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Rhönfreunde entzückte.
von 42000 Mk.
* Offenbach, 27. Aug. 1911. Bei der städtischen Straßenbahn sind wiederum Unregelmäßigkeiten zu verzeichnen, die anläßlich einer Revision aufgedeckt wurden. Die Unregelmäßigkeiten, die vorgesuuden und dem Oberkontrolleur Tiedenhofen zur Last gelegt werden, datieren auf die Jahre 1907—08 zurück und erstrecken sich auf Schüler- abonnements.
Amt Geisa und Umgebung.
* Gehaus, 27. Aug. 1911. Bei einem Gewitter am Freitag schlug der Blitz in die Feldscheune de- Landwirts Jakob Baumbach, welche rechO von der Straße von Gehaus nach Hohewart steht. Die Scheune, welche mit Erntevorräten gefüllt war, brannte vollständig nieder. Das Gewitter war mit stacken Niederschlägen verbundm. Die Regenme nge betrug nach der Feststellung der Vachaer Beobachtungsstation 28 Millimeter.
* Philippsthal, 27. Aug. 1911. Die Aktiengesellschaft, Kaliwerke Hattorf dahier wird auf einem ihr
• Berneburg (8t. Rotenburg), 27. Aug. 1911. Von einem schweren UnglückSsall wurde in vergangener Rächt der Dienstknecht Knoth betroffen. K-, welcher im Stalle schlief, wollte auStretm, kam aber in der Dunkelheit Kölschen die Pferde und wurde derartig vo» diesen geschlagen, daß er einen doppelten komplizierte» Beinbruch erlitt und außerdem noch schwere innere ! Verletzungen davontrug. Er mußte in das Landkran- kmhauS zu Eschwege gebracht werden.
* Kassel, 28. Aug. 1911. Der frühere Polizriprä- ident von Kaffel, Dr. Steinmeister, soll nach einer Meldung der „9t. G. S." als Nachfolger des Oberpräsidenten von Waldow in Posen in Aussicht genommen sein. Er ist zurzeit Regierungspräsident in Köln. — In bett nächsten Tagen wird mit den Ar- belten zum Bau der neuen Wasserleitung für'» obere Druseltal begonnen werden. Der bisher mangelhaften Wasserversorgung ist damit für alle Zett in tadelloser Weise abgeholfen und steht der Ansiedlung in dieser Hervorragmd schönen, waldigm und ge- sundm Höhenlage (400 -500 Meter) nun nichts mehr im Woge. Da dieses Gebiet zur Stadt Kaffel gehört, so entstehm den Ansiedlern dort auch keine Schwierigkeiten in der Beschulung ihrer Kinder; abgesehen davon, daß durch die Herkulesbahn für eine gute Verbindung mit der Stadt gesorgt ist. Für Beamte ist außerdem nicht ohne Bedeutung, daß sie bei einer Ansiedelung in dieser Gegend eine Kürzung ihres Woh- nungsgeldzuschusses nicht zu befürchtm habm, weil dieses Gebiet zur Stadt Kaffel gehört. — In Web t e s i n g e verursachte ein zündender Blitzstrahl, daß zwei Anwesen in Mammen aufgingm. Gleichzeitig zündete ein zweiter Blitzstrahl eine Weizendieme an, welche nicht weit vom Dorfe stand, und dm Gotte» fegen von 28 Acker barg. Auch diese brannte bis auf den Grund nieder. — Der Schluß der Kolonial- wirtschaftlichen Ausstellung ist von dem hiesigen Vorstand der Deutschm Kolontalgesellschast auf Sonntag, den 3. September, abmds, festgesetzt.
