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Erstes Blatt
M 197.
Fulda, Mittwoch den 30. August 1911.
38. Jahrgang.
: der roten Fli dieser schon leicht ein
Berücksichtigt man diesen gewaltigen agitatorischen^ Aufwand, um die Werbekraft der Partei ;u .verstärken, so kann man Wohl der Meinung sein, , daß der Erfolg bau durchaus nicht so sehr ent» sprüht. Die Mitgliederziffer bezw. der Mitglieder- zuwachs hätte durchaus noch wohl höher sein können. sUnd dieser Umstand deutet darauf hin, daß dem unbeschränsten Wachstum auch der Sozialdemo- , hatte eine Grenze gesetzt ist, der Eintritt lediglich pon dem Willen der Gegner abhängig ist. Wenn sich alle Parteien zu einer scharfen Frontstellung "gegen die Sozialdemohalie bequemen, die höchste Kraftentfaltung zur Abwehr der roten Flut ent- falten wollten, dann wäre dieser schon leicht ein Damm gezogen, an der ihre weitere Ausbreiftrng Widerstand finden müßte. Dazu gehört allerdings persönliche und finanzielle Opferwilligkeit, Schn« MNg an der Parteiliteratur, rühriger Bersanrm-
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* Aus der Werkstatt der Sozialdemokratie.
Den starken Mitgliederzuwachs, den die Sozialdemokratie in ihrem letzten Berichtsjahre zu verzeich- 'nen hatte (836 562 organisierte Mitglieder gegen 720 038 im Jahre 1910), konnte sie mir erreichen durch eine in allen ihren Fäden angespannte Agitation,
Man muß gestehen, sie weiß diese Fäden zu spinnen. Den Kreisen, an die sie als politische Partei Weniger gut heran kann, sucht sie sich vermittelst der still ihr verbündeten „freien* Gewerkschaften zu nahem. So z. B. den Landarbeitern, unter denen, wie der Bericht mit Genugtuung vei^eichnet, die Agitation gute Fortschritte gemacht hat. Der Landarbeiterverband hat in allen Gauen Deutschlands festen Fuß gefaßt und zählt zurzeit in 382 Gruppen über 12 000 Mitglieder. Zur bessem Agitation unter hen Binnenschiffern wurden Vorkehrungen zur Regelung der Beitragszahlung getroffen und Werbemate- pial seitens der Partei zur Verfügung gestellt. Ein jPinnenschifferkalender wurde in einer Auflage von 50 000 Exemplaren verbreitet. Auch für die Eisen- stahner, auf deren Gewinnung die Sozialdemokratie qus begreiflichen Gründen besondern Wert lchzk, wurde Ägitationsmaterial ausgegeben, vor deffen Annahme der preußische Eisenbahnminister die Eisenbahner durch eine Bekanntmachung mit Recht gewarnt sind dessen Verbreiter mit Entlassung bedroht hat.
In die Millionen gcht wieder das im letzten Jahre verbreitete schriftliche Agitationsmaterial: 33 525 719 Flugblätter, 2849 883 Agitationskalender Und Broschüren wurden unter die Massen aefchteubert. Zur Verbindung der örtlichen Vereine, Vertrauensmänner ufto. mit der Oberleitung des Sozialdemokratischen Vereins und zur Versorgung dieser mit Ägitationsmaterial wird die sogenannte „Parteikorrespondenz* herausgegeben, die jetzt in einer Auflage pon 4350 Exemplaren erscheint. Ihre Redaktion churde verstärkt, weil die mit der „Parteikoifferenz" Verbundene Regfftratur ausgebaut werden mußte. Ferner wird seit Beginn dieses Jahres das gegen die Sozialdemokratie verfaßte Flugblattmaterial systematisch bearbeitet. Bisher wurden in Erwiderung Gegnerischer Angriffe 25 Flugblätter verfaßt und den Organisationen zur Verfügung gestellt. Das in diesem Jahre gegründete „Sozialdemokmtische Büro für Rheinland-Westfalen* wurde am 1. Februar in Düffeldorf eröffnet. Das Büro unterstützt, wie der Bericht ausdrücklich bermerft, durch Herausgabe von Agitationsmaterial und Pressenotizen die Genossen in ihrem „Kampfe gegen das Zentrum und gegen die scharfmacherischen Bestrebungen der Schwaindustrie.* Zur Gewinnung der ländlichen Bevölkerung werden neben dem Agitationskalender besondere „Monats- ,blätter* herausgegeben, und zirurr in 16 Bezirken. Der mündlichen Agitation dienten 35 626 Mitglieder- und 13163 öffentliche Versammlungen.
