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2. Blatt.

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Ende

12]

Roman von Felix Nabor.

am Abgrund . . .

da sein! . . .

des katholischen Geschichtsforschers ein sein.

miker sich znsammentun wollm, um die Freiheit ihrer Mssenschast der Kirche gegenüber zu verteidigen, wenn sie protestier« tm Brustton der Ueberzeugung gegen die „Anmaßung" der Kirche. Sie treiben Don- guixoterie, kämpfen gegen Windmühlenflügel" (S. 42).

Das gilt auch von dem verstorbenen Berliner Pro­zessor Pauls«, der sich einmal zu dem Ausspruch ver­flieg« hat: „Die Kirche kann die gesamte Kirchen- geschichte kanonisch feststellen und, wenn eS ihr gefällt, die gesamte Profangeschichte dazu." Denn die Ge­schichtswissenschaft ist genau so wie jede andere Wissen­schaft auf ihrem Gebiete völlig selbständig und nie­mals schreibt ihr die Kirche vor, was sie über die Dinge der Vergangenheit zu lehr« hat. Oder doch? Wer warum nennt man denn nicht einfach jenes De­kret, in welchem die Kirche solches versucht hat; das wäre die beste Beweisführung statt der pathetischen Deklamationen über die „Anmaßung" der Kirche.

Wenn manche Leute abergläubisch sind und sie mein«, der Katholik müsse so manches, was im Laufe der Kirchengeschichte sich Menschliches, Allzumensch­liches in der Kirche und an kirchlichen Persönlichkeiten gezeigt habe, vertuschen, so ist das wiederum eine gründliche Verkennung des katholischen Standpunktes. Denn die Anschauung, daß seine Kirche ein Werk Gottes ist, daß Christus in seiner Kirche fortwirkt, hindert dm Katholiken gar nicht, zwischen dem mensch­lichen und göttlich« Faktor zu unterscheiden; im Ge­genteil. Je mehr Mängel und Fehler an dem mensch­lichen Faktor hervortreten, um so schärfer tritt der göttliche Faktor in seiner Wirksamkeit hervor. Wir möchten da jene, welche sich nicht genug tun können im Ausgraben solcher „Menschlichkeiten", einmal bitten, darüber nachzudenken, wie es denn möglich gewesen, daß trotz solcher Dinge die Kirche nicht unterging.

das flotte Leben, der Müßiggang, die Langeweile in all den frei« Stunden, die er hatte; die Sucht nach Vergnügung«, nach Lust und Freuden — und end­lich der Spielteufel . . . Er sah wohl die Ursachen, aber er fand keine Rettung. Es war zu spät, ec stand

Es ist in unseren Tagen viel die Rede von der historisch-kritischen Methode, als sei deren Anwen­dung dem Katholiken untersagt. Fragt man nach einem Beweis für diese Behauptung, so bekommt man als Antwort den Hinweis, daß da oder dort ein

Museums, Dr. Kramer, sorgte dafür, daß die Fund- gegenstände nach dem Museum gebracht wurden. Einige davon gingen in Trümmer.

* Höchst, 8. Aug. 1911. Zum Schuhe gegen Feuersgefahren läßt der Magistrat an verschie­den« Punkt« der Stadt Hydrantenkasten an- bringm, die beim Ausbrechen eines Brandes sofort vom Publikum benützt werd« können. Die Käst« sind mit Material ausgerüstet, um von dem nächsten Hy­drant« oder Wafferleitungsrohr aus das Feuer wirk­sam bekämpf« zu können.

* Weilburg, 8. Aug. 1911. Das 3% Jahre alte Töchterchen des Gastwirts Craß erkrankte durch den Genuß unreifen Obstes so schwer, daß es an­dern Tages trotz sofortiger ärztlicher Hilfe gestor-

* Weimar, 7. Aug. 1911. Diese Nacht erschoß sich im Schloßhofe einer der am Haupteingange ste­henden Doppelposten, ein aus Werdau in Sachsen

stammender Musketier.

