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üotationrdrnSund r erlag der Luldaer A- ttendruckerei in Fulda Fernsprecher Nr. 4.

Fulda, Dienstag den 29. August 1911,

Erstes Blatt

M 196.

38. Jahrgang.

N. Unnütze Haarspaltereien.

Ein im Dienste ergrauter Zentrumsjournalist, der schon im Kulturkämpfe an erster Stelle mitgestritten hat, zugleich ein alljährlicher Besucher.des Katholiken­tages, schreibt uns:

Wenn wir als Zentrumswähler uns politisch betätigen, so sagen die Herren Gegner, wir seinen gar keine politische Partei, sondern eine konfessionelle.

Wenn wir aber als Katholiken eine Generalver­sammlung zur Beratung über unsere religiös­sittlichen Interessen halten, so sagen die Gegner, auf dem Katholikentag nnirde unzulässiger Weise P o- l i t i k getrieben.

„Wie man's macht, fft's falsch". Bald sind wir zu konfessionell, bald sind wir zu politisch. Das Wohlge­fallen der Gegner werden wir wohl erst erlangen, toenn wir auf jede öffentliche Tätigkeit oder übrhaupt auf unser Dasein verzichten. Darauf werden sie ab« wenn wir auf jede öffentliche Tätigkeit oder überhaupt noch etwas warten müssen-

Ein liberales Blatt hatte den „Beweis" für den politischen Charakter des Katholikentages in der Schulrede von Marx auf dem Mainzre Katho­likentage gefunden. Als ob die Kulturkämpfer nicht eben; »gut wüßten, wie wir, daß im Schulwesen, bei der Frage der Erziehung des Nachwuchses, die r e- ligiös-sittlichen Grundsätze und Interessen die Hauptrolle spielen?

Neuerdings bemüht sich die „Correspondenz der deutschen Vereinigung", dem Katholikentag ein politisches Mäntelchen umzuhängen, und was kom­men da für schreckliche Dinge zum Vorschein. Man denke: d« Präsident Gras Galen, der u. a. ein Abgeordnetenmandat besitzt, hat bei dem Danke für feine Wahl in der letzteren auch einen „Gruß an die iZentrumssraktion" gefunden. Der Hinweis auf eine solche Personalunion soll schon eine unzulässige partei­politische Betätigung sein. Und ein österreichi- schek Gelegenheitsredner hat Bei der Begrüßung von den Reichstagswahlen gesprochen! Und man hat behufs Bekämpfung der kkrchenseindlichen und farblo­sen Blätter für die katholische Presse Propaganda ge­macht, was die besagte Korrespondenz dadurch zum Zerbrechen strmpttn will, daß sie die katholische Presse für identisch mit der Zrnirmnspresse erklärt. Sollte denn etwa die Generalversammlung deshalb von der .Bekämpfung der glaubensgesährlichen Presse ab= fehe u, weil diejenigen Bläkt«, die in religiös-sitt­lich« Hinsicht den katholischen Standpunkt vertreten, in ihren politischen Artikeln das Zentrum zu unter­stützen pflegen? Geradezu komisch ist es, daß man den „Volksverein für das kathol. Deutschland", der gleichzeitig mit der Generalversammlung der Ka­tholiken Deutschlands feine Hauptversammlung allzu- hakten pflegt, als Beweis für die Kompetenzüllerschrri- tung herbeizieht. Das ist ja gerabe ein konfessio­neller Verein, wie schon sein Name sagt, und gehört also dorthin, wo die katholischen V«eine sich alle Jahre zusammenfinden. Und dann hat in der Ansammlung des Sekretariats sozialer Stndentenarbeit (also wie- ber aus einer Neben Versammlung) Herr Stegerwakd von der Reichsfinanzreform und der Reichsversiche- mngZordnung gesprochen, — als oll diese Dinge nicht put der sozialen Frage zusammLnhingen!

