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1Z9.

vkrnrtag den 8. August U>U*

$8. Iahrgaag.

fuldaer U Zeitung *

2. Ylatt.

tut w* Verlag ta $*»«« ÄelknbtwUtet I» SuU«.

anlr^g einstimmig anzunehmen.

* Heringe», 7. äug. 1911. Hier hatte die jetzt 82 Jahre alte Witwe Wring durch einen Schlagon- all die S pra ch e v e r k o r e n und war bettlägerig geworden. Als während des letzten Gewitters plötz­lich ein furchtbarer Donnerschlag erdröhnte, fand die Greisin die Drache wieder unb war imstande, aufzustehen und umherzugehen.

♦ Jena, 7. Auz. 1211. Der ® enrtin i> e tat beschloß heute, jedem seiner Mitglieder den Bettag von 50 Mark zur Verfügung zu stellen zum Bestick dcr Hygieneausstellung in Dresden.

* Eisenach, 7. August 1911 Für die Wsrt- burgbeleuchtung am Samstag waren mit Rücksicht auf den zu erwartenden starken Fremden­verkehr besonders umfassende Maßnahmen getroffen worden. Die Genehmigung der zuständig« Behör­den war erteilt worden. Zwei Stunden vor Pegimr der Beleuchtung erhob jedoch ein höherer Forft- heamter als Vorgesetzter der Forstpolizeibehörde schwerwiegende Bedenken gegen die Illumination^ weil die außerordentliche Trockenheit eine große Gefahr iubezug der Feuergefährlichkeit erzeugt hätte. . Die Folge war, daß der Hauptteil der Illumination verboten wurde.

* Frankfurt a. M., 7. 2lug. 1911. Eine Wär­terin des Hauptbahnhofes fand in einem Wasch, raunt für Unbemittelte eine Brieftasche mit fün f- tausend Mark in Papieren. Gleich darauf er- schien eine Dame besseren Standes, die eben erst den Waschraum verlassen hatte, um nach der Brieftasche Nachfrage zu halten. Nach Erhalt ihres Eigentums gab sie der ehrlichen Finderin 10 Pfennig mit dem Bemerken: „Trinken Sie eine Tasse

Herr von Sonneck fühlte, was in dem Herzen sei­nes Kindes in dieser Stunde vocging; er verstand die Qualen, welche Hilde litt. Auch ihm kam dies so unerwartet und erschien ihm so absurd, daß er in einer plötzlichen Wallung des Zornes ausrief: „Das wagt er Das ist eine Schmach!" Er wies den Gedanken weit von sich, als etwas ganz Undmkbares. Sem reines, unberührtes Kind sollte er diesem Don yuan geben, von dessen galanten Abenteuern man in der Residenz die unglaublichsten Dinge erzählte! Einem Manne, der dem Alter nach der Vater von Hilde hätte sein können. Sie liebte ihn nicht im geringsten, ,ie fürchtete sich vor ihm, das bewiesen ihre Tränen, ihr Sittern.

Herr von Sonneck nahm das Mädchen fest an seine Brust. „Mein liebes Kind/ sagte er, „gib dich zufrieden. Ich wünsche diese Verbindung ebensowenig wie du. Beruhige dich, Hilde. Niemand verlangt von dir, dich einem ungeliebten Manne zu ver­mählen."

„Ach, Papa — wie gut du bist! Ich gehe nie von dir! Ich will immer bei dir bleiben, immer —"

Herr von Sonneck war gerührt. „Wir bleiben im­mer beisammen, Kind."

Da trat Elga näher. Sie hatte die Szene mit wechselnden Empfindungen mitangesehen. Ihr war es, als öffne sich eine glänzende Pforte und zeige ihr, wonach sie sich mit so heißem Verlangen sehnte: nach dem Leben, der Freude! Wenn Baron Weißen­hofen Hilde zur Frau nahm, so wurde auch sie mit in den Kreis des gwßen Lebens hineingezogen. Dann verbrachte man den Winter in der Residenz. Es gab Gesellschaften, Bälle, Feste aller Att, man besuchte Konzerte, da» Theater — man lebte wieder, nach­dem man so viele Jahre verbannt gewesen war.

