebe es in den letzten Tagen an allen Litfaßsäulen der Reichs­hauptstadt riesige rote Plakate entgegen: „Kommt alle zum sozialdemokratischen Meeting nach Trep­tow!" Bei der gewaltigen Zahl von Sozialdemo­kraten, die Berlin auftoeift, ist der Aufforderung in weitestem Umfang Rechnung getragen worden. Ob­schon der Stummel erst für mittags 1 Uhr angesetzt war, begann schon kurz nach 11 Uhr die Völker- warrdernng hinaus zum Treptower Sportspark. Und je mehr der Zeiger der Uhr vorrücktc, je dichter wurden die herausströmenden Massen. Es war ein wahres Feldlager. Die Rolle der Polizei hatten sozialdemokratische Ordner übernommen, die an roten Binden kenntlich waren. An den Zugangs­straßen zum Park standen Verkäufer, die jedem eine rote Nelke aufnötigen, dessen Knopfloch noch nicht durch eine solche geziert war. Zur Aufnahme der marobe gewordenen Besucher waren drei anrbu- lmite Lazarette errichtet, die sich schon lange vor Be­ginn des offiziellen Rummels bei der erbarmungs­los herniederdrückenden Sonne eines regen Zu­spruches erfreuten. Zehn Rednertribünen waren m weitem Umkreise anfqeschlagcn, von denen aus gegen die bürgerlichen Parteien, gegen Regierung, Diplomatie, gegen Kapitalismus und „Mistjunker" Gift und Galle gespien wurde. Atif jeder Redner­tribüne stand, umgeben von einer Anzahl „Hono­ratioren" und einer Dame als Vertreterin des weib­lichen Geschlechts ein sozialdemokratischer Phrasen­held, von denen einer den anderen im Schimpfen und Wüten überbot. Alle Kraftausdrücke, die das sozialdemokratische Schimpflexikon aufweist, wurden heute herangezogen unb es gibt wohl niemand außer der Sozialdemokratie, der in den Reden nicht mit enter Flut von Schimpfworten bedacht worden wäre. Bei besonders starken Kraftstellen erhoben die be­rufsmäßigen Claqueure ein wahres Beifallsgeheul. Andächtig nmftonben Tausende die Tribünen, und ircchutcn jedes Wort aus den: Munde der da oben postierten Hetzer gewisfennaßen als eine Offenba­rung auf, während andere, die infolge des An­dranges nicht mehr iu die Nähe der Redner gelangen konnten, fichs auf bem grünen Rasen bequem mach­ten. Kapitalismus, Blutsauger, Pfasfenknechte, Sippschaft, Niedertracht, das sind so einige von den Ausdrücken, die nur so in der Luft hernmftoqen uitb allemal dröhnenden Beifall anslösten. „In bett Krieg wollen sie uns hitteinhetzen! Das arbeitende Volk, die Proletarier, sollen ihre Knochen zugunsten be» Kapitalismus opfern. Der arme Mann ist es, ber bas Feld mit Blut düngen soll, aus dem der Kapitalismus dann Gold erntet!" So schallte es von einer Tribüne herunter. Kriegshetzer! Wer hetzt denn zum Kriege? Außer etlichen unvercmt- lichen lleberpatrioten, die in der hohen Politik nichts zu sagen haben, absolut niemand.

Etteilung de» katholischen Religionsunterrichts an beiden Anstalten durch katholisch« Bolksschullehr«.

Dies« Antrag de» Magistrats wurde vom Stabt» verordneten-Kollegium angenommen, nachdem bet Re­ferent Rechtsanwalt Dr. Bin ding (gemäß ber Reumär?. Ztg.) folgende» auSgeführtr

