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Donnerriaz -es (0. Argust Mi­

ss. Zahrgruig.

• Tuldaer W Zeitung *

2. Blatt.

vr«<k uwb Vertag 6tr Sulbatr Ädk**cr«ti in Zutda.

Aus -em Nachbargedlete.

L Künzell, 9. Aug. 191L Wegen der anhaltenden Hitze fällt während dieser Woche sowohl hier, als auch am Bachrain der Unterricht vollständig aus. Sollte diese Witterung fortbauern, so werden nächste Woche aus Kosten der Herbstserien 8 Tage Ferien gegeben.

„§' Wüstenfüchsen, 9. August 1911. Heute morgen ist hier das Wohnhaus des Sch'neidermeisters Leopold Keidel bis auf den Grund niederge­brannt. Die hiesige Feuerwehr war sofort zur Stelle und zunächst darauf bedacht, das Feuer von den angrenzenden Schermen und Nachbargebauden fernzuhalten, welches auch Dank der ganz vorzüglichen Leistung unserer Hochdruckwasserleitung gelang. Ohne diese segensreiche Einrichtung wäre ein großer Teil des Ortes ein Raub der Flammen geworden. Trotz­dem unsere Quells noch reichlich Wasser liefert, dürf­ten manche Ortsbürger etwas sparsamer damit um­gehen.

♦ Harumelburg (Rhön), 9. Aug. 1911. Auf dem Truppenübungsplatz dahier wurde der Einjährige- Veterinär Stamm aus Steinfeld bei Lohr tot aufge­funden. Wie verlautet, soll sich Stamm, dec in letzter Zeit Spuren von Trübsinn zeigte, vergiftet haben.

* Gieße«, 9. Aug. 1911. Selbst ein Esel kann einem teuer zu stehen kommen. Ein hiesiger Eselbesitzer verhandelte eines der Grautiere für 200 Mark an einen Gastwirt. Der Esel wurde auch ge­liefert; aber der Schmied, her das Tier für den Gast­wirt beschlagen sollte, machte diesem den Handel leid, indem er bat Wert des Esels niedriger ansetzte. Der Gastwirt hatte inzwischeir das Eselchen einem Kollegen für einige Tage zum Fahren überlassm, und als es dieser zurückbrachte, erhielt er die Weisung, e? dem Verkäufer nur zurückzitbringen, da der Handel rück­gängig gemacht sei. Das Grautier wurde also wieder bei seinem alten Herrn in den Stall gestellt; dieser aber betrachtete es nur als seinen Pensionär, verlangte vom Gastwirt den Kaufpreis und für jeden Tag 2 Mark Futtergeld. Als die Zahlung verweigert wurde, kam es zum Prozeß, bei dem in zwei Instanzen um das Eigentum des Esels gestritten wurde. Der Esels­prozeß ist jetzt laut „Gieß. Anz." zu Ungunsten des Gastwirts mtschieden worden. Er wurde verurteilt, den Kaufpreis mit 200 Mark, sowie Pension je 2 Mk. für 420 Tage (so lange hatte der Prozeß gedauert) und die Kosten des Rechtsstreites zu zahlen. Der Eset ist natürlich, da er inzwischen unbeschäftigt im Stall oestanden und gut gefüttert wurde, dick und fett ge­worden, sein glücklicher Besitzer meint jedoch, es gebe noch größere Esel als den seinen.

* Großauheim, 9. Aug. 1911. Eine hier in Pen­sion befindliche 56 Jahre alte unverheiratete Dame hat sich aus unbekannter Ursache vergiftet.

