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M 185.

Zamrtag -ea 12. August 1-11.

58. Jahrgang.

* fuldaer K Zeitung *

2. Blatt

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Wochen-Rundschau.

[:] ftulba, 11. August 1911.

Die vergangene Wache war beherrscht von der machtvollen Kundgebung des Katholik«» t a g e S in Mainz. Die Tagung war dem großen W- zialen Bischof Wilhelm Emanuel Kettelet gewidmet, jen-m großen, weitblickenden Manne der, seiner Zeit yorauSeilend, die Anregung zu unserer großzügigen Sozialpolitik gab, der als erster sich der Bedmckten annahm, sie auf den Weg der Selosthllfe verwies und somir auch der eigentliche Anreger des sozialen Or- ganisationsgedankms wurde. Eine solche Fülle von neuen Gedanken und Anregungen wurden dort gebo­ten daß jeder, der der Versammlung beigewohnt hat, wenigstens etwas für sein späteres Leben von dort mit­nehmen konnte. Fast alle Gebiete, die uns im kirch­lichen und öffentlichen Leben interessieren: Die Schul­frage, die innere und äußere Mission, die Großstadd- seelsorge, der Kampf gegen den Umsturz usw. usw. wurden von dm hervorragendsten Rednern in wohl­durchdachten Worten der Versammlung nahe gebracht. Und eine Begeisterung, ein Jubel herrschte auf den Versammlungen, daß man ihn in Worten nicht wie- derzugebm vermag. Richt der geringste Mißklantz störte die Harmonie dec Katholiken, die nicht nur aus Dcuischland in tausendfältigm Scharm, sondern auch aus weit herbeigeeilt waren, um die Grüße ihrer Glau­bensgenossen der Generalversammlung zu überbrin- gm, um sich. Mui und Kraft für fernere Kämpfe auf dem religiös-kirchlichen Gebiete zu Holm, um ihren Glauben neu zu beleben und die herrlichen Gedankm, oie sie in der Versammlung in sich aufgmommm hat­ten, mit nach Hause zu tragen, um sie dort ihren Brü- dem mitzuteilen, die nicht das Glück hatten, an der Generalversammlung teilzunehmen. Mancher Pro­testant wird sich erbaut habm an dieser Friedms- kundgebung und aus allem unserm ehrlichen Willen zum Frieden unter den Konfessionen heraushören. Richt so die Neidsäcke, wie sie in der Sozialdemokratie, einem gewissen LiberÄismus, wie er im „Berl. Tage­blatt" seine Vertretung hat und dem Freidenker- und Frcimaurertum verkörpert sind. Doch aus all dem Spott und Hohn, mit dem sie die Tagung übergossen, klang letzten Endes nur der ohnmächtige Wutschrei heraus: So etwas können wir nicht! Hin­ter dieser Kundgebung steht etwas UebematürlicheS, Gewaltiges, Großes, steht der hl. katholische Glaube. Auch unsere Gegner, die mit verhaltener Schadenfreude darauf warteten, daß ihnen der Katholikentag das Spektakelstück einer Uneinigkeit der Katholiken zeigen würde, sahen sich bitter enttäuscht. Zwischen uns Ka­tholiken gibt es keine prinzipielle Uneinigkeit. Ent­weder man ist Katholik mit all seinen Konsequenzen, oder man ist es nicht! Was die gegnerische Presse von „Richtungen" und „Strömungen" erzählt, sind alles nur Wege, die nach Rom führen. Auch über das Vechältnis des Volksvereins zum Episkopat ist mit einer Nachdrücklichkeit, die den Neidern dieser gro­ßen katholtschm sozialm Organisation schwer auf die Nerven fallen wird, Klarheit geschaffen worden. M.- Gladbach steht weiter treu zum Episkopat und der Episkopat zu M.-Gladbach. Der Katholikentag hat wieder einmal das erhebmde Bild gezeigt, das man an dieser Tagung des gesamtm katholischen Deutsch­lands gewohnt ist: das Bild des Friedens, der Einig­keit und der Größe.

