Fulda, Donnerstag den 31. August 1911
38. Jahrgang
198.
Hofe,
fest auf dem Boden deS biblischer, Christentums
Roman von Felix Nabor.
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leistetet xnt et» fpaüiz« Petitzrtle.de, lene Bowe l&Pff. U«0«nrirl,rpetitZtUt
Pt--, bet Wied«» teltmgen wird «ntspr. Ladslt gewShrt.
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Verlag »er Fuldaer 3!» Seednukerri ht Fulda Ferulprecher Rr. 9.
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Sie ,..td ein Ungeheuer —
SrfchrMt tSgliq mir Ausnahme Irr §o.m- uud Feiertage. Viertei- jährlichnVeMgrpreir vhrre Sringrrwhn und VeftekgeldinFnidafa» wie auswärts 1.5vtllt.
Vrrantw. Aedattrmt
„Weiß ich! — Aber die schöne Zeit ist vorüber. Man ist alt geworden. Und doch nicht klug. Früher hat man über uns gelacht und über unsere dummen Streiche —*
„Aber, Herr Hofmarschall, Sie führen zuweilen eine Sprache, die sich nicht für das Ohr einer jungen Hofdame ziemt —'
„Weiß ich alle» — aber wahr ist'S doch! — Früher hat man über uns gelacht — jetzt lachen wir über andere! Dar ist der ganze Witz. Und wenn man so sein ganze? Leben lang in dieser dicken, feierlichen Lust zubringii da schwimmt man mit dem Strome.*
„Aber, Herr Hofmarschall!' rief die Sperber entrüstet.
stehen.
♦ München, 80. Aug. 1911. Die Präsentation deS Pfarrers Gr an ding er auf die Pfarrei Pullach ist von der oberbayrrischen Kreisregierung an dar Ordinariat München geleitet worden. Diese-
„Wir sind doch unter uns, da darf man schon einmal die Wahrheit sagen. So ganz angenehm ist ja dies Leben nicht, obwohl eS bei Ihnen gut angeschlagen hat, Sperberchen: Sie sind ordmüich rund und dick geworden. Aber ich — je nun! Ich bin dürr und mager geblieben tote die sechs Kühe Pharaos — oder waren es sieben? Dies Leben hat meine besten Kräfte absorbiert! Himmel, was war ich für ein flotter Kerl, als ich noch der Königs Rock trug! Stramm und schneidig und elastisch wie ein Gummiball. Und jetzt? AuSgetrocknet bin ich wie ein geräucherter Hering! Alles zum Kuckuck: Sitgenb, Frohsinn und Kraft; nichts ist geblieben als ein alter, gottloser Spötter — und ein verfehltes Leben.*
Er leerte sein Glas, reichte den beiden die Hand und empfahl sich.
Hilde konnte nun den Hofmarschall verstehen. Sie sah nun bog Leben mit anderen Augen an; sie waren heller und schärfer geworden und schauten trotz der dicken Mauern hinaus in die Welt. —
Eines Sonntagnachmittags machte Hilde ihrem Bruder einen Besuch; die Kammerstau, die sehr anhänglich an sie war, begleitete sie.
In der Stadt war reges Leben. Der kalte, klare Wintertag lockte Tausende hinaus in die frische Luft. Wie gerne wäre sie mitgewandert! Aber sie durfte ja nicht, sie war an goldener Kette gefeffelt. —
Als sie dann in Viktors Krankenzimmer trat und ihren Bruder auf dem Schmerzenslager sah, war sie zustieden mit ihrem Los. Vistor war zwar außer Gefahr, aber sehr schwach und der Schonung bedürf- tg. Al? sie fein schmales Gesicht mit ben tiefliegenden, schwarzumränderten Augen fah, erschrak sie und glaubte nicht anders, als einen Sterbenden vor sich zu sehen. Sie hatte nicht gewußt, daß eine Krankheit einen blühenden Menschen so herunterreißen, so elend machen konnte. Kaum anzurühren wagte sie ihn, so zerbrechlich schien et ihr. Das war ja nicht mehr ihr Bruder, das war ein Fremder.