Was für einen Wert hat nun dieses mühselige Hrr- umstöüern nach Einzelheiten, die bei d« Politik an- flingen? Aus allen Versammlungen, die sich mit öffentlichen Angelegenheiten befassen, gibt es Hinweise aus politische Verhältnisie, — bei den protestanti­schen Verfarnmlungen erst recht. lieber sechzig Fahre besteht schon der Katholikentag, und wenn er schon 58mal vor aller Welt sich betätigt hat, so braucht doch wahrlich nicht mehr über sein Charakterbild ge­stritten zu werden. Die deutschen Katholiken treiben dort nicht Parteipolitrk, sondern besorgen ihre religiös- sittlichen Jnt«effen. Dabei lassen sie sich freilich we­der ein Sperrschloß an den Mund, noch Scheuklappen an den Augen anlegen. Gegner haben uns nicht vor- zusrcheiben, worüb« wir reden oder nicht reden sollen, und wenn em Katholik in dieser Hinsicht beson- bere Wünsche oder Skrupel hat, so kann er ja hinkom­men und seine Ansicht vertreten.

Alle Haarspaltereien, Tüsteleien, Trugschlüsse und Verdächtigungen helfen den Gegnern doch nichts. Un­sere Organisationen sind sound bleiben f e, wie sie gewachsen sind, und. jede arbeitet auf ihrem Gebiet gemäß der religiösen oder politischen Ueberzeugimg des Volksteils, der Wirr ihr steht. Wenn bet „Charakter" der betreffenden Einrichtung uns gefällt, ist es gut We:m er den Gegn«n miß­fällt. — um so besser?

Zu den verfehlten und ulwütze» „Spitzfindigkeiten" gehört auch der Versuch eines Herrn O e h m e n in Koblenz, der mit ber krausen Idee, die et in seiner Zeitschrift „Ständeordnung" verzapft, schm öfter den Beifall der Gegner gesunden hat. Neuerdings will er aus verschiedenen Stelle» päpstlich« Enzykliken »be­weisen", daß das Zentrum auch in rein politischen, weltlichen Dingen der kirchlichen Autorität unter­worfen sei, also keine politische Partei sein könne. De« anickatholischen Zeitungen, denen der Herr seinen „offenen Bries" sofort zugeschickt hat, macht diese Auf­wärmung Hoensbroe ch'scher „BeweissWrung" große Freude, bewiesen aber wird weiter nichts, als was alle Welt längst weiß und niemand bestritten hat: baß die Glaubenslehre und die Sittengesetze auch bei bra sozialen und politischen und allen sonstigen öfsent- nchen Angelegenheiten ihre volle Kraft und Geltung haben, übrigen können wir uns die Widerlegung der Trugschlüsse von Ochmm und Genossen sehr leicht machen ,indem wir folgende kl areunddurch- fchlagenden Sätze von neuem abdrucken:

„Nicht minder befriedigte NnS die wiederholt anS- gesprochene Versicherung, daß die Katlwkikeu Deutsch­lands in ihr« Tättgkeit auf religiösem Gebiete der Autorität des apostolischen Stuhles sich unter» ordne-,. Wie die stete Erfahrung beweist, läßt dies« Gehorsam — mögen auch einige, die den wahren Sach­verhalt nicht kennen, heftig dagegen sprachen — einem jeden volle und uneingeschränkte Freiheit in den Angelegenheiten, welche die Religion nicht berühren, und begründet so in den Gemütern jene Harmonie, pie vom Einzelnen auf di« gmrze Gesellschaft über­

gehend, dem gesellschaftliche« Wohl, daS ja aus einem doppelten Element, dem rettgtöfen und bürgerlichen, gemeinsam erwächst, ficheren Bestand verleiht."

Wer sagt das? Kein Geringerer, als Papst Pius X. in seinem Schreiben vom 80. Oktober 1906 (nach dem Essener Katholikentage) an den Herrn Kardinal-Erzbischof von Köln.

Die Freibeit, die uns der glorreich regierende hl. Vater förmlich und feierlich verbürgt, genügt der Zentrumsfraktion und den Zentrumswählern. Wir lassen sie unS nichtnehmen oder ver­dunkeln von einigen, die den wahren Sachverhalt nicht kennen oder nicht kennen wollen!

