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lieber die RerchKfinanzreform ist bekanntlick das Blaue Brot Hmrnrek beumteigelogen und maßlose Erbitterung und Berstimmung durch die liberal-sozialdemokratische Hetze in die weitesten Massen deZ Volkes hineingetragen worden. Zwar hat sich mit der Zeit doch die Wahrheit zum Licht gerungen, sodaß mit der Steuerhetze kein großes Geschäft mehr zu machen ist. Aber ein gewisser Stachel ist doch zurückgeblieben und besonders die Auffassung, daß die ärmeren Volksschichten im Gegensatz zu den Wohlhabenden und den Reichen über- mäßig zu den Steuerlasten heraugezage« seien, tin- bet sich noch immer in den breiten Volksschichten. Und so macht sich gerade in diesen Kreisen eine gewisse Unzufriedenheit noch immer fce- merkbar.
Daß die liberal-sozialdemokratische Brüderschaft sich diese Gelegenheit^ die Unzufriedenheit zu schüren, nicht entgehe« läßt und vor allem bei dem kommenden Wahlkampf um die Reichstags- manbate nicht entgehen lassen wird, bedarf keines Beweises. Vor allem ist es natürlich die Lebens- mittelteuernng, die aus das Konto der Finanzreform gesetzt wird; das war ja Bei der ersten Steuer
land immer mehr ew Ausdehnung auch auf feiten der Sozialdemokratie, wie wir aus dem in der letzten Woche abgehaltenen sozraLemokratifchen Parteitage in Süddeutschland gesehen haben. Rur die norb« deutschen Genoffen wollen don dem Gedanken eines Zusammengehens mit den Liberalen noch nichts wissen. Auch in der Frage der Beseitigung der Lebensmitteltenerung, Me infolge der anhaltenden Dürre ttfnf geworden ist, ziehen Lckerale und Sozialdemokraten an einem Strang, indem sie eine Beseitigung der Zölle und eine Oeffmmg der Grenzen fordern, trotzdem iebei unparteiisch Denkende einsteht, daß derartige Maßnahmen nur zum tont- schaftlichen Ruin Dentfchkands führen könnten. Aber der Svzialdemokratke kommt es ja nur darauf an, Unznfriedenheü bei der Masse des Volkes zu erregen und der Liberalismus keiftet chr dazu willige HanÄangerdienste.
In England macht man wirklich dem Hochstapler Dr. Schnktz, der stch aks Kavallerieoffizier auszugehen verstand, den Prozeß wegen Spionage. Nachdem man Schultz zwei Tage vor dem Polizeigericht verhört hatte, ist er den ordentlichen Gerichten überliefert worden, wo bald der eigentliche Prozeß begnruen wird. Das englische Volk freut sich dieses Schauspiels.
Von der Türker hörte man in den letzten Tagen nur Erfreuliches. Ingenieur Richter ist endlich in Saloniki eingetroffen und so in eine kultivierte Gegend gekommen, von wo aus er die Heimreise antreten kirnt. Hoffentlich ist jetzt diese Tragikomödie zu Ende. — Der Kronprinz der Türkei, Jnssuff Jzzedrn, ist nach Berkin gereist und wohnte am 1. September einer Parade des Gardekorps auf dem Tempelhoferfekde aks Gast des Kaisers Bet. Der Thronfolger steht bereits im 54. Lebensjahre; er ist der älteste Sohn des 1876 verstorbenen Sultans Abdul Afis und gilt als einer der reichsten Männer der Türkei. Der Besuch dieses zukünftigen Herrschers der Türkei kamt nur dazu Beiträgen, die ztoffchen Deutschland und der Türkei Bestehenden gute» Beziehungen noch zu verbessern.
In Persien ist em klarer HeberHitf über die Lage noch immer nicht zu erhalten, doch schenkt es Kennern der Verhältniffe jetzt so, aks ob der Exsultan gegen Teheran, der Hauptstadt des Londes, die Offensive ergreife und sie von allen Seiten ein- zuschließen gedenke, lieber den Ausgang dieses Bürgerkrieges in Persien läßt sich noch tinmer nichts sagen.
