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üotationedruüund Verlag der Fuldaer Ak- tiendruckerei in Fulda Fernsprecher Nr. 9.

M 192.

Fulda, Donnerstag Den 24. August DU.

38. Jahrgang.

Nichts Neues über Marokko.

In Paris hat gegenwärtig der ftanzösische Bot­schafter in Berlin, Cambon, mit den leitenden StaatsmSnnem Frankreichs Besprechungen über die Verhandlungen in Berlin. Ob sie uns der Lösung der marokkanischen Frage näher bringen, bleibt abzu­warten.

Die „Kölnische Zeitung" meint neuerdings, die Verhandlungen seien allem Anschein nach auf einem o t e n Punkt angelangt, und man werde abwar- len müssen, ob es gelinge, weitere Besprechungen in die Wege zu leften. Wir möchten lieber nicht vom toten Punkt, sondern vom kritischen Punkt reden. Aus Paris wird gemeldet, daß am Frei­tag der dortige Ministerrat sich über das bisherige Ergebnis der Berliner Besprechungen schlüssig machen werde. Nun, dann muß es doch eine Ent­scheidung geben, es sei denn, daß die französische Re­gierung sich auf eine Politik der Hinauszögerung verlegen und einem klaren Ja oder Nein gegenüber den vorliegenden Grundzügen eines Ausgleichs ausweichen wollte.

Sonderbarer Weise scheint nun die „Kölnische Zeitung" eine hinzögernde Taktik begünstigen zu wollen. Für Deutschland, so führt sie ans, liege kein Grund zu einer Ueberstürzung vor; es könne ruhig ablvarten, seine Interessen zwängen eS nicht zur Eile, die politische Lage sei nicht derartig, daß Deutschland von heute auf morgen seine endgiltige Entscheidung über seine Haltung zur marokkanischen Frage zu treffen genötigt wäre. „Wir können die Dinge an uns herankommen lassen."

I st dem so? Tie „Köln. Ztg." vergißt eine Voraussetzung, die uns boit wesentlicher Be­deutung zu sein scheint. Ja, wir können ruhig ab- wartcn und die Dinge an uns herankommen lassen, aber e r st dann, wenn die Unterhandlun­gen zwischen Kiderlen nnd Cambon ihren Abschluß oder Abb t u ch gefunden haben. Dieses Hangen und Bangen angesichts oes langwierigen diplomatischen Feilschens ist für das Ansehen Deutschlands in der Welt schädlich. Es wird der Anschein erweckt und die französische Hetzpresse sucht ihn möglichst zu verstärken, daß Deutschland als Bettler vor dem starken und stolzen Frankreich erscheinen muffe, daß es nicht wage, seine Bedingungen endgiltig zu formulieren und eine prompte Entscheidungen fordern, daß es eine heil­lose Furcht vor einem Krach habe, u. s. w. Eine wunderliche Umkehrung des Verhältnisses! denn tatsächlich ist F r a n k r e ich mit dem Wunsch nach Verhandlungen an Deutschland herangetreten, weil es sich durch die Entsendung des deutschen Kreuzers nach Agadir, als Symptom des deutschen Entschlus­ses zur Selbsthilfe, beunruhigt fühlte. Wenn diese Verhandlungen scheitern, so bleibt der deutsche Kreu­zer wo er ist, und die deutschen Persomn_und Inte­ressen in Sus haben den unmittelbaren Schutz ihres Vaterlandes hinter sich. Wir behalten zugleich alle lvohlerworbenen politischen und wirtschaft­lichen Rechte in dem übrigen Marokko. Auf solchem Standpunkt können wir freilich ruhig die weitere Entwicklung der Dinge abwarten. Aber das selbstbewußte Abwarten verträgt sich nicht mit der ewigen Fortspinnung von Verhandlungen, die Deutschland in den Ruf bringen, daß es eigentlich schon auf Marokko verzichtet habe und nur noch ein „Trinkgeld" herauszuschlagen suche.

