Fulda, Montag
Erstes Blatt.
Musikchor lüfte da» andere ab. Um 1 U$t be«“«“ polizeiliche Absperrung der Straße» für den Wag^u verkebr 9t» allen Straße» waren die Hydranten geöffnet und hoch ragte» in di« Lust die Schilder mit 8er Aufschrift: Trinkwasser. Vonseiten des Publikums wurde der labende Quell eifrig in Anspruch Fuommen.
7. August 1911
Die Arbeiterversammlung in der Stadtteile.
a»j*l«en. vir ei» fpattige Petitzeile ob;r deren Bon* 15 psg. Nülamendiepetitzette
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MQeat t»«ttO **t Kprnahrue btt Seit« »ab geiertoge. viertel- phrlich«vtr«gsvrerr ebne vringeriohn und vestergeldinZuldaso- k»ie aurwiiMlLOAk.
verantw. Redattemt
Lari SchStter ftK die Anzeigen:
A. Parze» er t* Znlba.
38. Jahrgang.
58. Generalversammlung liken Deutschlands zu Mainz.
0. Mainz, 6. Aug. 1911.
ten. Darum vor allem hinein in de «Do l k 8 • verein. Eifrig und kräftig Mitarbeiten, nicht stumps. sinnig dastehen und alles andere dem lieben Gott und dem königlichen Bezirksamt überlassen (Beif. und. Heiterkeit) sondern doranschreiten. Wir lassen uns nicht locken von den Schmeichelklangen gewisser Heils- Verkünder und Wunderdoktoren, die uns den Glauben aus dem Herzen reisten und unsere Fantasie mit '■qii- kunftsstaatslügen umgaukeln wollen. Wir kennen die verehrten Rattenfänger (Heiterkeit), dm sich vermeßen wollen, auf dem kalten Erdenplancten mit all fernen Dornen und Distel» ein neues Menschhertsparadrcs zu errichten. Für ihre Lockungen haben wir kern Ohr -Lebh. Beifall.) Wo katholische Scannet zusammen- komme», da sind st aats tre ue Man ner Susam- mengekommen, die chr Vaterland heben, die es g st und mächtig sehen wollen, und weil sie das wollen wollen sie es recht tief christlich sehen (Lebh Beif.) tkder da müssen wir xu nnserem Schmerz schen,.wie taufend Kräfte an der Ätrveid sind, den chrrnlrchen Glaube« und die christliche Sitte zu u.itteimrchlm.
। Wob in das führt, sehen wer an jene« Lander r, dre biSiumU eine Serbe katholischen SMw«en. Schauen Sie hin nach Portugnl, dem^Nesthäkchen an ucm ]iuj uie | dem Benjamin unter den -rreiftaotrn Lchau^l Cie die Weltanschauung nach Frankreich der Än JJlauajute,. bte nun ullly, -v Ehrt st. schon 4S Jahre Republik und doch noch mÄ,t klug ge-
Mit diesem Schlachtruf ist die worden ist- (Herten ko» w. Beifall . Da W* M ickt in die Schlachtlinie Kehlen heiser geschrten mit dem Rute. Gleich-
Der soziale Kampf iit h- ik, Brüderlich leit ! Und was hoben w Oiichafft. die
christliche Männer, zum Kampfe auf.
Mit dem Kampfe für Christn» und die christlicher Grundsätze ist den christlichen Arbeitern eine groß» Aufgabe zugefallem Erst dadurch, dast sich der Arbei. terstand nicht auf den engen Kreis seiner Erwerbs- tätigt eit beschränkt, wird er zu einem vollgiltigen Faktor im Wirtschaftsleben.
Angefichts dieser großen Gefahren die dieser Kampf in sich birgt, rufe ich Ihnen, christliche Arbeiter, aber auch allen Ernstes zu: B e t e n S i e, dast Sie nicht der Versuchungen unterliegen und im Kampfe feststehen. Alle unsere grotzen Führer, Retteier, Mallinckrodt, Windthorst, Lieber nsw. waren auch kirchlich-fromme Beter. Und wer weist, ob wir auf unsere grasten Erfolge blicken könnten, wenn das hier nicht der Fall gewesen wäre. (Lebh. Beif.) Bete und arbeite! TieS Wort muh für jede christliche Arbeiterfamilie ein Le- benSgrundsatz sein. (Beiallf.)
