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Reklamen- und Lluzeigenteil
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Kl. Kalb, Sohn, »mmi 5.
Roman von Felix Rabor.
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zeigen müssen, ob die Herren jetzt mehr Glück haben werden, als im Vorverfahren. Wir zweifeln daran entschieden, da eia Bischof nimmermehr gezwungen werden kann, einen Priester einer anderen Diözese zu übernehmen. Jedenfalls find es nicht die katholischen Interessen, die die liberal-sozialdemokratische Mehrheit des Münchener Magistrats bestimmt haben, es auf eine Machtprobe mckommen zu lassen.
Obstbauvereins für den Regierungsbezirk Kassel soll die diesjährige Bezirksobstausstellung in den Tagen vom 6. bis 8. Oktober in Homberg staltstnden, * Fritzlar, 17. Aug. 1911. Auf mehrfaches Ersuchen hin hat der Magistrat die hiesige st ä d t i s ch e Badeanstalt am Montag, Donnerstag und Freitag von 9—12 Uhr, am Mittwoch und Samstag von 9—3y2 Uhr für dieDamen und die weibliche Jugend reserviert.
„Um @otte8 Willen", rief Hilda, „Papa darf von der Sache nichtzs erfahren. Viktor und ich wollen uns verpflichten, da? Darlehen auf uns zu nehmen —"
„Erlauben Sie, gnädiges Fräulein", unterbrach sie Bergmann, „das geht nicht. Denn die Sache har in dieser Weise keine reale Grundlage. Ihr Vater muß unbedingt von der Sache erfahren. Und dann — Sie verzeihen meine Offenheit — dann müßte ich auch zuerst wissen, ob Schloß Sonneck noch eine weitere HhPothÄ verträgt —"
Hilde errötete. Da wußte Bergmann, woran er war: dir Smmecks hatten abgewirtschaftet. Er war nicht abgeneigt, ihnen auftuhelfen, aber er verlangte seinen Lohn dafür. —
„Gnädiges Fräulein", sagte er, „so geht es nicht. Mer ich weiß am Ende doch einen Ausweg. — Wissen Sie was? — Ich fahre Sie in meinem Auto ins Schloß. ES regnet draußen in Strömen. Sie kön- uen unmöglich zu Fuß gehen. Ich gebe sofort die nötigen Befchle."
Ehe zehn Minuten um waren, stand die „weiße Alice" vor der Freitreppe und Hilde und Bergmann stiegen ein. Hilde war neugierig auf die Fahrt, da sie zum erstenmal in einem Auto saß.
„Die Dorfleute nennen mein Auto den „Teufelswagen', sagte Bergmann lachend, „aber ich versichere Sie es ist nichts von TeufelSspuk dabei — dafür aber ist es ein kleines Wunder der Technik. Sie haben doch keine Furcht?"
Hilda lachte. „Furcht? — Das kennen wir Sow- necks nicht."
Bergmann nickte, als verstände sich das von selbst. Bei sich aber dachte er: „So find die Sonnecks immer: stolz wie Spanier, und dabei arm wie Kirchenmäuse. Na — ich kaim'S erwarten, bis die faule Herrlichkeit zusammenbricht."
Er lehnte sich behaglich in die Polster zurück, wandte Hilde sein Gesicht zu und freute fich des ruhigen, flott« Laufs feiner „Alice". Manchmal, wenn der Chauffeur d« Hebel rückte, ratterte und schnatterte eS wie in einem groß« Uhrwerk, dann aber glitt die Maschine rasch« Lauft auf der Straße dahin, jedem Druck deS Führers präzis und sicher gehorchmd.
„Und nun können Mir xuhig übqr hie Sache
vermischter.
