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Verlag der Fuldaer Äk- tiendruckerri in Fulda Fernsprecher Är.9.
Fulda, Mittwoch den 9. August 1911
38. Jahrgang
Erstes Blatt.
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gearbeitet. Die Landesielielaiiate wurden weiter aus« gebaut. Auch die Zahl der Tetrclancile für kleincre Bezirke (Bolksvereinksekretariate, Volksbüros usw.) erfuhr eine Vermehrung. In der Bezirk?« mid Orts- organifation ist eine wachsende Teilnahme der ned'lde- den SSafenroelt beiderlei Geschlechts zu trn fintieren. Die ««rein S arbeit, die bekanntlich in erster Linie der sozialen Bildung unb Schulung bient, ist in dem ins- 1)engen Radium tveittrgesühr: worden; fit galt neben dem Abwehrkampf gegen die Sozialdemokratie vor allem der sozialpolitischen Ausklärung und Schulung der einzelnen Stände zur wittfchafilickwn Eclhfihiüe; Hand in Haud damit gcht die apologetische tätigteit, )ie staatsbürgerliche Schulung und endlich die fofiale Wohlfahrtspflege. Aus dem Gebiete der Neuorganifa- tian der einzelnen Erwerbsstände ließ sich der Bolls« verein insbesondere die Erziehung der nichtsozialistischen Aribrilerwrlt für die Bestrebungen der chruljch-natio- nalen Arbeiterbewegung angelegen sein. Daneben behandelte die „Sozialkorreiponbenz" wiederholt de- taUert die Neuorganisation des selbständigen Mittet- ftaxbeS und der privaten und öffentlichen Beamten, auch dem Tarifwesen und den diesbezüglichen Neuerscheinungen schenkte fie ihre besondere Beachtung.
Beifall.) , _ m „
Im Anschluß an seine Rede gab Dr. Brauns die Abrechnung der Geschäslssührer sür das Bereius- jahr 1910. Die Rechnungsablage im einzelnen wird un 5. BollsvereinSheft des laufenden Jahres enthalten sein.
58.Ge«eralverfammluug derKatho- Hfeit LentfchlanDs zn Mainz.
C. Mainz, 8. Ang. 1911.
Dritter Tag — Dienstag.
Staat, sondern sich verlassen auf Gott und sich selbst — das ist das Motto dieser Erkenntnis. (Beif.) M.- Gladbach ist mit seinen sozialen Kursen eine soziale Hochschule geworden, ohne staatliche Unterstützung (Beifff und mancher Hochschulprofessor könnte hier, wo aus freier Initiative heraus soziale Fragen in katholischem Sinne behandelt und gelehrt werden, noch manches lernen. (Beif.) Was hier im großen geschieht, das geschieht int kleinen durch die Kurse und Konferenzen, die in den einzelnen Städten abge. halten werden. Und hn kleinsten wird dasselbe geleistet durch die zahllosen Vorträge, die im Auftrag des Volksvereins gehalten werden.
Es gibt keinen Verein, der mit solchem Erfolge die s o z i a I e S ch u l u n g in die Hand genommen hat. Damit hat er das Erbe KettelerS übernommen und dem Volke nutzbar gemacht. Deshalb meine ich, sollte die Anteilnahme an den Bestrebungen deS Volksvereins ein Stolz und eine Ehre sein für zehen Katholiken.
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so werden wir auch weiter arbeiten unter Gottes «e-
Gruße geschlossen.
Zweite geschlossene Versammlung.
