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vienrlag den 29. August (9U.

L8. Zahrga»-.

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2. Blatt.

vruck «tz Verleg der Mdaer Ictteibr#4trei < le Leide.

Die Organisation -er Katholiken Deutschlands zur Bertei-iguug der christlichen Schule nnd Erziehung. ' Hm Oberlandesgerichtsrat Marx (Düsseldorf) schreibt unS:

""Die glänzend verlaufene Tagung von Ltainz wird hoffentlich nach vielen Richtungm befruchtend, för­dernd und segensreich auf die Entwicklung katholischen Lebens in Deutschland einwirken. Auf ihr ist auch 'eine neue Organisation beschlossen worden, die seit langem schon von vielen Seiten dringend ge­wünscht wurde, eine Organisation zur Verteidi­gung der christllchenSchule und Erziehung. Aus Gmnd eines Beschlusses der Generalversammlung zu Augsburg vom Jahre 1910 hatte das Zentral­komitee für die Kacholikenversammlungen eine Kom­mission, bestehend aus den Herren Domprobst Dr. Pich­ler, Rektor Brück und Oberlandesgrrichtsrat Marx, eingesetzt und mit der Vochereitung des Unternehmens .beauftragt. Nachdem mit möglichst vielen, an der Dchule und ihrem Mrken interessierten Kreisen län­gere Verhandlungen gepflogen und alle beteiligten Faktoren von dem Plane unterrichtet worden waren, fand in Mainz die Annahme der Statuten und die Konstituierung der Organisation statt.

Charakteristisch ist, daß sich über die Notwen­digkeit einer Organisation für die Schule in keinem .Stadium der Verhandlungen irgendwelche Meinungs­verschiedenheit ergab. Wenn es noch eines Beweises dafür bedurfte, daß die Katholiken vielleicht schon allzu .lange mit der Sammlung ihrer Kräfte auf diesem so ^nichtigen Gebiete gezögert haben, so war es die am 6. August zu Jena erfolgte Gründung eines Bundes für Reform des Religionsunterrichtes, zu dessen Cha- rakterisierung dir Anführung seiner Mer ersten For­derungen genügt: 1. Der Lehrxr darf unter keinem dogmatischen Zwange leiden; 2. die Schule muß vom Katechismusunterricht befreit werden.

Rur der Verteidigung soll die in Mainz beschlossene neue Organisation dienen! Immer mehr dringt die Macht der liberalen Weltanschauung auf dem Schulgebiete vor, nur schwach bekämpft, vielfach direkt unterstützt durch Maßnahmen der Gesetzgebung und Verwaltung. Alle, die die christliche Schule und Erziehung erhalten wollen, sind deshalb genötigt, ihre Kräfte zu sammeln, um die Verteidigung ihres Stand­punktes einheitlicher und wirksamer zn gestalten.

Ueber die Form der Organisation konnte man geteilter Ansicht sein: die wirksamste Art der Ver­teidigung würde die Gründung einer Massenorgani­sation, eines allgemeinen Schulvereins gewesen sein. Gegen diesen Gedanken sprach das allgemeine Beden­ken einer neuen Vereinsgründung und die naheliegende .Gefährdung der zahlreichen schon bestehenden Vereine und Organisationen, welche sich mehr oder weniger .ebenfalls die Förderung christlicher Weltanschauung, namentlich bei der Jugend zum Zwecke gesetzt haben. Es wurde deshalb die Zusammenfassung aller Kräfte, von denen man ein Eintreten für christliche Erziehung erwarten kann, ins Ange gefaßt und deshalb die B i t- b un g von Ausschüssen, Aktionskomitees beschlossen.

Der Schwerpunkt der Organisation liegt, da die Schulfragen durch die LMidesgesehgebung und Lan­desverwaltung geregelt ioerben, in den Bundesstaaten. In der Regel soll für jeden Bundesstaat ein La n d e s- aus schuß gebildet werden, der sich aus Vertrauens­männern der einzelnen Bezirke, aus Vertretern der angeschloffenen Vereine und au§ zu gewählten Mitglie­dern zusammensetzt. lieber die Abgrenzung der Be­zirke beschließt bet Landesausschuß. Ans den einzel­nen Landesausschüssen wird ein aus 18 Mitgliedern bestehender Zentralausschuß für das Reich ge­wählt. Unter den Landesausschüssen stehen die B e= zirksauSschüssefür die einzelnen, von den Lan­des ausschüfsen zu bestimmenden Bezirke; unter den Be­zirksausschüssen die Ortsausschüsse (in größe­ren Gemeinden) ober die V ertr au ensp e r s o- n en (in kleineren Gemeinden).