* Vom Eichsfelde, 8. Aug. 1911. Das im Kreis« Worbis belegen« Rittergut Teistungen- burg, das nach wiederholtem Verlauf von zirka l'/i Jahren vom Hauptmann a. D. von Heyne erworben wurde, ist jetzt durch Kauf in den Besitz des Oberleutnants von Rettberg tn Kassel übergegangen.

* Darmstadt, 8. Aug. 1911. Einen S elbst- mordversuch machte ein Unteroffizier des hiesigen Fcld-Artillerie-Regts. Nr. 25. Er brachte sich einen Schuß in den Unterleib bei und verletzte sich schwer.

• Aschaffenburg, 8. August 1911. Heule nach mittag kurz nach 5 Uhr entstand auf dem Engelverg, vem bekannten Wallfahrtsort, ein riesiger W ald» brand, der das Kloster und die Kirche, in der sich die Gruft des Fürsten von Löwenstein befindet und in der auch der Thronprätendeut Ton Pedro von Portugal begraben liegt, bedroht. Das 2. bayerische Fägerbataillon ist zur Hilfeleistung mittelst Extra» zuges dorthin abgegangen.

Wenn alle, die auf dem Gebiete der Geschichte arbeiten', sich die Befolgung dieser Schätze angelegen

*Arrtimodernisteneid rmdGeschichts forschmrg.

Daß gerade die Geschichtsforschung für dm Katholiken unmöglich geworden sei mir b« » - legunfc des Antimodernisteneides 'st lffl« JJ“' welche in der Forderung, daß katholische Oberlchrer Acht mehr in Geschichte und putsch umerrich.en bilden, die seltsamste, spätem Geschlechtern höchst lächerlich erscheinende Blüte gezeitigt hat.

Umso mehr begrüßen wir es, daß der Trierer Geschichtsprosessor Dr. Marx diese Fabel zum Gegenstand einer besondern Untersuchung gemacht Hat und ihr in seiner Schrift: „Der Eid wider den Modernismus und die Geschichtsforschung" (Trier 1911, Paulinusdruckerei) energisch zu Leibe gegangen ist. Daß bei solchem scharfem Zuleibegehen diese mo­derne Fabel, wie alle Fabeln in gleichem Falle, kläg­lich in die Brüche ging, ist jedem, der sich nicht von mo­dernen Schlagwort em hat betäuben lassen, klar.

An die Spitze seiner Untersuchung stellr Marx die Frage, ob denn der Eid etwas Neues gebracht habe, und er kommt mit Recht zu dem Ergebnisse, daß, wer den Eid geschworen hat, „der hat nichts Neues ge­schworen, nicht eine neue Bindung seiner Tätigkeit pls Historiker sich auferlegt; er war schon früher verpflichtet, das anzunehmen, wozu er sich in dem Eide bekennt, er konnte ohne Bedenken den Eid auf sich nehmen, wenn er nicht Modernist war, oder, was dasselbe besagt, wenn er nicht schon aufgehört hatte, Katholik zu sein, nicht schon an seinem Glau­ben Schiffbruch gelitten hatte" (S. 10). Worte, die stur jenen zu besonderem Nachdenkekn empfehlen, welche zur Rechtfertigung ihrer aus nicht besonders ehrenhaften Beweggründen erfolgten Apostasie von der jK'irche sich hinter depi Modemisteneid verschanzen Wollen.

Die Stellung der Kirche zur Wissenschaft ist je- bem Katholiken dahin klar, daß es der Kirche nie und nimmer einfällt, der Wissenschaft Vorschriften gu machen über die Ergebnisse, zu denen sie zu gelan­gen hat. Mögen die Vertreter z. B. der Naturwissen­schaften auf ihrem Forschungsgebiete Vor­trägen, was immer sie wollen. Richtiges oder Un­richtiges, die Kirche läßt sie ruhig laufen, solange sie duf ihrem Boden bleiben; erst dann, wenn sie die Drenzen ihres Gebiets verlass« und auf das der Religion übersatteln, weist sie als die auf ihrem Eignen Boden allein maßgebende Beurteiler« ihre Anmaßungen zurück, wenn sie religiös falsch find. Das ist ihr gutes Recht und ihre — Pflicht.

