Einzelbild herunterladen
 

Zeitung

Tuldaer

■Su6 TMf und Wissen.

X Spanische Hitze

In den letzten Tagen konnte man von zahlreichen

rävia ia meuetmt retmsoanqtajeT mumm

miß bei Verlust Hamman doppelt zu zahlen, aber das i Todesfällen lesen, die die Hitze verursacht hat. In tut nichts- die schöne Chance und der Anreiz wiegen Amerika war das Thermometer im Schatten gar, hrrs Nils Und so brach sich der „einfache Kucki", wie wie man in einigen Zeitungen lesen konnte, ich ihn nennen möchte^allmählich Bahn. Da geschah auf 104 Grad gestiegen! Es schwindelt einem Uiroebeuerliche' Die Propagandisten des Kucki förmlich bei einer solchen Hohe des Warme- das ungeheuerlicheI w '_____leicht dab es

Es schwindelt einem

s

LÜJJ

hebens davon macht.

In diesen Tagm hat man diirchschnittlich im Schat­ten: in Madrid 37,7, in Logrono (wo die schattigen Kastanien blühen an des Ebro Strand) 39, in Bilbao 40, in Cordoba und Sevilla 45 Grad. Auf 45 Grad wird man es in Madrid bestimmt, wie jeden Sommer

worden sind.

So ist etwas wie eine neue Form gegossen, und die Skat-Wissenschaft steht nun vor der schweren Auf­gabe, ihr Urteil zu fällen, ob diese Neuerungen mit Freude zu begrüßen oder als dem Wesen des Skats nicht entsprechend in den Orkus zu werfen sind. Der Streik tobt mtt erbitterter Schärfe, und es sind schwere Vorwürfe, die Modernen an den Kopf geschleudert werden. Der größte besteht darin, daß der neue Skat zu sehr Hazard sei und der Speknlatton Tor und Tür öffne.' Und was tun die Angegriffenen? Sie geben

förmlich bei einer solchen Höhe des Wärme­messers. Man vergißt nämlich leicht, daß es sich um Fahrenheitgrade handelt. 104 Grad Fahren­heit sind 40 Grad Celsius, was sich schon hannloser ansicht, trotzdem man sagen wird, daß 40 Grad Celsius im Schatten eine furchtbare Hitze sind. Und doch bildet eine solche Hitze in Spanien in den sogenannten Huudstagen die Regel, ohne daß man weiter Auf-

ben Vorwurf zurück und werfen dem guten Menbur- 1 ger Skat die Eigenschaft de» Hazardsptel» vor! Es ; klingt im Augenblick überraschmd, aber im Grunde haben die Leute ganz recht, denn es ist zweifellos, daß i tn dem Tournee ein großes Zufallsmoment liegt, da ! doch die Farbe des Spiels nicht nach den Karten des ' SpiAer», sondern nach der Karte bestimmt wird, die zufällig im Skat liegt Dann aber noch eins: jedes SpiA, bei dem der Skat liegen bleibt, also jeder Solo und Grand aus der Hand ist ein reines Zufallsspiel, da durch die beiden Karten im Talon eine sichere Be­rechnung vereitelt wird. Die Fälle sind unzählig, in denen die größtm Fehler dadurch gemacht werden, daß man auf Karten gespielt oder mtt dem Vorhandensein von Karten gerechnet hat, die im Skat liegen. Gewiß ist in dieser Verborgenheit auch ein Reiz vorhanden, aber e8 ist Hazard. Hört es und erschreckt, ihr un- oliben Altenburger, und seht euch demgegenüber ein­mal den Skat der heutigen „Schule" an! Ihr werdet nicht leugnen können, wenn ihr ehrlich seid, daß der Zufall eine viel geringere Rolle spielt, wenn alle Kar- ten ausgenommen und die beiden überschießenden regelrecht „gedrücki" werden. Gewiß, man weiß auch nicht (wenn man nicht gerade dahin gesehen hat, wo­hin man nicht sehen darf), welche Karten der Spieler gedrückt hat. Aber es sind doch immerhin Ueber- legungsgründe, die das Drücken bestimmen, und es geht meist aus einigen Stichen mit ziemlicher Klarheit hervor, welches die gedrückien Karten sind. Die Be­rechnung wird dadurch auf eine viel sichere Basis ge- hlchm und ein derartiges Skatspiel muß vom skatwis- scnschastlichen Standpunkte zweifellos als besser be­zeichnet werden.

