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lv»ch-nb-i-°se: .Illustrierte Somrtagsyttung" moMtuxllag«! „Snlbaet GrschichtrblMer"

Ott et» spaltigePeNtzeilesder deren Raum 15 pfg. LeNamendiepetitzeil« Pfg., bei wieder» golungen wird entfpr. Rabatt gewährt.

Ratalionzdruckunb Verlag der Zuldaer Äk- ttendruckerei in Zulda Ltrnfprecher MS.

Fulda, Freitag beit 18. August 1911

38. Jahrgang

Erstes Blatt

M 187.

«US ilikche und Schule.

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nun« für die Diözese emgefuhrt wird. Dieses gilt auch hinsichtlich der partikulär«, und der sogen, verlobten Feiertage.

*♦ München, 17. Aug. 1911. Liberale baye­rische Blätter wollen wißen, in Sachen der FeiertagSverleauna seien die Erzbischöfe und

preußisch-hessischen Staatrbahnen während der Zett vom 22. August 1911 bü SO. Sunt 1912 eine Er­mäßigung der Sisenbahnfrachtsätze füt Futtermittel um 50 Prvzrnt eintrete» taffen.

Hoffenttich wird diese Maßnahme mit dazu beitra- &dte landwirtschaftlichen »reis« von dem voreiligen ßm tfcm Viehbestände abzuhalten.

X Generalstreik auf Englands Bahnen.

Nachdem bereits am Donnerstag früh 8 Uhr in LeedS die Arbeit auf allen Eisenbahnlinien ein­gestellt war und in London der Betrieb auf der Strecke St. Pancras—Manchester und der direkte Verkehr der Lancashire—Imckshire Railway ruhte, ist nach einem vergeblichen Versuch des Staats­sekretärs Bruxton vom Handelsamt, mit 30 Ver­tretern des Ausschusses eine Verständigung anzu­bahnen, von den Eisenbahnern der General­streik erklärt worden. Damit haben diese ihre Drohung, innerhalb 24 Stunden den GesamtauS- stand zu verkünden, wahr gemacht.

Man muß letber damit rechnen, daßdurchden Generalstreik der 600000 Eisenbahner das Land nt

Wälzt wird, nichts hat.

Diese Manöver gilt es nach Möglichkeit zu ver- hindern. Die landwirtschaftlichen Genossenschaften ha­ben gerade in diesem Jahre darin — im Interesse von Stadt unb Land — besonders große Ilufgaben.

Man lasse sich in der augenblicklichen Situation jetzt kurz vor Schluß der Ernte nicht durch die auS- simdischen Marktberichte schrecken. So soll die ameri- Zsnische „Hitzwelle" dort den Ernteaussall beeinträch- jigt, in Indien, Rußland usw. die Dürre der Ge­treideernte große Gefahren gebracht haben. Aus diese Stimmungsberichte ist jetzt sehr W e n i g z u geben. Erfahrungsgemäß können die Schilderungen im Lause weniger Wochen ganz anders lauten, lieber den wirklichen Ernteaussall der großen Getreidecxprrtlander — deren Ernte und Export erst Im nächsten Winter bezw. im nächsten Frühjahr auf den Weltmarkt und nach Europa kommt, läßt sich jetzt noch gar nichts sagen. Die kurz vor der Ernte (und auch die während und nach der Ernte) austauchenden StirmnungSberichte ausländischer Her- i fünft sind saft durchweg als frisiert" cm zu leben. Sie sind berechnet, eine „Konjunktur* erst zu schaffen.

Auch aus dem Gebiete der Flei schv ersor- jung ist allseitig „kühles Blut" jetzt ein Hauptrr- fordernis, soll nicht für weiteste Volkskreise großer

samkeit zuzuwenden.