In Japan ist der Ministerpräsident, Fürst Katsura, infolge innerer Schwkerigkeiten zurückgetreten. Die Tatsache ist Mr Deutschland bedauerlich, denn Katsura toar ein Deutschenfreund, der seine gesamte Ausbildung in Deutschland genoneu und in Deutschland längere Zeit gelebt hatte. Er hat diel zu den guten Beziehungen zwischen Dentsch- kand und Japan beigetragen. Als Nachfolger hat er Soionji empfohlen, der seine Erziehung in Frankreich gerwffen hat und demgemäß sich auch Wohl die Anschanrmgen dieses Landes zu eigen gemacht hat.
V-chM-MmöfchaL.
[-] Fulda, 1- Sepie ober 1S1L
Das Interesse der Woche wendet sich diesmal Vier Person L' Kaisers in ganz besonderem Üaße « Der Kaiser hat in Altonaundm Ham- b.rq zwei Reden gehalten, die Aufsehen erregt haben In Altona sprach er von setnem Fann- fie.tglück, stellte der Kaiserin als Frau und Mutter ein ehrendes Zeugnis aus und lobteauchwaser hislnr selten getan hat, ferne Sohne als ernste Männer, die bereit seien, im Falle es ernst werde, den Tod für das Vaterland zu sterben. In Hamburg fragte er das Wort, daß Vie Konkurrenz der Ration m untereinander im Frieden zum Austrag gebrach werden könnte, sprach aber auch von dem uns zu stehende». Platz an der Sonne. Wen-u diese Kaiserri den auch unbedingte Friedensreden waren, so lag doch ein Unterton darin, der gewissermaßen gls Antwort auf die in der ausländischen Presse gemachten Versuche, den Kaiser als schwächlichen -Nachgeber hinznftellen, betrachtet werden darf. Diese Maiserredrn haben jedenfalls von neuem gezeigt, daß das, dem verstorbenen König von England zu- geschriebene Wort: „Mein Neffe will unter keinen Ausständen einen Krieg" nicht unbedingt richtig ist. Auch für einen Friedenskaiser gibt es ein Moment, stvo er zum Schwerte greifen muß. Und wenn dem Auslande diese Tatsache zum Bewußtsein kommt, so ist das eine bessere Garantie des Friedens,, 'als wenn sie den Beherrscher einer Weltmacht für einen schwächlichen Nachgeber hält.
Die Marokkobesprechungen werden Ende dieser Woche wieder aufgenommen. Ueber vie Aussichten dieser Verhandlungen herrscht sowohl jtm der Spree wie auch an der Seine die optimi- Ste Stimmung. Nirgends befürchtet man ernste ickluugen, hofft vielmehr, daß man auf der '„neuen Grundlage" sich baldigst verständigen werde. Wie diese neue" Grundlage aussieht, davon weiß ,Nian allerdings im einzelnen noch nichts. Hoffentlich folgt dem zuversichtlichen Beginn ein baldiges, allseits Befriedigendes Ende.
Eine Störung hat der Maroktosriede, der in der vergangenen Woche angebrochen zu sein scheint, hllerdingA erfahren. Und diese Störung kam von beut ,ehrlichen" Jntriguanten England über Wien. In einem dortigen Sensationsblatte waren als Ansicht einer hochstehenden englischen Persönlichkeit gehässtW Angriffe gegen Deutschland veröffentlicht worden. Nicht mit Unrecht suchte man diese hochstehende Persönlichkeit im englischen Bot- schafterpalais in Wien, in der Person des Botschafters Cartwright. Dieser Mffter hat bis- ' her noch keine befriedigende Aufklärung darüber geben können, ob er als Inspirator dieser persiden yutriguen in Betracht kommt. Deutschland hat aber Wohl mit ein Recht, zu verlangen, daß ein englischer Botschafter in Wien nicht die Deutschen Hetze in der Presse betreibt und versucht, die Trei- bundmächte von einander zu bringen. Wie sich die deutsch-englischen Beziehtmgen in Zitkunst gestalten .werden, darauf dürste die Behandlung, die Eng- land dieser noch uttausgeklärten Angelegenheit äuge- beiheil läßt, nicht ohne Einsluß sein.