Nur seine Stimme war die gleiche geblieben. Em sttller Jubel klang aus ihr, als er die Schwester erblickte. In dem Verbände, den er um bie »rüst trug, konnte er sich kaum rühren, aber die schlanken, krank-
Durch das Reutersche Bureau ist sämtlichen SBie» ner Blättern eine amtliche Erklärung «Begangen, daß weder der englische Botschafter am Wiener Hofe Cartwright, noch sonst ein englischer Diplomat in wichttger Stellung der Verfasser des vielbesprochenen Interviews in oer „Neuen Freien Presse" sei. Kein Wiener Blatt, besonders nicht die „Neue Fr. Preffe", die das Interview gebracht hatte, hat von dieser Erklärung Notiz genommen. Nun wird von Berlin auS der neuerliche Versuch einer Ver» dunkelnng der Herkunft deS betreffenden Artikels unternommen. Eine in Berlin erscheinende Korre»
Schütte;
ÄÄ. w°ch-.M,ag-- „.illustrierte Sonntagyeltmg"
Diese seufzte auS tiefftem Herzensgrund. „Traurig — aber wahr!' sagte sie.
„Sie habe« mir übrigens alles redlich heimgezahlt, liebe Sperber', erwiderte et, „denn, liebe Sperber: Ihr Schnabel ist noch schärfet gewetzt als der des Vogels, dessen Namen Sie tragen.'
„Das verbitt ich mir!'
„Verbitten Sie sich'S immerhin; wahr ist'S doch. Und ebenso wahr ist eS, daß Sie am besten in der Residenz ben Punsch zu bereiten verstehen. Bitte um ein GlaS.'
Hildes neue Welt war eng und begrenzt. Immer dieselbe Beschäftigung. Tag für Tag derselbe Dienst, inrmer die gleichen Gesichter. Von dem großen Lebensstrome, der außerhalb des Palastes Vorüber- rauschte, verspürte sie nichts. Und so groß ihre heimlichen Sorgen auch waren: ihre Jugend schnie sich doch näch einem hell?n Ton, nach ein wenig Freude —
Doch hier war alles prunkend und feierlich. Es fehlte der warme Puls'chla; des Lebens — die
Deutscher Reich
** Mohren räsche.
Der englische Botschafter am Wiener _ . . Sir F. L. Cartwright, hat der Beschul- digung, seine gehässigen Aeußerungen gegen Deutschland getan zu haben, nut eine halbe Ab- leugnung entgegengesetzt. Die Stellung des Botschafters" ist aber unhaltbar, roenn es nicht gelingt, ihn weißzuwaschen, und so versucht man es denn, ihn weißzulügen. Wie das gemacht wird, wie aussichtlos aber dies Beginnen ist, zeig! nachstehende Meldung der „Boss. Ztg.' aus Wien:
4- Eiue Demonstration für den Bötkerfrieden
ju veranstalten, sieht sich die Sozialdemokratie bet Reichshauptstadt wieder einmal veranlaßt. Es soll diesmal hoch hergehen. Unter freiem Himmel soll am Sonntag im Treptower Park eine Massenversammlung ftatifinben und gleichzeitig von zehn Tribünen auS dem Volk Abscheu gegen den Krieg eingeflößt werden.
Ein recht löbliches Beginnen, wenn nur nicht dec Pferdefuß gar zu derttlich unter der Friedenstoga zum Vorschein käme. Wir haben schon bei anderer Gelegenheit darauf hingewiesen, daß es ben Genossen gar n i cf» t auf die Erhaltung des Friedens ankommt, sondern lediglich auf die Verhetzung der Massen. Und nirgends zeigt sich der vaterlandslose Charakter der Sozialdemokratie unverhohlener, als wenn sie den Weltfrieden predigt und im selben Atemzug eifrig an der Arbeit ist, Unfrieden im eigenen L a n ö e zu stiften..