* Kassel, 18. Aug. 1911. Der Kaiser unternahm gestern nachmittag in Begleitung der Kaiserin einen Aulomobilausflua.—Der Reichs­kanzler ist um 6 Uhr 52 Min. abends in Wilhelmshöhe eingetroffen. Auf dem Bahnhof war zum Empfang Freiherr v. Jenifch erschienen, der den Reichskanzler im Automobil nach dem Schloß geleitete. Staatssekretär v. Kiderlen- Wächter wurde heute früh erwartet, da er Donners­tag mittag noch eine Konferenz mit dem sran- zö fischen Botschafter Cambon hatte. Auch der kaiserliche Botschafter in Konstantinopel Frbr. Marschall von Bieberstein ist in Kassel ein- getroffen.

* Bochum, 16. Aug. 1911. Die Politische Agita­tion unter der katholischen Frauenwelt macht im We- ften Fortschritte. Heute nachmittag fanden hier zwei sehr stark besuchte öffenüiche Versammlungen katho- lisch er Frauen zur Förderung der kacholischen Presse statt. In beiden Versammlungen behan­delte Frau Miebach aus Düsseldorf die Stellung der katholischen F«m im öffentlichen Leben, besonders zur katholischen Presse. Stadtverordneter Gilstng kenn­zeichnete das Gebaren der gegnerischen, insbesondere der farblosen Presse. Treffend waren seine Aussühmn- gen über dar Verhalten der „parteilosen* Presse in katholischen Sachen. Vikar Becker forberte zur tat­kräftigen Unterstützung der kacholischen Presse durch die Frauen auf.

Deutscher Reich.

♦ Unterbrechung der Marnkko-Berhandlungen l

Wie die .Deutsch« Tagesztg/ von zuverlässiger Seite erfahren haben wA, ist «8 wahrscheinlich, daß er zu einem vorläufigen Stillstand der Ber­liner Verhandlungen kommen werde, weil maßgebende Persönlichkeiten der französischen Regierung beurlaubt sind und Frankreich sich Über neue Anerbietungen, die rS Deutschland zu machen gedenkt, erst schlüssig machen muß. ES heißt, daß bte Unterbrechung der Verhandlungen 8 Wochen dauern werd«.

Ausland.

* Kaiser Franz Joseph von Oesterreich tritt heute in sein 82. Lebensjahr und steht tm 68. seiner Regierung. Außer Ludwig XIV., der bekanntlich 72 Jahre die Krone Frankreichs trug, wird eS wohl nie­mals einen Fürsten gegeben haben, der eine gleich lange Zeit hindurch auf dem Throne saß. Tatsächlich aber regiert Franz Joseph länger noch als Ludwig XIV., der zwar mit drei Jahren die Krone erhielt, tat- Schlich erst nach zwei Jahrzehnten tätigen Anteil an der Regierung des Landes nahm. Oesterreich-Ungarns Völker hoffen, daß dem kaiserlichen Greis noch man­ches Lebensjahr beschieden sei, daß er seines hohen Amte« in gleicher Kraft und Gerechtigkeit noch durch geraume Zeit walte. Und wir in Denffchland hegen gleiche Wünsche für Kaiser Franz Joseph, den Beherr- cher der Großmacht, die uns am nächsten auf der Welt tcht, wie ihr Kaiser der treueste Freund unseres Herr- cherS und unseres Volkes ist. — Die Meldung der Wiener »Neuen Freien Presse', nach der bei einer Jagdfahrt des Kaisers die Pferde scheu geworden und der Kaiser in Gefahr geraten wäre, entspricht nicht den Tatsachen.

** Die MilitSrtanglichkeit nimmt in Frankreich wieder zu. Wenigstens meldet die ,Libre Parole' mit großer Genugtuung, daß die Zahl der französt- chen Rekruten gegen das Vorjahr gestiegen ist. Es wurden 816,200 junge Franzosen für den Mili­tärdienst für tauglich befunden nnd in die Armee eingestellt gegenüber 315,452 im Jahre 1910.

