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M 184.

litontag den u. AuM l»U-

58. Zatzrgans-

" fuldaer M Zeitung

2. Blatt.

vr«S ttnb Verlag der Sulba« Aetiendniarret i« Stilbs.

Züge verkehren.

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von den Schönheiten des Libanon, was auch schon mit diesen einigermaßen durch verschiedene Ausflüge kleineren Stils bekannt gewordm. Doch alles wurde überboten durch die nun beginnende mühelose Durch­querung dieser Gebirges, der Hochebene Bika und des Antilibanon mit der Hochbahn, Zunächst bewegt sich dec Zug am Meere entlang bis el. Habet fort ganz in der Ebene. Interessanten Anblick boten die zu beiden Setten in ganz unmittelbarer Nähe der Bahnlinie auftmichenden Söhne der Wüste, die Be-

gclangen wir, nunmehr auf der Zahnradbahn, immer hoher nach Vaabdd, etwa 242 Meter über dem Meere. Es ist dies die Winterrchdenz des Gouverneurs des Libanongebiets, der in einem alten prachtvoll restau­rierten Emirschloß wohnt. Die malerische Tracht des libanesischen Militärs, das das Schloß bewacht, und auf der Terraffe stand, machte auf uns einen ange­nehmen Eindruck. Werfen wir einen Blick auf die Hügellandschaft, so finden wir sie mit Tausenden von

GottesdieustordnANg in Kämm-rzeN während der Rochusoktav. Am Borabend des Rochusfeftes ist von 4 Uhr an Beichlgelogenheit in der Pfarrkirche, ebenso am Festtagmorgen (16. Augusts von 5 Uhr an- 6 und 7 Uhr hl. Messen. Um 9 Uhr ist Pro­zession zur Rochuskapelle und daselbst Amt und Pre« diat Während der Oktav ist der Gottesdienst in der Rochuskapelle um 7 Uhr; vorher ist Gelegen- hett zum Beichten. Am Sonntag in der Okiav ist um 9 Uhr Amt und Predigt in der Pfarrkirche.

dninen, die unter ihren nach der Bahnseite zu offenen, aus Ziegenhaaren und Kameelhaaren gewebten Zel­ten lagernd ihren Morgenkaffee zu schlürfen schienen. Wenig bekannt dürste sein, daß diese Wüstenbewohner ihrer religiösen Ansicht nach zu den Schüten gehören, d. h. zu dem Teil der Muselmänner, welche die Ssunna, eine Zusammenfassung der Berichte über Aeußerungen und Handlungen des Propheten Mu- hammed, also eine Art Tradition verwerfen und so weniger strenggläubig erscheinen als die angesessenen Araber. W^reud wir noch damit beschäftigt sind, das Nomadenleben zu beobachten, erscheint am Tritt­brett ein türkischer und libanonischer Polizist. Sie bitten um die Namen der Reisenden, die sie in ihr Notizbuch schreiben, sowie um Auskunft über Her­kunft und Reiseziel. Infolge der fiüher übel be­leumundeten Gegend und der häufigen Ueberfälle und Diebstähle, auch von selten der mitfahrenden Beduinen und Araber, hat die türftsche Regierung diese den Reisendm sehr sympathische Maßnahmen getroffen. Ebenso mußt« wir uns bei der Abfahrt von Damas­kus diesem Verhör unterwerfen. Nach einiger Zeit

Reklamen- „nd Anzeigenteil.