Wir versagen es uns, uns hier auf eine Auseinandersetzung mit den Genossen über die Notwendigkeit der Kvlonisationspolitik einzulassen. Das würde ja doch zwecklos fein. Wohl aber benutzen wir die Gelegenheit aufs neue, darauf hinzuweisen daß die Genossen in der Tat vaterlandslose Gesellen sind, die sich, nach allem, was man bisher mit ihnen erfahren hat, nicht scheuen würden, Verrat am Vaterland zu begehen. Die am Sonntag stattfindende ~>e= nionftration ist der beste Beweis bnfiir. In schwieriger Stunde, in der große Interessen des deutschen Volkes und vor allem auch der Arbeiter, denen die Sozicekoe- mokrotie ja angeblich dienen will, aus dem Wpiele stehen, sucht die deutsche Sozialdemokratie der deutschen Regierung Knüppel zwischen die Beine zu werfen und dient somit direkt den Interessen unserer Gegner. ,, ~
Beispiellos steht dies Verhalten der deutschen 'Sozialdemokratie na. Ist es den s r a n z ö s i sch e n Sozialdemokraten mich nur entfernt in den Sinn gekommen ,gegen die Marokkopolitik ihres Vaterlandes zu demonstrieren und ihr Steine in den Weg zu wälzen? Im Gegenteil. In Frankreich stehen alle Parteien, das ist wiederholt von französischer Seite mit Genugtuung konstatiett toorben, treu zu ihrer Regierung, auck die Sozialdemokratit. Richt anders dann schmachvoll kann das Verhalten der deutschen Sozialdemokratie bezeichnet werden. Und es ift ein Schimpf, den die Genossen dem ganzen deutschen Volke antun, wenn sie ihm znmuten, sich ihrem hochverräterischen und vaterlandsseindlichen Verhalten an-
zusckließen. ,
lieber die tönenden Redensarten, nut denen der Vorwärts die Rotwenigkeit dec Massenkundgebung begründet, kann man wohl hinweggehen; sie enthalten nichts, was nicht schon in den Leitartikeln des Vorwärts und andem sozialdemokratischen Blättern seit mehreren Wochen tagtäglich zu lesen war. „Infame Kriegshetze, verbrecherisches Treiben, beutegierige Kapitalisten, denen die Proletarierknochen geopfert werden sollen und die mit Pr ol et ar i er blu t ihr Geschäftsseld düngen wollen, aus dem sie später Berge von Gold zu erraffen hoffen", das sind so einige Proben aus dem reichen Wortschatz, der den Genossen das Blut zum Kochen bringen soll Natürlich wird auch über eine Resolution abgesiimmt werden, die zu einer bestimmten Zeit von sämtlichen Tribunen herab verkündigt werden soll und die, soweit jetzt zu ersehen ist, einen „flammenden Widerspruch gegen die ruchlose Kriegshetzerei, gegen die Beute- und Knebelungspolittk der herrschenden Klassen" ausd rücken soll.
Wir haben von einer solchen ruchlosen Kriegs- hetzcrci noch nichts bemerkt. Die Sozialdemokratie hol gar keinen Gnmd zu einer solchen Demonstration. Vorläufig demonstriert sie nur gegen ihr höchst eigenes Kriegsheschcei. Denn niemand hat in den
haft bleichen, durchflchttgen Hände streckte er ihr ent* gegen. „Hilde — liebe, süße Hilde!'
Hilde nahm sie und fing an zu meinen, solche» Mitleid hatte sie mit ihm.
„Ach, Viktor, was hast du getan? —' Sie dachte dabei nicht an seine erste Schuld, sondern daß er sich duelliert hatte. Gleich darauf bereute sie bas voreilige Wort, streichelte seine Hand und sagte: „Hast du große Schmerzen? Und wa» sagt der Arzt? Wirst du bald gesund sein?"
Ein mattes Lächeln zog Über fein Gesicht. „So schnell geht das nun nicht, Hilde. Ich muß den gangen Winter durch still liegen und im Frühjahr will mich der Doktor an die Riviera schicken. Daraus! wird natürlich nichts. Denn woher soll ich das Gelb nehmen? Es liegt mir auch nichts daran. Am besten wäre es gewesen, wenn die Kugel ein bißchen besser getroffen hätte. Mein Leben ist sowieso verfehlt.'
