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Fulda, Samstag den 12. August im

38. Jahrgang

Erstes Blatt

J10 183.

lische Sache zu holen.

Die freikonserv. „Post" hebt mit Recht die Einig­keit auf dem Katholikentage hervor und bezeichnet seinen äußeren Erfolg als einen gewaltigen:

„Oeffenrliche Versammlungen, geschloffene Ver­sammlungen, Versammlunaen der einzelnen katholischen Teilorganisationen, der Studenten, der Presse, der Missionen, der wirtschaftlichen Verbände, darunter deS BolksvereinS mit seinen 700000 Mitgliedern. Das alle- konzentriert sich auf die wenigen Tage in solcher Fülle, daß es für den einzelnen Teilnehmer ganz un­möglich war, selbst nur allen bedeutenderen Versamm­lungen beizuwohnen. Zahlen und Maffen und Maffen- leistunge« von imponierender Großartigkeit beherrschten das Bild, und es war bet dem vorzüglichen Arrange­ment einer qualitativ völligen Einheitlichkeit selbstver­ständlich, daß der Eindruck auf die Milglieder ein blendender, hinreißender und geradezu be­rauschender war."

Die „Deutsche Tagesztg." stellt dem Katholiken­tag das ehrende Zeugnis einer Friedrnstagung aus, indem sie schreibt:

.Man hat früher schon betont, daß jede konfes­sionelle Polemik ausgeschloffen sein, daß kein Wort gesprochen werden solle, durch daS die anders­denkenden und andersgläubigen Christen verletzt werden könnten. Diese Vorhersage ist denn auch erfüllt wor­den. Soweit wir gesehen haben, hat man in Mainz kein Wort gesagt, durch das ernste, gläubige evangelische Christen hätten verletzt wer- den können."

Tie ,Vosfische Ztg/, das Organ der Fortschritt- lichen Volkspartei, ist weniger zufrieden, sie regt sich vor allem darüber auf, daß Bischof Faulhaber von Speyer in seiner Rede ausführte, die kirchenseind- liche Presse, de fortwährend unwahre Priester­skandale an das Tageslicht fördere, oder längst als unwahr bewiesene Schauergeschichten dieser Art wieder ausgrabe, müßte in ihrem Wappen als Symbol den Aasgeier führen. Die Aufregung der guten Tanle Voß ist einigermaßen erklärlich, da sie in dieser Beziehung manches auf dem Kerbholz hat. Auf einzelne Ausführungen dieses katholikenseind- lichen Blattes wollen wir nicht naher eingehen, wir wollen nur den zusammenfassenden Schlußsatz des Blattes aniühren. Es heißt da:

„Ueberdenkt man alles, was sich im goldenen Mainz m bieten Tagen auf dem Katholikentag zuge- lragen hat, so bleibt'der Eindruck haften, daß auch die Kirche des „unfehlbaren" Papsttums in der Barke Petri durch die Bewegungen der Zeit bedenklich ins Schaukeln geraten ist, und daß für beide christ­lich, Konzessionen in Deutschland die Trennung von Staat und Kirche durch die jüngsten folgenschweren Ereiguiye hüben wie drüben in eine viel greifbarere Nähe als Zeilproblem gerückt ist, als wir es bislang für möglich hielten."

Die .Vossische Zig/ ist mit ihren Prophezeiungen schon öfter hereingefallen, sie wird auch diesmal kein Glück mit ihren Zntunftsahnuugen haben. Die katholische Kirche, aufgebaut auf dem Felsen Petri steht fest und unerschütterlich und kann durch keine Zeilsragen ins Schwanken gebracht werden. Sollte eines Tages in Deutschland die Trennung von Kirche und Staat Tatsache werden — woran vorläufig noch gar nicht zu denken ist — dann w rd au keinen Fall die katholische Kirche, die sich nicht auf der Macht des Staates aufbaut und nicht von der Willkür des Staates abhängt, den Schaden haben. Sie wird alle Gefahren und Stürme der Zeit über- baueui.