Wenn Mutter- oder Ammenmilch in nicht genügender Menge vorhanden sind so ergänze man diese durch eine keimftrle milchhaltige und leicht lösliche Nahrung. Eine solche ist Neftle's Kindermehl, welches dem zartesten Körver alle in der Muttermilch vertretenen organischen und unorganischen Stoffe in äußerst leicht verdaulicher und wohlschmeckender Form zusührt. Probedose und illustr. Brosch, kostensrei durch Nestle G. m. b. H. Berlin W. 67.

vorigen Jahre eröffnete Bahn nach Bestwig ab- zweigt; es kommen dann weiter di« Orte Eifa, Hatzfeld, Beddelhausen, Schwarzenau, Arfeld, Berleburg, Raumland, Berghausen, Aue mid Birkelbach. Die neue Bahnstrecke wird dem Be­triebsamt Marburg, dem Maschinen- und Der- kehrsamt Kassel I und dem Werkstättenamt Arns- berg zugestellt. Die Inbetriebsetzung der ganzen Strecke erfolgt am 15. August; es sollen täglich

gesang und Predigt, nachm. 3 Uhr Andocht. — Pfarr­kirche zum hl. Geiste. Wegen der Genera kommunion der Sodalität fällt die Frühmesse aus; 8 Uhr Hochamt mit Predigt; nach Abgang der Wallfahrt 9 Uhr hl. Messe. Nachm. 5 Uhr Andacht mit Segen. — — Sodalität. (Titularfest.) Morgens 6 Uhr Generalkommunion; 9 Uhr Prozession zur Stadtpfarrkirche; nachnnttags 2 Uhr feierliche Auf­nahme neuer Mitglieder. (Bollkommener Ab- laß für alle Gläubigen, welche nach würdigem Empfang der hl. Sakramente die Kongregationski'rche besuchen und daselbst eine Zeitlang beten.) — Frauen­berg. Hl. Messen von 5 bis 7 Uhr, 8 Uhr Rosen- kranzmesse, ',79 Uhr Kräuterweihe und feierl. Amt mit Aussetzung, 10 Uhr Militärgottesdienst. Nachm. 2 Uhr Predigt, Andacht und Umgang für die Marianische Bruderschaft.

Michaelskirche. Mittwoch, den IG. August, morgen? 7 Uhr, findet ein Amt zu Ehren des hl. Rochus statt.

Sottesdienstorrmimg in Zulda.

(Katholischer Gottesdienst.)

Dienstag,! 5. August. (Mariä Himmelfahrt.) Dom. ',',6, C und 7 Uhr hl. Messen, ft,7 Uhr Kräuter- weihe in der Andreaskapelle, 8 Uhr Pfarramt und Predigt, W Uhr Umgang und Bischöst. Hochamt, 12 Uhr hl. Messe, '/,2 Uhr Andacht, 4 Uhr Abend­andacht, 7 Uhr Andacht mit Segen in der Marien- las ehe. — Stsdtpfarrkirche. V*6 Uhr hl. Messe und Predigt, *A7 Uhr hl. Messe, »/*8 Uhr Kräuterwethe, 8 Uhr Amt und Predigt, V.1O Uhr Hochamt mit Ehvr-

Amt Geisa und Umgebung.

** Geis«, 12. Aug. 1911. DaS Heraus- hängen von Fleisch- und Wurstwaren an den Häusern ist polizeilich verboten worden. — Em Insasse des hiesigen Amtsaerichtsgesängmsses erlitt vorgestern einen Schlaganfall. Der Mann wurde aus einer von der Bahnverwaltung zur Der- ügung gestellten Tragbahre zum Bürgerhospital gebracht.

* Tiefenort, 12. Aug. 1911. Mittwoch, den 16. August fbibet hiersckbst ein Schweinemarkt statt, ♦ Salzungen, 11 Aug. 1911. Gestern nachmittag wurde in der Werra in dem sogenannten Kähnloch die Leiche eines etwa 60jährtgen Mannes aufgefunden, lieber die Identität des Toten konnte bi« jetzt noch nichts ermittelt werden, da der Betreffende keine Aus­weispapiere bei sich führte. Vorgchern in der Frühe hat er in einer hiesigen Gastwirtschaft ein Glas Bier getrunken anb damit den Rest seiner Barschaft ver- zehft, das leere Portemonnaie ließ er liegen.