Eine weitere Neuerung, die auch immer mehr Ein- gang findet, ist der „S ch i eb e r am s ch" als „Muß­ramsch" nach jedem Grand oder Rull ouvert aus der Hand. Der Reiz dieses Spiels besteht darin, daß man gewissermaßen mit zwei Fronten kämpfen muß: einmal den Gegnern möglichst viel Stiche „zuschan- zen", andererseits aber durch Spiel und Drücken da­für sorgen, daß einer nicht etwa alle Stiche macht. Die Schwierigkeiten sind oft außerordentlich groß, und der Schieberamsch, bei dem gewiß der Zufall auch eine große Rolle spielt, ist eine Kunst für sich, die wirklich gut nur von ganz wenig „Berufenen" geübt wird. Im übrigen gibt es noch eine Reihe von Nuancen des Schieberamsches, beispielsweise über das „Anrechnen des Skats, — doch alle die Einzelheiten können hier nicht aufgezählt werden.

Die Wandlung, die der Skat durchgemacht hat, ist eine vollkommen natürliche. Unsere Zeit ist der Sim­plizität der Formen nicht sehr geneigt, sie braucht stär­kere Reizmittel, als die, mit denen man früher zufrieden war, und sie liebt die Fülle und Abwechselung. Das Spiel ist schon dadurch teurer, daß stets mindestens Solo gespielt wird. Dem aber rechnet der Kucki 20 und der Grand 24, ja zuweilen auch 30. Da nun die verlorenen Spiele doppelt bezahlt werden, so werden die gewöhnlichen Umsätze meist recht hoch und betragen etwa das 3- bis 4sache der Umsätze beim Altenburger Skat Ein moderner Viererskat um 1 Pfennig (NB. ohne Contra und Necontra) ist etwa ebenso hoch wie ein Altenburger Dreierskat zu 5 Pfennig.

Die geschilderte Entwickelung im Skarspicl ist zum wesentlichen Teil auch darauf zurückzuführen, daß die jüngeren Leute sich des Skatspiels bemächtigt und ihm dadurch etwas den Charakter als „Philister-Gewohn­heit" genommen haben. Wird doch heute in Gesell­schaften allgemein geklagt, daß die „jungen Leute von heute" statt des Tanzbeins viel lieber den Treffjungen schwingen — wenn sie ihn haben notabene. Sodann aber — und das soll offen zugestandeu werden — spie­len heute eine Menge Leute Skat, die nicht so „ernst" und so interessiert dabei sind, wie das früher selbstver­ständlich war. So kenne ich einen sonst sehr liebens­würdigen Skatspieler, der mit auf meinen Vorwurf: „Ja, aber haben Sie denn wicht gezählt," ganz er­staunt zurückgab:

„Aber, lieber Freund, ich zähle doch nicht, rch spiele!"

Leider hat man bei allen Neuerungen das Wichtigste noch nicht gefunden: die Kunst, wie man gewinnen muß! Wenn wir das erst haben,'ja dann — dann . . . Dann werden sich drei Leute zufammensetzen, die alle drei diese Kunst gelernt haben, sie werden spielen und spielen. Stunden und Stunden, und am Ende müssen sie alle drei gewonnen haben. Das wird bann das goldene Zettcllter des Skatspiels werden!

Bilder aus Marokko.

Von Chr. H.

I.