Die Blätter der verschiedenen Parteirichtungeu beginnen allmählich, ein Gcsamturieil über die ganze Tagung abzugeben.

Wie sein Vorgänger w'rd in manchen Blattern auch der Mainzer Katholikentag als „Zentrums- paiabe" bezeichnet. Gar zu gern würde man den Katholikentag zu einem Zentrumspartcilag stempeln, aber entweder fehlt in den gegnerischen Blättern bie Beweisführung dafür, oder sie ist so mtßglückt, so kläglich und fadenscheinig, daß ein Unterrichteter nur ein mitleidiges Lächeln für das armselige Ge­kläff übrig hat.

Warum soll denn der Katholikentag ein Zentrums- parteilag sein? Weit „Tausende von Katholiken nichts von dieser Zenlrume-Vcrsammlung wissen wollen." Darüber brauchen uns Blätter von diesem Schlage nicht anszullärtn, biß cs viele getaufte Namenskatholiken gibt, die nichts vom Katholikcn- tage lö.ffen wollen, das ist noch lange kein Grund, dem Katholilentag die Existenzberechtigung a'azu- sprechrn und das Vorhandensein eines gläubigen deutschen Katholizismus abzustrciten. Daß aber von den hunderttausendcu Katholiken, die sich all­jährlich auf den Katholikentagen treffen, weitaus cet größte Teil sich daran potitisch zur Zentrums- Partei zählt, wird absolut kein Hindeiungsornnd sein, daß sie zugleich gute Katholiken sind. Hier möchten wir uns eine Frage erlauben: Können un§ die Großblockblätler eine politische Partei nennen, die sich um den deutschen Katholizismus solche Ver­dienste erworben hat, wie die Zentrutnspartei?

tätte zu bereiten. Es muß aber danach gestrebt wer- )tn, die Zahl der ständigen Mitglieder weiter zu er­höhen; Mainz ist es in diesem Jahre gelungen, 750 neue ständige Mitglieder anzuwerben.

Glücklich darf man die Wahl der R e d n e r nen- nen, die auf der diesjährigen Tagung das Wort er­griffen haben. Die Rednerkommisfion hat ihre Auf­gabe glänzend gelöst und ihr gebührt ein umso unein­geschränktes Lob, als gegenwärtig gerade die Aus­wahl der Redner infolge mannigfacher besonderer Um­stände besonders schwierig war. Glänzende Redner traten in den öffentlichen Versammlungen auf, die über die wichtigen Probleme der gegenwärtigen Zeit mit hinreißmder Beredsamkeit ihre Zuhörer feffelten. Trotz der tropischen Hitze, die an einzelnen Tagen in der Stadthalle h«rschte, war der Riesensaal stets über­füllt — ein vollgiltiger Beweis dafür, daß die Red­ner es verstanden, ihre Zuhörer in seltener Weise zu fesseln. Wir wollen Einzelne nicht hervorheben — aber eines Redners Name schwebte in diesen Tagen auf aller Lippen — der des bischöflichen Redners von Speyer. Nur selten — und das war das einstimmige Urteil langjähriger Besucher der Generalversammlun­gen — hat ein Redner eine so ungewöhnliche und durchschlagende Wirkung erzielt, wie Bischof Faulhaber mit seiner unvergleichlichen Rede in der ersten öffent­lichen Versammlung. Aber auch die übrigen Redner boten durchweg Vortreffliches und so hat auch in dieser Hinsicht die Mainzer Tagung glanzend abge­schlossen.

