MaerW Zeitung
5.ÄÄS«. woch-nd-iias-: Illustrierte Sonntagrzeitung
MonatrbEager „Krldaer GeschWzbMer"
Vrrantw. Redakteurr LarkZchStte;
»glich mit XMsnatwe bet So m: mrd Feiertage. Viettel- Mrliche»ver»grprels ohne vringerioyn und Bestellgeld in Fulda so- wieattiroärf$15OmL
lw$st<ewt Me et» fpotttge pktttzeile ober bereit Ham* pfg. LeklamendiepetttzeUe psg^ bet wieder» stokungenwirdensspr.
Rabatt gewährt.
Lotationrdruckunb Verlag der Fuldaer N» tienbruderet in Fulda LerusprecherNr.-.
Jv3 260.
Erstes Blatt.
Fulda, Samstag den 2. September 1911.
38. Jahrgang.
in
100 Tote
1911.
Stabteer»
I Berlin, 1. Sept 1911. Der dritte deutsche Städtetag, bet am 11. und 12. September in Posen Zusammentritt, wird beraten über die Ar» beitslosenverflcherung und über einen Antrag Mün» chen betreffend Neueinteilung der Reichstagswahl» kreise.
** Z« den Marokk»v«haudlnngen. Die erste Zu» sammenkunst zwischen dem franzöfischen Botschafter C ambo n und dem Staatssekretär deS Auswärtigen AmtS v. Kiderlen'Wächter wird erst heute SarnS» tag erfolgen.
je? Sedan.
Den Gl ei ch m u t sollen wir bewahren in schlimmen Tagen und erst recht in guten, sagt dec alte lateinische Dichter Horaz. Ebenderselbe erklärte den Mittelweg für den sichersten.
Auch für die Sedanfeier gilt diese Lebensweisheit. Nicht zu den Chauvinisten wollen wir uns schlagen, die aus dem Erfolge von 1870 in tönenden Worten die unbedingte, allgemeine und ewige Weltherrschaft für unser Germanentum herleiten wollen; aber ebensowenig zu den Nörglem und Verneinern, die keine Freude und keinen Stolz auflommen laffen, sondern jeden Kvieg für eine Roheit, jeden Sieg für eine Nichtswürdigkeit erklären.
Was ist der Krieg? Die Berichtigung eines falschen Nechenexempels. Der Schullehrer verbessert die Fehler der Kinder mit roter Tinte; der Krieg öer- bessert die Fehler der Erwachsenen mit Blut. Das offizielle Frankreich hatte sich 1870 in der Schätzung der deutschne Wehrkraft arg geirrt. Es hielt sich für „erzöeceit", weil es die vernünftigen Berichte des Obersten Stoffel ungelesen beiseite gelegt und seiner Selbstgefälligkeit blindlings Folge gegeben hatte. Wegen der Ueberschätzung der eigenen und der Unterschätzung der fremden Macht führte Frankreich den Krieg herbei, und aus den zahlreichen Schlachten, die den Irrtum „schlagend" nachwiesen, greifen wir Sedan heraus als den Gipfelpunkt der gründlichen Berichtigung. Weil der Krieg uns aufgezwungen war, und weil uns der Nachweis unserer Ebenbürtigkeit glänzend gelang, dürfen wir mit ruhigem Gewissen am Sedautage uns freuen.
Früher mußte man gegen den Ueberschwang der Gemütserhebung und die herausfordernde Zuspitzung dec Erinnerungen an die glorreiche Vergangenheit sich wehren. Jetzt ist die „alldeutsche" Maßlosigkeit nicht mehr so gefährlich, als die Untergrabung und Verneinung des patriotischen Sinnes durch die S o z i a l d e m o k r a t i e und deren Geistesverwandte. Da wird alles in Grund und Boden hcruntergerissen, was unsere Väter getan, und was wir in der Jugend bewundern gelernt haben. Ja, die Gehässigkeit und Verblendung geht in neuester Zeit so weit, daß man dem eigenen Vaterland in den Rück e n fällt bei jener diplomatischen Mion, durch die wir eine billige Entschädigung für Ueber- griffc Frankreichs zu erlangen suchen. Es wäre ja schließlich noch zu begreifen, wenn jemand grundsätzlich alle Kolonialpolitik verwerfen und also den sämtlichen Staaten die Ausdehnung ihrer Machtsphäre in anderen Weltteilen verbieten wollte. Aber daß unsere Sozialdemokratie die Erobennrg Marokkos durch die französischen Trappen ungerügt läßt und dagegen dem deutschen Vaterlande es zum Verbrechen anrechnet, wenn es von den erobem- ben Nachbarn Entschädigung verlangt, das ist der Gipfel des Unrechts, sowohl des Unrechts gegen die Logik als gegen das eigene Land.