Den Landesausschüssen können sich Ei n z e l p e r- f o n e n als Förderer (ohne besondere Rechte) an­schließen, wenn sie sich zur Zahlung eines Jahresbei­trages von mindestnes 3 Mk. verpflichten. Angeschlos­sene Vereine und sonstige Organisationen haben einen Jahresbeitrag von mindestens 20 Mark zu zahlen. Die Bezirks- und Ortsausschuss können sich besondere Ge- schästsorbnungen geben, auch die Aufnahme von Mit-

gliedern und die Erhebung von Beiträgen vorsehen; sie bedürfen zu diesen Maßnchmen der Genehmigung des Landesausschuffes.

Als Aufgabe der Organisation bezeich- npt K 1 der Statuten „die Auftechterhalung des christ­lichen Charakter« der Volksseele auf konfessionell« Gmndlagr. Daneben kann die Erörterung ander« Fragen des Unterrichts und der Erziehung einbezogen toerben*. Der § 2 führt dann als Mittel jur Er­reichung des Zweckes insbesond«e an: Jnteressierung des katholischen Volksteils an der Gestaltung des Schulwesens; Auskünfte über einschlägige Rechts- fragen, welche sich namentlich bet der Durchführung der das Schulgebiet betreffenden Gesetze und Verord- nungen ergeben; Anregungen an Behörden, gesetz­gebende Körperschaften, Organisationen; Sammlung, Bereitstellung und Veröffentlichung von Material über» die Gestaltung des Schulwesens in den einzelnen Staaten, auch des Auslandes, insbesondere AufstA- lung von Statistiken; Verbreitung von Literatur, Pressenachrichten, gegebenensalles Herausgabe ein« periodischen Zeitschrift ob« Zeitungskorrespondenz.

Auf bem Wege, wie ihn der vorbeschriebene Or­ganisationsplan einschlägt, ist es möglich, alle die zahlreichen, auf katholischer Seite schon bestehenden Vereine, namentlich konfessioneller Art, zu gemein­samer Arbeit im Interesse ber christlichen Er­ziehung der Jugend zusammenzufassen. So wird in erst« Linie auf die Beteiligung der katholischen Lehrer- und Lehrerinnenvereine zu hoffen sein. Die Verbände Waben sich dem Landesausschuß, die ein­zelnen Vereine den Bezirks- bezw. den Ortsausschüs­sen anschließen können. Der Volksvaein für das katholische Deutschland, d« schon durch die bekannte Broschüre von Dr. Müll« und eine Anzahl Flug­schriften für die konfessionelle Schule seine Stimme er- hoben, wird seine Mithülfe nicht versagen. Die Frauen­bünde und Müttervereine wird man nicht entbehren können. Die in mehreren Bundesstaaten bestehenden Schulvereine werden sich angliedern können und mit ihren reichen Erfahrungen wertvolle Hülfe leisten. Eine große Zahl ander« Vereine, Fürsorge-, Erziehungs­vereine, alle Standesvereine, in erst« Linie unsere bewahrten und nie versagenden Arbeiterverein«, vor allem auch unsere katholischen Gesellen- und Hand- Werkervereine, kaufmännischen Vereinigungen, sie alle werben mit Freuden ihr Interesse an der Zukunft des Volkes durch Anschluß an die neue Organisation be­tätigen. Wer gerne zu guten Zwecken sein Scherflein beiträgt — und wer will das nicht von den so über­aus opferfreudigen deutschen Katholiken? — der hat Gelegenheit hier zu einem besonders guten und wich­tigen Unternehmen: zur Verteidigung unserer katho­lischen Jugend gegen die Angriffe liberaler Welt­anschauung beizutragen: « wird als Förderer je nach feiner Vermögenslage mit einem mehr oder weniger reichlich bemessenen Jahresbeiträge beitreten können.

