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Fulda, Mittwoch den 16. August 1911
38. Jahrqan.f
Erstes Blatt
185.
Uns Uirche und Schule
Am Herz- eigen«
fpaitige Petitzeile ob-, r bertu Sau» \5 pfy. «erlamenbtepetttzriie
Pfg., bei Wiener« Qo’nngcn wirb entspr. Rabatt gewährt.
Rotationrbruckunb Verlag der Zuldaer At- tieubruckerei in Zulba Zernsprecher Nr. 9.
tHonatsMIage: „Zuldaer Eeschichkblätter"
Wie jetzt aber französische Zeitungen mitteilen, Han- dett eS sich um einen Irrtum eines französischen Postschaffners. Der Postsack ist gleich wieder amt« ich geschloffen worden. Die deutsche Regierung hat ich mit dieser ErNSrung des Zwischenfalles zu. rieben gegeben.
** Kassel, 15. Aug. 1911. Der Kaiser, der am Montag früh von Kronberg aus einen Auio- mobilausflug über den Feldberg unternommen Halle, reiste mittags nach Wilhelms höhe ab, wo er abends in Begleitung seiner Schwester, der kronprinzeflin von Griechenland eintraf. Die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise waren am Bahnhof zur Begrüßung erschienen. Die Fürstlichkeiten fuhren von Hunderten lebhaft ikgrüßt, zum Schloß, wo eine grofje Tafel statt« sand. Am Dienstag hörte der Kaiser Vorträge und unternahm nachmittags einen größeren Automobilausflug. Am Freitag wird Herr o.Kid er- len-Wächter in Wilhelmshöhe eintreffen, um über die Marokkoverhandlungen zu berichten.
* Darmstadt, 15. Ang. 1911. Die Abgeord» netenwahlen zum hessischen Landtag finden am 3. November statt.
veittsches Reich.
z Noch kein Ende?
Am Dienstag mittag hat das auswärtige Ministerium in Paris über die deutfch.französischen Verhandlungen folgende Note ausgegeben:
Im Verlaufe einer neuen Unterhaltung, tue geltern stattfand, haben die Herren Cambon und v. Kiderlen- Wächter sortgefahren, die Unterlagen der Verhandlung (Verständigung?) auSzuarbeiten."
Wenn man weiter nichts müzuteüen hatte, brauchte man überhaupt nicht eine amtliche Kund- gebung zn fabrizieren. Die unterhandelnden Herren .fahren fort, die Unterlagen auszuarbeiten*! Da« mit ist gar nichts gesagt. Wenn sie in dem bisherigen Schneckentempo .fortfahren', so werden sie auch Weihnachten noch nicht am Ziele fein. Sie sind ja auch nach der Arbeit von fast zwei Monaten immer noch mit der .Unterlage* beschäftigt.
Coll die deutsch-französische Verständigung sich vielleicht ebenso lauge hinziehen, wie die deutsch- russische Verständigung über Persien «., von der es jetzt heißt, daß ihr Abschluß bald bevor st ehe? Jetzt — drei Vierteljahre nach der Zusammenkunft von Potsdam!
F. Vom Schulzenberge, 16. August 1911. heutigen Maria Himmelfahrtstage fand im Jesu-Kirchlein aus dem Schulzenberge eine artige Feier statt. Der Erbauer und Gönner des Kirchleins, der im Mutterhause der barmherzigen
der». BiS zu« Abend wurden 66 Verhaftungen vor« genommen. Die Aufrührer versuchten Privathäuser zu zerstören und zu plündern. In den Höfen verborgen, bewarfen sie die Soldaten mit Flaschen und Sternen und verwrmdeten mehrere von ihnen. Darauf gaben die Truppen Schüsse ab und rückten mit aufgepflanztem Bajonett gegen die Aufrührer vor. Die Arbeiter aller Güterbaimhöfe der Rorth-Westecn und der Great« Zentralbahn find heute in den Ausstand getreten.
* London, 16. August 1911. Der allgemeine Der« band der Eisenbahnarbeiter beschloß, den Strerk über ganz England zu proklamieren, falls die! Eeseu» schäften gewissen Forderungen innerhalb 24 Stunden nicht nachkommen.