Der graste Entscheidungskampf, der uns umtobt, dauert Jahrzehnte und da ist es natürlich, dast unsere Reihen sich lichten, wenn wir nicht für E r s a tz sorgen. Wir müssen daher der Erziehung unserer Jugend die gröhte Aufmerksamkeit zuwenden. Be- sonders die Arbeiterjugend ist von Gefahren aller Art bedroht. Darum hinein mit unserer Jugend in die Jünglings- und Lehrlingsvereine, tn btt Gesellenvereine u. s. w. (Lebh. Beifall.) _
Auch der christlichen Schule müssen wir unser Augenmerk widmen, damit nicht der Gegner vor und das Terrain besetzt. Ferner ist es notwendig, dast jeder christliche Arbeiter eine christliche Arbeiter- zeitung abonniert. Verlasse niemand diese Versammlung, ohne den Vorsatz, ich abonniere em christliches Arbeiterorgan. (Beifall.) Daß Sie alle dem Volksverein angehören, nehme ,ch ohne werteres an. Erneuern ivir durch unsere Zugehörigkeit zu dem Volksverein den Schwur der Treue gegenüber unserem grosten Führer Windthorst. Halten wir aber auch Treue unserem geistlichen Präsides und lassen wir uns keinen Augenblick darin irre machen durch dre Sude, leien und Verleumdungen gewisser Skribenten. (Bf.)
Und endlich lassen Sie uns heute den Schwur der Treue erneuern zu unserem h L V a t e r. Wo der Papst ist, da ist auch die Kirche. Wir christlichen «r- beiter lassen uns von niemand übertreffen in de» Treue zum hl. Vater, (Lebh. Beifall) und wir glau- ben, das Recht darauf zu haben, dast niemand unsere kirchliche Gesinnung, unsere Treue zum hl. Stuhl und unseren unwandelbaren Gehorsam gegen die unfeh bare Auwrität anzweifelt und verdächtigt. (Sturm. Beifall.) Wir weisen jede Verdächtigung unserer korrekten kirchlichen Gesinnung ' als einefrivoleBeleidigung zurück. (Er- 1 ittuter stürm. Beifall.) Und wir wurden es als eine ' tiefe Kränkung empfinden, wenn jemanb befurchten ' sollte, wir würden im Glauben schwankend werden. " Die christlichen Arbeiter sind gewillt, unter der Lei- ‘ tuirn ihrer Bischöfe an dem Programm des Papstes, Alles in Christus zu erneuern, mitzuwtrkem ^e mehr der Kampf gegen unfern Glauben auf uns emdringt, umso dichter werden wir uns um den hl. Vater scharen, und Schulter an Schulter die Schlachten Echtes schla-
wohl noch nicht halte.
Höher zu bewerten als Festschmuck und Erholung, sind die großartigen Reden, welche in den öffentlichen Generalversammlungen gehalten werden. Sie umfassen alle Vechälinisse unseres öffentlichen Lebens, und die Männer, die sich in chnen zum Dolmetsch der katholischen Weltanschauung machen, bürgen dafür, daß ihre Wirkung noch lange in den Herzen der Hörer, in den Herzen "der Katholiken Deutschlands Nachhall finden und ihre Anregungen sich in praktische Taten umsetzen werden.
Das Rednerprogramm setzt sich zusammen «!e folgt:
I.Eröffnungsrede des Präsidenten.
L.Kettelergedächtuisrede — Freiherr v. Hertling.
3. Klerus und Volk — Bischof Dr. Faulhaber- Speyer.
4. Rückblick und Vorschau aus dem Gebiete der Sozialpolitik — Abg. Trimborn-Köln.
5. Caritas und Leden — Laudesrat Sch mitt- mann-Düsseldorf.
6. Der Bonisatiusverein — Generalsekretär Dr. D o n d e r s - Münster.
7. Die Schnlsrage — Abg. Oberlandesgerichtsrat Marx-Düffeldorf.
8. Kirchlichkeit und Wissenschaft — Pralat Dr. Gisler-Chur.
9. Die Katholische Heidenmission der Gegenwart — P, Kassiepe, Provinzial der 0. M. L, Hünfeld.
19. Christliche Kunst — Abt Schachletter. Emaus-Prag.
11. Die Regierung Papst Pius X. — Abg. Alois Fürst zu Löwenstein.
12. Schlußrede des Präsidenten.
Wie die Verhandlungen im Zeichen des Bischofs Retteier flehen, so wird ein gleiches mit der Generalversammlung selbst insofern der Fall sein, als derjenige Herr, der zum L Präsidenten vorgeschlagen wird, ein Großneffe des verewigten Bischoss ist.