Die Hauptsache ist aber, baß nun in allen Bun­desstaaten, dann in den einzelnen Bezirken, Städten und Gemeinden mit der Bildung von Ausschüs- s e n vorgegangen wird, damit in kürzester Zeit nach allen Richtungen hin die Organisation eingerichtet und vervollständigt wird. Selbstverständlich wird man bei der Bildung von Ausschüssen sich vorher der Zustini- mung imb Mitwirkung aller derjenigen Kresse ver­sichern müffen, welche vor allem dazu berufen sind, für die Erziehung der Jugend in christlichem Sinne zu sorgen. Nur wenn alle Kräfte in Einmütigkeit und Opfersreudigkeit zusammenwirken, kann das bedeut­same Unternehmen gedeihen und seine volle Mrksam- keft in segenbringender Weise entfalten. Erfreulicher­weise hat sich bereits für Bayern ein Landesausschuß gebildet. Die Geschäfte führt vorläufig Herr Stadt- Pfarrer Stahler in Aschaffenburg. Dem Vernehmen nach sind schon in einer Anzahl von Bezirken und Städten die einleitenden Schritte zur Bildung von Bezirk- und Ortsausschüssen getan.

Mit Gott voran für unsere Jugend? so soll die Parole fein!

(Vorläufig sind Anmeldungen und Anfragen zu richten an Oberlandesgerichtsrat Marr, Düsseldorf.)

Deutsches Retch

* Riicktn»ftmg der Sp»vkt»n such tea C rpsssi- zipftk. Der Gouverneur von Den'mfüa-u-?:ufr.ra hat das Gros der nach tem Okawurrgo-Tebtü auf

»MB——»——

Schloß Sonneck.

27 Roman von Felix Nabor.

„Leb wohl, Papa!" — Da wankte Hilde hinaus [tnb das Herz drohte ihr zu brechen vor Jammer.

D« Wagen fuhr durchs Tal. Die Berge und Wälder grüßten in weißem, gleißenden Schmuck, die Sonne stand über dem Land. — So ging Hilde aus ber Heimat.

Oben am Schlosse aber stand ein alter, einsamer Mann am Fenster und Hielte hinab ins Tal. und verfolgte ben schwarzen Punkt, der immer kleiner und Heiner wurde, bis ec endlich hinter ein« Hügelkuppe verschwand. Darm brach er am Fenster zusammen und schlug die Hände vors Gesicht. Die Sonne war hon ihm gegangen, die Nacht brach cm. —

10.

Es war hoch am Mittag, als Hilde v. Synneck die Residenz erreichte. Hofmarschall Freiherr v. See­burg, ein alt«, spöttisch« Herr mit leichtgerötetem Gesicht und schneeweißem Haar, ab« noch jugendlich schlank und elastisch, besten Zunge am ganzen Hof ge­fürchtet war, holte Hilde am Bahrhof ab und gelei­tete sie zum »Alten Palais", dessen entlegensten Flü­gel Prinzessin Franziska bewohnte.

Der Hosmarschall war von galanter Ritterlichkeit gegen Hssde und erzählte ihr lachend, er habe sich die neue Hofdame ganz anders vorgesteklt: altjungfern- haft, mager und blaß, mit falschem Gebiß und spitz« Zunge. Run war er aufs angenehmste überrascht, eine schöne, junge, hochgewachsene Dame zu sehen, .echter Walkürentypus, blaublütig bis iu die Finger­spitzen", wie er sagte.

Mit einer tiefen Verbeugung verabschiedete er sich im Palais von Hilde und überließ sie den Händen ber Oberhofmeisterin, Frau v. Sperber, bie ihre Schutzbefohl-ne nach umständlich« Begrüßung an die Beschließerin wettergab. Diese geleitete Hilde in ihre Zimm«, half ihr beim Auspacken und überließ sie

dann sich selbst. Um halb acht Uhr sollte Hilde zum Tee hecabkommen.

Run war sie allein in ihrem kleinen Reich. Es bestand aus drei kleinen, hübsch möblierten Zimmern, direkt über den Gemächern der Prinzessin.