Der Jahrhunderte währende Kampf zwischen Kreuz imd Halbmond hat bei den Mauren einen unauslösch­lichen Haß gegen die Christen geweckt, durch die sie aus den Paradiesesgärten Spaniens vertrieben wor-, den waren. Für Mauren und Christen hatte es in jenen Kämpfen keine Duldsamkeit gegeben. Duldsam­keit hatten die Mauren des Kalifenreiches nicht von ihren Besiegern gelernt — und so dürfen wir Christen uns auch nicht über Unduldsamkeit des Islam bekla­gen; nur sie bedauern, das können wir. So kam er hinüber noch Afrika, jener blutgierige Fanatismus, der unter der Tropenglut und dem Einflüsse aufhetzen­der, nie ruhender, fanatischer Sekten eine so unbeug­same, starre Form angenommen hat, wie wir ihn im Türkcnreiche nicht kennen, lernen. Gewiß, der Land­bewohner, Araber wie Berber, zeigt auch dem Chri­sten freundliches Entgegenkommen. Doch im Innern des Landes ist stets Vorsicht geraten. Fast immer ist es die Schuld der Fremden, wenn der Fanatismus der Mauren entflammt wird. In der Stadt Fez, der am meisten marokkanischen Stadt des Innern, bekommen wir ben besten Einblick in das religiöse Leben bes fanatischen Islams. Wohlweislich unb nicht ohne Grund ziehen die Vertreter des Auslandes das meer- kespülte Tanger als Aufenthaltsort vor, denn in Fez würben Orient und Occident wohl zu oft aufeinander platzen. In Fez wird auch wenig mit den Ungläubi­gen gerechnet. Ungehindert bringt der Blick ins In­nere der Moscheen. Nach Sonnenuntergang gleicht die große Karnin (Moschee) einem Märchen aus Tau­send und einer Nacht. Staunend schweift der Blick durch einen Wald von Säulen, der von unzähligen Lichtem grell erleuchtet ist. Brunnen plätschern in den weiten Höfen, ehrwürdige weiße Gestalten mit den für Marokko charakteristischen Kapuzenmänteln knieen betend auf dem Mosaikboden, ein Summen und Mur­meln hallt durch den Raum. Nur das Wort „Allah, Allah" versteht unser lauschendes Ohr. Wer einen sol­chen Blick hineinwerfen kann in das religiöse Leben des Orientalen, der ahnt den sinnberauschenden Ein- dmck des Islam. Aber nur aus der Feme darf man verstohlen hinüberschauen. Wehe dem Christen, der an der heiliaen Stätte erfaßt würde! Ihn konnte kein

Die erste größere Revolution des Skatspiels trat ein, als der „Kucki" auftam. Lange ist das noch nicht her; denn Skatbücher aus dem Jahre 1904 be­richten von feiner Existenz noch nichts ober führen ihn nur in bet Rubrik „außergewöhnliche Spiele" auf. Mit Häilben unb Füßen wehrte sich die konservative Partei im Skat (unb wie sind die Leute konservativ!) gegen die Neuerung. Es half nichts! — Der Kucki fand trotz aller Anfeindungen und Achterklämngen selbst in die Kreise der „eingefleischten Altenburger" Eingang. Es sst doch auch zu schön, wenn man seinen Grand ober seinen Null ouvert, ben mau „aus der Hand" nicht spielen kann, mit Hilfe der beiden im Skat liegenden Karten „zurechidrücken" und salon­fähig, ja vielleicht reichsbanksicher machen kann. Ge-

= „Kucki".