„Müßte die Kirche rubig zu den glauben;widrigen Ausstellungen der Wissenschaft schweigen, könnte sie nicht diese zurückweisen und als Irrtümer brandmark«, so wäre ihr die Aufgabe, die Hinterlage des Glaubens zu bewahren und die Christen die geoffenbarten Wahr­heiten zp lehren, unmöglich gemacht, der Zweck des kirchlichen Lehramts wäre illusorisch. Man stelle sich doch nur die Frage: Was wird aus den» Professor, der «ine Wissenschaft lehrt, wenn ihm das Recht genommen wäre, auf Angriffe gegen seine Lehre sich zu äußern." (©. 25.)

Wamm nur bleib« aber gewisse Herren der Na­turwissenschaft nicht in den Grenzen, innerhalb deren sie sich nicht blamieren, was immer dec Fall ist, wenn ne sich berufen glauben, auch den Theologen zu spie­len? Der Verdacht ist nur zu gerechtfertigt, daß man­cher glaubt, auf diese billige Weise eine gewisse Po­pularität zu erlangen. Namen braucht man keinen zu nennen, sie sind allbekannt. Mögen daher die Her­ren Chemiker, Zoologen, Paläontologen, Astronomen, Physiologen, Biologen ruhig auf ihrem Wissenge­biete sich in unermüdlicher Arbeit betätig« und Ent­deckung an Entdeckung reihen, die Kirche wird sich darüber herzlich fr«« und ihn« nicht das mindeste Li den Weg legen. So einer wissenschaftlich Unhalt­bares vorträgt, erfährt er ja die erforderliche Korrek­tur und Richtigstellung durch seine Fachwissenschaft selbst und man erlebt ja immer von Zett zu Zeit das erheiternde Schauspiel, daß Theorien, die noch vor ganz kurzer Zeit als ganz sichere Resultate der Wissenschaft verkündet worden sind, von der Wissen­schaft selbst zu Grabe getragen werd«. Also da kann hie Kirche die Herren ruhig arbeit« lassen. Dann «ber mögen die Herren die K i r ch e auch auf ih r e m, dem religiösen Gebiet, in Ruhe lassen. Im In­teresse ihres eigenen Ansehens! Denn „es kann für den, der die Dinge kennt, nur crheternd wirk«, wenn Mathematiker, Geograph«, Botaniker, Zoologen, Che-

Katholik sich geg« dieselbe ausgesprochen habe, ein „Beweis", der schon dadurch in sich selbst zusammen­fällt, daß noch viel mehr Katholiken, und zwar die Geschichtsschreiber als die berufensten Beurteiler sich dafür ausgesprochen haben. Daß manche Katho­liken von dieser Methode nicht viel wissen wollen, kommt übrigens daher, daß nicht zuletzt ihre Lob­redner sie durch d« Mißbrauch, den sie mit ihr ge­trieben, in Verruf gebracht haben. Es ist kein Ge­ringerer als Papst Pius X., der dieser angeblich von der Kirche verworfen« kritischen Methode das Wort ........ v .

redet: „Es gibt auch solche, die in ihrem Glauben rück brannten fünf große Gu tsgehöfte nieder, fest bleiben, aber dec Wissenschaft der Kritik zürn«, als zerstöre sie nur, und doch ist dieselbe an und für sich schuldlos; ja, wenn sie richtig angewandt wird, Hilst sie der Forschung in überaus glücklicher Weise."

b« ist.

* Eschwege, 7. Aug. 1911. Ein Kleinbahn- idhll erlebten gestern die Reisenden auf der Strecke Eisenach—Eschwege. Traf her Zug von Eisenach schon mit 1/4stündiger Verspätung in Wartha ein, so wurde hier der Zug mit Mühe für die Fahrt in das Werratal fertig gemacht, und nun sollte die Abfabrt losnehen. Aber es war doch noch nicht alles fertig. Wie dem „Eschweger Tagebl." gemeldet wird, war dem Zugtier, der Lokomotive, leider das Wasser ausgegangen und weil auf der Station keins zu hab« ist, war guter Rat teuer. So dampfte denn die Lokomotive gen Eisenach zurück, um nach l^hstündi­gem Ausbleiben wieder auf der Bildfläche zu erschei­nen Dank dem Gesangverein „Acion" aus Eschwege, dessen Mitglieder sich von einem Ausfluge nach Eise­nach auch im Zuge befanden, wurde die schlechte Laune der Reifenden sehr bald auf ein Minimum herabgedrückt, denn während des langen Wartens er­scholl von dm Sängern manch schönes Lied.