* Aus Nassau, 27. Aug. 1911. Der Kaufmann und Stadtverordnete B. Streicher von Dietz, der anfangs Mai nach einer Unterschlagung von hier flüchtete und vor einiger Zeit auf dem Friedhöfe in Neustadt a. H. einen Selbstmordversuch machte, ist gestern ins Limburger Gefängnis eingeliesert worden. — In Niederneisen brach e im Verlauf einer Kneiperei der 17 Jahre alle Schlosser Graes dem 18 Jahre alten Landwirt Gruber einen Stich in den Unterleib bei, an dessen Folgen Gruber im hiesigen Krankenhause gestorben ist. — Der Kreistag für den Kreis Limburg hatte im vorigen Jahre beschlossen, in Limburg eine Kreis-Sammelwasen- meisterei zu errichten, an die die Kreise Limburg, Oberlahn und Unterlahn angeschlossen werden sollten. Magistrat und Stadtverordnete der Stadt Limburg erhoben gegen das Projekt beim Kreisausschuß 2Bie3« baden Einspruch, jedoch ohne Erfolg. Die städtischen Behörden ergriffen daraus Rekurs an den Minister gegen die Entscheidung des genannten Kreisaus-, schusses. Nun traf die Nachricht hier ein, daß der Minister den Rekurs verworfen habe.
* Aus Franken, 27. Aug. 1911. Im Stockstadter Bahnhofe in Aschaffenburg geriet der auf der dortigen Cellulosefabrik beschäftigte Arbeiter Gabr. Sommer aus Großostheim zwischen die Pufser zweier Rangierwagen und wurde so stack verletzt, daß er bald darauf verschied. — Der Badediener eines Sanatoriums in Bad Kiffingen wurde festgenommen, weil et einem Gaste 100 Mark, einem andern 1100 Mark entwendet hatte; er gab das Geld zurück. — Die ledige Frida Schecher aus Lohr wurde durch Wasserbauarbeiter als Leiche bei Neustadt aus dem Main ge- ländet. — Die Kurliste von Bad Reuhaus a. S, verzeichnet den 2039. Kurgast.
Anr dem Nachbargebiete.
* Vom Lande, 27. August 1911. Der Körner- ausfall auf den Getreidefeldern rst dtes- mal sehr groß gewesen. Es ist deshalb für den Landwirt von erheblichem Interesse, eine Nutzbarmachung der ausgefallenen Körner zu sinden. Wo noch Schafhaltung vorhanden ist, wird die Nutzbarmachung des Körnerausfalls auf den Stoppeln von selbst ointreien. Sonst ist Austrieb von Schweinen oder Geflügel im fahrbaren Stall erwägenswert; in verschiedenen Landgemeinden hat mau zu diesem Zwecke wieder einen Schweinehirten für den gemeinsamen Austrieb angestellt. Zugleich mit einer derartigen Nutzbarmachung wird der Schädlingsvermehrung unserer Kulturpflanzen, namentlich auch den Mäusen, die in den auf dem Acker verbleibenden Ernteresten sonst reichlich Nahrung finden, am besten ein Riegel vorgeschoben.
Eichenzell, 27. Aug. 1911. Ihre Kgl. Hoheit Frau Landgräfin Anna von Hessen beschenkte die Schulkinder von Eichenzell am Freitag mit Bretzeln. — Die elektrischen Anlagen in der Kirche sind im wesentlichen vollendet. Den elektrischen Strom wird Herr Mühlenbesitzer Schönherr frei liefern.
* Aus dem Vogelsberge, 27. August 1911. Das Fest der goldenen Hochzeit begingen am Samstag Herr Auoust Setting, Leinweber und sfrau in Herbstein. Das Ehepaar ist noch sehr rüstig. — Eine der ältesten Kirchen in der Provinz Oberhefsen, das Goiteshaus der Gemeinden Lehrheim und Stangenrod bei Grünberg wurde nach vorgenommener Restaurierung feierlich eingeweiht. Die Kirche ist um 1900 erbaut worden. Die Renovierungsarbeiten begannen im Sommer 1910 und erforderten rund 14000 Mark.