Sint, ut sunt, sie sollen bleiben, wie fie gerade sind, sowohl der Katholikentag als die Zentrums­partei,

Deutsches Reich.

** Der Kaiser in Hamburg und in Stettin.

Bei den: Festmahl der Stabt Hamburg, dar Sonntag abend der Senat im Saale des Rathauses gab, ergriff auch der Kaiser das Wort zu einer längeren Rebe. Er dankte für den Empfang der Stadt Hamburg und hob hervor, daß die Hansestädte in leb­haftem Interesse für die ihren Namen tragenden Re­gimenter einen neuen Beweis ihrer Siebe und Zu­neigung zu geben im Begriff ständen. Die Anerken- nung für das Heer, das nun schon so lange den Frie­den habe miterhalten, fei recht gewesen, denn Ham­burg könne nur unter beS Friedens Schirm seiner Arbeit michgehen. Der Kaiser fuhr dann fori:

„Für eine Ration ist dies so notwendig, wie für den menschlichen Körper, zu atmen, um zu leben. Der Atem des Staatskörpers bringt ihm Leben und Kraft. Und dieser Atem ist der Handel. Schon der weitblickende große Kurfürst prägte das Wort: „Handel und Seefahri sind die beiden Hauptsäulen meines Staates". Wir dürfen uns aber nicht darüber wundern, daß das Aufstreben des Handels in unserem junggeeinten Vaterlcmde manchen in der Welt Unbeguemlhchkeiten gema ch t hat. Ich meine jedoch, die Konkurrenz ist auch auf kommer­ziellem Gebiete gesund. Sie ist für die Staaten und Völker notwendig, um anzuspornen und zu neuen Leistungen anzuregen. Die Konkurrenz der Nationen untereinander kann in Frie. den ausgekämpft werden. Der Schutz für Handel und Seefahrt ist durch das deutsche Volk in den letzten Jahrzehnten geschaffen worden in der mäch­tig sich entwckelnden und allerwärts durch ihre Man­neszucht und Disziplin sich auszeichnenden deut­schen Kriegsflotte. Sie ist es, welche den Wil­len des deutschen Volkes zur Seegeltung aufstellt. Diese noch aufblühende junge Flotte erfreut sich ganz besonders des Interesses der Hamburger. Wenn anders ich den Ausdruck der Begeisterung der Hambur­ger richtig verstanden habe, so glaube ich annehmen zu können, daß es ihre Ansicht ist, unsere Flotte auch fürderhin zu verstärken, so daß wir sicher sein können, daß uns niemand den uns zustehen, den Platz an der Sonne streitig machen könne. So erhebe ich mein Glas auf das Wohl der Hansastädte und deren größter, Hamburg."

Nach ber Tafel zeigten sich das Kaiserpaar mit ben Fürstlichkeiten und den Bürgermeistem wieder­holt auf bem Balkon. Stürmische Hochrufe erschallten, die Nationalhymne und anbere patriotische Lieder wurden wieder angestimmt. Nm 10 Uhr fuhren die Majestäten von dem Dammtorbahnhof ans nach Stettin ab. Riff dem Wege der Majestäten bil­deten über 4000 Turner mit Wachsfackeln und Schü­ler bet höheren Schulen Spalier.

** Stettin, 28. Aug. 1911. Mr bie Kaiferiage hat bie alte Hauptstadt Pommerns reichen Schmuck angelegt. Schon m den frühen Morgenstunden füllten heute ^schaulustige bie Einzugsstraßen, in denen Schu­len und Vereine zur Spalirrbildmig Aufstellung nah­men. Um 10% Uhr traf das Kaiserpaar mit der Prinzessin Viktoria Luise im Sonberzug hier ein. Auf dem Bahnhofe fand großer militärischer Empfang statt. Anwesend waren u. a. der Kronprinz unb bie übrigen Kaiserlichen Prinzen. Sodann erfolgte der feierliche Einzug in die Stadt.