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daß auch in Konstanz die ehemalige Augustinerkirche nach jahrzehntelanger Entfremdung den Kacholiken wieder zurückgegchen wurde. Im Reichstag, wo er dm Wahlkreis Konstanz seit 1890 vertrat, war er ge« radezu ein Musterparlamentarier. Gewiflenhaft, pünkt- lich, treu, sehr liebenswürdig und in der Sache fest. In Rechnungssachen war er eine anerkannte Autorität. — Durch dm Tod des Abg. Hug wird eine Reichstagsersatzwahl notwendig. Das .Set« finer Tageblatt* hat nun einen schlauen Plan ausgeheckt, um dem Zentrum mit einem Schlage zwei Reichstagsmandate zu tauben. Es stellt sich die Sache allerdings höchst einfach vor. Der Wahlkreis in Konstanz ist zu 91 Prozent katholisch. Bei bet Wahl 1907 siegte der Zentrumskandidat mit 14 327 Stimmen gegen 8596 nationalliberale und 2565 sozialistische Stimmen im ersten Wahlgange. Hug hatte dm Wahlkreis im Iahte 1890 zum ersten Male erobert und seitdem stets im Besitz gehabt. Das .Betl. Tagebl." meint nun in seiner Naivität:
.Wenn nur zweitausend bisherige Zentrums« wählet auf die liberale Seite hinüberschwenken, dann ist auch dieser Wahlkreis für daS Zentrum verloren, so gut ihm Lindau-Jmmenstadt entrissen worden ist.*
Wenn ... ja wenn! Als im Jahre 1903 der jetzige badische Minister des Innern, Fthr. von und zu Bodmann, damals Landeskommiflär in Konstanz, es unternahm, gegen den Zentrumskandidaten sich aufftellen zu lassen, da mußte dieser liberale Kandidat es erfahren, daß selbst die Macht des höchsten Beamten einer Stadt an der Zentrumstreue scheiterte. Und heute sollten 2000 Zentrumswählet einem x-beliebigen liberalen Durchschnittskandidaten nachlaufen? Gefährlicher ist schon ein Ausgleichs- Vorschlag, den daS Mofleblatt den Nationalliberalen, die in Konstanz einzig in Frage kommen könnten, macht:
X Uitzrithett in Liverpool.
<Vn Liverpool, der großen mglischen Hafmstadt an der ^irisch en Sie, ist es am Montag nachmittag zu förmlichen lStraß enschlachten gekommm. Schon seit WoHen war die Lage wegen der TranS- portarbeiterweguzg äußerst gespannt, wobei der rauhe Charakter der umuhigm Arbeiterklasse schon lange daS Schlimmste befürchten ließ. Als nun die Hauptschiff- fahrtsgesevschaften Montag mittag die Aussperrung der Transportarbeiter veckündeten, von der $0 000 Arbeiter betroffen wurden, brach der Sturm lob Am Nachmittag veranstaltetm etwa 100 000 Transportarbeiter Kundgebungen, wobei es zu w i l- den Szenen krm.
Neber die Strißenkämpfe wirb berichtet:
Die Unruhen in Liverpool sind ohne Beispiel. Bei >r Saint George-Hall kam es zu einer regeltest en Straßenschlacht. Die Schutzleute wurden bei dem Pemühen, eine Bahn durch die Menge zu brechen, wehrfach zurückgeilieben. Viele von ihnen wurden v er« svundet. Eine Sinnde lang war die Polizei nicht in !>er Lage, den Platz zu räumen. Der Magistrat ließ chließlich das Ausruhrgesetz verlesen. Es wurde Mili- är aufgeboten, das schußbereit aufmarschierte mb die Ausständigen in die Nebenstraßen zurücklneb, oo der Kleinkrieg noch bis gegen Mitternacht lauerte. Die Hofpitäler sind eitrig am Werk, den Ver- toun beten Hilfe zu gewähren. Nach der letzten Schätzung wurden 250 Personen, meist Schutzleute, verhetz t. In ihrer Erbitterung bewarf die Menge Kran ken- Sagen und Taxameter-Droschken, in denen sich Ver- undete befanden, mit Steinen. Einem Polizewsfiner swnrde ein Bem gebrochen, einem Schutzmann die Rinn« gabt zerschmettert. Erne Militärpatrouille wurde von !en Dächern au8 mit Steinen beworfen. Heber hundert Qann wurden verhaftet. Zahlreiche Schaufenster wurden trtrürnmert und ihrer Auslagen beraubt In ihre luarliere zurückgedrängt, errichtete die Menge dort larrikaden und schoß auf bie Schutzmannschasten. Em ioUzeioffizier wurde dabei getötet und verschiedene tolrzisten schwer verletzt. Außerdem zündete die Renge verschiedene Hänser an und verhinderte ann die Feuerwehr am Löschen.