Am Sonntag hat das Zentrum bei der Land- tagsersahwahl in dem baverischen Wahlkreise Hom- burg-Wakdmoor (Pfalz) den Sieg über die Nationalleberalew, die zuletzt das Mandat tune hatten, davon getragen. Besonders bemerkenswert ist her Rückgang der liberalen Stimmen, trotz der 'eifrigen und ausgedehnten Wahkagitataion der Liberalen. Im Jahre T907 stimmten dir Mitglieder des Bundes der Landwirte und die Christlich- . sozialen für den ruitionulliberaken Kandidaten; nachdem nun aber die Nationalliberalen sich ganz VW Pen Parteien der Rechten getrennt, diese aufs erbittertste bekämpft und sich ganz dem Linksliberalismus in Bk Arms geworfen haben, der ivieber feiner- feits sich der Sozialdemokratie verschrieben hat, haben Ser Bund der Landwirt« und die Christlichsozialen. es nicht über sich gewinnen können, für den nationalliberaleu Kandidaten einzutreten.
So gereicht der G r o ß b l o ck g ed a nke, der jetzt auch in Bayern weitere Kreise zieht, und für beit sich auch die Nationalliberalen zum größten Teile begeistern, den- letzteren zum Schaden. Ueber« Haupt gewinnt der GroßKockgedanke in Süddeutsch-
hetze fo und so wirb es auch bei bat kommenden Wahlen ebenfalls sein. Das ist ja auch natürlich. Die SebenSmütelieuerung macht sich ja dar allem bei den arbeitenden und gering bemittelten Volks- klaffen am empfindlichsten fühlbar und erzeugt an sich schon Unzufriedenheit. Die Ledensnnttelteue- rung ist sonnt der wirksamste Helfer der Bolksver- hetzMg. Und da muß denn die Reichsfinanz- reform als Prügelknabe herhalten, ober vielmehr diejenigen Parteien, die unter Hintansetzung ihrer eigenen Interessen jenes große Werk bet Finanzreform geschaffen haben, das die Finanzen des Reiches nach jahrelanger liberaler Pump- wirtschaft endllch wieder hat gesunden lassen. Und da die Liberalen, besonders die „Rational"-Libe- raten keine rühmliche Rolle bei jener wirklich „nationalen" Tat gespielt haben, so haben sie allen Anlaß, die Wählemraffen darüber hinwegzutäu- schm. Und dazu ist ja nichts geeigneter, als ein neuer Lügenfeldzug gegen die angebliche Belastung der breiten Volksmaffen.
Das bekannte Schlagwort Bassermamts vom „Bente- und Raubzug" auf die Taschen des Bok- kes wird zweffellos wieder eine große Rolle spielen. Daß die roten Genoffen ihrem liberalen Schützling darin nicht nachsteheu werden, wer wollte daran zweifeln? Und was die beiden Bundesgenossen auf dem ©ebitte an Verdrehungen und Löge zu leisten vermögen, das haben sie ja bei der letzten Steuer- Hetze genügend gezeigt. Gewiß werde» sie nicht mehr i jene Verwirrung und Irreführung wie damals her- beiführetk können, dafür hat schon die Aufklärung des Volkes über den wahren Charakter der Reichs- fmanzreform gesorgt. Aber nichts wäre verkehrter, als zu glauben, daß damst genug getan fei. Im Gegenteil, die Aufklärungsarbeit muß unverdrossen nach wie vor weitergeleistet nick tu alle Volksschichten hinemgetragen werden. Nur dann wird der verlogenen Hetze der mit dem Liberalismus verbündete u Sozialdemokratie ein wirksames Paroli geboten werden können.
Darum muß immer aufs neue wieder darauf hmgewiestn werden, daß nicht die Reichsfinanz resornt <nt der Lebtmsmittelteuerung die Schuld trägt, fmckern sie aus andere Ursachen zurückzuführen ist; vor allem auf die Gewinnsucht des vielfach besonders dem Liberalismus recht ucche- ; stehenden Großkapitals, das unter dem Deckmantel der Steuer erhöh ung einen P r o f i t für sich herausgefchkagm hat, der die tatsächliche Steu- ererbÜbung nm ein mehrfaches übersteigt.