* Göttingen, 8. Aug. 1911. Bemerkenswerte Er­folge auf dem Gebiete der drahtlosen Tele­graphie hatten dieser Tage Dr. Löwy und Dr. Leimbach zu verzeichnen. Es gelang ihnen eine draht­lose Verständigung nicht nur innerhalb des Alkali­werkes Nonnenberg bei Hannover, sondern sogar zwi­schen diesem und der Gewerkschaft Deutschland bei Wetze durch die Erde hindurch herzustellen. Sende- und Empfangsapparate waren in einer Tiefe von 560 bezw. 450 Metern aufgestellt

* Erfurt, 8. August 1911. Nachdem am ver­gangenen Samstag 60 Prozent bei Metallarbeiter ausgesperri wurden, haben heute hier in niedreren Betrieben die nicht betroffenen organisierten Arbeiter die Arbeit niedergelegt. Die Folge davon ist, daß in mehreren Fabrik « der Betrieb vollständig eingestellt werden mußte. — In Pasta bei Ziegen»

Ami Geisa und Umgebung.

♦ Vacha, 8. Aug. 1911 . Im Gasthof „Zum Lö­wen" wurde in vergangener Nacht Brandgeruch wahr­genommen; man weckte Herrn Gastwirt Eismacher, und als man in ein mit drei Logisgästen besetztes Zimmer gelangte, gewahrte man, daß eine der Bett­decken in Brand gerat« war. Roch einige Minu­ten und die drei dort schlafenden Männer wären je-

war ihre Stimme.

„Arme Iris!" sagte Viktor. „Nicht wahr, sie sind auch hart und undankbar zu dir? Papa und Hilde hab« mir davon erzählt. Komm, sprich, berichte mir vcn deinem Leben."

Da war indes nicht viel zu erzählen. Tag für Tag nichts als Arbeit I .. . Dazu harte, rauhe Worte, Zurücksetzung und Spott von Alice. Iris war das Aschenbrödel im Hause.

Sie ging« auf der Straße nebeneinander her und das reine Licht des Mondes war ihr Begleiter. Es war ein beständiges Frag« und Antwort« zwischen ihn«; jedes schien des anderen Leben erschöpf« zu wollen. Bis der frische Quell mit ein-mal ver­siegte . . .

Die Tore de» Herzens und der Jugend sprangen auf, die Freude trat daraus hervor, die Liebe schwang ihr« Zauberstab. Heilige Brunnen rauschten und am Glanze ihrer Aug«, am Poch« ihrer Herzen erkann­ten sie, daß sie sich liebten. Ohne daß sie wußten, wie ihn« geschah, faßten sich ihre Hände und Viktor fragte sie leise: „Ist eS denn wahr, Iris, daß du mich lieb hast?"

Iris lächelte. „Das wußtest du nicht?" sagte sie. ,Fch hab dick lieb, so lange ick mir denken kann.

Aus dem Uachbargeblete.

* H,rsfeld, 8. Aug. 1911. In Bad Nau­heim ist der frühere Kommandeur unserer Kriegs­schule, Herr Generalleutnant v. Randow, ver­schieden.

* Bebra, 8. Ang. 1911. Im Dampssägewcrk bei Bebra geriet ein 16jähriger Arbeiter unter einen a b- rutsch enden Balken, der ihm Rippen und Rückgrat derartig zerquetschte, daß der Tod kurze Zeit danach eintrat.

* Frielendorf, 6. Aug. 1911. Auf der hiesigen Kohlenzeche wollte gestern ein kroatischer Arbeiter auf die Maschine eines bereits rollenden Arbeitszuges steigen, kam aber zu Fall und geriet unterdieRä- d er, wodurch et ein« schweren Oberschenkel- und Armbruch erlitt.