„Ich verstehe nicht, was es da zu weinen gibt," sagte sie. „Das wäre doch das größte Glück, wenn Hilde Baron Weißmhofens Frau würde. Sich ins Volle hineinsetzen, im Sommer auf dem Lande, im Winter in der Residenz leben — kann es denn etwas Schöneres geben? Hilde, besinn dich nicht lange, nimm das Glück, das sich dir bietet. Wer nicht viel einzu­setzen hat. kann keine hohen Ansprüche machen, und

Schloß Sonneck.

11] Roman von Felix Nabo».

„Ach du," sagte er, und legte den einen Arm um sie. „Darum handelt es sich nicht, sondern ob du zufrieden bist. Und du bist es nicht, Elga, kannst es nicht sein. Was hast du an mir allem Mann? Du bist fast zwanzig Jahre jünger als ich und noch so schön. . . . Vielleicht war es damals eine Tor- heit, dich an mich zu ketten. Wir muffen das ein­same Los tragen. Es ist bitter, Elga, du darfst es mir glauben." Und in jäh ausbrechender Zöch lichkeit zog er sie an sich und küßte sie. Elga ließ es geschehen, aber sie erschauerte.

t „Wo nur Hilde ist?" fuhr Sonneck fort. „Sie macht mir Sorge. Komm, wir gchen ins Zimmer, kS ist doch ein bißchen kühl." Langsam ging er über die Terrasse und durch die hohen Flügeltüren. Im Speisezimmer brannten noch die Lichter, auf dem Sessel aber kauerte eine weiße Gestalt. Ein leises Schluchzen klang durch das halbdunkle Gemach. Herr von Sonneck fuhr zusammen. „Hilde . . . Hilde . . ."

Da Achtete sich diese auf.

„Papa, da bin ich!" Ihre Stimme schluchzte. „Kind, mein Kind . . . was ist dir? . . .

Hilde kam mit müden Schritten auf ihn zu und beim Scheine des Lichtes sah er, daß sie geweint hatte Tränen toaten sonst nie ihre Sache; es mußte asto schon ein starker Sturm gewesen sein, der über tttt junges Leben hingefahren war. Sie legte ihre Arme um seinen Hals und lehnte ihr Haupt an seine Schulter. „£) Papa, lieber . . . lieber Papa!"

„Wer was ist dir denn, Kind? So sprich doch!" (fa fuhr ihr zärtlich übers Haar. „Hast du so wenig Vertrauen zu mir?"

• „Nein, Papa — ich will e8 dir sagen. Aber es geht mir so schwer . . . ich schäme mich so entsetzüch , . ." Sie verborg ihr Gesicht an seiner Bmst, er fühlte, wie ihr ganzer Körper zitterte, und dann kam es stoßweise aus ihrem Munde: „O Papa — Baron Weißenhofen . . . will mich zu . . zu seiner Frau.'

Das al-ich« tat der zweite Berichterstatter, Herr Kircher: Er hob hervor, daß die Stocht berechtigt und verpflichtet gewesen fei, zu sperr«, aber die ' Sperrung ist nach seiner Ansicht M» lange gewesen. 4 bis 6 Stund« täglich fei infolge der langen i Sperre das Wasser unbenutzt fortgelaufen. Der : Gas- und Wasserwerksausschuß habe seine Pflicht । Jahre lang getan, und deshalb fei« die Vorwürfe in der ,Fuldaer Zeitung' unbegründet. Wenn es nach d« Wünschen der Stadtverordnet« gegangen wäre, wäre längst der zweite Hochbehälter gebaut worden, und die Reserven hätten dann länger an- gehalten. Der zweite Rohrstrang müsse unbedingt gelegt werden. Er glaube, daß die Stadtverord- netm-Versannnlung in der Anerkennung dieser Notwendigkeit mit dem Gas- und Wasser- werksansschuß einig sei. Der dritte Bericht-

erstatt«, Herr Schultheis, trat ebenfalls ent» chieden für die Legung des zweit« Rohrstranges ein. Der Wassermangel sei nicht nur im Sommer, 'ondern auch im Winter vorhanden. Sehr viel Wasser verschlinge die Kanalisation.