Aber wir wollen hierauf jetzt nicht näher eilt« gehen, sondern uns darauf besthränken, nochmals zu töuftatieren, daß nicht die Finanzreform die Schnld an der Teuerung trägt. Was. ist nicht alles von gegnerischer Seite über die Konsumsteuern der Reichssinanzresorm zufainmengelogen worden! Die Wahrheü über diese Steuern ist ja schon häufig genug ftstgcstcllt worden, aber Nur meinen, sie kann nicht oft'geuug und nicht deutlich genug immer wieder von nettem in feie weitesten Kreise getragen werden. Da ist z. D. feie Tabaksteuer ein Sieb« kingskntb der liberal-fozialdernokratischen Steuer- Hetze. Dem kleinen Mann sollte die Jigarre ge- nsmuien werden usw. usw. Und was ist die Wahrheit? Dir rem steuerliche Belastung betragt für eine Zigarre im Preise von 4 4 0,21 H, das stick 5,3 Proz, im Preise von 5 F 0,37 F, das sind 7,4 Proz., im Preise von 6 4 0,45 F, das sind 7,5 Prozent, im Preise von 10 4 0,78 »5, das sind 7,8 Prozent, im Preist von 12 F 0,97 y, das sind 8,1 Prozent; sie steigt bei Importen, d. h. also feie Zigarre der Wohlhabenden, bis aus 40 Prozent. J£ie Mehrbclaftung bei Zigaretten beträgt für das Stück bis 2‘/± ,L, das stick 2 Prozent, bis 3% F, das sind 3—4 Prozent, bis 5 F, das sind 3—4'S Proz., bis 7 F das sind 3'4—5 Proz., übet 7 H das sind 7 Prozent. — Will da wirklich jemand hn Ernst bchaupteu, daß das eine steuerliche Belastung zu Ungunfien de?, kleinen Mannes ist? Und wie schon oben kurz erwähnt, ist an feer tatsächlichen Verteuerung der Zigarre der Fabrikant schuld, der, während sich das Reich mit 5 bis 8 Prozent begnügte, bei den billigsten Zigarrenssrtm einen Ausschlag von 18 bis 24 Prozent machte.
Ganz ähnlich verhält es sich bei der Branntweinsteuer. Die Erhöhung beträgt für 100 L. Alkohol 40 Jl, d. h. für eine Flasche von vierzehit-
tel Ltter Branntwein zu 30 Prozent Alkohol sag« und schreibe 5 <J. Wenn man nun dem Brannt- toetnkousumenten durchschnittlich sogar täglich ein voller einfünftel Liter Brcmntweru zusprechen will, em Quantum, das ttveffeklos als schädlich zu be- zeichnm ist, so ergm sich, daß für einen solchen Branuttoemkonsumenten eint tägliche Mehrbelastung VW dreifünstel Pfennig ebtirttt. — Wie kann man gegen eine solche Besteuerung ehrlicherweise Einwendungen erheben?
Auch beim Bier rechtfertigt die Steuerechöhung in keiner Werse bk von den Brauereien angenont- mene Preissteigerung. Und Wester, wie steht es in Wahrhaft mit dem Kaffee zoll? Die Zoll- echöhung beträgt für 1 Pfund rohen Kaffee 10 was etwa 12 Z für gebrannten Kass« entspricht. Bei einem Verbrauch von zlvei Pfund Kaffer im Monat bedeutet di« Zollerhöhung also eine Mehrbelastung von 25 j für den Monat oder noch nicht einmal 1 -3 für den Tag. Und endlich -noch die so viel angefeindete Zündholzsteuer! Wir wollen nicht leugnen, daß gerade diese Steuer zunächst unangenehm fühlbar wurde. Aber auch das hatte seine Haupturfache wieder in dem Preisauf- schlag der Fabrikanten. Und was die Steuer selbst anlangt, so wird sie auf den ersten Blick exorbitant hoch erscheinen. Wenn man sich aber vergegenwärtigt, daß auf je 360 Streichhölzer je 9 I. Stenern kommen, der Streichholzverbranch doch im allgemeinen recht gering ist, so wird man gewiß nicht behaupten wollen, daß das eine unerträgliche Belastung ist.
