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Zuldaer W Zeitung
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«Station,druckund Verlag der Zuldaer Lk. tiendruSerei tn Zulda Zernsprecher Nr. 9.
Fulda, Montag den 14. August 13\1
38. Jahrgang.
Erstes Blatt
weder dem Kaiser noch dem Herrn v. Bethmann Holl- weg verziehen, daß man eine blocklose, über den Parteien stehende Regierung zu bilden wagte. Dieser Stimmung und der zugehörigen Taktik entsprach es leider nur zu gut, wenn man jetzt da» „persönliche Regiment" als Urheber einer hochpolitischen Schlappe hinstellen zu können glaubte.
Die Regierung hat tn dieses Ränkespiel erst eingegriffen, al» der brutale Artikel in der »Post" erschienen war, und hat sich auch bisher immer nur mit dieser Einzelleistung befaßt. Es scheint fast, als ob Herr v. Bechmann die Gefühle der Nationalliberalen auch da, wo sie es gar nicht verdienen, auf das sorgfältigste und mit der größten Ausdauer scho- nen will. So müssen wir un8 denn vorläufig mit der Polemik gegen die .Post" allein Begnügen und mit der heutigen Feststellung, daß unsere auswärtige Politik durchaus keinen »schwachen Punkt in irgend welcher Unentschloffenheit an höchster Stelle" aufweise.
Wamm man diese Erklärung nicht schon zu An- fang des Monats veröffentlicht hat und warum man der verwirrenden und vergtstendm Legende von der unbedingten Friedmssehnsucht des Monarchen nicht sofort bei ihrem Austauchen den Kopf zertreten hat, ist für den beschränkten Untertanenstand noch em Rätsel. Vielleicht wird eS tn der nächsten Tagung de- Reichstage» gelöst.
AM- Wege« des Feiertags Maria Himmelfahrt wird die nächste Rvmmer der ,Ful- daer Zeitung' erst am Mittwoch ausgegeben.
Ausland.
** Das Ende des Berfassungskampfes in England.
Der seit dem Sturz des konservativen Ministeriums Balfour im Jahre 1905 andauernde Kampf gegen das Vetorecht der LordS hat fein Ende gesunden. Wie schon gemeldet wurde, hat da» Oberhaus daS ogen. Vetogesetz angenommen. Die Uebermacht deS Interhauses ist für absehbare Zett festgelegt.
DaS Oberhaus in England ist eine erbliche Kammer, und sie hatte das Recht, alle Befchlüsie des Unterhauses, die ihr nicht gefielen, durch einen Feder- trich für null und nichtig zu erklären. Diesem Zu- tande ist jetzt ein Ende gemacht. Das Verogesetz bringt die Aufhebung des Einspruchrechtes des Oberhauses in bezug auf alle vom Unterhause angenommen nen Gesetzentwürfe.
Die entscheidende Abstimmung im Oberhaus hat der Regierung 17 Stimmen Mehrheit gebracht. Die Zahl der Stimmenthaltungen betrug 300. Eine starke Gruppe Konservativer hatte sogar für die Regierung gestimmt. So haben Besonnenheit und klares Abwägen der Sachlage ben Sieg über die Unversöhnlichkeiten davongetragen. Noch in letzter Stunde hat die Regierung von neuem ihre feste Uebereinstirnmung mit der Krone und chren Willen, 400 oder 500 neuer Peers zu ernennen, betont, soviel als ihrer eben zur Niederstimmung jedes konservativen Widerstande» nötig sein sollten. Das war vielen der Unversöhnlichen nicht der letzte Ansporn zur Uebergabe.
Die vordem so große Macht des Oberhauses ist gebrochen. Alle Entscheidungen im gesetzgebenden Bettieb liegen fortan in letzter Linie nur beim Unterhaus. Damit ist in der Demokratisierung der VolkS- verttetung ein noch gar nicht abzusehender Schritt weiter getan. Ruhige Zeiten stehen indes der Regierung und ihrer Gefolgschaft von Liberalm, Jrm und Ribeitem trotz dieses Sieges noch lange nicht bevor. Sie hat Versprechungm einzulösm. Redmonds, deS Iren, Gefolgschaft muß bezahlt werden. Ein neuer Kampf, an dem daS Schicksal der Regierung hängt, bat zu beginnen: der Kampf um daS irische Home Rule.