** Die Grotzblockparade in Brüssel. Kirchen- kindliche Blätter übertreiben außerordentlich die Zahl der Teilnehmer an der großen Demon- tration vom Dienstag. Sie sprechen von 200 000 Teilnehmern. Es geht aus sehr genauen Be- rechnungen hervor, daß die Zahl 80 000 nicht überschritten hat, wobei diejenigen mitgezählt sind, die sich an dem Zuge nicht beteiligt Hadem In der Hauptsache waren die Teilnehmer Sozial­demokraten.

** Eine deutsche Fahne sollten nach der Darstellung sranzöstscher Blätter zwei französische Offiziere von einem Hotel in Aix les Banis heruntergeholt haben. Nach offiziöser französischer Darstellung sind keine Offiziere beteiligt. Der Vorfall beschränkt sich nach einer Mitteilung des französischen Ministers des Innern auf folgende Tatsachen: Der Eigen­tümer eines Restaurants Braurivage hatte mit einem Bündel Fahnen verschiedener Nationalitäten auch eine deutsche Fahne gehißt. Ein Industrieller aus Nav.cn, der diese Fahne bemerkte, ließ sie einfach von einem Angestellten des Restaurants entfernen. Wenn französische Offiziere sich einer Beschimpfung der deutschen Flagge schuldig gemacht hätten, so wäre das allerdings für Deutschland schwer ver­letzend gewesen, während jetzt nach der Angabe des sranzöstschen Ministers der ganze Fall auf eine bedauerliche, aber keine internationale Bedeutung beanspruchende ungezogene Taktlosigkeit eines Privat­mannes zurückzusühren ist. Es ist schwer verständ­lich, wie französische Blätter eine so irreführende Veröffentlichung haben machen können, die, wenn sie sich bestätigt hätte, in erster Linie für das französische Ojfizierkorps verletzend gewesen wäre.

** Als Kandidat für die Präsidentschaft in Portugal ist in einer Versammlung der Fraktion Camarchos der Präsident der Nationalversammlung Braam- camp mit einer Mehrheit von 47 Stimmen auf- gestellt worden.

* Militärischer Sturm auf eine Kirche. Aus Lieeia in Portugal wird ein ernster Kampf zwischen Einwohnern und Militär gemeldet. Der Kirchenvorstand verweigerte der Behörde, das In­ventar der Ortskirche aufzunehmen. Die Regierungs­beamten erzwangen sich daraus gewaltsam den Eingang. Die inzwischen herbeigestrümten erreg­ten Einwohner jagten die Beamten aus der Kirche und setzten sich selbst in dieser fest. Die Be­amten zogen hierauf Truppenabteilungen heran, welche die Menge, die trotz wiederholter Aufforderung die Kirche nicht verließ, angriffen. Sie drangen in die Kirche ein und lieferten der Menge eine förm­liche Schlacht mit zahlreichen Verwundungen. In verschiedenen Zeilen des Landes sind die Inventar­aufnahmen infolge der Erregung unter dem Volk aufgeschoben worden.

* Im türkischen Ministerrate wurde beschlossen, die Botschafter bei den Kretamächten zu beauftragen, neuerliche Schritte wegen der Kretasrage, insbesondere auch wegen der letzten Morde an Mohamedanern, zu unternehmen. Weiter wurde be­schlossen, wegen der Ausdehnung des Ausstandes in Alr anien und wegen der Bewegung in der Gegend von Argyrocastro und Premeti weitere Truppen in da? Wilajet Janina zu senden.