Rechnen wir dazu die liebevolle Begrüßung der Gäste durch den Mainzer Oberbürgermeister und ihre herzliche Aufnahme durch die Mainzer Bevölkerung, den herrlichen Festschnntck der Straßen und den glanz­vollen Verlauf der festlichen Veranstaltungen, so dürste cs auch im Munde eines Mainzers nicht als eine Selbstüberhebung betrachtet werden, wen er der Main­zer Tagung eine gute Note ausftellt. Unsere lieben Gäste haben uns zudem ihr ungeteiltes Lob in diesen Tagen in reichem Maße gespendet. Möge aus der plänzenden Mainzer Tagung das katholische Deutsch­land reichen Seaen schöpfen; möge aber auch die Ket- telerstadt, die den Vorzug hatte, in diesem Jahr in ihren altehrwürdigen Mauern zum fünften Male die Katholiken Deutschlands aufzunehmen, reichen Gewinn aus der 53. Generalversammlung ziehen m Gestalt er­neuten Aufschwunges des kirchlichen und katholischen Vcrcinslebens! Das walte Gott!

*

deutscher Reich.

** Berlin, 11. Aug. 1911. Dem Bernehwen nach wird am 1. Oktober der langjährige Vor- ragende Rat in der Eisenbahnäbieilung des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten, Wirkt. Geh. Oberregierungsrat von der Leyen, in den Ruhestand treten.

** StaatSministerilMl, Landwirtschaft und Ent- eignungsstage. Die „National-Zeitung" sagt zu der Meldung, daß der Landwirtschastsminister die trei­bende Kraft gegen ben Ostmarkenvereiu und die von ihm verlangte Enteignung sei, es dürfe demgegenüber nicht außer Acht gelassen werden, daß die Frage der Ostmarkenpolitik in erster Linie das gesamte Staats­ministerium und den Ministerpräfidenten angehe, der ich über seine Auffassung mehr als einmal deurlich geäußert habe; erst in zweiter Linie fei die Ost­markenpolitik eine Reffortstage. — Die »Deutsche Tagesztg." bemerkt hierzu:

„DaS ist unzweifelhast richttg und von uns mehr als einmal hervorgehoben worden. Die Politik des Laindwirtschaftsministers in der Ostmarkensache ist nichts anderes als die Politik deS Ministerpräsidenten und des Staatsministeriums. Es geht nicht an, für diese Politik allein unb. im besonderen den Landwirt­schaftsminister verantwortlich zu machen. Daß zwi« chen dem Ministerpräsidenten und dem Landwirt- chaftsminister in dieser, tote in allen anderen Fragen völlige Uebereinftimmung herrscht, ist selbstverständlich und genügend oft öffentlich festgestellt worden."

** Die Frage der Bereinigung der Fürsteutümer Schwarzburg-Rudoifstadt und Schwarz- burg-Sonderhauseu wird die Landtage beider Fürstentümer demnächst beschäftigen.

* Waffengebrauch der Polizeibeamten. Im Gegensatz zum Berliner Polizeipräsidenten v. Ja- gow hat der Düsseldorfer Polizeipräsident die Beamten angewiesen, von der Waffe nur Gebrauch zu machen, wenn gelinde Mittel frucht- los geblieben und wenn der Widerstand nicht anders als mit bewaffneter Hand zu über­winden ist.

.:. Sozialdemokratische Ministergäste. Ueber einen neuen Konflikt unter den Stuttgarter Sozial­demokraten lesen wir im „Schwab. Merkur": Nicht bloß königliche, sondern auch ministerielle Schinken- bröter rufen einen Krawall bei den am Schmaus nicht beteiligten Urechten unter den Genoffen hervor. Bei dem parlamentarischen Abend des Ministerprästdenten am letzten Mittwoch haben die sozialdemokratischen Abgg. Feu.erstein, Hildenbrand und Dr. Lindemann mitgetan. Das erregte den Unwillen der Partei- leitung und schon Freitag abend saß nun der Stutt­garter sozialdemokratische Verein über die Missetäter zu Gericht. Was da alles geklagt und gejammert wurde über die Schlechtigkeit der drei Abtrünnigen, das verrät die „Schwäbische Tagwacht" nicht. Sie beschränkt sich auf die Mitteilung, daß gegen 15 Stim­men folgende Erklärung zur Annahme gelaugter

„Die Parteiversammlimg spricht ihre Entrüstung über die Teilnahme der Abgeordneten Hildenbrand, Feuerstein und Dr. Lindemann am letzten Minister­essen aus."