Während in der Stadthalle der Volksverein tagt« fand im großen Saale des Frankfurter Hofes die zweite geschlossene Versammlung statt, vom dritten Prästdenten v. Brentano mit dem katholischen Gruß eröffnet. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Nach eingehender Diskussion wurden Anträge angenommen, welche den Beitritt zum Verein vom hl. Lande, die eifrige Beteiligung an den von der Kirche bestätigten Missionsvereinen und die Unterstützung der um die Ausbreitung des Reiches Christi auf Erden so hoch verdi.nten Orden und Misstonsgenossenschaften durch Gebet und Almosen empfehlen. — Provinzial Acker (Knechtsteden) wies mit eindrucks- vollen Worten darauf hin, daß auch die Missionshäufer in Deutschland selbst praktisch unterstützt werden müßten. — Abg. Erzberger führte aus, daß die Förderung der Missionen auch eine ernste deutsch-nationale Pflicht sei. Diese f.i seit dem vorigen Jahr umso wichtiger, als die portugiesischen katholischen Missionen jetzt von den deutschen Missionen ausrechterhalten und weiter ge» pflegt werden müssen. Die Katholiken sollten hin und ivieder in ihrem Leibblatte dafür sorgen, daß mehr über Missionen und weniger über Steuern geschrieben ivird. lHelterkeit und Beifall.) — Hierauf wurde das Aut- worttelegramm des Grobherzogs von Hessen bekanntgegeben. Der Großherzog bedankt ich in liebenswürdiger Weise für die ihm und den Seinen übermittelten Wünsche und wünscht seinerseits dem Katholikentage segensreiche Arbeit. — Als Ort der nächsten Tagung wurde Aachen gewählt. Debattelos wurde dann ein Antrag bete. Abänderungen der Satzung angenommen. Die Aenderung besteht u. a. hauptsächlich darin, das die lebenslängliche Mitgliedschast gegen Zahlung von Mk. 300 erworben werden kann. Eine weitere Aenderung ist die, daß die G. B. am Sonntag mit einem feierlichen Gottesdienst zur Anrufung des Heiligen Geiste» eröffnet werden soll, der Gottesdienst soll, rornn es angängig, in der Festhalle stattfinden. — Es folgen Anträge des Ausschusses sür christliche Caritas. Ein Antrag empfiehlt das vom Eartias- verband geleitete Komitee zum Schutze der i t a l i e urschen Arbeiter in Deutschland. Der Antrag wird angenommen nachdem Prälat Werth mann ihn begründet und die Tätigkeit des Komitees geschildert. Weiter ivurde ein von Monsignore Dr. Werthmaun begründeter Antrag angenommen, der die Katholiken Deutschlmids zur Fürsorge sür die vielen Millionen deutscher Stammesbrüder außerhalb deS Deutschen Reiches auffordert. Sein letzter Antrag empstehlt die Bereinigung für katholische caritative Erziehungs- tätigtcit, macht auf die Ausgestaltung d« öffentlichen Jugendsürforge, besonders in gemeindlichen Jugendämtern aufmerksam. Der Antrag wird angenommen. Hierauf schließt der Präsident von Brentano di, Versammlung mit dem katholischen Gruß.
Der Andrang zu der
Generaldirektor Dr. Pieper führt darauf folgendes auS: Wenn wir zu Anfang dieses Jahres der verflossenen vierzig Jahre deutscher Reichsentwicklung ge- dachten, so erinnerten wir deutsche Katholiken uns speziell auch befielt, was wir aus unserer Eigenart zum Ausbau des Reiches haben beitragen können in unserer politischen und — vor allem in unserer sozialen Arbeit. ! Denn wenn wir in der sozialen Gesetzgebung bahn- ' brechend vorgingen und für ihre Fortführung bis auf den heutigen Tag die sicherste Kerntruppe stellen, so kam das nicht von ungefähr; - es liegt darin, daß der Katholizismus bei feder Auswirkung rm öffentliche« Leben den ganzen Menschen mit all seinen wirtschaftlichen und politischen, mit seinen geistigen und sittlichen Interessen erfaßt. (Lebh. Beifall.! Wenn ander.