5 Der Eidesleistung Lecontes, des neuen Präsiden­ten von Haiti wohnten die fremden Gesandten nicht bei, da sie von ihren Regierungen die In­struktion erhallen hatten, die neue Verwaltung erst dann anzuerkennen, wenn die Republik ihren finan­ziellen Verpflichtungen gegen die fremden Mächte gerecht geworden fei, d. h. bis alle Schulden bezahlt sind.

erste Futterernie, vor allem die erste Heuernte gut war. Die Besorgnisse beziehen sich in der Hauptsache auf Futtergetreide (Hafer und Gerste) und auf die zweite Schnittfutterernte. Im gegenwärtigen Augenblick ist vielfach Mangel an Grünfutter zu verzeichnen. Wie weit und wie lange nun die erste Futterernte durchhalten wird, ist ttocki nicht abzusehen. Ferner kann ein günstiger Spätsommer noch die Möglichkett der Ergänzung der Bestände durch Nachfutter bringen. Es ist darum die Mahnung der landkürtschaftlichm Organisatioiien an die Landwirte: „KeinVieh verschleudern.

A Erutcausfichteu und Lebens' «Ittelpreide.

Wer regelmäßig die Handels- und Preisnachrich­ten der Hcmdelspresse verfolgt, weiß, wie sehr He WitterunMerichte die Marktnotizen beeinflussen. ES ist darum kein Wunder, daß auch die Sommerwitte­rung dieses Jahres m den Preiskalkulationen der Bör­sen- und Handelsberichte sich stack bemerkbar macht. Wogegen wir uns aber im Interesse der breitesten Oeffmtlichkeit mit aller Entschiedenheit wenden müs. sen das sind die bereits mehr oder weniger unver- hllllt zutage tretenden Versuche, die Lage zu einem Schröpfzug auf die Taschen des Publi- kums zu benutzen. _

Zweifellos gehen wir einer Teuerung entgegen. Für manch- Nahrungsmittel ist infolge der regenlosen Wochen eine Teuerung eingetreten. Bor allem der Bedarf der Stadtb-völkerung an Kartoffeln, Gemüse, Obst steigt int Preise. Vielerorts werden auch Milch und Milchprodukte teurer.

Was ober nach dem jetzigen Stande der Dmge noch n i ch t t e u r e r zu werden braucht, das sind die wich­tigsten Nahrungsmittel Brot und Fleisch.

Es gibt anscheinend Leute, die in der kurzen Zeit, bevor noch das eben im Einbringen befindliche beut- sche Getreide in Massen auf den Mackt strömt, nur gar zu gern schon wegen der „geringen Ernte" eine Preis­steigerung auf dem Getreidemarkte herbeiführen möch- tnt Der Beutezug, den da anscheinend inländische und ausländische Hcmdelskreise in engem Zusammen­arbeiten in Szene setzen twöen, ist eine gröbliche Attacke gegen die Wirklichkeit und gegen die Vclksinteressen.

Es steht nämlich heute schon fest, daß die deutsche Brotgetreideernte mindestens recht b t f r t e- hjgend ist. Eine Besorgnis, daß etwa infolge eine8 geringen deutschen Ernteausfalls tm Herbst oder Winter die Preise steigen müßten, t ft n i <f> t i m ge­ring ft e n gerechtf ertigt Viel eher berechtigt sind die Anleitungen, die die landwirtschaftlichen Or- ganifationen ihren Mitgliedern geben und die auf ein allmähliches Einfuhren der deutfchen Ernte auf den Getreidemackt hinarbettm. Wird diese Anregung nämlich nicht befolgt, so besteht die Gefahr, daß jetzt, nach Schluß der Ernte, das deutsche Getteide in Mas­sen zu Markte konimt; dadurch entsteht ein ungeheurer Preisdruck, ein Preissturz ans dem Getreidemackte — von dem aber bann die Br otpreise in der Regel gar nichts zu spüren Pflegen. Es wird nur der Bauer ausgebeute 1 — solange bis das inländische Getreide größtenteils in die Hände des Großhandels übergegangen ist. Sobald das der Fall ist, dann schlügt die Sache um: dann gibt's eine Hausse (ein scharfes Ansteigen) auf dem Getreide­mackt — es werden nun die Getreide- und Brot­verbraucher ausgebeutet, wovon der Bauer, auf den bann bie „Schuld" in der Handelspreise abge-