„Sag das nicht!' rief Hilde. „Du bist jung, hast ein langes Leben vor dir. Und vor allem: du mußt sühnen, Viktor, mußt gut machen, was du gefehlt hast.'
„Sühnen? — Wie könnt' ich das! Ich bin au» dem Offizierskorps ausgestoßen, mtt schlichtem 91b- schied entlassen — ich habe ja nichts anderes gelernt, als ben Degen zu führen: was soll ich denn beginnen?'
„Ein neues Leben, Vistor! Einen neuen Beruf mußt du suchen! Arbeit, die dein Leben ausfüllt und dir die Ehre zurückgibt.'
Vistor lag ganz fülle und sah aus seinen großen, müden Augen die Schwester an. Nach ein« Iai<0e^.' quälenden Pause sagte er: »3-b weiß nichtz ob e, gehen wird - ich bin auch innerlich znbr^en Jch habe keinen festen Halt. Es ist unmöglich, Hilde.
„Sei fein Kind. Vistor. Ich mußte es doch auch, und "bin nur ein Mädchen.'
„Du? — Ja, du warst In der Moral immer stärker al» ich. Und bann hast du Papa und die Heimat, Das gibt Kraft.'
(Fortsetzung folgt)
hat, wie der .Bayerische Kurier' mitteilt, die KreiS^ regterung bereits darüber verständigt, daß es be der Ablehnung der Präsentation verharre.
rs. Sozialdemokratische Parteitage.
Eine zweitägige Parteiversammlung der h e f f k sch en Sozialdemokraten fand in Worms statt. De< Geschäftsbericht stellte fest, baß es in Hessen 19 803 politisch organisierte (darunter 1520 Frauen) und 46 690 gewerkschaftlich organisierte, 486 sozialdemokratische Gemeindevertreter in 156 Orten (Ende 1907:; 305 in 94 Orten) gibt. Der Vertreter des Parteivorstandes, Müller aus Berlin, rügte es, daß Offenbach den Maifeieiumznz aufgegeben habe. Hierzu bemerkte Reichstagsabg. Busold-Friedbecg, daß man mit bet Maifeier auf dem Laube nichtvorankomme, weil die Gewerkschaftsführer in der Stadt bremsen würden! Die Ausstellung eines Sekretärs für das nördlich« Oberheffen (Gießen-Alsfeld) schetterte an der Geldfrage. Heber die Reichstagswahlen berichtet« Abg. Busold. In der Hauptsache stanz seine Rede darauf aus, daß der Kampf gegen die Parteien deS „schwarz-blauen' Block» geführt Werber müsse.
In Offenburg tierfammdte sich der Parteitag bet Sozialdemokratie Baden». Der Vertreter bet Sozialbemokcatie Bayerns, Landtagsabg. Auer, wie» auf das Entstehen eines konservativen Patteigebilde» 1 in Bayern hin. Damit ergäben sich für Bayern ähn» । liche politische Verhältnisse, wie sie in Baden beständen. Die Sozialdemokratie in Bayern werde daher auch zu > ähnlichen tattischen Mitteln (zum Großblock) greifen
Umfange» handelt.
Die Zahl der Doppelmandatare im Reichstag und tm preußischen Landtag wird sich künftig bedeutend vermindern. Unter ben ausgestellten Reichs- tagskanbibaten bestnben sich nur noch wenige Mitglieder des preußischen Abgeordnetenhauses, soweit es sich übersehen läßt, etwa 40. Früher betrug di» Zahl ber Doppelmandatare gegen 120.