Sus Gberhesse« «. den h«si. Hemtern.

* Marburg, 12. Aug. 1911. Der gestrige Wald- brand hinter den Hansenhäusern flackerte in den Nachmittagsstunden nochmals tüchtig auf. Da je« doch Wachmannschaften zur Stelle waren, konnten die Flammen sich nicht ausbreiten. Es wurden alle Vorsichtsmaßregeln getroffen, um eine Ausdehnung des Brandes zu verhindern.

* Kirchhain, 12 Aug. 1911. Bei der Umpflaste- rvng der Bahnhofstraße bezw. der Herstellui^ des Bürgersteiges ist der Etat um 600 Mark überschritten worden. Der Mehrbetrag wurde von der gestrigen Stadtverordnetenversammlung bewilligt. — Das Ge­halt für den neu zu wählenden Bürgermeister war von den stödt. Körperschaften auf 2500 Mk. festgesetzt wor­den. Der Regierungspräsident verlangt em Gehalt von 3000 Mk., steigend von 3 zu drei Jahren bis zu 3900 Mark Magistrat und Stadtverordnete erachten indessen nach wie vor 2500 Mark als ausreichend Die­ser Beschluß soll dem Regierungspräsidenten nebst Be- mbibung mttgeteilt werden.

* Frankvbrrg, 12. Aug. 1911. In du zweiten Gesamtsitzung der Kasseler Handelskammer beantragte Herr Finaer-Frankenberg, wie wir aus dem jelji erschienenen Protokoll entnehmen, eine Eingabe der Kammer an den Minister dec öffentlichen Arbeften, daß ffir den Bau der letzten Teilstrecke der Neben­da bvlinie Zimmersrode—Franken berg, nämlich tür die Linie Gemünden a. d. W.—Franken- berg die erforderlichen Biittel im nächstjährigen Entwurf eines Eisenbahnanleihegesches beret.'gesteüt werden/ In der diesjährigen Vorlage ist leider wider Erwarten die Wetterführung der Lmte nach Frankenberd noch nicht vorgesehen worden. Es ver- lairtet tm,ar, daß beabsichtigt werde, diese kiemr Teilstrecke' nicht auf einmal bis nach Frainenberg auSyibauen, sondern zunächst nur bis K oster Ha na, das" etwa 7 Kilometer von Gemünden entfernt liegt. Dadurch würde aber zum Nachteil des in Frage kommenden Gebietes die Feftigstellung der ganzen Bahnlinie noch auf Jahre hinaus verzögert wert en, was übrigens auch durchaus nicht im Irv treffe der Eisenbahnverw iltung liegen würde.

* Frankenberg, 12. Aug. 1911. In dec gestrigen Hauptversammlung des Hessischen Geschichts­vereins gedachte der Vorsitzende der im letzten Jahre verstorbenen Mitglieder des Vereins, besonders des' zweiten Vorsitzenden, Dr. K n o r z-Kaffel. Die Anwesenden ehrten deren Andenken durch Erheben von den Sitzen. Die erfolgte Wahl des Landge­richts direkter Dr. S ch r ö d e r-Kassel anstelle des Dr. Knorz fand Bestäügung. Als Ort der nächstjährigen Versammlung wurde Schmalkalden gewählt fti die Versammlung schloß sich ein Festmahl im Hotel Schmidtmann und abends ein Gartenfest auf dem Goß- berg an. Heute fanden Ausflüge nach Burg Hffsen- stcin und Schloß Lichtenfels statt.

△ Frankenberg, 13. August 1911. Am Frei­tag fand die landespolizerliche Abnahme der letzten Teilstrecke der Nebenbahn Raumland— Berleburg—Allendorf, der sog. Ede<t«lbahn ftait. Die Bahnstrecke berührt von hier aus sie Orle des Edertal- Röddenau, Haine, Rennerrsha.iii.-n, Allendorf, von wo aus sich wkamttlich die im

Gotterdlenstordnrmg in Kafid-

Dienstag, 15. August (Mariä Himmelfahrt).

