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«otationsbruckuich Verlag der Fuldaer Ak- tiendruckerei in Fulda Zenisprecher Ur. 9.
JV3 186. Erstes Blatt.
Fulda, Donnerstag den 17. August 1911.
38. Jahrgang.
gemacht würden. Sofern sich ein Bringen«
Bedürfnis für den Bezug von Wald streu
aus staatlichen Forsten Herausstellen sollte, würde eine
>ar des
x' Zur Frage der Futteruot hat das preußische Landwirtschaftsministerium ein Rundschreiben an sämtliche Landwirtschaftskammern erlasten. Die ,Nordd. Allg. Zig.' teilt den Wortlaut dieses Erlasses mit.
Der Minister beruft sich zunächst auf einen früheren Erlaß vom 27. Juli v. I., worin er auf die Notwendigkeit der Verstärkung der Aufzucht von Jungvieh und Schweinen zur Sicherstellung der Fleisch« versorgung der Bevölkerung hingewiesen habe. Es wird bann festgestellt, daß eine hohe Zunahme des SchweinebestondeS zu konstaiieren ist und daß die Lebendgewichtspreise erheblich gesunken feien, doch feien die Kleinhandelspreise für Fleisch den sinkenden Lebend» aewichtspreisen nur zögernd gefolgt. Die Ergebnisse der letzten Rindviehzäblung seien nicht ent» muligend. Die Landwirtschaft werde fedoch weiierhrn bemüht sein müssen, in der Rindviehzucht möglichst bald das Verlorene vollständig einzuholen. Leider stelle sich diesem Bestreben die Maul- und Klauenseuche und ein infolge der Dürre drohender Fultermangel als er« Broerenöe Umstände in den Weg. Die Befürchtungen, ß durch die lang anhaltend e Dürre die Ernährung der Viehbestände erschwert werden könnte, habe ihre Berechtigung. Immerhin könne jedoch die Lage nicht als hoffnungslos angesehen werden. Der erste Futterschnitt sei fast überall gut gewesen und die Rüben- und Kartoffelernte könne bei entsprechender Witterung noch im allgemeinen befriedigend ausfallen. Um einen Ausgleich zwischen den in der Futteremte noch einigermaßen begünstigten, und den schwerer heim- ?^suchten Landesleilen möglichst die Wege zu ebnen, et die Regierung in Erwägungen über eine vorüber« fehende Herabsetzung der Eisenbahntarife ür Futter- und Streumittel eingetreten. Die Hauptsache aber fei, daß die Landwirte selbst den Mut nicht verlören, viel mehr ihren Biehbestand selbst unter zeitweiligen Opfern zu halten ver- uchten. Es werde sich im wesentlichen darum »andeln, dahin zu wirken, daß die noch aus rüheren Jahren vorhandenen Rauhfutterbe« tände tunlichst ausschließlich als Biehfutter nutz
wohlwollende Prüfung der eingehenden Anträge eintreten, wie es auch bisher in Notzeiten stets der Fall gewesen ist. Ein möglichst weit verzweigtes Nachrichten- Netz würde unter Zuhilfenahme bestehender oder schleunigst inS Leben zu rufender Bezugsorganffationen die Vermittlung d er Futtermittel wesentlich er- leichlern und verbilligen. Für den äußersten Notfall würde auch das Ausland zur Lieferung von Futter In Betracht kommen. Beispielsweise sei in Steter« Wart eine an Beschaffenheit und Menge außerordentlich günstige Ernte zu verzeichnen und Preßen von dort zu günstigen Preisen zu haben. Erhebliche veterinärpolizeiliche Bedenken würden dem Bezüge von Heu dorther zurzeit nicht entgegenstehen, da die Maul- und Klauenseuche nur in wenigen Gemeinden Steiermarks herrsche. Erforderlich sei, die Vieh haltenden Landwirte durch Ausstellung und möglichste Verbreitung geeigneter Futterrationen darüber zu belehren, welche Futtermittel sich zum Enatz fehlenden Rauhfutters besonders eignen. Der Minister ersucht die Landwirtfchaftskammern dringend, im Einvernehmen mit den Berwallungsbehörden, insbesondere den Landräten, diesen Aufgaben chre volle Aufmerksamkeit tuzuwenden und durch ihre Vertrauensmänner, durch di» Vereine, Genossenschaften, Wanderlehrer usw. durch persönliche Einwirkung und Flugschriften au « klärend, helfend und fördernd zu wirken und damit zur Abwendung einer Gefahr beizutragen, deren Bedeutung für die deutsche Landwirtschaft nicht hoch genug eingeschäht werben könne.
