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Reklamen- und Anzeigenteil.

Keine schlaflosen Nächte in der Zahnzeit des Kindchens wird die Mutter durchmachen, die ihm

& Ä vor und während dieser Zeit regelmäßig Scotts Emulsiongibt.Taus ende

| 7?^ von Müttern bestätigen, Scotts Emulsion ihren Kleinen

Mark—dc«Fi'sche» während des Zahnens em Segen gewesen ist.

Scotti Emulsion wirt von «ns auslchUeßUch hn irofce« verkauft und jroar nie lose »ich Gewicht oder Maß, fonbettt nut In versiegelten Oriainaiflaschen in Harten mit unserer Schutzmarke (Fischer mit dem Darsch). Scott tu Bowne, ®. m. b. H. Franlsurt a. M.

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Zeitung

2. Blatt.

Vrttck und Verlag der Mdaer Aellendrutkerei in Znlda.

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Aus Oberhessen u. den heff. Aemtern.

Ä Marburg, 29. Aug. 1911. Ein Vorstrafenregi­ster mit 21 Nummern hatte ein Mann aus der Provinz Posen, der heute wegm Bettelns und Landstreichens vor der Ferienkammer stand. Das Gericht diktierte ihm, ebenso wie die Vorinstanz in Homberg, 4 Wochen Gefängnis und Ueberweisung an die Landespolizei. — Ferner verhandelte das Gericht gegen 4 Männer und eine Frau aus Hartenrod wegm Fischräube­rei. Ein Mann wurde zu 1 Jahr und 2 Monaten Zuchthaus, seine Frau zu 1 Jahr Zuchthaus und die übrigen Angeklagtm zu Geldstrafen verurteilt. Drei weitere MtangeKagte warm nicht zu ermitteln

* Kirchhain, 30. Aug. 1911. Vor einer hiesigen Wirtschaft wurde am Sonntag ein Fahrrad gestohlen. — Im nächsten Winter soll hier bei genügender Be­teiligung seitens der Handwerkskammer ein V o r b e- reitungskursus für die Meisterprüfung abgehal- ten werden. „ ,

* Cölbe, 30. Aug. 1911. Der aus der Ohm ans Ufer geschaffte sog. Ta u f st e i n soll auf Ansuchen der Behördm wieder ins Wasser versenkt werden. Es han­delt sich hier nm ein Naturdenkmal, das nicht mehr be­seitigt werden darf.

* Kleinenglis, 30. Aug. 1911. Die Bewohner un­seres Dorfes und auch der Nachbarorte sind seit den letzten Bränden in großer Aufregung, die noch dadurch gesteigert wird, daß an einige Bewohner in hiesiger Gegend Briefe gesandt wurden, in denen ihnen ge­droht wurde, in kurzer Zeit werde auch ihr Anwesm abbrennen. Daß solche Briefe nicht ernst zu nehmen und nur von rohm, unreifen Buben geschrieben sind, um die Bewohner zu ängstigen, dürste ja bekannt sein. — Die hiesige Gemeindevertretung faßte den Beschluß, die Hundesteuer bis auf weiteres nicht zu er­heben, damit sich jeder Bewohner einen Hund zur Bewachung des Hofes haltm kann.

Mit der Absicht der Hundesteuereryohung sich die Verwaltung der westfälischen Stadt

anderen Gefäßen kamen mancherlei Bronze­gegenstände zutage, so Armringe, Riemenzungen, Schnallen, Fibeln, darunter eine prächtige Scheibensibel mit reichem Schmelzschmuck, Ohrringe, ferner Halsketten aus verschiedenartig gefärbten Tonperlen, durchlöcherten römischen Bronzemünzen, gravierten Geweihenden, ein Anhänger aus schwärz­lichem Schiefer u. a. Daneben fanden sich Bein- kännne, Eisengeräte, wie Schere und Speerspitze. Das Gelände, auf dem schon früher Funde gemacht worden find, scheint noch mehr zu bergen. Die Fundstücke sind dem Saalburgmuseum überwiesen worden.

* Bad Wildungen, 29. Aug. 1911. Er­schossen hat sich in einer hiesigen Pension ein Kurgast aus Rußland. Der Grund zur Tat dürfte in dem schwer leidenden Zustand des Patienten zu suchen sein.