Erst wenn die diplomatische Hin- und Herrederei ein Ende hat, wird der Wunsch der „Köln. Zeitg.", daß die öfsentliche Meinung in Deutschland sich kläreii lasse, auf Erfüllung rechnen können. In Folge des verkündeten Amtsgeheimnisses, das^von deutscher Seite mit großer, vielleicht zu großer Sorg­falt gewahrt worden ist, tappt ja die öfsentliche Meinung im Dunk ln. Erst wenn die Verhand­lungen einen guten oder schlechten Abschluß gefun­den haben, wird man dem Balkenlagen können, was von der einen und der andern Seite gefordert, gr-

Schloß So> neck

23] Roman von Felix Rabon

Bergmann sah sie groß an. „Ja, Mädel . . . ja . . . ja, was willst du denn eigentlich? Was hat denn ein armes Mädel für Ansprüche ans Leben zu machen? Das muß doch froh sein, wenn es zu le­ben hat, wenn für es gesorgt ist. Na, sag mal, toer hat dir denn die Mucken in den Kopf gesetzt? . . . Ich verbitte mir das, verstanden! Du bleibst in der Fa­brik — und damit basta! Glaubst du, ich habe dich für nichts und wieder nichts ausbilden lassen und jahrelang das Heidengeld in der teuren Pension be­zahlt? Wer hat denn etwas aus dir gemacht? Wer hat dich empocgezogen, dir eine Stellung gegeben? . .. Und dafür bist du mir Dank schuldig! Da ist es deine verdammte Pflicht und Schuldigkeit, das bißchen Ar- j beit zu tun. . .. So, nun weißt du's, und nun kein Wort weiter."

Er drückte dreimal auf den Knopf der elektrischen ; Klingel, das Zeichen für den Werkmeister, in das Kon­tor zu kommen. Gleich darauf trat dieser ein, ein großer, starker Mann mit einem mächtigen Kopf auf den breiten Schultern und grauen, kurz geschnittenen . Haaren. Man sah es ihm heute noch an, daß er ein­mal bei den Königsjägern gedient hatte. Er stand stramm an der Türe, den Daumen an der Hosen­naht. „Morgen, Herr Bergmann."

„Morgen, Wick! Wie stehtts in der Dreherei?"

„Das Wasser steigt, Herr Bergmann. Mit der Arbeit ists heute nichts."

„Steigt, immer noch? Zum Kuckuck — ein gan- . zer Tag kaput. Wo treiben sich die Kerls herum?"

„Sie helfen aus, so gut es geht."

„Und dafür soll ich sie bezahlen? Gibt's nicht! Sie sollen nach Hause gehen."

„Das wird einen Krawall geben, Herr Bergmann! Sie sagen, sie könnten nichts dafür, daß das Wasser ge­kommen ist" erwiderte Wick.

„Kann ich vielleicht dafür? — Notieren Sie einen Tag Abzug. Still, sag' ich. Bis morgen früh ist das SBafrer weg, was?"

boten, gewährt oder versagt worden ist. Nach der Aufhebung des Amtsgeheimnisses kann das Volk erst erfahren, um was es sich eigentlich gchandelt hat und noch handelt. Dann wird der Klärungs- Prozeß in Gang kommen. Darum sind wir ent­schieden für eine Beschleunigung der diplo­matischen Verhandlungen. Mer ebenso entschieden gegen eine überstürzte Annahme von nicht aus­reichenden AusgleichsbÄingungen oder Garantien! Dann lieber A b b r u ch der Verhandlungen und ein aufklärender Bericht für die Oeffentlich- keft! Die weitere Entwickelung wird dann schon zeigen, daß Deutschland besser als Frankreich die Dinge an sich herankommen lassen kann.

