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Fulda, Donnerstag den 10. August 1911

38. Jahrgang

Erstes Blatt

181

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üetatianrdruckund Verlag der Knldaer Ak» tienörntferei in Lulda Fernsprecher Ur. 9.

Organisation zur Verteidigung der christ tichen Schule und Erziehung,

-rfchetnt „glich mit -urnavme bet Seja« ,«dZeierta^.Viertel» »hrliche,Ve-MV>reir ebne Srin-erlohn und SestellfleldinZuldasd- >te<m$t»6tt$X^05it

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SParzeSer iE Lnlda.

58. Generalversammlung derKatho- liken Deutschlands zu Mainz.

C. Mainz, 9. Aug. 1911.

Vierter Tag — Mittwoch.

<r(V Mittwoch wurde eingeleitet durch eine hl.Messe Im fLben Dom nach der Intention des Bonifalius- verynS. Baid daraus sand im großen Saal des Frank­furter Hofes die

dritte geschlossene Versammlung

Vizepräsident V. Brentano: Heute nachmittag fand eine glänzende, ausgezeichnet verlaufene Berfammtung von katholischen Lehrern und Lehrerinnen statt. Wie bei allen Versammlungen hier in Mainz war alles durchaus vorzüglich — nur das Lokal, so groß es war, war viel zu klein, wie es überhaupt zu befürchten ist, daß es demnächst in ganz Deutschland keinen Saal mehr gibt, der die Katholtkeuverfammlung zu fassen imstande ist. Der ausgezeichnete Vortrag, der dort ge­halten worden ist, findet feine Fortsetzung und seinen Höhepunkt in den Worten, die wir eben gehört haben, und es drängt mich, nach Ihrem lauten Beifall dem Herrn Redner herzlich in Ihrem Namen zu danken, ganz besonders zu danken auch im Namen der katho> tischen Eltern. (Lebh. Beifall.)

Hierauf spricht Prof. Tr. Gitzker-Chur, von bei Versammlung mit lebhaftem Beifall begrüßt. E> behandelt das Thema

Kirchlichkeit und Wissenschaft.

In einer gewählten, blumen- und bilderreichen Sprache legt er dar, daß Kirchlichkeit und Wifseu- schast zwei Begriffe seien, die sich nicht von einander ausschiössen, sondern die in innigster Beziehung zu ein« ander ständen. Als der Agnostizismus, von Kant be> schwingt, seinen mächtigen Flug durch die Kultur welt nahm, wer erhob da einen herzhaften Protest zugunsten der Vernunft? Niemand außer Rom. Rom, welches Ursache und Wirkung aufspürt und in Zusammenhang bringt, wie Kolumbus die Nähe des Landes aus An­zeichen berechnete, wie Leverrier den Replun berech­nete, rote die Ingenieure beim Durchbruch des Golt- Hard ihre Berechnung anstellten, daß die beiden Arbeiler- gruppeu aus den Zentimeter zusammentreffen. (Beifall.)

Die katholische Kirche labt sich am frischen Quell derBeruunsterkenntnks. Sie geht den Ursachen an der Hand der Wirkungen nach und kommt so zur ewigen Wahrheit. Manche Derlongen,_ba6 zwischen Kirche und Wiffenschast eine scharfe Scheidung sei. Die Vernunft soll also, um der religiösen Skepsis die bequeme, friedliche Ruhe nicht zu stören, ihre beiden Augen opfern. Unmögliche Forderung. Keinem Ding der Welt gestattet die Vernunft, dem Richteramte ihrer Kritik sich zu entziehen und die Kirche mit ihren Dogmen und Institutionen sollte von dieser Pflicht entbunden sein? Sie sollte dazu schweigen, wenn die theologischen Extravaganzen eines Fetischismus des Schamaneutums neben die Theologie eines Paulrts und Augustinus sich stellen? Die Bernunst, diese Blume unferes Geistes, neigt sich nicht vor einem Phantom in Anbetung, sondern nur, wo sie sich dem mächtigen Gott gegenüber weiß. (Lebhafter Beifall.)