durchaus am Platze. m

Aber ebenso sehr gilt für die städtische Bevölke­rung die Mahnung: „Ruhig Vlui!" Wenn nicht alles täuscht, scheinen gewisse Kreise j e tz t schon mit Hinweis auf die „Futternot" sich anzuschicken, die Situation — wohl gemerkt jetzt schon — zu einer weitern Erhöhung der Fleischpreise ausnutzen zu wol- len. Diese Versuche müssen aufs schärfste zurückgewie- fen werden. Die erste Wirkung einer schlechten Fut­terernte ist nämlich nie ein Steigen, sondern ein Sinken der Viehpreise, well ja doch wegen der Futterknappheit mehr Vieh als verlangt wird, zu ,laufen ist. Inwiefern und inwieweit vielleicht sPä - ter vielleicht im nächsten Frühjahr eine Spannung auf dem Viehmackt cintreten könnte, ist M noch gar nicht abzusehen.

Ernst ist die Lage ja gewiß, aber sicher wäre es ganz falsch und für die weitereEntwicklung vielleicht geradezu verhängnisvoll, sich jetzt durch allerlei Ma- ichenschasten in übertriebene Besorgnis hinein- treiben zu lassen!

Notstands-Tarife für Futtermittel.

Aus Anlaß des durch die außergewöhnliche Hitze und Dürre herbeigeführten schlechten Ausfalls der Futtermittel ernte hat der Minister der öffentlichen Ar­beiten. wie angekündigt, für den Gesamtbereich der

eine unabsehbare Reihe wirtschaftlicher Krisen und Katastrophen, eine Kette von erbitterten Kämpfen, Ausbrüchen der Volksleidenschaft, der nahenden RR und deS Hungers gestürzt wird.

Im Unterhaus« hatte wenige Stunden vor­her die Regierung durch die Minister erklären lassen, bei aller Mäßigung und Mckstchtnahme auf die beiden fich entgegengesetzten Standpunkte von Arbeit­gebern und Arbeitnehmern werde sie die Freiheit der Arbeit und bie Sicherheit von Leden und Eigen­tum mit allen verfügbaren Mitteln am'rechterhalttn. Der Minister deS Inneren Churchill betonte die Pflicht der Regierung, den großen Eisenbahnen, von denen die NahrungSmittelzufuhr abhänge, den vollen gesetzlichen Schutz zu sichern. Die Regierung wird nunmehr Schritte tun, die drohende Katastrophe von der Bevölkerung abzuwenden. In den großen Militärlagern stehen Zehntausend« von kriegsmäßig ausgerüsteten Soldaten berest, die lahmgeiegte» Eisenbahnen zu besetzen, die Arbeitswilligen zu schützen und die wettere Lebensmsttelzufuhr zu er­möglichen.

** London, 17. Aug. 1911. Der Streik der Eisenbahnangestellten begann heute morgen 8 Uhr. Telegraphisch wurden nachts von dem Arbeiter­sekretär William sämtliche syndizierten Arbeiter auf­gefordert, die Arbest einzustellen. Einige 10000 Soldaten befinden fich auf dem Wege nach London und auch nach anderen großen Eifenbahnzentren, namentlich nach Manchester, Birmingham und Liverpool sind neue Verstärkungen unterwegs. Sämtliche Eisenbahnlinien sind militärisch besetzt. Der Eisenbahnverkehr wird, wenn auch vermindert, aufrecht erhalten. Extrazüge mit Truppen aus Aldershot trafen auf dem Bahnhofe Nine Elms in London ein.