- denkende im Lande dieser Eigenart unserer sozialen Arbeit mefft fremb, ja mit Vorurteilen gegenuberstehen, so bedauern wir das, aber wir können nicht davon av- lassen, weil wir wiffen was wir ihr verdanken. (Beif.) Wen« wir aussprechen wollen, was wir ihr verdamen, so können wir das nicht besser tun, als mit dem Hinweis auf die Lebensarbeit des Mrnnes, den wir den Bahnbrecher der katholischen sozialen Arbeit, ihren ~ebr» «eifiet und Organisator mit Stolz nennen, den großen Mainzer Bffchvf von Kettelet. (Beifall.) In wffsen- schafUicher Forschung und in praktischer Kleinarbeit mögen andere ihm ebenbürtig oder zum Teil auch überlegen gewesen fein: an Einfluß auf den Gärig der katholischen sozialen Bewegung überragte er sie alle, dank seiner staatsmännischen Begabung, mit der er die aroßen Zusammenhänge zwischen den Kulturkräften des Christentums und den Bedürfnissen einer neuen eben aufsteigenden Zeit durchschaute. (Lebh. Beifall.) Er gab der katholischen sozialen Arbeit ein zweifaches: eine sichere und grundsätzliche Wegweisung im Geiste des Christentums, eine Anleitung zur Meisterschaft in lebenskräftiger praktischer Kleinarbeit. Er wurde der Lehrmeister der sozialen Gegenwartsarbeit, indem er allen Katholiken, insbesondere aber dem Klerus die soziale 3hbeit zur Gewissenspflicht machte; damit gab cr dem katholischen Kletus Deutschlands soziale Mission und soziales Programm und gleichzeitig der katholischen loyalen Arbeit ihre einflußreichsten, uneigennützigsten und erfolgreichsten Mitarbeiter. (Stürm. Beifall.) Mit besonderem Nachdruck hat Kettelet auch die Berechtigung und die Notwendigkeit einer gewerkschaftlichen Scchst- hnlse der Arbeiter betont. Wenn wir mit Stolz sagen, daß die deutschen Katholiken in bet staatsmännischen Schule Windthorst's die rechte Art ersolgbringender staatsbürgerlicher Arbeit gelernt haben, so «Men wir zum andern beleiinen: in der Schule Kettelers haben wir schon vorher Programm und Methode srucht- btingenber sozialer Arbeit gelernt. (Lebh. Beifall.) So ist das, was die deutschen Katholiken gegenüber der übrigen deutschen Bevölkerung und auch gegenüber den Katholiken anderer Länder als einzigartig in ihrer sozialen Arbeit ausweisen und worum man uns so ost beneidet, in allen Teilen auf Setteler zurückzuführen. (Lebh. Beifall.) Mit Dank zu Gott gedenken wir heute all besten und legen zugleich das feierliche Gelöbnis ab, daß wir in KettelerS Geiste sozial weiter arbeiten wollen. (Lebh. Beifallff
Bischof Dr. Sirstei« von Mainz mit stürnnschem Beifall begrüßt: Sie sind so freundlich zu mir — ba bin ich schuldig, auch Ihnen ein paar freundliche Worte zu sagen. Und ich glaube, es ist dem Vottsverein von Jntereffe und Wert, wenn ich ihm in meiner Eigen- chaft alS Mitglied deS Episkopats meinen Dank und meine Anerkennung für seine Arbeit auS» preche. Ich habe volles Verständnis dafür, welche Rre- enarbeit in M.Gladbach geleistet wird. Ich möchte mal — in Erinnerung an den Festzug vom Sonntag — den Volksverein mit seinen 7 Hunderttausend Mit- gliedern aufmarschieren sehen. (Heiterkeit.) Und ich telle dem Zentralvorstand anheim, die nötigen Vorbereitungen dafür zu treffen. (Beifall und Heiterkeit.) Ich weiß weiter, daß die Mitglieder deS Zentralvor- tandeS voll durchdrungen sind von Liebe und Anhang- iichkeit zu unserem hl. katholischem Glauben, und daß sie Tag und Nacht sinnen, wie sie ihm helfen und nützen können. Eine große Verantwortung ist in ihre Hand gegeben, aber sie sind sich derselben bewutzt und sie sind ihr gerecht geworden. (Beifall.) ^ch habe den Wunsch, daß der Vollsverein in seiner Ausbreitung und in seiner inneren Arbeit uns für alle Zeiten erhalten bleibe und daß er auch in den Bezirken eine Heimat finde, wo er bis jetzt noch nicht genügend ge- würdigt worden ist. (Beifall.) Ich habe ferner den Wunsch, daß er jederzeit in engster Fühlung mit dem Episkopat arbeiten möge, bann wird Gottes Segen stets mit seiner Arbeit fein. (Beifall.) Darum ist mein innigster Wunsch: Freundschaftund Ver- ständnis zwischen dem Volksverein und Episkopat und wenn je eine Frage auftauchen sollte, die eine Besprechung und Verständigung notwendig machte, bann mögen Sie überzeugt sein, baß bie Herzen des Episkopats warm für Ihren Verein schlagen werden (Stürm. Beifall), daß der Epikopat nur den einen Wunsch hat, es möge Ihr großer Verein allzeit der Sache der katholischen Religion bienen, baß vor allem ein schlagfertiges Heer hinter dem Episkopat stehen möge, um mit ihm zu kämpfen und zu siegen. (Stürm. Beifall.) In diesem Sinne er- teile ich Ihnen gern den bischöflichen Segen. (Stürm., langanhaltenber Beifall — bie Versammlung empfängt knienb den Segen.)