♦ Auf dem Truppenübungsplatz Alten-Grabow ist durch dm Generalarzt des 4. Armeekorps die Ruh r e st gestellt worden. Es handelt sich zwar nur um einige Erkrankungen, doch sind umfassende Schutzmaßregeln getroffen worden. Gegenwärtig befindet sich in Alten-Grabow ein Reserve-Jnfcmterie-Regi- ment. Die 16. Infanterie-Brigade, die teilweise auf dem Marsche nach Alten-Grabow war, wurde telegraphisch in ihre Garnisonen zurückgerufen.
* Das Leben nahm fich in dem Dorfe Langenbach, in Sachfen ein 78 Jahre (!) alter Greis, der frühere Bäcker F. L. Göbel, weil eine bei ihm vor vier Wochen vorgmommene schwere Augenoperation erfolglos ge- bliebm war. Er wurde erhängt auf dem Hausboden seiner Wohnung gefunden. >
♦ Auf dem Sprungbrett der Badeanstalt in G l e i- witz wurde der zwölfjährige Sohn des Justizrats Schüller vom Blitz erschlagen.
* Der französische Dichter Edmond Rostand erlitt bei Souraide einen Automobilunsall. In der Nähs des Dorfes überschlug sich fein Wagen, der Dichter kam unter die Räder zu liegen. Bewußtlos wurde er in ein benachbartes Haus gebracht. Er hat schwere Verletzungen am Kopf und am Unterleib erlitten.
Anr Sberhessen u. den Hess. «emtern.
i" Marburg, 13. August 1911. Die hiesige Marianische Jungfrauen - Kongregation, welche zum Teil aus einheimischen, zum Tett-aus au-- wärtigen hier in Stellung befindlichen Mädchen besteh , beging heute die feierliche Aufnahme von 19 Mitgliedern, sodaß ihre Zahl sich nunmehr auf nahezu 90 beläuft. Nach der ergreifenden Feier rn der Kapelle des Schwesternhauses versammelte man fich im Saale noch für einige Stunden in Frohsein und Freude. Das ergreifende und lehrreiche Stück „Das Marien- kind« ging über die Bühne. Möchten doch noch recht viele Mädchen, besonders die, die hier in Stellung sind, der Wohltaten eines solchen Vereins leilhastig werden. Im hiesigen Schwesternhaus besteht auch eine Auskunft sür stellensuchende Mädchen.
* Frankknberg, 18. Aug. 1911. Eine gewisse Erregung herrscht im Kreise und speziell in der Kreis- >adt über ein Gerücht, daß die Weitersührung der Bahnlinie Zimmersrode —Frankenberg, den ausgesprochenen Wünschen der Mehrheit des Kreises entgegen, zunächst nur bis Haina ins Auge gefaßt sei. Dadurch würde ein großer Teil des Kreises in seinen wirtschaftlichen Interessen schwer geschädigt werden. — Die Vermessunzs- arbeilcn beim projektierten Bahnbau Bad Wildungen-Frankenau sind zur Zeit bis Reinhardshausen gediehen. Es wird sich zwischen Bad Wildungen und Reinhardshausen der Bau eines Tunnels, der unter der Chaussee Wildungen— Hundsdorf hergehk, notwendig machen. Da die, Besitzer der Kupfererz-, Ei enstein- und Schwerspat- Gruben bei Frebershausen, Gellershausen und Hüddineen in sichere Aussicht gestellt Haden, den Betrieb obiger Gruben sofort zu eröffnen, sobalv die Bahn gebaut wird, so ist wegen der damit ge. sicherten genügenden Frachteinuahme die Ausführung des Bahnbaues so gut ivie gesichert. Die Bahn würde uns die lang ersehnte Industrie und damit auch genügende Arbeit ,ür die ansässige Bevölkerung dringen.
* Ziegenhain, 17. Aug. 1911. Dem Landwirt Schwalm in Ascherode (Kreis Ziegenhain) waren vor etlichen Tagen eine größere Menge Kartoffeln von dem Felde gestohlen worden. Beim Begehen seines Landes fand er eine Mappe mit Papieren. Da sich darunter auch ein Gewerbeschein befand, so wurde dadurch ein Gewerbetreibender aus Treysa als Dieb festgestellt.