----- Friedewald bei Hersfeld, 26. Aug. 1911. In der im Anschluß an' die Submission auf unser Wasserwerk abgehaltenen Sitzung der Gemeinde- Vertretung wurde der Zuschlag für sämtliche Arbeiten und Lieferungen der Firma Schäfer u. Neuert, Sontra, erteilt. Der Kostenanschlag hatte eine Höhe
freudig gefolgt sind. r r
Gegen 6 Uhr fand eine kurze Vorbesprechung der Delegierten statt, die sich mit der durch den erteilten Antrag des Nhönklubs auf Verleihung der Kor- »Ärntionsrechte notwendigen Statutenänderung, der Frage des Wasserkuppenfonds und dem im Hinblick ruf den Dammersfeldfonds verfügbaren Geldern be- kchüttigte.
Um 8% Uhr vereinigte man sich in den «alen der „Post" zum Festbankett.
Eingekeilt „in drangvoll fürchterlicher Enge faßen nie vielen Rhönfreunde bei tropischer Hitze zusammen, sie sich über 'alles Erwarten so zahlreich eingefunden ■jatten, daß die Beschaffung von Wohnungen einiger, "jiaßen Schwierigkeiten bereitet hat, und die Postsäle Ae Zahl der Festteilnehmer bei weitem nicht zu fassen vermochten. Ein stolzes Lächeln glitt über das Gesicht des Herrn Rentamtmanns Wolff, als er diese Tatstiche bekannt gab. Seine eifrige Arbeit hat dem Zweigverein Brückenau im Jahre 1910 den ansehnlichen Zuwachs von ISO Mitgliedern gebracht. Als Festgabe überreichte der Zweigverein seinen Gästen ein Erzeugnis der alteingesessenen heimischen Industrie, einen % Liter fassenden Steinkrug, mit dem Rhönklubzeichen geschmückt. Daß diese Steinkrüge auf dem Festbankett 'oft gefüllt wurden, sei nur nebenher erwähnt. Der Vorsitzende des festgebenden Zweigvereins widmete den Gälten zum Willkomm ein kräftiges Hoch und verband damit die besten Wünsche für den Verlauf der Jahresversammlung. Auch Herr Bürgermeister R e i n w a l d begrüßte als Stadtoberhaupt in sinnigen Worten recht herzlich die Korona und versicherte, daß man immer in Brückenau so freundlich aufgenommen fein werde, wie heute. Dies gab Herrn Baumeister Wegener, dem Vorsitzenden des Hauptausschusses, Veranlassung, in humorsprudelnder Rede die Vorliebe des Rhönklubs für Bayern, wo er jetzt schon zum vierten Male in kurzen Abständen tage, und für Brückenau zu betonen. Sein Hoch galt dem Prinzregenten, der, getragen von der Liebe eines treuen Volkes, kürzlich fein Wjähriges Regierungsjubiläum gefeiert habe. Namens des Bezirksamtes sprach Herr Bezirksasseflor b. Wachter. Seine feffelnden Worte knüpften an die mannigfachen Beziehungen zwischen Bezirksamt und Rhönklub an, besonders die Natur- und Heimatpflege hervorhebend. Auch der Steigerwaldklub entbot durch seinen Vorsitzenden der Rhön innige Grüße, nicht als „dreckiger" Konkurrent, sondern als gelehriger Schüler des Rhönklubs. Der Herr hatte auch gleichzeitig ein vorzügliches Männerquartett mitgebracht, das sich mit Perlen aus dem Schatz Steigerwalder Volkslieder in die Herzen der Rhönfreunde hineinsang. Daß sich nach dem Dichterwort Theodor Körners im Siebe die Freude verjüngt, bewiesen die Liedervorträge der Gesangs- abteilung des Turnvereins Brückenau und des wackeren Sck'Iothsichen Männerquartetts, das traditionell die Feste des Rhönklubs verherrlicht. Mit bezauberndem Wohlklang und zündender Wirkung sang Frau Fabrikbesitzer Arnold aus Nürnberg „Mein stilles Tal der Rhön" von Kern. Den instrumentalen Teil bestritt