Aber würdest du, o Kirche, diese Trennung von der Bernunst als Oelzweig des Friedens begrüßen? Niemals! Die Kirche kann und will auf den Bund mit Vernunft und Wissenschaft nie verzichten. (Lebh. Beif.) Im Steigen und Fallen der Reiche, der philo'ophijchen Systeme und der Religionen steht sie, immer verfolgt, aber immer siegend in ruhiger Majestät rote eine Königin da. DaS Opfer, das wir ihr bringen, bringen wir als freie Denker, frei und auf verrnmslize Gründe hin beugen wir uns unter den Gehorsam Christi. ,

Die Vernunft ist die We groerscrrn der Kirche unter den Menschen. Gibt es ein höheres Ehrenamt für die Wiffenschast, als Wegbahnerin der Küche zu fein? Ein Einen amt? fragen die Vertreter der mo­dernen Wiffenschast und meinen: ein Sklavenamt. Hat nicht der Wetterschlag au» Rom den Modernismus noch jüngst niedergestreckl? Wie eine Armada drang bie moderne Wiffenschast auf dir Barke Perri ein. Da umgürtete sich PiuS X. zum Kampf mit dem Welt- aeist: eine höhere Hand zeichnet in seinem Geiste das gewaltige Lehrdokumeitt Pascendi, eine höhere Stimme diktiert ihm die madigen Disziplrnardelrete, die rote Kanonenschüsse die Erde erschüttern und die Armada des Modernismus zum Sinken bringen (gebt). Beifall ) Jetzt ergeht eine Weltklage über Roms Unduldsamkeit; der Zornfchrei des sarnosen Wett- gewiffens bricht sich an den Pforten des Valtkans. man vergewaltigt die Wissenschaft, man «.roffelt die Vernunft. War diese Klage berechtigt? Rein, denn die Wissenschaft behalt ckft« alte volle Fre, heil inbezug auf ehren Betrüb. tnfl«

verbittet sich die Kirche Embruche der Wryen schäft in ihr Glaubensretch. Frerltch, die echte Wiffenschast unternimmt *

। Pseudowifsenschaft, die die KirchlichkÄt als schmerzhaften ftügel empfindet. Man meint, die Kirche solle doch nicht unbeugsam an Dogmen festhalten. Wissen Die ; Herren nicht, daß die Kirche um der Dogmen willen : stets Kerker und Exil, den Kampf bis aufs Blut er- ■ tragen hat? Wir wollen die Worte der Offenbarung

Gestaltung der kommunalen Behörden und Bertre- tungen Einfkutz auSüten kann. Da mutz es für jeden katholischen Mann Grundsatz fein: in diegesetz. gebenden Körperschaften, in die kommrr. nalen Vertretungen gehört niemand hinein, der nicht für die A ufrechterhaltung der konsessionellen Volksschule, für die Wahrung der Rechte der katholischen Kirche auf Durch, dringnng des ganzen Unterrichtes mit sittlich-religiö. em Geist stets mit ganzer Kraft einzutreten gewillt ist!

Aber das allein genügt nicht: der Phalanx der Un­gläubigen und Unentschlossenen soll eine Liga der Kämpfer für Christus und seinen Glauben entgegen­gestellt werden!

Wir muffen eine Organisation zur Verteidigung der christlich-konfessionellen Schule, zur Förderung des christlichen Unterrichtes und der christlichen Erziehung chaffen! Mainz, von dem so viele segensreiche An. cegungen ausgegangen find, soll auch die Geburtsstätte der neuen Schulorganisation feinI (Stürm. Beifall.)

Am Montag sind die Grundsätze beschkossen worden, nach denen eine Zusammenfassung aller Vereine und Einzelpersonen, die für die Schule Interesse haben, er­folgen soll. Es sollen die verschiedene Wege, auf denen der Liberalismus der christlichen Schule Untergang droht, beleuchtet und die Mittel zur Verteidigung be­sprochen werden. Auskünfte über die Auslegung der ost schwierigen Schulgesetze sollen erteilt und die Rechts­mittel zur Förderung unserer Ansprüche angegeben werden. Das Interesse weiter Volkskreise an der Aus. rechterhaltung deS katholischen Geistes in Erziehung und Unterricht soll geweckt und neubelebt werden! (Seb» Hafter Verfall.)