* Homberg, 18. Aug. 1911. Am Mittwoch nachmittag brach in dem an der Holzhäuser Straße gelegenen Wohnhaus des Schuhmachermeisters Göbel aus eine bis dahin unaufgeklärte Weise Feirer aus, welches durch die auf dem Boden lagernden Vorräte an Heu und Stroh reiche Nahrung fand. Dem energischen Vorgehen der rasch herdeigeeilten Feuerwehr gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken und die schwer bedrohten Nachbarhäuser zu schützen. — Nach Beschluß des Vorstandes des
JV» ,87.
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Amt Geisa und Umgebung.
* Barsch, 17. Aug. 1911. Dieser Tage gaben die Einwohner von Barsch dem 78 Jahre alt gewordenen VolkSfchullehrer a. D. Aug. Trost das letzte Ehrengeleit zum Grabe, einem Manne, der dte meisten der erwachsenen Gemeindeglieder seins Schüler nennen konnte, einem Pädagogen, dem die Pfarrei Barsch vielen Dank schuldet, und zu dem sie auch nach dessen infolge eines Gehörleidens eingetretenen Pensionierung stets mit Hochachtung emporblickte, wegen seines leuchtenden Beispiels in Ausübung der Werke der Frömmigkeit und der christlichen Nächstenliebe. — Selten haben wir so warme Worte der Anerkennung gehört, wie sie Herr Pfarrer Kremer dem Verstorbenen am offenen Grabe gewidmet hat, und die einstigen Schüler dieses Lehrers können bestätigen, daß eine solche Anerkennung wohl verdient war. Sföre Liebe und Hochachtung zu be- zmgen hatten sich auch die Kollegen des Verstorbenen, dte Lehrer des Bezirks Geisa, zur Beerdigung einge- fundeu Auch mehrere Geistliche der Umgegend und aus dem Freundeskreise des Verblichenen hatte der gleiche Grund und die Ehrenpflicht der Dankbarkeit an das Grab dieses edlen Erziehers geführt. R. 1. p.
♦ Vacha, 18. Aug. 1911. Infolge des einsetzenden Sturmes hat der Waldbrand im landgräflichen Forstreviere Thalhausen am Mittwoch eine Fortsetzung erfahren, indem das Feuer auf den übrigen Teil des dortigen, etwa 15 Jahre alten Fichten- und Kie- fernbestandeS übersprang und trotz energischer Gegenmaßnahmen eine weitere Fläche von etwa 2 Morgen vernichtete. Wie gemeldet, wird die Entstehung dieses WaldbrandeS auf einen Handwerksburfchen zurückgeführt Der Verdacht scheint begründet, denn inmitten des abgebrannten Waldes hat man eine Stelle gefunden, an welcher etwa 20 Kartoffeln aufgeschichtet waren, die sich Jener Handwerksbursche sicher dort hat braten wollen. _ „
* Stadtlengsfeld, 17. August 1911. Der Ge- meinbetat beschloß dis Fassung der Quelle in
reden", sagte Verginann. „Es stört uns niemand. Also wie gesagt — in der Weise wie Sie es wünschen, ist nichts zu machen. Wohl aber in anderer--'
Er hielt einen Augenblick inne, dann fuhr er fort: „Als Ihr Bruder letzthin an der Seite meiner Alice dähinritt, da hab ich mir gedacht: ein schönes Paar! Wie geschaffen für einander, find weiter hab ich mir gesagt: warum sollte sich das nicht realisieren lassen? Dort der Adel der Geburt ,der Tradition — hier der Adel der Arbeit. Durch diese Verbindung könnte die alte stille Feindschaft zwischen hier und dort, zwischen alter und neuer Zeit endgiltig begraben werden. Demi, mein gnädiges Fräulrän, wir wollen 'mal ganz offen reden — eine Feindschaft ist es doch. Nicht?"