** Meuterei in Toulon. Die in dem FestmigSgesängniS von Lamalgue untergebrachten Militärstrafgefangenen haben versucht, sich zu empören. Sie sangen die »Internationale" und verübten Angriffe auf ihre Wächter, von denen mehrere verletzt wurden. Erst einer herbeige- rusenen Kompagnie des 10. Artillerie Regiments gelang es, die Ordnung wieder herzustellen.
** Der Hofstaat der portugiesischen Königin-Witwe Maria Pia in Copodimonte, die vor einigen Wochen starb, ist nunmehr ausgelöst worden. Die fast armselig zu nennenden Verhältnisse der verschwenderischen, einst so reichen Königin find bei diesem Anlaß grell zutage getreten. Ihr erster Kammerherr, Leutnant Zupulveda, ein früherer Adjutant König Manuels, ist Leiter des Theaters San Carlo in Neapel geworden. Er ist vollkommen mittellos und muß sich und seine Familie von dem kleinen Gehalt eines Theateringenieurs ernähren. Die Hofdame Marquife Bellas ist nack Liffadon zurückgekehrt. General Pinto bleibt in Neapel und sehnt seinen baldigen Tod herbei, da seine geringen Mittel bald zu Ende find. Der Herzog von Oporto endlich ist als Gast König Manuels nach England gegangen. Sein ganzes Vermögen beläuft sich auf 50000 Lire, die er für ein altes Gemälde aus einem seiner portugiefischen Schlösser erhalten hat.
% Revolutionäre Unruhen in Spanien. Nachrichten zufolge, die über Paris kommen, weiß man nicht recht, wa» in Barcelona vorgeht, da infolge der kürzlich wieder in Kraft getretenen strengen spanischen Zensur für Preßtelegramme alle unmittelbaren Nachrichten von dort fehlen. Tatsache ist jedenfalls, daß die in Cadiz vollzogene Hinrichtung des Mat
herzog von Mecklenburg-Strelitz eine wohlverdiente Zurückweisung ihrer anmaßenden Ansprüche zugezogm. Eine Abordnung bet Ritterschaft beiber Großherzogtümer war beauftragt, ihm die auf dem Allgemeinen Ritterschastlichen Konvent in Rostock am 13. Juli in bezug auf die Reform der Lanbesverfas- üng angenommene Resolution zu unterbreiten. Es wirb barm u. a. Ausschluß allgemeiner Wahlen und bas Recht verlangt, baß der Widerspruch einer der drei Gruppen der Landesversammlung zur Wlehnung gesetzgeberischer Bestimmungen genügt. Am 31. Juli waren diese eher zur Verhütung als zur Förderung einer Verfassungsreform geeigneten Vorschläge in Rostock zunächst dem Großherzog von Mecklenburg-Schwerin unterbreitet worden. Der wies die Resolution der Rttterschast zwar zurück, kleidete jedoch seinen ab- toeifenben Standpunkt tn eine scheinbar entgegenkommende Form. Nicht so fteunblich wie in Rostock war am SamStag in Neustrelitz bet Empfang bet Abordnung der Ritterschaft durch den Großherzog Adolf Friedrich. Dieser erwiderte, er kenne die Resolution schon, sie erfülle ihn, zumal sie als ein »Opfer" der Ritterschaft gelten solle, mit Betrübnis und aufrichtiger Sorge, und er könne sie „als eine geeignete Grundlage für weitere Verhandlungen übet die Verfaffungsreform nicht ansehen." Damit können die Vorschläge bet Ritterschaft als erledigt angesehen werden. Der Empfang in Neustrelitz wird bet Ritterschaft um so peinlicher sein, als ihr vorn Großherzog mtt bürten Worten erklärt worden ist, daß ihr angeblicher Reformelfer das Ziel verfolgt, die Machtbefugnisse des Herrschers zugunsten der Ritterschaft zu beschränken.
*♦ Cronberg, 13. Aug. 1911. Der Kaiser nahm gestern in Homburg v. d. H. an der Enthüllung der Gedenktafel zur Erinnerung an König Eduard VII. von England in der englischen Kirche teil und besuchte dann die Saalburg. Heute wohnte er in Homburg dem Gottesdienst in bet Erlöserkirche bei. Die Abreise des Kaisers ist auf Montag nachmittag 2 Uhr 25 Minuten festgesetzt.
b. Düsseldorf, 12. Aug. 1911. Die Zen- trumssrauenorganisation in Düsseldorf macht große Fortschritte. Sie zählt schon mehr Mitglieder wie die dortige sozialdemokratische Frauen organisation. Man plant, die Düsseldorfer Organisation auszubauen und eine Propaganda für sie über ganz Deutschland zu machen.