' In Manchester kam es ebenfalls zu großen MuSschteitungen. In Glasgow »eranfiollete die Menge große Straßendemonstratioueu und mußien 60 Verhaftungen vorgenommen werden.
v In London ist vorläufig noch alle? ruhig, doch Wird ein allgemeiner Ausstand der Eisenbahner und Straßenbahner befürchtet. Auch streiken schon wieder 1200 Gepäckträger
»erantw «edaktenri s«rrtzch»tter ,
.Illustrierte SonittagsjcW
„Die nationalliberale Partei kann Ron« stanz gewmnen, wenn Düsseldorf b em 3entrum enttiffen wird. Hilft sie in Düsseldorf dem Zentrum zu einem neuen Erfolg, dann dürfte auch Konstanz wieder an das Zentrum fallen. Hoffentlich genügt eS, den westlichen Nattonalliberalen diese Zusammenhänge deutlich zu machen, um sie zu der entschiedenen Haltung gegen die reaktionären Parteien zu veranlassen, die sie bisher noch allzusehr vermiffen ließ *
Dir Nationalliberalen werden sich aber wohl hüten, in Düsseldorf mit fliegenden Fahnen in das Lager des Umsturzes zu ziehen. Sie wiffen, daß in Rkeinland-Westfalen dann allerlei für sie auf dem Spiele stände. Und Konstanz werden sie trotz der Zusage deS ,Berl. Tageblattes' jedoch nicht erobern.
*♦ Eine Revision der Rechtsverhältnisse der Preu«,, scheu Juden strebt die preußische Regierung an. Bei der Neuerung handelt es sich im wesentlichen um eine Revision des Gesetzes von 1847 betreffend die Rechtsverhältnisse der Juden und Synagogen- gemeinden. Es sind schon seit Jahren Bestrebungen im Gange, die darauf abzielen, eine korporative Vertretung der deutschen beziehungsweise der preuß,- schen Juden auf gesetzlicher Grundlage zu schaffen, ein repräsentatives, offizielles Organ, das die Juden nach außen, zumal der Staatsregierung gegenüber, vertritt.
X Eine Kaiserrede in der Kaserne. Die bekannte Rede, die der Kaiser am 21. November v. I. an die Marinefähnriche gegen den übermäßigen Ge« nuß von Alk oh l geholten hat, wird jetzt in den Kasernen an die Soldaten verteilt.
Der Zwischenfall in der Lmfenkirche in Ehar- lottmburg hat jetzt auch durch die militärischen Be- Hörden ihre Erledigung gefunden. Die mit der Untersuchung betraute Behörde hat das Vorgehen des aussichtsführenden Offiziers durchaus gebilligt, da die polemische Behandlung des Falles Jatho auf der Kanzel durch PfarrerKraatz nicht als eine gottesdienstliche Handlung anzusehen war, eine Störung des Gottesdienstes mithin nicht stattfand und der Offizier sogar in diesem Falle verpflichtet gewesen ist, die zur Erbauung an Gottes Wort abkommandierten Mannschaften zurückzuziehen. Auf einen Soldaten mußte außerdem die Art, mit der Pfarrer Kraatz Maßnahme < seiner vorgesetzten Behörde hinfierie, abstoßend wirken. Da Pfarrer Kraatz sich wenigsten? teilweise die Lehre Jalhos aneignete, so mußte bei den Soidaten der Glaube an einen persönlichen Gott untergraben werde«. Damit war ein Angriff auf d n Fahneneid verbunden, der in dem Glauben an den perjönlichen Gott wurzelt. Aus diesen Erwägungen heraus hatte der aufsichtführende Offizier nicht anders handeln können.