* Frankfurt a M , 8 August 1911. Die Ver­waltung der Festhalle plant für die Weihnachts- zeit eine große Puppenausstellung. In Berlin hatte eine solche Veranstaltung im vorig n Jahr großen Erfolg. — Ecke König- und Leipzigerstraße kam em Mann aus Rödelheim beim Ausspringen aus einen Straßenbahnwagen zu Fall und wurde am rechten Fußgelenk schwer verlebt. Im Gerichts- gefangnis erhängte sich heute der 38 Jahre alte Taglöhner Heinrich Trab aus Bockenheim. Er war in Untersuchungshaft, weil er am 12. Juli seinen Vater überfallen und aus ihn geschossen hatte. — 200 Mark verdient hat sich ein Matrose eines holländischen Frachtschiffes, der die am Sonntag

Amt Geisa und Umgebung.

* Aus Thüringen, 9. Aug. 1911. Nachdem schon kürzlich die Verhaftung zweier Wild­diebe gelungen war, ist am Montag abend in Eisenberg als Dritter der Arbeiter M. verhaftet morden. — Aus dem Gefängnis sind zwei „schwere Jungen" in Mühlhausen i. T. ent­wichen, die wegen schweren Diebstahls erheb­liche Freiheitsstrafen zu verbüßen haben. Es ist

Ausland.

*♦ Die Wiuzeruuruhen m der französischen Cham- mgne beschäftigen gegenwärtig die Gerichte, aber die rmizösische Justiz zeigt sich dabet von einer seltenen Gutmütigkeit. Selbst der Staatsanwalt beantragte nur eine geringe Srafe. Das Schwurgericht in Douai hat Montag sieben Winzer, die wegen Plünderungen im April dieses Jahres angeklagt waren, freigespro­chen.

* König Nikolaus von Montenegro spielt jetzt den Unschuldigen. Er Hai dem Sultan der Türkei zur Be­endigung des Aufstandes in Albanien telegraphisch feine Glückwünsche ausgesprochen. — Der Sultan wird ich sein Teil dabei gedacht haben, als er das Tele­gramm des alten Fuchses erhielt.

müßte seine Last weiterschleppen und hätte niemand, der um ihn ist, der ihn lieb hat und für ihn sorgt."

„Du glaubst also, daß Weißenhofen nicht helfen würde?" stieß Viktor hervor. „Du mußt nämlich wissen, ich — ich habe Ehrenschulden. Bis morgen früh müssen sie bezahlt sein, sonst —”

Hilde schrie auf. „Auch das noch? . . . Wie viel?"

„Ztoanzigtausend!"

Das Mädchen mußte sich an den Tisch klammern, um nicht umzustnken. Sie war leichenblaß gewor­den und starrte aus großen, entsetzten Augen ins Leere.

„Hilde — so sprich dock!" rief Viktor, dem es in ihrer Nähe unheimlich wurde. „Schilt mich, zürne, verfluche mich — aber rede, rede . . ."

Sie schüttelte den Kopf und fuhr sich über die Augen „O, Viktor, was hast du getan?" Hastig er­hob sie sich. „Ich gehe zu Weißenhofen. Er muß mir das Geld geben . . . deine Ehre muß rein blei­ben. Laß anspannen. Viktor, auf der Stelle ... Ach Gott." schrie sie auf, „nun ist alles dahin, alles Glück, alle Freude . . . nun werde ich das Weib die­ses Mannes . . .'

„Hilde, das darfst du nicht. Du sollst dich nicht erniedrigen. Komm mit zu Papa, er will in die Stadt fahren, beeile dich!"

„Papa in die Stadt? . . . Wegen . . . wegen des Geldes?"

„Sa."