* Aus Franke», 29. August 1911. Die Straßen in Bad Kis singen sind heuer trotz der enormen Hitze durch Verwendung von Antistaubit ganz staub­frei gehalten worden, ivas allgemein anerkannt wird. Die Stadtverwaltung hat rund 6000 Mk. für diese Entstaubung aufgewandt. — Der bayerische Finanz­minister von Pfaff traf am Sonntag zu mehr- wöchentlickem Aufenthalt in Bad Brückenau ein. — Zum Schützenfest in Kronach sind „nur* 350 Hektoliter Bier getrunken worden. — Seit Sonntag sind in Haßfurt die Hungersteine int Main vor dem ersten Brückenpfeiler verschwunden. Die in den

letzten Tagen niedergegangenen Gewitterregen haben den Wasserstand des Mains wieder etwas gehoben. — Nach dem Genuß von Tollkirschen ist Neukenroth ein 14jähriger Knabe gestorben.

trägt sich die Verwaltung der westfälischen Stadt Bielefeld. Augenblicklich werden für jeden Hund 15 bezw. 25 Mark erhoben, und dabei erzielte die Stadt eine Einnahme von rund 20 000 Mark. Die jetzt in Aussicht genommene Erhöhung aus das Doppelte der bisherigen Sätze entspricht nun nicht etwa der Absicht der Stadt, aus der Steuer mehr herauszuholen, sondern vor allen Dingen dem Bestreben, einer übergroßen Vermehrung der Zahl der Hunde in Zuknuft wirksamer entgegenzuwirken.

Amt Geisa und Umgebung.

* Geisa, 30. Aug. 1911. Die hiesige Gemeinde­vertretung toiC dem Vernehmen nach an die Er­richtung eines Basaltwerkes in der Gemeinde­waldung „Sachsenburg" Herangehen. Zur Beför­derung der Steinmaterialien würde sich alsdann die Erbauuttg einer Drahtseilbahn nach Derm­bach notwendig machen und dies könnte wiederum den Ausbau der Feldabahn, die schon jetzt dem stei­genden Verkehr in keiner Weise mehr gewachsen ist, günstig beeinflussen.

* Dermbach, 29. Äug. 1911. Der hiesige Vor- schuß verein, e. G. m. u. H.,bringt eine 6 pCt. Dividende zur Verteilung. Der Verein halte in seinem jetzt abgelausenen 38. Geschäsissahr einen Gesamtumsatz von 466,968 Mk. und einen Mit­gliederbestand von 599 Personen.

* Ostheim, 29. Aug. 1911. Der hiesige Bienen­züchterverein feierte am Sonntag durch eine stark besuchte Versammlung sein 50jähriges B e st e h e n. Pfarrer Gerstung aus Oßmannstedt hielt bett Festvortrag über die Entstehung und Ent­wicklung des Vereins. Er ist 1861 von 19 Imkern aus Ostheim und der weiteren Umgegend gegründet worden.

* Mittelsdorf, 29. Aug. 1911. Mit 'S ieö et be­ginn der Schule nach den Sommerferten siedeln die hiesigen Schulkinder mit ihrem Lehrer in das neue Schulgebäude über, das dem alten gegenüber» liegt. Der stattliche Bau bildet einen Schmuck für unser Dorf.

* Föhlritz, 30. Aug. 1911. Nachdem der Schu l- Neubau hier ferticgefteHt ist, hat das Großher­zogliche Staatsministerium die Ausschulung der Gemeinden Föhlritz und Steinberg aus dem Schul- verbande mit Zella auf den 1. Oktober d. I. fest- b * Aus Thüringen, 29. Aug. 1911. Im Früh­jahr ertränkte sich die 16jährige Tochter des Vieh­händlers Weise in Erfurt, weil sie 5000 Mark bares Geld verloren hatte. Aus Gram über den Selbstmord der Tochter wurde die Mutter geistes­krank. In diesem Zustande hat sie sich jetzt in ihrer Wohnung durch Leuchtgas vergiftet. — In O b e r- s u h l brach in dem Anwesen des Schachtmeisters Johannes Fiehler Feuer aus, das in kurzer Zeit die mit der neuen Ernte gefüllte Scheune, Stallungen und Wohnhaus in Asche legte. Das Vieh konnte nur mit knapper Not gerettet werden. — In einer Waschanstalt in Eisenach neckten sich mehrere Mädchen, von denen eines in einem nach dem Hofe

Handel und Industrie.

« Berlin, 29. Aug. 1911. An der heutigen Börse lagen zu Beginn viele beruhigende Moments vor. Bankaktien erzielten Preisbesierungen bis 0,5 Prozent. Am Montanmarkte betrugen die Auj> befferungen 1 Prozent. Schiffahrtsaktien waren vernachlässigt. Elektrizitätswerte lagen 0,75 Pro«^ zent höher. '

Aus dem Nachbargebleie.