Die Marokkofrage steht immer noch im Mit­telpunkt des Interesses. Die Verhandlungen scheinm roch nicht bis zu dem Punfte angetaiigt zu sein, daß die Regierung mit einem festen Ergebnis der Beratun- gen an die Oeffentlichkeit treten kann. Es ist des­halb ganz verkehrt, wenn gerade in dem jetzigen Zeit- punkt von verschiedenen Blättern wieder in die Alärm- trompete gestoßen wird und trenn zum Ueberfluß auch gar noch gefordert wird, den Reichstag sofort .einzuberufm, damit er zu den Vechandlnngm Stel­lung nehmen könnte. Es ist noch gar nicht ausge­macht, ob es sich am Schluß der Verhandlungen Her­ausstellen wird, daß Dinge vorliegen, über die nach )er Reichsverfaffung der Reichstag Beschluß zu fassen hat. Wir können barum nur noch einmal mahnen: kuhiges Blut zu behalten und den weiteren Verlauf ier Verhandlungen abzuwarien.

Zwischen der Türkei und den aufständischen Ralsssoren ist eine Einigung erzielt worden und die llusiiändischeu, die nach Montenegro geflüchtet waren, inb zum größten Teil in ihre Heimat zurückgekehrt, beider scheinen sich die Albanesen noch nicht zu beruhi-

Konture» bi« zur Kreuzblume in Hellem Lichte erstrah. len. Run sind wir in RüdeSheim. Soweit das Luge sieht, erstrahlt alle» in festlicher Beleuchtung. Lu« tausend Keblen werden uns vom Ufer her Grüße zu. gerufen. Au» den Fenstern winkt man int», die Glo. den läuten, das Ufer erscheint mit seinen zahlreichen Lichtern wie eine Silberschlange. Alle Anhöhen, na­mentlich die Rochuskapelle senden da« bengalische Licht weit in die Nacht hinein. Von dem Technikum in Bingen sucht un« der elektrische Scheinwerfer. Jetzt hat er un« erreicht und begleitet un«. Wie mit Silber übergossen liegt unser Schiff da. Nun hebt sich der Scheinwerfer und mit ihm heben sich unsere Blicke. Er lenkt sie die Höhen hinauf und nun sehen wir oben in dunkler Nacht und doch in TageShelle die

gen, da jetzt sämtliche Albanesen bie Vergünstigung für sich beanspruchen, btt den Malifsoren gewährt wor­den sind.

In Persien kann man noch immer nicht klar sehen, wer bie Macht erhalten wird, ob der abge­lebte Exschah Mohammed M oder die verfassungs­mäßige Regierung. ®» heißt, daß Mohammed Ali nichts zu unternehmen wage, da er seiner Sache nicht ganz sicher sei. Auf der anbeten Seite tut die Regie­rung alles, um des ihr so gefährlichen Schahs habhaft zu werden. Anscheinend aber steht auch die Regie­rung bet der Bevölkerung nicht in bestem Ansehen und Kredit, beim niemand will sich den hohen Preis, den sie auf den Kops de» Exschah» ausgesetzt hat, »er­bten en.

Deutsches Reich.

** Heinrich vo« Poschivger f. Der bekannt», Bismarckforscher Heinrich Ritter von Poschinger ist in La Bollene (Seealpen) gestorben. — Heinrich vorn Poschinger war 1846 in München geboren, studiert« erst Philosophie und später Rechtswissenschaft ist München und Berlin, trat dann in die bayerisch«! Staatsverwaltung und 1876 in den Reichsdienst einj wo er anfänglich hn Reichskanzleramt, später im) ReichSamt deS Innern ständiger Hilfrarbeiter war' und zuletzt den Charakter eines Geheimen Regie^ rungsrats hatte. 1870 hatte er Bücher über Staats», und Bankwesen herausgegeben. Seine vielseitigen Bücher über Bismarck, die seinen Namen bekannt machten, erschienen erst vom Abgang deS Kanzlers ab. Der Kanzler hat die Mehrzahl bet betreffenden Manuskripte selbst geprüft und genehmigt. Nach BiSmarckS Tode schied Poschinger al8 Kaiserlicher Geheimer Regierungsrat auS dem Reichsdienst, ließ sich iu Nizza nieder und gründete dort die einzig» in Frankreich erscheinende deutsche Tageszeitung, dow .Riviera-Tageblatt".