+ Tie rote Flut, liebet die Erfolge der Sozialdemokratie im letzten Jahre berichtet der sozialdemokratische Parteivorstand in seinem Jahresbericht für den Parteitag in Jena:
Die Zahl der Parteimitglieder ist im letzten Jahre um 115 524 gewachsen und von 720038 auf 835 562 gestiegen. Die Zahl der sozialdemokratischen Stimmen betrug bei den letzten Reichstagswahlen vor vier Jahren, als die Zahl der Parteimitglieder sich nur auf 530 466 belief, 3 259029. Ein Beweis, wie groß die Zahl der fozialdemoiratiscken Mitläufer ist! Heute hat die sozialdemokratifck e Partei in 19 Bundesstaaten 188 Landtagsabgeordnete, zwei mehr als im Vorjahre. ®egenroärti(i zählt die Partei in 410 Städten 2015 und in 2240 Landgemeinden 6646 Gemeindevertreter. Außerdem hat die Partei in 31 Städten 95 Vertreter im Magistrat und in 83 Landgemeinden 154 Vertreter im Gemeindevorstand. DaS sind zusammen 8910 par« teigenössische Gemeindevertreter gegen 7729 im Vorjahre.
Das sind unbestreitbare Erfolge und die Herren vom Freisinn dürfen die .Ehre" beanspruchen,' ihren redlichen Teil zu den sozialdemokratischen Erfolgen beigetragen zu haben. Im übrigen beweisen die mitgeteilten Zahlen wieder einmal, was mit einer straffen Organisation und einer rührigen Arbeit zu erreichen ist. In dieser Beziehung sollte die Sozialdemokratie für alle bürgerlichen Parteien vorbildlich wirken.
)( Neber einen diplomatischen Postzwischcufall zwischen Deutschland und Frankreich gingen in Berlin Gerüchte um. Ein die amtliche Korrespondenz für den Kreuzer .Berlin", der bekanntttch nach Agadir entsandt wurde, enthaltender Postsack ift auf französischem Gebiet geöffnet worden.
Schwestern zu Fulda im Ruhestande lebende öfter« rcichische Milstärpfarrer a.D. Prälat Dr. Seng, feierte sein gold enes Priesterjudiläum. Das Kirchlein war von Angehörigen der Gemeinden Maberzell und Rodges im Innern und Aeußeren festlich geschmückt. Böllerschüsse, die vom Berge herab ringsum ins Tal ertönten, kündeten die Feier an. Die Jubelmeffe zelebrierte der allbeliebte Jubilar unter Assistenz des Herrn Pfarrers Büttner von Haimbach. Derselben wohnten die nächsten Angehörigen und Verwandten bei. Eine Ansprache wurde auf Wunsch des bescheidenen Herrn nicht gehalten.
f Hünfeld, 16. August 1911. Eine einfache aber herzliche Feier vereinigte gestern mittag die Teilnehmer an bett Rekruten-Exerzitien, die zum ersten Male für bie Diözese im Bonifatiusklostcr Hierselbst stattgeftmben hatten. 46 Rekruten hatten sich am Samstag abenb eingefunben, um sich an den Exerzitien zu beteiligen. Hochw. Herr P. Schillings 0- M. I., der bereits mehrfach im Rheinlande derartige Hebungen leitete, empfing die jungen Leute und hielt ihnen ein Reche von Vorträgen, die den Umständen angepaßt, die jungen Leute auf die Gefahren aufmerksam machten, die das Soldatenleben mit sich bringt und ihnen bie Mittel geben, diese Gefahren zu umgehen ober boch wirksam zu bekämpfen. So wirb bann bie Berufsfrendigkeit für den neuen Statch geweckt und gefördert. Die Tagesordnung der Hebungen ist der Kürze der Zeit wegen eine genau geregelte. Vorträge, religiöse Hebungen und Erholung wechseln miteinander ab. Mag dieser genaue Gang der Hebungen am ersten Tage dem jungen Manne etwas ungewohnt vorkommen, bereits am zweiten Tage hat er die Notwendigkeit erfatuti und