Vorsitzender des Volksvereins Fabrikbesitzer Brandts dankt für die schönen Worte des Bischofs und spricht das Gelöbnis aus, daß der Volksverein allezeit im Einvernehmen und in engster Fühlung mit dem Episkopat arbeiten werde. (Stürm. Beif. und Zust.)
Das Wort ergreift hierauf der Präsident des Katholikentages, Graf Galen: Was vor Jahren vorwärts- schauende Männer gewünscht und geahnt — ber Volksberein hat bas geschaffen: er hat eine ossent- liche katholische Meinung geschaffen (Beif.), darum gebührt ihm — gebührt vor allem seinen Führern herzinnigster Dank (Beif.). In einer jeden Pfarret eine Ortsgruppe des Volksvereins — das liegt tm Geiste unseres großen KettelerS, mit diesem Vorsatz wollen wir von hier fortgehen. (Beif.)
Der Dienstag wurde eingeleitet durch em R e - a u i e m sür die verstorbenen Mitglieder der früheren Generalversammlungen im hohen Dom. Ilm 9% Uhr begann in ber Stadthalle die
Generalversammlung deS katholischen BoWvereinS.
Von Jahr zu Jahr nimmt bie Teilnahme an dieser Versammlung in hohem Maße zu. Das Bild, welches der große Saal der Stadthalle heute gewahrt, ist das einer öffentlichen Versammlung des Katholikentages. Auf ber Präsidialtribüne sind zahlreiche führende Per- fönen unseres öffentlichen Lebens erschienen.
Fabrikbesitzer Brandts-M. Gladbach eröffnet bie Versammlung und feiert den Volksverein als den Verein, ber bie Keitelerschen Grundgedanken in zeitgemäßer Ausgestaltung zu verwirklichen sucht. Aus allen Kreisen, Geistlichkeit, Abel, Bürgertum und Voll wetteifert man in ber Anerkennung ber Volksvereins, arbeit. Ganz besonberer Dank ist benen auszusprechen, bie in so selbstloser Weise an dieser Arbeit, ber praktischen wie ber geistlichen, teilgenommen haben. Ich mochte sie gern mit bem Namen nennen, bie Getreuen, feie meist stn Ehrenamt ihre Zeit ber guten Sache widmeten. Der Hilfe biefer Männer verdanken wir es in erster Linie, daß wir bei einem Zuwachs bon etwa 50 000 Mitgliedern im letzten Jahre heute eine Mit- gliederzahl von mehr als 7 00000 erreicht haben. So dürfen wir uns kühnlich nennen den größten sozialen Verein ber Welt auf katholischem Boden. (Beifall.) _
Unverkennbar zeigt sich im katholischen Volke ber Arbeit Frucht. Unser Wahlspruch: Soziale Arbeit für alle Berufsstände, wirb zu Tat und Leben. Wirt, schastliches Ringen geht Hand in Hand mit der Stei- gerrmg geistigen Strebens und ber Erstarkung ber religiösen Ueberzeugung. So wird es allmählich erreicht werden, daß das Geschwisterpaar „Besitz und Bildung" nicht mehr das alleinige Vorrecht der höheren Klaffen bildet. Je früher es gelänge, beide Geschwister auch in den unteren Volksschichten heimisch zu tnachen, ihnen zu einem möglichst großen Anteil an „Besitz und Bildung" zu verhelfen, um so größer würde, wenn er noch unter uns weilte, bie Freude des Mannes sein, dessen Andenken wir heute feiern. (Zustimmung.)