* Bebra, 29. Aug. 1911. Auf der hiesigen Station sprang ein Wagenmeister vom Trittbrett eines von Erfmck kommenden Personenzuges, wobei er so unglücklich gegen einen Hallenpfeiler schlug, daß er sich das ganze Gesicht aufstieß. Er wurde dem Landkrankenhause in Hersfeld zugesührt.

* Melsungen, 29. Aug. 1911. In einer gemein­samen Sitzung beider städtischen Kollegien wurde an Stelle des verstorbenen Landtagsabgeordneten Gleim als Kreistags Mitglied Äwntier Konrad Heerdt gewählt.

* Hombmq #. d. H., 29. Aug. 1911. Beim Graben von Fundamenten an der Gonzenheimerlandstraße nahe der Gasfabrik wurden hier eine Anzahl von Gräbern bloßgelegt, die sich unzweifelhaft als fränkische charakterisieren. Es fanden sich Skcletteile von Männern, Frauen und Kindern. Die Beigaben waren sehr zahlreich. Außer Krügen und

hinausgehenden Fenster des Plättereiraumes saß. Plötzlich stürzte die Unglückliche mfolge der Neckereien aus dem Fenster zwei Stockwerk hoch hinab. Sie wurde erheblich, aber nicht lebensgefährlich verletzt. — Dere Vorstand der Landwirffchastskammer in W e i- mar will die Regiemng um Gewährung von Not- standsdarlehm bitten.

* Todessturz eines Arztes. Der Arzt Dr. Schwarz aus Memmingen, der mit seinem Sohn in Oberstdorf den Kleinen Wilden im bayerischen Allgäu besteigen wollte, ist infolge Ausbruchs eines Griffes in die Tiefe gestürzt und blieb mit zerschmetterten Gliedern tot liegen. Seinem Sohn gelang es, ohne fremde Hilfe abzusteigen. Er über­brachte der im Ohtal zurückgebliebenen Mutter die Todesnachricht.

* Gelegentlich eines Feuerwerkes ereignete sich in Orange in Südfrankreich ein schweres Un­glück. Beim Abbrennen der letzten Rakete erfolgte eine furchtbare Explosion, und die entsetzten Zu­schauer flohen nach allen Testen auseinander. Ein junges Mädchen war sofort tot. Ein Splitter der Rakete hatte ihr die Halsschlagader zerrissen. In der Dunkelheit sand man später noch zwei Tote. Vier Personen wurden noch verletzt.

* Durch die gänzliche unbegründete Feuerpanik, die am Samstag während einer Kinematographen- vorstellung im Opera House von Cannonsburgh in Amerika ausbrach, sind, wie berichtet, unmittelbar 29 Personen getötet u. über 60 zum Teil sehr schwer verletzt worden. Von den Schwerverletzten, meist Frauen und Kinder, starben weitere sechs, sodaß

Ausland.

** Eine katholische Universität. Die katholische Prelle Kolla nds verlangt nut Nachdruck die Schaffung einer katholischen Universität. Sw soll dort erstehen, wo sich die Katholiken tn der Mehr- beit befinden. Eine beträchtliche. Summe tft als Gründungsfonds bereits beisammen.

* I« Belgien liegen sich die r o t e n und blauen B t üb er in den Armen. Nach der „Franks. Ztg.*, dem Organ des Großblocks, wurde in Brüssel das Kartell zwischen Sozialisten und Liberalen für die im Oktober stattfindenden Gemeinderats wählen geschloffen. ..Dieser Vorgang hat seine besondere Wichtigkeit, da er der erste praktische Beweis der Einigung der beiden Parteien im Kampfe gegen den Klerikalismus ist, denn bisher schien dieses Kartell in Brüssel unausführbar. Aehnliche Kartelle sind bereu) in Antwerpen und Gent geschlossen und in Lüttich steht ein Kartell bevor. Die Gemeinderats­wahlen aber sind als die Vorprobe für den ent­scheidenden Wahlkampf im Mai 1912 von großer Bedeutung."