Herr Oberbürgermeister Dr. Antoni gab feinet Freude Ausdruck, daß der Wasserwerksausschuß und die Referent« ausnahmslos die Legung eines zweiten Rohrstranges als unbedingt notwendig anerkannt hätten. Um keine Legendenbildung aufkommen zu lassen, wandte er sich gegm die angeblich durch tue Rohrverengung in Eichenzell hervorgerufenen Wasser­verluste (225 odm),die angeblich iuderLeitung fehlenden 500 cbm und gegen die stark kolportierten Gerüchte, als ob in der Oberstadt Wasservergeudung getrieben werde. Herr Reith möchte gegenüber dem Artikel- chreiber in der,Fuld. Ztg/ ausdrücklich feststellen daß die Stadtverordneten nicht die Sündenböcke feien. Diese feien weder an bet großen Wasserknapphett schuld, noch daran, daß der zweite Rohrstrang noch nicht gelegt sei. Die Legung des zweiten Rohr- siranges lasse sich nicht mehr hinausschieben. Herr Fritz bemerkt, daß durch von ihm vorgenommene Sleffungen bei ihm alle Bedenken gegen den zweit.Rohr- Itrnng geschwunden seien. Die leider beseitigten Lauf- nunnen möchte er, wenn der zweite Rohrstrang gelegt sei, wieder eingerichtet sehen. In jebem Dorf existiere ein solcher, der gutes Lrink- wasset liefere. Tas Fehlen eines Laufbrunnens m Fulda sei bei der drückenden Hitze geradezu als eine Volksplage empfunden worden. Ter Herr Ober­bürgermeister sagt zu, daß die Lausbrminen wieder in Tätigkeit gesetzt werden soll«. Auch die Unterhabt solle einen solchen erhalten. Alle folgen­den Redner: Dr. Schutte, Kapp, der die Legung des zweiten Hochbehälters statt auf dem Frauenberg, auf dem bedeutend höher gelegenen Watschet empfieglk, Schwarz, Simmer,. Jestädt und Rübsam sprachen sich ebenfalls für die Legung des zweiten Royr- strauges aus. Eine Anfrage des Herrn Schwarz, ob es nicht möglich sei, Tiefbohrnngen zu machen, br- antwortet der^Herr Oberbürgermeister dahin, daß die Stadt in jetziger Zeit irgendwelche Experimente mit Tiefbohrungen nicht machen könne. Der zweite Rohrstrang werde vielleicht für 10 Jahre ausrcichen, dann müsse man wieder auf die Suche nach neuen Quellen geh«, erst dann könnten ja auch einmal Versuche mit Tiefbohrnngen gemocht werden. Herr Simmer hält die Anlegung des zweiten Hoch­behälters auf dem Watjchel nicht für empfehlens­wert. Anderer Ansicht ist Herr Fritz. Es nuiide, wie auch Herr Kapp meint, ein wirlfamerer Druck für den ober« Stadtteil im Falle eines Brandes geschaffen. Bei der Anlegung des zweiten Hochbc- Halters auf dem W ttschel liege die Drucilmie 32 Meter höher wie auf dem Frauenbergo. Herr 9tübfam bezeichnet es als eine besondere wichtige Ausgabe der Kommission, sich nach einer Firma umzufeh«, die gegedeneiisalls auch zu haben sei, d. h. solche Firmen, die für später sich etwa ein- stellende technische Fehler die Verantwortung und die Haftpflicht übernehmen.

Der Magistratsantrag auf Legung des zweiten Rohrstranges wird hierauf einmütig angenommen. Die Bestellung eines Sachver­ständigen ober einer Firma, der die .Kontrolle zu übertragen wäre, bleibt dem Wasserwerksausschuß Vorbehalten, lieber die Beschaffung der für den Bau erforderlichen Mittel wird der Finanzausschuß noch Beschluß fassen. Der Kostenanschlag für den zweiten Rohrstrang und die Anlage emes neuen Hochbehälters beziffert sich auf 520000 Mark.