Fragen wir uns aber, ob bie dahmzielenbe Tätigkeit bes Volksvereins allgemeine Billigung findet, so müffen wir leider mit Nein antworten. Die Einen bekämpfen den Verein, weil er auf katholischem Boden erwachsen ist, die Anderen, weil er ihren radikalen, sozialistischen Bestrebungen Abbruch tut, wieder andere und zwar auf katholischer Seite, lehnen die Stellungnahme des Volksvereins zu wirtschaftlichen OrganisattonSfragen ab, weil er nach ihrer Auffassung bie Katholiken bei wirtschaftlichen Organisationen nicht von den Andersgläubigen abschließt und sie dort nicht der unmittelbaren Leitung durch die kirchlichen Behörden unterstellt. Die beiden ersteren haben wir als wirkliche Gegner zu betrachten, mit denen wir den offenen, aber unsererseits stets streng sachlichen Kamps aufzunehmen haben, ba unsere katholische Weltanschauung unb unsere Grundsätze uns gar zu weit von ihnen trennen. Die dritte Gruppe, aus katholischen Gesinnungsgenossen sich zusammensetzend, gibt unumwunden zu, daß die reiche apologetische Tätigkeit des Volksvereins einwandfrei ist unb ihre volle Billigung findet. Sie können auch nicht leugnen, daß der Volks- herein mit ganzer Wärme die konfessionelle Bollsschule, bie echt katholische Bildungs- unb Erziehungsarbeit in der Familie unb in ben katholischen Swndesver- einigungen vertritt, fie rückhaltslos fördert und Pflegt. Sie müssen auch anerkennen, daß er mit ganzem Nachdruck fordert, bie Katholiken sollen auch in wirt- schriftlichen unb staatsbürgerlichen Vereinigungen eben- so treu nach den katholischeu Grundsätzen denken und handeln, wie sonst im privaten Leben. Wenn jene Kritiker aber nun glauben, dieser Forderung könne nicht genügend Rechnung getragen werden in den vom Volksoerein empfohlenen wirtschaftlichen,Verbänden, so darf ich demgegenüber zur Rechtfertigung des Volksvereins kurz darauf Hinweisen,, daß diese seine Stellungnahme geteilt wird von der erdrück en den Mehrheit der deutsch en Katholiken unb ihrer Führer, vertreten wird bon hervorragenden katholischen Gelehrten unb wiederholt gebilligt ist von höchsten kirchlichen Autoritäten. Wer gleichwohl in dieser Einzelfrage für seine Person anders denkt, ist also nicht berechtigt, ben Volksverein als minder k a tholis ch hinzustellen, noch auch ihn und seine Übrige Arbeit im ganzen abzulehuen oder gar zu bekämpfen. (Lebh. Beifall.)
Allen aber, bie außer unserer kirckllichen Gemeinschaft stehen, sei ausdrücklich gesagt, daß wir stets zu gemeinsamer vaterländischer Arbeit mit ihnen bereit sind. Ihnen sei ferner gesagt, daß die soziale Aufklärung, bie ber Vollsverein für das katholische Deutschland in so weite Kreise un- sercs deutschen Volkes hiucinträgt, ebenso den Inte, reffen aller dient, wie Kettelers, des katholischen Bl- schoss, Rus nach Besserung des Loses ber arbeitenden Klassen unb nach sozialen Reformen, dem ganzen Vaterland zu Heil unb Segen gereicht hat. (Stürm, anhaltender Beifall.)