♦* lieber 1100 Kandidaten find bis jetzt für bi» bevorstehenben Reichstagswahlen bereits aufgestellt worben. Die Sozialdemokraten haben in sämtlichen' 379 Wahlkreisen eigene Kandidaten aufgestellt. Bost ber fortschrittlichen Volkspartei stnb nach einer Zu­sammenstellung btt „D. TageSztg." bisher 190, von den Nationalliberalen 159, von ben Deutschkonserva­tiven 126, vom Zentrum 96, von ber Wirtschaftlichen Vereinigung 89, von ber Reichspartei 37, von bat Polen 15, von ben SBelfen 9, von ben Elsässern, unds Littauern je 2 unb von ben Dänen 1 Kandidat auf­gestellt worden. Dazu ist zu bemerken, daß die Kam. didaten deS deuffchm BwiernbundeS den National«’ liberalen und die der demokratischen Vereinigung dest Freisinnigen zugezählt worben sind.

Germania, wie sie am Rhein Wacht hält. E» erbraust spontan von den Schiffen und von bat Ufern da« Sieb: ES braust ein Ruf tote Donnerhall, unb bie Berge rufen da« Echo. Eine Begeisterung hier tote hort, tote ich sie selten gesehen Unb al« diese Weise verklungen, ba tottb bie Nationalhymne into­niert und e« wird mir ewig unvergeßlich sein, mit welcher Begeisterung alte OrdenSleuie in ihrem hä­renen Gewände in den Sang einstimmten. Jetzt teen- bet ba# Schiff. Unser Blick fällt auf da« HildegardiS. kloster, welche» der frühere Kommissar der Katholiken­versammlungen, Fürst Löwenstein, der jetzige Pater RaymunduS, den Benediktitterirmen, denen seine Tochter angehört, vor einigen Jahren hat bauen lassen. Da« mächtige Gebäude sendet mächtige Lichtquellen zum Abendhimmel empor. Ragend auf hohem BergeS- rücken gleicht e« in seinem Feuermeer wie ein leben- dige» Sarsum corda. Wir passieren ba» Technikum. Sein nachtdurchdrinendeS Auge ist wieber auf un­gerichtet unb erleuchtet ben Rhein und nun sehen Wir, unzählige kleine Dampfer, Motorboote unb Kähne den Rhein beleben. Ein Böllerschuß löst den anderen ab unb so geht eS nun den ganzen Rhein hin­auf. Jeder Ort biefelbe Begeisterung, jeder Ort bietet da« beste, toa« er zu bieten hat und trotzdem die reichste

58. Generalversammlung derKathv- liken Deutschlands zu Mainz.

e. Wunderbar, wie alle» an der Mainzer Katho­likenversammlung wunderbar gewesen, war di»