Der „gute unb gediegene Altenburger Skat", den man ivohl auch ben „klassischen" nennt, ist ein Ding, bas man heute in seiner reinen Form nicht mehr kennt, unb aus dem einen Skat, ben man früher nur anerkannte, sind inzwischen sehr viele Skate ge­worden. Die alten Formen genügten unseren heu­tigen Skatjüngem nicht mehr, und so suchte und sand man Marten, Rüancen, Finessen, Schikanm und Raf­finements, die bas Wesen des Skatspielens beinahe umgestalret haben. Wenn heute sich drei edle Recken zum männermorbenbcn Skat Hinsehen, so müssen sie erst zehn Minuten debattieren und kompromisseln, bis sie sich über das Wie geeinigt haben. Der eine spielt dies nicht, der andere jenes, und es entstehen bann immer sehr hübsche unb reizvolle prinzipielle Erörte­rungen unb Debatten, bei denen jeder seinen Stand­punkt mit Nachdruck verficht und Konzessionen gegen Konzessionen tauscht. „Wenn wir den Grand 30 rech­nen, bann müssen wir auch mit Schieberamsch spielen; anders mach' ich's nicht." Wie schon war es noch anno dazumal, als es nur einen Skat gab, dessen Regeln so eisern gemeißelt warm wie die Worte der Heiligen Schrift.

Suwitag den 12. Angnft 1911

» Jahrgang.

5. Blatt.

«Hb Verlag »er zulsaer Hefleitönulerel in 8«lha.

Schicht nicht weniger al» 29 Hundeschädel mit einer enormen Fülle anderer Knochen, die aber sämtlich ebenfalls Hunden angehörtenl In einem zweiten Gang fanden sich gleichfalls zahlreiche Knochenreste zum Teil noch auf der Oberfläche liegend; hier zeig­ten sie vielfach Spuren einer Benagung oder waren ganz zertrümmert. Offenbar stand dieser Gang mtt einem Fuchsbau in Verbindung unb das Raubtier hatte aus dem großen Raume die nächstliegenden Knochen hierher geschleppt unb zerbissen.

Ich habe schließlich nur eine einzige Theorie zur Erklärung dieser Maffm von Hunden beibehalten kön­nen. Daß sie aus der Gegenwart (geologisch gespro­chen) stammen, ist klar, das zeigt ohne weiteres die Erhaltung. Sie können einige hundert Jahre dort liegen und da Wasser oder andere zerstörende Ein­flüsse nur selten ober an den meisten Stellen gar nicht auf die Knochen einwirkten, so konnte» sie sich so gut erhalten. Im Mittelalter haben aber die Grasen von Hanau längere Zeit im Sieinauer Schloß residiert unb einer von ihnen mag wohl eine größere Hundemeute besessen haben, was ja damals keine Seltenheit war. Ich kam, mir ganz gut denken, daß einer der Hunde­zwinger im Walde oder in der Nähe des Waldes lag, dort wo die Tiere zu Hetzjagden gebraucht wur­den; bann war ber Weg zu dem tiefen Loch ganz nahe und ber Gedanke, dort die verwesenden Kadaver der krepierten Hunde unschädlich zu machen, recht wahrscheinllch.

Mittlerweile schreiten die Ausgrabungen, die jetzt der Höhlenverein unter Leitung des Herrn Lüders wieder unternommen hat, rüstig fort unb zwar wirb zuerst der Hauptraum der Höhle ausgeräumt werden. Dieser ist schon jetzt etwa 25 Meter hoch und etwa 10—15 Meter lang und breit, reicht aber noch ganz bedeutend in die Tiefe. Hier laßt sich durch energische Arbett eine ganz gewalttge unterirdische Halle frei­legen, die sicher eine Sehenswürdigkeit in der höhlen­armen. Umgebung sein wirb. Nach allen Seiten hin verlausen Spalten im Berge, die zum Teil eine be­deutende LängSerstreckung zeigen, ja vielleicht gelingt es sogar, ben Bach zu erreichen, der früher die Hohl- räume geschaffen hat und nun in bedeutender Tiefe unterirdisch dahinfließt, eine etwa 2—3 Kilometer lange unterirdische Verbindung zweier benachbarter Bäche ist durch Färbung des Wassers vom Frankfurter Tiefbauamt festgestellt worden, Dann würbe die Sieinauer Höhle eine große Wichtigkeit erlangen, ein Ziel, das dem rührigen Verein dort durchaus zu wünschen ist.