§ Fritzlar, 31. August 1911. Die Landtags- Ersatz w a h l für den verstorbenen nationalliberalen LandtagSabgeorbneten Franz Gleim ist auf den 17. Oktober festgesetzt worden. Die Wahlmänner, wählen gehen am 10. Oktober vor sich. Um da»
letzten Tagen so viel von Krieg gesprochen, tote die „völkerbefteiende, menschhetterlösende Sozialdemokratie'. Höchsten» hat noch «ufere alldeutsche Presse hie und da eine etwa» erregte Sprache ge- ihrt, aber nicht diese ist maßgebend, sondern allein die Negierung und deren Vechalten läßt doch mit aller nur wünschenswerten Deutlichkeit erkennen, daß sie einen Krieg nicht will. Es sind nicht nur alldeutsche Blätter, die von der bangen Sorge nicht ganz frei sind, ob die deutsche Regierung sich nicht zu nachgiebig zeigen und deutsche Interessen weisgcbm roirb. Und große Wirtschaft!! ch e und politische Interessen stehen für Deutschland bei dem Macokkohandel auf dem Spiel. Warum verschweigt die sozialdemokrattsche Presse das so ge» Wissentlich und sucht die Sache so darzustellen, al» ob es sich nur um die Interessen „einer Hand voll Kapitalisten' handele, wenn es ihr mtt dem Welt- rieben wirklich ernst wäre?
Das Ziel der Sozialdemokrat« ist, den Unfrieben im eigenen 2anbe herbeizuführen, um auf ben Trümmern ber bestehenden Ordnung ihr Will- türenrägiment aufzurichten. Und weil die Sozialdemokratie nichts mehr zu fürchten hat, als die Ewig- feit des gesamten Volkes, die trotz aller Gegensätzlich- kett sich in nationalen Fragen sicher einstellen wird, so sucht sie Unfrieden zu säen durch L ü g e und Verhetzung. Gott sei dank aber hat sich das deutsche Volk in seiner überwältigenden Mehrheit einen viel zu gesunden Sinn bewahrt, um die sozialdemokra- ttchcn Lügen nicht zu durchschauen und fühlt es viel zu patriotisch, als daß es sich durch die roten Hetze- reien verleit^ lassen würde.
das seine Lebensaufgabe.
Hilde wunderte sich manchmal, wie ein Mann wie der Hofmacschall sich mit solchen Nichtigkeiten abgeben konnte und gar keinen höheren Lebenszweck ^kannte, als die kleinen und großen Schwächen ber Menschen zu erforschen unb sie zu geißeln. Er schien iihr geradezu ein Rätsel. Manchmal war es ihr, als 1 schlummere unter diesem schillernden Kleide des Spottes doch ein guter, gesunder Kern; aber wenn et bann wieder mit beißender Ironie über seine Nebentmensch en herfiel, schwand diese gute Meinung sofort. '.Einmal sagte sie ihm das geradezu ins Gesicht.
1 Dec Hofmarschall nickte ihr nach dieser Frage zu. „Sehen Sie', saate er, „bie gleiche Frage habe ich 'wir selber schon vorgelegt. Ich weiß nut zu gut, baß ich ein alter Spötter bin, unb bie Frau Ober- Hofmeisterin weiß es noch besser.'
Das versöWe Frau v. Sperber.
Hilde gaubierte sich über das Gezänk ber beiben unb .lachte. „Sie weichen meiner Frage aus", sagte sie.
„Doch nicht', gab er zurück. „Denn sehen Sie — bas ist unser Leben in dem Palais seit zwanzig Jahren. Jeder Tag bringt einen kleinen Streit unb bann die Versöhnung. Sonst wäre dies Leben ja nicht zu ertragen. Freilich, früher, als man noch jung war — ober als man sich wenigstens jung fühtte — da klopfte es dck unterm Brustlatz oft recht wild und das Herz schlug! Generalmarsch. Was, Sperberchen?'
„Ach Äst, früher, früher . . .'
„Na,. Sie müssen nicht lamentieren, Sperberchen!
stets einen Kieselstein im Busen getra-
traf es in Berlin ein.
♦ Der Entwurf über die gewerblichen Pflichtfott- bildmigrschulm und die Novelle zur rheinischen Landgemeindeordnung, die ttrekannlbch im Landtage im Juni scheiterten, werden dem Landtage in der nächsten Sitzung nicht wieder zugehen.