Um 10 Uhr begann im altehrwürdigen Dom das feierliche Pontifikalamt. Unter brausendem Orgelklang betrat die hohe Geistlichkeit an ihrer Spitze der Hoch» würdigste Bischof von Mainz Dr. Kirstein das Chor am Hochaltar. Die roeiten Räume des hohen Domes waren von einer Kopf an Kopf gedrängten Menschen» menge dicht gefüllt. Herrlich drang der Gesang des Domchores durch die weiten Hallen, der die fünf- stimmige Messe Orlandi Lassos zum Vortrag brachte. Das Chorgestühl zu beiden Seiten des Hochaltars war für die Ehrengäste und hervorragende Teilnehmer an der Katholikenversammlung reserviert.
BiS nachmittags 1 Uhr trafen in Abständen von etwa 4 Minuten die Extrazüge aus allen Windrichtungen in Mainz ein, auch zu Schiff traf aus der näheren und weiteren Umgebung viel Volk em, sodaß um die Mittagsstunde sämtliche Straßen der Altstadt sowie das Rhem- hfer mit dichten Menschenscharen gefüllt waren. Ein
Erster Tag — Sonntag. __
Main» glänzt in seinem Festschmuck. Lachender f Sonnenschein liegt über seinen Straßen, ein sanfter i Wind spielt in den unzähligen Fahnen, nnt welchen 1 Häuser und Straßen geschmückt sind. Bom Bahnhof i aus, der wie alle öffentlichen Gebäude, geschmückt ist, fuhrt die Via trinmphalis durch die sogenannte Große Blnchf, eine Hauptverkehrsader der Stadt, auf der einen Seite direkt zum Rhein und auf der anderen Seite abzweigend an der Schillerstraße, über den Schillerplatz am Höfchen entlaug, 2ngs des Domes, um am Rheinufer ebenfalls zur Stadthalle hin abzubiegen. Kein Haus des Sladtt teil? in welchem das Leben des Katholikentages pulsieren wird, hat sich dem Schmuck entzogen. Von de« Dächern, von den unzähligen Masten, die die Straßen umsäumen, raaen bunte Fahnen und Wimpel, von Haus iuHaus, von Mast zu Mast ziehen sich Girlanden und in einzelnen Straßenzügen schreitet man w unter einem Baldachin von Laub und buntem Festschmuck.
Ein prächtiger Anblick! Wie viele malerische Bilder »eigen sich dem entzückten Auge, wo nn bunten Gewirr biestolzen Bauten und die alten niedlichen Hauser tm Schmuck miteinander zu wetteifern scheinen. Die Ausschmückung zieht sich vom Bahnhof biS hinten zur Wallachai oder zunr Jndianerviertcl, rote s h'er spottmtd heißt — überhaupt der Mainzer Humor flicht sich allenthalben in die Festfreude und auch m den Fest- schmuck. „Wer nicht liebt Morsch, Weck und Wem, der lann kein echter Man,er sein", das verkündet ein äBtrt und allenthalben wünschen Jnschrlsten den Gasten ,Viel BläsieM ahm^ y(e?en Gäste haben Hotels und Restaurants umfassende Vorbereitungen getroffen. Dank dem Entgegenkommen der Stadt ist ihnen gestattet worden, einen Teil der Plätze und der Bürgersteige, die an sie an grenzen, für ihre Zwecke zu verwenden, sodaß man an die Pariser Boulevards ermnert wird.