Das „Alte Palais" mar ein riesenhafter, vier­eckiger Steinkasten, ber einen ungeheuren Hof um­schloß. Alles an dem Bau war düster, druckend und nüchtern. .Der Ausblick war nicht besond«s veo- lockeird. Als sie ans Fenster trat und hinausblickte, sah sie unten zwischen grauen Manern einen großen, kahlen, sandbestrmten Hof mit vier alten Bäumen und einem Brunnen.

Da? war kein freubw« Ausblick Wie ganz ■anberS war es doch in Schloß Sonneckl Da lag zn Füßen ein grünes, freundliches Tal, über den heimi­schen Hügel rauschte d« Wald und unten im Dorfe blitzte d« Fluß: das war die Heimatk

Hier war alles vermauert; von dem rauschenden Leben, das draußen in d» großen Stadt seine hohen Wellen Mug, war hier nichts zu svüren. Dieses Schloß erschien ihr wie eine alte, trotzige Burg, die seit Jahrhunderten in tiefem Schlafe lag, an deren stacken Mauern die Lebenswogen machtlos abprallten imb grollend vorn Herzogen. Hi« war unheimliche Ruhe — die Stille des Todes.

Ein jäh« Heimwch «faßte Hilde und krampfte ihr das Herz Wsammen. Sie setzte sich an den Tisch, stützte das Haupt in die Hand und ließ chren Tränen freien Lauf. —

Ms die Glocke vom nahen Turme klang, horchte sie auf: fleben Uhr! — Sie entzündete die Lampe, 'wusch sich die Augen und kleidete sich um. Groß war freilich ihre Auswahl an Kleidern nicht und sie nah­men sich furchtbar ärmlich in dem mächtigen Schranke aus, der fast die ganze Seite ihres Schlafgemaches entnahm. Aber danach fragte sie nicht. Sie wählte das weiße, hochgeschlossene Kleid, das ihrem Papa immer so gut gefallen hatte. Trotz ihres Schmerzes regte sich ein klein wenig Eitelkeit in ihr: sie wollte einen günstigen Eindruck auf bie Prinzessin machen und nicht gleich am ersten Tage wie ein Trauerfalt« erscheinen.

dem Eaprivizipfel entsandt« militärisch« Expedition zurückbernsen, nachdem inzwischen die Rückkehr d« Patrouille von Frankenberg nach Schuckmannsburg bekannt geworden ist und die G«üchte Aber die Ermordung zwei« Weißer im Okawango-Gebiet sich nickt bewahrheitet haben. Nur eine kleine Abteilung d« Expedssion wird dm Marsch nach der Polheistation nach ber Kuringkuru am Oka- wango fortfetzm.

+ Sozialdemokratie und Marokkofrage. Bekannt- lich haben die Genossen Hildenbrand und Mauren- brech« für dm Jena« Parteitag ein« Antrag ge­stellt, in dem ein friedlicher und dauernd« Aus­gleich internationaler Interessengegen­sätze gefordert und die dmtsche Sozialdemokratie aufgefordert wird, wenn die deutsche Diplomatie in ihrem Vorgehm nur die Verteidigung berech­tigt« Gesamtinteressen des deutsch« Wirtschafts­lebens erstrebe, ihre Oppofitionsstellung zur inneren Politik der Regierung nicht auch auf die äuß«e zu übertragen. Die «Rordd. Allgem. Ztg/ bemerkt hierzu in ihren Rückblicken:

„Der »Vorwärts' steht mit feinen Sympathien na­türlich auf dem Boden des Befchluffes ber sozialdemo­kratischen Marokko-Versammlung, die am Sonntag in Berlin stattsand und Deutschlands Politik unwürdig schalt, von hinterhältigem Vorgehm sprach und in gleichwertigen Redmsartm schwelgte. Schimpf - resolutionen, auch wenn sie wed« gehauen noch gestochen find, w«den stets als wack«es Führen der bekanntm „geistigen Waffen" anertannt. Sie find wert, auf den Parteitagen angenommen zu werden, wogegen das genannte Organ für die Hildenbrand-Maurenbrecher'schen Thesen vorschreibt, sie seien unter Heiterkeit zu begraben und dürften gar nicht «st verhandelt werden. Vielleicht wäre es ge­scheit« gewesen, diese Form des Dekretes zu vermeiden. Zwar sieht es fast aus, als glaubten die „Genossen" von bei Presse diesmal in Jena der Gefamtpartei Ge­setze diktieren zu können, aber es fragt sich noch, ob dos gleich unter Knebelung jeder mißliebigen Debatte möglich sein wird."