Hierauf croiiff das Werl Tirettor Dr. Brauns- M.Mladbach, um den Jahresbericht zu erstatten. ES mag daraus hervorgeboben fein, daß der Bei ein Ende Juni 1911 710727 Mitglieder zählte und ber Mitgliederzuwachs 4808'2 betrug. An bem Ausbau ber Organisation wurde mit Eifer intb Erfolg
Reichs- und Landtagsabgeordneter Gröber: Der Volksverein ist ein Massenbildungsverein, weil er sich sagt, daß die Gesundung unserer sozialen Verhaltmffe nur durch das Volk selbst, nicht von oben her erreicht werden kann. Die Arbeitsteilung ist kurz gesagt: so- ziale Belehrung durch den Volksverein, soziale Pral- tische Arbeit durch die beteiligten Sozitäten, durch die Gesellschaft selbst. In großen Zügen wenigstens ist KettelerS soziales Programm durchgeführt, aber die Gesetzgebung bedarf im einzeliien noch des Ausbaues, so°namentlich im Jntereffe des Mittelstan. des unb ber Privatbeamten. Eine Pnvatbe- amtenfrage gab es auch zu Kettelers Zeiten noch nicht. Aber darüber hinaus muß die ganze Gesetzgebung mit ozialem Del durchtränkt werden, auch die juristischen und die S t e u e r g e s e tz e. Da haben wir noch große Gebiete, die hinter der Entwicklung des sozialen Geltes zurückgeblieben sind unb bie einer Umarbeitung im sozialen Sinne bebürfen. Aber die Gesetzgebung kann nicht alles tun. Neben sie treten bie Orgam- ätionen der Selbsthilfe. Die ersten Stadien dieser Selbsthilfe-Organisationen sind heute, Gott et Dank, überwunden, ich meine die Stadien, ba cs sie nie erlahmende Treibkraft jeder sozialen Frage galt, ihnen überhaupt erst die Existenzberechtigung zu erkämpfen unb ihnen Mitglieber zuzufuhren. Heute gilt es, das Verständnis dafür zu erwecken, baß sie sich nicht als einseitige Stanbes- unb Kampfesorganisatio- nen zu betrachten haben, sonbern, baß fie, ©lieber sind unseres gesamten wirtschaftlichen Organismus, sodaß sie imstande sind, die errungenen Rechte und Freiheiten im rechten Sinne zu gebrauchen. Dieses Ziel ist vom Volksverein klar erkannt, er weiß ganz genau, daß im tiefsten Grunde in jeder sozialen Frage eine re. ligtöfe Frage zu finden ist. (Beif.) Wr wissen, daß die nie erlahmende Treibkraft jeder sozialen Arbeit christliche Nächstenliebe ist. (Lebh. Beifall.) Deshalb teht der Volksverein voll und ganz auf dem Boden »er katholischen Kirche und er will wirken aus den Kräften der Kirche heraus. Alle seine Mit- glieder sind und bleiben treue gehorsame Sohne des Papstes und ihrer hl. Kirche. (Stürm. Seif, und Zustimmung.) Seine ganze Arbeit ist gegründet aus dem Felsen der katholischen Weltanschauung. (Beif.) Als der Verein 1890 gegründet wurde, da hatte man schon eine bedeutende und immer mehr anschwellende sozialpolitische Literatur. Aber die breiten Mafien waren noch ohne jede soziale Orientierung. Auf religiösem Gebiete hatten sie im Kulturkampf eine harte Schule durchgemacht ,ihre soziale Beteiligung aber beschränkte sich im wesentlichen auf eine in der Haupt- fache aus religiösen Erwägungen hervorgehende Bekämpfung der Sozialdemokratie. Das Verständnis auch für die sozialen unb staatsbürgerlichen Fragen neben ben religiösen erweckt zu haben, und den Trieb nach Selbstarbeit und Selbfthils e geweckt zu haben, das ist das H a up t v e r di e nst deS Volksvereins. Sich nicht verlassen auf ben
Verschiedentlich sind auch konteadiktorische Verhandlun- gen auf dem Boden des Volksvereins unter wirtschaft- ; sich gegensätzlich Interessierten abgehallen worden. Der 1 privaten Wohlfahrtspflege, bei der bie Jugendfürsorge . in erster Linie stand, diente die Herausgabe einschlägi- . ger Broschüren; auch die Vorführung von Lichtbildern, die soziale AuskunstSstelle und die Ausleihbiblwthek sind in den Dienst dieser Aufgaben gestellt worden. Einen erfreulichen Aufschwung hat die studentische Arbeiterkurstätigkell genommen. Die fozialwissenschast- liche B.bliothek wurde um fast 3000 Bände vermehrt, sie zählt gegenwärtig rund 31000 Bände. Die soziale Auskunftsstelle hat im Berichtsjahr wiederum mehr als 3000 Auskünfte erteilt. Die Antahl der vom Volksverein an feiner Zentrale in M. -Gladbach veranstalteten sozialen Kurse haben im letzten Vereinsiahr zu- genomnun, auch die Teilnehmerzahl ist beträchtlich ge- ftieaen An Schriften und Drucksachen wurden im Bettchisjahre an 14 Millionen Stück verschickt und Volks Vereinsversammlungen wurden in derselben Zeit mehr als 5000 abgehalten, darunter mit sehr großem Erfolg auch eine Reihe von Frauenversammlungen.