** Wie die portugiesische Regierung die Gefühle der Katholiken mißachtet. Die neue portugiesische Freunaurerrcgierung erklärt stets aller Welt, daß sie keiner, selbstverständlich auch nicht der, katho­lischen Religion etwas in den Weg lege. Wie stark sie mit dieser Behauptung lügt, zeigt die Tatsache, daß die G e i st l i ch e n z. B. kein Kind, selbst in Todesgefahr nicht, taufen dürfen, bevor in die Zivilstandsregister eingetragen ist. Die Prie­ster dürft« sich auch in ihrer Priesterklei­dung nicht zeigen, ohne als „Verbrecher" ab­geführt zu werden, wie es dieser Tage beinahe dem Bischof von Portalegue gegangen wäre. Bei der Aufnahme des Kircheninventars zu Ventosa dran­gen die Beamten, die Hüte auf dem Kopf, in die Kirche ein, öffneten das Ziborium und trugen es samt den Hostien zu einem Händler, um das Gewicht feststellen zu lassen. Und zu solche« 'gotteslästerlichen Taten schweigt bezeichnenderweise die Regierung sfill.

Literarisches.

Die christliche Kunst. Von den Neuerscheinungen) auf dem Gebiete der christlichen Kunstliteratur stehen die Kunstzeitschriften „Die christliche Kunst" und „Der Pionier^ (Verlag der Gesellschaft für christliche Kunst in München, Karlstrahe 6) seit ihrer Gründung int Vordergründe des Interesses. Und dies mit Recht. Sie sind die einzigen Organe, welche die zeitgenössische, christliche Kunst in alle ihre verschiedenen Verzweigun- gen hinein verfolgen und durch gut gewähltes Jllu- ’ strationsmaterial ein anschauliches und überzeugendes Bild von dem modernen Kunstschaffen geben. Retro­spektive Abhandlungen und Abbildungen, das Heran- ziehen auch profaner Kunst erweitern den Gesichts­kreis des Künstlers ebenso als den des Kunstfreundes. Der Künstler empfängt daraus ferner Anregungen und wird besonderen Nutzen davon noch haben dadurch, daß sich durch diese umfassende Kunstschau das Kunst­verständnis des Kunstfreundes vertieft und ihm für die künstlerische Ausdrucksweise der Moderne, deren sich ja auch der christliche Künstler aus kulturvollen und sozialen Gründen bedienen muß, die Augen öffnet. So stellen sich diese Zeitschriften in klarer Erkenntnis dessen, was der zeitgenössischen christlichen Kunst not­tut, mitten in das pulsierende Kunstleben. Hier an- regend, dort ausklärend und belehrend haben sie immer und überall nur das eine Ziel vor Augen, der christ­lichen Kunst und den Künstlern zu dienen und sie zu fördern. Dieser schöne, nutzbringende Standpunkt kommt in den neuesten Nummern 8, 9 und 10 wieder-' um deutlich zum Ausdruck.

man jetzt im ganzen 3 5 Tote, darunter 27 Frauen und Kinder zählt. — In Brüssel brach während einer Aufführung im Kasino am kine- matographischen Apparat ein Feuer aus, das sich auch auf das Gebäude ausdehnte. Unter de« Zuschauern brach eine Panik aus, doch konnten sämtliche Anwesende sich ins Freie retten, sodaß niemand verletzt wurde. Die sämtlichen Baulich­keiten wurden vollständig vernichtet.

Aus Alrche und Schule.

* München, 29. Aug. 1911. Die ,Augsb. Postztg/ schreibt: Die Bischöfe Bayerns roercen im Laufe des Monats Oktober zu einer zweiten Konferenz in Freising zusammentreten. Den Anlaß hierzu hat die päpstliche Verordnung wegen Abschaffung der Wochenfeiertage gegeben, über die in den verschiedenen Diözesen eine tiefgehende Erregung herrscht. Ueber die Regelung dieser Frage hat bereits seit mehreren Wochen ein intensiver schriftlicher Austausch unter den Bischöfen Bayerns stattgefunden, jedoch derfelbe hat bis jetzt zu keinem einheitlichen Ergebnis ge« .fühlt. Die Gegensätze in den Anschauungen sind so weitgehend, daß es nunmehr als ratsam und er­forderlich erscheint, die ganze Angelegenheit in münd­lichen Verhandlungen zu besprechen." Die Beschlüsse der Fuldaer Bifchofskonferenz, welche vor einigen Tagen stattgefunden hat, werden den Be- sprechungen der bayerischen Bischöfe als Grundlage biene«, so daß eine möglichst einheitliche Vorstellung in Rom erzielt wird.

Schloß Sonneck.

28’ Roman von Felix Nabor.