Festf-Hrt ।

auf dem Rhein, mit der st« am Donnerstag Abend ihren Abschluß fand. Wie ein Traum, wie ein Blick in das Märchenland erschien un» di« Fahrt. So wech­selvoll waren di« Eindrücke, die man empfing, fo zau­berhaft schön war die Beleuchtung der Rheinufer in dunkler Nacht, fo märchenhaft lag der Rhein mit feinen menfchenumwogten Ufern im matten Licht de» Man- des vor unS. Die vielen taufende von Menschen, welch« an der Fahrt teilnahmen, waren hingerissen von ihrer Schönhett und auf den Festdampfern herrschte eine gehobene Stimmung, die sich au« der fröhlichen rheini­schen Art allein nicht erklärt. Ich selbst bin Rhein- länder und habe zahlreichen Festlichkeiten an- unb auf dem Rheine beigewohnt, deren Bild unvergeßlich ist, aber ich Weitz mich von Uebertreibung frei, wenn ich fage: daß da», tea« die Feftfahrt der Katholikenver- sammluna nach Bingen bot, zu dem schönsten gehört, da« ich bis jetzt gesehen. Es war, als ob die Begeisterung, welche die voraufgegangenen Tage mit herrlichen Re­den und Kundgebungen katholffchen Lebens noch einmal die katholische Mainzer Bevölkerung unb ihre Gäste tief in der Seele ergriffen hätte, um in der Abschieds­stunde das Beste zu geben, wa» jeder geben konnte. Aus dem einen Festfchiff, wa« ursprünglich in Aussicht genommen war, waren 5 stolze Dampfer geworben, denen sich eine Flottille kleinerer Dampfer zugesellte, und alle diese Dampfer waren mtt Menschen dicht be- setzt. Schon lange vor der festgesetzten AbfahttSzeit waren die Landungsbrücken von einer bieltauseitd- köpfigen Menge besetzt. Da leider seitens der Polizei nicht di« nötigen AbsperrungSmatzregeln getroffen waren, entstand zeitweife ein folcheS Gedränge, daß nicht nur allein Damen, fondern auch Herren Stufe laut werden liehen. Al» die Fahrt beginnt, die Menge, welche die Ufer befetzt hält, mit Ta- fchenttlchern den Teilnehmern an der Festfahrt ihren Grutz. Taschentücher werden geschwenkt in den Fen- stern der Häuser, Taschentücher winken un» von den Dächern. Am Rheinufer werden Böllerschüsse au», gelöst und mit dröhnendem Munde antworten unsere Dampfer. Erst geht e» bi« zur Eifenbahnbrücke rhein- aufwärtS, dann drehen bie Dampfer auf unb nun geht es rheinabwärt«. Golben liegt bei Sonnenglanz auf der Feststadt, deren Konturen sich scharf vom Himmel abheben, deren stolze Türme unb Zinnen mit Fahnen geschmückt sind. Auf beiden Seiten de» Ufers bilden ungeheure Menschenmengen Spalier. Wir kommen bald nach Biebrich. Auch hier find die Ufer dicht besetzt, auch hier erdröhnen die Böller, auch hier jubelt uns die Menschenmenge zu. Herzlich wird der Grutz vom Schiff auS erwidert unb fo wiederholt sich das Bild an jedem Ort. Bald fängt e« an zu dämmern. Hebet den Scheitel be» Gebirge», dem wir un» nähern, flutet das Licht der scheidenden Sonne unb taucht in bie Fluten de- Rheines. DaS Gebirge liegt vor un» unvergleichlich schön. Unten die Nebel der Dämme- rung und auf ihren Höhen der Gaum de» Sonnen- goldes. Zahlreiche kleine Dampfer und Motor- boote stoßen von den Ufern ab und nahen sich un«, um den Grutz der katholifchen Bevölkerung zu entbieten. Bald begegnen un» ftolge Dampfer, die «ine festlich gekleidete Menge imS von Bingen entgegenbringen, die dem Katholikenttm auf feiner Fahrt da« Ehrenge- leite geben wollen. Auf allen Dampfern erklingt bald erhaben, bald hetter die Wesse der Musik, sie wird ab- gelöst durch geistliche unb nationale Lieder. Nun dunkelt es. Da erstrahlen an den Ufern unzähliche bengalifche Flammen. Von den Höhen winken Freudenfeuer. Die Fassaden der Häuser er- sttahlen tu magischer Beleuchtung, ihre Fen- stet find illuminiert Alle» wetteifert mitein- ander, um sich an Glanz unb Schönheit zu übertreffen und die alles überragenden Türme bet Kirchen wollen nicht zutückbleiben und lassen ihre schlanken