„Gut. Ich will zu Papa!" Sie flog die Treppe hincch und in das Zimmer ihres Vaters, der eben den Waffenrock zuknöpfte. „Papa — du sollst nicht in die Stadt fahren, ich will zu Wttßenhvfen und ihn bitten, daß er mir das Geld gibt —"

Der Major fuhr herum. „Was willst du? . . . Dich anbieten? Verftmfen? . . Nein, Hilde, das tun die Sonnecks nicht Schweig, Kind, ich will dies Opfer nicht. Wir fahren in die Stadt, Hilde. Geh, mach dich zurecht." Er stttch ihr zärtlich übers Haar. „Und

schlechts in der Residenz eine Rolle spiele, daß er glänze und unserem Namen Ehre mache. Das hast du nur zu sehr befolgt, Viktor. Du warst der flot- tcste Offizier der Garnison und hast Summen ge­braucht, Summen ... die meine Kräfte überstiegen. Aus dem Gut konnten sie nicht heraus geschlagen wer- den — da häufte sich Hypothek auf Hypothek. Jetzt stehen wft vor dem Zusammenbruch, vor dem Ruin."

„Gibt es denn keinen Ausweg?" rief Viktor. „ES muß einen geben. Ich gehe zu Weißenhofen —"

Sonneck schüttelte den Kopf. „Per hilft nicht. Zmn ersten bin ich bereits fein Schuldner — und dann: er hat um Hildes Hand angehalten —"

„Und Hilde?" fragte Viftor atemlos.

„Hilde hat ihn abgewiesen."

„Dann fahre ich sofort in die Residenz und bitte Rirhofen um Verlängerung der Frist. Irgendwo wird doch die Summe aufzutreiben fein. Wenn alles fehl­schlägt, verkaufe ich meine Pferde . . .'

„Dafür lösest du kaum den dritten Test der Sum­me. Mer in der Residenz, das ist schließlich ein Weg. Ich hatte einst gute Freunde dort, vielleicht helfen sie mit. Laß sofort anspannen — du und Hilde begleiten mich!"

Diftor ging. Er sand Hilde in ihrem Zimmer, einem hübschen Raum mit Rosatapeten, weißen Mö­beln und einem kleinen Balkon, dessen Brüstung mit Vlunientöpfrn besetzt war. Viftor nahm die Schwester bei den Händen. ,„Hilde, was ist das für ein Jam­mer i Auch du bist in Rot! Und ich hoffte in dir einen Ratgeber zu finden . . . mm ist's auch damit vorbei. Baron Weißenhofen . . ."

„Hat es Papa gesagt? Ach Gott, es hängt viel­leicht unser aller Schicksal davon ab, aber ich kann nicht, ich kann nicht . . ."

„Ich glauo's, Hilde. Ich weiß, wie unglücklich du würdest. Und rmglücklich sollst du nicht werden. Wenn ich nur einen Ausweg wüßte . . ."

Hilde glaubte, er rede von ihrer Angelegenheit und sagte: „Es würde nichts nützen, wenn ich Weißen- hofens Werbung annähme. Ich wäre zwar versorgt, aber Popa bliebe nach wir vor in Rot. Denn im Geldpunkt kennt der Baron keine Freundschaft. Papa

was auch kommen mag, Kind, ttfr werden unsere Ehre hochhalten."

Alle Freudigkeit war plötzlich von Hilde gewichen. Sie ging und war im Begriffe, sich wieder auf ihr Zimmer zu begeben, als im Korridor ein Bursche aus dem Dorf: auf sie zu trat und ihr einen Brief übergab. „Vom Fräulein in der Villa an den Herrn Leutnant", sagte er. Der Bote erhielt seinen Lohn und ging.

Hilde stieg langsam die Treppe empor und wog den Brief in der Hand. „Was tzm Alice Bergmann zu lagen hat?" dachte sie. Unb plötzlich kam ihr ein Gedanke. ..Alice — und Viktor! Die Rettung! lind nun hastete sie die Treppe empor und rief Viktor. Er kam eilig herbei.

Sie zog ihn in ihr Zimmer. „Da, ein Btt es! Von Alice Bergmann! . . . Viktor, warum hast du mir davon nichts gesagt? Das wäre ja die Rettung!'