sagtet sich''und sagten es anderen: "Warum so ll man eigemlich nur für Grand und Rull ouvert kucken - neu? Die Sache ist doch so schön, das kann.man doch eigenttich bei allen Spielen machen! Und so entstand der Kucki-Solo", und damit auch das „ewige Kucki. Hiermit war in den Skat eine Umwälzung hineingetragen, gleichbedeutend dein ^lluischwung^: der Weltanschauung im Zeitalter des Kopermkus. Das Tournee, das früher die Mehrzahl der spiele bildete, verschwand bei allen Spielern, bte ba§ ewige Kucki einführten, so gut wie ganz, und dre mharr- schwere Frage, über die man früher Bände geschrieben oder gesprochen hat: „Tourniere ich oben ober unten, verlor ihre Bedeutung. Doch auch das genügte Den rastlos vorwärtsstrebenden Neuerern nicht. Wahreno man zuerst den Kucki nur so spielte, daß man nach Fa^ ben oder Zahlen reizte, und bann v ° r Aufheben des Talons sein Spiel erllärte, schuf man hieraus affmafc sich ben ganz mobemen Skat, bei dem man nur nach Zahlen reizt und erst n a ch dem Aufheben be3 $alon§ erklärt, was man zu spielen beabsichtigt. Selbst stark linksstehende Skatspieler sträubten sich zuech, diese letzte Konsequenz zu ziehen, bis auch sie schließlich in der Hauptsache bezwungen unb zu Anhängern gemacht

überhaupt, auch norl, bringen. Die Haupsstadt läßt 1 sich darin von keinem anderen Orte des Landes schla­gen. Unb trotz dieser Hitze von 113 Grad Fahren- 1 heit hört man in Spanien von Hitz schlagen unb Er­stickungen nichts. Woran mag das liegen?

Es bleibt nichts anderes übrig, als anzunehmen, daß die spanische Rasse eben die Hitze besser verträgt als die angelsächsische. In der Tat wird hier die Sommerhitze, so groß sie auch ist, kaum als Qual em­pfunden. Zu jeder Tagesstunde sind die Sttaßen von Madrid äußerst belebt, und durch ben Sonnenbrand der Sttaßen schwimmt der Spanier bergnügt und ta­pfer wie in feinem Lebenselement. Er trinkt to enig Alkohol und vorsichtig unb bedächtig andere Er­frischungen. Er bekennt sich zu dem Ausspruch des altgriechischen Lyrikers: „Wasser ist das beste", und das Wasser wird gekühlt In porösen irdenen Töpfen, die dem Luftzug ausgesetzt werden. Vor den blen- benben Strahlen des Tagesgestirns schützt den Mann der breitkrempige Sombrero; die Senjora verschmäht eft lachend den beschwerlichen Sonnenschirm unb bedt füb die Augen und Kopf Hinter.dem bunten Facher^

Neber die Fuude aus der Teufels- lochhöhle von Steinau

Mjreibt Dr. Fr. Drevermann (Frankfurt), der von ber Senckenbergischen Narurforschenden Gesellschaft mit der Leitung der Ausgrabungen beauftragt ist, in der L Frankfurter Zeitung":

'O Das alte Städtchen Steinau im Kreis Schlüchtern tft in ber letzten Zeit in vieler Leute Munde gewesen. Ein fossiler Affenschädel war gefunden worden, 'Gelehrte tarnen von allen Seiten unb begutachteten ben merkwürdigen Fund hin und her, bis ^schließlich die -Lösung kam, daß ein Spaßvogel den Schädel „fossil gemacht" und in die Höhle praktiziert hatte, um sich über die gelehrten Männer lustig zu machen. Jetzt ist der Spaß auf der einen und der Aerger auf der ande­ren Seite vielleicht ein bißchen verraucht; nun mag .ruhig gesagt werden, was über den „Fund" und über die Hohle von Steina» überhaupt zu jagen ist. Das erscheint um so nötiger, als der Schädel etwas vor­eilig sogar in die wissenschaftliche Literatur eingedrun­gen ist, wohin ec eigentlich nicht gehört.