Es muß aber beachtet werden, und zwar gerade an diesem festlichen Tage, daß solche antirnilitaristi- schen und landesfeindlichen Agitationen jetzt in demselben Deutschland stattfinden, das bei Sedan gesiegt hatte. Und solche Treibereien erfolgen nicht bloß von einzelnen Querköpfen, sondern von einer großen Partei, die nach den Wählerstimmen sogar die größte Partei ist. Ja, diese vaterlandsgefährliche Partei steht im Großblock verbunden mit den Jung- nnd Linksliberalen. Weder der Großblock in Vaden noch das Wahlkompagniegeschüst im Reich sind durch die landesverräterischen Agitationen ins Stocken geraten.
Darin steckt offenbar eine Gesahrfürdiena- ti analen Errungenschaften von 1870 und 71. Dieser Gefahr der Zersetzung des Nationalge- fühls und der deutschen Wehrkraft muß man ernst ins Auge sehen und rechtzeittg auf Abwehr bedacht fein. Das ist ein Umstand, der nur zu sehr geeignet ift, uns vor Ueberschwang und Hochmut zu bewahren. Was unsere Väter uns bei Sedan vererbt haben, wir müssen es nach des Dichters Wort erwerben, um es zu besitzen. Wir können des Errungenen nur dann recht froh und sicher fein, wenn wir imstande sind, erforderlichenfalls heute noch die gleiche Kraftprobe erfolgreich zu bestehen.
Lokaler.
Fulda, de» 2. September
Ausland.
** Belgische Rüstungen. Eine merkwürdige Ner» vofität scheint in den leitenden belgischen Kreisen zu herrschen. Verschiedene Blätter melden, daß die Festungen in Namur und Lüttich mit neuer Artillerienmnition versehen werden und das 12 Mitrailleusen nach Namur gesandt worden find. DaS zweite Bataillon des 12. Linien-Regiments in Lüttich hat die dortige Zitadelle bezogen und die Generäle der Festung halten Beratung ab. Der Kriegsminister hat beschlossen, das Generalquartier der 2. Artilleriebrigade von Gent nach Mons zu verlegen. Auch der Generalstab der 3. Kavallerie» brigade wird nach MonS verlegt. Dreißig Geschütze und Schnellfeuerkanonen wurden nach dem Lütticher Militärdepot übergeführt, dem außerdem 1800000 Patronen überwiesen wurden. Der Kriegsminister hielt in seiner Villa Cointe eine Versammlung ab, zu der er alle höheren O fiziere der Festung Lütticl geladen hatte. Wie verschieden« Blätter wiffen wolle«, ist die Mehrzahl tat Eisenbahnbrücken in
Tageszeitung": DaS will unS einigermaßen zweifel» hast «scheinen, den» Herr Geheimrat Rieß« ist, soviel wir wiffen, zwar jüdischer Abstammung, ab« getauft. Er gehört also doch wohl nicht mehr zu den deutschen Staatsbürgern „jüdischen Glaubens".
* Sie charakteristisches PrSsungSthema. In Nr. 198 deS Lübecker Generalanzeigers w«den die Themata d« schriftlichen Arbeiten für die Abgangsprüfung d« Kandidaten deS königlichen Lehrerseminars in Segederq (Holstein) mitgeteilt. llnS Katholiken dürfte daS Thema für die Prüfung in d« Religion interessieren. ES lautet nämlich: Warum ist der Jesuitenorden der gefährlichste Gegner der evangelischen Kirche? Auch ein Beitrag zum Kapitel: Wer stört den Friede» unt« den Konfessionen?
ReichStagSwahlvorbereitunge».