* Konstanz, 13. Aug. 1911. Der Reichßtagk- abg. Geh. Finanzrat Friedrich Hua ist heute früh im Alter von 72 Jahren gestorben. Hng vertrat seit 1890 den badischen Reichstagswahlkreis Konsfanz-Ueberlingen-Stockach als Zentrums- abgeordneter. Er gehörte dem badischen Land- tag von 1873 bi» 1875 und später wieder von 1889 bis 1903 an.
Reichstagswahlvorbereitungen.
X Kassel, 14. August 1911. Ein Wahlab- kommen zwischen der Wirtschaftlichen Vereinigung des Kreises Kaffel-Melsungen und den Liberalen des Kreises Eschwege-Schmoltaldm gegen die Sozialdemokratie war in Aussicht genommen, scheiterte jedoch an der Haltung deS Kandidaten der Fortschrittlichen Volkspartei für Eschtvege-Schmalkalden, Dr. Wilh. Oht, der voller S'egeSzuvecsicht seine Wahl für sicher hält. Vie wahrscheinlicher wird durch die Haltung der Fori- ichrittl'.chen der Sieg der Sozialdemokraten in beiden Wahlkreisen, in denen sie bei der letzten Wahl schon in der Stichwahl standen. Auf ein Zuschanzen dieser beiden Kreise, die jetzt Besitz der Wirtschaft- licken Vereinigung sind, an die Sozialdemokratie läuft die Haltung der Liberalen zweifellos hinaus.
Deutsches Reich.
*, Berlin, 13. Aug. 1911. Prinz Heinrich von Preußen hat sich bei dem letzten Auto- mobflunfall einen kleinen Bluterguß am rechten Knie zugezvgen, weshalb er sich noch einige Tage Schonung auferlegen muß. — Im Handels- Ministerium wird ein Gesetzentwurf vorbereitet, der die Uebertragung des Rechts der Gewinnung von Steinkohle durch Privatpersonen regeln soll.
♦ Sicherheitsmaßnahme« zugunsten der Auiomobt- liste«. DaS Kultusministerium hat auf Ersuchen automobllifiischer Bereinigungen ein Rundschreiben an sämtliche Regierungen ergehen lasten, in dem die zuständigenKreiSschulinfpektionkn ausgefordert werden, für die" Sicherheit der Automobilisten gegen den Heberin ui von Schulkindern durch strikte Verbote jeder Ungehörigkeit Sorge »u tragen.
-f- Einst und jetzt. Bei der ersten Beratung des @tal8 im Reichstage führte der Führer der freisinnigen Volkspartei, der jetzigen Fortschrittlichen VolkSpartei, Abg. Wirmer, am 25. Febr. 1907 folgendes aus:
»Wir sind als ForischritUmänner immer Gegner der Sozialdemokratie gewesen und werden eS auch bleiben, solange die Partei sich nicht von Grund aus ändert.... Unsere Gegnerschaft gegen- über der Sozialdemokratie beruht in der Meinungsverschiedenheit über da» Endziel der Partei und die marxistische Grundrichtung der Sozialdemokratie, sie beruht in der Anschauung über den Klassenc.rmps und feine zersetzende Wirkung, wie er von der Sozialdemokratie gepredigt wird, die unserer Ansicht, daß 'Arbeitgeber und Arbeiter gemeinsam arbeiten sollen, direkt entgegenläust. Unsere Gegaerfchast beruht auf den Erfahrungen, Die wir aus der Agitation der Sozialdemv- tratie geschöpft haben, auf dem Terrorismus uno der Zügellosigkeit ihres AustreterS . . in per Erteniitins, daß die sozialdemokratische Partei, wie sie heute ist und heute geführt wird, dem Staat und seinen Ei!irichlu>.>- gen, die wir erhalten wollen, feindlich ist, auch feindlich ist liberalem Wesen und den Bestrebungen, die wir verfolgen." (Lebh. Bravo! links.)
Ob Herr Dr. Wirmer bei der nächsten Etatsberatung im Reichstage wohl ähnliche Ausführungen machen wird?
♦* Zur mecklenburgischen Verfassungsfrage. Die mecklenburgische Ritterschafi hat sich durch den Groß-
, Eine offiziöse Verteidigung des Kaisers.