Recht zufrieden sein kann die Sozialdemokratie mit ihren Presse- und Kasse »Verhältnissen, sehr wesentliche Dinge für die Stärke und Aktionskraft einer Partei. Zurzeit besitzt sie 81 Tages- ■jeitungen, die in 61 Druckereien hergestellt werden. Die Zahl dieser Tageszeitungen hat sich gegen das 'Vorjahr um 6 vermeßt. Das sozialdemokratische rZ-entralorgan, der „Vorwärts*, hatte am 1. Juli 1911 157 000 Abonnenten gegen 122 000 im Vorjahre. Die Gesamteinnahmen des „Vorwärts* erreichten beinahe die Höhe von 2 Millionen Mark. Die 'Hauptmaste der „Vorwärts*leser befindet sich in Balin. Die „Neue Zeit", die „wffsenschastliche* Wo- chenschrift bet Sozialdemokratie, hatte 10 500 Abonnenten. „Der wahre Jakob", das sogenannte Witzblatt der Sozialdemokrate, hat 307 000 Abonnenten, ! Die Gleichheit", das Organ der sozialdemokratischen Frauenbewegung, 94 000 Abonnenten. Die Parteifinanzen find mehr als gut. Die Einnahmen der Parteizentralkaste betrugen im Berichtsjahre rund 1358 000 Mk. Dazu kam der Bestand am 30. Juni 1910 in Höhe von 70 000 Mk., so daß insgesamt 1 428 000 <M eingenommen worden sind. Ausge- aeben wurden 897 000 Jt, angelegt wurden 491000 Mark, sodaß ein Kassenbestand von- annähernd .40 000 c4t bleibt. Für Wahlagitation wurden >9 000 <M, als Darlehen 248 000 an Unter« tützungen 4700 <M, an Gehältern fast 60 000 ür das Pressebureau über 38 000 m, für die „Par- eikorrespondenz" 23 000 «*, für den Bildnngsaus- chuß 19 000 M und für die Parteischule 40 000 JL
Zusgegeben.
, Besondere Sorgfalt widmete wieder die Partei hem organischen Ausbau der „Bildungsarbeit*. Die Organisation derselben liegt in den Händen eines Zentralbildungsausschusses. Die örtlichen Träger derselben sind die Bildungsansschüsse, die nunmehr in 218 Orten bestehen und Bortrags- chezw. Wauderkurse veranstalten. Nach dem Parteiberichte wurden 1911 in 177 Orten Vortragskurse abgehalten, und zwar insgesamt 345 mit 45 873 Teilnehmern, die die verschiedensten Wiffensgebiete behandelten, von der Nationalökonomie, Geschichte und Naturwissenschaft bis zu den Elementarfächern. Wanderkurse stellt der Parteibaicht 1911 122 fest.
ihre
**
von
jetzt die Unita Cattoliea zu Felde und behauptet das Gegenteil: alfo bie Katholiken seien auch in.
Deutsches Reich.
Berlin, 29. Aug. 1911. Staatssekretär
= NuutiuS Fruhwirth über die Uuita Cattoliea. Die herrliche Papstrede des Fürsten L ö w en st e i n auf dem Mainzer Katholikentage, die dort einen Sturm begeisterter Verehrung für den Heiligen Vater entfesselte, ist im ,Offervatore Romano' besonders belobt worden. TaL hat eines der überkatholischrn ttalienischen Blätter, die so gern die Kirchentreue der Katholiken in Deutschland verdächtigen, nicht gehindert, wieder mal zu stänkern. Diesmal ist eS die Unita Cattoliea in Florenz, ste tadelt insbesondere die Stelle, in der Fürst Löwenstein ausführte, daß die Katholiken in Fragen d« Politik alle Freihett hätten, und daß es nicht angängig sei, ihnen wegen ihrer Papsttreue politische Abhängigkeit von fremd« ländischen Instanzen vorzwverfen. Dagegen zieht jetzt die Unita Cattoliea zu Felde und behauptet
Ausland.