Viktor sah sie verwundert an. „Ein Brief von Alice Bergmann?" sagte er. „Was soll mir die zu sagen haben?" ... Er riß das Kuvert entzwei und überflog dir wenigen Zeilen. Sein Gesicht erhellte suh einen Augenblick. „Ach, der Bttef ist ja gar nicht von Alice ... Er ist von Iris! . . .

„Von Iris? . . Wie du das sagst, Viktor!"

Er legte feinen Arm um ihre Schullern und sagte leise: „Ich habe mich gestern mit Iris verlobt. Aber ich bitt' dich, sag' eS keinem Menschen."

„Mit Iris verlobt? . . Du hast sie lieb, Viktor? . . . Ach, du toller, lieber Junge — nun ist's noch schlimmer als zuvor. Ich fürchte, es kommt nuf) Gutes dabei heraus. Tie arme Ins! . - • «inen Augenblick dachte ich, du wärest tmt Alice Bergmann einig geworden; das wäre ein Weg llswesen ober es kann ja nicht sein. Wir Srmnecks haben kem Glück mehr Viktor Im Leben nicht, und nM in der Liebe. Die Sonne ist von uns gegangen." — —

In sehr gedrückte: Stimmung trat der Major mit Viftor und Hilde die Fahrt an.

(Fortsetzung folgt.)

fall, Selbstmord, Kriminalität, Unfälle ufw. hin und bat um recht zahlreichen Beitritt zum Kreuzbündni».

n Die Albertus M«sn«s-Bereine tagten am Man- tag nachmittag. Im Vordergründe der Erörterungen ltandcu die Fragen, ob man bei den bescheidenen Mitteln und bei der großen, von Jahr zu Jahr wach­senden Anzahl der Bewerber nur wenigen jungen Leu­ten, und zwar den würdigsten, größere Unterstützungen gewähren solle, oder ob man auch Bewerber mit mittel- müßigen Schulzeugnissen unterstützen müsse. Es wurde betont, daß die erste Forderung zwar den Vereins- atzungen entspreche; allein es könnten auch Fälle vor­kommen, in denen man Bewerber mit mittelmäßigen Schulzeugnissen nicht ohne weiteres abweifen dürfe. Weiter wurde die Wichtigkeit der wandernden Gene­ralversammlungen betont und für Propaganda-Vor­träge auf breitester Grundlage eingetreten.

p. Die „Akademische Bonifaiins-Einigung" hielt Montag morgen eine Generalversammlung ab. Nach Erledigung einiger Anträge geschäftlicher Natur wurde die Frage nach Anstellung eines „Geschäfts­führers', der auf Rundreisen an den Hochschulen die Sache der Einigung fördern soll, lebhaft erörtert. Während einige Herren, z. B. Herr Stadtpfarrer Dr. Weber-Marburg, die Hauptaufgabe der „A. B.-T." in der Gründung von Kirchen erblickten, redeten andere, besonders Herr Dr. Metzger-Freiburg, der festen An­stellung eines „Gefchästsführers" das Wort. Die letztere Forderung roinbt schließlich zum Beschluß erhoben. Uebct die Studentenseelsorge wurde noch manch de- achlenkwerleS Wort gesprochen. Mit Recht wurde die Forderung gestellt, daß es dem Studenten so leicht wie möglich gemacht werde, seine religiösen Pflichten zu eiffißen. Hingemiesen wurde auch auf die Notwendig­keit, das freie Drittel der Gelder mehr als bisher den Universitätsstädten der Diaspora rukommen zu lassen.