„Ja", erwiderte Hilde und sah ihm fest in die Augen.
„Gut denn. Was sagen Sie zu meinem Vorschlag? Die Folgen — auch die materiellen — können Sie sich ja wohl denken."
„Der Einsatz ist nicht gleich, Herr Bergmann. Und ich glaube auch, daß Viktor auf diesen Vorschlag nicht emgrhen kann."
„Ah — und warum nicht?"
„Weil er bereits gebunden ist."
„So, so! — Das ist freilich etwas anderes. Sein Gesicht wurde ernst und kalt — steinern. Er richtete sich straff auf, warf den Kopf in den Nacken und blickte in den Regen hinaus, der dumpf auf das Verdeck prasselte. Die Straße war schlecht, der Schmutz spritzte aus ben Pfützen auf, wenn die Räder durch- fichren.
„Teufel", sagte Bergmann, „die Straße ist hundeschlecht. Die Gemeinde muß sie nm anlegen lassm; in der nächsten Gemelnderatssitzung werde ichs becm- ttagen." Und dann wandte er sich wieder zu seiner Begleiterin und sagte: „Schade um meinen schönen Plan. Aber ich weiß noch einen Weg. Sehen Sie", er machte eine bezeichnende Handbewegung nach dem Dorfe und der Fabrik hin, „all ba$ ist mein. Ich bin hier der Herr und alle habm mir zu gehorchen. Meine Frau ift fett sechs Jahren tot und ich fühle mich manchmal recht einsam/'
Sie Baben doch Ihre Lockrer."
Ja, die hab' tch. Mer sie ist ck-n nur: metne Taster. Ich aber möchte mchr, Eme Gefährtin
Handel itttb Industrie.
* Berlin, 17. August 1911. Auch heute zeigte die Börse noch eine gebrückte Stimmung. Am Montanmarkte betrugen die Kursrückgänge bis zu 3 Prozent, am Bankenmarkte bis zu Va Prozent/ Eisenbahnaktien erholten sich später etwas. Schiff- sahrtsaktten waren schwach.
Während Iris bei Alice Zofendienste verrichten mußte, erzählte Bergmann von feiner Fahrt. „Es war wunderbar", sagte er. „Die Maschine laust wie eine Equipage auf Gummirädern — lei^t, graäiö«, lautlos. Und eine Geschwindigkeit sag' ich Ihnen — fabelhaft! Eigenes Modell, gnädiges Fraulem! Neuestes System. Natürlich habe ich ben Wagen „Alice" getauft. Die ist unbefiegbar, auf Ehre! —
„Ich weiß nicht", sagte Alice, bie wieder eintrat, „Reiten ist doch nobler! Finden Sie mcht, gnädiges Fräulein?" —
„Aber ich bitte Dich doch, Alice!" rief Bergmann ganz entrißet. „Auto ist der neueste Sport! Sogar Seine Majestät der Kaiser fährt Auto. . .
Sie stritten sich eine Zeit lang, dann ging auch Bergmann, um sich seines „Kostüms" zu entledigen. Im Gehrock und mit der unvermeidlichen Goldkette, quer über den Selb gespannt, kehrte er zurück.
Die Unterhaltung wollte nicht recht in Fluß kommen, bis Hilde kurz mtschlossen sagte: „Herr Berg- mann, ich wollte ein paar Worte in Geschäften zu Ihnen reden. Deshalb bin ich eigentlich gekommen."
Alice, die begriff, daß sie hier überflüssig fei, verließ ben Salon.
„Ich habe eine Bitte an Sie", sagte Hllde. „Um sie aber Vorbringen zu könnm, muß ich erst eine kurze Erzählung vorausschicken." Sie berichtete, baß Viktor gespielt unb verloren habe — 20 000 Mark.