** Zwei französische Panzerkreuzer nach Süd- marokko? Großes Aussehen erregt in Paris die Montag nachmittag erfolgte Ausfahrt zweier Panzerkreuzer aus dem Hafen von Toulon mit versiegelter Order, die erst auf hoher See geöffnet werden darf. Es handelt sich um den „Jules Michelet* und den „Waldeck-Rousseau*. Die beiden großen Kreuzer gehören dem jüngsten Modell an. Sie entwickeln eine Geschwindigkeit von 23 Knoten in der Stunde und haben 700—800 Mann Besatzung an Bord. Die amtlichen Stellen verweigern jede Auskunft über das Reiseziel der beiden Panzer, das, wie geglaubt wird, die Südküsto von Marokko fein soll.
♦ Die Lage in Portugal. Obgleich die meisten Zeitungen behaupten, daß im Lande Ruhe herrsche, sind allein in Lissabon 40000 Korkarbeiter, Auslader und Dockarbeiter ausständig. Die Einwohner von Moita Almada und mehrerer anderer Städte in der Nähe von Liffabon verlaffeu ihre Wohnungen und begeben sich nach Liffabon, da sie Unruhen befürchten. Dre Zeitung „Diario Notifias" meldet, daß in den letzten Tagen zahlreiche Fälle von Sabotageakten vorgekommen seien. Die Häuser bet reichen Leute find geschloffen nnd werden in der Nacht von Geheimbeamten bewacht. Auch das Ministerium ist geschloffen und wird von Truppen bewacht. ,,
** Die letzten aus dem ruffisch-japauische« Kne, hertShrenden Streitigkeiteu sind durch emen Tele- grammwechsel zwischen dem Kaffer von Japan und
Lokaler.
Fulda, den 30. August 1911.
(*) Robert Kircher f. Für unsere Stadtabonnen' ten legen wir der heutigen Nummer unseres Blattes ein Bild des verstorbenen Herrn Rod. Kircher bei. Es ist dasselbe Bild, das bereits in ber Nr. 195 dieses Blattes abgedruckt worben ist, infolge des RotationsdruckverfahrenS aber in einem Teile bet Auslage nicht besonders zur Geltung gekommen ist. Das sprechend ähnliche Bild wird in der vorliegenden Kunstdrnckausführung den zahlreichen Verehrern des Heimgegangenen als Andenken an den hervorragenden Mann willkommen sein. Auch unseren auswärtigen Abonnenten stellen wir daS Bild gerne zur Verfügung und bitten, eS von der Geschäftsstelle verlangen zu wollen.
Die ,@amama' und die ,Köln. VolkSztg.' widmen dem Verstorbenen ehrende Nachrufe. Die ,Köln. Volksztg.' fügt ihrem Nachrufe die Bemerkung bei: „Auch die ,Köln. Volksztg.' betrauert den allzufrühen Heimgang diefes hervorragenden Mannes. Er zählte auch zu ihren Mitarbeitern und oft sind in ihren Spalten sehr schätzenswerte Beiträge auS seiner Feder erschienen".
Ein Totenbild des Herrn Robert Kircher ist gegenwärtig in der Reinhardt'schen Buchhandlung in der Friedrichstraße ausgestellt. Das von Herrn Photograph Otto Diel hecgestellte Bild zeigt den Verstorbenen auf dem Paradebette. Das Bild wird von den Vorübergehenden mit vieler Teilnahme und großem Interesse betrachtet.
