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Woche der Unterricht noch aus.

unter den obwaltenden Umständen bedeuten, wenn es > [urt jemals in einem Monat erreicht wurde.

an'rag gemäß beschlossen.

* Mainz, 4. August 1911. Einem schlechten Scherz ist ein hiesiger Hotelier zum Opfer gefallen. $it ihm kam ein elegant gekleideter Herr und be­stellte für abends mit dem Dampfer hier eintreffende 25 Amerikaner, Herren und Damen, ein opulentes Souper und Vlad)!quartier. Der Hotelier bereitete alles vor, wer aber nicht kam, waren die 25 Ameri­kaner. — Heute raste in Kostheim ein zweispännigeS Fuhrwerk mitten in den Wochenmarkt. Ein Kind wurde gelötet und eine Frau f.hr schwer ver-

getänge, vorwiegend Nebensache« anS Licht zu I schieben, die inneren Schwierigkeiten aber kur, oder doch rein rhetorisch über Seite zu bringen. Die un­sterbliche Maifeier wird beispielsweise gewiß nicht zu kurz kommen, denn sie richtet nichts mehr an.

)( Die alldeutsche „Deutsche Zeitung", bis- her herausgegeben von Dr. F. Lange, soll von der konservativen Partei angekauft worden sein. Diese will sich damit neben der „Kreuz­zeitung" ein zweites Organ schaffen, in dem sie ihre Ideen zu vertreten vermag.

* Steuervorrecht der Volksfchullehrer. Nach einem Urteile des Oberverwaltungs-Gerichtes behalten auch diejenigen Lehrkräfte an öffentlichen Volksschulen das alte Steuerrecht, die vor dem 1. April 1909 auftragsweise (kommissarisch) im öffentlichen Volks- schuldienste tätig gewesen sind, also noch keine An- stellungs-Urkunden besaßen. Man hat bisher diese Lehrkräfte fast überall zur vollen Gemeindesteuer herangezogen, da am 1. April 1909 die Gemeinde- steuer-Freiheit der neu eintretenden Lehrer ausgehoben worden ist.

mehr ober weniger schwere Verletzungen.

* Erfurt, 6. August 1911. Infolge der

Aus Mrche und Schule.

* Mainz, 5. Aug. 1911. Der am 16. Sep­tember 1843 zu Mainz geborene Domkapitular Franz Karl Sebastian Gödecker ist heute Morgen 51/« Uhr nach langem schwerem Kranken- lager verschieden. — Im Jahre 1905 nahm er im Gefolge des Hochw. Herrn Bischofs von Mainz an der Feier des Bonifaliusjubiläums in Fulda teil.

Aus dem Nachbargebleie.

§ Neuenberg, 5. Aug. 1911. Die Frau des hiesigen Küsters Zimmer wurde vor einigen Tagen in ihrer Wohnung von einem Hiyschlag befallen. Der Zustand war anfangs sehr bedenk­lich, hat sich aber inzwischen gebessert.

* Bebra, 4. Aug. 1911. Gestern nachmittag versagte plötzlich die Wasserleitung, da das Bassin durch die lange Trockenheit leer geworden war. Es ist das erste Mal, daß Bebra Wasser-1 mangel hat.

* Hanau, 5. Aug 1911. Die int Landkreise Hanau für Ö:e Veteranen und Veterane nvilwen ab« gehaltenen Kornblumenlage haben insgesamt 11 363,61 Mark ergeben. — Zwischen Großauheim und Kleinostheim ist der Bierfahrer Leo Büttner aus Aschaffenburg unter die Räder seines Wagens geraten und schwer verletzt worden.

* Bom Main, 3. Aug. lull. Eine Obst- Blumen- und Gem üseausstellu ng, die hier Mitte des Monats in Schwanheim a. M. geplant war, mußte abgesagt werden, weil । die Trockenheit und Hitze fast die ganze Obst- I ernte vernichtet hat. Auch das Gemüse konnte sich nicht entwickeln. — In einem Straßenbahn­wagen Frankfurt-Hamburg explodierte eine Benzinflasche, die ein jagendlich.r Fahrgast bei sich hatte, infolge der hohen Außentempe­ratur. Der Fahrgast erlitt schwere Brandwunden, der Wagenführer wurde leicht verletzt und die Fensterscheiben des Straßenbahnwagens wurden zertrümmert.