5; BiMbadeanstatt. Die Beratung dieses Gegen- tandeS trug ein« rein informatorischen Charakter. I Der Magistrat hatte je ein Projekt deS Architekten Adam von hier und der Firma Echarsstedt in Gießen überreicht. Die Anstalt ist auf bau Fri«- rich Lueas'schen Anwesm in bet Brauhausftraße geplant. Nach bem Adam'sch« Projekt, das ben Anbau eine? Hallenschwimmbades an bet Truchseß- ftraüe vorsieht, sollen im Erdgeschoß 7 Brause« und 6 Wannenbäder für Männer, int Obergeschoß fünf Brause- und 4 Wannenbäder für Frau« unter» aebracht werd«. Die Soften für Brause- und Wannenbäder veranschlagt Herr Adam, einschließlich der inneren Einrichtung, auf 72 000 Ml., die Erweite­rung der Anstalt auf 10000 Mark, das Schwimm- bad auf 135000 Mark. Die Firma Scharfftedt in Gießen beziffertdieBaukosten für ihrProjektjenachAus- stattung der Räum« ohne innere Einrichtung auf 30 bis 35000 Mark, für eine Schwimmbad ohne innere Einrichtung auf 60—65000 Mark. Der erste Be- richterstatter, Herr Fritz, erörtert den Plan einer hinter dem Badegarten zu errichtenden Volksbade- ' anstatt und schlägt vor, daß Architekt Adam und die Firma Scharfftedt ihr Projekt in diesem Sinne umar- bsiten möchten. Ein Schwimmbad müibenbie Bürger gewiß freubig begrüßen; ein Bad in der Fulda zu nehmen, sei solange unmöglich, als es nicht gelinge, die Industrie-Abwässer absolut rein in ben Fluß zu leiten. Herr Reith schließt sich ben Aus- sühtuug« bes Herrn Fritz an. Der Herr Ober­bürgermeister hält roeber bas Adam d;e noch das Scharfstedt'sche Projekt für ausführbar, da der Stadt die ersorderlichen Mittel fehlen^ und eine Badeanstalt auf Pump zu bauen, gehe nicht an. Weil eine Badeanstalt sich nie rentiert, muffen ww uns wesentlich einschränk«. Zunächst muffen wir wissen, wo wir bau« und dann erst können wir über die Mittel beraten. An eine Schwimm­halle ist gar nicht zu denken, wenn wir un? nicht in Schulden stürzen wollen. Ich bin gar nicht ab- geneigt, das in der Zeitung vorgeschlagene Wien der Errichtung einer Badeanstalt hinter dem Bade- garten einmal prüfen zu lassen. Nachdem noch die Herren Rapp, Rübsam, Schwarz, Dr. Schulte und Reith zu der Vorlage gesprochen, wird diese auf Antrag des Herrn Rapp an den Bauausschuß ver-. wiesen, zu dessen Beratungen auch die Herren Fritz und Schwarz hinzugezogen werden sollen. ,

Der vorgerückten Zeit wegen werden die übrigen Punkte der Tagesordnung abgesetzt.

Schluß der Sitzung kurz vor 11 Uhr.

Kaffee!"

* Höchst (Main), 5. Aug. 1911. Heute morgen ereignete sich an dem Uebergmig der Tmmusbahn in der Homburgerstraße eine aufregende ©jene. Das Leisssche Rollfuhrwerk wollte gerade das Geleise passieren, als der um 8.11 Uhr von Frankfurt ab- oehende Schnellzug dahergebraust kam Nur der Gei­stesgegenwart des Lokomotivführers, der die Gefahr bemerkend, den Zug noch kurz vor dem Fuhrwerk zum Stehen brachte, ist es zu danken, daß fein grö­ßeres Unglück geschah. ,

* Schwanheim, 7. Aug. 1911. Bis in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts war die hiesige Ge­meinde in der glücklichen Lage, ohne Erhebung von Gemeindesteuern auskommen zu können. Durch allmählich« Zuzug wuchs unser Ort und die Aus­gaben stiegen, sodaß 1890 mit der Einführung der Gemeindesteuer begonnen werd« mußte, die anfangs 15 Prozent betrug. Später erhöhte man ste aus 60 Prozent Zuschlag zur staatlichen Einkommensteuer und 80 Proz«t zur Realsteuer. Mit diesem Satz ist man in den letzten Jahren ausgekommen, aber nur mit Hilfe von Reservefonds; da diese nun «schöpft find, so wird im nächsten Jahre eine bettachtliche Steuer­erhöhung nicht zu vermeiden sein.

* Mainz, 7. Aug. 1911. Der Milchhandler Ame- lung erlitt einen Hitzschlag und war sofort tot

» Oberlahnstein, 7. Aug. 1911. Diebe haben m der Heiliggeistkapelle am Bergweg ben Opferkasten aus der Wand gebrochen und imtgeiiom- men. Uni diesen eisernen Kasten, der in die Wand eingemauert war, zu erhalt«, mußten die L.iebe ein ganzes Stück Wand herauLbrech«.