Die „Nordd. Allg. Zeitung/' schreibt in ihrer SamStagsnummer:
E§ war ein Rückfall in eine für überwunden ge- hnUtne Sble Gewohnheit, daß in einem Teil der deutschen Presse, der sich für besonders patriotisch hält, olme Grund die Person Seiner Majestät ces Kaisers in einen politischen TageSstreit gezerrt worden ist Der Appell von der deutschen Negieruugs- Politik an eine angeblich abweichende persönliche Politik des Monarchen, wurde zuerst in der ausländischen Presse laut. Unsere nationalen Blätter konnten diesen kläglichen Versuch, den Kaiser gegen seine Berater anSzuspielen, mit Verachtung strafen ober ernit zurückweisen. Unerhört aber war, daß eine unter bet Flagge einer monarchistischen Partei segelnde Heilung, gestützt auf ausländische Tendenzmärchen, daS Signal zu einer neuen Kaiserhetze gab. Der Streich ist mißlungen. Die deutsche Presse, auch die Blätter alldeutscher Richtung, haben es abgelehnt, in diese verleumderische Tonart gegen das Oberhaupt des Reiche» einzustimmen. — Der antimonarchische Hetzartikel versündigte sich nicht bloß in der Form, sondern ist in der Sache grundfalsch und tut dem Kaiser bitter Unrecht. Er fördert eine Legendenbildung, die wir zerstören müssen. Die „Post" hat in einer späteren Auslassung noch wieder von .einem kalten Sturzbad von @roinemünbe" geredet, worunter sie die Ausübung eines kaiserlichen Druckes auf den Reichskanzler und das Auswärtige Amt int Sinne ausländischer Wünsche versteht. Das ist abermals ein Nichtsnutziger Unfug. Die Durchführung unserer Politik erfordert, rücksichtslos mit den Unwahrheiten auszuräumen, diese Politik weise in irgendwelcher Un- Mlichkossenheit an höchster Stelle einen schwachen Punkt a«f, mit dem das Ausland rechnen könne.
Die Abkanzelung ber „Post' ist scharf, aber ver- bient. Was die Formen angeht, war ber schon mehrfach erwähnte antimonarchische Hetzartikel ber „Post" in der Tat der Gipfel bet Rücksichtslosigkeit unb Bosheit. Aber in der Sache selbst staub bie „Post" keineswegs allein unb hatte auch nicht ben Vortritt. Die Führug hatte vielmehr bie „Nati o n alz e i- tun g" mit ihrer sensationellen Meldung, baß ber Staatssekretär v. Kiberlen-Wächter auf bem Sprunge stehe, seinen Abschied zu nehmen, well er die Verantwortlichkeit für die von oben her geforderte Nachgiebigkeit nicht tragen wolle. Dieser Artikel der „Rattonoheitung" mürbe sofort in alle Welt telegraphiert unb bildete das Entzücken jener Ausländer, die bereits längere Zeit bie Legenbe von ber unbedingten Friedensliebe des Monarchen unb von bem entsprechenden Eingreifen tn Swinmünde ausgebeutet hatten.
Die Offiziösen haben von 3-üifang an bas Vorgehen ber .Ratinaolztg." unbeachtet gelassen. Wir aber legen Wert auf die Feststellung, daß bie Wurzel bieses Angriffes auf nationalliberalem Boben zu finden ist.
Dir „neue Kaiserhetze", wie die Offiziösen bas frevelhafte Unternehmen zutreffend nennen, erinnert an ole sog. Rovemberirists vom Jahre 1908. Damals lag die ©thulb an dem AergerniS, das durch die Veröffentlichung des „Daily Telegraph" herbeigeführt mürbe, Dom Fürsten Bülow unb seinem AnttS- gchttfen, die baS ihnen vom Hofe übersandte Manuskript für druckreif erklärten, ohne eS richtig geprüft zu haben. In jener Zeit der Allmacht des Block- kauzlers unb der Blocknehrheit wurde über dir Erörterung in ber Presse und im Parlament so gedreht, baß bet Schatten auf bie Person des Kaisers fiel, und bet Monarch ivittbe zu dem bekannten Versprechen ber Zurückhaltung veranlaßt. Die Blockpolitik, die damals sogar an bem Throne ihre Macht erprobt zu hoben schien, ist ein halbes Jahr später doch in bie Sfcüaje gegangen. Die liberalen Blockhelden haben es aber
Schloß Sonneck.
161 Roman von Felix Rabat.
Hilde fühlte den Stachel unb zuckte zusammen.
..Danke! . . . Gute Rachii" Schwerfällig ging Sonn«! durch das Zimmer. An der Türe wandte er sich um. .Gute Nacht, Hilde! . . Es war ein trauriger, trostloser Blick, den er der Tochter zu- toerf.