So sieht es also mit der Wahrheit über die Kon< sumsteuern aus, die die liberalen und sozialdcrno- kratffchen Volksverhetzer $u wahren steuerlichen Ungeheuern stempeln möchten. Und schließlich mag noch daran erinnert sein, daß die Liberalen bereit toarat, dem Volke noch weitere 10 Mik- lionen Konsumsteuern arffzupackm. Und warum wollten sie daS tun? Richt ans Siebe zum Reich, nicht aus Jnterefle an der Gesundung der Reichsfmanzen, o nein, das alles war nicht die Triebfeder des kiberaken Handelns; es war allein das Bestreben, jenen Faktor im wirtschaftlichen Leben, der am ehesten eine Steuererhöhung tragen kann, daS mobile Kapital, möglichst steuerfrei zu erhalten. Das kann nicht oft und nickt eindringlich genug immer wiederholt werden.
Denises Keich.
** Roch eine prstestantifche Stimme über de» llolholtkutaz. Das in gläubig protestantischem Sinne redigiert« Deutsch« ilüelsblatt (Rr. 35) schreibt über feie diesjährige ZratholiketwersamMluug:
„Der diesjährige Kathokikmkag, der in Mainz ab- gehalten wurde, bet gleich feinen BorgSngetu ein Bild kraftvoller Geschlosseshett mA etumütiger Begeisterung. Was aber gerede dieser jüngsten Generalversammlung deutscher Katholiken eine erhöhte Bedeutung verleiht, ist das so nachdrücklich betonte Bekenntnis zu den sittlichen Lebensmächten, deren völlige AnSÜlgtmg au8 brn wirtschaftliche» Kämpfen und materielle» Bestrebungen zahlreichen Steif« akS durchaus seldstverflSudlich gilt Wiederholt ist in erfreulicher Werfe die Nolwendrgkett eines guten Einvernehmens zwischen den verschiedenen christttches Bekenntmsfeu hervorgeboben werden. Auch b*t man nicht unter« lassen, daraus hiuzmveisen, wie jechc man ein solches Emvenrehmeu iu Zukunft aufrecht zu erhalte« wünscht. Man wollte aus dem Kacholikenlage jede ton- fesfionelle Polemik a ursch ließ en, durch die stch andersgläubige Ehristen verletzt fühlen könnten. Hub das ist tatsächlich in vollem Maße erfüllt worden. In Mainz wurde nicht ein Wort lernt, das geeignet gewesen märe, bei ernsten und gläubigen evangelischen Christen Anstoß zu erregen. Mit wohl- tue Riet Bestimmtheit wurde tn Mainz die Erklärung abgegeben, daß in dem salgenkchweren Entscheidung^ kämpfe der Zukunft der Wahlsprirch lauten muffe: .Hie Christ, hie Anlichrist! Hie Christentum, hie Heidentum!" ES müsse in diesem Kampfe aller zufammenhalten, waS ans postkiv christliche« Boden stehe. Zwar dürfe man nicht vergessen, was die Bekenntnisse trenne; in katholischen Kreisen ab« würde man stets stch dessen bewußt bleiben, was die Christen eine. Auf dem ÜSebea der Achtung vor der religiösen lleberzeugung der anderen Konfession sei im friedlichen Nebeneinanderwirken der beiden Bekeunlmffe der gemeinsame Kampf gegen den gemeinsamen Feind zu führen. Dadurch werde der Sieg am sicher en verbürgt."
Unpolitische Zeitiaufe.
N. Berlin, 3,1. An-znft 19LL (Nachdruck verboten.)
Der Kaiser hat in den letzten Tagen viel schöne Reden gdjalteu. Für die schönste aber halte ich die Rede aas dem Festmahle der Provinz Schleswig-Holstein, in welcher der Kaiser fein häusliches Glück pries. Lr sprach so recht aus dem Heczeu als gesegneter Cheruana «ick Vater. Die Kaiserin, so führte er aus,, habe dein Hvhenzollerichaufe eur Familienleben befchect, wie vielleicht nur die Königin Luise Vor ihr; sie sei ein Vorbild geworden für die deutsche Mutter, indem st« sechs Söhne M ernsten, tatkräftigen Männern herangezogen, die nicht, wie so viele junge Leute der Jetztzeit, dem Genußleben, sondern, in harter, strenger Diensterfüllmig ihre Kräfte dem Vater- landc Indien und im Notfall ihr Leben opfem wallen. Deswegen ergrrffe er gern die Gelegenheit, den Dank an Ihre Maftftät die Kafferüt auszusprechen für den Segen, den sie feistem Hause gebracht hat.