♦* Keine liberale Einigung. Man gab sich in liberalen Kreisen b« Hoffnung hin, daß ein Wahlabkommen zwischen den libeqale» Parte»« für ganz Nassau zustandekommen werde. Diese Hoffnung hat, wie bie „Deutsche Tagesztg.' mitteilt, getrogen. In bat einzelnen Kreisen sind bie EinigungsverHandlungen ergebnislos verlaufen. Im zwecken sind sie zwar noch nicht enbgiltig abgebrochen; aber ein Erfolg ist nicht mehr zu erhoffen.
Ist bas der Fall? Manche sagen, ein neuer Kampf gegen Frankreich würbe uns nicht gefährlich sein, da bie Franzosen, obschon sie neuerdings wieder mit „Erzbereitschaft" geprahlt, der deutschen Armee nach wie vor nicht gewachsen seien. Mag sein; aber heut- 'outaae würde Frankreich nicht vereinzell sein. England ioürbe zugleich mit ihm gegen Deutschland losschlagen. Darin steckt gerade bie Schwierigkeit der Gegenwart, baß wie bie 1870 errungene Weltstellung segen Frankreich und England zugleich zu öerteibigen gaben, wenn ein Konflikt sich entwickelt. Und darum (ift es doppelt und dreifach frevelhaft, daß unsere Sozialdemokratie gerade jetzt dec deutschen Staatskunst, die in Frieden unsere Ehre und unsere Jntereffen zu wahren sucht, in die Arme fällt. Ebenfalls ist es zu verurteilen, wenn die Eiferer und Wagehälse von der Gegenseite durch ihre Maßlosigkeiten einen Konflikt riskieren, dessen Tragweite kaum der Fachmann abzu- grenzen vermag.
Also wollen wir den Gleichmut bewahren und den Mittelweg emzuhalten suchen. Keine Schwäche, aber auch kein Uebecmut. Keine Angst, aber auch kein Spiel mit dem Feuer. 41 Jahre sind feit Sedan ver- floffen, ohne daß Deutschland genötigt war, das Schwert nochmals aus der Scheide zu ziehen. Deutsch- .Wfentli« auch weiterhin den Rekord der Friedlichkeit schlagen können. Für den Fall aber daß man in London ober sonstwo eine falsche Rechnung aufmacht, bie nur mit blutiger Tinte richtiggestellt werden kann, müssen wir einig fein, wie unsere Väter es bei Sedan waren, und darum geht die wichtigste und dringlichste Nutzanwendung -<on der Erinnerungsfeier dahin, daß wir die zersetzende sozialdemo- .kratische Agitation abwehren müssen, und .daß insbesondere jede Großblockpolitik nicht .bloß ein innerpolitisches Verhängnis, sondern auch ein Verbrechen gegen di e Weltstellung und ibie Weltinteressen Deutschlands ist.
Versammlung. 1) Ersatzwahl für dar verstorbene Mitglied d« Schätzungskomwisston nach § 4 b« Grundsteuerordnung, Heinrich Lederle. 2) Anschluß des Neubaues d« Stanz- und Emaillierwerke am Franzosenwäldchen an die Waff«leüung und Bewilligung der Koste». (Eickenscheidt) 3) Legung eines Waflerhaupttohrstranges von der Riesigerstraße bis an die Artilleriestraße und Bewilligung d« Kosten. (Slmmer.) 4) Einzäunung des Fuldakanals neben dem Hause, Löherstraße Wr. 54 und Bewilligung )« Kosten. (Reith.) 5) Deckung d« Kosten bei d« Erkrankung einer städtischen Desinfektors. (Axt.) 6) Beschickung des Sparkassentages. (Sing«.) 7) Verwendung der Wertzuwachssteuer. (Dux.) 8) Freigabe- und Löschungsurkunde. (Sing«.) 9) Freigabe b« Zebammenpraxis unb Festsetzung ber Gebühren. Dr. Raabe.) 10) Anderweite Festsetzung der Gebühren für ausgeführte Desinfektionen. (Kirch«.) 11) Befreiung eines Gewerbetreibenden von der Vorführung des auszuführenden Apfelwein» champagners. (Kirchn.) 