Nützlichkeit de? Projektes, da» von Herr» Architekt Adam eingehend erläutert wurde. De, Antrag rief «in, leb- hafte Debatte hervor, di, erkennen ließ, daß für di, Errichtung eines steinernen TurmeS sozusagen keine, mehr Neigung jedoch für einen eisernen oder hölzernen Turm vorhanden war. Herr Dr. Schneider zoa schließ- lich seinen Antrag zurück, weil er keinen Zankapfel in die Versammlung werfen wolle. Er werd, ihn jedoch im nächsten Jahre wieder einbringen in der Zuversicht- lichen Hoffnung, daß alsdann durch Zeichnungen und Anteilscheine eine so große Summe aufgebracht sein werde die die Errichtung eines steinernen Turmes ermögliche. Aus Antrag des Herrn Gutsbesitzers Scdloth«Nordheim wurden aus dem Bestände der Hauptkaffe 1500 Mark für Unterstützungen der einzelnen Vereine bewilligt. Dem Fuldaer Verein kam die Ver- ammlung insofern entgegen, als st- ihm für Bor. arbeiten zu einem Turmbau auf dem Dammersfeld 500 Mark zur freien Verfügung stellte. Für Schülerberbergen wurden, entsprechend dem Voranschlag der Hauptkaffe, 500 Mark bewilligt, die unter die 7 Schmerherbergen gleichmäßig verteilt werden sollen. Zum Vertreter des Rhönklubs auf der dieSlährrgen Hauptversammlung des Verbandes deutscher Gebirgs- unb Wandervereine, die vom 9. bis 11. September in Bad Wildungen stattfindet, wählten die Delegierten Herrn Postverwalter Röder aus Gersfeld. Im Interesse der im vorigen Jahre beschlossenen Luhtbilder-Zenttale beantragte Herr Oberlandmesser Sprtzbarth-Nürn- berg, der Hauptausschuß möge sich um Erlangung von guten Winterlandschaftsbildern aus der Rhön bemühen
Um 1 Uhr war gemeinschaftliches Mahl in der „Post'. Herr Wegener-Fulda sprach auf den Prinzregenten und den Kaiser, Herr Dr. Schneider auf Stadt und Zweigverein Brückenau, Herr Rentamtmann Wolff-Brückenau auf den Rhönklub und Herr Oberlandmesser Spitzbarth-Nürnberg auf die Damen.
Dem Mahle schloß sich ein Besuch des Bades an, wo Abends eine herrliche Kurgartenbeleuchtung die
die Fuldaer Artillerie-Kapelle, die mit dazu beitrug, daß ein ungekünstelter Frohsinn die Veranstaltung be. herrschte, wie er bei wandernden Touristen heimisch *U Der heutige Vormittag erhielt äußerlich fein Gepräge durch ein vielbesuchte» Konzert der Kurkapelle am Siebener Sprudel und durch Frühschoppen in der „Krone" und im Prinz Ruprecht-Erholungsheim. Die ernste Arbeit rief um 10 Uhr die Delegierten zur
Hauptversammlung
SS. Jahresversammlung des Rhön, klabs.
Bad »rücke««», 27. Aug. 1911.