DaS eingegangen« Material beschränk« sich auf preußisch« Mittelstädte. In Preußen verhall« sich die Zahl d« Katholiken zu der d« Protestanten roie 1:2, die Zahl der Städte mit em« katholischen Mehrheit und ein« Mittelschule zu ber Zahl ber Städte mit protestantisch« Mehrhell und ein« Mitte!schul« wie 26 : 86. Für einen Vergleich kämen eigentlich nur fünf Städte mit kleinen protestantischen Minderheiten ht Betracht, da die Mtttelschulen tn vorwiegend katholischen Städten stärker von Protestanten besucht würden, ali di« Mittelschulen tu protestantifchen Städten von Katholiken. In Städten mit katholischer Minderheit werde in 24 Fällen für den fraglichen Religionsunter­richt gesorgt, tn 28 nicht. E» treffe ab« nicht zu, daß etwa gerabe die kleinsten Minderheiten nicht bedacht würden. Man könnte nun sagen, jede Mark für den katholischen Religionsunterricht komme nicht den katholischen Mitbürgern zugute, sondern der katholischen Kirche — für ihn, Redner, fei aber maßgebend, daß bei der Annahme des Magistratsantrages der Religions­unterricht aus ber Hand d« Geistlichen in die der Lehrer übergehe. Es sei also immerhin ein Schritt auf dem Wege, die Geistlichen aus der Schule auszuschließen. Deshalb befürworte er den Magistratsantrag.

Der Antrag wurde darauf angenommen, anschei­nend ohne weit«« ®ebatte. Landsberg a. d. W. hat also einen Schritt todt« getan: es wird jetzt katho­lischer Religionsunterricht an die katholischen Kinder der Mittelschule auf städtische Kosten erteilt. So dank­bar wir dieses Ergebnis aneckennen — ein Ergebnis, das wohl nicht zu verzeichnen wäre, wenn nicht durch die Darlegung dieses Falles krasser liberaler Intoleranz in d« Poeffe die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf Landsberg hingelenkt wäre — so müssen wir doch auf der andern Seite zu unserm Bedauern feststellen, wie groß die Voreingmommm- heit, utn nicht zu sagen der Haß gegen alles Katholische ist bei so vielen selbst gebildeten Evangelischen, namentlich im Osten! Es spricht doch Bände, daß ein Rechtsanwalt als Argument gegen die Erteilung des RUigionsunierrichts auf städtische Kosten die Befürchtung anführt, jede Mark, die man hierfür auftoenbe, komme der katholischen Kirche zu­gute! Schrecklich, fürwahr, für ein freisinniges.Ge­müt! Beruhigend wirft nun her Gedanke, daß man „einen Schritt" auf dem Wege getan habe, die Geist­lichen aus d« Schule auSzuschließm!"

Das ist das Charakteristische des Falles Lands­berg. Er beweist von Neuem das Bestreben liberaler Kreise, die Geistlichen, namentlich die katholischen, systematisch von der Schule, selbst vott der Erteilung des Religionsunterrichts auSzuschli eß en — ein Bestreben, gegen das mit aller Energie Front zu machen die Katholiken Deutschlands alle Veranlassung haben. Die liberale- Mehrheit des Landsberg« Stadtrats will, ioenn sie nun einmal gezwungen ist, für die Erteilung des Re­ligionsunterrichts an die Kinder der katholischen Min­derheit z« sorgen, wenigstens doch die Geistlichen au3= schließen und den Unterricht durch Lehrer besorgen lassen. Auch in anbreen Orten des Regierungsbezirks Frankfurt a. O., zu dem Landsberg gehört, soll das Bestreben, die Geistlichkeit shsiematisch von der Schule auszuschließen, imm« deutlicher in die Erscheumug treten. Vielleicht kommen wir bei anderer Gelegeü- hett aus diese Sache zurück.

Aus dem Daraelegten wollen wir den Schluß ziehen, wie zweckmäßig und notwendig es i»ar, eine Organisation der Katholiken Deutsch­lands zur Verteidigung der christlichen Schule und Erziehung zu gründen, wie dies in Mainz geschehen ist. Eine solche Zentrale ist die ge­gebene Stelle, um statistische Angaben über die Lage der Katholikm, namentlich auf dem Schulgebiete zu sammeln und gegebenenfalls zu verwerten. In An­betracht der Wichtigkeit der Sache wird gebeten, Mit-