** London, 17. Aug. 1911. Der Ausstand de» Eifenbahnerpersonals fft allgemein. Die Bahn­höfe smd verödet. Auch die Transpottarbeiter feiern. In Manchester sind gestern abend ftanzö- sifche Sozialisten eingetroffen, sie wurden begeistert empfangen. Liverpool treibt einer verzweifelten Lage entgegen. Um das Chaos auf den Höhepunkt zu bringen, ist jetzt auch her Straßenverkehr unter­brochen. Die Nacht verlief mhig, hauptsächlich weil ei» Gerücht unter bem Mob verbreitet war, die Truppe» hätten Befehl, allez tot zu schießen. Heute ftreitten weitere Fuhrleute.

* Sheffield, 17. Aug. 1911. Die erregten Aus­ständigen griffen in der vergangenen Nacht zwei Signalhäuschen der Mchlandbahn an und be­warfen sie mit riesigen Steinen. Eines wurde voll­ständig zertrümmert. Polizei zerstreute die Angreifer. Heute morgen kam eS zu Unruh en vor den Sagern der Genoffenschaftsvereine, wo sich die Ausständigen bemühten, die Abl eferung von Waren zu verhindern. In Sheffield sind Truppen zum Schutz der Eisenbahner eingetroffm. Es macht sich ein allgemeiner Mangel an Lebensmitteln, besonders an Fleisch, bemerkbar.

W Liverpool, 17. Aug. 1911. Die hiesigen Ree­der haben eine Kundgebung erlassen, in der sie sich be­reit eckläcken, unter gewissen Bedingungen die von ihnen ausgesprochene Sperre aufzuheben. Die Kundgebung steht im Zusammenhang mit dem vom Exekutivkomitee der verschiedenen Eisenbahnerverbände gefaßten Beschluß, den gegenwärtigen Kamps nicht eher aufzugeben ,bevor nicht die über ihre Arbeitskol­legen wegen Unterstützung der Eisenbahner in Liver­pool und anderen Orten verhängte Sperre aufgehoben und bie davon betroffenen Leute wieder eingestellt worden seien.

* Manchester, 17. Aug. 1911. Hier kam es in dm gestrigen späten Abendstunden zu einer Schlägerei um einen mit Gütern beladenen Hondwagm, der von fünf Polizistm eskortieck war. Die Stenge griff bie Beamten an, bie sich mit ihren Schlägern wehrtm. Die Zcchl bet Exzedenten wuchs von Minute zu Mi­nute. Ein Hagel von Steinen, Eifenstückm, Flaschen usw. sauste auf die Polizistm herab. Vier Be­amte wurden so schwer verletzt ins Hospital ge­bracht, daß an ihrem Auskommen gezweifelt wird. Auch in Liverpool kam es gestern abend zu neuen schweren Ausschreitungen, als ein mit Pa­pier beladener Lastwagen durch die Sttaßen rollte. Eine zahlreiche Menge stellte sich dem Fuhrwerk in dm Weg und verhindette die Weiterfahrt. Militär und Polizistm tierteibigten ben Wagen imb hieben die Angreifer zurück. Viele Personen haben nicht unerhebliche Verletzungen erlitten.

* London, 16. Aug. 1911. In Liverpool kam es infolge der Streikbewegung zu Angriffen der protestantischen Orangeleute auf Katholcken Die Homersttahe, welche die Grenzlinie zwischen den Wohnungm der Protestanten und Katho- Ilten bildet, war der Schauplatz toilber Szenen. Die Orangeleute rissen Stauern nieder und benutzten bte Steine als Wurfgeschosse gegen die Häuser ber Katholiken. Auch Flaschen und Epen stucke wurdm in die Fmster der Katholiken geworfen. Die Katholiken bewaffneten und sammeltm sich, um die Angreifer zu bertreiben. Rach halbstündigem Kampfe griff Polizei und Infanterie ein, denen die Angreifer heftigen Widerstand mtgegmsetzten, so daß Schüsse abgegebm werden mußten. Die Läden der Katholiken bleiben geschloffen. Katholische Kirchm werden von Bürgern bewacht. Jeden Augenblick drohen neue Un- ruhen auszubrechen.