Weisung.

Selten ist die „Nordd. Allg. Ztg." so grob ge­worden. Aber der Artikel der „Post" war auch schon von solcher Beschaffenheit, daß die herbe Antwort darauf durchaus gerechtferigt erscheint. Dieser kalte Wafferstrahl hätte eigentlich schon 24 Stunden früher losgelassen werden können. Leider darf man nicht hoffen, daß die alldeutsche Radaujugend sich durch Worte erziehen läßt. Man muß ihnen und ihren Zuhörem durch die T a t nachweisen, daß Deutschland keine Demütigung, keine Schande, kein Olmütz erleidet.

Ja, es heißt dann, „die beiden Regierungen müs­sen es sich bis auf weiteres (bis die E i n z e l he i - t e n genauer geprüft und näher vereinbart sind) ver­sagen, der Oeffenilichkeit Mitteilungen zu machen. Dadurch würde, wie die Westminster Gazette zutref­fend bemerkt, das Ergebnis der Verhandlungen in Frage gestellt werden. Der Mahnung des englischen Blattes zu geduldigem Abwarten muß man sich an­schließen".

Sonderbar, daß die deutschen Offiziösen gerade rin englisches Blatt als Eideshelfer heranholen. Ist man denn gerade in London am besten unter­richtet über den Stand der deutsch-französischen Ver­handlungen und über die Gefährdung des „Er- x-ebnisses" durch die Oesfentlichkeit?

Da wir nicht zu der bevorzugten englischm Nation gehören, kennen wir die Sachlage nicht und können also auch nicht beurteilen, ob wirklich die Lüftung des Schleiers dem Kinde verhängnisvoll werden könnte. Aber eins wissen wir beftimmt: lange darf d i e Geheimniskrämerei nicht mehr dauern, wenn man das deutsche Volk vor Ungeduld, Verstimmung, Mißtrauen bewahren will!

Die Offiziösen heben rühmend hervor, „daß die deutsche Presse in den großen Blattern allen bürger­lichen Parteien gegenüber manchen ausländi­schen Beunruhigungsversuchen kühl und vertrauend geblieben ist". Freilich, es war nicht immer leicht. Jetzt war es aber recht schwer gegenüber den inländischen Beunruhigungsversuchen.

Es bleibt immer etwas hängen! Mit dem hohlen Ausdruck „Annäherung über den prinzipiellen Stand­punkt" läßt sich die wachsende Wissbegierde nicht sättigen. Die öffentliche Meinung will nach der aus­gedehnten Wartezeit etwas faßbares, bestimm­tes wissen über das Soll und Haben, über das, was wir kriegen können, und über das, was wir ausgeben sollen.

Augenblicktich macht durch die deutschen Blätter wieder eine Mitteilung der englischen und ftanzöst- schen Presse die Runde, wonach der Inhalt der grundsätzlichen Einigung sich dahin zu- sammenfaffen läßt, daß Deutschland und Frankreich, soweit es überhaupt noch möglich ist, zu dem deutsch- sranzösischen Abkommen von 1909 zurückkehren, und daß Deutschland für die durch Frankreich herbeige­führte Unmöglichkeit, das Abkommen in vollem Um­fange wieder herzustellen, eine Gebietsentschä-