Kaffel-Att. ») Pfarrkirche »ur ht. Elisabeth Friedrichsplatz 16): 6 und 7 Uhr V. Messen mit Austeilung der heil. Kommunion, 6 Uhr Militar- aottesdienft (auch für Zivilpersonen), 9‘. Uhr Hoch- amt mit Predigt, 11 Uhr KindergotteZdtrnst mit An- spräche, 2Vi Uhr Andacht mit Segen. - An Wochentagen 6> i, 7h. und 8 Uhr hl. Messen. - Gelegenheit zur hl. Beicht vor Sonn« und Festtagen nachm.von 5 bis ? und 7'/. bis Sh, Uhr, an diesen selbst von 6 Uhr morgens an.

b) Pfarrkirche zur hl. Familie (Kölnische Straße 53, nahe beim Hauptbahnhof): W7 und 8 Uh, hl. Messen, nach jeder Austeilung der hl. Kommunion, b.10 Uhr liturgisches Hochamt, nach demselben Chrtüen- lehre, 11 Uhr HI. Messe und Predigt, abends '/>8 Uh, Segeusandacht. — Heute nachm. 4 Uhr Ausnahme neuer Mitglieder der Marianischen Jmigfraueu-Kon- aregation. — An den Wochentagen 7” (btjro. 8) Utjt hl. Messe. — Gelegenheit zu beichten vor Sonn« tmd Festtagen von nachm. 5—7 Uhr, an diesen selbst von ö Uhr morgen? an.

Kasfel-Wehlheiden. Pfarrkirche Et.Marien (Rosenkranzkirche am Neumartt): /»^ Uhr Frühmesse, V,10 Uhr Hochamt mit Predigt, 11 Uhr hl- Messe mit Predigt, nachm. 2 Uhr Christenlehre und Andacht,mit Segen. - Werktags 6V. und 7V« Uhr hl. Messen. — Gelegenheit zu beichten vor Sonn« und Festtagen nad;mittags von 4’/,—61/, Uhr, an diesen selbst mor­gens '/»7 Uhr.

Kaffel-Rotheubitmold. (Josephskirche, Vellmar- sche Straße 32): V«8 Uhr Frühmesse, ‘/«IO Uhr Hochamt mit Predigt. Nachm. 2 Uhr SegenSandacht. - Werk- tags 7'/. Uhr hl. Messe. - Gelegenhett zum Beichten vor Sonn- und Feiertagen nachm. 5 Uhr, an die,en selbst früh V,7 Uhr.

Saffel-Bettenhansen. 5‘|. Uhr Frühmesse, 9 Uhr Hochamt mit Predigt, nachmittags 2 Uhr Rosenkranz« andacht.

Gottesdienstordnung in Lijenach.

7 Uhr Frühmesse, 9V. Uhr Hochamt mit Predigt und Christenlehre, nachm. 2 Uhr Segensandacht.

[] Das Bsrgmrwde«.

Nichts schädigt wohl den Kleingewerbetreibenden dm Handwerker, den Detaillisten so sehr, wie die liebe Kundschaft, die aus Pump kauft

Ein Statistiker, der auch nur einmal armahernd die Summe berechnen wollte ,dte diese -eut« in thrm Büchem stehen haben, monate- und jahrelang, wurde sich ein Verdienst um unser Wirtschaftsleben machen. Das geehrte Publikum aber, das teils aus Lässigkeit und Bequemlichkeit, teils au§ Böswilligkeit auf Borg kaust würde vor Erstaunen die Augen weit aufretßen Über'die Summen, die so auf lange Zeit hinaus dem Wirtschaftsleben entzogen werden. Das ist gerade dec springende und schädigende Punft dieser Borgwurt- K daß er kein geregeltes Kreditwesen

'llt wie es ja auch der Handwerker und Klem- kaufmann seinem Lieferanten gegenüber in Anspruch nehmen muß, sondern einen den pumpenden Kaufmann und Handwecker schädigenden Unfug und Aus- W u ch s.