Bergmann, bet ben finanziellen Stand des Hauses Sonneö wohl kannte, wußte sofort, was Hilde wollte. In diesem Augenblick veränderte sich fein Wesen: er Würbe bet unnahbare Geldfürst. Zugleich aber formte sich mit Blitzesschnelle ein fester Plan in ihm.
Sein Wesen hatte jetzt etwas Kaltes, Berechnendes. Die Höflichkeitsphrasen verstummtm, et war nut noch Geschäftsmann. —
„Gnädiges Fräulein", sagte er, „zwanzigtausend Mark ist eine große Summe. Der Herr Major —
möchte ich, die alles mit mir teilt: Ehre, Reichtum, Freude. — Eine liebe warme Hand möchte ich —•' sehen Sie: so eine liebe warme Hand —Er ergriff Hildas Hand, hielt sie fest und sah ihr fast bitten!) in die Augen: „Wenn Sie mir diese schön? Hand reichen wollten fürs Leben. —"
Hilde sprang auf. Alle? Blut strömte ihr zum Herzen. „Herr Bergmann", stieß sie zornig hervor, „was unterstehe»! Sie sich? — Lassm Sie halten. Auf der Stelle steige ich aus!" Heißes Rot färbte, ihre Wangen, ihre Augen blitzten. Sie wat herrlich schön in ihrem Zorne.
„Sagen Sie ja!" tief er ungestüm.
„Niemals!" Sie suchte ihre Hand frei zu machen, ober Bergmann hielt sie wie in einem Schraubstock fest. „Also nicht,"
„Nein, tausendmal nein! Ich will aussteigen!"
Nun gab er ihre Hand frei. Sein kaltes Auge blickte drohend. „Gleich", sagte er. „Ich will Ihnen» nur zuvor eine kleine Geschichte erzählen. — Es war einmal ein kleiner Junge, der ging barftlß und in zerrissener Jacke, aber er hatte einen Schädel, so fest tote Elfen. Der schlich also einmal an einem Sommertag In ben Schloßgatten, well es ba doch so wunderschöne rotbackige Aepfel gab, bie er fürs Leben gern mochte. Da kam her „alte Herr Baron" — baS war nämlich Jchr Großvater, gnäbiges Fraulein! —. bet zog dem armen Jungen bie Reitpeitsche über ben Rucken, daß er zu heulen begann unb wie ein geprügelter Hund bavonlief. Draußm aber biß er die Zähne zusammen und ballte die Fäuste und hatte einen ganz seltsamm Gedanken. Dm Gedanken: „DieS Schloß will ich mir erkämpfen! Die so stolz dort fitzm, will ich vettteiben und mich selbst als Herr, hineinsetzen." So dachte der Junge. — Er wurde ein Mann - und immer stand dieser »roß- Gedanke vor ihm. - Die Zeit eilte. Sic gebar Neues. W°- morsch ist, hat sie zertrümmert; was Kraft besitzt steht fest WaS unten lag, kam obenauf, was ^woß war wird Hammer. Der anne Junge hiel» den Hammer mit beiden Fäusten und schmiedete Tag und, Nacht an seinem Glück. Er ist nun ein Riese geworden, der die anbem zertritt, zermalmt. — Der arme Junge heißt Leo Bergmann — und der hat noch immer erreicht, was et wollte — Gnädiges Fräulein der Weg ist frei. Hier ist die Brstckel" (F. f.)
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Deutscher Reich.