Vor dem Rathanse hatten sich bie städtischen Kör­perschaften ausgestellt. Oberbürgermeister Dr. Acker­mann hielt eine Ansprache, deren eine Stelle lautet:

„Dem neuen Siadtrnuseum gegenüber auf baum- bekränzter Höhe solle ein weithinragendeS von Pro­fessor Renzels Meisterhand entworfenes Reiterdenk- mcck Kaffer Friedrichs erstehen, der als Statthalter von Pommern sein Andenken tief in die Herzen der Bürger Stettins eingegraben. Daß noch wieder ein- mal ein Statthalter von Pommern aus dem erlauch­ten Hause Eurer Majestät auf dem alten Greifen, schlosse residieren möchte, wo über ein halbes Jahr­tausend die Pommernherzöge gesessen habe — das ist etn Traum, auf dessen Erfüllung wir noch zu hoffen haben!

Der Oberbürgermeister bot bann bem Kaiser ben Ehrentrunk an. Der Kaiser erwiderte mit Wor­ten herzlichen Dankes und betonte, es sei ihm immer eine Freude gewesen, im Laufe der Zett zu beobachten, tote Stettin unter Schwierigkeiten mit zäher Energie feine Entwicklung durchzuführen versteht. Er hoffe, daß bie Staatsregierung ben Wünschen der Stadt entgegen komme.

Kurz vor 12 Uhr kam das Panzerschiff „Oskar II* mft bem König und der Königin von Schweden an Bord in Sicht. Kurz vorher waren ber Kaiser und die Kaiserin an der Landungsstelle vor der Hafenterraffe erschienen. Punkt 12 Uhr legte das Schiff an. Der Kaiser und die Kaiserin begaben sich an Bord des Schiffes, wo fie vom König unb der Königin von Schweden begrüßt wurden. Nach der Begrüßung an Bord begaben sich die Herrschaften an Land und zum Schloß zurück.

Abends um 6 Uhr war im königlichen Schlosse bei bat Majestäten Tafel für die Provinz Pom- mern. Der Kaiser hielt eine Rebe,

m der er herzlich dankte für den jubelnden Emp­fang, der ihm, seiner Gemahlin, sowie dem König von Schweden bereitet worden fei, seinem vielgeliebten teuren Freunde und dessen erlauchten Gemahlin, die Ijier zu sehen, ihm eine besondere Ehre und Freude fei. er gedachte sodann des Fortschrittes und der Ent­wickelung Stettin- und sprach der Pommers ch en

Landwirtschaft, zu der et sich auch rechnen könne, und die geradezu vorbildlich für die Landwirt- {-hast Preußens geworden fei, feine Anerkennung und einen Glückwunsch aus. Sodann gedachte der Kaiser ier auch heute wieder zum Ausdruck gekommenen alten traditionellen Pommerntreue, auf die er baue und sich auch in ernste» Zeiten verlasse. Die Provinz könne stets feines landesväterlichen Wohlwollens und seiner Fürsorge versichert fein. Und so habe et be­schlossen, einem langjährigen Wunsche der Provinz zu enffprechen, und die seit langer Zett unbesetzte Stelle eines Statthalters von Pom- mern wieder zu besetzen. Er ernenne hier­mit seinen Sohn, den Prinzen Eitel Fried­rich, zum Statthalter von Pommern. Sein Glas weihe er dem Fortschritt, der Entwicke- lung und der Treue der Provinz.

** Die Marokkofrage.

Die Marokkoverhanblungm werden am Donners­tag in Berlin wieder ausgenommen werden. StaatS- sttrttär von Kiderlen-Wächter trifft am Dienstag oder Mittwoch von seinem kurzen Urlaub wieder in Berlin ein. Auch der Reichskanzler trifft dann wieder in Berlin ein. Der französische Botschafter Cambon wird am Donnerstag wieder dort sein.

Die Zugeständnisse, die Frankreich für den voll­ständigen politischen Verzicht Deutschlands auf Ma­rokko gewähren will, sollen immer noch ziemlich weit von dem entfernt sein, was Herr v. Kiderlen angeblich zuletzt gefordert hat. Ueber bat sachlichen Inhalt des neuen französischen Angebots waren in Berlin sowohl wie in Paris bieser Tage allerhanb Angaben in gewissen Müttern zu lesen, beten Wahlspruch bie Fixigkeit, aber nicht bie Richtigkett ist. Diesen Kom­binationen haben bie Offiziösen in Berlin wie in Pa­ris balbiges grausames Ende bereitet, indem sie den Enteit unbarmherzig den Hals umbrehten.