Landwirte, erhaltet euren Viehstand: Keine N otverkäufel So kann man kurz ben Inhalt des Rundschreibens bezeichnen.
Seit dem kritischen Jahr 1908 hatte die Fleischversorgung einen neuen Aufschwung genommen, indem die Schweinezucht sehr beträchtlich znnahm (11 bis 15 Prozent jährlich) und die Lücken im Rindvieh bestände durch dir Vermehrung in der jüngeren Klaffe sich auszugleichen versprachen. Jetzt hat uns die langandauernde Dürre mit einem schlimmen Rückschlag bedroht. Er betrifft hauptsächlich die Rindviehhaltung, die obendrein unter der Maul- und Klauenseuche leidet. Die Schweine laffen sich schon eher bei mangelndem Grün- und Rauhfutter ducchhalten.
Der Landwirtschaftsminister meint nun, die Lage brauche doch immer noch nicht als hoffnungslos angesehen zu werden. Die Hauptsache sei, daß die Landwirte nicht den Mut verlieren, vielmehr ihren Viehbestand selbst unter zeitweiligen Opfern zu halten versuchen. Dazu sollen die Landwirtschastskammern durch ihre Vertrauensmänner, durch die Vereine, Genoffenschasten, Wanderlehrer, Tierzuchtbeamten beratend, helfend und fördernd zu wirken suchen.
Und was will die Regierung tun? Eine vorübergehende Herabsetzung der Eisenbahntarife für Futter- und Streu mit tel steht unmitiel- bar betior. Die Streumittel (Torfstreu usw.) sollen deshalb billiger befördert werden, damit die noch vorhandenen Rauhsiltterbestimde ausschließlich zur Bich- riahrung verwendet werden können. Zu diesem Zwecke wird auch der Bezug von Waldstreu aus staatlichen Forsten im Falle des dringenden Bedürfnisses in Aussicht geftdtt. — Tie Notstandstarife können zunächst nur den Ausgleich erleichtern zwischert den went- ber heimgesuchten und den schwerer heimgesuchien Landes- und Reichsteilen. Von einiger Bedeutung fft die Frage, ob eine Einfuhr von Futtermitteln aus dem Auslande möglich ist. Der Minister meint, das Ausland würde nur für den »äußersten Rotfall" in Betracht kommen; ober er teilt doch mit, daß die landwirtschaftliche Vertretung von Steiermack vor kurzem angezeigt habe, es seien ansehnliche Mengen Nreß- • k günstigen Preisen zu haben. Da die Maul- und Klauenseuche nur in wenigen Gegenden Steiermarks herrsche, hat der Minister zur Zeit keine echeb- lichc veterinärpolizeilichen Bedenken gegen tiefen Heubezug. Nun scheint ja auch der Gesundheitszustand in Steiermark nicht schlechter, sondern sogar noch besser zu sein, als in Deutschland, wo 3269 Gemeinden verseucht sind. Daher ist bis auf weiteres zu vermuten, daß das steierische Heu nicht gefährlicher ist, als das Hm, das zwischen den dmtschen SanbeSteilen ausgetauscht wird. Nur meinen wir, das Heu, das Steiermark liefern kann, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Den bedrängten Landwirten muß ausreichender, vor ollem aber auch schnellerErsatzfürdie verdorrte
Futterernte geboten werden, jede Verzögemng der Hilfe bringt die R o t v e r k ü u f e in Gang, und die bedeuten geradezu ein nationales Verhäng- ni8. Das Vieh, das auf den Marst geworfen wird, ist ebenfogut verloren, als wenn es an einer Seuche gestorben märe. Es würde jahrelang dauern, bis diese Süden tot Viehstande wieder ausgefüllt wären, und inzwischen hätten wir eine Fleischnot durchzumachen, die ebenso für die Volksgesundheit wie für ben sozialen Frieden gefährlich wäre. Auch die Landwirtschaft selbst würde unter der vorzeitigen Abstoßung des VicheS lange schwer zu leiden haben. Es müssen also alle verfügbare» Hilfsmittel, genossenschaftliche und staatliche, unverweilt in Bewegung gesetzt werden, um der Viehverschleuderung vorzubeugen. Auch die Regierung wird sich mit der bloßen Tarifherabschung nicht begnügen dürfen. Wenn Geldmittel zur Verfügung gestellt würden, um den Bezug von Futter zu erleichtern, so wären die gewiß nicht verschwendet. ES handelt sich in der Tat um einen Notstand, und eS ist doch wahrlich besser, mit verhältnismäßig kleinem Risiko die Not im Keime zu ersticken, als n a ch h e r mit großen Aufwendungen das ausgebreitete Verderben zu mildern zu suchen.