Ein Kleingewerbetreibender, der seinem Lieferanten die Ware mit einem Wechsel bezahlt, »borgt auf ein gesundes Kreditsystem hin, denn seine „Bezahlung fließt weiter und kann von dem Lieferanten wieder als Zahlmittel benutzt werben. Em Burger aber, der bei einem Kaufmann borgt, gibt Hn dafür keine Gegenleistung; seine Forderung steht fest zu Buch und kanii nicht weiter verwertet werden. Dies Geld geht also, solange es zu Buch steht, der Wirt­schaft verloren. Der Geschädigte ist einzig und allein der Handwerker oder Gewerbetreibmde, der über soviel wirklich totes Kapital verfügt.

Es sind allerlei Vorschläge gemacht worden, diesem Borgunwesen abzuhelfen. So vor allem hat man die „Diskontierung der Buchforderungen", d. h. die Wetterbenuhung der Duchsorderungen als Zahlungs­mittel vorgeschlagen. Diese „Umwertung" erscheint aber wenig geeignet, dem Borgunwesen abzuhelfen, da rs ihm im Gegenteil förderlich ist. Durch die Dis­kontierung der Buchforderungen werden nicht die Ur­sachen der Borgwirtschaft ausgehobm.

Ein anderes besseres Mittel, das das Borgunwesen tiefer, gewissermaßen bei der Wurzel anfaßt, ist die Ausbreitung des U eb er w e ij n ngs v e rk eh rs. Die Leute, die dieses Mittel vorgeschlagen haben, sind den U r s a ch e n des Borgunwesens nachgegangen und haben erkannt, daß meistens geborgt wird, weil im Augenblick k e i n B a r g e l d vorhanden ist.

Auf denselben Standpunkt hat sich der „5 2. 2111- gemeine Genosscnschaftstag" gestellt, der gegenwärtig in Stettin stattfindet. Dort hielt der Direktor der Gewerbebank zu Hannover, Dr. R eitle, tincit Vortrag über die Bekämpfung des Borgrmwe- sens, in dem er unter allgemeinem Beifall folgendes vorschlug:

„Die Barzahlung muß gefördert werben durch Ausbreitung des Rabatttwesens, des «c.; eck- unb NeberWeisungsverkehrs und o:e Gewöh­nung des Publikums an die Benutzung ms B a uk no t e n. Einzichungsgenvffenschaften und Treti- händlermstttule sind zur Bekämpfung der Borgwurt- schast ungeeignet, weil sie nicht die Ursachei', sondern die Folgen der Borgwirl schäft zu beseitigen suchen. Die Tätigkeit der Kreditgenossenschaften zur Bekampfmig der Borgwirtschafl nmß sich verewigen in dem Be­streben, kaufmännisches Denk en, kaupnannifches Handeln und kaufmännische Grundsätze tu den Kreiitn der kleinen Geschäftsleute zu eeibretieu."

In der Diskussion wurde dem Referenten allgemein z igestimmt. Allerdings kann durch dieses Erziehungs- mittcl zur Barzahlung nut der lässige Borger her­angebildet werden. Dem böswilligen Borger gegenüber bleibt dec Handwerker und Kleiukausmann nach wie vor machtlos. Hier kann ihn nur ein vor­sichtiges Kreditgewahren schützen. Lewer ist in den Handwerker- und Kleingewerbetreibenden- Kreisen der kaufmännische Grundsatz, den Kunden aut feine' Kredit Würdigkeit einznfchützen, noch nicht genüoeud durckaedrungm. Der Handwerker fiirchtet noch "zu sehr, einen Kunden zu verlieren und borgt auch jemandem, über dessen Kreditverhälttnsse er nicht besonders Günstiges erfahren konnte. Da muß der Kansniannsgrundsatz: nicht U eß e r k r e d i t. mehr zur Geltung kommen. Lieber einen faulen Kimden verlieren, als bar Geld zugesetzt.

vermischtes.