fefifWÄSuflA« «» b--E. et toar in der zemütlichen Badestadt im reizenden Ernn- gründ bestens aufgehoben, und der Zweigverein Brückenau mit seinem rührigen Vorsitzenden Herrn Rentamtmann Wolff an der Spitze erfüllte m herzlichster Weise die Pflichten der Gastfreundschaft, so haß wir Fuldaer die Brückenauer Tagung zu den schönsten Erinnerungen buchen können. Es haben insgesamt 25 Mitglieder der Sektion Fulda, darunter Herr Landrat Springorum, an der 35. Jahresver- tammlung des Rhönklubs teilgenommen. Ein blauer Himmel lachte über der Feststadt. Er freut, sich augenscheinlich über die Ankunft der Gäste ebensosehr, wie die zahlreichen festlich geschmückten Damen sind Herren, die auf dem Bahnsteig und tit den Straßen des Eintreffens der Rhönfreunden warteten. Eine prächtige Ehrenpforte und die bayerischen Far- ben grüßten uns, wohin man schaute. Samstag nachmittag gegen 5 Uhr lud uns „das Bahnle, das zur Feier der Jahresversammlung sogar Vorspann genom- tnen hatte, aus. Einheimische und Gäste ordneten sich zum Zuge, und unter den schmetternden Marschklängen des Fuldaer Feldartillerie-Regiments gmg» »um Hotel „zur Post". Die Warme Augustsonne be- strahlte Überall freuildliche Mienen und — die Kamera der knipsenden Photographen. DaS letztere war Nicht der einzige Grund für die Gäste, auch ihrerseits Äne freundliche Miene aufzusetzen und zu zeigen, daß sie der Einladung nach dem tvaldumkränzten Brnckenau
in den „Schwan". Alle 32 Zweigvereine mit Aus- , nähme der Rhönerkolonie in Kujawien an der pol- ( Nischen Grenze waren vertreten. ।
Der von Herrn L. U t h - Fulda vorgetragene . Jahresbericht des Hauptausschusses konstatiert . mit Befredignng, daß der Rhönklub, der gegenwärtig aus 32 Zweigvereinen mit 3677 Mitgliedern gegen 3465 im Vorjahre besteht, auch heuer wieder ein gute» Stück vorwärts getommen ist. Die Tätigkeit des Hauptausschusses hat auch im verflossenen Jahre eine erhebliche Zunahme erfahren. Die Angelegenheit be- treffs deS Schuhhauses auf der Wasserkuppe kormte immer noch nicht zum Abschluß gebracht werden. Der Hauptausschuß hat die Verhandlungen mit dem Wirte Sorg den zur betreffenden Kommission gehörigen Herren in Gersfeld übertragen. Die meisten Zweig- vereine sind auch in diesem Jahre wieder bemüht ge- wesen, das W e g e n e tz zu vergrößern, zu unterhalten, schadhafte Stellen instand zu setzen und zutage ge- tretenen Mängeln abzuhelfen. Von größeren Arbeiten sind noch besonders hervorzuheben die Wegebezeich- nungen der Zweigbereine Hünfeld (9 neue Wanderwege), Brückenau, Bischofsheim, Fladungen, Franken- heim und Oberelsbach. Ueber eine Verbesserung der Verkehrsverhältnis se in der Rhön kann der Hauptausschuß in diesem Jahre nichts berichten. Seine in Gemeinschaft mit dem Zweigverein Gersfeld und dem Ski-Klub Fulda wegen des mangelhaften Winter- fahrplans auf der Strecke Gersfeld-Fulda bei der Eisenbahndirektion eingereichte Eingabe hatte leider keinen Erfolg. Der Fremdenverkehr hat sich nicht allein im Sommer, sondern auch durch den Winter- Port bedeutend gehoben. Zwei neue Eisenbahn- irojekte sind in diesem Jahre entstanden. Das eine, ausgehend von Herrn Pfarrer Ney-Dipperz, Beantragt den Bau einer Nebenbahn Fulda-Poppen- hausen-Wüstensachsen, während das Projekt des Eisen- bahnkomitees in Poppenhausen nur den Bau der Teilstrecke Lütter-Poppenhausen befürwortet. Ob eine dieser beiden Eisenbahnwünsche Erfolg haben wird, entzieht sich der Kenntnis des Hauptausschusses. Die vom Hauptausschusse beantragte Anmeldung des Rhön- klubs auf Eintragung in das Vereinsregister ist vom König!. Amtsgericht zurückgewiefen worden.