Die Grabungen in der Höhle gingen von dem Gedanken aus, daß die Stadt Steinau etwas, abseits Vorn Touristenverkehr liegt und eine Sehenswürdigkeit vielleicht einen kleinen Teil des alljährigen Ferien- stroms auch dorchin lenken würde. Der schon ge­nannte Sttaßenmeister Lüders, früher in Steinau an- fässig, jetzt in Schlüchtern, hatte seit langen Jahren die jßbee, die fogenannte Teufelskaute, ein tiefes schutt- "erfiilltes Loch mitten in prachtvollem Buchenhochwald, sdiesem Zwecke irgendwie dienstbar zu machen, und seiner Energie gelang es schließlich, das nötige.Geld -für den Anfang zusammen zu bekommen. Im Herbst porigen Jahres wurde begonnen, einen 50—60 Meter fangen Stollen durch den festen Mufchelkalkftlsen zu sprengen und die Freude war groß, als es hierbei schon glückte, eine zwar kleine, aber trotzdem sehr hübsche Tropfsteinkammer zu erschließen, von der man vorher nichts gewußt hatte. Endlich erreichte der Stollen die Teufelskaute, einen unterirdischen Hohlraum, von dessen Größe man sich damals keine rechte Vorstellung machen konnte, da er fast ganz mit Schutt erfüllt war. In wirrem Durcheinander lagen ■gewaltige Basaltblöcke, Kalkbrocken und Baumstämme darin, darunter zeigte sich in der Mitte ein mächtiger Berg von zertrümmerten Muschelkalkstücken unb in ber feinen Ecke, direkt unter ber im Buchenwald münden­den Oefsnung, eine ungemein zähe, von breiten grünen Tonbändern durchzogene, mit Basalt und Kalkstücken gespickte Lehmmasse. In ber zuletzt genannten Masse hatte man nach übereinstimmender Aussage der 9(r= beiter — die sich später auch als falsch erwies — den 'Schädel entdeckt. Die erste Feststellung in der Höhle schien für die Echtheit des Schädels zu sprechen. Eine einfache Ueberlegung ergibt, daß ein fossiler Affe nur aus tertiären Schichten stammen konnte, denn in der Diluvialzeit war es in Deutschland viel zu kalt, wäh­rend in ber vorausgehenden Tertiärzeit ein warmes Klima herrschte, das dem Vorkommen höherer Affen durchaus günstig war. Tertiäre Schichten aber finden sich in der dortigen Gegend allenthalben über dem Muschelkalk, und zwar ziemlich mächtige Tone, ge­mischt mit Sanden und Braunkohlen. In der er­mähnten zähen Lehmschicht wurden nur tonige Par­tien, Ouarzkorner und Braunkohlenreste geftmden, die nur aus dem überlagernden Tertiär stammen konnten, und mit diesen Resten konnte auch der Affenschädel in die Hohle geraten sein. Zwar waren alle in der gleichen Schicht gefundenen Schneckeir und Wirbel­tierreste sicher nicht fossil, sondern gehörten Formen an, die jetzt noch im Steinauer Wald leben; aber schließlich war das erklärlich, denn auch in den Spal­ten des Schwäbischen Jura sind Tierreste aus den ver­schiedensten geologischen Zeiten durcheinandergemischt gefunden worden. Ein direkter Beweis für ober gegen die Echtheit des Schädels war also an Ort und Stelle nicht zu führen, vielmehr mußte die Untersuchung des Fundes selbst Klarheit liefern. Und so kam es tn ber Tai: Pros zur Sttaßen stellte nach sorgfältiger Reinigung nicht nur fest, daß selbst die allerzartesten Knochen für ein Fasst viel zu elastisch erhalten waren, sondern fand auch, sorgfältig verschmiert in ben Ge- lenkgrubcn für ben Unterkiefer zwei Löcher vor, die fenkrecht nach oben verliefen, von einem Rosthof um­geben waren und also nur von eisernen Nägeln her- rühreii tonnten, die zu einer primitiven Befestigung des Unterkiefers dienten. Kurze Zeit nachher kam auch in Steinau der Ulf ans Tageslicht und damit