Zunächst kommt eS darauf an, daß die betroffenen Landwirte nicht den Kopf verlieren. Dazu muß auch die Presse beitragen, indem sie ihrerseits vor den übereilten Notverkäufen eindringlich wamt und andererseits die Regiemng aufforbert, so schnell und so kräftig, als nur möglich, die Heranschaffung von Futtermitteln in die bedrohten Stellen zu organisieren und zu unterstützen, — auch mit staatlichen Vorschüssen oder Zuschüssen, wo die privaten Mittel versagen.
* Dresden, 16. August 1911. Das „Dresdener Journal" schreibt: Das sächsische Ministerium des Innern ist aus Anlaß deS infolge der anhaltender Dürre ehtnetretenen Futtermangels bereits Ende voriger Woche mit den zuständigen wirtschaftlichen Körperschaften in Verbindung getreten. Wenn der Lande lkutturrat die beteiligten Viehbesitzer dringend davor warnt, ihr Vieh unter ben Eindrücken des jetzigen Futtermangels voreilig zu verkaufen, so ist diesem Rate unbedingt zuzustnnmen.
Deutsches Reich.
** Berlin, 16 Aug. 1911. Nach einem Erlaß deS preußischen Eisenbahnministers sind die Prü» sungsvorschriften dahin abgeänbert worden, baß der Prüfung zur Eisenbahngehilfin künftig eine zweimonatige Beschäftigung bei der Fahrkarten« ausgade und Gepäckabfertigung, eine zweimonatige Beschäftigung im Telegraphendienst und eine dreimonatige Beschäftigung bei der Güterabfertigung und im Güterkassendienst vorausgehen muß. — Das preußische Kultusministerium hat de schloffen, auf dem Gebiete des Gesangunterrichts in den niederen und höheren Schulen eine Reform eintreten zu lassen. Es soll sich hier nicht nur um den Unterricht handeln, sondern es werden auch über die Aus« dildung der Gesanglehrer nähere Bestimmungen erlassen werden.
♦ Die neuen Steuervorlagen, die dem Landtage nach seiner Einberufung zugehen werden, sind, der ,Postt zufolge, im Finanzministerium in den Haupt zügen bereits fett längerer Zeit fertiggestellt worben. Die Einkommensteuer-nschl äge, die jetzt erhoben werden, sind m der vollen Höhe in das neue Gesetzhneingearbeitetworden. Eine Herabsetzung der Steuern bringt das neue Gesetz nicht, wohl aber find die zahlreichen Ungerechtigkeiten der provisorischen Novelle von 1908 ausgeglichen worden. Das Gesetz macht ferner neue Vorschläge für eine anderweitige Regelung der Dekiarieruugspslicht und führt den DektarierungSzwang auch bei der Ergänzungssteuer ein.