Die Kunstanstalt von Schröder u. Freund in Darm- stadt beabsichtigt, im nächsten Frühjahr die Heraus- gäbe eines Albums: „Die Rhön tut 23iIb", das etwa 100 ausgewählte Ansichten des Rhöngebirges enthalten wird. Es sollen dabei alle Wünsche des Rhön- klubs berücksichtigt werden. In großer Auflage zu dem billigen Preise von 3 <M, vertrieben, würde das Buch nach Ansicht des Hauptausschusses hervorragend wer- bende Kraft für die Rhön haben. Herr Erich Breu- fing von der Sektion Fulda hat bereits 80 vortreffliche Rhön-Aufnahmen gesammelt. Ueber die Zweckmäßigkeit der Schülerherbergen gehen die Met- nungen im Hauptausschuß auseinander. Er empfiehlt, in dieser Angelegenheit nur mit größter Vorsicht weitere Schritte zu unternehmen und nach dem Beispiel anderer Touristenvereine zunächst eine abwartende Stellung einzunehmen. Zum Schluß gedenkt der Bericht der im abgelaufenen Geschäftsjahre der- storbenen Mitglieder des Rhönklubs und hebt nut Ge- nugtuimg hervor, daß sich in den meisten Zweigver- einen erfreulicherweise eine kräftige Aufwärtsbe- toegung bemerkbar mache.
Ter von Herrn Se!l-Auida in Vertretung des Henn H. Jacobson vorgetragene Kassenbericht weist für das Vereinkjahr 1910 eine Einnahme von 3486,75 Mark und eine Ausgabe von 3503,13 Mark auf. Das Gesamtvennögen bezifferte sich am 1. Jan. 1911 auf 11707,15 Mark. Als Ort für die nächste Jahresversammlung wurde Eisenach gewählt, wo der Rhönklub vor 23 Jahren schon einmal getagt hat.
Bei der Besprechung von Vereinsangelegenheiten wurde beschlossen, beim Kgl. Amtsgericht Fulda erneut den Antrag auf Eintrag des Rhönklubs in das Vereinsregister etsizureichen. Die vom Amtsgericht verlangte Statutenänderungen wurden genehmigt. Die wesentlichste Aenderung ist, daß der Vorstand aus drei Mitgliedern des Hauptausschusses bestehen und bet Vorsitzende seinen Wohnsitz in Fulda haben muß. Es wurde der Wunsch geäußert, daß in Verwaltungssachen die Zwetgvereine vorher gehört werden möchten. Es : folgten nunmehr die Anträge der Vereine auf Be- willigung von Unterstützungen aus der Hauptkasse. Verlangt wurden 5400 Mark, verfügbar sind nur ; 1600 Mark. Der Verein Fulda verlangt 2000 Mk. für : einen steinernen Turm auf dem Dammersfeld. - Herr Dr. Schneider begründete die Notwendrgkert und
Schloß Sonneck.
26, Roman von Felix Nabor.
„Pardon! Meine Bewunderung steigt auf den Siedepunkt! Herr Bergmann, wo sich Geist und Grazie paaren, da sitzen Götter zu Tisch. Ich ahne einen köstlichen Abendi Hier die Grazien — und dort Nek- tar und Ambrosia."
Alice lachte und zeigte dabei ihre gesunden, blanken Zähne. „Wir wollen doch lieber vom hohen Olymp sierabsteigen, weil ich fürchte, daß wir von der Götterspeise nicht satt würden . . . Herr Baron, darf ich tim Ihren Arm bitten? Wir wollen ins Eßzimmer hinübergehen."
Das Speisezimmer hatte große Ledertapeten und Möbel aus gebeiztem Eichenholz. Das Buffett wies schweres Silberzeug auf und der Tisch ivar gut bestellt. Es gab zarte Hammelsrippchen, westfälischen Schinken, dann Lachs- und Kaviarbrötchen und dazu den berühmten Bordeaux. Der Ivar wirklich köstlich, und Weißerihofen, der in dieser Beziehung esioas zu feisten vermochte, tat sein Möglichstes, um die festgesetzte Batterie zu erstürmen.