p Eine große Stubentenversammlung, einberufen von den akademischen BlmifatiuSvereinen, fand DienS- ag vormittag im großen Saale der „Liedertafel" statt. Die Hauptredner waren Prof. Dr. Meyer« (Luxem- bürg) unb OberlanbeSgericht«rat Marx (Düsseldorf). Prof. Dr. MeyerS idealgestimmte und mächtig wir- kende Rebe gipfelte in folgenden Kerugedanken: „Die Zukunftsforderungen, die an die deutsche Studenten­schaft gestellt werden, find L da» treue Festhalten an den religiösen Gedanken und dem religiösen Leben. Mit ihm werben die katholischen Berbänbe stehen oder fallen. In der Religion find auch alle anderen Lebens- kräfte enthalten. 2. Diese Lebenskräfte sind wesent- lich die naturgemäße und starke Entwicklung der Per­sönlichkeit, die Liebe zur Arbeit, die Begeisterung und die vernünftige Liebe zur Freiheit. 3. AuS diesen For­derungen ergibt sich von selbst die begeisterte Teilnahme der Jugend an allem geistigen, moralischen und sozia» len Fortschritt der Gegenwart." OberlandeSgerichts- rat Marx (Düsseldorf) führte auS, daß ber katholische Student der Gegenwart modern sein müsse, modern aber nicht bloß in Aenßerlichkeiten. DaS Hauptge­wicht solle er auf die Ausbildung des inneren Menschen legen. Der katholische Student solle modern fein, ohne jeder Regung deS Zeitgeistes blindlings zu folgen. Er solle sich nicht scheuen, sich al« unmodern hinzu- stellen, wenn es sich um feinen Glauben handele. Mo­dern solle er sein in der Behandlung der Aufgaben, die et zu erfüllen habe. Gelegenheit zur Betätigung der Werktätigen Nächstenliebe finde er in den Vinzenz, vereinen, im Aufenthalte in anderen Berufskreifen und in gegenteiliger Belehrung. Die Sorge für die Glaubensbruder in ber Diaspora sei ebenfalls ein er­giebige« Arbeitsfeld. Auch Beschäftigung mit politi­schen Dingen dürfte der Student nicht außer acht lassen, fonst fei er später darin unbewanderter als der einfache Arbeiter. Modern fei endlich die Organisation.

Abwechselung. Ueberall hat man bei der festlichen Be- leuchtung einer anderen Idee gehuldigt, überall be» gegnen wir eine reizvollen Neuheit. Gegen 11% Uhr wird Mainz gesichtet. Die Rheinbrücken erstrahlen in ihrer ganzen Breite in einem wundervoll gedämpf- ten Lichtmeer. Die Mainzer und Kasteller Seite ist, foweit da« Auge reicht, beleuchtet. Tausende und aber- tausende Menschen stehen an den Ufern und auf den Brucken unb al» unser Präsibialschiff, welches auf betn Hochverdeck ein meterhohe« Kreuz au« elektrischen Flammen trägt sich ihm naht, da will ber Jubel kein Enbe nehmen. Die Nacht erbtöhnt von den Kanonen, schüssen. Ueberall hört man die Klänge der Musik unb dann erreicht btt Begeisterung ihren Höhepunkt in dem Gesang de« machtvollen Liede«: Großer Gott teirlobenDich. Ja, Dank muh zum Himmel un« erfüllen, für die herrlichen Tage, die un« die 58. Ge­neralversammlung in Mainz gewährt hat Wir schei- den mtt dem Eirwrud, daß ine 58. Generaldersamm- lung der Katholiken Deutschland« zu den imposantesten Veranstaltungen gehört die ihre Geschichte kennt, daß st« vielleicht die imposanteste war.

Uta. etoa

c Di« Marirnttfchrn Kongregationen bet Stad» Kanq hielten Dienttag abend im Konzerssaal ber Sie. bertafel eine von nahezu 1000 Personen besucht, Festvers-nnmlung ab. Al« Ehrengäste wohnten bet Versammlung die hochw. Herren Bischöfe von Staina, ™£8 unb Speyer, sowie Abt Purer Schachleiter von ^Eman» bei Prag bei. Herr Pfarrer Jäger bon'