*♦ Schadenersatzklage gegen einen ungefchickit» Ra« eur. Eine interessante Entschädigungsklage kam dieser Tage vor dem Landgericht Köln zur Ver­handlung. Ein Ren-ner hatte sich in einem FrissUr- geschäft durch den Gehilfen rasieren lassen. Hier« bei brachte der Gehilfe dem Kunden eine kleine Schnittwunde bei. Die Wunde zeigte nach kurzer Zeit eine Ansteckungserscheinuna, die eine schwere Erkrankung für den Knnden im Gefolge hatte. Der Kunde verlangte nunmehr von dem Inhaber des Friseurgeschästes einen Schadenersatz von 15 000 Mark unter Vorbehalt weiterer Ansprüche, weil die Anstreckung und die Erkrankung nicht nur in bet Beibringucg der Schnittwunde beim Rasieren, son­dern vor allem in der offenbar nachlässigen Ve- Handlung der Instrumente liege. Diese hätten gründlich gereinigt sein müssen, so daß keine An- fteckungsstöffe an ihnen haften bleiben konnten. Der beklagte Srifeur bestritt, daß ein Verschulden seines Gehilfen vorliege und daß die schwere Erkrankung durch mangelhaft: Desinfektion der Instrumente und der Wunde hervorgerusen sei. Das Land« gcricht hat die Mage und den Anspruch des Ver­letzten abqewiesen, weil die Tatsache, daß em Bar­bier seinen Kunden beim Rasieren schneidet, an sich noch kein Verschulden darftcllt, weil dies auch bet Anwendung aller gebotenen Sorgfalt Vorkommen kann. Die Klage könne nur dann begründet er- scheinen, wenn der Kläger beweise, daß die An- Deckung durch ein zu dem Schneiden hmzutretendes Verschulden entstanden sei, daß also die zum Ra- -eren bestimmten Instrumente infiziert und infolge mangelhafter Sorgfalt nicht gereinigt gewesen seien. Dielen Beweis konnte der Kläger nicht sichren.

♦ Aus Furcht vor einer Operation hat sich der 49 Jahre alte Arbeiter Ernst Claus in Berlin er­hängt Der Mann war seit längerer Seit, ohren­leidend und sollte sich einem ärztlichen Eingriff unter- 8 e^**‘ Gegen den englischen Spion, der in Bremen verhaftet worden ist (er heißt Stewart und ist Rechtsanwalt), ist ein provisorisches Verfahren ein« geleitet worden. Anfänglich wurde gemeldet, daß der enqlijche Spion Woolfs heiße. Diese Verwechs- l-mq ist darauf zurückzuiühien, daß er derselben Londoner Rechtsanwalts. Firma angehört rote ber v-rvaitete Bertrand Stewart, nämlich der Solizttor« rtrrttu Marki'y, Stewart LCo. in Coleman Street E.C.

♦ Rattenplage. Von einer in erschreckendem Maße zunehmenden Rattenplage sind bas Dorf Bötzow bei Velten und dessen Nachbarortschaften bedroht Bei Bötzow befinden sich die sogen. Muberge, auf denen ein großer Tell der Berliner Müllabsalle ge- schüttet, sortiert und zum Teil verarbeitet wird. Die feit etlichen Jahren von einer Berliner Privatgesell- schaft ausgeführten Schüttungen hoben fast Keine Ge­birge erstehen lassen und auf diesen findet alles Un­geziefer die müheloseste und ausgiebigste Nahrung, He Ratten derart, daß sie fast vor Versettung platzen. Jetzt kann man des Nachts ganze Heere — banmter Exemplare v»n Kaninchengröße — über die Bahn­dämme „wandern" sehen.

der Rückfahrt von DamaSftts auffällt durch den Ge­gensatz der vorher durchfahrenen, ziemlich rauhen Gegend.