Ich wüßte nicht besser zu schließen, als mit den herrlichen Worten, die sich in der Einladung des katho. lischen LehrervereinS im Großherzogtnm Hessen zu der heute nachmittag stattgehabten, glänzend beitau» fenen Versammlung finden: Wahrlich, es handelt sich hier um etwas Ernstes, Großes und Wichtiges! Der Kampf nm die Rechte Gottes auf die Menschenseele, ein Kampf um dir Rechte der Kirche auf die Christen, feele; — ein Kampf um die christliche Kultur und Gesittung des Heranwachsenden Geschlechtes und fiN mit auch um das Wohl und Gedeihen unseres Vater­landes! (Langarthaltender, stürmischer Beifall.)

sowie die tatkräftige Unterstützung dieser zeitgemäßen und wichtigen Einrichtungen empfiehlt. Oberlandes- geiichtsrat Marx-Düffeldorf begründete den Antrag. In Jena fei ein Bund gegründet worden, dessen Ziel es sei, den Religionsunterricht und damtt daS Chrtsten- tum ans unserer Volksschule zu verdrängen. Alle» Angriffen aus den christlichen Charakter der Volksschule gegenüber sei es eine Notwendigkeit, daß bet dieser Generalversammlung eine Antwort gegeben werde. Auf Beschluß des vorjährigen Katholikentages habe das Zentralkomitee eine besondere Kommission jur Behänd. Inna dieser Frage eingesetzt. Diese Komimssisn hat mit Herren auS de» verschiedenen Bundesstaaten eine Or­gan isation vorbereitet, die am letzten Montag hter n Mainz in einer Schlußdesprechung enbgütig be­schlossen worden ist. Es sollen darin Lehrer- mü> Lehrerinnen-Vereine, die Frauenvereine, dte Bolks- vereine, kur, alle Vereine, die sich für die Erhaltung unserer christlichen Schule interessieren, zusammen- geschlossen werden. Bor allem soll entgegengewirkt werden der so überaus schädlichen Unkenntnis und Gleichgiltigkeit weiter Bolkskreise auf diesem Gebiete. Die Eltern fallen auf die Gefahr der liberalen Welt- anschauung ansmerlsam gemacht und es soll auch über die Mittel zum Schutze der konfessionellen Schule Auf­klärung gegeben werden. Vor allem soll das em- fchläoiqe Material zusammengetragen werden. Gestutzt auf dieses Material, das den Beweis liefern wird, wie wenig tolerant wir auf diesem Gebiete behandelt werde», werden wir dann auch viel sicherer mit un­seren Forderungen und Anträgen durchdrutgen können. Dazu bedarf es aber der persönlichen Mitwirkung und finansiellen Unterstützung aller Katholiken Deutschlands. Ich bemerke noch, daß vorläufig ein Ausschuß von 9 Mitgliedern mit der Führung der Geschäfte beauftragt ist, und daß Anfragen an mich zu richten find. (Bet- fall) Dr. Winands (Aachen) empfahl den Antrag dringend und erllärte: Der neue Kulturkampf werde auf dem Gebiete der Schule auSgesochten und dieser Kulturkampf müsse daS katholische Volk voll und ganz ans dem Plane finden. Der Antrag wurde unter stürmischem Beifall einstimmig angenommen und hierauf dir Versammlung geschloffen.

Die dritte öffentliche Generalversammlung

wurde am Mittwoch nachmittag um B Uhr durch, den Präsidenten v. Brentano eröffnet. Dte Teilnahme an ihr war eine gleich starke, wie an den Vortagen, »uf der Präfidiallribüne sind wieder die Vertreter des Adels, zahlreiche Parlamentarier und die Vertreter des Episkopates anwesend. Erster Redner ist OberlandeS- gerichtsrat Abg. Marz-Düsseldorf. Er spricht über die

Schulfrage.

Der Redner, der al» Anwalt auf diesem Gebiete gilt, und der bei den gesetzgeberischen Aktionen tetr, die Volksschule in Preußen in hervorragendem Matze beteiligt ist, stellt mit Genugtuung fest, daß hinsichtlich der Sorge um die Schule ein erfreulicher gort» schritt zu konstatieren fei, daß aber viel zu wenig Rücksicht genommen wird auf daS Elternrecht gegen­über der Schule und auf den eigentlichen Mittelpunkt des Schnlwefen», daS Schulkind. (Sehr richtig.)