Schon um die fünfte Morgenstunde setzte der Eisenbahnverkehr ein. In ununterbrochener Kette ergießen sich die vielen Vereine aus dem Bahn- Hof in die Stadt. Der Zu- und Abgang am Bahnhof tst durch Anlage besonderer Ein- und Ausgange erleichtert. Für die Sonderzugreisenden sind besondere Bahnsteige errichtet. Wie der Vormittag sortfchritt, füllen sich mehr und mehr die Straßen mit em er festlich gekleideten Menge, die zahllosen Fahnen der Vereine, die sich durch die Straßen bewegen, zaubern em farbenprächtiges Bild. Um die neunte stunde macht sich bereits eine Bewegung nach dem Dome bemerkbar, wo um 10 Uhr das feierliche Pontifikalamt statifinden soll. Wie feine Umgebung, so prankt auch er tm Festkleid. Ein Pflanzenwald belebt die Chore. Hoch oben, im Westchor, hängt eine Riefenkrone und em Kreuz, die beide in elektrischer Beleuchtung erstrahlen. Dichte Laubgirlandeu führen zu den vier großen Pfeilern. Tie Eingänge sind geschmackvoll dekoriert.
Ihre Mußezeit benutzten viele der bereits eingetroffenen Teilnehmer zur Besichtigung der Stadt- Ha I l e und des F e st s a a l e s. Ueberwältigend ist der E ndruck, den man beim Betreten dieses Saales jetzt fn seiner Vollendung empfängt. Reicher, nicht aus- tzrinqlicher Schmuck versetzt uns in Feststimmung. Vor her Rednertribüne ist die Büste des hl. Vaters aus- aestcllt, rechts von ihr die Büste des Großherzogs, links die Büste des Kaisers. Hoch oben hinter der von der Rednertribüne ansteigenden Prästdialtribüne befindet sich ein laubmnkränztes großes Gemälde de? Bischofs v. Retteier, gleichsam als Symbol, daß alle unsere Verhandlungen auf der diesjährigen Tagung in dem Andenken an diesem große» Manu gipfeln. Rings um die Stadthalle ist der Vorplatz und namentlich Die Freiterrasse zum Rhein hin festlich geschmück-. Bo» letzterer genießt man einen unvergleichlich schönen Blick aus den Rhein, und man hat ein Vorgefühl von dem Eindruck, den das Gartenfest am Mittwoch machen wird. ES verspricht ein Fest zu werden, wie es Mainz
menschliche Gesellschaft zu ihrem Glücke sich daS WoV. erfülle: Christus lebt, Christus siegt. Christus triumphiert, Christus hochgelob l in Ewigkeit! (Stürm, langanh. Bestall.)
Weingutsbesitzer Landtagsabg. Sieben-^-erdestzelM.
bÄieW datz^e Welt- und WirffchaftSpolM nur
cYeftnta miterlebte' In Reihen zu sechs zogen in ununter« getragen sein kann von der nationalen christlichen Ar- 90 Minuten lana die Jünglinge vorbei, beit. (Lebh. Zust.) Der Arbeiterzug soll auch den ub- mtnbeften $7 Tausend an der Zahl. Damit auch der rißen Ständen zum Bewußtsein bringen, daß dm ST« seinem Rechte kam, führten manche Orts- christliche Arbeiterbewegung kraftvoll und z-elbewußt vereine chre besonder, Attribut, bei sich, so die >hwn Mea aebt. die Anerkennung verdient. Ohne Ar- Sachsenhausener in einem Tannengewinde an einer Stange einen Apfelweinkrug, die ton Bretzenheim einen Riesenbretzel. Gonzenheim bei Mainz zeigte gelbe Rüben; Vilbel, wo sich ein Mineralbrunnen befindet, lührte zum Gaudium der Zuschauer em „Ku ele Wasser mit sich usw. Recht imposant war die Mainzer Lehr- tingsabteilung, die sich insbesondere auch durch eine sehr stattliche Musikkapelle, von Lehrlingen gebildet, beivortat. Auf die Lehrlinge folgten die Gesellen. Zum großen Teil zogen fie an den Tribunen unter Absingen des KolpingSliedes vorbei, was von den Ehrengästen mit großem Beifall ausgenommen und beklatscht wurde. Zum Teil kamen die VeremZdeputa- lioi'cn aus sehr weiter Ferne. Die Gesellen aus Brüssel, Zürich, Berlin, Hamburg usw. wurden überall mit Beifall begrüßt, ebenso der in dieser Gruppe marschierende Küsterverein (ca. 100 Seutel unb bte