Im Anschluß an dieses Tatsachenmaterial führt der Berichterstatter dann noch auS: Wir sind gewachsen - das siebente Hunderttausend ist überschritten. Wenn es vorübeigehend einmal schien, al8 wollten vereinzelte Ortsgruppen etwas erlahmen, so hat ein bloßer Hinweis auf diese Tatsache genügt, um alle zu neuem Eifer anzuspornen. Die alten Kämpen m den ur- sprünglichen Beständen des Volksvereins am Rhein und in Westfalen haben das ihrige dazu getan, aber noch mehr die Süddeutschen. (Lebh. Beifall.) Der Ruhm gebührt vor allem den Bayern rechts de- Rheins, die unS in diesem Jahre mit einem Zuwachs von fast 15000 Mitgliedern erfreuten. (Lebh. Beifall.) Wenn wir bedenken, daß das Rekrutierungsseld des VolkSvereins lediglich das katholische und nicht das gesamte Deutschland ist, so können wir, auch bei enum Vergleich mit den Mitgliederzahlen gegnerischer Organisationen, mit Stolz auf die Mitgltederzahl von 700 000 Hinweisen. (Beifall.) Dürfen wir desha b aber ruhen auf den errungenen Lorbeeren? Nichts weniger als das. Stillstand wäre darum muß Fortschritt die Parole bleiben, Fortschritt nach außen und nach innen. (Beifall.) »e Bei trale zu vervollkommnen, ist Sache be3 Vorstandes; die Organisation im Lande zu entwickeln, dazu muffen Sie uns Helsen. Das Heer der Vertrauensmänner muß vermehrt und muß verjüngt werden. Heran mit neuen jugendlichen Vertrauensmännern aus diesen Kreisen! (Lebh. Beifall.) Unb nun bie zweite Losung: Fortschritt nach Innen durch Vertiefung unferer BereinSarbeit. UnsereVo.rs- vereinsversammlungen haben ben Ruf, nicht bloß ber Unterhaltung zu bienen, sondern vorwiegend gediegene volkswirtschaftliche, staatsbürgerliche und religiöse Kenntnisse zu vermitteln. Darum Redner vor die Front, die in der Lage sind, diesen Anforderungen an den Inhalt der Versammlungen zu entsprechen. Die Zentrale hat die geistigen Waffen geschaffen, mit denen die Vertrauensmänner sich auf ben Konferenzen schulen unb mit denen ausgerüstet sie ben Kampf aufnehmen können. So erhalten wir in jebem Vertrauensmann einen Schützen, der mit den Geisteswaffen, die der Voltsverein ihnen liefert, umzugehen und rn den sozialen Kämpfen der Gegenwart seinen Mann zu stellen weiß. (Lebh. Beifall.) Eine starke Zentrale in M.- Gladbach, 20000 geschulte Geschäftsführer und Vertrauensmänner draußen im Lande — und der Bolls- verein muß unb wird voran gehen, (»iutrn. Behau.) ' Im kommenden Jahre wie bisher, voran zu neuen Er- ; obenmgen und Siegen! (Langanhaltender, stürmischer
zwetten öffentlichen Generalversammlung, die um 5 Uhr in der Stadthalle durch den ersten Vizepräsidenten, Rechtsanwalt Rumpf-München, eröffnet wurde, war ebenso gewaltig wie am Montag. Wiederum zogen die Besucher deS Katholikentages schon in der 4. Nachmittagsstunde zur Festhalle hinaus, um ja mcht von den Versammlungen ausgeschloffen zu werden; wiederum waren die Plätze im Sitzungssaal vergriffen, wiederum waren bie Tribünen, die für die Damen reserviert waren, bis auf den letzten Platz gefüllt und wiederum hatten die Studenten ein derartig starkes Kontingent gestellt, daß das Podium, welches zuihrer Verfügung stand, kaum für sie ausreichte Auf der Präsidialtribüne waren außer zahlreichen Par ame lauern unb sonstigen hervorragenden ^J’^XT von anwesend der Bffchof von Mamz, der -hos von
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H A gätfrhnf p Anaelud (Sttingct von SJcbict bi — «"wesend d« Ab. ^^°Er^Vizepdent^Rechtsanwalt Rumpf-Müncheii verliest das Danktelegramm des Großherzogs von Hessen, befien wir bereits oben gedacht haben. Nach Verlesung bringt der Präsident ein Hoch auf den Großherzog au», in da» die Versammlung begeistert ein- stimmt.