12) Formelle Zustimmung »u eine« Grundstücksv«kaus. (Simm«.) 13) Nachweisung üb« den Stand b« Spareinlage» und Rückzahlungen bei der städtischen Sparkasse. (Sing«.) 14) Anlegung eines SammelfonbS für Errichtung einer evangelischen Volksschule. (L Berichterstatter liübsa«. 2. Berichterstatt« Voll»«.) 15) Antrag Rapp: Verabreichung eines warmen Frühstücks an bedürftige Kind« der ftäbtischeu Volksschulen in ben Wintermonaten und Einrichtung ein« Schullehrküche. 16) Müteilrmg von Eingängen. In geheimer
um Stundung nachsuchenben Hausbesitzern freistellt, bte Zahlungen in beliebig kleineren Teil- betrügen und zu anberen Terminen zu leiste», nur muß darauf Bedacht genommen ro«ben, daß der ganze Beitrag am 1.Ottob« 1912 ge- tilgt sein muß. Eine roeit«e Hinausschiebung be3) Zahlungstermin» sei ausgeschlossen. Nach dem' 1. Oktober 1912 komme der noch ausstehende Kanal-' beitrag sofort zur zwangsweisen Beitreibung. Für'; den gestundeten Beitrag kommen 4 Prozent Zinsen jur Erhebung. — Der Magistrat ist demnach ben ; HausbeMern zur Hälfte entgegengekommen unb1 chlägt Erleichterungen in b« Zahlungsweise vor.' Untttbeffen nimmt das Verwaltung »streit-^ verfahren ein« Anzahl Hausbesitzer bei dem zu-' ständigen Verwaltungsgericht in Kassel feinen lang»' samen Fortgang.
& Wjähr. GeschSstsjubilämu. Gestern, am 1. Sev- tember, konnte bie Wach S waron sab rik von fta. cJRfiJk fam ^er auf ein Vierteljahchundert
v Bestehens znrüMicken. Der Inhaber und Gründer ber Firma Herr Karl Rübsam hat bas Un- temehmen von ganz kleinen Anfängen mit zwei Ar» beitem im Laufe ber Jahre nach allen Seiten hin rastlos vervollkommnet und berart auf bie Höhe ge»
daß e» heute als eines ber angesehensten Fab- rikgeschäste biefer Branche dasteht. Die Fabrikräume erwiesen sich fortgesetzt als zu klein. Es reihte sich in ben Jahren Neubau an Neubau, sobaß nunmehr das imposante Wohngebäude mit dem umfangreichen Fabriketabliffement bie ganze Straße am Hopfengarten einnimmt. In der Fabrik find zurzett zirka 100 Angestellte und Strbetter tätig, darunter viele mit langjährig« Geschäftstätigkeit Während die Firma früh« lediglich Wachswaren und technische Wachse aller Art, besonder» als Spezialität Kirchenkerzen aus reinem Bienenwachs erzeugte, wurde seit einigen Jahrm auch die Fabrikation von Stearin-, Paraffin- und Kompofittonskerzen sowie Schuhcreme aufgenommen. Die Erzeugnisse ber Firma Karl Rübsam fan- len auf ben beschickten Ausstellungen stets lobende tnertatmmg und hohe Auszeichnung. Eine beson- bere persönliche Ehrung widerfuhr dem Inhaber b« ?irma, indem er von Papst Ptus X. zum päpstlichen Hoflies«anten ernannt wurde. Es »«bient erwähnt Zu werden, daß jederzeit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmem ein gutes Einvernehmen bestanden Bat. Herr Rübsam, ber mit großer Genugtuung auf dir erfolgreichen 25 Jahre zuruckblicken kann, Jiefj, wie wir höre», diesen Erinnecungstag nicht ^°eübergehen, ohne feinem Personal, das ihm die besten Gluckwim- schm zum Ehrentage darbrachte, für treue und gewissenhafte Pflichterfüllung einen größ«en Geldbetrag zu überweisen. Die Arbeit« und Arbeiterinnen überreichten ihrem Chef eine kunstvolle in ber Fuldaer Aktien druck«« hergestellte Widmung mit Gruppenbild, in ein« geschmwkvollen Mappe ruhend. Eine ähnliche Ehrengabe üb«gab bas Angestellten-P«- sonal. Heute unternimmt der Prinzipal und dessen Famllie mit der Arbeiterschaft mittelst Extrazug