Die Eltern sind in erster Linie diejenigen, die , über das Geschick ihrer Kinder und damit auch über deren Heranbildung zu bestimmen das Recht und die Pflicht haben. Dieses Elternrecht ist aber nicht un- bedingt. Es ist in Einklang zu bringen mit den Ansprü­chen des Staates, der Gemeinde und nicht zuletzt mit dem Rechte der Krche. (Beif.) Wir müssen verlangen, daß alle Kinder einen geordneten Religionsunterricht empfangen, daß sie imstande sind, nach Erreichung der Unterscheidungsfrage sich frei und über ihr religiöses Bekenntnis zu entscheiden, falls sie Kinder von Dissi­denten find. Biel dringender als eine Ueberfchatzung des Elternrechtes ist die Gefahr einer Unterdrü- ck u n g zugunsten der Anforderungen des Staates und der Gemeinde. (Zustimmung.)

find!* (Stürm. Zustimmung.)

Christliche Eltern können kein Vertrauen mehr zur Schule haben, wenn der radikale, ungläubige Geist noch weiter die Kreise der Lehrerschaft ergreifen sollte. Wie können es katholische Lehrer mit ihrem Gewissen und mit ihrer Ehre in Einklang bringen, solch liberalen Lehrervereinen anzugehören, der dem Vernehmen nach noch über 20000 katholische Lehrer in seinen Reihen zählt. (Hört! hört!) Für einen Lehrer, der nur einen Funken von Liebe zur katholischen Kirche bewahrt hat, kann die Parole n»r lauten: Heraus aus dem liberalen Lehrrroerein, (Donnernder Beifall) hinein indie kathol ifcheOrganifation. (Lebh. Beifall.)

Mit tiefem Schmerze hat das katholische Deutsch-» land jüngst erst erleben müsse», daß die bayerische» Bischöfe fich in einem Hirtenschreiben gegen den banerildjen Lehrerverein zu wenden sich genötigt sahen, der fast zu */» aus katholischen Lehrern besteht, weil sein von jedem Mitglied zu haltevdes Beremsorgan schon seit Jahren schwere Angriffe gegen die Religion und die kirchliche Autorität gerichtet hat, sodaß selbst die Kölnische Zeitung zugeben mußte, daß die von den Bischöfen gerügten Artikel der bayrischen Lehrerzeftnng nach Form und Inhalt geeignet seien, gläubige Katho­liken zu verletze». (Hört! hört!)

Tas lassen sich die katholischen Mitglteder des bayerisch en LehrervereinS gefall en? Sie mögen eS sich gesagt fein lassen: das katholische Volk Deutschland- wird rote ein Mann für tue Autorität feinet Bischöfe eintreten, wenn diese Kraft ihres apostolischen Amtes die Rechte der katholischen Kirche verteidigen! (Donnernder minutenlanger Beifall).

Der katholische Bolksteik hat vielfach mit tadelns­werter Gleichgiltigkeit und Schläfrigkeit der Entwick- lung des Schulwesens gegenüber gestanden. (Sehr richtig) Wie wenig finden wir die breiten Massen des Bottes unter­richtet über die Bedeutung eines guten konfessionellen Unterrichtes, wie wenig Verständnis finden wir in weiten Kreisen sür die hingebende Tätigkeit rmserer katholischen Lehrer- und Lehrerinnenvereine für die Sache der konfessionellen Schule und des christlichen Unterrichtes. Seit Jahren haben fie als geringe Schaar ungezählten Tausenden in dem Kampfe gegenüber» gestanden. Wo waren die katholischen Familienväter, für deren Bestes die katholischen Lehrer rangen? Das muß anders werden. An den beliebt gewordenen Elternabenden muß das Band zwffchen Schule und Haus enger geknüpft werden, es müssen die Eltern, wo sie es immer können, die Kinder in Schulen ihrer Konfession schicken, ob auch der Weg etwas weiter ist, oder die Nachbarin die Nase rümpft, weil die Schule nicht so vornehm ist. (Sehr gut.)