4- Der Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, Frdr. v. Rechenberg, ist gewissen Kolouiaipolitikern wegen seiner humanen Eingeborenenpolitik ein Dorn im Auge. Immer aufs neue unternehmen sie Vorstöße gegen ben Gouverneur und kündigen seinen baldigen Rücktritt an. Ein Wunder wäre es ja usicht, wenn der Gouverneur der ewigen Treibereien gegen seine Amtsführung müde und sich von seinem Posten zurückziehen würde. Daß ein sachlicher Grund zu seinem Rücktritt nicht vorliegt, beweist, daß der Staatssekretär v. Lindequist ben Gouvernem im Reichstag wiederholt auf das wärmste gegen die auf ihn gerichteten Angriffe in Schutz genommen hat. Neuerdings tauchen wieder Gerüchte vom Rücktritt des Frhrn. v. Rechenberg auf, und die ,Tägl. Rundschau' weiß sogar schon seinen Nachfolger zu nennen. Von „unterrichteter Sette' wird dem Blatt Herzog Friedrich Adolf von Mecklenburg genannt. Seine Ernennung zum
Zuldaer ® Zeitung
Mmatrbriiagu „Sulbaer Seschlchttblätter"
spondenz drahtet nach Wien, baß e» fieber gelt e 111 sei, daß kein englffcher Diplomat in wichtiger Stellung, sondern nur ein englischer Publizist ber Autor des Artikels in der „Neuen Fr. Presse' sei. Gegenüber diesen Zettelungen sei festgestellt, daß der Verfasser de» Interview» nach den ganz zu. verläffigen Nachforschungen Ihre» Korrespondenten der bekannte Wiener Publizist Sigmund Münz ist, der die in dem betreffenden Artikel enthaltenen, so großes Aufsehen erregenden Auslassungen in Ma- rienbad von b em englischen Botschafter er. halten hat. In dem Interview sind von dem Publizisten jene©teilen abgeschwächt worden, in denen Cartwright direkte Angriffe gegen den beut- schon Kaiser richtete. E» ist klar, daß die beabsichtigte Verdunkelung au» dem Grunde erfolgte, damit Cartwright auch in der Folge seine seit zwei Iah- reu betriebene Beeinflussung der öffentlichen Meinung Oesterreich-Ungarn» gegen Deutschland ungestört fortsetzen kann. Es ist daher sehr bedauerlich, daß er sogar in Berlin Helfershelfer findet. Es ist aber zweifellos, daß künftighin Cartwright das Handwerk in jeder Richtung hin gelegt werden wird.
E» ist in de. Tat höchste Zeit, daß die englische I Gouverneur von Deutsch-Ostafrika soll deschloffen« Regierung gegen den famosen Hemm Eartwright I Sach» sein. Dir Nachricht ist schon vor einem emschrritet und Deutschland die Genugtuung gibt, I halben Jahre aufgetaucht, damals aber bementicri bie e» verlangen kann. Welcher Lärm würde wohl I werden und wird wohl auch jetzt wieder dementiert in England entstehen, wenn ein deutscher Botschafter 1 werden.
stch dar gleiche gegen England zu Schulden kommen *♦ Zwecks Erhaltung der Zuteressentensorsten hat ege? I der LandwirtschaftSmimster an die Generalkommis«
t Berlin, 80. Aug. 1911. Die,Nordd. Allg. Ztg/ I fionen eine Verfügung erlassen.
bringt einen BegrüßungSartikel zu Ehren deS Sie geht davon au», da» sich bie Generalkommis, g-brnitf nlaerS der am Donners-! fionen im allgemeinen den Anträgen auf Teilung ge-
übergab heute der deutsche GeschLstSträger, BotschaftS- Beteiligten gegenüber ben« der Allgemeinbeit hi rat v. Miquel dem Sultan in feierlicher Audienz I Vordergrund treten zu lassen. Darum weist der die Insignien deS Roten u. Schwarzen Aülerordens. I Minister darauf hin, daß der gemeinschaftliche — Eine Revision de» Kommunalabgaben-! Besitz von Waldungen als Quelle des Wohl- aef etzeS für Preußen wird Blättermeldungen zu-1 standeS und Rückhalt für besondere Ausgaben sorg« olge, von den zuständigen Refforts vorbereitet, doch fällig geschont und gehütet zu werden verdtent; 1.1*4/, v-, v™ PnnWnae in der nächsten I er rst auch geeignet, den Gemeinsam und daS Ver.