(*) Für die regelmäßige Sitz«»- ber ________
orbnelen-Versammlnng am Montag, 4. September, abends 7*/e Uhr ist folgende Tagesordnung trage« etzt: A. Gemeinschaftliche Sitzung deS Magistrats unb ber Stadtverordneten» Bersammlung. 1) Ersatzwahl für das verstorbene Mitglied der Schätzungskommissto» nach § 11 b« Ordnung betreffend bie Erhebung eines Kanalbeitrages HeinrichLeberle B. Stadtverorbneten-
Stolz, mit dem unsere Stammesgenossen, bte jenseits des Ozeans eine zweite Heimat gesunden haben, auf ben unS gemeinsamen hervorragende» Landsmann blicken, und wir empfinden hohe Befriedigung üb« die Ehrung, die bte ganze amerikanische Nation dem aus deutschem Stamme entsprossenen Führ« unb Mitbürger, fein« BerdieuKe aus ernst« Zeit eingebent, nun zuteil werden läßt. In den vier Menschenaltern, die feit jenen Kämpfen dahmgegangen sind, haben bie bereinigten Staaten einen reichen Zuschuß an wertvollen Kräften durch deutsche Zuwanderung erfahren. Aus allen Gebieten haben Deutsche an d« Entwicklung der Union zu ihr« gegenwärtigen Weltftellmrg mitge» arbeitet, nidjt zuletzt ans dem Felde geistig« Arbett alS Lehrer, Gelehrte und Echrififtell«."
(*) Vom HansabnudsprSsideute«. In d« „Staats- bürg« Ztg.- roirb'.mttgeteilt, daß ber Präsident des HansabundeS Geh. Justizrat Pros.Dr. Ri eß er Mit- ftted deS Ze»tralv«banbeS deutscher Staatsbürg« üdtschen Glaubens fei. Dazu bemerkt bie „Deutsche
+1 Deutschland und der französisch. japanische Handelsvertrag. Am 19. August 1911 ist zwischen Frankreich unb Japan ein Handels- unb SchiffahrtS- vrrtrag abgeschlossen worden, b« an die Stelle beS mit dem 4. August 1911 außer Kraft getretenen früheren Handelsvertrags treten soll. Der Vertrag enthält die gegenseitige Meistbegünstigung. Frank- reich gewährt den japanischen Erzeugnissen seinen Mmdcsttaris, Japan ben französischen Erzeugnissen die niedrigsten Zollsätze unb baueben noch eine Anzahl Ermäßigungen autonomer Zollsätze für v«» schiedene Waren. Da Deutschland mit Frankreich einen MeistbeaÜnstigungsvertrag geschlossen hat, kommen biefe Zollermäßigungen auch ben deutschen Erzeugnissen zugute. Der neue Vertrag tritt nach einem vorläufigen Abkommen unter Vorbehalt b« Genehmigung burch die beiberfeitigen Parlamente am 1. Septem b« 1911 m Kraft.
* Ein Symbol ber deutsch-amerikanischen Freundschaft. Am heutigen Samstag wird bekanntlich das von Am«ika gestiftete Steubenbenkmal in Potsbam bem Kaff« flb«geben werben. General v. Steuden, von Geburt Deutscher, kämpfte in Amerika bie Unabhängigleitskämpfe bet „Union" mit unb war Generalinspekteur deS amerckanischen Heeres. Die,Norbd. Allg. Ztg/ schreibt aus Anlaß bet Uebergabe deS Denkmals:
„Wit in Deutschland verstehen wohl den besonderen
Sitzung: 17) Uebertraguug des Hauses Friedrichs, martt Nr. 1 auf die städtische Sparkasse (Dur) 18) Antrag auf Stundung'd« S?raßenanZgL betttäge. (Sreiteeborn.) 19) Andnweile Festsetzung des freten Gasverbrauches des Gaswertsdiretiors (Weber.) 20) Geländeaustausch hinter ben Löherm (Wehner.)