fügt sich gern der Ordnung. Welchen Eindruck die Tage gemacht hatten, das zeigte die Schlußfeier ht der Hauskapelle des Klosters, bei der die Rekruten ihre Vorsätze erneuerten und versprachen, nicht nur gute Soldaten zu wer- dn, sondern auch gute kacholische Christen zu bleiben. Ten guten Erfolg zeigte aber auch die eingangs erwähnte Schlußfeier, bei der die jungen Leute im Kreise der Patres und Brüder eine frohe Stunde verlebten. Als der Abschied nahte, ba bewies so mancher krästige Händebruck, so manches feucht strahlende Auge dem Leiter der Hebungen, daß er es verstanden, das Herz seiner „lieben Jungens" zu gewinnen. Alle fühlten sich glücklich, und mehr ab einer hat den Entschluß gefaßt, bei 'füchster Gelegenheit wieder Exerzitien zu machen. Neben deir ^- a- trägen der hochw. Herren Patres hielten die Reserve- Offiziere Herr Rechtsanwalt, Kgl. Notar Backhaus und Herr Sanitätsrat Dr. Zahn je einen Vortrag. Ersterer sprach über militärische Disziplin und Ka- nieradschaft, letzterer über die überaus schädlicheu Wirkungen des Alkohols. Die nächsten Exerzitien beginnen Samstag den 19. August, abends 8 Hhr.
" x Vom Eichsselde, 14. Aug. 1911. Am 10. d. M. feierte im Franüskanerklofter an dem bekannttu
** Berlin, 15. August 1911. Der Wasser« gesetzentwurf liegt nunmehr im Druck vor. Der Entwurf zählt über 260 Paragraphen. Nach bet Ferienpause wird der Entwurf nochmals dem Staatsministerimn unterbreitet werden. — Der Hant-elsmmfftrr hat durch einen neuen Erlaß bie Schaffung von Stellen für Unterbeamte bei bet Berg-, Hütten« uud Salinenverwaltung cngeotbnd. Es handelt sich dabei um die Umwandlung von Stellen für Aufsichtsbeamte in Huterbeamtenstellen, für die ein Ansangsgchalt von 1400 Mk. und em Höchst« gehalt von 2100 Mk. nebst Wohnungsgeldzuschutz festgesetzt ist. — Der Ch r ist l i ch-s o z i a l e Pa r- teita g findet vom 9. bis 12. September tn Wiesbaden statt.
-f- Keine Hetckfttagung im Abgeordnetenhaus? Wie Berliner Blätter erfahren, hat sich bie Mehrzahl der preußischen Minister, vor allem der Finanzminister und der Minister ves Innern gegen eine Herbsttagung des preußischen Parlaments ausgesprochen. Infolgedessen werde angenommen, daß man von einer solchen Abstand nehmen wird.
** Dem Mainzer Katholikentag widmet bet „Offer« tatore Romana*, das offiziöse Organ des hl. Stuhles, einen längeren Artikel, tn bem er seine volle Be- wunberung unb wohlverdiente Anerkennug im Gefühl bet Gemeinschaft aller Katholiken ausspricht. Uneingeschränktes Lob nerblene vor allem bie große Einmütigkeit bet brutschen Kacholiken, da angesichts der gemeinsamen Gefahr, daß Grundprinzipien des Glaubens unb Gewissens auf bem Spiele stehen, volles Vertrauen unter ben Teilnehmern bet Katholiken- vrrsmmnlug herrschte unb kein einziger an eine größere ober geringere Meinungsverschiedenheit dachte, sondern alle sich vereinten hn Namen Christi und be8 Papstes, bet feine Söhne liebt unb segnet. Wörtlich heißt c8 al?bann weiter:
„In diesem Sinne verdient besonderes Lob die prächilge Rede des Juflizrates Dr. Karl Bachem !tn der ersten geschlossenen Versammlung), in welcher sich unbedingte Verehrung und absoluter Gehorsam aller deutschen Katholiken gegenüber dem Papst» widerspiegelt und aus welcher der Geist völliger uud vollkommener Anhänglichkeit der ganzen katholischen deutschen Laienwelt an den Papst hervorleuchket. AuS der Ferne verfolgen wir mit großem Interesse unb gespannter Aufmerksamkeit diese tröstlichen Erscheinungen in der katholischen Bewegung. Wir hallen sie für ernst und bezweifeln keinen Augenblick, daß sie nicht täglich auch durch die Tat bestätigt werten. -