Alice schenkte ihm fleißig ein und schließlich legte man sich beim Pommerh sest. Die beiden plauderten lebhaft. Das schöne Mädchen übte auf den Baron eine starke Anziehungskraft aus. Alice eckannte die» und verstaut, es, ihre Chancen auszunühen.
Weißenhofen gewann unbestritten Gefallen an Alice. Er wurde, je weiter der Abend voranschritt, immer wärmer und war sichtlich bestrebt, feine Person ins glänzendste Licht zu setzen. Er übersprudelte von Witz und machte, wie immer, wenn er sich Mühe gab, liebenswürdig zu sein, den denkbar günstigsten Eindruck Alice fand den Baron sehr amüsant und ging willig auf Wrißenhofens Art der Unterhaltung ein.
Bergmann war von dem Baron förmlich entzückt. Das wär ein Mann von Bildung und Geschmack; der ieß den reichen Industriellen etwas gelten, verkehrte Nit ihm wie mit seinesgleichen und präsentierte nicht mmer die flebenzackige Adelskrone.
Alice und Weißenhofen franken sich fleißig zu. Der Baron fand es wundervoll bei Bergmanns. Man konnte sich da auch ein bißchen gehen lassen, brauchte nicht jedes Wort auf die Goldwage zu legen — und Alice verstand auch einen guten Witz. Die junge Dame gefiel ihm immer bester, Wein und Liebe stiegen ihm zu Kopfe, sodaß er immerfort Alices Hand drückte; sie lächelte bedeutungsvoll.
Es war längst Mittemacht vorüber, als Weißen- hofen Abschied nahm und nach Hause kutschierte. Wie er dort anlangte, wußte er eigentlich nicht, benn er hatte die ganze Zeit vor sich hingetost. Aber das kluge Rößlein kannte ben Weg und brachte ihn ungefährdet nach Hause.
•
Hilde b. Sonn eck stand vor der Türe zu Papas Zimmer. Ihr Herz pochte heftig. Es war die letzte Stunde im Vaterhaus, es hieß Abschied nehmen!
Bei ihrer Mutter war das rasch vorübergegangen — ein kurzer, frostiger Händedruck, ein kaltes „Laß dir's gut gehen!" — dann war alles vorbei.
Aber bei Papa, da war es doch etwas ganz an- dcres. Dm hatte sie über alles lieb.
Eine Glocke klang — zwei helle, klingende
Schläge. . ,, ,
Da atmete Hilde hoch auf, preßte einen Augenblick die Hand aufs Herz und trat ein.
Papa stand mitten im Zimmer und schien sie erwartet zu haben. Er nickte ihr mit emstem Gesicht zu und zeigte auf die Stutzuhr über dem Kamin. „Noch eine halbe Stunde, Hilde — dann sind wir voneinander geriflm wie der Blütmzweig vom alten, dürren Baume. Kind, mein liebes Kind! . . ."
Hilde flog auf ihn zu, schlang ihre Arme um seinen Hals. „Wo ich auch sein mag, in Gedcmkm bin ich immer bei dir. Immer, Papa. Und was auch kommm mag — ich bleib dir treu."
Sonneck strich ihr liebevoll ein paar Locken aus dem Gesicht. „Ich weiß eS, Hilde," sagte er, und seine Stimme klang seltsam weich, „aber es wird doch anders werden, als du denkst. SDu hast jetzt neue Pflichten. Da wird dir nicht piek Zeit übrig bleiben für
deinen alten Papa. Neue Menschen werden in deinen Gesichtskreis treten, neue Jnteresten dich festeln."
Hilde schüttelte den Kopf. „Was kümniert mich die Welt! Du bist meine ganze Welt, Papa. Du und unser Schloß, unsere Heimat!"
„Und jener andere, Hilde? — Den du im Herzen trägst?"
Hildes Gesicht überflutete eine Blutwelle. „Ich werde ihn wohl nie Wiedersehen, Papa. Damit habe ich abgeschlossen ... das ist ein stilles Grab in meinem Leben."