A Priesterexerpte». Morgen (Sonntag) abends 6 Uhr beginnen die zweiten birSjähtigeu Priest«, exerzttten im bischöfl. Priesterseminar mit ein« An- dacht zu Ehren des hl. Geistes in ber Bonifatius. Stuft Die hl. Hebungen bau«» bis Donnerstag. Es ^lben sich zu denselben 108 geistliche Herren an» gemeldet, wovon 41 auf bie Diözese Fulda, bie übrig« auf bie Diözese Würzburg unb einige auf bte Diözese Mainz entfallen.
(*) 8är den zweiten Rohrstrang hat, wie wir schon meldeten, der Maglstrat die Röhrenlieferung vergebe». Dte neue Zuleitung von 20000 Meter Sänge rotrb nach seinem Beschluß in den alt» bewährten gußnsernen Muffenröhren ausgeführt. Herausgenommene Rohre d« bestehenden Leitung, ^0.Jahre liegt, sind, toie jüngst vom Oberbürgermeist« in der Stadtverordnetensitzuna erwähnt wurde, noch wie neu.
X Die Gedenkfeier des S-dontages wurde heute vormittag in den Schulen und Lehranstalten in Üblich« Wesse mit Ansprachen, Gesang unb Deklamationen begangen. Der Schulunterricht fällt überall ans. Die Seminarübungsschule macht mit t^ren Lehrern heute mittag einen Spaziergang nach Haimbach. Der Kriegerverein und b« Garbeverein haften heute abenb Kommerse ab. Di- öffentlichen Gebäude habe» geflaggt. Andere V«anstaftungen sind auf morgen, Sonntag, gelegt worden. So marschiert die Krie ge rka m er ad- sch ast morgen früh mit Fahne nach der Garnison- Kirche am Frauenberg, wo um 9 Uhr ein feierliches Amt für die im Kriege 1870/71 gefallenen und fpäter gestorbenen Kameraden mit einer Ansprache an die Veteranen stattfindet. Auch wird am Kriegerdenkmal ein Kranz niedergelegt. Die Turngemeinde feiert abends im Stadtsaale ihr Sedanfest. — Zu bem Sugenbro et turnen für ben Kreis Fulda, das morgen nachmittags 3 Uhr im Irrgarten abgehalten wird, unb gleich- falls im Zeichen b« Sedanfeier stehi, haben sich üb« 100 Jünglinge gemeldet.
• Ä 3» Setbe« des einmalige» Kanalbeitrags teilt letzt der Magistrat den um Stundung nachsuchenben Hausbesitzern auf deren Antrag vom 29. Juni mit, daß er gern bereit fei, diejenige Erleichterung zu gewähren, zu d« « gesetzlich berechtigt sei. Dem Ansuchen stattzugeben, bie Zahlung so zu gestalten, baß bte brüte Rate im Oktober 1912 unb die letzte ^late im Oktober 1913 zur Einzahlung komme, sei der Magistrat „ans rechtlichen Gründen leib« nrcht m der Sage*. Dagegen will er gestatten, daß die letzte Rate «st am 1. Oktober 1912 zur Zahlung gekommen sein muß. Auch dadurch er- leichtert der Magistrat die Zahlung, baß er den
ben wallonischen Provinzen unterminiert worden. Die Stationsvorsteher in den Grenzstationen Haden v«fiegelte Briefe mft dem Befehl erhalten, diese nur unter gewissen Umständen zu öffnen. — Die Nachrichten sind offenbar stark flb«trieben, und eS ist nicht unwahrscheinlich, baß ein geschicktes aber SivifsenloseS Börsenmanöver dahinter steckt. Wahr eint nut soviel zu fein, daß b« Kriegsminister bie Vervollständigung ber Ausrüstung b« Maasbefestigungen anotbnete.
♦ Kein neuer Effenbahnerstreik in England. D« «wartete Streik ber Lokomotivführer, Heiz« unb Putz« bei ber Great Eastern-Bahn ist ver- mieben. Die Gesellschaft verbürgte sich, U ihrem Verhalten gegen bie wiebereingetretenen Streikenben nach bem Beispiel ber anberen Gesellschaften zu handeln.