“T We Versammlung Worte her». J?6 WXbttte ben hochseligen Bi. Io“13 ben etfrigen Förderet und warmen der Kongregationen. Pfarrer Dr. Lieke» Mehr«, der ehemalige letzte Kaplan KtttLr^g' ^^-derJesurten al« bet eigentlichen Gründer der Marunnschen Kongregationen unb brachte ein ml» «ofeet Begeisterung aufgenommene« Hoch auf be» dem Vortrag der Papsthymn, hielt Hern Prof. Hamen (Trier) die Festrede, t» ber er Ketteler al« eifrigen Verehrer Mariens feiert», p. Sekretariat sozialer Studentenarbrtt. Am MontagnachmtUag tagte im großen Saale des Kath. Männervereins die dritte Generalversammlung de» Sekretariates sozialer Studentenarbeit. Aus dem Jahresbericht, welchen Dr. Sonnenschein erstattete, klang zuversichtliche HoffnungSfreudigkeit, flöhe, fügend« lich« Arbeitslust. Dr. K. Ho eb er sprach über Vinzenz. arbeit unb heimatliche Arbeiterkurse. In dieser Red» trat ber echte christliche Geist der modernen Carita» zutage» wie ihn bie gesammelten Erfahrungen des IS. Jahrhunderts langsam in moderner Gestalt haben aus­reifen lassen. Generalsefletär Etegerwald (Köln), der sich über das Berhältuis der studentischen Sozial» arbeit zu ben Arbeiterbestrebuugen verbreitete, begrüßte als Vertreter ber Gewerkschaftsbewegung eine traft« volle studentische Arbeit V»n unübertrefflicher Wirkung waren sodann die warmen Ausführungen des uew bienten Präsidenten des Volksvereins für bas kath. Deusschland, Fabrikbesitzer Franz Brandts (M.-Glad« bad)). Tränen der Rührung standen in der Studenten Angen, als er seinen Lebensinhalt in den Worten zum Ausdruck brachte: „Das wichttgste meines Leben» waten nicht die industriellen Erfolge, auch nicht di» Anerkennung meiner geringen Verdienste in bet katho« Ilschen Volksbewegung, fonbern daS freudigste wußtsrin, für meine Mitmenschen gearbeitet, für sie ge«' opfert zu haben, denn höbet» Ideale al« Literatur» Kunst unb Theater ist, was bet Mensch für den Men­schen tut" Prof. Hitze, sichtlich von den Ausführungen feines Freundes gerührt, fand ähnliche Worte für bi« Jdealisieruu gsbestrebungen der sozialen Ctudentenar« beit Mächtig aber schwoll dir Begeisterung an, all Dr. Sonnens chein in einem rhetorischen Messt erst üch Wünsch» und Ziele der von ihm geförderten Bestr«' düngen aufdeckte.

Unpolitische Zeitlause.

(N.) Berlin, 3. August 1911.

(Nachdruck verboten.)

. Tiefes Jahr schreibe ich nicht vom Katholikentag, ’Onbern vom Grabe.

, Sehen; volles, frisches, srohmutiges, frucht- S~le,V der stille, bleiche Tob Dort Ichar.n fich vie Wackeren zusammen zu gemeinsamer r„r lei5: 5>1s5-r, ^ht ein Verlassener am Grabe unb rjt ?!c Erdschollen fallen auf das Glück seines £>mt= e£ die Liebe seines Herzens, die Hoffnung seines Lebensabends. *)

Co ist der Stand und Gang ber Dinge in biefer Keif. Der Webstuhl sicht zwischen ber Wiege unb Bahre. Zur selben Zeit gibt es auf dem Erden- fund hier den Sonnenaufgang, dort die Sonnenhühen- |Iut unb drüben den Sonnenuntergang.

Aber wo es Nacht wird, da wird es auch wieder £ag. Wenn die lebens- und arbeitsfrohen Freunde -on Mainz ihre Tagesordnung erlebigt haben, so schallt H hin und her: AufWiedersehen! Und das- Me Wort wird am ftischen Grabe geflüstert Auf ersehen in jenem Lande, wo es kein Scheiden tnd Meiden mehr gibt!