„Königliche Hoheit gestatten", sagte Frau v. Sper­ber, „daß sich Fräulein Hllde v. Sonneck in ihrer Stellung als Hofdame präsentiert. Wenn Hoheit die Gnade haben wollten —"

Slus einem Fauteuil erhob sich eine schwarzgellei- bete Damr und legte das Buch beiseite, in dem sie gelesen hatte. „Schon gut, meine liebe Sperber", Hilde ging auf sie zu, machte einen zwar nicht ganz hoffähigen, aber nach Frau v. Sperbers Urteil leidlich vornehmen Kn ix und sagte: »Königlich« Hoheit hat­ten die große Güte, sich meiner anzuneftnm. Dafür bin ich fo dankbar. Und Papa ebenfalls."

Frau 6. Sperber hustete leist. Das klang ja gar nicht so ehrfurchtsvoll, wie es die Etikette vorschrich, fonbem eher vertraulich, herzlich. Aber die Prinzessin schien dies gar nicht übel zu nehmen. Sst drückte Hilde die Hand und betrachtete das Mädchen aufmerk­sam; sie fand offenbar Gefallen an ihr, danim war auch ihr« Begrüßung herzlicher als sonst. Es lag et­was Stolzes unb Selbstbewußtes in Hildes Wesen, sind der einsamen Frau tat bas wohl. Hilde hatte etaxs Helles und Lichtes an sich, nicht bloß an ihrem Gewände, sondern auch im Gesicht, in den Augen. Der Frühling war in das alte Schloß eingetreten, tittb mit ihm das Licht, die Sonne. . .

. „Haben Sie eine gute Reist gehabt?" fragte dir Prinzessin.

j .Ich danke, königliche Hoheit", gab HUde zur Antwort. »Wie es eben ist, wenn man die Heimat Verläßt. . ." Sie schaute dabei der Prinzeffin zum erstenmal Voll ink Gesicht und war erstaunt über ihre Schönheit. Die Jahre waren spurlos an diesem toi« ans Marmor gemeißelten Frauenantlitz vorüberge- tzangen. Richt der leiseste Hauch von Lebmsrot lag darauf. Rur di« Augen leuchteten in stillem Glanze. Di« Prinzessin war hoch und schlank und ihr Gang .hatte etwas Königliches.

Sie lud Hilde ein, auf dem Divan Platz zu neh­men und sagte: „Ich kann mir wohl denken, tote Ihnen zumute ist. In der Jugend trägt man am Un­glück schwerer als im Alter. Dieses hat die Reflg- nation. In der Jugend vergißt man schneller, sei es Freud — sei es Leid. Sie müssen sich trösten — es kommen auch wieder lichtere Tage."

Frau v. Sperber hatte sich mit „aHergnäbigftec Erlaubnis" in ein Fauteuil sinken lassen und war froh, daß Hilde unb ihr weißes Kleid vor den Augen der Prinzessin Gnade fanden. Nun sprachen sie slüch- ttg von der Stellung und den Obliegenheitm der neuen Hofdame; das war aber eigentlich die Domäne Frau v. Sperbers und die Prinzessin ersuchte diese, sich Hil­des anzunchmm und sie über alles Nötige zu orientie­ren. Dann sagte sie: „Wir leien hier sehr zurück­gezogen. Mtt dem Hoflebm kommen wir wenig in Berührung, außer wenn es unumgänglich nöttg ist. Ich liebe die Rnhe. Sie werden daher wenig Ver­gnügungen finden —"

„Danach fehne ich mich nicht, königliche Hoheit!"

„Nun ja — aber wenn man junfg ist, möchte man dock," auch etwas vom Leben haben. Wir werden in­des sehen ... In der Hauptsache wird Ihre Tättg- keit darin bestehen, nur bei der Korrespondenz zur Hand zu gehen."

Hilde vemeigte sich.

„Mein Hofmarschall", fuhr die Prinzessin fort, „liebt die Fed« nicht — er fürchtet, sich die Finger zu beschmutzen. Er ist ein Mann vom Degen. Und meine liebe Sperber ist ohnedies so mit Arbeit über­häuft, daß ich ihr das nicht auch noch aufbürden kann."

„Königliche Hoheit sind zu giltig", sagte diese, von so viä Huld ganz beglückt.

Dann erfuhr Hilde, daß di« Prinzessin hauptsäch­lich zwei Domänen hatte, in denen ste still unb emsig waltet« wie eine Priesterin: di« Armen — und die Kunst. Darüber griff ihr Leben kaum hinaus. St« liebte das stille Geben und förderte die Künste und die Künstler, wo ste nur konnte.