Q Die Sttafprozeßoldnnng soll, wie Berliner Blätter wissen wollen, tu der Herbsttagung des Reichstages nicht wieder auf die Tagesordnung gefetzt werden. Es werde angenommen, daß die nur zwei Monate wahrende Tagung keine ausreichende Zeit bieten wird, um die wichtige Vorlage zu verabschieden, und außerdem sei über die gründ- iätzlichen Streftfragen zwischen Reichstag und Reichsregierung wohl kaum eine Verständigung zu erwarten. — Damit wäre die Fülle von Arbeit, die int vergangenen Sommer von der Kommission für die großen Justizvorlagen in 80 Sitzungen geleistet wurde, vergeblich gewesen. Die Vorlage müßte dem neuen Reichstag Vorbehalten werden. Wir möchten die Richtigkeit der Mitteilung jedoch etost- weUen bezweifeln, denn bisher waren sowohl die verbündeten Regierungen als auch die maßgebenden Parteien des Reichstages entschlossen, die Strafprozeßordnung während der bevorstehenden Herbstiagung zu erledigen. Die Erledigung wird natürlich Schwierigkeiten bitten; aber unmöglich ist sie keineswegs. Zudem ist inzwischen nichts geschehen, wodurch eine Aendernng der bisherigen Absichten hätte veranlaßt werden können.
** Die für bat vor Agadir liegenden battschen Kreuzer ,^3erßu" bestimmte Post sollte, Blättermel- bungcn zufolge, in Frankreich widerrechtlich geöffnet worden sein. Die Meldung wirb jetzt von bet „Nordb. Allg. Ztg.' als unzutreffend bezeichnet. Ein« solche Post sei vor einiget Zeit auf spanischem Gebiet geöffnet worden, jedenfalls infolge eines Betriebsversehens; die Untersuchung hierüber schwebe noch. Anscheinend liege eine Verwechselung vor mit einem vor einiger Zeit vorgekommenen Fall, bei dem ein vom Marinepostbüro für den Ablösnngstranspori eines andere« Schiffes gefertigter Briefbeutel in einer französischen Bahnpost versehentlich geöffnet und nach Wahmchmung des Irrtums sofori wieder geschlossen worben sei.
4- Rund 6% Millionen Mark Unterstützung sind an die arbeitslos gewordenen Tabakarbeiter gezahlt worden. Durch das Tabaksteuergesetz vom Juli 1909 waren, wie erinnerlich, zur Unterstützung von Tabakarbeitern und Hausgewerbe-. treibenden, die durch die Aendemng des Tabaksteuergesetzes arbeitslos geworden waten, 4 Millionen
Mark zur Verfügung gestellt. Diese Summe war aber bereits am Ende des Sommers 1910_ aufgebraucht. Es wurde daher durch den Etat für 1911 ein weiterer Betrag von 750 000 oÄfür den gleichen Zweck bereftgestellt. Da auch diese Mittel nicht ausreichten, wurden vom Bundesrat tot Juli des vergangenen Jahres Grundsätze für die Gewährung weiterer Beihilfen ausgestellt. Danach sollten bis zum 3. Dezember 1910 Unterstützungen gewährt werden, wobei eine Abstufung in der Höhe für verheiratete und unverheiratete Arbeiter gemacht wurde. Der Reichskanzler (Reichsschatzamt) wurde ermäch- tigt, in besonderen Fällen noch Beihilfen $u_ gewähren. Mit dem 15. August haben die Unterstützungen endgültig ihr Ende erreicht, da selbst das Tabakteuergesetz diesen Termin als den äußersten be- timmt hat, bis zu dem Beihilfen gewährt werden entert. Im ganzen sind für die Unterstützung der Tabakarbeiter annähernd 6 750 000 Jft bezahlt worden, also säst 2 Millionen M mehr, als gesetzlich zur Verfügung gestellt waren. Die dauernd steigende Einfuhr von Rohtabak deutet auf eine gute Beschäftigung in der Tabakinduftrie, die auch in dem Beginn der Produktion für das Weihnachtsfest ihre Erklärung findet.