Jn diesem Jahre wird die Sozialdemokratie ihren Parteitag wieder in Jena abhatten. Die Vorbereitun­gen dazu nach bisheriger Erfahrung pflegten in der Aufrollung irgendeines strittigen Punktes im Partei­programm zu gipfeln, und man weiß, daß dieses wert­volle Dokument dafür wie geschaffen ist. Aber Paul Singer weilt nicht mehr unter den Lebenden, und schon in den letzten Jahren erlitt seine abnehmende Fertig­keit, alle Differenzen von beliebiger Stärke formal ab­zutun, einige Mißerfolge. So gewinnt es den Anschein, als wünschte die Presst der „Genossen" diesmal keine Kanonade gewohnter Art zu leisten; die Partei« größen erwarten vermutlich eine genügende Inanspruch­nahme ihrer Kräfte und ihrer ©etfleggegenroart im SS'S'ÄÄ».Id°.°n°d-uii B-d.ii. J-°°8A

* Frau suit, 5. August 1911. Der 5. deutsche Imp sgeg ne -Kongreß findet in den Tagen vom 8.—10. September in Frankfurt a. M. statt, und zwar in Verbindung mit dem 2. Weltkongreß gegen die Impfung und dem 1. deutschen impf» gegnerischen Frauent ge, sowie einer Zusammenkunft des Vereins impsgegnerifcher und des Vereins vivi« sektionrgegnerischer'Aerzte. — Ter Reiseverkehr ist zurzeit so stark, daß Hunderte von Gepäckstücken unter den Hallen des Hauplbahnhws ausbewahrt werden müssen, weil die Gepäckräume nicht ans-

# „Geduldig abwarten" ro xa auch heule wieder von den Offiziösen gepredigt. Geduld und Gummi sind dehnbareDm«-; aber auch beim allerbesten Gummi gibt es eine Grenze der Ausdehnu'-gssähigkeit. ,

(fine offiziöse Auslastung der ,Rordd. Allg. Zig. wendet sich mit scharfen Worten gegen den am Sanistaa von uns erwähnten Hetzartikel der,Post' m Sachen der Marokkosrage. Da- Regierungsblatt schreibt:

Die ,Post', die wir in diesem Falle nicht als Or­gan der freikonservattven Partei anerkennen, hat einen Artikel veröffentlicht, worin sie, ohne über den Stand öer Marokkoverhandlungen im geringsten unterrichtet 1U fein, von einem Augenblick unsäglicher Schande, von einer Demütigung Deutschlands, DOin Rücktritt des Reichskanzlers und des Staats­sekretärs des Aeußeru und von einem neuen Olmütz phantasiert. Wir würden diesen Aus­geburten eines überreizten Gehirns keine Beachtung schenken, wenn die ,Postt sich nicht am Schluß ihrer Ausführungen erdreistet hätte, Seiner Majestät dem Kai,er, unter der feigen Form rheto­rischer Fragen, politische Schwäche, ja Begünsti­gung des Auslandes zum Schaden deutscher Jntereffen vorzuwerfen. Die ,Post' eignet sich mit diesen Aus- sührunzen Gedanken an, denen wir nur in aus­ländischen Schmähartikeln zu begegnen ge­wohnt sind. Der Versuch, solche Nichtswürdigkeiten unter dem Schein patriotischer Besorgnis in der deutschen Presse zu verbreiten, verdient die schärfste Zurück-

digung außerhalb Marokkos erhält.I Frankreich bekommt in Marokko politisch freie Hand; Deutschland bekommt ein Stück von Franzö- isch-Kongo und ohne Anschluß an den belgischen rongostaat; daneben behält Deutschland die Wiri­ch a f 11 i ch e Gleichberechttgung in Marokko ge­mäß dem Abkommen von 1909, und es sollen Ga­rantien geschaffen werden für die wirtschaftliche Freiheit und Parität.

Herzerhebend ist diese Mitteilung nicht. Das Stück Tropenland blutet Kamerun wollen wir nicht gerade ein Dankesgcschenk nennen; aber es sieht doch einem Rumpelkammergefchenk etwas ähnlich. Wertvoll wären die Garantien für die Freiheit und die Gleichberechtigung des deutschen Handel? und UvternehnnmMeiftes in Marokko, wenn eS nur wirksame Garantien wären. Aber das ist ja gerade daS heillos schwierige Problem, den Schikanen der französischen Machthaber und ihre marokkanischen Kreaturen gegen deutsche Warrn und deutsche Unternehmungen einen Rtegel vor­zuschieben. Wenn Herr v. Kiderlen-Wächter und die beteiligten ReichsreffortS diese Frage in prak- tisch und dauernd befriedigter Weise löst, so wollen wir den Scharfsinn hoch preisen. Aber erst schön nachprüfen! BiS dahin werden wir den Zweifel nicht los, ob sich ein wirtschaftspolitisches Ver­hältnis zwischen Katze und Hund in Marokko schaffen läßt.