(*) Als Wahlparole für die kommenden Reichs- tagswahlen soll die Regierung nach Behauptungen sozialdemokratischer und linksliberaler Blätter die Marokkosrage ans«sehm haben. Daß der Marokkohandel bei dm kommenden Wahlen Gegm- stand der Erörterung fein wird, ist ohne weiteres klar. Dar» berührt sie viel zu sehr weitgehende Jnterrffen des deutschen Reiches. „Aber eine Wahl­parole im eigentlichen Sinne, meint die»Deutsche Tagesztg/ kann sie nicht fein. Handelt es sich wirklich um die Ehre, die Macht, den Besitz und die Zukunft des Reiches, dann müssen die verschiedenen Parteim, die sich auf and«en Ge.ieten heftig be- kämpfm und trotzdem bekämpfen müssen, in diesem Punkte völlig einig sein . . . Wer sich allerdings in diesem Kampf auf d e Seite des Gegners stellt, oder wer eine Frage der deutschen Ehre gering­schätzig behandelt, der muß von allen übrigm Parteien mit d«selben Schärfe und Entschiedenheit bekämpft werden. In diesem Sinne wird unter allen Umständen die Marokkofrage bei dm künftigen Wahlen eine hervorragende Rolle spielen". Das ist eine Auffassung, der wir uns anschließen können. Daß bei der Sozialdemokratie und ihrem liberalen Bundesgenossen der Gedanke an die Möglichkeit einer solchen Wahlparole arges iinbchagen hervor- rujt, ist begreiflich.

Aus dem Nachbargebieie.

* Rohrbach bei Heck seid, 28. Aug 1911. In dem nahe an der Kircke gelegenen Wohnhaus des Nikolaus Beisheim entstand auf bis jetzt uncmfge- tläcie Weife Feuer. Ten vereinten Feuerwehren von Rohrbach, Tann und Reilos gelang cs, ein Lestemwsichgrkiscn des Feuers zu verhindern. Das Wohnhaus braun re vollständig ab.

* HecsftlS, 2"'. Asz. 1911. Der Essenbahn- La-raMmr y. Kenn girier in Biedenkopf ist nun 15. September an das Eisendahn-Betriebsamt HriH'rck vrrjetzt worden.

h. Kassel, 27. Aug. 1911. Eine glückliche Wahl hatte d« Vorstand des K a t h. Männer-Ver­eins Kassel-Wehlhriden getroffen, als « den heutigen Familienaussluz nach dem be­liebten Ausflugsort „Graue Katze" anberaumte. Punkt 1 Uhr wurde auf dem eigens gemieteten Damp- fer „Wilhelmshöhe" die Flußfahrt angetreten. An dech

Fünf Minuten vor halb acht Uhr löschte fie die Lampe und stteg langsam die teppichbelegte Treppe hinab. Die Treppe mündete aus einen breiten, end­losen Korridor, der sich durch den ganzen Flügel des Schlosses zog. Ein paar Gasflammen brannten unter motten Gläsern und verbreiteten gedampftes Licht; ein Modergeruch wehte ihr entgegen, die Lichter er­innerten an Totenlampen. Es war still wie in einem Grabe; der dtzke Teppich dämpfte ben Schritt, unb ein paar Lakaien, bie am Ende bes Ganges erschienen, huschten wie Schatten vorüb«. .

Hilde fröstelte unb sie beeilte sich, in die Zimmer der Oberhofmeisterin zu kommen, die hell erleuchtet waren. Frau v. Sperber befand sich noch unt« den Händen ihrer Zofe, die ihr eben eine lange, dünne Goldkeite um den Hals legte und ein Veilchenparfüm auf das Taschentuch goß. Hilde betrachtete Frau v. Sperber mit großem Jnt«effe; diese ivar in den fünfzig, mittelgroß, voll in den Formen und mit spiegelglatt glänzendem Scheitel. Alles an ihr war rundlich, unb das schwere Seidenkleid, das sie um­bauschte und sich straff üb« Brust unb Rücken spannte, schien fortwährend leise zu knacken. Wie ihr Kleib, so war auch ihr Gesicht ernst, büfter unb feierlich.