gen und tm engen Anschlüsse an unsre hl. Kirche. WaS wir wollen, das ist nur das eine: Wir wollen im Volksverein wirken im Geiste der katholischen Kirche zum Wohle deS katholischen Volkes und des ge sam ten deutsch en Vaterlandes (Stürm., langanhaltender Beifall.)
Rechtsanwalt Dr. von Nemestoth, Nagy-Karolh (Ungarn) berichtet über ben nach bem Muster bei Volksvereins geschaffenen ungarischen Volks- herein, ber es bereits auf über 270 Tausend Mitglieder gebracht. (Stürm. Beif.) Er hat das etne erreicht, daß man bei unS in Ungarn ben Kulturkampf hat einstellen müssen. (Stürm. Beif.) Ich denke, das ist ein Erfolg Ihrer Schüler, auf den Sie stolz sein dürfen. (Beif.) Wir können daraus lernen, datz die Methode Ihrer Organisation die einzig richtige ist, nur ihrer rechtzeitigen Anwendung haben wir es zu danken, daß es bei uns nicht auch schon zu französischen Verhältnissen gekommen ist. (Beif.) Mögen die Völker und bie Länber, bei denen es noch nicht zu spät ist, sich bas merken, und mögen sie bas Beispiel ber beutschen Katholiken nachahmen. (Stür- Mischer Beifall.)
Vorsitzender Abg. Justizrat Trimborn: WaS bie Ungarn in wenigen Jahren geleistet haben, das ist wirklich aller Ehren wert. (Beif.) Sie können sich sehen lassen — sie find ja bie reinen Hexenmeister (Beif. und Heiterkeit), Respekt vor den Ungarn — wir werben alle Kräfte anspannen müssen, datz wir nicht von ihnen überflügelt werden. Der Herr aus Ungarn hat sich uns so bescheiden und harmlos borge» stellt — daheim ist er ein ganz gefährlicher Konkurrent. (Stürm. Heiterkeit.) Als solchen habe ich ihn seinerzeit schon entlarvt. (Erneut, ftürm. Heiterkeit.) Aber trotzdem — ich bin ihm dankbar, und ich sage: Wenn Ihr in Ungarn so arbeitet — wir werben noch mehr arbeiten (Stürm. Beifall) und so wollen wir miteinander wetteifern in edlem Wettbewerb. (Stürm. Beif.) Jedenfalls bitte ich ihn, unseren ungarischen Glaubensbrüdern unsere wärmsten Grüße zu übermitteln. (Stürm. Beifall.) Wir stehen am Ende unserer Versammlung. Ich glau. be, wir haben alle den Eindruck: Sie stand unter bem Geiste Kettelers, wie unser Volksverein Geist ist vom Geiste Kettelers. (Stürm. Beifall.) Aber habet wollen wir es nicht bewenden lassen; wir wollen diese Ueberzeugung auch in die Tat umsetzen, wir wollen, jeder an seinem Teile, werben an bem Volksverein. Da9 nächste Ziel muß sein: im Laufe weniger Jahre eine Million Mitglieder. (Stürm. Beifall.) Darum auf zur Tat. (Erneuter stürm. Beifall.)
Hierauf wirb bie Versammlung mit dem katholische«