verschiedenen Gruppen des noch jugendlichen Nikolau»- Schiffer-Vereins. Es erübrigt sich, im einzelnen die Teile des Zuges aufzuführen, da die lebendige Wirkung dieser Massendemonstration in einem Berichte doch nicht wiedergegeben werden kann. Wer diesen ftua gesehen hat, wird den Eindruck, den er auf ihn gemacht hat, nicht wieder los. RechterheblichwarderAu- leil den die kath. kaufm. Vereine stellten. Den Hauplteil des ftuaes bildeten die Ar b e i t e r - u. M ä n n e r v e r e i n e, eie Gruppen des Bolksvereins und bte hessischen Pfarraruppen. Alles in allem marschierten über 900 Vereine mit mehr als 50 Musikchors und an die Taufend Fahnen im Zuge. Großes Aufsehen erregte überall die starke Abteilung der Mannheimer Unter« beamten der Post unb ber Eisenbahn. Die Uiänn.r» und Arbeitervereine der Diözese Mainz, wurven geführt von der berittenen Kap?.e des Dia« qoner-Regirnents. Ebenso wie diese wurde die orig,- uelle Kapelle von Kupserberg seitens der Mainzer überall stürmisch begrüßt. Volkstrachten sah man diesmal j weniger im Zuge, immerhin war Oberbayern doch Durch mehrere Vereine vertreten. Auch einige Knappen- | vereine aus dem Saarrevier waren erschienen. Es bc- Darf schließlich kaum der Hervorhebung, daß bie katholischen Gemeinden der weiten Umgebung von Mainz sehr stark erschienen waren, man hörte aber von Herren Des Komitees, die ein sachverständiges Urteil haben. Daß man eine solche Beteiligung nicht entfernt gedacht hatte. Sicher 52 000 Menschen haben an dem Festiua teilgenommen und trotz der gewttligen Hitze ausaehalte». Glücklicherweise webte während des Fest- inaes ab unb zu ein kühlerer Wind und wohliattge Wolken legten einen Schleier vor die allzu gnädig strahlende Somit. Man kann nicht hoch genug den Opfermut der Zehntausende und wieder Zehntaufende anerkennen, die, um ihren katholischen Gamben vor aller Welt zu bekennen, diese Strapazen de-- stuiiben- !-innen Zuges im Sonnenbrand auf sich nahmen. Man bedenke, daß die Teilnehmer des Festzuges mmdefteus 4 Stunden im Sonnenbrände aushalten mußten. Die 9 o Buben, die ben Vereinen bie Schiiber vorantrnaei,, bauten schon seit 12 Uhr auf ben Straßen, um den B remen die Sammelpunkte anzugeben. Guickucher
: weise erwiese« sich die Vorbereitungen, btt v°nr Fug- lvmitee für bie Erfrischung ber Massen getroffen waren, als vortrefflich.
Mtzaer W Zettmg
HtodttnbtUay:.Maskierte 5ot»stag;zektllNg" Mmatrbellag«! „zuldaer EefchichtLblätter"
Gan, Mal», bildete Spalier. D>e Stadt bat schon viel gefehe», erst vor einigen Jahren den imvosanten Gutnrberg-Festzrrg, aber solche unabsehbare Menschenmassen wie yeute, hatte auch Mainz noch nicht auf die Beine gebracht. Auf der großen Ehrentribüne vor dem Stadttheater sammelte» sich von zwei Uri ab die Ehrengäste deS Katholike»tages, die B'schöfe, soweit sie bereits eingetroffen sind, und überaus zahlreiche Parlamentarier und Vertreter des Adels und der aroßen katholischen Organisationen. Dem Festzuge voran fuhren zwei Automobile der Zugleitung, dann kam eine Radfahrerabteilung und hierauf zu Pferde die gesamte Kapelle des 28. Artillerieregiments. Den ersten Teil deS Festzuges bildeten die I ü n g l i n g e. Es war herzerfrischend, Schaar für Schaar ihre Fahnen schwenkend, die Trommel rührend und hurrarufend bei defilieren zu sehen. Das Gefühl, daß doch noch ein großer Teil der Jugend zu uns gehört, und uns
Während der Zug noch an der Stadthalle defilierte, batte die Spitze desselben bereits nach ihrem Umzuge durch die Stadt die Stadthalle erreicht. Man kann sich daraus em Bild von dem Umfange des Zuges machen. Im ganzen dauerte der Vorubermarfch des Zuges von 2—5% Uhr.