* Gieße«, 8. Aug. 1911. Beim Abbruch eines Hauses an der Schloßgasse wurde ein Töpfer­ofen aus dem 12, oder 13. Jahrhundert blosige» legt. Durch den Fund, bei dem etwa 50 Sxitztöpse sowie ein sehr schöner Henkelkrug aufgedeckt wurde», ist sestgestrllt worden, daß diese Töpfe auch in Gießen hergestellt wurden. Der Konservator unseres

Da nahm er sie in seine Anne und küßte sie. „Iris! . . . Liebstes Mädchen! Run bin ich selig und reich!" . —...

„Ach", klagte sie, „ich bin ja nur em armes Mad»

„Was frage ich danach!" rief er in jugendlicher Sorglosigkeit. „Unsere Liebe macht uns reich. Nun bist du meine Braut!"

„Laß es noch niemand wissen," bat sie.

„Ja," erwiderte er, „cs soll vorderhand Geheimnis bleiben.' Es wird noch manchen schweren Kampf ge­ben, aber wir werden Sieger sein, denn wir kämpfen für unser Höchstes; für unser Glück und für unsere Siebe"

„Sei ohne Sorge," sagte Iris. „Ich will alles getreulich mit dir teilen und trag«: Freud und Lew, Arbeit und Sorge." .

„Wie froh bin ich," jubelte et, „wie glücklich! Nun habe ich gefunden, wonach ich mich sehnte: em Weib voll Adel und Hoheit, das mir ihre Seele schenkt! Ihre schöne, keusche, gleichgesinnte Seele.

In ausjauchzen der Liebe küßt« sie sich und gingen dann weiter, bis sie zu dem breitet Einfahrtstor der Villa kamen, über dem strahlend die weiße Lichtkugel »länzte. Wer jetzt lockte es Viktor nicht mehr, hier einzutreten — stolz und ohne Zaudern schritt er vor­über. Er hatte Besseres gefunden und wußte nun ’e‘ Er verabschiedete sich zärtlich von Iris, die rasch zur Villa eilt:, und schlug den Weg zum Schlosse ein. -

5. _

Am andern Morgen bekannte Viktor Wmm^8» ter seine Schuld. Wie ein armer Sünder faf! et” und harrteder Antwort. Aber von SannÄ brachtekein Wort über die Lipp«. geschlossenen

v«;n K7--K s «ä «* 5Ura$aMt" flüsterte er, von Grauen ersaßt, und dann sank er vor ihm auf die Knie, erfaßte feine Hände und schluchzte: „Papa - verzeihe mir!"

(Fortsetzung folgt.)

fein lass«, dann wird sehr bald eine Verständigung erzielt und aller Debatte über die angebliche Gebun­

denheit

bereitet

AusGberheffen u» den Hess. Remtern.,

△ Marburg, 8. Aug. 1911. Das historische Spielwerk an der neureftaunerten Rathausuhr ist nunmehr so gut es eben ging, wieder in betrieb gesetzt worden. Der neue Hahn hebt betjebem Glockenschlag seine Flügel, leider hat er das Krähen trotz aller Bemühungen nur wenig oder gar nicht gelernt. Um so kräftiger tutet der Wachter m sein Horn, während der Tod nur jedesmal von Swnde ut Stunde seine Sandbüchse streut und bte Welt­kugel alle 12 Stunden ihre Umdrehung macht. Für die Instandsetzung hatten die städtischen Körper- jchaften 1600 Ml. bewilligt. - Der Männergesang» verein „Liederkranz" errang bet dem Gesang. Wettstreit in Dillenburg den 1. Ehren und Kaiser- preis, sowie in der 1. Stadtklasse den 4. Preis.