. - »Sie ist nicht tot, sondern sie schläft nur." Einen 1'^^Trostsprnch gibt es nicht. In diesem Glauben 8u einem wahren Friedhof.

te der Vernichtung, sondern des Uebetgan- Mtz^nkemvÄv's/.>Unpolitssch«n Zeitläufe', Herr Wr «Wfi SrÄS inb Familie so gemütvolle Worte gesprochen berdrn mit inniger Tetlnahme vernehmen daß der treis, ans bem heraus fo manche treffliche Beobachtuna p manche Bemerlung voll Lebenswahrheit in die lllnpolitischen Zeitlaufe" übergegangen ist, durch den tob ber Mutter seines Mittelpunktes beraubt worden ist.

(Die Rebaküon.)

geS zu einem besseren Dasein. Hier ruhn fle ans von ber irdischen Wirrsal unb Mühsal. Hier ist ber Got­tesacker, auf bem in Freuben geerntet werben soll, nach- bem in Tränen gefäet worben ist.

Der feste Glaube an Auferstehung unb Wiedev- sehen schließt bie Tränen nicht ans. Der Verfall ber irdischen Leiblichkeit, bie zeitweise Trennung tun weh. Unb dabei regt sich am frischen Grabe, das geschärfte Gewissen. Haben wir den Heimgegangenen nichts ab- zubiften? Haben wir alles getan, was wir sollten und konnten, um ihnen ben Weg durch dieses irdische Jam­mertal zu erleichtern? Wie mancher hat schon ge­seufzt am Grabe: Ach, wenn du noch einmal zutück- kehrtest zu mir, wie würde ich dann durch verdoppelte Liebe und Sorgfalt wieder gut machen, was ich ver­säumt und verfehlt habe!

Am Grabe wächst nicht bloß der Baum der H o f f- nun g, sondern auch das Bitterkraut der Reue und ber Efeu ber guten Vorsätze. Kommen sie z u spät? Etwas gutes mag lieber spät, als gar nicht kommen. Die Heimgegangenen werben sich freuen, wenn ben Ueberlebenden zu gute kommt, was ihnen selbst nicht mehr gewährt werben kann. Wenn nur ihr Grab Liebe prebigt, warme unb werktätige, herzliche unb hilfsbereite Nächstenliebe! Wir haben ja in bet Regel noch Angehörige, bie wir im Anbenken an ben Toten mit erhöhter Sorgfalt betreuen können. Unb ringsumher stehen all bie Menschenbrüdet unb Men- fchenschwestern, bie uns bankbar sein werben, wenn wir fortan etwas besser ber Mahnung nachkommen: Meine Kinblein, liebet euch unteretnanber! Der Dichter Ftei- ligrath, der sonst manchmal kräftige Kampflieder machte, hat in einer guten Stunde die schönen Verse geschrieben:

O lieb’, so lang du lieben kannst,

O lieb', so lang du lieben magst!

Die Stunde kommt, die Stunde naht. Wo du an Gräbern stehst und klagst.

R. i. p. Ruhe in Fried en! — steht auf den Grabsteinen. Den Kirchhof nennt man Friedhof. Soll der Friede nur bei den Toten herrschen? Wäre eS

nicht gut, wenn der Tummelplatz der Lebenden zu einer Friedensstätte würde? Pflegen wir den Frieden vor dem Kirchhof, dann werden wir ihn auf dem Kirchhof um so sicherer finden.

Dankbar sollen wir und wollen wir sein den teuren Verstorbenen, die uns ihre Liebe bis zum Tode gewidmet haben. Ich meine, eS müßte eine Dankbar­keit in Gedanken, Worten und Werken fein. In Ge­danken, indem wir ihr Gedächtnis warm und treu im Herzen bewahren. In Worten, indem wir für die Vorausgegangenen Fürbitte einlegen bei dem ewi- gen Richter. In Werken, indem wir unter der Zucht deS Todes besser zu leben lernen.