In der Stadthalle präsidierte Landtagsabg. Kommerzienrat Mvlchan-Mainz. Er eröffnet die Versammlung, welche bis in den letzten Platz den Saal aussullt, um 5 Uhr mit dem katholischen Gruß. Seren Sie alle herzlich willkommen. Wir haben uns bemüht, । der 58. Generalversammlung eine würdige Heimstätte zu bereiten. Katholiken und Protestanten haben mit einander gewetteifert, das Fest glanzvoll zu gestalten. (Lebhafter Beifall.) Die Mainzer Bürgerschaft legt Wert auf die Erhaltung deS guten Einvernehmens zwischen den beiden Konfessionen, das von jeher in unktet Stadt bestand. Der heutige Festzug wat eine der glänzendsten Kundgebungen, die jmnals unsere sestessrohe Stadt gesehen hat. Hebet 60 Tausend Personen mit mehr als 900 Vereinen. Seit einiger Zett vermehren sich die konzentrischen Angriffe gegen die katholische Kirche in einem früher unbekannten Maße. Umsomehr schließen wir uns zusammen. Gegenüber unserem innigen Zusammenschlüsse werden auch etwaige vorübergehende Unstimmigkeiten im eigenen Lager nicht aufkommen können. (Lebh. Beif.). In geschloffenem Vorgehen werden wir allen Sturmen der Zukunft trotzen. (Donnernder Beifall.) Die ungeheuere Teilnahme an der diesjährigen Katholikenversammlung erklärt sich auch aus dem Umstande, daß wir das Andenken deS grotzen Bischofs Kettel er feiern. Die Arbeiter, welche sich im Festzug und in den heutigen Arbeiterversammlungen geeint haben, haben den dringenden Wunsch, diesen Arbeiterbischos zu feiern. Mit Stolz nannten wir Mainzer ihn unseren Bischof. Was ihn dem deuffchen Volke so teuer
in Anspruch genommen. Trinkbecher standen überall tn Menge zur Verfügung. Wer jur Stadthalle wollte, hatte Mühe, durch dm polizeilichen Kordon zu bringen, oder er mußte auf wetten Umwegen sei» Heil von der Rhemuserseite h versuchen. Um 2 Uhr begann der yestzug.
ihren Weg geht, die Anerkennung verdient. Ohne Ar- beiterstand wäre unser nationales und Wirtschaftsleben dasselbe, wie etwa draußen der Rhein ohne Wasser. Und wie die Wogen des Rheins Verwüstungen und Verderben bringen, wenn sie enfführten sturmge- peiffchten Fluten die Dämme sprengen, so wurde auch die deutsche Arbeiterbewegung bet Schrecken der Gesellschaft werden, wenn sie Waffen revolutioniert und den Rahmen sprengt, in dem sie nutzbringend wirken und die ihr von der göttlichen Vorsehung gesetzten Aufgaben erfüllen kann. Gerade darin liegt der Werr und die hohe Bedeutung der christlichen Arbeiterbe, megung, denn als die kraftvolle Vertretung der Interessen des Arbeiterstandes stellt sie ihre Forderungen strikte auf den Boden der sozialen Gerechtigkett, fordert sie nicht mehr und nicht minder, als ihr von Gotl unb unserer christlichenGefellschastsordnung zukommt. Nicht Gnade ist es, sondern gutes Recht, was bie christ- lidje Arbeiterbewegung verlangt; dafür ist aber auch bie christliche Arbeiterschaft gleichbedeutend und gleichberechtigt mit den übrigen Erwerbsständen unb einet ber sichersten Säulen der christlichen Gesell,chaftord- nung geworden. (Lebh. Beifall.) Das sind die Lehren, die unser herrlicher Arbetterfestzug uns verkündet.