Die katholischen Männer muffen sich mehr um die Ausführung der vorhandenen Gesetze kümmern. Auch schlechte Gesetze können verhältnismäßig günstige Fol- gen nicht verhindern, wofern sie nur gut ausgefuhrt werden? und an der Ausführung hat, ixt durchgehends die Gemeinde für das Schulwesen zu sorgen hat, ver einzelne Staatsbürger insofern Anteck, als er auf bte

ftatt Der Saal erwies sich bei dem großen Andrang ,» dieser Versammlung als zu klein, sodaß viele Per­sonen an den Verhandlungen nicht teilnehmen konnten. Angenommen wurden Anträge, die den Eintritt in die Bin,en,vereine, die Unlerstützung der Mädchen- schubvereine, den Beitritt zu der Vereinigung kall>o!i!cher Krankenhausvorstände und die Be­strebungen der weltlichen Krankenpflege (Heranbildung von Laienpflegerinnen in Pflegeschulen) empfehlen. — Es folgt ein von Generaldirektor Dr. Pieper und Verbandspräses Walterbach empfohlener Keueleranlrag, der unter Hinweis auf die großen Ber- dienfte Kettelers um die Entwicklung einer gründlichen Arbeiterbewegung die Ausjorderung ausspricht, daß Die kathol. Arbeitervereine anch weiter- din im Geiste Kettelers ihre Tätigkeit ansilben mögen. Der Antrag wird einstimmig angenommen.— Wettere Anträge betreffen die Für sorge sür die sch» reut lasse ne Jugend und die kathol,scyen Jugendvereine. Sie werden ebenso rott ein An­trag betr. den Religions-Unterricht in den Fort­bildungsschule» angenommen. — Die Militär- fürtorge empfiehlt ein weiterer Antrag, den Oberst- leutrant a. D. Hasse (Aachen) befürwortet. Der treue Fikuud und eifrige Förderer dieser wichtigen soziale» und religiösen Ausgabe wird bei seinem Erscheinen am Rednerpult mit warmem Beifall begrüßt. Sein Bericht über rie bisherige,, Erfolge tann schon manchen Lichl- blid für die Zuluust eröffne». Schor, im letzte» Jahre habe i 40C0 Rekruten an den Exerzitien und 12 000 an bei, ytetrutenmiiiioneu in der Heimat teUgenommeu und feiten? der Regierung sind kcmerlei Schwierigkeiten zu deftirchten. Der Kultusminister hat in einem Schreiben vom 12. Juli fein reges Interesse kundgegeben. Das Kriegeministerium hat wiederholt seine Sympathie aus­gesprochen und das Soldatenbüchlein von P. v. Der sehr empfohlen. Der Kaiser selbst hat die kleine vor­zügliche Schrift „Wer wifl unter die Soldaten" als recht geeignet sür die Soldaten bezeichnet. Der Antrag wird an» genommen. — Weiter werden die auf das religiöse und soziale Wohldes Schifferstandes gerichteten Bestrebungen des Nikolaus- und Schifferverbandes empfohlen. — Der nächste Antrag empfiehlt unter Hervorhebung der Slot« roenöigl eit, daß der Mittelstand stets hinreichende Arbeit uud Absatz haben müsse, dieUnterstützungdesge- werblichen Mittelstandes in der Richtung, daß allen Katholiken unter Hinweis auf das Gebot der Nächstenliebe empfohlen werde, bei Vergebung von Urteilen und bei Einkäufen nach Möglichkeit Hand- werler und Kleingewerbetreibende zu berücksichtigen. Mit dem Gedanken des Antrages sind ohne Zweifel alle einverstanden; es entstand aber eine Meinungs­verschiedenheit darüber, ob eine selbstverständliche, schon im Katechismus gelernte Pflicht ausdrücklich noch in einem Katholikentagsbeschluß seierlich proklamiert werden soll. Die Freunde der praktischen Soziaipvlitck ver­langen vielmehr an Stelle der bloßen Nächstenliebe Betonung der sozialen Pflicht der Fürsorge für den Mittelstand und das Handwerk. Bei einer Minderheit mochten allerdings auch andere Gedanken mitsprechen. Auf den Standpunkt der sozialen Pflicht traten Linsert (Köln), der eine entsprechende Fassung des Antrags vorschlug, und mit besonderer Lebhaftigkeit General. ifehetär Stegerwald (Köln). Aus praltifchen Gründen ffchlug Justtzrat Dr. Karl Bachem vermittelnd vor, dieses Jahr den vorgeschlagenen Antrag anzunehmen und die Aufsrollunz der ganzen Frage in ausgedehnter Diskussion auf das nächste Jahr zn verschieben. Die Selbsthülse schließe die Nächstenliebe nicht aus, „die christliche Lieb« beginnt zu Hause", sage ein englisches Wort. Aber neben der Nächstenliebe, die felbfiver- fiändlich in ihrem vollem Maß» betätigt werden sott«, kämen auch in Betracht die übrigen sittlichen Momente, wie Standesbewußisein, SolidarttätSgefühl usw. Da eine Einigung nicht zustande kommt, wird die Ab­stimmung zunächst durch Erheben der Hände vorge- nonunen. Da das Ergebnis zweifelhast bleibt, muß Hammelsprung vorgenommen werben. Dieser ergibt die Annahme in derAnsschußfaffung mit 198 gtg. 98 Stimmen. Es vt bisher in der Geschichte der Katholikenversamm- lungcn mcht Mount, daß eine eigentliche Auszählung vorgenvmmen werden mußte. In den Ausschüsse» wurde» di« Fragen wohl oft lange erörtert, aber fd)l:rfnid) ist doch immer eine Form des Antrages ge­funden worden, die eine so starke Mehrheit auf sich vereinte, daß ein Zroehel nicht möglich war. Eine Auspr st.ung durch Hammelsprung ist noch nie auf dem Kaldcliientag »ölig gewesen. — Ein Antrag, der aus das wärmste den Katholischen Frauenbund als