♦ Berlin, 17. August 1911. Im Auswärtigen Amt sind am Donnerstag von dem Staatssekretär und dem drttischen Botschafter zwei Verträge unterzeichnet worden, von denen einer die AuS- lieserung zwischm Deutschland und britischen Pro­tektoraten, der andere die Bekämpfung der Schlaf« krankhett in Togo und den benachbarten drttischen Gebieten betrifft. — Der Glashüttenbesitzer von V o p e l i u S -Sulzbach, Mitglied deS preußischen Herrenhauses, ist am Mtttwoch in St. Blasius im 68. Lebensjahre gestorben. Er rechnete sich zur sreikonservativen Partei und war verschwägert mit bim bekannten Frhrn. ». Stumm. — Die Hoch­seeflotte ist von ihrer UebungSreise nach Nor­wegen am Donnerstag vormittag nach Kiel zurück­gekehrt.

* Der Termin für die nächste« Reichstag-Wahlen soll, dem Llano. Cour/ zufolge, auf ben 15. Januar festgesetzt werden.

♦* Ein Telegrammwechsel zwischen dem Kaiser und dem König vo» England fand statt aus Anlaß der Enthüllung einer König Eduard-Gedenktafel in Homburg v. d. Höh«, der der Kaiser beiwohnte. König Georg telegraphierte dem Kaiser Dank sür die Ehrung, die bet Kaiser seinem geliebten Vater erwiesen habe und versichert«, er sei tief gerührt durch den Beweis der Verehrung, des treuen An­denkens rind der Sympathie. Darauf antwortete Kaiser Wilhelm:

„In den Herzen unser aller, Deutscher wie Eng­länder, findet bie Anerkennung, welche der Bischof in feinen beiden Reden dem Andenken Deines Vater» zollte, lebhaften Wwerhall.*

+ Amr Unterfes boote. Zu Beginn des Jahres befanden sich 8 deutsche Unterseeboote im Dienst. Son diesen wurde „U. 3* nach der Katastrophe am 17. Januar zur Reparatur von dem aktiven Dienste zurückgezogen und ,U. 2" stellte am 25. Januar zur Vornahme bordlicher Verbesserungen in Danzig außer Dienst. Neu in Dienst gestellt wurden tm Juni „U. 8* und im Juli ,U. 7*, beide auf der Gernraniawerft in Kiel erbaute Boote. Neuerdings hat „U. 12" die ersten Fahrt- und Taur,versuche unternommen und „U. 10* wird in der nächsten Zeit folgen. „U. 10* und „U. 12* find auf der Kaiserk. Werst in Danzig erbaut. In kurzer Zett wird die Marine über ein Dutzend Untersee­boote verfügen; von diesen 12 Booten hat die Germaniawerft in Kiel 5 und die Kaiserl. Werft in Danzig 7 erbaut, lieber die Zahl der im Bau be­findlichen Boote werden te ne Mitteilungen gemacht.

4- Sozialdemokratische Lnndarbeiterorgani. sation. Im Februar 1909 ist in Berlin ein sozialdemokratischer Verband der Land-, Wald- und Weinbergsarbeiter und-Arbeiterinnen Deutsch, lands gegründet worden. Der Verband zählt jetzt 11332 Mitglieder in 425 Ortsgruppen. ,________, ________ _ . Die Gesamteinnahmen beliefen sich auf rund

Schaden entstehen. Es ist gewiß richtig, daß die 57000 Mark. Das Verbandsorgan erscheint in “*■ ~tx-**• K* • """ " einer Auflage von 20000 Stück. Ueber 1 Million Flugblätter wurden bisher durch den Verband verteilt. Die bürgerlichen Parteien werden nicht umhin können, dieser Agitation ihre Ausmerk-