Mtt 1487 Metern hat die Bahn zwischen den Tun­neln von Mudtzridsch und Baidar ihren höchsten Punft erreicht und fährt bann abwärts zunächst bis Zahle, einem gewerbreichen Städtchen von 15 000 Einwoh­nern, das vor etwa 50 Jahren von den Dmsen gele­gentlich eines UeberfallS hart mitgenommen wurde. An diesem Sitze eines griechisch-katholischen Bischofs befinden sich noch viele Kirchen, u. a. auch ein Kliffter und eine Kirche der Jesuiten. Auch die Britisch--stz- ricn-Mission hat hier eine Niederlassung. Von bte- sein Orte kann der höchste Berg des Libanon der Som- nin (ca. 3000 Meter) leicht bestiegen werden. Wie das oben erwähnte Besas das Schilda des Libanon, so ist Zahle sein Monte Carlo, wo die Egypter haupt­sächlich in der Hochsaffon dem Spielteufel huldigen. In dieser Gegmd fft man vor wilden Tieren, Schaka­len, Wölfen, Hyänen im Winter oft nicht sicher. Noch vor 3 Jahren wurde ein junger Mann zu Pferde von Wölfen angegriffen. Er fiel vom Pferde, das Reiß- ans nahm. Nachdem et drei Wölfe niedergestt^kt, wurde er von den übrigen überfallen und förmlich verschlungen. Schon lange vor Zahle eröffnet sich dem von Beirut kommmden Touristen eine herrlich« Aussicht auf die große Talhochebene, die Bikä, d Y. Niederung, welche den Libanon vom Antilibanon schet- det und vom Nähr el-Litani (Leonies) durchströmt wird und schon im Altertum wegen ihrer Fruchtoar- kcit berühmt war. Es ist hier das alte Coelesyrien zu suchen Seine Ebene soll nach Ansicht der Geolo­gen in der Tertiärzeit durch Einbruch erchtanden sem Zwei Horste, dec Dschebel esch Schertt d. h- Atl-ches Gebirge (Antllibanon) und der Tfchebel cl-Eharbi, d h/westtiches Gebirge (Libanon) blieben stehe Neuerdings herrscht große Regsamkeit in dt^ec Le­gend Besonders Weizen und Wein wt^'recken zogen. Die Jesuitemnisfion hat hier. die

Landes erworben und cmgebaut. ?lu' "e große Seidenzucht, die überhaupt im Liban y n »ahrl Rolle spielt. Von nun an ist bei der

und mit ihm die ganze Betllerschaar die zu beiden Setten teils eine germime Sttecke nntlaust, teil» 1>ch auf die Trittbretter stellt und sogar die Türen öffnet, um noch einen Bakschisch zu erhaschen. Die im Jahre 1895 eröffnete Bahn der Soci6t6 otomane des chemins de fer ist eine soziale Tat, mehr als ,ede andere Bahn. Täglich wird vormittags in jeher Richtung (Beirut Hafen ab 7.20, Daniaskus-Beramke ab 7.30 ein Zug geführt. Die Fahrzeit beträgt neun. ;u.„ ,

Stunden. Schon oft hatte ich Schilderungen gehört - kleinen Hänschen besetzt Em Teil derselben ist mit - - - — - ' 'r roten Ziegelsteinen bedeckt, und diese heben sich deut­