Sir Fairfax Cartwright, der englische Botschafter in Wien, hat der Neuen Gesellschaftlichen Korrespondenz auf die telegraphische Anfrage, ob er sich zu der Anschuldigung, bie bewußten deutsch- fein blichen Artikel bet Wiener Neuen Freien Presse veranlaßt zu haben, äußern wolle, telegraphisch geantwortet. In deuffcher Uebersetzung lautet diese Antwort: „Ich lehne die Verantwortung für ano­nyme, in ben Zeitungen erscheinende Artikel, deren Ursprung schlecht unterrichtete Leute mir zuschreiben, ab. Sft Fairfax Cartwright." — Daß diese Erklä­rung lückenlos sei, kann man nicht behaupten. Es bleibt die Frage offen, ob Kir Fairfax Cartwright Aeußemngen getan hat, aus denen dann der Artikel entstanden ist, und ob die Aeußerungen richtig wieder- gegc&en sind.

** Berti«, 28. August 1911. Das preußische Sra ^Ministerium soll nach den Ferien zum ersten Male in der zweiten Woche des September zufamii-eutrst-in. In dieser Sitzung dürfte die Frage der Einberufung des Landtages auf dem Programm stehen. — Die großen Flotten­manöver nahmen am Montag von Kiel aus ihren Anfang. An den Manövern find fünf Ver­bände (drei Linicnschiffszefchwader und zwei Kreuzer- Aufkiärmrgsgeschwaver) mit sechs Torpedoboots- floitillen beteiligt. — Wie die „Tägl. Rundschau" Höri, hat sich Ministerialdirektor Dr. Thiel be­reit- im La idwirtschaftsministerium verabschiedet und weilt zurzeit am Rhein. Sein offizieller Rück­tritt dürfte am 1. Oktober d. I. erfolgen. Politisch gehört Ministerialdirektor Dr. Thicl der national­liberalen Partei au. — Der.Staatsanzeigeri meldet: Der König verlieh anläßlich seiner Anwesenheit in der Provinz Pommern dem Vorsitzenden der Landwirtichaftskammer der Provinz Pommern, Rittergutsbesitzer Dr. Gras Schwerin auf Löwitz, den Charakter ais Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz.

X Der Marinebaushalt für 1912—18. Der Vor­anschlag des Reichsmarineamtes, der im Februar an den Reichstag gehen wird, sieht den Bau von zwei Linienschiffen und einem großen Kreuzer vor, hält sich also genau an den Flotten­plan von 1908.

♦ Das endgiltige Ergebnis der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 für den preußischen Staat ist in einer Sondernummer der «Statistischen Kor­respondenz' veröffentlicht. Ihre Ergebnisse weichen nicht wesentlich von den vorläufigen, am 3. Februar veröffentlichten, bereits in den Statistischen Jahr­büchern für 1911 enthaltenen Zahlen ad. Als Ge­samtzahl der preußischen Veoöiftrung wies das vor­läufige Ergebnis 40163 333 Personen auf, das endgittige Ergebnis zählt 40165219 Personen als om 1. Dezember 1910 in Preußen ortSamvesende Bevölkerung. Von dieser waren 19847 725 männ­lich, 20317494 weiblich.

* Die Wohuverhältuisse der Offiziere und Beamten werden jetzt einer eingehenden Untersuchung .ntcr- zogen, die gegebenenfalls zu einer Aeuderung in den Servisktaffen führen werden.

* Landau (Pfalz), 27. Aug. 1911. Bei btt heu­tigen Landtagsersatzwahl im bayerischen Wahlkreis Homburg-Waldmohr wurden abgegeben: sürs Zentrum 2935 (im Jahre 1307: 2973), die Li­beralen 2013 (1907 : 3677), für die Christlichsozialen 470 (1907 gingen sie mit den Liberalen zusammen), für die Sozialdemokratie 1526 (1907: 58 Stimmen. Das Zentrum eroberte den bisher liberal ver­tretenen Wahlkreis, die Liberalen hatten großen Stimmenverlust zugunsten ber Sozialdemokraten.