Der „Osservatore* bespricht bann bie auf her Katholikenversammlung geleistete praktische Arbeit, lobt bte Tätigkeit bes Bonifatius- unb bes Ra- phaelsvereinS unb bie neugeschaffene Organisation zur Verteibignng ber christlichen Schule und Erziehung. Die Katholiken verschaffen sich durch dieses VerteidioungSwerk die ihnen gebührende Stellung in Deutschland als Verteidiger ber Rechte der Kirche zugleich in treuer Unterstützung des Kaiserreiches. Besonderes Lob wird bem Präsidenten der Katholikenversammlung Graf Galen, bem Frhrn. v. Hertling, bem Fürsten Alois zu Löwenstein, bem P Gisler unb bem Abgevrbneten Oberlandesgerichtsrat Marx gezollt. Sodann gibt bar Organ seiner bewunbemben Anerkennung für bie Versammlung bes Volksverein 8 für baS kacholische Deutschlanb, für ben Katholischen Frauenbund Ausdruck und schließt mit herzlichem Brudergruß für bte starken Kämpen ber deutschen kacholische« Aktton, für bie Mitarbeiter und alle Teinehmer ber Kachoikenversammlung in Mainz.
△ Zum Tode des Abg. Hug. Mit Geh. Fincmz- rat Friedrich Hug verliert bie Zentrumspartei einen ihrer bewährtesten Parlamentarier, bie in ben heißm Tagen beS babsschen KultuckampseS mutig unb art- sicheben unb nicht ohne schließlichen Erfolg für bie Rechte bet Kirche eingetreten sind Ganz hervor« rogenbe Verdienste erwarb er sich bnrch bte Bckamp- jung bes ungerechten Altkatholikengesetzes, burch baS verschiedentlich bat Katholiken Kirchen weggenommen unb ben AlSatholiken übergeben würben. Seinem Einflnfl war e8 nicht in letzter Linie zuzuschreiben.
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Zeitung
«tschtMt »glich mtt zln-nehme bet $o.m= Md Feiertage viertek- jshMerve-mtftpreir ohne Vüngerlohn und vesteLgsid in Zulda sowie «upärtrl 50 mt.
Ausland.
** Eine liberal-sozialistische Massendemonstration in Belgien. In Brüssel veranstalteten am gestrigen Feiertage etwa 100 000 Liberale und Sozialisten eine gemeinsame Kundgebung in einem großen Demonstrationsumzuge zugusten des gleichen Stimmrechts und des obligatorischen Schulunterrichtes. 28 Redner hielten mehrere Stunden lang Ansprachen an die Menge. Der Umzug nahm 4% Stunden in Anspruch. Die Teilnehmer an dem Zuge schwuren, nicht zu tasten, bis das allgemeine gleiche Stimmrecht und der obligatorische Schulunterricht bewilligt seien. — Die Organisation dieser Kundgebung war bereits im April beschlossen worden, als die Opposition sich noch in offenem Feldzüge gegen die Schulgesetzvorlage befand. Seitdem ist der Minister Schollaeri, der dieses Projekt auS- gearbeitet hat, zurückgetreten und daS Projekt ist dadurch vertagt worden, aber die Opposition hat auf die Kundgebung nicht verzichtet. Am Vorabend dieser Kundgebung hat der gegenwärtige Kabinettschef Herr de Broquevtlle in einer Unterredung, die er mit dem Redaktenr des Bien Public hatte, die Opposition wissen lassen, baß er entschlossen sei, sich burch Demonstrationen dieser Art, soweit die Schulfrage in Betracht komme, nicht einfchüch« t e r n lasse.