der sie überall beglettet. Man muß eben mit bei Hitze umzugehen wissen.

Die Spanier gehen gewöhnlich langsam, was wie, berum eine gute Vorsicht gegen ben Hitzschlag ift Während ber heißen Mittagsstunden werden die Woh- r.ungen hermetisch geschlossen, damit die Hitze nicht emonnge, dagegen abends Tür und Fenster weit ge- effnet, um die Kühle hereinzulassen.

Wo man die Widerstandskraft bes Spaniers gegen bie Hitze beobachten kann, das ist zum Beispiel auf den Marschen der Soldaten. Die Leute, deren Fußbe- Reibung in Hanfsandalen besteht, legen oft erstaunlich. Strecken in verhältnismäßig kurzer Zeit unter glühen, der Sonne zurück. Die galizischen und kastilianischen Schnitter arbeiten in Andalusien unter glühender Som ne 12—14 Stunden täglich, ohne zu erkranken. In Madrid herrscht die Gewohnheit, hinauszuziehen in die Sommerfrische, entweder zum Meer ober zum Ge­birge. Bei der großen Ansdehnnng seiner Küste ha! Spanien zahlreiche Sttandorte. Wer es sich gestatten kann, gcht nach dem teuren San Sebastian, wo bei Hof residiert, aber es gibt sowohl im Süden wie iw Norden noch eine ganze Menge von viel billigeren Seebädern, wo man für 6—8 Pesetas gut aufgehoben ist, wenn man nicht zu anspruchsvoll sst. Ein köst­licher Aufenthalt ist das nahe Guadarramagebttge, das seit kurzem immer mehr von den Madridern aufgesucht wird. Es bietet eine ungeheure Fülle von kandschast- licher Schönheit dar, und es ist ein wahres Paradies für Luft uyd Sonnenkur. Der Duft, den die Fichten­wälder und die Heidettäuter hier ausströmen, ist ge­radezu berauschend. Eingebettet im Gebirge liegen viele interessante Ortschaften, Sa Granja, das spa­nische Versailles, mit seinen Fontänen und Wildpar­ke», Segovia mit seinem gewaltigen römischen Aquä­dukt, Esvorial mit seinem Kloster und der ©ruft bet spanischen Könige.

Im Süden, in Cordoba, Sevilla, Malaga, ja schon in Toledo wird die Hitze bekämpft auf architektoni­schem Wege. Dir Bauart der Wohnungen hier ist praktisch und ästhettsch zugleich. Ein Jnnenhof, bet mit einem Zeltdach bedeckt ist, bildet den Zentrab raum, wo sich das gemeinsame und gesellschaftlich« Leben der Familie abspielt. Die einzelnen Schlafzim­mer, zu ebener Erde ober auf einem Stock, münden alle in den Hof. Dieser ist mit Blumentöpfen ge­schmückt. Der Fußboden ist ans Marmor. In bet Mitte ist ein kleiner Springbrunnen. Diese Höfe sind gewöhnlich angenehm kühl, selbst wenn draußen in ben Straßen eine Sonnenglut von 55 Grab brütet, In einem nichtigen andalusischen Haus trotzt man bet Hitze zehnmal bester als in einem nordamerikanischen Wolkenkratzer. Daher erklärt es sich, baß im glücklichen Spanien gcrabe ber Sommer bis Saison des Genusses, der allgemeinen Fröhlichkeit und ber DaseinSfreube, der Feste und „Ferias" ist, die bon den laubgekrönten Pyrenäen bis hinunter zu dem einsamen Sonnenbrand­felsen Gibraltars mit eitel Jauchzen und Jubel die ganze Halbinsel stillt.

war jedes Interesse an dem Fund vernichtet.