* Karlsruhe, 28. Aug. 1911. Die Reichstags­ersatzwahl int ersten badischen Reichstagswahl­kreise Ueberlingen-Konstanz wurde ans Don­nerstag, den 19. CXtobtt 1911, festgesetzt. Das Man­dat ist bekanntlich durch den Tod des ZentrumSabg. Hup erledigt.

Ausland.

** Ter ehemalige französisch« MiuisterpräMnt Combes ist feit acht Tagen erkrankt. Sem Zu­stand flößt ernst« Besorgnisse ein. .

** Tas argentinische Schlachtschiff »Rwadavia ist qm. Sonntag in Omincy (Massachusetts) von

Stapel gelaufen. Es ist 585 Fuß lang und wird nach fein« Vollendung eine Wasserverdrängung von 26 600 Tons haben. Die .Rivadavia" ist feit langen Jahren das erste ausländische Kriegs­schiff, das in Amerika gebaut worden ist

% Zn den Südprovinzen Chinas wird neuerdings wieder sehr stark sür di» Revolution agitiert. Um bie aufrührerische Literatur von Santon in das Innere des Lanvrs zu schmuggeln, pflegt man ihr das Aenßere der Bibeln zu geben, wie fie britisch» Missionäre unter ben Chinesen verteilen. Unter den Adressen der Missionäre haben die Verschwörer es möglich gemacht. Hunderttausend» von Hetzschriften in den Städten und Dörfern zu verbreiten. Bei einem der Fanatiker, die unlängst das Attentat auf Admiral L< Tschirn verübten, sand man Bomben, die zwischen diese »Bibeln" verpackt waren.

** Di» Kundgebung der belgischen Katholik« in Löwe«.

* Loewen, 27. Aug. 1911. Heute fand, wie schon telegrchthisch berichtet, eine große Kundgebung der katholischen Vereine zu Ehren des frühem Ministe» prästderrten Schollaert und für die konfessio- nelleSchuleim Sinne der Schollaertschen Schul­vorlage statt. Am Vormittag wurden in elf Sälen Versammlungen abgehalten, in denen katho­lische Politiker zum Ausharren im Kampf um di» Schule aufforderten. Man nahm eine Entschließung an, die sich für die Notwendigkett der Bildung von Ausschüssen erklärt, um die Werbetätigkeft für die ka­tholische Schule lebendig zu erhalten. Um 2 Uhv nachmittags ertönte ein Kanonenschuß, worauf sich der Demonstrationszug in Bttvegung fetzte. Auß einem der größten Plätze der Stadt war eine Tribüne errichtet, auf welcher Schollaert, umgeben von vier Ministern und zahlreichen Abgeordneten Platz genom­men hatte. Der Zug, der 1500 Gruppen, eingeteilt nach den verschiedenen Provinzen, mit zahlreichen Mu­sikkorps und Tausenden von Fahnen umfaßte, defi­lierte vor der Tribüne und brachte den dort bwsanr- melten Persönlichkeiten lebhafte Ovationm dar. An der Spitze der verschiedenen Gruppen bemerke man viele Mitglieder der belgischen Aristokratie, sowie ein» ganze Anzahl von Abgeordneten und Senatoren. Viele Gruppenführer besttegen die Tribüne, um Schol- laert bie Hand zu schütteln; man schwenkte die Hüt» auf den Spazierstöcken, man fang und zwar zumeist Lieder, die eigens für die Kundgebung verfaßt toov» dm waren. Die meisten Teilnehmer trugen am Hute das Bildnis Schollacrts ober Inschriften zugunsten ber Freiheit und Gleichheit der Schulen. Es wurde« auch große Plakate mit Inschriften in demselben Sinne vorongetragen. Man bemerkte jedoch kein«! Inschriften, welche die Gegner irgendwie angegriffen hätten. Um 4y> Uhr nachmittags dauerte der Vor­beimarsch vor der Tribüne, auf der sich Schollaert be­fand, noch immer an. Die Zugteilnehmer sammelten sich alsdann auf einem großen Platze, wo wiederum verschiedene Redner von acht Tribünen herab An­sprachen an die Menge hielten. Auf dem Wege zum Bahnhof wurden einige Zugtetlnehmer von meh­reren Individuen verhöhnt: es entstand eine kleine Schlägerei ohne jede Bedeutung; in einer Straße kam es aus demselben Anlaß zu einem kleinen Zusammenstoß. In der Nacht zmn Sonntag hatten einige Sozialisten die Häuser von Schollaert und eini­ger anderer Katholiken mit roter Farbe beschmiert. Aus diesem Anlaß wurden sechs Verhaftungen borge« notrnnen. Einer der Täter wurde überrascht und ziem­lich arg mitgenommen. — Die Kundgebung hat an Bedeutung und Enthusiasmus alle Erwartungen übertroffen. An 60 000 Teilnehmer aus allen Teilen des Landes warm in 57 Extrazügen angekommen. Einschließlich derjenigen Personen, die auf anderen Wegen eingetroffen waren, kann die gesamte Zahl der Teilnehmer auf 80 000 geschätzt werden. i