' * Würzburg, 7. Aug. 1911. Wie aus Den amt­lichen Nachrichten zu ersehen ist., erhielt ooefttat a. D. Ludwig Eckert in Würzburg das L un t p o l d k r eu z. Der mit dieser Aus.zeichnnng bedachte Beamte ruht indes schon über achtTageim kühlen ©iahe Er verstarb am 29. Juli. So arbeitet Schmier Tod in seiner Organisation oft rascher als der Kanzlei­dienst des Staates.

Ami Seifa und Umgebung.

* Dermbach, 0. Aug. 1911. In einer der letzten Rächte find einem hiesigen Einwohner 17 Hühner aus dem Stall verschwunden. Man vermutet da« dieselben durch Marder fortgefchteppt worden stnv. " * AadtlengSfeld, 6. Aug. 1911. Auf dem Schram­menhof wird für die Gewerkschaft gegenwärtig eine Kantine errichtet, die 35 Meter lang und 6 Meter breit ist. Die Mrma Holleubach in Neidhartshausen baut dieselbe. Die Bewirtung ans der Gewerkschaft bat zur Zeit Spangenberg in Vacha

* Ostheim 7 Aug.1911. Nach einer Mitteilung des Königl. Bezirksamts Mellrichstadt ist die Abhal-

Z. Mitteilung von Eingängen. Der Vorsitzende läßt die von uns bereits erwähnte Eingabe des hie­sigen Mietervereins an den Magistrat und die Stadt- verordnetenverscimmlung verlesen, worin der Verein gegen die lange Sperrung der Wasserleitung Ein­spruch erhebt.

4. Magistrat-antrag und Antrag Schultheis wegen Legung deS zweit« Rohrstranges. Vor Eintritt in die Beratung dieses Gegenstandes wird eine Eingabe der Intendantur des 11. Armee-korps verlesen, worin diese auf die großen Gefahr« hinweist, die bei dem herrschenden Wassermangel für bie in ben Kaseinements lagernden Kriegsbestände bestehen. Eine Abhilfe könne nur durch die Legung eines zweiten Rohrstranges vom Quellengebiete dis zur Stabt geschaffen werden. Wenn nicht, würde sich die Intendantur gezwungen sehen, eigene Brun­nen zu bauen und den Betrag an der für bas Kaserne- mentu zu zahlenden Miete zu kürz«.

Für bie heutige Vorlage waren drei Berichterstatter bestimmt worden. Der erste, Herr Eicken scheibt- Ette aus, baß die gemeiuschastliche Gas- unb sserwerks - Kommission am Mittwoch einstimmig beschlossen habe, entsprechenb dem Magistrats­antrag b« zweiten Rohrstrang zu legen und bie erforberlichen Rohre sofort auszuschreiben (Letzteres ist inzwischen bereits geschehen). Bei dem außerordentlichen Wassermangel sei bie Stabt ver­pflichtet, Abhilfe zu schaffen, und deshalb empfehle die gemeinschaftliche Komnnssion ihren Antrag der Stadtverordnetenversammlung zur Annahme. 400 bis 500 cbm Wasserverlust, der nicht ausfindig zu mach« sei, habe unsere Wasserleitung, die uns 26 Sekundenliter zu führen solle, taisächiich aber nur 22 Sekundeniiter bringe. Durch Rohroerengungeu in Eichenzell gehen 225 cbm verloren. Durch ein umsangreiches Zahlenmaterial und eine Statistik der Leistungen der Horaser Leitung begründete hierauf Herr Eickenscheiot bie Notwendigkeit der Legung eines zweiten Rohrstranges. „Im Minen sämt­licher Stadtverordneten" legte Herr Eickenscheidt Ver­wahrung ein gegen die Artikel, die in der Wasser- Versorgungsfrage in der „Fuldaer Zeitung" er­schienen sind, ganz besonders gegen ben Artikel 'm bet Nummer vom 14. Juli. Es sei schmutzig, wie bie „Fulbaer Zeitung" den am Hauptrohrstran liegenden Stadtverordneten unterschieben könne, baß diese in ihrem Urteil beeinflußt würben. Die Stadtverordneten seien über solche Anwürfe er haben. D e anbeten Artikel seien ja sehr schön, aber sie hätten etwas mehr sachlich sein bür «. Die Artikel schienen von einem Herrn zu stammen, bet einen gewissen Einfluß auf die ,Fuldaer Zeitung' auszuüben vermöge. Ob dieser Hilt Aussichts- tatsmitglied sei, wisse er nicht. Es sei zu bebauet«, baß ein Blatt, das Anspruch an Wist and m che, bie Stabtven rbnet« - Versamm­lung in solcher Weise diskreditiere. Zum Schlüsse seiner eingehenden Ausführungen bat Herr Eickenscheidt die Verammlung, den Magistrats-