Gegenüber dem Rufe, daß die Schule eine Staats- Einrichtung sei, und dem Staate allein gehöre, möchte ich hier als Anwalt der Elternrechte auftreten. Wir sehen nach wie vor das Ziel der Erziehung und des Unterrichts am tresfendsten in den lapidaren Sätzen des Katechismus ausgedrückt: wir sind aus Erden, um Gott zu erkennen, ihm zu dienen, ihn zu lieben und dadurch in den Himmel zn kommen. (Stürm. Beif.) Wir wollen nicht, daß die Schule nur die für das Leben notwendigen Kenntnisse vermittelt, sondern wir wollen, daß die Kinder in der Schule zu Menschen in edelstem Sinne des Wortes, zu Charakteren, gebildet werden, die zur Er- reichung ihres übernatürlichen Zieles heranreifen. Wie wenig hat eS unsere moderne Schule verstanden, diesen Erfordernissen gerecht zu werden. Wir sehen bte Grundlage jeder wahren Erziehung in der Bermitt- limg einer klaren, religiösen Ueberzengnng. W,r ver» langen für unsere Kinder freie Erteilung ober wenigstens freie Ueberwachung des Re■ Ii9t» onsunterrichtes durch die Organisation, bte nach unserer Auffassung allein zu diesem hohen Amte be­rufen ist: da» ist die katholische Kirche. (Lebh. Beifall.)

Wir beanspruchen ferner die Durchdringung deS gesamten Unterrichtes mit christlichem Geiste und müssen deshalb für die Kirche den ihr gebührenden Anteil an der Ueberwachung deS Schul« w e s e n s und namentlid) der Erteilung des Unter­richtes mit aller Entschiedenheit in Anspruch neh­men. Die Entscheidung darüber, in welcher Weise und in welchem Umfange die Kirche dieses Recht zur Gel» tung zu bringen hat, steht alleindenkirchlichen Behörden zu, denen daher Überlassen werden mutz, mit den Staatsverwaltungen die nötigen Vereinba­rungen zu treffen. (Zustimmung.) Ein einseitt- g e s Recht des Staates, seinersetts die Grenzen der kirchlichen Aufficht und Mitarbeit zu bestimmen, werden wir nie u. nimmer anerkennen! (Bf.) Wir können daher unter keinen Umständen auf die lonfeffionelle Gestaltung der Schule und der Erziehung ver­zichten. (Starker Beifall.) Wir wissen und sind über- zeugt, daß alle Katholiken des gesamten deutschen Va­terlandes, 22 Millionen Seelen, in aller Einigkeit diese unsere Forderungen erheben und zu den ihrigen machen. (Lebh. Beifall.)