| Hier in der Stadt, wo das Christentum das römische | Heidentum gestürzt hat und anstelle der römischen Tempel den majestätischen, himmelragenden Dom unu llvv u„ —--------- . -
setzte, wo der Apostel der Deutschen, der l)L Bomfa- mit ben andern Ständen, damit endlich für dre tius, den Samen des Christentums ausgestreui hat, I ra„r«rrw^ft »u ihrem Glücke lick das Woc:
wo der HI. Willigis, ein Arbeitersohn, den erzbischöflichen Stuhl geziert hat, wo ein Rhabanus Maurus gelehrt, seine Lieder gesungen und Gutenberg der Welt sein großes Kulturgeschenk gemacht hat, hier —------------ - ™ ,
drängen sich dem Geiste der .Kacholikcn fromme Ge- @8tt zum Gruß im liebe» gastlichen Mamzi danken unb Erinnerungen auf, unb als die Männer der ij^en Freunde! Sie haben sich eug zusammen-
Arbeit durch die Straßen gezogen sind, da haben sie flefdiloffen in katholischen Vereinen — katholisch nickt gewiß auch daran gedacht, daß bie Wiege bet Kaiho- jn krärckenbem Gegensatz zu Andersgläubigem Wir lifentage hier gestanden hat unb unter ben großen ure(ren Jhrren bie Hand entgegen, wir wollen taufen > Führern wirb ber Name eines, ber uns wert geworben $rülIen schlagen, damit das gegenseitige Verstehen nn, ist, auf aller Lippen schwebt: der Name eines Ema- Zjebgewinnen hinüber-, aber auch herubetflutet. (~eb(. nuelvonKetteler. (Lebh. Beifall.) Sie haben Beifall.) Wir nennen uns katholisch, weil wir aufgc» als äußeres Zeichen ber Liebe unb Verehrung bte Baut au| dem Fundament bei kathonschen Kirch', Kettelermünze aus bie Brust geheftet. Aber S,e tra- auf bie toii stolz sind, weil sie d'/ g r o ß t e E r s ch e i- gen das Erinerungszeichen nicht bloß tn diesen Fest. liunfi in bei Weltgeschichte darstellt, weil sk tagen über Ihrem Herzen, die katholischen Arbeiter bie gyjyg soziale"Schöpfung ist, vor der bie Volker des Deutschlands tragen tief im Herzen drin das Bildnis Erdkreises sich neigen. (Lebh. Beif.). Weil wir da» unseres unvergeßlichen Arbeiterbischofs. (Stürmischer deshalb stehen wir auch zu ihr, wenn wir sehen
Beifall.) Sein Name ist, war unb bleckt der chmst- Essen, wie sie und ihre Drevet verleumdet und mtt lichen Arbeiterschaft ein Programm; er wird gepriesen schmutz beworfen werden. Aber tn diesem Kampfe
I sein, so lange noch ein katholisches Arbeiterherz schlagt. I Hüffen wir auch gerüstet sein mit dem modernen j Stürm. Beifall.) Seit zum ersten Male ein Retteler Mkeug, das uns unsere großen Organisationen Vie- auf die Schäden unserer Gesellschaftsordnung frei- - — ----- 1 n den Volks-
mutig hingewiesen, ist gar manches anders geworden.
Damals war von einem eigentlichen Arbeiierstand ferne Rede, damals kannte man nur den einzelnen Arbeiter, der der schrankenlosen Ausbeutung durch das Großkapital wehrlos ausgesetzt war. Heute sehen wir I bot uns einen achtunggebietenden Arbeiter st a nb, der gleichberechtigt den übrigen Erwerbsständen an Du Seite tritt. Zu Bischof Kettelers Zeiten war das freilich anders. Er erntete nur Hohn und Spott mrt seinen Anregungen, die das Arbettetlos bessern sollte. Heute erfreuen wir uns einer umfassenden sozialen Gesetzgebung. Auch die Atbeits- und Lebens» I bedingungen haben sich von Iaht zu Iaht gebessert.
wenn auch noch manches zu wünschen übrig 6leU>t.