** Ein zweiter „Fall Jatho" in Berlin in Sicht? Gegen Pastor D. Fischer von der Berliner Mar- kusgemeinde ist, wie dem Verl. Tagbl. von informierter Sette mttgeteilt wird, beim Konsistorium der Provinz Brandenburg Beschwerde wegen Irrlehre eingereicht worden. Pastor Fischer soll in zwei Sonntagspredigten über die Person Christi in einer Weise gepredigt haben, die nach Ansicht der Beschwerdeführenden nicht mit dem Bekenntnis der evcmgckischen Kirche übereinstimme.
)( Wieder einer, der nicht pariert hat. Der ftühere Rationrüsoziale, jetzige Sozialdemokrat Gerhard H i l- d eb ran d hat in den „Sozialistischen Monatsheften' mehrfach über Kolonialfragen geschrieben und dabei einen Standpunkt vertreten, der dem der offiziellen Sozialdemokratie nicht entsprach. Der „Vorwärts" hat daraufhin erklärt, Hildebrand sei zwar eingeschriebenes Mitglied der Partei, allein er sei in seiner ganzen Anschauungsweise nationaffozial geblieben. Das Solinger Sozialistenblatt fügt dem hinzu: in einer Sitzung der Parteileitung für den Kreis sei einstimmig beschlossen worden, bei der demnächst tagenden Kreisgeneralversammlung den Ausschluß Hildebrands aus der Partei zu beantragen. — Ja, ja, die eigene Meinung. Vielleicht besinnt sich Hilbe- brand aber noch einmal und läßt sich seine Meinung parteiamtlich abstempeln.
* Kassel, 17. Aug. 1911. Ter Reichskanzler v. Bethmann« Hollweg trifft heute abend 7 Uhr 56. Mm. aus Berlin hier ein, um mit den Herren der österteischen Botschaft an der am Freitag mittag im Schlosse -u Wilhelmshöhe fiattfindenven Galatafel anläßlich des Geburtstages des Kaisers Franz Joseph von Oesterreich teilzunehmen Heute nachmittag be- retts trifft der Staatssekretär des Reichsamtes des Auswärtigen, Herr v. Kid er len-Wächter, in Wilhelmshöhe ein. — Der Kaiser unternahm gestern morgen einen Spazierritt und hörte dann den Vortrag des Vertreters des Auswärtigen Amtes, Gesandten Freiherrn v. Jeuisch. Auch der Oberpräsident Hengstenberger hielt dem Kaiser Vortrag. Abends erfolgte die Rückreise der Kronprinzessin von Griechenland nach Kronberg.
* Würzburg, 16. August 1911. Prinz Heinrich XXVIII. Reuß j. L. wurde gestern abend im Eisenbahnzuge zwischen Schweinfurt und Würzburg vom Schlage getroffen. Er war sofort tot. Der Prinz, der im 65. Lebensjahre stand, ist der Chef des zweiten Zweiges vom zweiten Ast der jüngeren Linie des Fürstenhauses Reuß und war königl. preußischer General der Kavallerie a la suite der Armee und des 1. großh. mecklenburgischen Dragoner-Regiments Nr. 17.
*♦ Die Kolonne v. Frankenberg wohlbehalten.
Mitte Juli war aus Südwestaftika nach Einge- lorenengerüchten gemeldet worden, eine Streifwache unter dem Distrittschef ö. Frankenberg, die eine Erkundung im Caprivizipfel vornahm, sei n i e d e r g e» macht worden bis auf den Führer, der auf einem Maultier entkommen sei. Das Unglück sollten Ovambo in der Nähr des Ngamisees verschuldet haben. Die Nachricht erschien von vornherein nicht glaubwürdig. Auf demselben Wege, den sie gefunden hatte, wahr- schrinlich in ein kapstädtisches Blatt, wo noch nie eine lmchre Meldung über Vorgänge in der deutschen Kolonie gestanden hat, aus Livingstone an den Sambesifällen, kommt nun die Nachricht, daß v. Frankenberg wohlbehalten in Schuckmannsberg am äußersten Ende des Eaprivizipfets mitsamt seinen Leuten angekonimen ist. Die Nachricht wurde von Eingeborenen aus dem englischen Ort Sescheke nach Livingstone gebracht. Wahrscheinlich kommt auch bald ein Telegramm des Herrn 6. Frankenberg selbst über Livingstone.