* Erhöhte Anforderung an bie T-Mlichstit d« Elsenbahnbetriebsbeamtm. Die preußisch-hessische Cisenbahnverwalttmg hat neuerdings Anweisungen er- gehen lassen, die erhöhte Anforderungen»cm bie W lidjfeit der Beamten des Außendrmstes stellen. Die neuen Besttmmungm besagen:
Me Bewerber um den Außendienst sind nicht nur in Berua auf ihren allgemeinen Gesundheitszustand, ondern auch hinsichtlich der Beschaffenheit ihrer Sinnesorgane und ihres Geisteszustandes zu untersuchen. Diese ärztlichen Untersuchungen sollen von Zett zu Zeit wiederholl werden. Bis ium 45. Lebens,ahre sind an allen im Außendienst beschäftigten Beamten alle 5 Jahre, vom 45. bis 60. Jahre alle 3 Jahre und vom 60. Lebensjahr ab alle 2 Jahre entsprechende Untersuchungen vorzunehmen. Ferner ist angeordnet worden, daß unter bestimmten Voraussetzungen noch besondere Wiedetholungsptüsungen über die Beschassenhett der Sinnesorgane und beS Geisteszustandes stattfinden sollen.
Die Maßnahme ist im Interesse der Allgemeinheit zu begrützm, vorausgesetzt natürlich, baß fle von Harten gegen bie davon Betroffenen freibleibt.
.;. Zum Schutz gegen sozialdemotratrschen Wahlterror empfiehlt in der „Post" ein höherer Offizier die Einführung der geheimen Wahl m Preußen. Gerade im Interesse des Mittelstandes liege ein solcher Schutz gegen den von sozialdemokratischer ©ette ausgeübten Terrorismus. — Gerade die Zentrum s fr akt i 0 n hat bei der Beratung der vorjährigen Wahlrechtsnovelle sich in dankenswerter Welse um einen solchen Schutz des Mittelstandes bemüht Hat doch das Z-entmm die Einführung der geheimen Wahl in die Wahlrechtsnovelle einzufügen versucht. Dadurch, daß das Zentrum die Zustimmung der Konservativen unb der Regierung zur geheimen Wahl burchgesetzt hat, hat cs eine „wirkliche unb gute Mittelstcmdspolitik" getrieben.
s Köln, 17. Aug. 1911. Eine stark besuchte Dele- oiertenversammlung des rheinischen Han d w e r l e r- hu >1 d es befaßte sich in Köln mit der Stellungnahme zurn Konsumvereinswesen. Sie forderte nach erregter Debatte, daß der Bundesvorstand als- bald mit den maßgebenden Körperschaften in Serbin« dring trete, um eine wirksamere Besteuerung der Konsumvereine herbeizusühren und nach französischem Bel- spie! die Aufhebung aller Werkkonsumverelns-Anstal- ten innerhalb von 6 Monaten durchzusetzen.
* M.-Gladbach, 17. Aug. 1911. Der tm Volks- verein-chause begonnene staatsw Iss enschaft- l i ch e F e r i e n k u r f u s zählt über 200 Teilnehmer, unter denen das Ausland stark vertreten ift. Auch 20 Deutschamerikaner befinden sich unter den Kursus- teilnehinern. ~ „
cf München, 17. Aug. 1911. Der bayerische Verkehrs Minister v. Frauendorfer hat einen Erlaß an die Eisenbahnprästdenten hinausgegeben, der ihnen zur Pflicht macht, das Verhalten des sozialdemokratischen Verbandes des Süddeutschen Eisenbahn- und Postpersonals sorgsältigst zu beobachten und über jeden Vorgang, der für eine enge Zusammengehörigkeit zwischen Verband und Sozialdemokratie sprechen tonnt», sofort zu berichten. Der Erlaß wird wahrscheinlich die Sozialdemokratie sehr argem, Hal aber kaum einen praktischen Wert. Es wäre eine staatliche Nottrrendigkeit, daß die Verkehrs!) ravaltun« anord- ncte: Arbeiter der Verkehrsanstalteil können, wenn sic dem genannten sozialdemokratisch en süddeutschen Verband angchören, nicht Beamten- enbärter und Beamte werden. Die Sozlal- demokmtie muß aus dem Beamtenstand ferngehalten werden und das kann nur durch die eben bezeichnete Sperre'für den Süddeutschen Verband geschehen. Da heißt es resolut zugreifen; aber das vermeidet der Erlaß des Vcrkehrsministeriums. Mit der Warnung vor der sozialdemokratischen Richtung im Süddeutschen Verband ist gar nichts getan. Denn wenn sich ein Sozialdemokrat zurückhält und nicht offen fick; zur Sozialdemokratie bekennt, bleibt er ungeschoren und wird Beamter. — Der Magistrat von München hat nunmehr die förmliche Präsentation Gr an d i n- gcrs auf die Pfarrei Pullach (bei München) beschlossen. Man will also seitens des Magistrats die Dinae auf die Spitze treiben. Es wird sich ia nun
2. Blatt
9nt unb Verlag der Fuldaer Hetitebnidetei hi Selbe.