Die ganze übrige Welt wirb bieses Schinkenbrö- tergertcht mit ber gebührenben Hetterkett ausnehmen. Erst jetzt erkennen viele Genossen, in welcher Gefahr bie Sozialdemokratie schwebte, als fie Dr. Lindemann zum Oberbürgermeisterkandidat für Stuttgart auf» : stellte.

* Unruhe» im Südosten von Kamerun. Das 1 Gouvernement in Buea erhielt am 22. Juni d. I. , aus Akonolinga, dem berzeitigen Endpunkt der den Njong-Fluß aufwärts führenben Telegraphenlinie, ein : Telegramm der Station Molrmdu, wonach die an das : französische Kongogebiet Aequatorialafrikas grenzen- , ben Landschaften der Bumbum, Bomomes und Kuna- ‘ membes sich unruhig zeigten. Das Telegramm be­sagte weiter, daß es dem Bezirwleiter Oberleutnant

V Als außerordentlich segensreich hat sich dieElusuh r»ng der ständigen Mitgliedschaft erwiesen, die dem jeweiliger! Lokalkomitee von vornherein beträchtliche Mittel zur glanzvollen Durchführung eines so großen Unternd)men5 zur Verfügung stellt. Es war dies eine recht weise Maßnahme des Zentralkomitees, das im übrigen auch in allen anderen Detaitsragen mit großer Umsicht und Weisheit seines Amtes maltet und die Erfahrungen der vorausgegangenen Versammlun­gen stets zum große»! Nutzen der Lokalkomirees bcm- felbeti überliefert. Die statutarischen Bestimmungen, auf benen die Entscheidungen des Zentralkomitees aufgebaut sind, erweisen sich durchweg als durchaus zweckmäßig und prattisch und erleichtern in hohem Maße die Arbeit derjenigen Männer, denen die schwie­rige und umfangreiche Aufgabe zufällt, in ihrer Hei­matstadt der Generalversammlung eine würdige Heim-

Jm Gegenteil, ging es nach dem Wunsche des Liberalismus, der Demokratie unb Sozialdemokratie, dann müßte der Katholizismus im Deutschen Reiche schon längst verschwunden sein, wie überhaupt jede christliche Konfession. ES wäre deshalb nicht mehr alS recht und gerecht, wenn jeder Katholik, der es mit seiner Religion ernst nimmt, politisch der Zentrums« parier angehören würde. Die Leute, die den Katho­likentagen anwohnen, kommen alS Katholiken hin, um gemeinsam über katholische Interessen und Angelegenheiten sich zu besprechen und zu beraten und sich von neuem Mut und Kraft für die katho-

o Die Mainzer Katholiken- versammlnng.

Betrachtungen eines Mainzers.

Die Tage der Mainzer Kaiholikenversammlung sind vorüber; fie haben wohl bei allen Teilnehmern das Empfinden hinterlassen, daß selten ja wohl noch nie das katholische Deutschland eine glänzendere Heer- TÄau gesehen hat. Mit Recht konnte der Bischof von gyetjer der sich durch feine glänzende Rede über Klerus' und Volk im Sturme bie Herzen des kathol. Volkes erobert hat, bei der Festtafel die Mainzer Ta- itung mit jenen herrlichen Tagen der Mainzer Geschichte vergleichen, wo Kaiser Rotbart auf den Mainzer Ge- «lden unter Teilnahme unzähligen Kriegsvolks und Taufender Ritter Heerschau über seine Streitkräfte abhielt.