Nachdem sie ihre umfangreiche GestaÜ in dem hohen Wandspiegel betrachtet unb ein widerspenstiges Haar mit dem mgef «richteten Finger zurückgestrichen hatte, wandte sie sich zu Hilde um, blieb aber bei deren Anblick wie erstarrt stehen unb ries voll Ent­setzen: „Ab«, Kinb — was fällt Ihnen denn ein? In Weiß können Sie boch nicht vor Königliche Hoheit «scheinen! Umnöglich! Sie müssen sich rasch um- fleibcn —*

Hilde ärgerte sich üb« dieses gönn«haste „Kind", wie üb« den hochtragenden Ton. „Bedaure", sagte sie, „ich habe momentan kein anderes pogendes Kleid zur Berfügnng," —

Frau v. Sperber machte große, drohende Augen. „Es ist doch heute kein Ball", sagte sie mit eschar;-. „Königliche Hoheit lieben keine Extravaganzen und kleiden sich selber immer dunkel

idyllisch schön gelegenen Wirtschaft „Zmn Fuldatal" wurde gelandet und hier verlebte man einige fröhliche Stunden, verschönt durch die Darbietungen der Ge­sangsabteilung. Abends wurde mit dem lampionbe­leuchteten Dampf« unter Absmgung gemeinschaftlicher Lieder und unter Darbietung von Mannerchören die Heimfahrt angeltet«, die wohl allen Teilnehmern, es warm wohl üb« 200, als frohe Erinnerung int Ge­dächtnis bleiben wird.

* Bom Eichsfelde, 28. Aug. 1911. In diesem Sommer tonnten wieder eine Menge Webegeräte an bedürftige Weber des Eichsfeldes abgegeben werden. Zu ben Gesamtkosten von 550 Mk. trugen bie Web« selbst 150 Mk. bei, während die Regierung einen Zuschuß von 400 Mk. gab. Außer­dem gewährte die Regierung an durch Krankheit in Not geratene Weber Unterstützungen int Betrage von 300 Mk

Amt Geisa und Umgebung.

* Dermbach, 29. Aug. 1911. Die zweite kathol. Lehrerstelle in Borsch und bie neuerrichtete katho­lische Lehrerstelle in Föhlrttz find zu besetzen. — In d« neuesten Nr. des Verordnungsblattes für den 4. Verwaltungsbezirk empfiehlt Bezicksdirektor Baron v. Groß dm Gemeindm seines Bezicks die Schaf­fung von Volks- und Schulbädern. An einem Beispiel zeigt «, daß die Errichtung einer sol­ch« Anlage ohne große Schwierigkeiten möglich ist unb daß das angewendete Anlagckapital sich sogar glatt verzinst. — Der letzte hiesige Schweine­markt war sehr gut besucht. Es waren aufgetrieben 284 Stück Saugschweine. Die Borstmtiere fanden guten Absatz, da die Preise ziemlich niedrig waren.

* Vacha, 29. Aug. 1911. Der Oberftilda-Werra- Gau des 7. deuischm Tumkreises unternahm am Sonntag bei einer Beteiligung von über 400 Personen eine wohlgelungene Gauturnfahrt nach dem Oechsen. — Die nächste Sitzung des Be­zirksausschusses findet Montag, dm 4. Sep- tember d. I., in Vacha im Saale des Rathauses stach Auf der umfangreichen Tagesordnung stehen u. a. Gesuche der Gewerkschaften Sachsen-Weimar in Unter­breizbach, Bonifatius in Buttlar, Heiligenmühle in Oechsm um Erlaubnis zur Errichtung je einer Chlor­kaliumfabrik sowie Einleitung von Endlaugung in bie Ulst«.

* Stadttengsfeld, 28. Aug. 1911. D« Kaiser hat ben Großherzoglich sächsischen Kammerjunker Heinrich von Eichel-Streiber, früh« zu Stadtlengs- selb, Sachsm-Weimar, zum Ehrenritter bes Johan- niierorbms ernannt. „,, .