p Der Kartellverband der katholischen deutschen Ver­bindungen (C. 58. farbentragend) hielt Montag abend in der Festhalle einen Festkommers ab, auf dem be­sonders die Aufnahme des fog. kleinen C. V. gefeiert wurde. In feierlichem Zuge zogen die Vertreter bet 77 Korporationen von einer schier endlosen Menschen­menge begleitet, zur Halle und in den Saal. Präsident Graf Galen widmete dem Kartellverband herzliche Worte. Die gebildeten Stände hielten sich im öffent­lichen Leben in der Betätigung des katholischen Betoutzt- seius allzusehr zurück. Der C. SB. sei berufen, mitzuwirken, daß cs ander» werde. Warme Bcgeistc- rung und Liebe für den Kartellverband klang aus den Worten des Bischofs Groß von Lettmeritz. Wenn er diese herrliche Fcstversammlung überblicke, dann werde eS ihm warm ums Herz, denn die große Idee des Laienapostolats finde hier einen sichtbaren Aus­druck. Justizrat Dr. P o r s ch als Vorsitzender des Alter: Herrenbundes hieß den kleinen C. V. willkom­men mib mahnte die Abiturienten, ihre Ideale auch ins öffentliche Leben zu übertragen. Der Student soll« sich von politsschen Parteikämpfen fernhalten, aber doch die politisch« Lage studieren. Die Erinnerung an das bevorstehende 25jährige Priesterjubiläuur des schwer erkrankten Pfarrers Dr. Wurm, de» allzeit be­geisterten Vorkämpfers des C. V. und langjährigen Academica-RedakteurS, wurde zu einer Dankeskund- gcbung für den viclverehrten Alten Herrn. Rechtsan- toalt Paul v. CoeIlen (Köln) beantwortete in der glänzenden Festrede die Frager „Ist unser C. V. noch zeitgemäß?" Direftor Dr. Brauns (M.Gladbach) schlug im Samen des ganzen kleinen C. V. mit herz­lichen Freundschaftsworterr in die ausgestreckte Bruder­hand des KartellvcrbandcS ein.

i. Der Kartellverbanb katholischer Studcutrn- vereine K. V.) hielt am Dienstag im großen Saale der Stadthalle feinen Feflkommers aus Anlaß des KatholikeulageZ ab. Im Saale war kein leeres Plätz­chen mehr. Aktive uvb Alte Herren, darunter zahl­reiche Parlamenlarier, jüllten bas Parierre, bie Galette ivar von einem geradezu gewaltigen und dennoch überaus reizenden Damenflore besetzt. Unter stürmischem Jubel betrat A. H. Bischof Faulhaber von Speyer, der glänzendste Redner des heurigen Kathotikentages, den Frflraum. Rach recht studentischem EinleitnngSakius und einigen frohen Weisen hielt A. H. Universiiätsplvf. Dr. Martin Spahn anknüpfend an den großen Lob- redner der Autorität, an Bischof Frhr. v. Kcllettr, die tiefgründige Anloritätenrede. Auch Bischof Faril- hader ergriff bas Wort. Im Namen des beulschen Episkopats gab er seiner Freude über da- Blühe» unserer katholischen Korporationen Ausdruck, dieser ^ftiegsakatemien unserer künstigen Vottsführer". (Stürm. Beifall.) Die Prinzivienrede hielt mit jugend­lichem Feuer der Begeisterung A. H. Retchsiagsabg. Dr. Max Pfeiffer. Auch bet Präsident des Katho­likentage-, Graf Galen, stattete dein Kommers einen Besuch'ab und gab ihm die Ehre einer zündenden An- fvrache. Der Fuldaer K. V. war durch eine stattliche Reihe Mitglieder vertreten.

beim Bootfahren verunglückte Käte Blasius unter- halb de§ Eisernen Steges als Leiche landete. Bon Verwandten und Herrschaft der Verunglückten waren 200 Mark für die Landung ausgesetzt. — Leiter Wagner, Präses des Gesellen Vereins Frankfurt, der noch am Sonntag mit s inen Gesellen m Mam; war, ist beute mittag 12 Uhr an Blinddarment­zündung geftorbe».