Die Generalversammlungen nehmen von ^ahr zu Jahr einen immer größeren Umsang an, und es scheint fast als ob eine jede folgende ihre Vorgängerin in Schatten stellen soll. Dir Frequenzziffem von Mainz überschreiten die von Augsburg nicht nur hinstchilich des Festzuges, sondern auch hinsichtlich der Zahl der ständigen und einmaligen Mitglieder. Aachen wird aller Wahrscheinlichkeit noch anno 1912 diesen Sieges- 3ug fortsetzen. In diesen Tagen hat mancher die Frage aufgeworfen, ob man für die Folge nicht der Riesenentwickettmg des Ffftzugrs eine gewisse Be­schränkung auferlegen müsse. Wir wollen heute diese Frage nicht verttefen — eines ist aber sicher: wenn die Massenbeteiligung der kath. Arbeiter von Jahr zu Jahr in der seitherigen Weise fortschreitet, daun müs- fen Garantieen geschaffen werden, die eine gefahrlose Beförderung ber Riesenmassen unb eine Verringerung der Anforderungen an die Leistungsfähigkeit des Ein­zelnen in Bezug auf die Lauge und Ausdehnung des Festzuges in sich schließen. Diese Frage wird unb muß das Zentralkomitee im Verein mit dem nächstjährigen Pokalkomitee unter allen Umständen beschäftige» — sein Ausweg wird sich finden, ohne daß man der ge­waltigen Demonstration Abbruch tun wird, die nun 'einmal und mit Rechr zu einem festen Programmpunkt pes Katholikentages sich gestaltet hat.

, Eine recht schwierige Frage ist auch die Unter­bringung der Generalversammlung in einer geeigneten e st h a l l e, und in finanzieller Hinsicht spielt sie eine ausschlaggebende Rolle. Mainz war in der glücklichen Lage, in seiner kürzlich durch Anbauten erweiterten find neu hergestellten Stadthalle mit einem geringfügi­gen Kostenaufwand diese Frage zu lösen unb bannt die Garantie für einen finanziell recht günstigen Aus­gang der diesjährigen Tagung zu schaffen. Man hat in der letzten Zeit wiederholt bie Frage erörtert, ob man nicht burch eine transportable Festhalle diese „Schwierigkeit für diejenigen Städte beseitigen könne, die nicht wie Mainz ben Bcnchag haben, ein possen- bes, großes Verfmnmlunglokal zu besitzen. Die fol­genden Kongreßorte werden die Frage ernstlich in Er­wägung ziehen müssen, wenn fie an die finanzielle Lö­sung der großen Aufgabe beraumten, die bei der enormen Zunahme der Frequenz der Geueralverfamm- lungen der Katholiken Deutschlands jeweils erwachst.

Der Oberst richtete seine Augen fest auf den jun­gen Offizier. „Sie wissen, wo diese Worte sieben?

In der Allerhöchsten Verordnung über die Ehren­gerichte der Offiziere im preußischen Heere vom 2. Mai 1874 . . . Herr Leutnant von Sonneck. sie haben sich gegen diese Verordnung vergangen — bas Ehren­gericht wirb sein Urteil fallen —"

„Das Ehrengericht?" Viktor stieß bas Wort her­vor wie einen Tobesschrei. „Das Ehrengcrichi!

„Ja — bas Ehrengericht. Leutnant Rirhofcn bat Anzeige gemacht, baß Sie ihm bie schuldige Summe nicht zum besttmmren Termin bezahli haben. Run ver­langt er ben Spruch . . * .

Bittor erblaßte; seine Knie wantten. „Mein Gott, stöhnte er, „baS Ehrengericht! . . .

In warmem Tone sagte ber Oberst: „Sie dauern mich wirklich, Sonneck. Denn ich weiß, baß bei Ihnen weniger Leichtfertigken als vielmehr eine starke Dosis Sorglosigkeit bie Schuld hat. . Aber zu ändern ist au ber Sache nichts. Sie bürfen überzeugt sein, daß ich warm für Sie eintreten werde — aber baS Urteil mich nicht allein mit bem Herzen, sondern auch mit bei» Verstaube unter Berücksichtigung ber nachweisbaren Tatsachen gefällt werben. Es muß gerecht sein." —

Viktor schlug bie Haken zusammen unb sagte: „Ich banke gehorsamst, Herr Oberst." ~

Dieser nickte ihm ernst zu. „Die Stunde, zu wel­cher Sie sich zur Vernehmung vor dem Ehrenrat ein- zufinben haben, toerbe ich Ihnen durch die Ordonnanz Mitteilen lassen. Bis bahiu sinb Sie vom Dienst dis­pensiert."