* König Peter von Serbien, Prinzessin Helene, unb Kronprinz Alexander sind gestern in Peter- Hos eingetroffen und vom Zarenpaar zum großen Palais geleitet worden.
* 3« Perfie« zeigt sich das Kriegsglück wechselnd. AuS Teheran wird von ein« Erstürmung des FiruckupaffeS durch bie Truppen deS Exschahs aber auch von gleich brei Siegen über die Truppen des ExschahS gemelbet Der Exschah verlor unb viele Verwundete.
Deutsches Reich.
** Die Kaiserparade In Berlin.
Vorn prächtigsten Sounenwetter begünstigt, ging gestern als Vorspiel zu den Kaffermanövern in Berlin die Parade üb« bar Gardekorp» vor sich, die durch die Anwessiheü deS türkischen Thronfolgers und mehr«« deutsch« Fürsten einen besondern Glanz erhielt. Da in den Schulen ber Unterricht ausfiel, boten die Hauptstraßen Berlins, bie zu bem Parade» seid fuhren, lebhafte Blld«. Auf dem Tempelhof« Felde hatten die Truppen des Garbekorps wie immer in zwei Treffen Aufstellung genommen. Die Parabe kommandierte General b« Infanterie, General-Adjutant v. Löwenfelb.
Der Kaiser war gegen 8 Uhr zu Pferbe erschienen. Die Kaiserin traf im Sechsspänner ein. Die Prinzefsinnen erschienen ebenfalls zumeist zu Wagen. Am rechten Flügel versammelten sich b« Kronprinz unb die Pttnzen unb Prinzessinnen des Königlichen Hauses, ber König von Sachsen, bte Großherzöge von Baden, Hessen, Sachsen, Mecklenbmg» Schwettn, Mecklenburg-Strelltz unb Oldenburg, bie Herzöge von Sachsen unb Anhalt, bie Fürsten von Waldeck nud Hohenzollern, ber Erbprinz von Meiningen, der Erbprinz Neuß j. L., Prinz Johann Georg von Sachsen, Prinz Max von Baden, b« Srbgrofc Herzog von Mecklenburg-Strelitz, b« türkische Thronfolger, ber mit bem türkischen Botschafter in einem König!. Vierspänner saß. Der Kais« ritt zunächst die Fronten ab, gefolgt von ben fürstlichen Damen unb Herren unb einer ungeheuren Suite. Es fanb mir ein Vorbeimarsch statt. Dec türkische Thronfolg« beobachtete ben Vorbeimarsch stehend Im Wagen, augenscheinlich mit großem Interesse. Ein interessantes Intermezzo war e8, daß plötzlich über ben Trappen in mehreren eleganten Flügen ein Aviatik« erschien, beffen Pilot photographische Aufnahmen von der Parabe machte. Es war ber Aviatiker Vollmöller auf sein« „Taube". D« Flieg« zog in etwa 100 Meter Höhe über das Feld dahin. Seinen Beweggungen folgte b« Hof unb sämtliche Anwesenden mit gespannter Aufmerksamkeit. Bald barauf erschien auch d« Aviatiker Alring mit feinem Doppeldecker. Der Kaiser hat ben König von Sachsen zum Chef des 2. @arbe=UIanenregiment8 ernannt
Die Rückkehr ber Kaiserin vom Pacadefelbe ebenso wie bie beS Kaisers, d« mtt ben Prinzen an der Spitze der Fahnen uns Standatten einrttt, war von andauernden Kundgebungen Begleitet Der Kaiser wohnte im Innern Schloßhof dem Abbringen b« Feldzeichen bei, während dessen die Kaiserin unb Prinzessin Viktoria Luise auf ein« Galerie unb der türkische Thronfolger an einem Fenster erschienen waren, nahm eine große Reche militärischer Meldungen entgegen unb versammelte bann bie Schiedsrichter für bie Kaisermanöv« um sich. Oberster Schiedsrichter ist ber Kais« selbst.
Am Abend war im Weißen Saale des König!. Schlosses Paradetafel. Links neben ber Kaiserin saß ber König von Sachsen, rechts neben bem Kaiser Prinz Jussuf Jzzebbln, ben Majestäten gegenüber Reichskanzler von Bechmann-Hollweg unb b« kommandierenbe General von Löwenfelb.