ein anderer Freier wird sich kaum in unsere Einöde verirren. Jetzt bist du noch jung; wenn ein Mädchen »u altern anfängt, begehrt es keiner mehr. Und dann bedcnke doch, was Weißenhofen dir bietet: einen präch­tigen Besitz, ein glänzendes Leben, Freuden Vergnü­gungen — Hilde, du mußt „Ja" sagen. Es wate eine Torheit, den Baron abzuweisen."

Sonneck brauste zornig auf. „Muß denn Hude fort?" rief er. „Ist sie hier nicht wohl geborgen? Brauchen wir sie nicht, wie man bie sonne braucht-

. Elga, du nimmst die Angelegenheit durchweg von der pekumären Seite. Denkst du denn nicht daran daß auch die Liebe habet sein muß, wenn man in die Ehe tritt?' Sonst ist sie ja geradezu un»

Sie zuckte die schmalen Schullern. „Gott Siebe! Liebe kommt und geht . .

, Du frevelst!" tief et zornig. „Wehe dem Weibe, das "leichtfertig mit ihren Gefühl« spielt! Liebe ist etwas Heiliges — ohne Liebe unb gegenseitiges Ver­trauen fehlt der Ehe die christliche Unterlage und sie wird zu einem Geschäft, zu einem Handel. Das hab« die Sonnecks nie getan — immer sind sie groß und rein geblieben. Rein — ich verschachere mein Kind nicht, ich schütze es. Gegen die ganze Wett schütze ich es. Er hatte sich derart in Erregung hin­eingeredet, daß seine Stimme durch das Genmch dröhnte, als ob er als Kommandeur vor seinem Ba­taillon stünde. Elga flüchtete aus dem Zimmer und dachte: „WaS er auch sagen mag: Hilde muß doch -Weißenhofms Frau werden!" . . .

Sonneck nahm den Arm seiner Tochter. „Komm, Hilde, führ' mich auf mein Zimmer! Dort wollen wir in Ruhe die Sache besprechen. Niemand soll sich zwischen uns stell«, niemand. Auch nicht deine Mutter!"

Beide verließen das Gemach, von schwer« sorgen niedergebeugt.

~ Inzwischen schritt Viktor dem Parke zu. Der NebA hing im Geäst unb zog, Gespenstern gleich, du.ch blC Da^ronte ihm vor dem unheimlich« Dunkel und

vor ben Gespenstern seiner eigenen Gedanken, und er wandte sich dem Dorfe zu, wo helle Lichter blitzten. Aus den Wirtshäusern tönte Gläsrrklirr«, Lachen und lauter Gesang. Dort feierten sie den Geburtstag Bergmanns, des gwßen „Volksmannes". — Draußen vor dem Dorfe strahlte die Villa im Glanz der elektri­schen Lichter. Viktor blieb stehen und blickte hinauf. „Wenn ich zn Bergmann ginge!" dachte er. „Gr würde gerne ein Darlehen geben — chU) Alice daz l. Dann hatte alle Not ein Ende." Dieser Gedanke verließ ihn nicht mehr. Bergmann allein konnte hel­fen, niemand im Dorfe besaß die hohe summe, die er brauchte, als Bergmann. Nun stand er vor dem Einfirhrtstor. Hell erleuchtet lag der breite Lerpen- tinroeg vor ihm, wie eine Sonne strahlte dre Bogen­lampe über dem eifern« Gitter — drob« Hutter ben erleuchteten Fenstern aber klang Helles ~a^n_unb alles lockte zur Freude, zum Genüsse! ^ber ec war jung, in ihm brannte ungestüm das Verlangen nach- Freude und Gluck! ~

Nur noch ein Schritt trennte ihn von dem Tor nur ein Schritt schied ihn von Reichtum und Gluck' Sollte er ihn tun? ... Nur em Schritt und er Rand auf der goldenen Straße, die zu Richm und Ebrm führte! Nur ein Schritt und em Wort und Alice Bergmann war seine Braut, und Millionen fiel« ihm in den Schoß. .