* Aus Thüringen, 28. Aug. 1911. Die öffent­lichen Schulprüfungen in den Volksschulen des Großherzogtums Sachsen - Weimar, die seith« am Schluffe des Schuljahres stattfanden, sollen nach, einer Verordnung des Ministeriums auch weiterhin bestehen bleiben, trotzdem der Weimarische Landes­lehrerverein um Beseitigung dieser Prüfung unter Darlegung wichtiger Gründe petitioniert hatte.— In Meiningen wurde der Geh. Ministerial» Registrator Doering von dem in rasender Fahrt auf dem Rade bah« kommenden Schneid« Zöller überfahren und am Hinterkopfe so schwer verletzt, baß « gestorben ist. Der wilde Radi«, der das Unglück v«schuldet hat, zog sich selbst nicht uner- hckliche Verletzungen zu.

4» '

Aus Werhesien u. Len Hess. Aemtem.

* Marburg, 29. Aug. 1911. Ober-Reg.-Rat Walther Hassenpslug in Posen ist ztnn Kurator b« hie­sigen Universität unter gleichzeitiger Verleihung des Charakters als Geh. Ober-Reg.-Rat mit bem Rang b« Räte 2. Klasse enbgültig bestätigt worden. — I« Wangershausen ist b« 20jährige Schreiner P. Finger an Typhus eckrankt. Der Kranke wurde in die Isolierbaracke der Marburger Klinik überführt.

* Gudensberg, 27. Aug. 1911. Die hiesige Apo­theke ist an einm Herrn Rmsche, z. Zt. in Lage in Lippe, für ben Preis von 140 000 Mk. verkauft worben. Die Uebergabe erfolgt bereits am 1. Okto­ber b. I. J

s. Bauerbach, 27. Aug. 1911. Am Samstag fanb hi« in feierlich« Weise die Grundsteinlegung

„Ab« das tut doch Königliche Hoheit aus persön­lichen Gründen", sagte die Kammerfrau d« Prinzes- sin, die eben eingetretm war.

„Hab' ich Sie vielleicht um Ihre Meinung ge­fragt?" rief Frau v. Sperber zornig.

Die Kammersrau zuckte die Schultern und warf Hilde einen aufmuntemden Blick zu, der zu sagen schien: „Lassen Sie fich nur nicht unterkriegen, sonst sind Sie von der erften Stunde an die Sklavin dies« herrschsüchtigen Frau."

Hilde dachte dabei an die Worte, die ihr d« Hof­marschall auf der Fahrt vom Bahnhof über Frau b. Sperber gesagt hatte: „Sie ist eine vortreffliche Dame unb der Prinzessin treu «geben. Ab« man muß ihr die Zähne zeigen —"

Hilde wollte ihre Selbständigkeit wahren, ihre Pflichten «füllen, ab« sich nicht zur Magd erniedrigen lassen. Das Wort ihres Vaters klang ihr im Ohr: Frei durch die Welt und den Kopf stets hoch?

Als daher Frau v. Sp«b« ihre Aufforderung, sich umzulleiden, wiederholte, lehnte fie das Ansinnen ebenso höflich wie entschieden ab.

Frau v. Sperber sah ein, daß sie hier mit ihr« Macht nicht durchdrang. „Nun gut", sagte sie, „so gehen Sie eben in Weiß. Wenn Hoheit zürnt, ist es nicht meine Schuld."

„Ab«, verehrte Oberhofmeisterin", erwiderte Hilde, „es kommt doch nicht auf das Kleid an, fon- dem auf die P-rson. die drin steckt. Wenn übrigen» durchaus Schwarz vorgeschrtebcn ist, so hätten Sie mir dieses eh« sagen müssen " „ . „ , .

Auf diesen Vorwurf sand die ®ame ferne 2lntn.ort „Wir nehmen jetzt den Tee und nachher w«de ich Sie königlicher Roheit praientieren. _

Schlag acht Mr -rhob sich Frau v Sperber„ um fich zu der Vriwcssin zu begeben. Hilde schritt an ihrer Seite durch eine Reihe pmnkvoller Gemach«, und nun klopfte ihr dock; das H«z.

Run schlug Frau v. Sp«b« eine dunkelgrüne, schwere Samtportiere zurück, klopfte leise an Vie Türe, wartete ein paar Sekunden unb trat mit ihrer Beglei­terin in ein großes, matterleuchtetes Gemach.

(Foftsetzung folgt.)