So lange wir uns mit diesen „Aussichten" begnügen müssen, bleibt natürlich die Stimmung matt und das „geduldige Abwarten" ungemütlich. Dir Regierung darf sich nicht verhehlen, daß die Enttäuschung über einen mageren Vergleich um so größer sein wird, je länger die Geduldsprobe dauert und je mehr Aergernisse die ausländischen und inländischen Eiferer und Hetzer noch anzustisten vermögen. Darum ist in der Tat die Bitte be­rechtigt: Nun laßt genug sein des langwierigen Spieles, bringt die Verhandlungen zum schnellen Abschluß, mag es biegen ober brechen! Sonst bringen unS die Begleiterscheinungen der andauern­den Unsicherheit mehr Schaden, als durch die voraussichtlichen Kompensationen ausgeglichen werden kann

* Spießkappel, 5. August 1911. Aus dem Selbe mit Weizenbinden beschäftigt, fiel der Knechl be8 Landwirts Matthäus plötzlich ohnmächtig zusammen und erlag nach kurzer Zeit einem Hitzschlag.

*<n®*^* » August 1911. Prinz Joachim von Preußen stattete heute früh gegen 11 Uhr in Begleitung zweier Herren dem Henschelwerk einen Besuch ab. Der Aufenthalt des Prinzen in den Fabrlkräumen dauerte über 1 Stunde. — Der Schnellzug Aachen-Dortmund-Kaffek, der hier 2,30 Nh, eintreffen muß, halte heute 1 Stunde 20 Minuten Verspätung, weil hinter Warburg auf freier Strecke ein Maschinendefekt eingetreten war. Um die fahrplanmäßigen Anschlüffe aufrecht zu er­halten, wurde gegen 3 Uhr morgens ein Extrazug i nach Bedra abgelaffen. Ferner halte heute früh auch der durchgehende D-Zug 101 Basel-Frankfurt« Kaffel, der hier 2,36 Uhr eintreffen muß, über eine

I Stunde Verspätung wegen Betriebsstörung aus der Strecke bei Frankfurt. — Aus dem »irrten Stoct« werk gestürzt ist heute früh das 1*/, jährige Söhnchen des Arbeiters K. am Wall. Das Kind wurde sehr schwer verletzt. — Die Schulverwaltung der Stadt Kassel hat beschlossen, den Schulunter­richt, der in allen städtischen Mittel« und Bürger­schulen am Montag beginnen sollte, der noch herrschenden Hitze wegerr erst am Mittwoch be«

I ginnen zu lassen. Sollte eine am Dienstag vor­mittag in verschiedenen Schulgebäuden vorgenommene Messung der Temperatur ergeben, daß vormittags noch mehr als 25 Grad Celsius im Schalten zu verzeichnen sind, so würde der Schulbeginn noch um weitere zwei Tage hinausgeschoben werden.

* Eschwege, 5. August 1911. Heule fand die I Eröffnung des Neubaues des Hessischen Bank« I Vereins A.-G. Eschwege statt. Die Feier war von einer großen Anzahl Freunde und Kunden des I Bankvereins aus Stadl und Kreis Eschwege besucht.

* Bad Kissingen, 5. August 1911. BeimFen- Ist e r p u tz e n stürzte das Dienstmädchen Bambach I aus Steinach a. S. aus einem Fenster der zweiten I Etage eines Hauses an der Bismarckstraße herab in I den Garten und erlitt lebensgefährliche Verletzungen.