VtzMches M'ck.

rx Berlin, 23. Aug. 1911. Die Nachricht, daß die preußische Unterrichtsderwaltung die Einfüh­rung der K u r z st u n d e an allen höheren Lehr- anstalten beschlossen habe, wird Berliner Blättern als unzutreffend bezeichnet. Eine Entscheidung in dieser Beziehung ist bisher noch nicht erfolgt. — Kaufmännische Grundsätze sollten in der Reichs- und Staatsverwaltung bekanntlich in wei­terem Umfange eingeführt werden. Der Durch­führung der Absicht stellen sich jedoch Schwierigkei­ten entgegen. Die vom preußischen Eisenbahn- minister s. Z. eingesetzte Kommission zur Reform des Kassen- und Berwaltungswesens hat einen um­fangreichen Bericht erstattet, und betont darin, daß sich die kaufmännische Buchführung und Korr- spon- denz für die Eisenbahnverwaltung nicht eigne, weil sie zu teuer werden würde. — Die preußische Eisenbahnverwaltung wird in Zukunft im allge­meinen bei dem Bau von Kleinbahnen staat­liche Unterstützungen nur noch gewähren, wenn diese Bahnen normalspurig'gebaut werden, da der Güterverkehr mit schmalspurigen Bahnen zu kostspielig ist. Schmalspurige neue Kleinbahnen, die lediglich infolge Ausbaues der vorhandenen schmal­spurigen Netze entstehen, erhalten auch fernerhin Beihilfen.

** Reichstngsabg. Domherr Frank f. Reichs- taasabg. Domherr und Geistlicher Rat Frank (Zen­trum, Ratibor) ist gestern gestorben. Geboren am 16. Juni 1858 in Z'ülkowitz. Kr. Leobschüh, wurde er nach feiner Priestern»eihe 1884 Kaplan in Ratibor, 1887 kam er nach Berlin, wo er eine ungemein segens­reiche Ttigkeit, namentlich als Pfarrer bei St. Pius, entfaltete. Mehrere Berliner Kirchen sind auf seine Anreizung hin gebaut worden. Auch auf sozialem Ge­biete )var er äußerst rührig; er ist der Gründer mehre­rer katholischen Arbeiter- und Abeiterinneiwereine in Berlin. Seit 1893 vertrat der Verstorbene den ober- schlesischen Wahlkreis Ratibor im Reichstage; und wenn er auch als Redner wenig hervortrat, so gehörte er doch zu den pflichteifrigsten Mitgliedern.

** Maßnahmen zur Beschränkung der Wanderiager tverben in der Presse angekündigt. Im Reichstag ist bekannllich wiederholt die Forderung erhoben nach Beschränkung der Wanderlager. Nunmehr sollen im Herbst bei dem Neichsamt des Innern Beratungen stattfinden. die sich auf eine Beschränkung der Wan­derlager beziehen. Seitens der preußischen Regie­rung sind zur Bekämpfung der Auswüchse auf dem Gebiete des Wanderlagerwesens bereits vor einiger Zeit entsprechende Anträge bei der Reichsregierung gestellt worden, und die jetzt vorliegenden Erklärungen der anderen Bundesregierungen lassen erkennen, daß die Mehrzahl der Bundesstaalen in dieser Frage den Standpunkt Preußens im wesentlichen teilt. Die preußischen Anträge bewegen sich in der Richtung, daß die Wanderlaser von einer besonderen Erlaubnis abhängig zu machen und diese Erlaubnis zu versagen ist, wenn ein Bedürfnis für den Betrieb nicht vorliegt.

V- Die lückenlose Herstellung des „roten König­reichs" ist, wie der Abg. Geyer auf dem sozialdemo­kratischen Landesparteitag in Dresden erklärte, das

„Wenn der Regen nachläßt —"

„Er läßt nach. Er muß nachlassen. Das ist immer so gewesen. Von vier ab fällt das Wasser. Von sechs bis neun Uhr wird die Dreherei gesäubert. Morgen früh sechs Uhr laufen die Walzen —"

„Um sechs? — Die Arbeit fängt doch erst halb aclst an —“

„Um sechs fängt sie an — die ganze Woche! Ich muß doch die verlorene Zeit hereinbringen!"