. ^Sr°nkfutt a. M., 9. Aug. 1911. In einer Ba­deanstalt ernt Main machte gestern ein IZjähttger Schü­ler einen Kopfsprung ins Wasser. Dabei sprang er einem 20jährigen Kaufmann derart auf den Kopf daß beide eine schwere Rißwunde auf dem Kopf bation trugen Nach Anlegung eines Nowerban- des gingen sie auf bie Rettungswache, wo sie mchrere- mals genäht werden mußten.

* Großittmerrde, 9. Aug. 1910. Der Fuhr­mann Orth aus Hundelshausen fiel, als er eine Fuhre Kirschen nach Kassel bringen wollte, neben feinem Wagen gehend vom Hitzschlag getroffen besinnungslos zusammen. Er wurde auf seinem Wagen nach Kassel gefahren und in das Land- krankcnhaus eingeliefert, wo er schon im Laufe des Vormittags ita.b

* Jena, 8. August 1911. Die eigentliche Ursache von dem Verschwinden des Abbe -Bil - d e s aus einem Hörerraum der Universität fickett jetzt durch. Ein bekannter UmversttStsprofeffor verschul­dete das Vorkommnis, das anfänglich so rätselhaft erschien. Der Professor hat das Kunstwerk eigenmäch­tig entfernt, well er es als solches nicht anerkennen kann und dementsprechend nicht zur Schmückung des AudiiottumS I für würdig erachtet. Von dieser eigenmächtigen Ausmerzung hatte niemand eine Ahnung. Als der Vorfall in der Presse erschien, be­zeichnete sich der Pcoseffor selbst als di« Ursache der Beseitigung des Bildes. Das Geständnis soll an ge­wissen Stellen verstimmend und peinlich berührt ha­ben, — was zu verstehen ist.

* Zeil-hein» (Großh. Hessen), 8. Augu t 1911. Ein schlechtes Geschäft machte der Arbeiter Menz gestern mit einer Beleidigungsklage, die er vor dem Höchster Schöffengcttcht gegen feinen früheren Hausnachbaru anhängig gemacht hatte. Während die Fran Nachbarin mit 5 Mark Strafe wegkam, hatte sie gegen Menz Widerklage erhoben, und Menz bekam das dreifache, nämlich 15 Mark und 3/i der Kosten. Er selbst hatte die Frau zur Be­leidigung gereizt. — Hoffentlich zieht der Mann ans der Strafe die Lehre, daß man nicht, wie es leider so ost geschieht, wegen jeder Kleinigkeit die Gerichte anrufen soll.

* Herschbach (Nassau), 9. Aug. 1911. Infolge der Explosion eines Spiritusdügelappa- r a 1 e s wurde die Fran eines hiesigen Sattlermeisters nickt tinerhedlich verletzt.

* Wiesbaden, 9. Aug. 1911. Großes Aufhebens hat man seinerzeit über einen vorzüglich dres­sierten Polizeihund des Kriminalschutz­mannes Decker von hier gemacht. Dem Beamten mür­ben von französischen Züchtern für seinen „Tell" 10 000 Mark vergebens geboten; nun ist das Tier in­folge der Hitze entgegengegangen. — Während der starken Hitze her letzten Tage sind auch hier einige Httzschlüge mit tödlichem Ausgang vorgekommen.

* Bingen, 9. Aug. 1911. Bei dem niedrigen Was­serstande des Rheines sind S ch i f f s u n f ä l l e im Gebirge und im Rheingau an der Tagesordnung. Zwischen Bingen und Mainz ragen die Sandböcke aus dem Wasser hervor, oder sie sind dicht unter dem Wasserspiegel bemerkbar.

* Würzburg, 9. Aug. 1911. Aus Nahrungs­sorgen erschoß der zuletzt als Versicherungsagent beschäftigte Eisendreher Karl Paksa seine Frau und sich selbst. Sein Vorhaben, auch sein l^jahriges Kind ums Leben zu bringen, gab Paksa auf.

Schloß Sonneck.

Roman vou Felix Haber.