Die Senckenbergische Raturforschende Gesellschaft glaubte aber trotzdem die Arbeiten nicht abbrechen zu sollen, denn J>eim Fortschreiten bet Ausgrabungen würbe eine Fülle von Knochentesten gefunden, die zwar nicht fossil sind, deren Erklärung aber große Schwierigkeiten bot. Unter den wirr durcheinander liegenden Basaltblöcken^ die von oben hereingerollt oder geworfen waren (nach ber Aussage älterer Ein­wohner soll früher ein Frondienst bestanden haben, daß jeder Bauer Basaltblöcke in die Höhle werfen muhte, um dem Teufel, der dort hauste, allmählich den Wohnplatz zu verekeln), unter diesen Basaltblöcken also fanden sich Knochenrefte in ungeheuerer Masse unb zwar fast ausschließlich Reste von, Hund en da­neben viel seltener solche von Ziege, R i n.b, Pferd unb überaus selten Schwein. Ich schätze die Zahl der Hunde auf etwa 300—400 unb zwar lagen bis auf zwei Ausnahmen — die Skelette nicht im Zusammenhang, sondern dir Knochen waren zer- - streut unb es fanden sich fast nie auch nur zwei zu­sammengehörige Knochen nebeneinander vor. Dabei waren die Knochen nicht angebrannt oder von Men- schen bearbeitet, sondern unbeschädigt und nur ge­legentlich von den mächtigen Gesteinsblöcken zertrüm­mert. Ueberhaupt waten die einzigen menschlichen Spuren etmae Topfscherben, ein Hufeisen, ein Dolch Md ein Zaumzeug. Fürs erste war die Massenhaftig­keit des Vorkommens durchaus rätselhast denn daß die Hunde in der Hohle gelebt haben sollten, war bei -dem Fehlen einer zugänglichen Oefsnung ausgeschlos­sen. Es münden wohl einige Spalten in den Haupt- ‘jaum, jedoch scheinen diese nicht bis an die Oberfläche zu reichen. Einer biefer Sa alten lieferte auf eine C kurze Erstreckung — sie ist höchstens lft-> Meter und an der breitesten Stelle ungefähr 50 Zenti­meter breit — in einer ca. 50 Zentimeter starken

Konsul mehr retten.

Sultan Muley Abdul Asis war mehr als feine Vorgänger den Franken gewogen. Das brachte ihm bei feinen Untertanen den Titel „Freund der Christen", den größten Schimpfnamen in den Augen der Koransjünger. Schnell verlor er im Jahre 1908 Reich und Krone an seinen Bruder Muley Hafid. Wie wenig sicher die Reisenden unserer Zeit vor des Islams fanatischen Scharen find, lesen wir tn Otto Artbauers letzten marokkanischen Reisen. Auf einer Reise von Rabat nach Casablanca hatte er sich dem Stamme der Talamiten angeschlossen, weil er bei eini­gen Kaids (Häuptlinge) dieser blauen Fanatiker (io genannt wegen ihrer blauen Kleidung) Gastfreund­schaft genossen hatte, und damals der „Pruß m M - rekko einen guten Ruf hatte. Doch der 8^-™ eines Sudanbewohners konnte fcs einem Chnften Hunde nicht verzeihen, daß er in Begleitung ihres fast bmidertiäbriaen Großscheriss Mohammed Ma lamm (des VKfigm) sich befand. _ Als Artbauer am zweiten Tage die malerischen Trümmer einer verfal­lenen Kasba (kleine Zitadelle) photographieren wollte, fing der Spektakel an. Die rasende Schar wollte den Apparat vrrmLten. Wären jhm nicht drei