„Dann gibt's Ueberstunden —"

„Nichts da! Wenn die Kerls einen ganzen Tag auf der faulen Haut liegen, sollen sie dafür morgen ms Z-eug fahren. Bei mir wird nicht gefaulenzt, ver­standen?"

Wick zuckte die Schultem. Er wollte gehen, um den Arbeitern die Befehle Bergmanns mitzuteilen. Doch dieser hieß ihn bleiben. „Wir werden zwei oder drei Maschinen bauen — Modell „Alice". Bis Neujahr müssen sie fertig sein Wird das gehen?"

„Schwerlich — es ist zu viel Rückstand da."

„Muß gehen! Sonst soll euch der Satan reiten. Am zweiten Januar zehen beide ab — eine nach Pa­ris, eine nach Wien. Im Sommer bei der Preisfahrt muffen sie alle Konkurrenz aus dem Felde schlagen. Das wird ein Bombengeschäft. So — fertig, Wick. Oder halt — sagen Sie mal dem Bürgermeister, ich müßt' mit ihm sprechen. Wegen der Straße, verstehen Sie. Die ist ja unter aller Kanone, da geht jedes Fahrzeug kaputt Das muß bis Frühjahr alles neu gemacht werden. Sie sind ja auch im „großen Rat", Wick. Sie werden wohl dafür stimmen, was?"

Wick traute sich den grauen Kopf. „Es wird viel Geld kosten, Herr Bergmann. Und die Gemeinde steckt fo schon bis an den Hals in Schulden —"

„Was, Geld? Woher kommt denn das Geld? Wer wirft de.m das Geld unter die Leute? Ich. Wenn meine Fabrik nicht wäre — ihr müßtet ja verhungem. Die Straße wird gemacht, sag' ich — basta. Und nun fix an die Arbeit."

Wick ging; ein finsterer Zug lag in seinem Gestchte. Aber er sagte nichts. Wie hätte auch einer es wa­

das Ziel der sächsischen Sozialdemokraten bei den nächen Reichstagswahlen. Bei den Wahlen von 1903 haben die Sozialdemokraten bekanntlich schon 22 von den 23 sächsischen Reichstagswahlkreisen er­obert, 1907 aber vermochten sie nur 8 zu behaupten. Inzwischen haben sie Zschopau-Marienberg von den Antisemiten zurückgewonnen. Abg. Geher erklärte. Besondere Maßnahmen für die Agitation zu be­raten, sei nicht nötig; die Sozialdemokratie wisse, was sie wolle und ihre Parole sei: gegen alle bürgerlichen Parteien. — Da die liberalen Bundesbrüder wacker vorgearbettet haben, ist es nicht ausgeschlossen, daß die rote Fahne für die nächste Legislaturperiode wieder über Sachsen wehen wird. Im übrigen er- ösfnet die Parole des Genossen Geher den liberalen Bundesbrüdern wenig angenehme Aussicht.

X Ein neues Hochverratsverfahren. Gegen den Abg. Dr. Liebknecht scheint ein Verfahren ein­geleitet zu sein. Dr. Liebknecht hat kürzlich in einer Versammlung in Karlsruhe über die Marokkofragc gesprochen. Der „Franks. Ztg." zufolge hat die Staatsanwaltschaft in Karlsruhe jetzt eine Reihe von Versanunlungsteilnehmern vorgeladen, um sie über die Aeußerungen Liebknechts zu vernehmen.