Hilde flog ihm an ben Hals. »Lieber, lieber jPapa . . . soll ich foit tiidjt ein Stündchen Vorleser.«"
Frau Elga erhob sich und fteflte sich in drohender Haltung vor die beiben hin. „Das werbe tn Zukunft ich selber tun", sagte sie mit zornbebender Stimme. „Niemand soll sich zwischen miä unb meinen Gatten drangen "
' Hilde erbebte, mochte sich von ihrem Vater los und wankte aus dein Zimmer. Sie wußte nun, baß sie Überflüssig geworben war.
Sie fand keinen Schlaf in dieser Nacht und weinte heiße Tränen. Am anbern Morgen lief Elga scheltend durch das Schloß unb bie Dienstboten konnten Wt nichts recht machen. Herr v. Sonneck verließ fein Zmrmer nicht und Hilde saß am Fenster und blickte Mit bvmnenden Augen in den grauen Herbsttag bln- m Gegen Mittag trat ihre Mitter bei ihr ein. Sfc toai kalt unb feindselig „Ihr habt ein Geheim-
°^mir, sagte sie, »unb ich als Hausfrau habe tM Recht, es zu kennen. Aus beinern Vater ist nichts h«wrszubrmE., von dir aber verlange ich, daß du redest.
„ES war Geheimnis," sagte Hilde ruhig wirb aber halb keine« mehr fein Du sollst es wissen:" Viktor hat im Spiel verloren und tarnt nicht bezahlen Er wirb nichts mideres übrig bleiben, als daß et aus dem Offizierskorps austritt —"
»Diese Schande!" rief Elga. „Das habt ihr nun ton eurem Liebling . . . kVe groß ist bie Summe?" V „Zwanzigtaufenb —"
„So viel? . . . Was hat aber mein Mann mit ber Sache zu tun? Das ist doch Viktors Angelegen- heit!"
„Wie du nur redest!" sagte Hilde entrüstet. „Viktor hat doch nicht so viel Gelb. Da wollte Papa für ihn einspringen, aber — er hat das Geld nirgends be- fonunen."
Elga fuhr zornig auf. »Was- Sonneck will diese Summen bezahlen? DaS darf nicht fein t>a8 werde ich nicht dulden. Denkt et denn gar nicht an mich?
Viktor soll sehen, wie et ferne Schulden bezaUt! Was geht das unS an?"
„Aber, Mama - es ist eine Ehrenschuld, bie unbedingt bezahlt werden muß. Unser Name, unsere Ehre stehen auf dem Spiele."
„Was geht mich die Ehre an! . . _
„Unsere Begriffe von Ehre sind allerdings anbers als die deinen, Mama. Die Summe muß bezahlt werden." L , n,
Elaa sank auf einen Sessel und starr.e vor stch hin. „Das macht uns arm," seufzte sie - „und arm will ich nicht leben, lieber sterben. Viktor turnten uns
• Eine Flut von Schmähungen ergoß sich über den jungen Offizier. Daß sie selber durch ihre ®er- schwendungssucht ben Grunb jum Rum de. Hauses gelegt hatte, daran dachte sie m ihrem Zorn und ihrem Egoismus nicht.
Als die Schale ihre? Zorne» geteert und sie ruhiger geworden wat, fagte sie: „Warum bezahlst du denn bie Summe nicht, wenn du doch eine so besorgte Schwester bsst?"
„Ich?" rief Hilde. „Woher sollte denn ich so viel Gelb nehmen?"
»O — du brauchst ja nur ein Wort zu sprechen — unb bu kannst haben, so viel bu willst. Weißenhofen ist reich — sage Jal und werde sein Weib."
Hilde schlug die Hände vor das Gesicht. „Quäle mich nicht," bat sie. »Ich kann nicht."
»Du bist töricht, wenn bu dein Glück verscherzest," rief Elga. „Unb unbarifbat. Du mußt »Ja" sagen, da» bist bu un» schulbtg. Dar ist betne Pflicht —*
»Nein, nein — ich kann nicht", stöhnte Hilbe,"
Elga trat dicht an sie heran. „Und wamm nicht?" zischte sie unb riß Hildes Hände weg. „Sieh mir ins Auge — wamm willst bu Weißenhofen nicht zum Manne? Er ist von Abel, vornehm, reich — ein glänzendes Leben erwartet dich —" ihre Blicke waren lauernd wie bie einer Katze. Warum sträubte sich bas junge Mäbchen so sehr gegen biefe Heirat? War eS bloße Abneigung ober hatte sie einen tieferen Grund? Ein plötzlicher Verdacht stieg in ihr auf und der Haß schärfte ihre Augen. Hildes Unruhe und die Flammenröte, bie ihre Wangen bedeckte, fielen ihr auf. Sie ahnte ihr Geheimnis unb wollte es ihr ent« reißen.