0 In der gestrigen MagistratLsitzung wurde sicherem Vanehmen nach den unwesentlichen Aende« rungen an den Verträgen, die das Elektrizitätswerk betreffen, nach den Beschlüffen der Kommission und der Stadtverordneten-Versammlung zugestimmt. Es kann nunmehr mit den Installationsarbeiten in Kürze begonnen werden. Ebenso wurde der Kauf der Rohre und Formstücke für den 2. Rohrstr ang endgiltig abgeschlossen. Gegenüber dem Kostenvoranschlag stellen sich die Preise wesentlich günstiger. Man hofft die Fertigstellung der Leitung noch in diesem Herbst bewerkstelligen zu können. Der erste Antrag des Magistrats, einen zweiten Rohrflrang zu legen, erfolgte gerade vor vier Jahren, im August 1907.
* Versetzt wurde auf seinen Antrag der Schutzmann Ludwig zum 1. Oktober von Hanau nach Fulda.
§ Tie Bautätigkeit in unserer Stadt steht augenblicklich wieder in voller Blüte. Insbesondere ist es die Gegend am Frauenberg, wo in letzter Zeit schon mehrere Wohnhäuser entstanden sind, so z. B. bie Villa beS Herrn Aug. Kehl-Duisburg neben ber „Bellevue*, ber Neubau beS Herrn Stadtsteuer« sekretärs Remitiert, beS Herrn Gymnastalzeichen- lehrers Linz in ber Niesigerstraße, bes Herrn KreiS- ausschußsekrelärs Vastas in ber Abalbertstraße, das Krüppelheim nebst Oekonomiegebäube (letzteres ist im Rohbau bereits fertig), und schon roieber sieht man, wie in jener Gegenb erneut mit Ausschachtungs- unb Grundmauerarbeiten begonnen wird. Soweit uns dis jetzt bekannt, sind folgende Neubauten vorgesehen: An der Adalbertstraße läßt Herr Maurermeister Johannes Schmitt ein Wohnhaus errichten, auf ber Westseite ber oberen Buttlarstraße läßt bie Firma Heinrich Trabert vorläufig vier Beamtenvillen erstehen, bie Firma Wegener unb Trabert, ferner bie Herren Bauunternehmer Leo Engel unb Herr Vierbrauereibesitzer Joseph Schultheis werben ebenfalls bie Buttlarstraße teils auf bet Ost-, teils auf ber Westseite durch je einen Wohnhaus-Neubau bereichern. Die Firma Hermann Weber, Bau« geschäst, errichtet je einen Neubau in der Kurfürsten« straße, in der Blücherstraße und am Viehmarktplah. Die Herren August und Emil Dähler stellen in der Sebastianstraße zwei Wohnhäuser hin. Herr Joseph Dietrich, Gastwirt in Salzschlirf, wird in aller Kürze mit dem Ban einer Villa in der Kurfürsten- straße beginnen lasten. Ecke Moltke» u. Artilleriestraße läßt Herr Bäckermeister Franz Hahn ein Wohnhaus errichten. In der Königüraße stellt Herr Bauunternehmer St. Grosch ein Wohnhaus« neuban hin, am Wallweg ein solcher Herr Maurer« meiiter Joh. KrauS, Hinter den Löhern ein weiteres Herr Bauunternehmer Gregor Hautumm. Herr Architekt E. Kramer errichtet am Franzosenwawchm einen Neubau und Herr Ham. Oswald m. ber Georaftraße. An Neubauten von hiesigen größeren Kelkbästsfinnen seien erwähnt derjenige der tfuma l a Km Söhne, Lindenstraße, I. Walensee K b.‘ H. Kmengaffe, der 75 Meter lange Fabrik- erweitmmgsbau ganz in Eisenkonstruktion der Firma F. T. Bellinger, in welchem ein neues Emaillierwerk mit 4 Oesen untergebracht werden soll. Di« Arbeiten an dem Wiedaaufbau bet im vorigen Jahre niedergebrannten Flamme'schen Fabrik nebst