Aus Uirche und Schule.

* Fulda, 29. Aug. 1911. Herr Psarrvermeser Franz Wieder in Dittershausen ist vom 1. Sept, d. Js. ab zum Pfarrer daselbst bestellt worden.

**♦ Maberzell, 29. Aug. 1911. Die hier wirkend» Lehrerin Fräulein Mathilde Köck von Fulda ist vom 1. Oktober ab endgültig angestellt.

♦ Zeilsheim, 28. Aug. 1911. Gestern verschied hier infolge eines Schlaganfalles unser pens. Pfarrer Friedrich Sehrbrock, Ritter des Roten Adler­ordens 4. Klasse. Derselbe war geboren am 12. April 1845 zu Lünen a. d. Lippe. 1869 empfing er die hei­lige Priesterweihe, war als Kaplan in Schloßborn, Elwille, Camberg, Frankfurt a. M., als Hilfsseelsorger zu Frankfuri-Oberrad vom 1. Juli 1886 bis 1. April 1889 als Pfarrer zu Caub und vom 1. April 1889 bis 1. April 1911 als Zfarrer von Zeilsheim tätig. An allen genannten Orten hat der Verstorbene ttftig und segensreich gewirkt.

* Helligenstadt, 29. Ang. 1911. Aus dem Leber geschieden ist gestern der emeritierte hochw. Herr Pfar- rer Karl Heinr. Arend. Geboren am 10. Febr. 1835 zu Helligenstadt, erreichte ber Entschlafene bas ge- segntte After von 78 Jahren.

* Münster, 26. Aug. 1911. Die Päpstlichen Be­stätigungsbullen ber Wahl des Herrn KapitularbikarS Dr. v. H a r t m a n n zum B i s ch o f von Münster sind gestern hier eingetroffen. Sie sind vom 27. Juli d. I. datiert.

* Trier, 28. Aug. 1911. Der Direktor der „Trier Landesztg." (Paulinus-Druckerei), Adolf Langer, vordem Pfarrer in Bärwalde i. Schiess Reichstagsab^ für den Wahlkreis Frankenstein-Münsterberg von 1899 bis 1902, gibt seine Stellung in Trier auf und wrrd in Oesterreich die Religionslehrerstelle an einer Anstatt Übei*eäatt, 28. Äug. 19U. Weihbischof Tr. Marx ist heute vormittag im Alter von 76 Jahren an Altersschwach« gestorben. Dr. Marx wurde 1835 in Antonia, einem Torfe bei Oppeln, geboten. 23 Jahre alt, empfing er die Priesterweihe und wirkte bann in verschiedenen Gemeinden, bis ihn das Vertrauen des Oberhirten im Jahre 1892 als Domherr nach BreSlau rief. Seit dem Jahre 1900.