2«ben in bie zu ssrnmengesimkene Gestalt. Mühsam richtete fidi btt Major auf, und Viktor mit intern vagen Micke streifend, stöhnte er: „stwanzig- iemftnd. . . entschlich! . . . Warum host du mir r-tts getan? Das letztemal waren es zehntausend und jetzt diese Summe . . . Damals hast du mir verspro­chen, du werdest keine Sorte mehr an rühren, und nun hast du es doch getan und dein Wott gebrochen."

Sitter erhob sich wie zerschmettert und setzte sich; die Knie wankten ihm. „Ich wollte nicht spielen, Papa, aber es kam eben so ?. ."

„In, ich weiß, wir so etwas kommt, Iven« man sich nicht beherrschen kann, wenn man zu schwach ist. Ich sollte dich niederschssge« — ober verachten — und 13» es nicht, weil ich selber schuldig bin. Ich war nachsichtig gegen dich, habe alle deine Wünsche erfüllt, da ich alle Hoffnungen meines zertrümmerten Lebens auf dich fetzte. In dir sollte unser altes Ge­schlecht neu erblühen ... ach, wie stolz war ich auf dich! Wie hab ich dich lieb gehabt! . . . Diese Siebe war meine Schwäche — und bei« Verderben! Run ist alles zu Ende, alles!" . . .

„Papa," schrie Viktor aus, „sage das nicht! Ich »in trotz allem dein Sohn. Rur dies einmal hllf mir noch. schwöre dir .. ."

„Schwöre nicht", unterbrach ihn der Major mit .'«uher Stimme, „es ist nutzlos! Denn - ich kann dir nicht helfen."

Viktor stieß einen gurgelnden Schrei aus. „Va­ter ... du ... du kannst nicht? . . /'

„Mein! ... Es ist zu Ende!'. ' . Ich siche vor dem Ruin . . ."

Viftor umtiammede seinen Vater. „Und ich — sch trage die Schuld?" schrie er.

„Ja, du — und Mama!" tarn es hart aus Son- »tcks Mund. „Mamas Verschwendungssucht war bie taffte Ursache unseres Ruins. Dann kamst du. Ich teile selber haben, daß der Sprosse unseres alten Ge­

S8. GexeralverHanrmlmrg der Katho­liken DentMands zn Mainz.

Sta Landsleuten in Amerika undrnder Hemmt l^reu stellen. Präsident Graf Galen überböte den Mück wünsch der Generalversammlung zum Wrtgen Aheheu des Raphaelsvercius, auf den bie deutschen Katholiken mtt Recht stolz seru durften. Alsdann sprach noch Graf Vay de Vaha über „Die Seelsorge des Raphaekvereins auf der Seefahrt".