Das find herrliche Worte eines buben Ehemannes an feint brave Frau. Die wird man im ganzen Volk mit Erbauung hören.
Ein Teil dar Mätmer wird mit heller Freude, ^tin Teil in dankbarer Nehmnt, ein Teil in froher ■ DcU 9 diese Kaift'morte auf sich anwenden.
In Freude diejenigen, die selbst ein. liebes Weib, H^wntter und Kindeoerzieherin zur jSpeite Auch sre Weeden zn ihrer Lebensgefähr- fm sagen: ^ch danke dir für den Segen, den du meinem HWse gebracht hast und den du hoffentlich noch recht lange mehren must! Was hier blSht und aZ deiht, das ist vor allem drin Weck, du Sowie und Wonne der Familie, bu Glück und Hort meines pebensk
Und dir Witwer werden m W-Hmut einen Gruß hürübersenden an daS Grab und in das Jenseits und werden sagen: Es war einmal eine schöne Zeit, als das brave Weibchen schattete und waltete Irt Liebe und Segen. Dm herzimügen Dank für alles
Gute und Schöne, was du uns beschert, rufe tch dir nach. Wir sind verlaff« und verwaist, da die Liebe von uns geschieden; aber berät Geist soll unter uns und tn uns bleiben. Dec Rest der Familie soll so sich weiter entwickel«, daß btt deine Freude hast, wmn du herntederblickst. Die Klebe tobtet immerdar, auch über beu Tod hinaus bis zum Wieder scheit in der befreien Welt!
Und die junge« Lenke werden, soweit sie den Kopf klm und das Herz auf dem rechten Fleck habeir, aus den Kaiseruorten den Entschluß schöpfen: Frisch auf, ich wist mir auch baldigst ein gutes, fiebtS Weib heimführen und ein trasliche» Fsmilienlrben begründen! Dort blüht doch allein das echt« Glück auf Erden!
£>, so ein Entfchluß ist von hohem Werte: nufere fttzige Zeit, ton Ehescheu mck Kindecfcheu immer ärger an den Wurzeln der fozialen und sittlichen Wohlfahrt zu freffen suchen! Drum kami man den Eltern und Lehrern nicht oft genug zu rufen: Erziehet den Nachwuchs in dem chriWch-deutfchen Famtlken- geist, dem der Kaffer einen so schön en Ausdruck verliehen hat!
Ich für meinen Teil habe wieder einmal die E p ist el aufgeschlagen, die am Tage dec Mutter Anna und anderer heiliger Stauen gelesen wird. Dieselbe Epkftrl, die ich neüttch gelesen habe, ÄS ich Leichennmche hatten müßte. Es ist der Schluß aus den Sprächen Salomons, den man auch das goldene Alphabet der Frauen nannte. Dieses Loblied auf das tugendhafte Weib habe ich m traurigen Stunden in deutschen Versen zu Werfetzen versucht. Etwas frei, um den Reim zu erreichen, aber sinngetreu. Ich hoffe, der kleine Nachdtchtungs-Berfuch wird den Lesern nicht unlieb fefet, fenbem Widerhall finden tn den Herze» der Männer mtd neuen Eifer erwecken in den Seelen der strebsamen Frauen. Man steht aus tiefem Frauenlob des Akten Testamentes, daß schon damals die Frauen nicht das ^schwach« Geschlecht" waren, als bei man sie oft bezeichnet, daß fte als Herrinnen des Hause« kräftig und fmchtbar wirtte» und schafften, daß ste aber die Wrffamkett
im öffentlichen Leben verstaudigenueise dem Manne Äs dem Minister des AuZwärtigen überließe». Auch für die moderne Frauenemanzipation fft die Epistel lehrreich.
Sie lautet:
Ein starkes, treues Weib? Wer wird sie finden? Kein grofr’m Schah ist rät der Erde Gründen. Des Mannes Herz darf sicher auf sie bauen, Und reiche Beute jchüffet fein Vertrauen.