politischen Fragen von Rom abhängig. Der päpstliche NnntiuS Dr. Frühwirth in München, hat nun gegenüber diesen Angriffen dem Bayer. Courier erklärt:
Obwohl er die in Rebe stehenden Zeitungen unb insbesondere die aus der Unita Cattoliea angeführte Stelle gelesen habe, habe er doch kein Gewicht auf die Aeußerungen des Blattes gelegt. Er habe offen geglaubt und glaube noch, daß die Sache bie deutschen Katholiken nicht beunruhigen sollte. Die Person des Fürsten Alois zu Löwenstein unb seine Gesinnung seien sowohl ben beutjchen Katholiken als auch bem Heiligen Bata zu gut bekannt, als baß ber gerfngfte Zweifel an seiner Gesinnung entstehen, viel weniger, baß man ihm rebellische Ideen unterschieben könnte. WaS die Unita Cattoliea anbelangt, fuhr Se. Exzellenz wörtlich fort, so weiß ich nicht, ob es wahr ist, daß dieselbe, wir man sagt, das Lieblingsblatt des Heiligen Vaters Ei. Aba auch angenommen, daß dies ber Fall, so beutet bas noch nicht, daß dieses Blatt, wenn es etwas veröffentlicht, vom Heiligen Vater infpieriert sei, daß Se. Heiligkeit das Veröffentlichte gewollt unb vorher gewußt hat. Uebrigens wäre es im allgemeinen bas Beste, daß die deutschen Katholiken indifferent bleiben gegen die Auslassungen, welche ausländische Blätter, auch katholische, über bie Verhältnisse der Kirche im Deutschen Reiche sich erlauben. Jedes Blatt ist im Bezug auf das, was das Ausland betrifft, abhängig von seinem Korrespondenten, unb oft finden sich bie besonderen Auffassungen der Korrespondenten im Blatte wiedergegeben. Ueberdies sind die Auslastungen, welche ausländische Blätta, auch katholische, über die Verhältnisse der deutschen Katholiken sich erlauben, oft mangelhaft wegen der unvollkommenen Kenntnis der speziellen Verhältnisse des Landes und der Persönlichkeiten. Alles ht allem kann ich sagen, daß sowohl die Auslassungen der Unita Cattoliea, als auch die Bemerkungen der deutschen Blätter, welche diese Auslassungen gebracht haben, die Sache aufgebauscht, mich vollkommen kalt gelassen haben. Ich hege den Wunsch, daß bie beutschen Katholiken sich deswegen nicht beunruhigen, sondern einig und geschlossen bleiben und fortfahren, ihr ganzes Vertrauen auf die Persönlichkeiten zu setzen, die seit Jahren mit Eifer und Opferwilligkeit der katholischen Sache sich angeschlossen haben.
(*t Inkrafttreten des Äcichsvichfeucheit-refrtzes. Wie Balmer Blätter melden, sind in der vergangenen Woche bie Beratungen ber zustänbigen Stellen über ben Entwurf bec Bundesratsinftrukt'on zum Reichsviehseuchengesetze zum Abschluß gebracht worden. Der Bundesrat dürfte also ben Entwurf voraussichtlich sehr halb in Angriff nehmen. Mau bar? erwarten, baß bie eubgiltige Instruktion vorn Bundesrate so rechtzeitig fertiggestellt werben wirb, baß daS Gesetz am 1. April nächsten Jahres in Kraft treten kann.
rP Demokratische Selbsterniedrigung. In emev sozialdemokratischm Wahlversammlung in Düsseldorf erklärte da Parteisekretär der Demokratischen Vereinigung, daß diese nur deswegen einen eigenen Kandidaten ausgestellt habe, um die demokratischen Stimmen in der Stichwahl um so sicherer den Sozialdemokraten zusühren zu können. — Weiter kann man die Speichelleckerei vor ber Sozialdemo« hatte nicht tret. en.