„Zu Befehl, Herr Oberst."

Er machte Kehrt und verließ das Zimmer unb das Haus. Eine Wut kochte in ihm gegen Rixhoseu, daß er ihn hätte ermorde» können Und da fügte cs wirk­lich das finstere Schickfal, daß ihm Rixhof« entgegen­kam, sorglos, lächelnd, die Mutze schief aufs linke Ohr gerückt. „ „ , .

In Viktor bäumte sich alles auf. Er trat rhm in den Weg. „Sie haben Anzeige erstattet —" sagte er mit rauher Stimme.

„Ja — well das Geld nicht kam. Ich hatte auf die Stunde Verpflichtungen zu erfüllen . . ."

Schloß Sormsck.

15] Roman von Felix R a b o r.

„Das ist etwas Unsicheres. Daraus dursten Sie nicht so fest bauen. Zum mindesten ist Ihr Verhalten inkorrekt. Wer nicht genügend Mittel besitzt, um aus großem Fuße leben zu könne», muß sich eben ein­schränken: das ist keine Schaube. Unvereinbar mit ber Stellung eines Offiziers ist es aber, sich durch Hasard­spiel die nötigen Mittel zu verschaffen. Wenn die .Gläubiger ihre Forderung» einklagen, so schadet das der Ehre des gesamten Ossizierkorps. Tas aber soll 'unter allen Umstünden vermieden werden: denn die ,Ehre sst das bödrfte unb das heiligste Gut, das ein Offizier besitzt, und er muß stets bemüht sein, diesen Hänfen Schild rein und fleckenlos zu bewahren . .

;■ Er trat an seinen Schreibtisch und nahm eine Bro­schüre. Sich z« Viktor wendend, las er mit lauter Stimme:

h „„Von dem gesamten Ossizierkorps Meines Heeres erwarte Ich, daß ihm die Ehre das höchste Kleinod sein wird; dieselbe rein und fleckenlos zu erhalten, muß die heiligste Pflicht des ganzen Standes, wie des einzelnen bleiben. Wahre Ehre kann ohne Treue bis in den Tod, ohne unerschütterlichen Mut. feste Ent­schlossenheit. felbswerleugnendcn Gehorsam, lautere Wahrhaftigkeit, strenge Verschwiegenheit, wie ohne auf­opfernde Erfüllung selbst der anscheinend kleinsten Pflichten nicht bestehen. Sie verlangt, daß auch in dem äußeren Leben des Offiziers sich die Würde aus­drückt, bie aus bem Bewußtsein hervorgeht, bem Stand anzugehören, bem bie Verteidigung von' Thron und Vaterland anöertraut ist. Von allen Handlungen, welche dem Ruf des^ einzelnen oder der Genossenschaft nachteilig werden können, besonders von allen Aus­schweifungen, Trunk und Hasardspiel . . . sowie über­haupt von jedem Stichen nach Gewinn auf einem Wege dessen Lauterkeit nicht klar erkennbar ist, muß der Offizier sich weit abhalten. Sein Ehrenwort darf ijtt nie leichtsinnig verpfänden.""

„Sie haben an den Ehrenrat appelliert, obwohl Sie mich zum Spiel verleiteten —"

.Ja

„Schuft!" stieß Viktor hervor und stieß nut der Faust nach ihm.

Der andere erblaßt- und taumelte zurück. „Für diese Beleidigung werben Sie mir Rechenschaft ge­ben !" stieß er hervor.

„Mit Vergnügen."

Sie sahen sich feinbselig an unb gingen ausein­ander. Das Recontre hatte kaum eine Minute ge­dauert, war aber doch von den Passanten bemerkt worden.