Der Liberalismus hat die Bedeutung der Schule erkannt und sucht auf dem Schnlgebiete wett zu ina- chen, was er durch fein Versagen auf anderen Ge­bieten, wie dem wirtschaftlichen usw., eingebützt hat. Staat und Gemeinde kommen ihm batet entgegen. Ba­den marschiert zurzeit an der Spitze der deutschen Staaten im Kämpft gegen die christlich« Schule. Da» neue Vollsschulunterhaltungsgesetz in Preußen legi zwar im Prinzip den konfessionellen Charakter der Volksschule fest, erleichtert ab* andererseits auch die Verbreitung der Simultanschule. Die Aus­führung deS Gesetze» läßt große» Entgegenkommen gegenüber de» literalen Ideen erkennen. In der gan»

Rhein Provinz sind die Pfarrer vom Vorsitz im Schulvorstand ausgeschlossen.

Tief verletzt hat unS die Erklärung deS Minister- lrr äsidenten und dek preußischen Kultusminister», daß Geistliche, welche den Moderrtisteneid geleistet hatten, den Unterricht im Deutschen u. in der Geschichte nicht mehr ertecken sollen. (Beif.) Nebenbei bemerkt intet man natürlich nichts besondere» darin, daß an einem königlich preußischen Gymnasium mit aner- kamtt katholischem Charakter der evangelische Religi- onslehrer in den mittleren Klassen Unterricht in der Ge- chichte erteilt! (Hört, hört!) Wir erblicken in dem Bor- >ehen der preußisch-Regierung nur einen Schratt ans >em Wege, dessenZiel dem Abg. Schrader, dem Vor» rtzenden deS ProtestanienvereinS, vorschwebte, als er am 13. Dezember 1910 im deutschen Reichstage meinte; Katholiken seien Überhaupt unfähig zur Beklei­dung öffentlicher Staatsämter! (Pfui- rufe.) Was bedeutet es ferner anters, als einen Überaus bedauerlichen Sieg der liberalen Welianschau- ung, wenn die preußische Regierung bereit war, lieber auf die Forderung der Bildung weiter Bolkskreife zn verzichten und von der Weiterberaiung des Pflicht» fortbildnngSfchnlge setzeS abzusehen, als daß sie die Aufnahme des Religionsunterrichtes in den Lehrplan der gewerblichen Fortbildungsschule zuläht? (Pfuirufe.)

Redner streift die Gesetzgebung von Sachsen-Mei­ningen, Lübeck, Elsaß-Lothringen, Oldenburg, Würr- temterg, Sachsen, Frankreich, Spanien, Italien und Belgien. Wett gefährlicher als die Unterstützung, welch« der Liberalismus tei Staat und Kommune findet, ist der Umstand, daß in di« Kreise der Lehrer der li­berale Geist, ja geradezu ter Geist des Un- gl a n b e ns, weit eingebrungen ist. Mit Stolz können hnt feststellen, daß unsere katholischen Lehrer und Lehrerinnen eine rühmliche Ausnahme bilden.