Am dem Nachbargebiete.
♦ Brückenau, 17. Aug. 1911. Der Krlegerv er- eln Brückenau arbeitet schon seit Jahren mit Energie an der Erlangung eines Denkmales für die In ben Feldzügen 1866 und 1870 gefallenen Kameraden. Nun Ist dieses Vorhaben soweit gediehen, daß gestem mit bat Erdaushubarbeiten Begonnen werden konnte. Das Denkmal wird auf dem Marktplatz, also ins Zentrum bet Stadt, gesetzt. Die Einweihung findet an einem noch festzusetzenden Tag im September b. I. statt.
* Eschwege, 17. Aug. 1911. Auf Anregung des Kgl. Landratsamts wurde im Mal d. I. der furchtbaren Malkäferplage energisch entgegengetreten. Wie jetzt bekannt wirb, haben 26 Gemeinben des Kreises im ganzen 4963,5 Kilogramm Maikäfer gesammelt. Da für das Kilogramm eine Vergütung von 6 Pfennig gezahll wurde, sind für bieten Zweck 297,78 Mari, worin sich ber Kreis unb bie Gemeinden zu gleichen Tellen teilen, ausgegeben worden.
* Gemünden a. M., 17. Aug. 1911. Wie aus Plakaten, Festschriften und Inseraten ersichtlich ist, findet dte letzte diesjährige Auffühmng des „Schlüsselfräulein' am Sonntag, 20. d. M., auf der Scherenburg statt. Das Komitee hat diesmal insofern eine Aenderung eintreten lassen, als die Vorstellung auf vorm. 10y2 Uhr verlegt ist. Der Festzug ist wie immer, nachmittags um 2H4 Uhr und an ihn schließt sich, Heuer zum ersten Male, um 4 Uhr ein Volksfest an.
der Fischbach mit einem Kostenaufwand von 2500 Mark. Mit den Arbeiten soll, da die Wafferver- orgung in unserer Stadt ungenügend ift, sofort begonnen werden. „ .
* Ochsen (Rhön), 17. August 1911. Seinen 18jährlgen Bruder erstochen hat gestern abend der 17 Jahre alte schwachsinnige Landwirts ohn Ludwig Schietrumpf von hier, und zwar stach er ihn mit einem ganz gewöhnlichen Taschenmesser ins Herz. Der Bruder wurde noch nachts dem Amtsgerichtsgefängnis Stadttengsseld zugeführt.
* Aus Thüringen, 18. Aug. 1911. Zur Steuerung der Futternot durch Ersatz der Streumittel hat da? großherz, sächsische Finanzministerium die Forst- bchördm angewiesen, den an sie herantretenden An- sorderungen kleinerer Landwirte und Viehhalter, auch landwirtschaftlichen Vereinen und Gemeinden nach Möglichkeit entgegenzukommen und Futter- und Streumittel zu mäßiger Taxe abzugeben. Es wird darauf bingewiesen, daß neben der Abgabe gon Waldgras, Heide und Beerkräutem auf ben Abtriebsflächen der nächsten Wirtschaftsjahre, auf Schmißen und Wegen, eine solche auch in älteren Beständen, wo eine gewisse Anhäufung von Laub, Radeln und Moos in Mulden vorhanden ist, erfolgen kann.
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