Das ist auch die rechte Vorbereitung auf das er­sehnte Wiedersehen. Selig sind die Toten, die im Herrn sterben. Mr hoffen, daß die Vorausgegange­nen ben Weg zum Hinnnelsror gefunben haben, für ben ihnen bie letzte Wegzehrung gespendet würbe. Nun, wenn wir ein frohes Wiedersehen feiern wollen, dann müssen wir denselben Pfad zur Höhe einhalten. Uns selber wiedersehensfähig zu ma­chen, das ist es, worauf es ankommt. Wer das recht bedenkt, der kehrt nicht müde und matt von den Grä­bern heim, sondern mit dem festen Entschluß, sich einen seligen Tod und ein frohes Wiedersehm mtt Gottes Hilfe zu verdienen. — Am Grabe schöpft man die beste Lebenskunst. —

Ost hört man das häßliche Wort wiederholen: Lasset die Toten ihre Toten begraben. Nein, es sollen die Lebenden die Anwärter der Auferstehung begraben.

Auf Wedersehen! Es dauert ja gar nicht lange. Heute ist der Laurentiusiag, der uns einen Strom von Stemschnuppen zu bringen pflegt. Die kleinen Welt­körper, die auf ihrer Fahrt um bie Sonne die Luft­hülle der Erde durchschneiden, leuchten auf, sodaß wir sie sehen können. Aber nur für wenige Augenblicken bann sinb sie aus bem Dunstkreis der Erde wieber heraus, und wir sehen sie nicht mehr auf ihrer weiteren Sonnenreise. Das menschliche Erbenleben ist auch nur so ein Augenblicks-Durchgang; denn selbst 100 Jahre sind noch nicht ein Kömchen von der Sanduhr der Ewigkeit. Ob ba» eine Sternchen ein wenig

früher unb bas anbere ein wenig später ihr Aufleuch« ten in ber Erdenlust einstellen, was hat bas auf sich., wenn sie nur alle ben rechten Weg der Sonnenfah^ einhaltml —

Gute Nacht! Auf Wiedersehen am sOftennorgen!

— Operationen am Arm ohne Narkose. In de» Münch. Medizinischen Wochenschrift veröffentlicht Herr Privatdozent Dr. Hirsche!, Assistenzarzt an der Heidelberger chirurgischen Klinik, ein neues Ver« fahren, um große Operationen an den oberen Ex« trernitäten schmerzlos ohne Narkose auszuführen-/ Es gelang ihm, durch Einspritzung schmerzstillender Lösungen in die Nervenstämme der Achselhöhle eine vollständige Unempfindlichkeit des ganzen Ar­mes ohne Schädigung der Beweglichkeit desselben hervorzurufen, die lange genug anhielt, um selbst länger dauernde Eingriffe, wie Entfernung von Ku­geln, Amputation und dergleichen bei vollkommen erhaltenem Bewußtsein des Kranken gefahrlos aus-- zufiihren. Die Anwendung der Methode erfordert allerdings die geübte Hand eines erfahrenen Chirur«

gen.

— Eingemachte Lumpen. Eine wissenschaftlich« Zestschrift meldet in dieser Hundstagszeit, daß ein deutscher Gelehrter ein Mittel erfunden hat, ein vor« zügliches Gelee aus alten Leinwandlumpen herzu­stellen. Eine Fabrik verwendet dazu täglich 500 Kilo von alten Leiuwandstücken. Diese Lumpen, die aus fast reinem Cellulosefibern bestehen, wer­den zuerst sorgfältig gereinigt, daun der Wirkung der Schwefelsäure ausgesetzt, die sie in Dextrm bertoan- delt. Dieses Dextrin wird mit Kalkweiß gewaschen und wieder mit einer größeren Menge ^toeUL- fällte behandelt. Die Masse verwandelt sich sofort unb kristallisiert sich zu Starkezucker, der.^"1 natur- liiben Trauben-, Honig- und ^bstzucker identisch ist, mit diesem neuen Zucker werden sorgfältig Gelee» fabriziert. =a

— Die Giiusedrecksieuer. Eine eigenartige Steuer fft am 21. Juli in M y s l o w i tz in Kraft getreten, als der erjte diesjährige Transport russischer Gänse