Ausland.
** Ein tschechischer Katholikentag fand in diesen Tagen in Olmütz statt. Ain Dienstag fand eine Prozession zum heiligen Berg statt, an welcher sich über 10000 Personen beteiligten. Am Nachmittag wurde int Klosterhof eine große Fesiversammlung abgehalten, in welcher der Vorsitzende des Katholikentages, Abg. Hrudan, über die Katholiken und das öffentliche Leben sprach. Der Redner gab dabei dem Wunsch Ausdruck, daß die Katholiken Oesterreichs sich noch mehr als bisher an dem öffentlichen Leben beteiligen und ihre katholische Ueber- zeugunq vertreten möchten.
** Eine wichtige Entscheidung. Der französische Staatsrat hat jüngst eine Entscheidung getroffen, die für die katholische Kirche günstig ist. In einer kleinen Gemeinde Sains-les-Fresstns, hatte ein „unabhängiger" Priester das Vertrauen der Mehrheit gewonnen und eine Kultusgemeinfchast zur Uebernahme der
Kirche und des Kirchengutes geblldet. Ein Dekret war in diesem Sinne von der Regierung erlassen worben, aber der Bischof von ArxaS erklärte jene Kuliusgemein-- schast für ungültig, setzte den Priester ab und ernannte einen andern zum Pfarrer von Satos. Der Bürgermeister und her Gemetoderat hielten zu dem ersteren, und dem neuen blich nur übrig, ben Gottesdienst in einer Scheune abzuhalten. Nun appellierte die Minderheit der Gemeinde, die zu ihm hielt, an den Staatsrat gegen das Dekret der Regiemng, und dieser hat nun das Dekret als ungesetzlich aufgehoben und die Kirche zum gottesdienstlichen Gebrauch dem zweiten Priester allein zur Verfügung gestellt, weil nur dieser die Bedingung des Trennungsgesehes erfüllt, daß jeder katholische Priester die Hierarchie anerkennen muß und der Bestätigung eines Bischofs bedarf, um als solcher auftteten zu können. Diese Entscheidung des StaatSrates wird mm für alle ähnlichen Fälle vorbildlich sein. Ihre Zahl ist übrigens nicht groß, da sich tot ganzen nur sehr wenige Gemeinden und Geistliche gefunden haben, um trotz des päpstlichen Verbotes Kultusgememschaften zu bilden.
** Die Arbeiterkämpfe in England.
Die Verhonblungm zwischen der Regiemng und den Eisenbahngesellschosten haben bisher zu keinem Resultat geführt. Man befürchtet, daß der Generalstreik unmittelbar bevorstehe, da die Gesellschaften gegenwäriig entschlossen sind, die Fot- berung bet Arbeiter auf birette Verhandlungen abzulehnen.
In Lonbon ist bie Lage unverändert, in Man. ch e st e r jedoch ist sie außerordentlich krittsch. 25 000 Eisenbahner streiken und dir Verbindungen sind voll- kommen aufgehobm, so daß man eine Hungersnot befürchtet, falls nicht innerhalb der nächsten drei Tage eine Einigung erzielt wird. Die Ausständigen verhalten sich vorliiusig mhig. Trotzdem treffen von allen Seiten Polizeiverstäckungen ein, um auf jeden Fall vorbereitet zu sein. Das Ausstandskomitee hat sämtliche Transportarbeiter ausgesorderi, sich dem Ausstand mizuschließen.