* Von der Lahn, 5. August 1911. Während in I früheren heißen Sommern der niedrigste Wasser« I stand der Lahn 35—30 Zentimeter betrug, I werden gegenwärtig am Hasenpegel in Diez nur 25 I Zentimeter gemessen. Viele Nebenflüßchen der Lahn führen fast gar kein Wasser mehr.

' * Wiesbaden, 4. August 1911. Nach den letzten amtlichen Feststellungen ist die Maul« und lKlauenseuche im Regierungsbezirk Wiesbaden I fast erloschen, (im Steife St. Goarshausen sind I noch sieben Gehöfte verseucht, im Kreise Usingen | sechs, im Landkreise Wiesbaden vier und im Unter« । westerwaldkreise ein Gehöft, zusammen 18 Gehöfte, | egenüber fast 200 zur Zeit des höchsten Standes der Seuche.

* Biebrich o. Rh., 5. Aug. 1911. Di« städtischen Körperschaften hallen den Volksschul- iehrern hier die Ortszulagen von 350 Mark . unter der Bedingung bewilligt, daß der außer« ordentliche Slaatszuschuß von 10001 Mark, den > 1 dieStadtzndenSchullaslen erhältFuchmZukunftge« 11 wählt würde. JmFalledesFortfallS di esesZuschuffeS 'olltedannauch eine Aenverung der Ortszulagen ein- , I treten. Die Regierung aber verlangte daraufhin > die bedingungslose Bewilligung der 11 Ortszulagen. Die Stadtverordneten haben nun in ihrer letzten Sitzung diesem RegierungS«

Deutsches Reich.

)( Eine Kritik deS sozialdemokratischen Parteivor­standes. Die sozialdemokratische .Leipziger Volksztg/ ist wieder einmal mit dem Vorstände dec sozial­demokratischen Partei sehr unzufrieden, und zwar deswegen, weil er die Veranstaltung von Demon­strationsversammlungen in der Marolko- sache den Gewerkschaften überlassen hat. Das Leipziger Blatt schreibt:

„Wir haben bereits vor einer Woche an dieser Stelle dargetan, daß die Passivität des Parteivorstandes der gegenwärtigen Kriegshetze gegenüber nicht aus einem Zufall beruht, sondern auf einer unseres Er­achtens ganz verfehlten taklischen Rücksicht auf die bevorstehenden Reichstagswahlen."

Die „Friedensdemonstration der sozialdemo­kratischen Gewerkschaften war übrigens im Grunde genommen nichts wie eine große Kriegshetze. Denn nicht einmal in der alldeutschen Presse ist mit Be­zug auf die Marokko-Affäre so mit der Kriegsgefahr gespielt worden, wie gerade in den sozialdemokra- tischen „Völkerfriedens-Versammlungen".

* Neber den diesjährigen sozialdemokrati­schen Parteitag schreibt die /Jiorbb. Allg. Ztg." in ihren Rückblicken:

Roman von Felix Nabor.

io;

komme: Ihretwegen! Weil ich Sie liebe! Das mag lächerlich klingen — ist aber mein heiliger Ernst! Sehen Sie, ich fühle mich auf meinem Schloß Hornstein grenzenlos einsam, ich sehne mich nach einem treuen Wesen, das ich auf Händen tra­gen, dem ich den leisesten Wunsch erfüllen will. Ich weiß wohl, daß ich kein Adonis bin, aber ich kann Ihnen eine Heimat bieten. Und ich hab Sie Heb! Das dürfte immerhin zu einem dauernden Glück genügen. Sofien Sie sich durch mein spassiges We­sen nicht täuschen — es fit nur die fröhliche Maske, unter welcher sich der Ernst des Lebens verbirgt. Sie wissen, Fräulein Hilde, wie die Verhältnisse hier liegen — über kurz ober lang folgt der Zusammen­bruch. Davor mochte ich Sie und Ihr Haus be­wahren. Das kann ich nur, wenn ich ein Recht habe, Sie zu schützen. Und nur dann greife ich ein — andernfalls niemals, auch wenn der Himmel ein­stürzen sollte. Geben Sie mir dieses Recht, Fräu­lein Hilde — werden Sie meine Frau! . . ."