k Ter Missionsverein katholischer Frauen und lungfraueu hielt am Montag eine Versammlung ab, bie Provinzial P. Acker leitete und die von einer Reihe von Bischöfen besucht war. Wegen UefeerfüHung -fnnb in einer benachbarten Kirche eine Parallelver- snmmlung statt. In der Hauptversammlung sprach Reichs iagsabg. Erzberger, der die starke Entwick­lung der freien Missionstätigkeii hervorhob und daran erinnerte, daß man vor zwei Jahren in Breslau in einem kleinen Zimmer mit 24 Personen beisammen tunt, während heute zwei große Räume die Besucher nickn fassen könnten. Er ermunterte die Damenwelt, Ech auf die Männer einzuwirken, damit die erfor­derliche Geldunterftützuug der Sache zuteil werde, die bie wichtigste Frage zurzeit für die Kathfliken fei, die nämlich, ob unfere Kolonien katholisches Land würden oder dem Protestantismus anheimfallen. Bis jetzt hab« ia die Missionstätigkeit der Frauen Großes geleistet. Der Staatssekretär des Aeutzeren habe ihn (Erzber- 'zer) beauftragt, seinen Tank an die katholischen Da- inen dafür zum Ausdruck zu bringen. Was sie fertig gebracht hätten, das sei ihm nicht gelungen. Der Staatssekretär habe eine Sammlung Bei den Grotz- rmken versucht. Er sei dabei hereingefallen. Er Arzberger) habe dem Staatssekretär darauf erwidert, die katholischen Frauen stellten eine unerschöpflich« Wolksbank bar. Das wertvollste Aktiv um der deutschen Kolouialpolitik sei die unsterbliche Seele des Neger». Bisher habe nun die katholische Mission einen Vor­sprung gehabt, bei dem 64 400 Protestanten der tict» fchiedensten Richtungen unter den afrikanischen Ein­geborenen 100 000 Katholiken gegenüberständen, aber schon ständen 38 000 Kindern in katholischen Missions­schulen Afrikas 53 599 evangelische Kinder gegenüber. Unsere Frauen wären in Wahrheit ein schwaches Ge­schlecht, wenn sie nicht ihr letztes Bestes hingeben würben, um den Vorsprung cinzuholen. Bischof Kir- stein sprach darauf den Dank im Kamen der anwesenden Bischöfe an bie im Miffionstoerk tätigen Frauen aus nnb spendete den bischöflichen Segen. Dann sprach noch Kürst Alois v. Listvensiein und Wertheim, der bie Frauen aufforderte, zu sorgen, daß ihre Söhne so werden wie her kleine Erzberger, der schon vorn 14. Jahr« Mifstonszeitschriften gelesen habe. — Einen Ueberblick über die eifrige Tätigkeit her katholischen Frauen Deutschlaubs für das Mistionswerk des Katho­lizismus bekommt man in biefcn Tagen in einet Mission sau sstellung im alten Jnstizgebäude. Außer einer Ausstellung von kirchlichen Geräten und Gewändern, die von den Frauen oder von den Mis- sionswerkstättcn eigens für den Dienst in den Tropen hergestellt sind (z. B. leicht transportable Zeltattäre mit vollständiger Einrichtung) ist noch eine ethnogra­phische Abteilung vorhanden, in der alle deutschen Ko­lonien berücksichtigt sind.

g Zur Sitzung der Katholischen Mädcheuschutzver- eittc fanden sich Montag nachmittag etwa 500 Damen und Herren zusammen. Pfarrer Grobe betonte in feinen einleitenden Ausführungen, daß Bischof v. Sette« ler vor allem ein Lwuptfördever der christlichen Chari­tas gewesen sei. Aach der nächste Redner, Prof. Dr. Meyers (Luxemburg), rühmte Kcttclers segensreiche Tätigkeit im Dienste der Nächstenliebe. Die Ehren-, kröne für chatttative Betätigung spricht Redner den ed­len Frauen, zu die sich gleich Schnhengelu an die Seite der von so vielen Gefahren umgebenen Dienstmädchen leiten. Die Vorsitzende des deutschen Rationalverban- des der katüolischen Rädchcnschwtzvereine, Frau Bon- tartt-Klehe (Frankfurt a. M.), überbrachte die Grütze des Nationalverbandes. Bon den Geistlichen erbat Red­nerin rechtzeitige Mitteilungen über die Abreise der Mädchen nach der Stadt. Kein Pfarrer solle ohne den in D>iinchen erschienenen Führer der deutschen Mäd- chenschutzvereine sein. Der Vorsitzende des interuatio- nalen Verbandes der katholischen Mädchenschutzver­eine, Prof. Dr. Speiser (Freiburg i. Schto.f, berichtete über die guten Erftstge in den einzelnen Ländern.

n Tas Kreuzbütlduis hielt Montag abend eine Ver­sammlung ab. FraiiziZkancrpater Elpidius hielt die Festrede. Sn der Hand reichen Zahlenmaterials totes er auf die überaus schlimmen Folgeri des Alkccholnriß- lautdjcS in bezug auf körperlichen und geistigen Ver-