* Marburg, 9. August 1911. Der Fr erb allon „Marburg", der Sonntag morgen 7 Uhr m Marburg aufgestiegen war und gegen 10 Uhr vor­mittags über Kassel gesehen wurde, M Sonntag mittag geg« 12 Uhr in der Rahe von Kefferhausen glatt gelandet. Der Ballon hat dir Strecke in 5 Stun­den zurückgelegt und bei Bad Sooden an der SSücra eine Höhe von 2000 Mete« erreicht. Der Ballon wurde von Dingelstädt aus nach Marburg zurückge­sandt. — Die gestrige Stadtverordnetensitzung be­schäftigte sich unter anderem auch mit dem Bau

denfalls erstickt. Das Feuer dürfte durch leichtsinniges Umgchm mit einer brennenden Zigarre entstanden ein.

* Buttlar, 7. Aug. 1911. Der Grubenvorstand der Gewerkschaft Buttlar macht durch ein Rundschreiben an die Gewerken bekannt, daß es nach geschehenem Einbau der zweiten Dampfpumpe ohne Schwierigkeit gelang, di« zufließmden Wasser zu he­ben. Die jetzige Pumpeneinrichtung ist in der Lage, diese Wasser gut zu bewältigen. Alles funktioniert zur Zufriedenheit. Die Arbeit« über Tage an der elektrischen Zentrale, am Kesselhaus, Magazin, Werk­stattsgebäude, Werksbahnhof usw. geh« rüstig voran. — In einer hiesigen Wirtschaft zog dieser Tage ein kroatischer Arbeiter dm mit schweren Gewicht« ver­sehenen großen Musikautomaten auf. Dabei schlug die Kurbel zurück und traf den Mann so un­glücklich an den Kopf, daß fünf Zähne des Ober­kiefers ausgeschlagen wurden. Der Wirt hatte den Mann vorher gewarnt, dm Automaten nicht aufzu­ziehen.

* Oechstn, 9. Aug. 1911. Auf der Gewerk­schaft find 50 Arbeiter aus der Provinz Posen angetomnun, welche auf dem Werke in einer Baracke wohnen und daselbst beköstigt werden. Die Arbeiten werden deshalb nun reger voranschreiten.

* Eisenach, 8. Aug. 1911. Der Bahnwärter Jahn befand sich gestern nachmittag auf einem Revisionsgang von seiner Station Neustadt nach Gwstungen, als zwischen Eisenach und Gerstungen ein Schnellzug heranbrauste, Jahn erfaßte und so unglücklich auf die Seite schlenderte, daß er schwere Verletzungen davontrug. — Ein 32 Jahre alter Güterbodcnarbeiter von hier ertränkte sich im Mühlgraben. Der Grund zu der unseligen Tat ist in Familien erwürfnissen zu suchen.

* Eisenach, 8. Aug. 1911. Der Aufgang der »wad wird vom Ministerium für Rebhühner und Wachteln auf Montag, den 21 August 1911, für Hasen, Auer», Birk- und Fafanenhennen und Haselwild auf Freitag, den 15. September 1911

Thüringen, 8. Aug. 1911. Zwischen Reuses und Kronach ist das 2 Vr jährige Kind des Floßholzhändlers Popp von einem Güterzug überfahren und schwer verletzt worden. — Die Gemeinde Saasa hat wegen Wassermangels ihre Wasserleitung geschlossen. Das Wasser wird an die Entnehmer direkt aus dem Sammel­bassin abgegeben. In der Gemeinde Welschhufe herrscht so großer Wassermangel, daß die Leitung täglich nur drei Minuten in Betrieb gesetzt wird. — Ein 12 jähriger Knabe war, um ein Vogel­nest auszunehmen in Laucha a. d. Unstrut auf einen Bau geklettert und berührte dabei die Starkstromleitung des Elektrizitätswerkes. Er stürzte herab und war sofort tot.

Nun war Alice ganz nahe. Nur ein paar Büsche „trennten sie. Sie fang ein- Lied vor sich hin, ein fri­voles Kuplet:

Ach nein, ach nein, ach nein ach nein —

Mein Liebster muß ein Leutnant sein! . . .

Für ihn wurde cs bedeutungsvoll — sie dachte an ihn! Er sah ihr weißes Kleid durch die Busche schimmern, sah ihr heißes Gesicht . . .

Jetzt ein paar Schritte, und er war bei ihr! Ein Wort — und sie ist mein. „Ich tu's!"