X Meyer-Zwickau f. Der bekannte Führer des Evangelischen Bundes, Geh. Kirchenrat Superintendent Meyer, ist im 71. Lebensjahre in Zwickau gestorben. — Superintendent Meyer hat aus mancher Bundestagung den Kampf gegen Rom proklamiert. Er war in der Katholikentöterei Spe­zialist, und die meisten seiner Reden trieften von fa­natischem Haß gegen den Katholizismus. Der Evangelische Hetzbund verliert in ihm eine seiner Hauptstützen in der Bekämpfung der katholischen Kirche.

d" Regensburg, 22. Aug. 1911. Die christli- chen Bauernvereine Bayerns hielten hier ge= stem unter dem Vorsitz des Herrn D. Heim und des Reichsrates Frhrn. v. Arentin eine Gosamtvorstands- sihung ab In einer Resolution dankte die Gesamtvor- standschaft im Namen ihrer 150 000 Mitglieder dem bayerischen Episkopat dafür, daß er den Versu­chen, unter der katholischen Lehrerschaft kirchenfeind- lichcn Glauben und kirchenfeindlich en Geist zu verbrei­ten, entgegentritt. Die Ausbreitung eines solchen Geistes mürbe eine unüberbrückbare Kluft zwischen dem katholischen Volk, in erster Linie den katholi­schen Eltern und jenen Männern reißen, denen sie ihre Kinder, auf die sie allein das erste Anrecht haben, an- bertrauen müssen. Da der Staat die Familienväter zwingt, ihre Kinder in die Schule zu fchicken, müsse dagegen entschieden Verwahrung eingelegt werden, daß sich in der Schule ein Geist, wie et aus den öffent­lichen Kundgebungen des bayerischen Lehrervereins hervorgeht, breitmacht. In einer weiteren Resolution wird, um der drohenden Kartoffelnot wirksam entgegenzuarbeiten, die Einfuhr von Mais mit der Maßnahme verlangt, daß der gezahlte Zoll für nach­weislich verfütterten Mais den Bauern zucückgezahlt Ivirb, da eine Aufhebung des Zolles eine Preissteige­rung des Mais zur Folge haben müsse. Der Bun­desrat solle sofort das Nötige veranlassen. Die Ab­gabe von Wald st reu soll gemeindeweise, zu einem billigen Normalpreis entfprechend der Notlage und der Kopfzahl des Viehes ohne Willkür erfolgen. Für Tors und Sägespöhne als Streu soll die Ermäßigung der Frachtgebühr auf die Hälfte, wie in Preußen, er­strebt werden. Mit Bedauern wurde davon Kenntnis genommen, daß trotz Mißernte, Seuche und Futternot durch Abhaltung von R e f e r ö e ü 6 u n g e n der Landwirtschaft viele Arbeitskräfte endogen werden und daß durch bfe Abhaltung der Manöver dem Bauern trotz seiner Notlage nicht nur schwere La­sten, sondern auch die Gefahr der Seuchenverfchleppung die ganze Viehhaltung verleidet; die gegen die Ver­schleppung getroffenen Maßnahmen genügten nicht.

# Konstanz, 21. Ang. 1911. Die Vorstände der vier politischen Parteien des ersten badischen Reichs­tagswahlkreises, Zentrum, Nationalliberale, Demokra­

ten und Sozialdemokraten, bereiten ein Gesuch an den Reichskanzler vor, daß von einer Ersatzwahl in­folge des Todes des bisherigen Reichstagsaba Fried­rich Hug A b st a n d genommen werde.

Ausland.

* Vom sranzöstjchkn Kulturkampf. Das fran­zösische Amtsblatt veröffentlicht ein vom 16.August datiertes Dekret, wonach die Administration für Kultus abgeschafft und der Dienst dem Ministerium des Innern einverleibt wird.

** Ein Freimaur-rkougretz in Rom. Ais Abschluß der Jubiläumsfeierli'hkeiten dieses Jahres tagt in Rom vom 20. bis 23. September ein inter­nationaler Kongreß der Freimaurer. An alle Logen der Welt hat der Groß-Orient Italiens Einladungen geschickt. Welches Ziel die Freimaurer hiermit zu erreichen trachten, geht bereits aus der Wahl der Stadt und aus der Wahl des Tages hervor, an welchem _ man den Kongreß abzuhaiien beschlossen hat. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte:

Welche Täligteil muß die Freimaurerei entwickeln, um zu verhindern, daß die kirchliche Gewalt einigen Einfluß im verweltlichten Staate besitzt, wodurch sie der freien Entwickelung des sozialen Fortschrittes ent« gegentreten würde? Die öffemliche Wohltätigkeit, be­trachtet als ein Werk der sozialen Solidarilät, muß den Zweck haben, die sittliche und materielle Erhebung allein durchzusühren. Wie kann man die Zeremonien der Ausnahme, die Symbole, die Zeichen, die geweihten Worte der drei : vieren Grade in allen freimaurerischen Familien der ganzen Welt unifizieren?