+ Genossen unter sich. Genösse Koutsky hatte ein Flugblatt über die Marokkofrage verfaßt, daS von dem Parteivorstande übernommen unb veröffentlicht würbe. An biefem Flugblatts übte Rasa Luxemburg eine recht scharfe Kritik, gegen bis sich Kautsly heute im .Vorwärts' wmbet. Auf bie Sache selbst einzngehen, ist nicht nötig. Kautsky wirft in seiner Gegenkritik ber HebenSroürbigen Genossin vor, sie versteh: so ausgezeichnet zu verdäch« tigen, baß gegen sie ein Erzverleumder ein Waisenknabe im Verdächtigen sei. Seine Ansführnngen schließt KautSky mit bem Dorwnrfe, baß Rosa Luxemburg sich auf bas frevelhafteste gegen baS Wohl ber Partei versünbige. — Ob Rosa biefe Kennzeichnung ruhig en'gegennehmen wirb, bleibt abzuwarten.
+ Wahlkreise ohne sozialdemokratische Organisationen. Die sozialdemokratische Partei hat in 383 Reichstagswahlkreisen Organisationen. Nur Vertrauensleute hat sie in den Kreisen Warendorf- Beckum, Falkenberg-Grotkau, Frankenstein-Münster« berg, Meseritz-Bomst, Wreschen-Pleschen, Kosten« Krotoschin, Golbap-Darkehmen, Sensburg-Ortels- bürg, Heiligendeil-Pr. Eylau und Allenstein-Rössel. Weber Organisationen noch Vertrauensleute hat bie Partei in ben Wahlkreisen Pr. Holland-Mohrun- gen, Angerburg-Lötzen unb Schrimm-Schroda.
bem Kaiser von Rußland gütlich beigelegt worden. Besondere Schwierigkeiten waren mit der Regelung der Frage ber Hospitalschiffe verknüpft, bie für bie russische Regierung prinzipielle Bedeutung hatte unb zwar infolge der besonderen Siel- lung, die das Rote Kreuz zu Kriegszeiten ein» nimmt. Für bie japanische Regierung war bie Regelung dieser Frage schwierig, weil die Prisengerichte die beiden Hospitalschiffe „Angara" und „Orel" als gesetzliche Prise anerkannt hatten. „Angara" wird jetzt an Rußland ausgeliefert unb „Orel" von Japan erworben werden.
* Vom Kongo. Nach einer Meldung aus Borna befläiigt es sich, daß die Eingeborencit 2 Diener des britischen Konsuls aufgefressen haben. Einer der beiden Leute wurde haut, als der Konsul Mackie sich vorn Kougostamm nach dem Soporifluste unterwegs befand. Ein anderer Diener wurde zu einer Pflege zurückgelassen. Die beiden Diener wurden von Kannibalen überfallen und abgeschlachtet. Ter Konsul sandte eine Abteilung Soldaten, um die Menschenfresser zu bestrafen. Die Schuldigen entkamen.
Kiderlen-Wächter lst Dienstag wieder in Berlin eingetroffen. — AuS Anlaß der Anwesenheit deS Kaisers in Pommern sind zahlreiche Auszeichnungen verliehen toorben. So ist ber Reichstags Präsident Graf Schwerin-Löwitz Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz geworben. Der Abg. Fhe. v. G a m p erhielt ben Stem zum Roten Adlerorden 2. Klaffe mit Eichenlaub. — Der Erzherzog- Thronfolger Franz Ferdinand von Oesterreich reist am 4. September zu den deustchen Flottenmanövern nach Kiel unb kehtt am 7. September wieder zurück. — Die Anerkennung da portugiesischen Republik wird, wie da» Berliner Tageblatt hört, durch die europäischen Monarchien im Laufe der nächsten acht Tage erfolgchi. Deutschland wird das neue Regime in Portugal entweder gleichzeitig mit England oder unmittelbar nach England, keinesfalls aber vor England anerkennen. —< Der Landwirt- schaftsminista hat bestimmt, daß die echte Wahlperiode der Tierärztekammer bis Ende des Jahres 1914 dauern soll. Im Januar 1912 sollen die Tierärztekammern zum echten Male zusammentreten. Die Wahlen finden im November d. I. statt.