Sie tut ihm Eures, Liebes alle Tage, Veffcheucht das Böse, wehret jede Plage. Wit Flachs und Wolle will sie schalten Und ihrer Hände Kunst enfjaOen. Ker Tages Anbruch steht sie auf geschwinde, Gibt Speis' unb Arbeit dem Gesinde.
Sie pflanzet, Met, erntet in dem Garten; Sie kaust Land hinzu von feem Ersparten. Ein schwaches Weib? O nein! Kraft in de» Hände», Wit Stätte find umgürtd ihre Lendm.
Sie fü^Et, wie gut es geht, ermattet nicht. Wenn auch des Nacht noch glüht ihr Arbettslicht. Gar große Dinge weiß sie ducchzufilhren. Doch euch die kleine Spindel flink zu rühren. Sie öffnet ihre milde Hand dm Stritten Unb hilft dem Leckenden mit oitt Erbarmen.
Sie läßt ihr Haus im Winterfcost nicht leiden: Die Leute können all' sich doppelt kleiden.
Sie macht sich Decken mit geschickter Hand; Weiß Leinen ist unb Purpur ihr Gewand. Ihr Mann macht Ehre ihr. Von Freud' erfüllt Sieht sie, wieviel er in dem VolkSrÄ gilt. Wer so am Lebensmittag schasst in Treuen, Darf sich auf einen heitern Abend freuen. Boll Weisheit ist des braven Weibes Wort; Nachsicht und Milde ist dec Zunge Hott. De» Wandel aller ihrer Hausgenoffen Bewacht die Muller klug und unverdroffen. Die Kinder kommen hoch und knienvorihr; Der Mann f<*t: Alles Glück verdank' ick dir!
ists, welches brennt!1
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Mag andre locken Reichtum, Glanz und Lust, Du trägst das höchste Glück rät treuer Brust! Die Schönheit wettt, der ellle Reiz vergeht: Ein Weib voll Tugend blühet und besteht l Die Früchte ihrer Hand« haben fte erhoben; Im RÄ der Männer wird man hoch sie loben.
— Die „Hochzeitsreise". Zwei Sacksen begegnen einander im Riesengebirge: „Herrje! Seien Sk nich gar der Miller? Seien wir nicht zusannuen tn Pirna auf der Schul« getoäfen?* — „I' m,n ifV“ sich bin ich s, mck Du bist doch der Garke L h- marm!" — „Aber wer rmch mifage
bloß, wo gommst Du timt hierher?" — „au, ich bin uff der Hochzettsreese und mache so e bisl ftn dm Barchm rum" — „Uff der Hvchzertsreife? Nee, was mich das freit! Da gtrnn ich wohl auch das SSetgniegen ham. Dem« geehrte Frau Gemahlin geraten zu lernen?" — „Nn, das heeßt, was meine Frau is, die is zn Haufe Mcklichm, vor zwee wärick mirs nämlich ru dekr atioäf’n."
— Ein junger Künstler. AwS feiner Ferkn- reise erzählt ein Pariser Maler die folgende hübsch« Geschuhte: Ich nähert« mich dem Kernen Dorf, in dem ich die Nacht verbringen wollte und toar auf dem Keinen Hügel, an welchem es lag, stehen geblieben. Ueberall brach schon die Därmnerung an, aber nn Westen war der Himmel grellrot beleuchtet. Kleine, rosig angehauchte Wölkchen schwebten am Horizont. Der Anblick war großartig. Reben mir flarck ein Dorfjunge, der ebenfalls voller Betonn- Bertmg dem Schauspiel zusah. „Das ist schön/' sagte ich. — „Wunderbar," erwiderte der Junge, ohne die Augen abznwenden und mit einer auf. fallenden Begeisterung. — „Du liebst, was schön ist." — „O ja." — „Du hast die Seele eines Künstlers, lieber Freund." — „Jak" — „Aber natürlich. — Kommst Du häufig auf diesen Hügel herauf, um den Sonnenuntergang zu betounbent?" — „Aber, mein Herr, was Sie da scheu, fft kein Sonnenuntergang! Das Schukhaus, das Schulhaus