In Liverpool nahmen bie Unruhen in der Rächt zum Mittwoch wieder einen wüsten Charckkter an. Ein heftiger Kamps tobte zwischen Milttär und Streikenden, wobei zwei Streikende getötet und eine große Anzahl mehr oder minder schwer verletzt wurde. Die Soldaten mußten von der Schußwaffe Gebrauch machen, um sich bie Angreifer vom Halse zu halten. Ein von Husaren exporiierter Gefangenentransport von fünf Gefangenenwagen, bie mit verurteilten Streitern angefüllt waren, bewegte sich nach dem Gefängnis zu. Plötzlich hagelte ein Schauer von Steinen und anderen Wurfgeschossen auf die Soldaten au3 ben Fenstern und von den Dächern nieder, und eine Menge Ausständiger griff den Transport an. Schutzleute gingen gegen bie Aufrührer vor und hieben sie auch zum Teil zurück. Einem Ausständigen gelang es jedoch, bis zu dem Offizier der Eskorte vorzubringen, der seinen Revolver in bie Lust abschoß, um ben Mann zu verscheuchen. Als dieser aber immer wieder auf ihn einbrang. schoß her Offizier ihm eine Kugel burch ben Kopf. Das war bas Signal für einen allgemeinen Angriff, an bem sich gegen 3000 Streikende beteiligten. Zwei Mann wurden auf der Stelle getötet und eine große Anzahl schwer verletzt. Der ganze Distrikt war in Anfmhr. Um Mitternacht drohte bie Menge, die Landungsbrücke in Branb zu stecken. 200 Soldaten wurden zu deren Schutze abgeschickt.
Die eigentlichen Ursachen, die der großen Streikbewegung zugrunde liegen, sind noch immer in Dunkel gehüllt. Jedoch enffpricht, soweit sich bis jetzt beurteilen läßt, bie Drohung mit bem Generalstreik bet Eisenbahner bem festen Entschluß bet Leute, bie vor vier Jahren eingerichteten EinigungSämter abzuschaffen. Die Beschwerde geht bahtn, daß die Etoi- gungsämter angeblich einsetüg zu Gunsten der Arbeitgeber Recht sprechen. In den übrigen Kategorien bet Stteikenben bagegen scheint absolute Unklarheit über das wirkliche Wollen unb Ziel bet halb ba, halb dort auflodernden Bewegung zu herrschen. Eine Art ton Massenanstcckung, wie man sie jüngst bei der end- losen Reihe der Sabotageverbrechen in Frankreich hat beobachten können, scheint die Arbeiter ergriffen zu haben. Die Zugeständnisse der Arbeitgeber und Erfolge der Ausständigen bei ben ersten Streiks haben offenbar überall bas Gefühl ausgelöst: Vielleicht können auch wir etwas erreichen, ein Versuch kann nichts schaden. Und so versucht man es. Unb jede Bewilligung von vielleicht an unb für sich »st fc9r berechtigten Lohnerhöhungen schasst im Augenblick neu- Streiker.
Mus KW un» Schul«.
::: 17. Aug. 1911. P. David vom
Kloster Frauenberg wird am nächsten Sonntag von hier die Reise nach Japan in das bortiae Missionsgebiet antreten. Der hochw. Herr wird bei der Abschiedsseier in der Kloster« kirche selbst die Predigt halten. Sofort nach der Feier wird Pater David abreisen.
* Kassel, 17. Aug. 1911. Das Königliche Pro. vinzial-Schulkollegium Hierselbst hat Termin zur Abhaltung der Prüfung der Lehrer an Mittelschulen auf den 24. Nov, zur Abhaltung der Rektoratsprüfung auf Donnerstag, ben 30. November ds. Js., anberaumt Diejenigen Geistlichen und Lehrer und Kandidaten des bo^cm Lehramts an Schulen, welche sich dieser Praftm-i zu unterziehen beabsichtigen, haben sich fckr f ey - um 1. September ds. Js. beim h'^n KömgUche. Ptovinzial-Sckulkollegium zu melden, und zwar vi. bisher noch nicht im Schuldunfl stehenden Bewerber. welche schon im öffentlichen oder privaten Schuld'.en - stehen, ans dem votgeschriedenen Dienstwege.
V Rom, lö. August 1911. Durch bas Hin- scheiden des Kardinals Gruscha ist die Zahl bet Mitglieder des Kardinaltollegiums, dessen ältestes an Jahren (91) er war, auf 48 gesunken; von itznen