Kurz vor Weihnachten war ein neues Motor- Fahrzeug semggeflellt worden, das die „weiße Alice' an Eleganz und Geschwindigkeit noch übertraf. Derg- tiiomi war unendlich stolz darauf und hatte stch alle Handgriffe eines Chauffeurs an geeignet, um es selbst lenken zu können. An einem schönen, Karen Winter­tage lud er Baron Weißenhofen zur Probefahrt ein und dieser hielt denn auch pünftltch zur festgesetzten 'Zeit mit fernem Gigh vor ber Billa. Bergmann schüttelte ihm die Hände und erftärtt ihm diese neueste Konstruktion. ?((ice stand oben am Fenster und lä­chelte h«ab.

war eben auf dem Wege ins Kontor, kurz ,dpr 2 Uhr Eine weiße Schneedecke lag über dem Land. Die Schul«, die ihren freien Nachmittag hat­ten, tummelten fich auf dem wetten Schneefeld, und die Knaben lieferten fich eine Schneeballenschlacht. Sie wußten nichts von dem schweren Kamps ums Dasein, der sich vor ihren Augen abspiefte; sie stan- Hen noch hn Jugendland, im Paradies ber Freude, wo auch im Mnter die Sonne lacht. —

Iris hatte ihre Helle Freude an dem fröhlichen Treiben der Jugend. Vor dem Häuschen des Werk- kübrers Hans Wick blieb sie einen Augenblick steben.

Landsberg a. v. Warthe und der katholische Religiorrsunterricht.

Bvrp Oberlandesgerichtsrat Marx-Düsfeldorf.

Da8 Stadtverordnetenkollegium in Landsberg a. b. Warthe hat am 25. August beschlossen, für die ka- tholischm Schüler an der Knabm-Mittelschule (25) -nd der Mädchen-Bürgerschule (21) R eligionS- üntcrc 1 cht auf städtische Kosten und zwar purch Volksschullehrer, erteilen zu lassen! Es sollen dafür 240 Mark für das Jahr gewährt werden.

So berichtet uns die Neumärkische Zeitung Jn Nr. ß01 vom 27. August 1911. Unsere Leser werden sich ber im April d. I. in der „Fuld. Ztg." behandelten Angelegenheit erinnern: Der Magistrat von LandS- perg hatte auf Anregung der städtischen Schuldepu­tation Beantragt, für die 46 katholischen Schüler der genannten Anstalten Religionsunterricht auf städtische Kosten erteilen zu lassen. Der in seiner Mehrheit freisinnige Stadtrat lehnte aber den in zwei verschie­denen Formulierungen gestellten Antrag ab. Einmal am 17. Februar 1911, als es sich darum handelte, Pb der Religionsunterricht durch Geistliche erteilt werden solle, — dann am 31. März 1911, als der Magistrat sich damit zufrieden geben wollte, daß der Religionsunterricht durch katholische Lehrer erteilt werden solle. Beides lehnte die Stadtverordneten­versammlung ab, bald mit Berufung auf den „Moder­nisteneid" — eine Gedankenverbindung, die man nur in der Lust Landsbergs zu würdigen in dec Lage ist! —, bald mit Rücksicht darauf, daß der Magistrat picht vorher festgestellt habe, wie denn seitens der in der Mehrheit katholischen Städte gegen die evange­lische Minderheit verfahren werde.

Als wir diesem Streben nach paritätischer Gecech- tigkeit durch Ucbersendung reichhalttgen Materials aufzuhelfen suchten und den Nachweis erbrach- ,t en, daß in z ahl c eichen Fällen recht kleine katho­lische Städte für 3, 5, 10, 15 evangelische Kinder auf anderen als Volksschulen Religionsunterricht auf städtische Kosten erteilen lassen, als wir ferner die bis jetzt noch immer ohne Antwort gebliebene Auf­forderung erließen: man möchte uns eine, auch nur ;eine einzige der Mehrheit nach von Katholikm be­wohnte und verwaltete Stadr anführen, in welcher sich 46 evangelische Kinder auf höheren Schulen be­finden, ohne daß denselbm evangelisch« Religions­unterricht auf städtische Kosten erteilt werde, da fand dieses Material vor dem gestrengen Urteil des Lcmds- lergei Stabtrats keine Gnade. Man entgegnete, das bargebotene Material enthalte nur Nachweise über höhere Schulen, hier in Landsberg handle cs fich über um eine Mittelschule und um eine Bürgerschule!