lich im Sonnenglanz von den platten Dächern der andern:a6. „Die mtt roten Ziegelsteinen gekrönten", sagte Mir auf meine Frage ein Mitreisender, „sind ein Zeichen der Wohlhabenheit, ja des Reichtums und sind olle von noblen Libanesm erbaut, die nach Ame­rika ausgewandert sind und nach 6—10 Jahren ober gar nach längerer Zeit als „reiche Leute" in ihre Heimat zurückkehren. Mehrmals konnte ich auf mei­ner Libanonfahrt die Beobachttmg machen, daß drei oder mehr Manner, von Amerika kommend, von der oanzen Sippe an den Bahnhöfen begrüßt wurden und mit Kisten und fein bemalten Koffern wie im Tri­umphe zu ihren heimaüichen Penaten zurückkchrten. stln einer Station hatte sogar der Zug ungewöhnlich langen Aufenthalt, veranlaßt durch das Ausladen des Gepäcks von drei sogenannten „Amerikanern". Der Libanon gilt als außerordentlich fruchtbar. Von der Bahn aus, besonders bei der großen Bahnschleife von AreijL hat man einen sehr schönen Ausblick auf die Küste und das gut kultivierte WLdi Schahrar mit seinen Pinien und Oelbäumen. In Aleih, das wir nun erreichen, befinden wir uns schon 750 Meter über dem MeereSspiegck. Es ist ein Ort von 2500 Ein­wohnern mit vielen Villen und einer Jesuitenschule. In dem eben erwähnten Wüdt Schahrar liegt das Dorf Besas, das Schilda des Libanon. Don Meih führt uns das Dampfroß weiter über Stzfae, das als Luftkurort gewisse Bedeutung erlangt hat, an dem schneebedeckten Dschebel Keneise (2030 Meter) vorbei. Links von der Strecke erfreut unser Auge das immer­grüne Wädt HammLma, dessen Pracht besonder, bei

MosaikbttVer a«s dem Orient.

Reiseftizzen von Dr. Jos. Lammeyer, Beirut

L Eine Maienfahrt nach DumaSkus.

Herrlich glänzt die Sonne am Himnul und sendet ihre segenspendenden Strahlen aus die Gestlde herab. Mit dem Zuge, der um 7.20 Uhr morgens den Ha en der alten phönözianisrhen Stadt Beirut verlaßt, treten wir unsere Fahrt an. Doch wir haben unser Coupe Noch nicht erreicht. Ein ernster Kampf beginnt., Du- jenbe von Syrern belagern die Droschke und stutzen ich auf das Gepäck, mn durch einen Handgriff, den ie dem Reisenden anbieten, ihren Bakschisch za per- jieneit. Vor allem heißt es auspassen, damtt nichts abhanden kommt. Kaum befinden wir uns im Wa- 'gen so beginnt -eine andere Tortur für den Reijenden. Von beiden Seiten öffnen sich die eben geschlossenen Türen und fttchlenförmig strecken sich einem die Hände der Bettler entgegen, schmutzige Kinder, ver- krüppelte Männer, abgehärmte Frauen, sie alle kennen nur ein Work, das die hingehaltene Hand begleitet, — Bakschisch. Ich hatte früher schon viel,von dieser Äeflogenheft der Orientalen gehört, doch diesen inten­siven, geschäftsmäßigen Betrieb ber Bettelei en gros und en detail, der in der Türkei herrscht, hatte ich Mir nicht geträumt, ist es mit doch begegnet, daß e Keine Kinder, die kaum gehen und sprechen en, im Chore unisono in allen möglichen Variationen des Tonfalls das Wort „Bakschisch" 20—30 Mal mit ausgestreckten Aermchen wiederholten. Und als ich — es war gerade Sonntag — die La- i,aristenftrche in Damaskus besuchte, war mein Er- taunen nicht gertng, als zwei Patent gekleidete, jeden- älls den bejserm Ständen angehörende Jungens von 8—10 Jahren geradewegs miss mich und andere Frenide zuliefen und in französischer Sprache um einen Bakschisch baten. Von dieser Landplage, so dachte ich, werden wir wohl jetzt befreit werden. Denn die Zeit zum Abfahren war gekommen. Doch wie öfters hatten wir auch diesmal eine halbe Stunde Verspätung. Endlich seift sich bet Zug in Bewegung