dürfte bte Matcne dem Landtage tnottna^ien <nig X "jozwlvolilische Fragen zu fördern. Auch Sitzung noch nicht zugehen. — Eme DenkGründe forstwirtschaftlicher Art svrechen für die Schaf. d,e gesamte Moorkulturfrage wir.demnächst ver- fung gemeinschaftlichen ForstbefitzeS, ganz besonder», öffentlich. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung tst I ^nn e» stch um die Teilung von Wttdflächen größeren noch nicht festgesetzt. — Zwischen sämtlichen deutschen ' - - - - - -
Bundesregierungen sind, wie eine Nachrichtenstelle erfährt, neue Grundsätze für die veierinä.polizeilrche Ueberwachlmg des aus dem Auslände zur Einfuhr gelangenden Geflügels vereinbart worden, die am 1. Dttober b. I. in Kraft treten sollen. Die Maßregel ist notwendig geworden, weil ht den Einfuhrländern übertragbare Geflügel seucken herrschen.
** Das Kaiserpaar in Stargard. Das Kaiserpaar, die Prinzessin Viktoria Luise, der Kronprinz und Prinz Oskar sind gestern nachmittag im Automobil von Stettin nach Stargard zur Weihe der wiederhrrgchellten Marienkirche abgereist. Auf dem ______ ____ ______
Wege dorthin waren alle Dörfer geschmückt, überall I Landtagsmandat bewerben stch drei Kandidaten: waren Vereine und Schulen aufgestellt. Besonders i Kaufmann Barthell in Melsungen (lib.), Guts« tat sich die Stadt Altdamm hervor, wo eine Be« besitzet Blum in Lohre (kons. u. Bund d. Saubre.) grüßung durch bie städtischen Behörden siattsand. I und Gutsbesitzer Fritz Röll in Gudensberg (srkons.). Stargard mit seinen alten Martern, Türmen und! * Mainz, 80. August 1911. 160 positive
eigenartigen Giebeln war aufs reichste dekoriert, evangelische Pfarrer Hessens veröffenttichen Die Herrschaften wurden auf dem Marktplätze I gegenüber ber Kundgebung liberaler Pfarrer für empfangen. Der Oberbürgermeister hielt eine An« Iatho eine Gegenerklärung. Sie betonen, daß st« spräche, auf die der Kaiser antwortete, indem er " “ " ~ '""" •
für den festlichen Empfang dantte und bie besten Wünsche für bie Weiterentwickelung ber Stadt aus« sprach. DaS Kaiserpaar begab sich bann nach bet St. Marienkirche zur Weih« des wiederher« gestellten Gotteshauses. Nach dem Gottesdienste besichtigte bas Kaiserpaar die Kirche, trug sich in bas goldene Buch Stargards ein und empfing bie Huldigung von 50 Weizackerleuten, vierzig Frauen und Mädchen unb zehn Männern, in ihrer bunten, malerischen Tracht. Die Frauen überreichten eine Puppe in Weizackertracht. DaS Kaiserpaar fuhr dann nach dem Bahnhof. Nachmittags 4xh Uhr
Freude! , , ,
Ter Hoftnacschall war der einzige, der em bischen Leben in das büftere Haus brachte. Er war der Vermittler zwischen dieser verschlossenen Insel und jener glänzenden Welt draußen, die in Lust und Freude ihre goldenen Flügel spannte.'
Freiherr v. Seeburg und Frau v. Sperber standen auf stetem Kriegsfuß. Letztere fürchtete seinen beißenden Spott, erwartete aber doch jeden Tag seine Rückkehr, um die Neuigkeiten der Residenz und des Hofes zu erfahren. Er war unerschöpflich in Anekdoten und , Witzen, die er mit einer Wichtigkeit erzählte, al5 fei gt