Vergebens wurde erwidert, daß katholische Mit­telstädte von der Größe Landsbecgs (etwa 40 000 Entwöhn«) wenigstens Im Westen kaum Mittelschu­len könnten, vielmehr die hoher« Schule bevorzugten; daß cä ab« für die hier in Frage stehende Angelegen­heit gar nicht auf den Unterschied zwischen höherm und Mittelschulen ankomme, sondern nur darauf, ob die Katholikm gegmübec evangelischen Mnderhetten auf Schulen, mit Ausnahme der Volksschulen, bezüg­lich derm ja eine gesetzliche Pflicht zur Erteilung des Religionsunterrichts nicht vorliegt, toleranter feien, wie di« Herren von Landsberg, und daß dieser Nach­weis in vollstem Maße «bracht sei. Die fteisinnige, Nur in Wortm hochgehaltene „Toleranz" siegte.

Inzwischen hatte ab« die Angelegenheit die Anf- mertfamkeit des Kultusministeriums auf sich gezogen, da», wie die Reumäck. Ztg. berichtet, durch Koinmis- fart mit der Schuldeputation verhandeln ließ und da­bet betont«, daß die Einführung des katholischen Ne-- ligionsunterrichts wenigstens für die Mittelschrcke rechtlich gefordert werden könne.

Diesen Standpunkt erkannte der Magistrat von Landsberg zwar nicht an, stellte seinerseits statistische Erhebungen an und miede ch ölte nunmehr „aus Bil- ftgkeils gründen" den früh« schon gestellten Anttag suf Bewilligung von 240 Mark für das Jahr für

föenn jemanb eine schmachvolle, eine fluch- wurdrge H e tz e betreiben Hai und am Sonntag en gros mszenrnt hat, so war und ist e« niemand anders als die Sozialdemokratie. Jetzt, wo es fich darum handelt, für die Hundert- tausende, die alljährlich ans dem Arbettsmarkte mehr erscheinen, Verdienst und Brot zu suchen, wirft ausgerechnet dir sogenannte „Arbeiterpartei" unserer Diplomatie Knüppel zwischen die Beine! Kein ftanzösischer ob« englischer „Genosse" würde in ernster Stunde so schandlos handeln, wie es die deutsche Sozialdemokratie jetzt tut. Und wenn ge­sagt wird, nur die Proletarrerknochen seien es, die im Kriege geopfert würden, so ist das eine boden­lose Lüge. Man gehe einmal üb« die Schlachtfelder von Metz, Spichern, Weißenburg, Sedan usw., man besehe sich, was auf den Denkmälern geschrieben steht! Lange, nmeudliche Listen von Offizieren, vom einfachen Leutnant herauf bis zum General, sind da in Stein und Erz eingegraben als Beweis, daß es nicht nur Proletarierknochen sind, die da unten begraben liegen, sondern daß Hunderte, Tausende von Offizieren hier ihr Leben fürs Vaterland ge­lassen haben!

Eine ganze Stunde, von 1 bis 2 Uhr, prasseln die Unwahrheiten wie die Kugeln ans einem Maschi­nengewehr unter die Menge unb in den lauten Bei­fall der urteilslosen Menge mischt sich d« Ruf nach <3amaritern, um die marode Gewordenen hinweg- zuschafsen. Um 2 Uhr zeigt ein Trompetensignal den Schluß des „Meetings" an, noch einmal dröhnt ein Hoch auf die internationale Sozialdemokratie über den weiten Rasen, dann hat der Rummel sei« Ende erreicht und die Menge verlief sich Wied«.

Wie viele mögen es gewesen fein? Das ist schwer zu sagen. Bei so gewaltigen Flächen und einer so unübersichtlichen Menge ift eine Schätzung äußerst schwer. Wir haben aber jedenfalls nicht zu niedrig gegriffen, wenn wir die Zahl auf mindesten» 50 000 angeben. Was hat man den Massen für das Geld geboten, das sie ausgaben, um nach Trep­tow zu kommen? Nicht als wüste Brandreden!