Vor einer Woche fand bereits in Paris eine internationale Versammlung der Freimaurerhäupt­linge im Tempel der Rue Cadet statt, wo bereits Maßnahmen getroffen wurden, um den Kongreß in Rom so glanzvoll als möglich zu begehen.

** Ein heimgeschickter Kirchenfeind. Der Heraus­geber des italienischen kirchenfeindlichen Sudelblattes „A s i n o", der sozialistische Deputierte Podreeca, lvar auf einen Beutezug nach der Insel Sardinien gegan­gen, wo er die Bevölkerung für den Kirchenhaß ein­fangen wollte. Gründlicher ist er aber noch nie heim­geschickt worden, als in der Hauptstadt Cagliari der schönen Insel. Er hatte einen Vortrag angesagt; aber am Tage zuvor protestierten die Katholiken ge­gen denselben, indem sie, 20000 Mann stark, durch die Straßen zogen, wobei die nationale Flagge mit- geführt wurde. Die Königshymne und das Papstlied tourben gesungen. Angesichts dieses deuüichen Ab- wmkens unterließ Podreeca seinen Vortrag, um mit dem nächsten Schiffe wieder nach dem Festlande hin- überzueilen.

** In Serbien beabsichtigen die R e s e r v i st e n zu streiken. Die Mannschaften des dritten Aufgebotes haben sich in einer Belgrader Zeitung offen darüber beklagt, daß man ihnen Kleidung und Löhnung vorenthalte, und daß sie auf ihre eigenen Kosten einrücken müßten. Ferner beschwert man man sich, daß immer nur die ärmeren Leute ein­gezogen würden, während die besser Gestellten sich von der Dienstpflicht loskaufen. Die Reservisten erklären, keinen Dienst tun zu wollen, falls nicht binneil drei Tagen ihre Forderungen erfüllt werden.

* Jrsuitenriecherel in Rußland. In Peters­burg wurde in aller Stille eine Revision in der Kirche des Petersburger kacholischen Metropoliten durchgeführt. Gleichzeitig fanden bei fast allen Katho­liken Petersburgs eingehende Haussuchungen statt. Diese Vorgänge erregen in dem katholischen Teii der Petersburger Bevölkerung das größte Auf- sihen. Diese Haussuchungen erfolgten auf Anordnung Stolypins und stehen im Zusammenhang mit der schwebenden Untersuchung der Tätigkeit der Jesui­ten. Die Ergebnisse werden streng geheimgehalten.

* Der Siegeszug des Exschahs von Persien, Mo­hammed Ali, scheint nun endgültig zu Ende zu sein. Rach einem englischen Privattelegramm aus Teheran sind die Truppen des Erschahs g e f chlagen und

gen dürfen, Herrn Bergmann zu widersprechen! Der war der Allmächtige im Tal.

Iris hatte dem Gespräch stillschiveigend zugehört. Sie war es gewöhnt, daß ihr Onkel seine Arbeiter chne Ausnahme wie Sllaven behandelte, sie schlecht bezahlte und die höchsten Anforderungen an sie stellte. Sie wußte auch, daß es unter den Arbeitern heimlich gärte. Schon oft hatte sie ihren Onkel gewarnt, allein er lachte sie aus.

Diese Bedruckung der Arbeiter mußte dem Haß aufs nxue Nahrung geben; lange konnte das nicht mehr so fort gehen, einmal kam sicherlich die lang zurückgedümmte Wut zum Ausbrauch. Davor bangte ihr. . . .