Sem weindunstiger Atem wehte über ihr Gesicht hin, sie sah seinen kahlen Schädel, der brennend rot glänzte — und ein Ekel faßte sie. Sie trat hastig einen Schritt zurück, raffte ihr Kleid und sagte: „Herr Baron, ich sehe in ihrem Antrag eine große Ehre — ober ich kann nicht, kann nicht —"

Weißenhofen schien das erwartet zu haben. „Ich dränge nicht/ sagte er, „ich verstehe Ihr Bedenken wohl. Wenn man jung ist, hat man seine Ideale. Aber ich sage Ihnen, Fräulein Hilde . . £ sie lassen uns schmählich hn Stich, sie brechen zusammen wie ein Kartenhaus und es bleibt nur das nackte, kalte, nüchterne Leben mit seinen Sorgen. . . > „Jugend zu Jugend," sagen Sie sich — aber es gibt Aus­nahmen. Mein Fall ist eine solche - - , Denken Sie an Ihren Vater und an sein trauriges Los, wenn alles zusammenbricht."

„Eben well ich an ihn denke, kann ich nicht," rief HiLe unter Tränen. „Er hat dann niemand mehr, der chn liebt, für ihn sorgt. Denn Mama — ach Gott, Sie toifiat ja —

„Ich weiß es . - t und dränge Si« nicht. Wer

zubereiten. Niemand bedauerte es, höchstens Fran Elga, die sich leidlich mit ihm vertrug.

Auch der Major wollte zur Ruhe gehen und Vik­tor, dem der Wein den Kops heiß gemacht hatte, plante einen Spaziergang durch den Park, um eine Zigarre zu rauchen. Er küßte seinen Vater liebevoll auf die Wangen. „Gute Nacht, Papa!"

Herr von Sonneck legte den Arm um feine Schlütern und sah ihm ins Auge. „Wie froh bin ich, daß ich Dich habe. Wir beide halten zusammen, mein Junge, was auch kommen mag!"

„Aber gewiß, Papa! Wir verstehen imS., Wir sind von einem Stamm und haben uns lieb."

Der Major nickte. „Und ich bin stolz ans Dich, mein Junge! Na, laß dich nicht aufhalten — geh nur!" Er schaute voll Zärtlichkeit dem schonen, schlanken Offizier nach, wie er so sicher und fest dahinschritt, um sich vorn Diener den Dlantel geben zu lassen. So stolz und schön, als gebe es kein Hin­dernis, als müßte immer, wo er auch erschien, der Weg für ihn geebnet fein wie für einen Sieger.

Frau Elga schmollte wieder einmal. Sie hatte noch keine Lust, zur Ruh« zu gchen, ihr bangte vor der langen Nacht. Am liebsten hätte sie sich jetzt in Toilette geworfen — das blaue Spitzen- kleid, das ihr so gut stand — und wäre hinüber- gefahren zur Billa Bergmann, um sich bewundern zu lassen. Dort hinter den glänzend erhellten Fen- ftern herrschte jetzt Jubel und Freude, dort perlte der Champagner, während es bkr m dem alten Schloß so furchtbar emsam und ode war, so kalt, ^Ewen°Augenblick kam chr ^ Gedanke^hem'ttch das Schloß zu verlassen. Dort drüben, das wußte üe E te rnit Hellen, Jubel und offenen Armen empfanaen worden Aber sie fürchtete den Zorn ihre, ^^r von Sonneck erhob sich und stützte sich ach Stock. „Wo nur Hilde bleibt?4'

„Sie wird zu tun haben," gab Elga zurück „Was willst du von chr? Genüge Äh dir nicht?" .

(Fortsetzung folgt.)

So ging es In staunenden Ausrufen fort, so oft sich ein neues pyrotechnisches Wunder zeigte: Feuer- blumen blühten auf, glänzende Sonnenräder drehten sich wirbelnd im Kreise, Kanonenschläge dröhnten durch die stille Nacht, Raketen flogen in schlanken Bo­gen wie Meteore durch die Lust. Dazwischen vernahm inan die lauten Bewunderungsschreie der Zuschauer auf dem Villenhügel.