Die Straßenkämpfe in Liverpool sinb auch für uns Deutsche lehrreich. Liverpool unb Moabit! Als in dem Berliner Stadtteil Moabit die Tumulte im Gange jwaren, schob bie sozialdemokratische Presse junb manche liberale Großblockblätter die Schuld auf die Polizei. Die preußische Polizei wurde als ber organisierte Blutdurst hingestellt. Im Gegensatz dazu wurde bie englische Polizei als ein Muster von Friedlichkeit, Freunblichkeit und Klugheit bezeichnet. In Liverpool gab es keine „Menschenschlächter" vom Mefolge bes Herrn v. Jagow, sonbem informierte iGngcI aus dec englischen Schule ,die als Waffe nur den Polizeiknüppel tragen. Und nun ist gerade diese ged ul dige englische Schutzrnannfchaft von dem .'aufgeregten Volke angegriffen und zum Rückzug genötigt worden. Die Flucht besänftigte aber nicht jbie Menge, sondern reizte vielmehr zu wütendem [Vorgehen. Daraus ergibt sich doch klar, daß bie Ausartung ber Streikbewegung in Straßentumulte nicht durch bie Polizei veranlaßt wirb, sonbern aus ben Leidenschaften ber Menge sich ergibt.
Die Leitung ber deutschen Sozialdemokratie hatte .danials im „Vorwärts" behaupten lassen, sie sei imstande, die Ordnung Wiederherz «stellen, wenn die Polizei darum nachsuche. Eine Probe auf diese ^Ankündigung ist bekanntlich nicht gemacht worden. In E n g l a n d hielt gerade vor Ausbruch der Stra- stenkampse der Streikführer Tom Mann folgende sehr selbstbewußte Rede:
„Das Strettkomilee hat sich zur Polizei begeben ,md erklärt, daß die Ausständigen sich kein» Unruhen «u schulden kommen lassen werden, und daß es deshalb Glicht notwendig ist, Truppen ober bet ittenePolizei 5|n den Straßen auszustellen. Di« Polizei hat stch unserem Wunsche geneigt gezeigt.'
Alsbald n ach dieser Erklärung wurden die vereinzelten Polizisten zu Fuß von ben Zu- chörern Manns angegriffen, unb ber Straßenkampf kam in Gang. Tom Mann hat es gewiß ehrlich gemeint; aber er täuschte sich gewaltig in bem Mauben, daß er die Massen noch in der Hand habe. '„Die ich rief, die Geister, hall ich nun nicht fest." den Volksmassen, die durch Lohnkämpfe erregt werden, steckt eine verhängnisvolle Explosionsgefahr. Auf die Versprechungen ber Führer, für bie Orbnung zu sorgen, barf sich eine pflichtbewußte Polizeiverwaltung jiicht verlassen. Sie muß ihrerseits bie nötigen Kräfte bereit halten, um etwaigen Ausschreitungen ber Menge /pfort wirksam entgegentreten zu können.
Die Vorgänge in Englanb werden manchem, der flch in einen Widerwillen gegen die preußische und insbesondere gegen die Berliner Polizei hat hineinreden taffen, die Augen öffnen. So bedauerlich jeder fUebergriff eines Schutzmannes ist, so notwendig iund nützlich ist das entschlossene Eingreifen der Polizei bei den ersten Ansätzen zu Straßen- jumulten. Gerade wie bei einem ausbrechenden Schadenfeuer kommt es hier auf die Erstickung des Hnheils [im Keime an.
f * London, 15. Aug. 1911. Im Unterhaus erklärte der Staatssekretär des Innern, daß sich di»Lage [in London merklich gebessert habe. In allen Betrieben kehrten die Arbeiter, wenn auch nicht vollzählig, raut Arbeit zurück, und man habe Grund zur Annahme, daß sämtliche Transportarbeiter sich die Vorteile, die tzhnen zugesichert seien, vergegenwärtigten und einsähen, roie töricht es wäre, diese Vorteil» durch Fortsetzung ß)eS Ausstandes aufs Spiel zu setzen. Sodann erstattet» Eburchill eingehenden Bericht über die Ausschreitun- feen in Liverpool und stellte eine Meldung, daß Salven auf die Bevölkerung abgegeben worden seien, dahin richtig, daß nur zwölf einzelne Schüsse, bie Niemanden verletzten, abgegeben wurden.
,4. * Liverpool, 15. August 1911. Auch heut» nach«
«Üitag feuerten die Truppen auf die Ausständigen und besonders auf diejenigen, die im Begriffe standen, Feuer an die Säufer »u lenen und iu plün-