Ehrenvoll war ja dieser Schritt gewiß nicht, denn er liebte Alice nicht im geringstem ja — er verachtete sie sogar. Aber die Not, die große Not! . . . Blieb ihm denn übechcmpt etwas anderes übrig. . - -

Ein furchtbarer Kampf wühlte msemerB«,. Hier Glanz und Reichtum - dmtt Verfall ,md^ » mut! Hier eine junge, lachende Bmut » $ aller, gebrochener Mann: 9[Iicc

mannS haßte, mit Heber Ruft — dort beständige

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plötzlich zurück, klammerte sich mit dm Armen an das Eisengitter und flüsterte: „Nein, ich kann nicht! Ich darf nicht! Es gcht geg« meine Ehre!" (15- f-)

Ztadtverordneten-Versammlung D Fulda, 8. August 19H-_ s.s«sä:-

* ■ <rr “» n t 0 n i und zweiter Beigeordneter D-» Herr Stabt-

»erarda-t-av-ch-h-r 3*rat Segen!aut

1 -reMetzung der Kanalisarionsrechmmg für das -raür 1909 und Entlastung des Rechmmgsführers. Die Rechnung schließt mit einer Überzahlung von R9S6 88 Mk und mit einem Einnahmenruckstand von 8778 92 M. ab. Es wurde beschlossen, diese Posten auf neue Rechnung vorzutragen unb dem Rechnungs­führer Entlastung erteilt.

2 Aushebung der Wanderarbeitsstätte und Deck­ung des hierdurch eintretend« Ausfalls im Armen­etat Der Kommimallandtag hat bekanntlich in seiner letzten Versammlung die Aufhebung der Wanderar- arbeitsstatte hat die ©tagt 2110 Mark verdient, welche Errichtung der Wanderarbeitsstätten in Hanau und Bebra überflüssig geworden ist. An der Wander- abeitsstätte hat die Stadt 2110 Mark verdient, welche jetzt im Etat in Fortfall kommen. Dieser Betrag soll nun aus den Uebecschüssen gedeckt werden.

AuZ dem Nachbargebieie.

* Gießen, 7. August 1911. In dem G«beu- feld der Grenze Gemarkung Lützel-Linden fand man beim Bohren mächtige Eisen- und Bk a n g a u- er z l a g er.

* Kassel, 7. Aug. 1911. Ein Automobil, das, von Hannover kommend, am Samstag morgen Kas­sel passierte, besand sich in beschleunigter Fahrt auf der Straße nach Frankfurt a. M. An der gefähr­lich« Ecke am alten Chausseehaufe vor Gudensberg tauchte Plötzlich vor dem Auto ein schwer beladenes Fuhrwerk aus Solzhausen auf. Der Chauffeur gab sich'alle Mühe, das Fahrzeug noch durch Bremsen zum stehen zu bringen, allein auf der abschuftrgen -Straße war das vergebliche Mühe. In dem Ve- strebeu nun, dem Fuhrwerk auszuweichen, geriet er zu weit links auf die Rabatte der ©trage unb in der nächsten Sekunde rannte das Fahrzeug in den Eh a u sfeegr ab en, überschlug stch mid wurde vollständig zertrümmert, während die Insassen herausgeschleudert wurden. Der Besitzer des Auw hat an beiden Armen komplizierte Bruche davongetragen, auch an Kops und Beinen Ver­letzungen erlitten. Der Chauffeur hat am Rafen- bein und Backenknochen schwere Verletzungen davon-- octraqen. Die beiden anderen Herren haben nur Schramm« erlitten. — Zum Königlichen Musik­direktor ernannt wurde der langjährige Zingent der Kapelle des Infanterieregiments Nr. 167, Herr iObermusikmeister Hi-ege. — Der mit fernem Pferde desertierte Husar Flohr vom hie­sigen Hnsarenregiment ist jetzt samt seinem Gaul in einem Dorfe an der Weser aufgefnud« und hier eingeliesert worden.