Redner behandelt an der Hand ter fogenanten Zwickauer Thesen den Geist, der in liberalen Lehrer» kreisen herrscht und weist nach, daß vielfach sozialte- mokratifche n. atheistische Ideen in ihm herrschend sind. Di» Wirkung des liberalen Religionsunter­richtes sei aan den beiden folgenden Tatsachen ver­anschaulicht. Der evangelisch-Iutherffche Schulverein m Sachsen hat ein ungemein wirksames Büchlein, den sogen. „Roten Katechismus", vorgelegt. In diesem ist alle» enthalten, was bisher aus dem Katechismus und anderen evangelischen Büchern zum offiziellen Lehrstoff gehört hatte. Und nun sind rote Striche durch alles das gezogen, waS di» liberale Lehrerschaft gestrichen Haven wollte: gestrichen find die zehn Gebote BotteS (Bewegung und Hört, hört!) und daS Gkaubens- bekemttnis, gestrichen find zahllose Sprüche und Lieder, sofern nur vom Glauben in ihnen dir Red« ist. „Ein fonlaufendes rotes Meer" nannte der konservative Abg. Heckenrolh daS Büchlein im preußi­schen Ab geordnetenhause. (Hört, hört!) Rach der „Kreuzztg." (Nr. 555) gab der evangelische Religions­lehrer an einer Volksschule In Mannheim am Tage vor der Schulentlassung den Schülern die Frage zur schriftlich»» Beantwortung: Welchen Wert hat die Religion? Bou 104 Kindern schrieben 66: „Die Religion hat überhaupt keinen Wert" (Bewegung und Hört, hört!) und 58 fügten hinzu: „denn für unser Geschäft können wir sie nicht gebrauche»" (Erneute Bewegung). 25 Knaben betonen einen gewissen idealen Wert der Religion; man könne sie gebrauchen, wem» man alt fei, wenn es einem schlecht gehe usw. Rur 13 Knaben sehen in bet Religion Gottes Wort, 11 Knaben erklären: „Die Religion ist dummes Zeug, denn sie verspricht den Leuten etwas, damit fie nicht an ihre Not denken." Von 49 Mädchen leugneten nur zwei den Wert der Religion, dis anderen waren fich nicht klar, worin der Wert besteh», und 28 von ihnen meinten: „Es gehöre sich nun einmal so." (Heiterkeit.) Der Lehrer, der diese Mitteilung verfaßt hat, meint: „Wie muß wohl unter den Kindern gehaust worden fein, bevor fie zu einem solchen GlanbettSbekennlniS reif

eine der segensreichsten Organisationen der katholischen Frauen cinzuführkii empfiehlt, wird debattelos äuge» nommen, desgleichen ein Antrag, der den Schutz der jugeudl chen Subuftriearb eiter innen verlangt. — Weiler werden empfohlen der Beitritt z>rr Deuttchrn SeseUichast sür christliche Kunst und Unterstützung des Albrecht-Dürer-BereinS. —_ Rachdrücklrch i tritt die Setiammhing dann für die Bestrebungen zur • Betbieitung der kalholischen Presse, ein und es s«erben in dem betreffenden Anirage als Mittel dazu i>ie Nachfrage in Gasthöfen und das Staufen auf den iöahtthöfen usw. genannt In Düsseldorf wurde Ende fjanuar 1911 ein katholischer Pressevercin gegründet, l»er sich den Kampf gegen die „farblose" und kathotilen- teindttche Presse zur Aufgabe gemacht hat. Den bis­herigen Erfolg dieses Bereins in Düsseldorf Stadt und Land schildert Kaplan Gescher (Düsseldorf). Die Rede von Bischof Dr. Faulhaber(Speyer) slckt auf Vor« lchlag aus der Versammlung heraus als Fftigblatt ver- dre«el werde», damit die packenden apo'.ogetlsche» Aus- suhru.-gen des bischöflichen Redners bis in die letzte Hütte getragen werden. Dr. Winands (Aachen) richtete in eindrucksvollen Worten einen Appell an die Ver­sammelten, die katholische Presse zu kaufen und zu lesen und m den Brldungsvereinen aus Organe, die sich durch kathoii.ensei^trche Haltung hervortun, ausmerkfam zu machen. - Wie in früheren Versammlungen, so wird auch dreses Mal der Albertus Magnus-Verein 1UT Unterstützung studierender deutscher Katholiken und der Hildegardis. Verein zur Unterstützung pudicrender kathollfcher Frauen empfohlen. Erneut tritt ein Beschluß für die Bclämpsung der öffentlichen Unsittlichkeit ein. — Schließlich gelangt noch ein .Antrag zur Besprechung, der den katholischen Ettern, vor allem aber den mit Schul- und Erziehungsfragen Jch beschäftigenden katholischen Vereinen dringend den nschluß an eine neue