Er setzte schon zum Laufe an — da sah et plötz­lich zwei dunkle Mädchenaugen auf sich gerichtet — sah ein liebliches Gesicht zwischen Rosenrank«. Er prallte zurück. „Wenn bu*8 tust, bist du ein Schurke!" stang in ihm eine Stimme. „Tu liebst eine andere!"

Seine Finger lösten sich von dem Gitter und in laschem Laufe eilte er auf die Straße dahin. „Fort, pur fort! Rette deine Ehre! . . .

Die Nacht nahm ihn auf. Wie von schwerem Drucke befreit, atmete er auf. Er hatte sich selbst wiedergefundm, war sich und seiner Ehre treu geblie- . >«. Das Wappenschild blieb rein — aber e8 kostete ‘ »ielleicht das Leben. Er malte sich aus, was sein Ba­er und Hilde sagen würden, wenn man ihn morgen ot, mit durchschossenem Kopfe, ins Schloß trug!?

- Sein junges Leb« bäumte sich dagegen auf. „Rein jtt-- das darf ich ihnen nicht antim!'

J Aber was sonst? ... Mit schrecklicher Gewißheit §ah er all die schwarzen Fäden in seiner Hand zusmn- ►enlauf«, di- ihn ins Verderben getrieben hatten:

bei dm Rosen?" fragte Iris mit schüchternem Auf­blick. ~

Viktor wurde plötzlich froh gestimmt. „Ja, hier wohnt es," sagte er. „Aber warum bist du nicht bei dem Feste?" _

Iris schüttelte das Köpfchen. „Sie find letzt beim Sekt. Da geht es immer sehr lustig zu — und nie­mand wird mich vermissen."

„Sind sie nicht gut zu dir in dem prunkenden Hause?"

„Ach, gut! — gut! — Das ist ein so großes Wort. Das schließt so viel Liebe in sich. Wie kann man sich unter Mensch« glücklich fühlen, deren ein­ziger Gedanke das Geld ist? . . . Es ist hart, in solcher Umgebung leben zu muss«, es fehlt bei allem Glanze die Wärme und die Vonne. Ich bin so ein­sam so verlassen. . ." Ganz von Träum verschleiert

sein ganzes bisheriges Leb« vor sich in greller, schar­fer Beleuchtung. Nein — das war kein Leben gerne» ' fm, wie er cs bisher geführt hatte, Wenig Arbeit oder nur tändelndes Spiel, to«n es hoch kam, ein wenig Sport — aber all dos gab dem Leb« keinen voll« Inhalt, t»ar ohne Weihe und Tiefe.

Es mußte anders werd«, es mußte etwas Besse­res und HSheres geben — ernste Arbeit, ein trauliches Familienleben, ein Streb« nach dm Höh« des 2e* bms! Er wollte brechen mit dem bisherigen Getändel und ein neues 2eb« beginn« . . .

Ganz tx Gedanken war er weiter gegangen. Run stand er vor dem Rosenhag, wo er Iris getroffen hatte, und wie ein holdes Wunder erschien es ihm, daß ihm dort eine weiße Gestalt entgegenkam. Er rief leise ihren Samen: „Iris' . . . Iris! . . .

Das Mädchen schreckte aud tiefem Sinn« empor, dann aber erkannte sie ihn sogleich am Mantel und Mütze und eilte ihm entgegen. „Viktor — du?"

„Ja — ich!" sagte er und brikfte ihr zum Gruße die Hand. „Ich hatte Kopfschmerzen und allerhand dumme Gedanken — und bann hatte ich auch so große Sehnsucht nach dem Glück , - .*

.Und du glaubst, daß das Glück hier wohne.

Von der Villa her drang lautes Lachen und eine u|fi lullu

Ättnu: «ÄfTy-

Blatter schwebten durch die Luft wie große Trauer­falter . . . Der Himmel war dunkel. Einzelne zit­ternd« Lichtpünktchen glüht« am Himmel: jetzt trat der Mond hinter einer dunklen Wolke hervor wie eine silberne Lampe, der« weißer Schein die ganze Welt durchleuchtet. — Wie sich die Nacht so wundersam er­hellte, wurde es auch in seiner Seele licht, und er sah