„Glaube das nicht, mein Kind. Du mit deiner blühenden Jugend und deinem treuen Herzen mußt nicht so reben. Das flnb schlafende Knospen am Lebensbaume, die Herbst und Winter und Sturm und Frost überdauern. Und einmal, wenn der Frühlings- Wind über die Berge zieht, da erwachen die Knospen und brechen auf — da blüht ein neuere Frühling!"
Hllde senkte erschauemd das Haupt und heiße Tränen perlten über ihre Wangen.
„Nicht weinen, Kind," sagte ihr Vater. „Wir wollen uns den Abschied nicht durch Tränen noch schwerer machen. Wir wollen stack sein, Hilde, und tragen, was nicht zu ändern ist. Adlig sein — auch in der Not! Es ist ein Sturm über uns gckommen und hat uns gerüttelt. Aber zu brechen vermag er uns nicht. Dazu wurzeln wir zu tief und zu fest in der Heimaterde. Die Sonne scheidet, der Winter kommt — und es wird ein langer Winter, eine dunkle Rocht sein. Aber die Sonne kommt wieder — ich glaube fest daran."
Der Zeiger der Uhr rückte langsam weiter. „Ueber deine neue Stellung brauche ich dir nicht viel zu sagen," sprach Sonneck. „Du bist klug, edel und treu und wirst deinem Namen Ehre machen."
Hilde trat ans Fenster, ihre Tränen zu trocknen.
In der Nacht war leichter Schnee gefallen — der erste Schnee. Die weiche, weiße Decke schmiegte sich fest um die Hügll und Walder.
Hilde starrte hinaus. Da draußen lag die Heimat, die sie verlassen sollte und hatte ihr« Wmtsrhermckin umgelegt. ES gleißte und glänzte ringsum tote Mil-
lionen von Brillanten und blitzenden Edelsteinen, Wenn ein Windstoß durchs Tal fuhr, so schüttelten sich die schlcmkm Bicken drüben, und der Schnee flog In leichtem, silbernem Gewirbel durch die Luft.
Ach, wie war das so schön, so schön! Es war die Heimat, die sie grüßte! . . .
Da drang ein Glockenton durch die Stille.
„Hilde!" J <
„Ja, Papa!" Sie fuhr zusammen und kam langsam aus ihren Vater zu.
„Es muß sein, Kind! Draußen wartet der Wagen. Grüß mir die Prinzessin!"
Er griff hinüber auf den Tisch, wo eine kleine, altdeutsche Truhe stand, und öffnete sie. Verwelkte Blumen lagen darin, vergilbte Blätter, ein paar Schleifen — und ein Ring. Den nahm er heraus. Es war ein schmaler, feiner Goldreif, doppelt gewunden; in der Mitte einer zierlichen Arabeske glänzte ein prächtt- ger Rubin.
Des Majors Stimme zittette leise, als er sprach: „Nimm dm Ring als Andenken an mich, Hllde, mit in die Welt hinaus. Deine Mutter trug ihn von dem Tage an, als ich mich mit ihr verlobte. Er ist durck ihr Leiden geweiht. Trage ihn an deiner Handl Wenn du ihn anfieW, so mag er dich an die Heimat erinnern und dann wirst du vielleicht auch meiner
gebenden . . ."
Die Sprache versagte ihm. Er steckte Hilde den simkelndm Reif an den Finger und küßte sie auf die Stinte. „Leb wohl, mein Kind! Mein liebes, Herr-
„Mein lieber, lieber Vater!" Hllde schr e °uf, um- klammerte ihn. „Daß eS s° kommen mußte! S-
Sonneck löste fanst ihre Arme von seinem Hals^ Komm, mein Kind! . . . Bleib mich draußen in bet Welt deinem Namen treu! Sei adlig und groß — eht echter Sproß des alten stolzen Stamme» deren vdtt Sonneck! Und fei ein Sonnenkind: trage Sonne hin, wohin im kommst! Leb wohl!"
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