„Wie lautet denn das Programm für morgen?" fragte bi« Prinzessin.

Frau v. Sperber hielt schon bie golbgeränberte Elfenheinkarte bereit. „Um 11 Uhr Sitzung des Wohlfahrtsausschusses, den königliche Hoheit präsi­dieren —"

„Richttg. Da muß ich unbedingt hin. Bitte, weiter."

„Um drei Uhr Besuch der Galerie. Der junge Maler Brücker hat ausgestellt —"

„Ja, ja — der junge Maler verdimt Beachtung. Ein ftarfes Talent —"

„Mer bis fünf Uhr Spazierfahrt —"

„Ist das durchaus nötig, liebe Sperber?"

„Doktor Stamm hat es ausdrücklich verordnet —e

„Run denn, ja. Und dann?"

„Halb acht Uhr Konzert von Fräulein Meta Hei­zer. Die junge Künstlerin debütiert —"

„Da wird mich wohl der Hofmarschall vertreten müssen oder nein, ich gehe doch lieber selbst. — Schm Sie, Hilde, so geht es Tag für Tag. 9hrt dm Sonn­tag habe ich mir frei behalten. Dm will ich für mich habm. Der steht Ihnen auch zur Verfügung bis zum Abmd — da gehen wir dann in die Oper. Habm Sie Freude daran?"

„Ach — und wie, königliche Hoheit!"

„Sie werden viel Schönes hören. Mozart, Beet- hovm, Wagner — das ist so mein Genre. Ich liebe das Große, das Abgellärte. — Sie spielen Klavier?"

„Ein bischen, königliche Hoheit. Künstlerin bin ich nicht." , ' ■'? s

„Nun, das verlange ich auch nicht. Heute werdm Sie wohl zu angegriffen fein von bet Reise?"

„Durchaus nichtt Wenn königliche Hoheit be- fthlm —"

„Nein — befehlen will ich nicht, fonbem bitten. Wollen Sie? — Also ja! — Was Sie wollen! Was Ihrer Stimmung am nächstm liegt."

Hilde erhob sich und öffnete dm prächtigen Flü­gel, der in der Mitte d«S Gemaches stand.

„Sie fingen wohl auch?" fragte die Prinzessin herüber.

„Allerdings, königlich« Hoheit —' -

„Ach, das wär« mir noch lieber — ein «irv. Bitte, liebe Hilde."

Sie besann sich einen Augenblick und griff dann sicher in die Tasten. Sir sang mit ihrer schonen, et­was verschleierten Altsttmme die herrliche Arie au8 Glucks „Orpheus":

Ach, ich habe ste verloren,

All mein Glück ist nun dahin . . .

Enridike! Euridike! . . . ,

Der Gesang war voll stiller Wärme; es klang di« Seele bataitS.

Ms sie geenbet hatte, erhob sich die Prinzeffin und trat neben Hilde. „Das war schön. Sie haben da­bei wohl an Ihre Lieben in der Heimat, an Ihr« tote Mutter gedacht?"

Hildes Augm schimmerten feucht. „O, königliche Hoheit..."

„Ja — so was tut weh! Und nun ist s gut für heute. Gehen Sie schlafen, Hilde — und möge Ihr Eintritt in dieses alte düstere Haus Jhnm und uns Segen bringm. Gute Nacht!"

Hilde bmgte sich über die dargebotme Hand und küßte sie voll Dankbackeit.

Es lag wie stille Weihe über ihr. Schweigend stieg sie hinauf in ihr Zimmer und legte sich zur Ruhe...

Tage und Wochen gingen in diesem stillen, gleich- mäßigm Leben hin. Hilde gewohnte sich rasch an ihrm Dimst, fand sich leicht zurecht und gewann ihn lieb. Die Prinzessin war stets gut zu Hilde und sagt« nie ein Wort des Tadels. Aber auch keines des Lobes.

Hilde war enttäuscht. Die schöne, helle, freund­liche Stunde des erstm Abends kehrte nicht wieder^ Die Prinzessin war gleich freundlich, aber auch gleich ruhig und kalt. Mit keinem berührte sie die Verhältnisse und Vorgänge auf Schatz Sonn^ mrt keiner Frage erkundigte sie fich nach dem Befinden von Hildes Vater oder Bmder. Auch über ihre eige­nen Angelegenheiten sprach ste nie em Wort. Einsam unb falt wie eine Marmorstatue wandelte ste auf ihrer stolzen Höh«, hoch über dem kleinen Getriebe der Mmschen. 'V '

(Fortsetzung fol-M