„Wenn man arm ist," sagte sie, „barf man nicht wählerisch fein. Es bleibt bir fomit nichts anderes übrig, als Weißenhofen zu heiraten und uns alle von Not und Armut zu retten. Du wirst sofort an ben Baron schreiben unb ihm dein Jawort geben. Ich befehle es bir!"
Hilbe sprang auf, ihre Augen blitzten. Die schlanke, stolze Gestalt richtete sich brohend empor. „Dazu hast bu kein Recht!" rief sie. „Nie hast bu mir Liebe gegeben, nie war ich bein Kind, sondern eine Fremde. Ich werde daher deinem Befehle auch nicht Folge leisten, am wenigsten in einer Frage, bie mein Lebensglück betrifft. Ich lasse mick nicht verschachern wie eine Ware —'*
Elga von Sonneck war durch diesen hartnäckigen Widerstand aufs heftigste gereizt; sie vermochte sich nicht länger mehr zu beherrschen. „Du trotzest mir also?" rief sie in ben höchsten Tönen. „Du wiber- setzest dich, Nun gut — so werbe ich dich zwingen."
Hilde lächelte unwillkürlich. „Du?" sagte sie. „Ich möchte doch schm, wie bu bas anfängst."
ElnaS zierliche Gestalt streckte stch wie bie einer Katze, ihre Worte sausten wie Peitschenhiebe aus Hildes Haupt nieder, als sie mit leiser, zlschmber Stimme rief: „Indern ich dein Geheimnis preiSgebe: bu nebst einen anbern 1 . . .
Hilbe erblaßte, alles Blut strömte jäh zum Herzen. »Daraus gebe ich keine Antwort," sagte sie. Unb stolz
wie eine Königin, bie ihr Heiligstes beschmutzt fleht, verließ sie ba8 Zimmer.
Elga lachte hinter ihr bteln unb warf sich in einen Sessel. Eine stolze Freube schwellte ihr bie Brust; endlich einmal ein Sieg!
Sie blickte sich in bem Zimmer um. Ihr Blick fiel auf ein Bild, das in breitem Goldrahmen über dem Schreibtisch hing. Es sichte eine schöne Dame dar In blondem Haar unb mit blauen, seelenvollen Augen — Hildes Mutter!
Wie sie bas Bilb unb bie tote Frau haßte! Ihr schien es, als gehe ber Geist derselben immer noch im Schlosse um. Sonneck unb Hilbe sprachen ost von bet Toten ihre Worte erweckten in ihnen bie Erinnerung an schöne, glückliche Zeiten ... Sie ballte bie kleinen Fäuste. »Ich werbe bich unb betne Tochter vertret- len aus biesem Schlosse," knirsch« sie.
Ihr Blick fiel auf ben Schreibtisch Hildes. Der Aufsatz besaß zwei Türchen, von denen eines halb offen stand.
Neugierig beugte Frau v. Sonneck sich vor. Was mochten dort für Geheimnisse schlummern? Sie öffnete das Türchen, fand Bücher unb billigen Schmuck — unb bann stieß sie einen Jubelschrei aus.
Ganz hinten an der Rückwand stand tn zierlichem Bronzerahmen eine Photographie; das Bild (teilte einen jungen schönen Mann bat, mit hellen, fröhlichen Augen, hübschem Schnurrbart unb schmalem, vornehmem Gesicht. _ „ .r,
Elga griff hastig nach dem Reibe. „Das also ist des Räts-ls Lösung", sagte sie. „Hilbe liebte wirklich einen anbern!"
Ohne irgend welche Skrupel nahm sie dar Bild, schloß die Türchen und entfernte sich mit ihrer kostbaren Beute.
Hilde machte inzwischen einen Gang durch ben Pari dessen bunte Blätterpracht schon im ©ttrben lag. Das 'stimmte sie noch trauriger. Langsam schritt sie unter ben leise rauschenden Wipfeln hin, die feit zweihundert Jahren das Glück derer von Sonneck gesehm hatten. DaS Glück unb bas Leib! . . .
(Fttsehung folgt)