Frau Elga war ganz entzückt und konnte sich gar nicht satt sehen.

Baron Weißenhofen verstummte mit einemmal. Er preßte die Hände auf die Brust und verzog das Gesicht. „Was ist Ihnen?" fragte Bittor.

„Ach, das verdammte Sodbrennen," erwiderte Weißenhofen. „Der Wein war zu kalt, und da Packts mich immer."

„Willst du nicht einen Kognak nehmen?" fragte Bautz besorgt.

„Mensch — du willst mich wohl morden?" rief Weißenhofen. „Fräulem Hilde darf ich um eine Messerspitze kohlensaures Natron bitten? Sie haben doch welches, was? . . . Ich werde die Medizin schlucken, fünf Minuten auf dem Divan ruhen — und wieder ein normaler Mensch sein."

Er folgte Hilde ins Speisezimmer, wo ein paar Kerzen auf silbernen Leuchtern brannten. Während Hilde in dem Büfett nach dem Verlangten suchte, Llintte Weißenhofen die Türe zu und sagte: „Frau­lein Hilde, Sie brauchen nicht weiter zu suchen — mir ist pudelwohl!"

Hilde drehte sich rasch nach ihm um. „Herr Baron," rief sie erschrocken, „was soll das?"

Er trat auf sie zu und sagte mit bewegter Stimme: „Sie brauchen keine Angst zu haben, liebes Kind — ich will nur ein paar Worte unter biet Augen mit Unen reden," Er holte tief Atem und fuhr fort: „Fräulein Hilde, Sre muffen es längst erkannt haben, warum ich so oft nach Sonneck.

so lange auf das Glück gewartet hat wie ich — dem kommt es auf ein paar Wochen nicht an. Aber ich möchte das Glück, das ich gefunden habe, nicht an mir vorübergehen lassen, ich möchte es festhalten. Fräulein Hilde . . . darf ich hoffen? Sie wissen ja gar nicht, wie glücklich Sie mich durch Ihr „Ja" machen würden. . . ."

Hilde schüttelte das Haupt. Quälen Sie mich nicht. Ich kann nicht —"

„Ich werde in acht Tagen wiederkommen - überlegen Sie sich bis dahin alles!" Und in seinem alten, saloppen Ton fügte Weißenhofer hinzu: „So — die fünf Minuten sind um. Ich bin wieder auf dem Damm und kehre zu den Herrschaften zurück. Besten Tank, gnädiges Fräulein, für die Medizin. Sie hat Wunder gewirtt."

Dies sagte er ganz laut, denn Sixt war in der Türe erschienen, um nach dem Gast zu sehen. Die beiden kehrten auf die Terrasse zurück und Weißen­hofen verabschiedete sich gleich darauf. „Es ist besser, wenn ich jetzt heimkutschiere und mich in die Klappe lege," sagte er. „Morgen früh heißt es bald heraus. Also gute Nacht, gute Nacht! . . , Ach, wirklich großartig!"

Während er schon den Hut aufgesetzt hatte, zeigte er hinüber zur Villa, wo eine riesige feurige Krone in der Lust schwebte, darunter die verschlungenen Initialen von Bergmanns Namen: „L." und „B-". Das Monogramm glänzte ein paar Augenblicke in der Luft und verglomm langsam. . . . Dazu er­tönte bom Villenhügel herüber ein donnerähnliches Beifalls- und Hochrufen.

„Schau, schau," spottete Weißenhofen, „der Mann da drüben fit keck: der setzt sich die Krone selber aufs Haupt. Na — noch ein paar Jahre: bann hat et die Krone Realiter. Dann ist er was wir sind: waschechter Adel!" Und lachend ging er davon und fuhr in die Nacht hinaus, <. i

4.

Sobald Baron Weißenhofen .«»bgeschren war, zog sich Sixt zurück, um sich auf ferne Abreise vor-