Vittor aber atmete schwer; er hatte sich eine neue Last aufgebürdet.--—

Die Unterredung zwischen Oberst v. Rotenburg und Bautz v. Sonneck dauerte sehr lange. Am Schluffe derselben sagte der Oberst: „Mein lieber Freund, es tut mir leid um dich und Viktor. Aber zu ändern ist da nichts mehr. Wir beide haben auch teil an der Schuld: wir haben bem Jungen zu viel burch bie Finger gesehen uuo ihn zu wenig auf bie Gefahren aufmerksam gemacht; wir haben ihn zu lieb gehabt! Darum ist er auf falsche Wege geraten. Das einzig Tröstliche ist, baß Vittor jung ist unb also einen an­dern Beruf ergreifen kann, wenn —"

„Du glaubst also, baß das Ehrengericht Vittor von der Liste der Offiziere streichen wild?" fragte Sonneck voll Bangen.

„Es liegen wenig oder gar keine Milderungsgründe vor", versetzte der Oberst. „Vittor war allerdings bei allen sehr beliebt, allein das wird keinen Einfluß auf das Urteil ausüben, denn vom Ehrengericht wird Recht gesprochen, „ben Akten unb Gesetzen gemäß, ohne Ansehen ber Person". Die mildeste Strafe wäre eine Versetzung, aber fie kommt in diesem Falle nicht üi Betracht. Sondern das Urteil wird voraussichtlich lauten: schuldig der Gefährdung der Standesehre mit Beantragung der Bewilligung des schlichten Abschie­des unter Entfernung aus dem Offiziersstande —-

Sonneck hatte nichts mehr zu sagen. Er erhob sich und verabschiedete sich von dem Freund . . .

Seine Gedanken verwirrten sich; er sah alles über sich zusammenbrechen. Er sehnte sich fort aus dieser Stadt, die seinem Sohne so verderblich geworden war.

Er begab sich ins Hotel, beglich die Rechnung und ging bann mit Hübe unb Vittor zum Bahnhof. Beim Abschieb hielt Vcktor ben Vater fest umschlungen und mit gebrochener Stimme sagte er: „Verzeih mir, daß ich dir solchen Kummer bereite. Sorge dich nicht wei­ter, ich will die Angelegenheit mit Rixhofen heute noch ordnen . . . Und was auch kommen mag, Papa: hab mich nur lieb . . .'

Herr von Sonneck erwiderte nichts. Er druckte Vittor die Hand, stieg mühsam in den Zug und sank todmüde in die Polster.

Vittor und Hilde standen noch einen Augenblick beisammen, und Vittor bat bie Schwester: „Sei gut zu Papa Hilde, imb verlaß ihn nicht. Ich will gut machen, was ich gefehlt habe . . . Grüße mir Iris unb sage ihr, daß ich sie immer lieb haben werde."

Die Pfeife schrillte, bie Türen schlugen zu. Vittor grüßte bie Seinen noch einmal mit Augen und Hand — dann fuhr der Zug aus der Halle.

6.

soll das heißen?" fragte Hilde verwun-

daß ich

sagte Frau Elga,

soll heißen,

loFrtsetzung folgt.)

haben . . .'

vorsetzcn, schlossen.

„Was bert.

Sonneck runzelte bie Stirne. „Was sollt dir em? fante er „Ich bin boch auch noch da —

' „Gewiß — bü bist ber erste im Hause. Aber dann komm; ich. Das scheint ihr bisher vergessen zr

„Tas Iva iicipMi, von heut; an meinen Platz einnehmen werde Falls ihr also einen Wunsch habt, mußt ihr ihn mir vor-

Jii Schloß Soiiiieck erwartete Hilde und ihren Vater ein seltsamer Empfang. Frau Elga saß im Eßzimmer und rührte sich nicht beim Eintritt der bei­den. Sie hatte einen kalten Imbiß vor sich und em Glas Wein, Hilde wollte ihrem Vater noch etwas t.uib aber alle Kästen und Schränke ver-