Die soziale Saat, die Kettelet gesät hat, h« hundertfältige Frucht gebracht. (Lebh. Beifall.) Der wichtigste Lehrsatz Kettelers, den er an die Spitze seines sozialen Programms gesetzt Hat, war. Ohne Christenttmi keine befriedigende Losung der ,o- zialen Frage. Dieses apostolische Wort hat stch Nicht nut als richtig erwiesen, es ist vielmehr für das ganz- katholische Volk Deutschlands zu ganz besonderer Be- dcutnng gelangt. Es ist für unsere christliche Beweg gung das Wahrzeichen geworden, an dem sich die Geister scheiden. Der Kamps um >" ist zum Entscheidungskampf geworden. Hie Christ, hie Antichrist! "ff"' christliche Arbeiterschaft eingerückt in die des- großen Arbeiterkampfes. Der sozial >i‘ i i'“; ''“'r::'’"," «imütet neuen
nur ein Teilstück dieses Weliaiifchairungskampses. Wir muetren. SftJ&tx.t Mau- hat. sannulch gewuiel. gegen
d--r ChriftnSgcgner im benachbarten Frankreich und schreiten konnle («-suiiu.se . Eit - . giften
ÖlÄ in Deutschland unsere Gegner zum Ud>«ue^, »»
Kampf gegen uns geeint. Und gerade g eg e n d i e sich bie ®«:-.r -J:r• • 8 * "was Religion, I katholische Kirche, als baS festeste Bollwerk ist nuem letzten Amlburm diesem.A»-
! der Hauptangriff ber (Segnet gerichtet. (Beyall.)
Mit schmutzigen Waffen hoffen sie, bie Braut Christ' sturmgegenubergibb men gr^be unb Brüder
niederzuringen. Aber dieser Kampf gegen Misere Wall 'mbbn.- Euch schaut, auf Euch
katholische Kirche »arf uns auch tmt Zuversicht er- «*«t (Stürm- die- heft. kath. Kirche,
füllen, denn ft zeigt u»r .immer wieder, oatz dtt | E« ms V nettaud und lujen zum Kampfe gegen Ki tche Cht i ft i auf Fe Isen gebaut ich Aber .--e gclnb, möge di« Kirche uns rufen zur bei aller Zuversicht sind wir mcht derPftim-enckmu ^»up r Mfften LebeusidLale, wir
den, den Gesahren unserer Zett klarem t- 8^ stelle fein, ktuvpsbereit, voll Mut,
gegenzufehen. Feinde ringsum! können wir m t R q w » bU Schlachtlrornpete. dröhnt, wird unfere I ke^i tT fS<6 ar8neern S«e n tw er fem In I Wehr im Sounengolde blitze«: und geroollig der
DaG ote unetuw-odene Verteidigung der • dieser Christusgarde muh auch bet katholffche Arbeiter Rechte unb Freiheiten ckerMrche unb fein epoche- (Lebh..Be,fall.) Der (Heist Kettelers ruft Euch, tnalenbes Eintreten zugunsten ber Arbei- «hnfthAe Wannet, »um Kanmt. t«r zu einer Zeit, wo man diese großen Ideen zu verspotten unb im Keime zu ersticken suchte. (Lebh. langanhaltender Beifall.) Möge der Geist Wilhelm Emanuels über unserer Versammlung schweben und unseren Verhandlungen Inhalt und Gepräge geben. 5$n diesem Sinne heiße ich Sie alle nochmals auf das herzlichste willkommen. (Donnernder Beifall.)
Das Wort ergriff hierauf Landtagsabgeoid. Nebel: Gott segne die christlichen Arbeiter. Lassen Sie Ihnen vor allem die Bruderhand zum Gruß entgegen- strecken. Ich begrüße Sie namens deS Verbandes der katholischen Arbeiter- unb Männervereine bei Diözese Mainz. Sie waren glücklich, mit ihren Brubern aus allen Gauen bes Vaterlandes Schulter «n Schultet in gleichem Schritt und Tritt durch btt Straße» der ziehen unb Zeugnis ablegen zu können vor der tirchen- treuen Gesinnung ber katholischen Arbeiterschaft Dentschlanbs. Wir rufen benen, bie stch als patentierte Arbeiterfreunbe aufspielen zu können glauben, laut unb deutlich zu: Wir sind auch noch dal (Lebh. Beifall.) Wir lassen uns nicht einfangen für bte gottent- Ttembete Wirtschaftsordnung. In unserem Junglings- unb Gesellerwerent hoffen wir von Jahr zu Jahr zu wachfem Wit alle stehen unter bent gewaltigen Eindruck des Atbeiietzuges, dieser großartigen Kundge. bung ür die katholische Sache. Bedeutungsvoller war wohl noch kein Festzug, der diese Stadt durchzogen hat.
I Unsere Kundgebung will ber Welt deutlich bor Augen