Wer die eigenen Sorgen drängten diese Gedanken zurück. Sie mußte, immer wieder an Viktor denken und an seine große Not. Sie suchte einen Weg zur Rettung. Ihr Onkel hatte durchblicken lassen, daß Hildes Bitte vergeblich gewesen war. Nun wollte sie selbst versuchen, sein hartes Herz zu erweichen. Er war ja reich und sie wollte sich die Summe in Raten von ihrem Salär abziehen lassen. Das mußte er ihr doch gewähren.

Ms sich Bergmann schon zum Gehen wandte, rief sie: „Lieber Onkel, ich habe eine Bitte . . .'

Er wandte sich mürrisch um: „Was soll's?"

Ihre Augen blickten flehend. „Ich habe mir deinen Vorschlag überlegt," sagte sie, „und will hier bleiben — mein gairzes Leben lang. Für dich will ich arbei­ten, zwanzig, dreißig Jahre! Das macht an Lohn zusammen doch eine große Summe, nicht? . . . Ach, lieber Onkel, du bist so reich — zahle mir einen Teil dieses Lohnes aug, sagen wir — 20000 . . .'

Bergmann prallte förmlich zurück. „Mädel," schrie er, „bist du verrückt? Wozu brauchst du so viel Geld?"

„Das ... das kann ich nicht sagen. Aber Ich brauche das Geld heute noch! Bitte, lieber Onkel — gib eg mir!* _

Bergmann fing an zu lachen, daß es dröhnte. „Das ist ja großartig! — Nur 20 000 Mark will das dell Ms ob das ein Pappenstiel wäre! Als ob ich

das nur so in der Westentasche herumtrüge! Dir Geld geben? . . . Daß ich ein Narr wäre! Keinen roten Pfennig! So etwas! . . ."

„Ja — aber — lieber Onkel," sagte Iris schüch­tern, hab ich denn bon meinen Eltern gar kein Ver­mögen zu beanspruchen?"

„Ein Erbe? ... Du — ein Erbe? ... Da hört doch gleich die Weltgeschichte auf. Dein Vater war arm wie Lazarus — deine Mutter noch ärmer! Und da redest du bon einem Erbe? Das ist zum Totlachen! Mädel, jetzt hab' ich trotz Waffernot und Unwetter meinen Humor wieder gefunden! . . . Ein Erbe will sie! Zum Platzen ist das! . . ." Er zog einen Taler aus der Tasche und warf ihn ihr zu. „So — hier, faß! Das ist dein Erbe!" Und laut lachend verließ er das Kontor.

Iris stand regungslos. Ihr Gesicht war toten­blaß. Zur Armut auch noch Spott und Hohn! Das war zu viel! In diesem Augenblick haßte sie den harten Mann, der sie wie eine Sklavin behandelte. Der Taler war durch das Zimmer gerollt und fiel mit leisem Klirren zu Boden. Sie starrte ihn an und hob ihn dann, einer plötzlichen Eingebung folgend, auf. „Er soll mich an diese Stunde erinnern und an all das Bittere, das ich in diesem Hause erlitten habe."

Aber bann brach der Schmerz jäh über sie herein unb schluchzend sank sie auf einen Sessel. „O, Viktor, armer Viktor — nun bist du verloren, und ich kann dir nicht einmal helfen!"

Am Mittag, als der Regen nachließ, verlief sich das Walser und die Arbeit wurde wieder aufgenom-

Jm Schlosse droben war tiefe Ruhe. Elga, von Sonneck hatte Migräne und hütete das Z-mm-r Höbe traf die ersten Vorkehrungen zu ihrer Abreise.

SSerr von Sonn eck stand am hohen Bogenfenster und blickte ins Tal, wo das Wasser langsam zerrann und die Sttaße fteimachte. Eben hatte et den Diener mit dem Briefe an die Prinzessin Franziska zur Post ge­schickt und ihm befohlen, die Posteinläufe mitzubrin- gen. (Fortsetzung folgt.)