** Der Kaiser in Stettin. Der Kaiser begab sich gestern Morgen im Automobil nach dem Parabe- felde bei Krekow zur großen Parade bes II. Armeekorps. Kurz vorher war bie Kaiserin mit ber Prinzessin Viktoria Luise im Wagen, begleitet von einer Eskabron Kürassiere, borthin gefahren. Auch baS schwedische Königspaar begab sich in Automobilen nach bem Paradefelde, wo sich bereits viele Tausende eingefunden hatten. Die Fürstlichkeiten, in den Uniformen ihrer Regimenter, stiegen auf dem Paradefelbe sämtlich zu Pferde. Es war nur ein Vorbeimarsch befohlen. Die Infanterie ging in Regimentskolonnen vorüber, die Kavallerie in Eskadronfronten und die Artillerie ht Abteilungsfronten. Der Kaiser fiihrte die 2. Grenadiere. Jubel erregte es, als das Kürassierregiment Königin anrückte mit ber Kaiserin an ber Spitze, hinter welcher ber Kronprinz folgte. Auch ba König unb die Königin von Schweden, der Groß- Herzog von Mecklenburg-Srrelitz unb bie Prinzessin Eitel Friebrich führten ihre Regimenta. Nach der Parade hielt der Kaiser Krttik ab unb nahm militärische Meldungen entgegen. Sodann ritt er weitere Fronten von Kriegervereinen und Sanitäts- kolonuen ab. Tann setzte er sick an die Spitze der Fahncnkompagnie unb ber Standarteneskabron unb führte die Feldzeichen bes 2. Armeekorps nach bem Königlichen Schloß in Stettin zurück. Unterwegs bildeten Truppen, Bereute unb Innungen Spalier unb bereiteten bem Kaiser unb ber Kaiserin sowie ben schwebischen Herrschaften lebhafte Ovationen — Am Abenb ivar im Königlichen Schlosse Tafel für bas 2. Armeekorps. Da Kaiser hielt einen Trinkspruch, ht bem er sich anerkennend über ben hervorragenden Stand des 2. Armeekorps aus- sprach.
)( Die Statthalterschaft in Pommern. Die Er- nennung beS Prinzen Eitel Friebrich von Preußen zum Statthalter ber Provinz Pommern, die ber Kaiser bei bem Festmahl in Stettin an- künbigte, wirb baeitS im „Staatsanzeiger* veröffentlicht. Die Statthalterschaft in Pommern ist lebiglich eilt Ehrenamt, ihre Würde wirb nach einer alten Tcabition im preußischen Königshause regelmäßig einem ber königlichen Prinzen als eine besondere Auszeichnung verliehen. Zuletzt wurde sie von Kaisa Friedrich als Kronprinz bekleidet, als er kommandierender General beS 2. Armeekorps war. Er hat damals ost mit seiner Familie in dem alten Schloß ber pommerschen Herzöge reftbiert. Da es zu gleicher Zeit Sitz bes Oderprästbiums unb der Regierung war, bot eS nicht ausreichenden Platz für eine prinzliche Hofhaltung. Jetzt sind die Verwaltungsbehörden in einem neuen prächtigen Gebäude untergebracht, und das Schloß kann wieder als Sitz eines Statthalters verwandt werden. Er bekleidet, wie gesagt, nur eine Ehrenstellung ohne Anteil an den polttischen oder militärischen Geschäften, »bet man betrachtet in Pommern die Anwesenheit eines SohneS des Königs von Preußen als eine Art Vorrecht ber Provinz.
)( Vollständiges Einvernehmen ber Dreibundmächte. Das italienische ^Regierungsblatt, bie .Triduca', schreibt: Einige Zeitungen haben von einer bevorstehenden Unterredung des Marquis di San Giuliano mit Herrn v. Bethmann-Holl- weg unb bem Grafen Aehrenthal gesprochen. Wir haben au zustänbiger Stelle Erkunbigungen eingezogen unb können versichern, daß bis jetzt keine Absicht besteht, solche Unterredungen abzuhalten, für die man kein Bedürfnis fühlt angesichts des vollständigen Einvernehmens zwischen den drei Ministern und ihre- fortgesetzten Gedanken- atisrausches über die hauptsächlichsten internationalen Fragen.
lungsbesuch. Unb nach bieser Richtung hin können unb müssen alle bürgerlichen Parteien unb Anhänger von den „Genossen* lernen!