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Llue TDttt und Wissen.

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stenliebe, die das Christentum auftoetft, hat er keine ; Ahnung. Ebenso fremd ist ihm ja der Wert und die

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Bedeutung des Menschenlebens.

Unseren Buddhisniusschwärmern geben wir den guten Rat, darüber nachzudenken, was der Bud­dhismus in der Tat aus jenen Völkern gemacht hat, die seit vielen Jahrhunderten unter seinem Joche seufzten und ob es nicht ein Verbrechen ist, ihnen dadurch die Segnungen des Christentum» vorzuenthalten, daß man im Westen künstliche Be- geisteruug sür buddhistische Ideale weckt.

3. Blatt.

»ru< und »erleg der Mdeer 8etfee>re<erti tu Selbe.

Samstag deu 5. August 19U 58. Ietzr-a»-.

Weiterhin anerkennt der Buddhist gleich dem Darwinisten und Monisten von heute keinen durch­greifenden Unterschied zwischen ®ut und Bös, wie er auch in der Ordnung des Physischen Seins weder Sein noch Nichtsein, weder Körper noch Geist be­stehen läßt. Nnr Gründe der Nützlichkeit, der Schick­lichkeit, des Anstandes, der Selbst- und Nächstenliebe begründen das Pflichtgefühl und den Gehorsam gegen die Stimme des Gewissens. Im Buddhis­mus gibt es teilte Sünden, sondern nur Dummheiten, deren größte das Verlangen nach dem Dasein ist. Einzelne schöne Sittensprüche von Buddhisten müssen im Lichte des ganzen Systems betrachtet und gewertet werden, und dann verlieren sie ihren Nymbus oder sind Zeugen für die bessere Natur des Menschen, die sich durch keine mensckwidrige Theorie zerstören läßt. Die budd­histische Moral ist so ziemlich die des heutigen Dar­winismus, Mouismus und des Freidenkertums. Mau braucht nur die Namensbezeichnung etwas zu ändern, so kann Vater Buddha Papa Hackel die Hand zum ethischen Gruß reichen.

Die Humanität des Buddhismus ist ein letzter ReklameMd für die Liebhaber des Exo­tischen. Er verbietet ja sogar die Tötung eines Tieres Die Weichheit des Gefühls erreicht wohl in der indischen Ethik ihren höchsten Grad. Ruhe Verträglichkeit, Wohlwollen, Mitleid, Freundlichkeit spielen' überhaupt in der indischen Literatur eine große Rolle. Aber das Mitleid und die Liebe geht nur soweit, als dem Buddhisten selbst keine Ujuiu- nehmlichkeiten entstehen. Von einer heroischen Nach­

kannen auS Blech, bei denen der gehegte Verdacht sich in überraschender Weise bestätigte. Jede dieser Kannen enthielt nämlich bei einem Gesamtgewicht von 67 Kilogramm 47 Kilogramm Saccharin, das in einer gutschließenden Röhre mitten im Oele steckte.

Sogar das Wagenmaterial der Eisenbahnen ha- ben sich die Schmuggler neuerdings zur Ausübung

Gewerbes nutzbar gemacht. An der öfter» reichisch-schweizerischen Grenze, wo bummelnde Se- kundärbahnzüge an starken Steigungen besonders langsam fahren, legte der im Gebüsch der Böschung versteckte bieSfetiige Schwärzer seine Saccharin­pakete kurzer Hand auf die Trittbretter und jenseits der Grenze nahm sein in gleicher Weift verborgener Gefährte die gratis beförderte Ware unbemerkt wie­der herab. Anderseits wurden auch in den Zügen die Hohlräume hinter den Wagenverkleidungen, so­wie die Wafferreservoirs der Aborte zur heimlichen Beförderung des Süßstoffs benutzt, und die dadurch entstandenen Beschädigungen nahmen so zu, daß die deutschen und österreichischen Zollbehörden der Schweiz mit der Sinterung dur^ehender Wagen drohen mußten. Diese sah sich denn auch veranlaßt, das Personal der Bundesbahnen schon auf Schwei­zergebiet zur Durchsuchung der Wagen nach Schmugglerwaren wie zur Beobachtung verdächtiger Reisender anzuhalten, und die Bahnverwaltungen der Bodenseestatimien erließen Bestimnuingen, nach denen zeitweise ganze Züge und selbst die'Lokomo­tiven genauestens zu kontrollieren sind. Wahrschein­lich aber werden diese Maßnahmen nur dazu dienen, die rührigen Saccharinschmuggler zur Erfindung neuer Kniffe anzufpornen

vor dem Christentimi aufwcisen, eine einzige sittliche Vorschrift und Vollkommenheit, die der christlichen Religion fremd wäre? Der alte Buddha findet bei den Kindern unseres Jahrhunderts deshalb soviel Sympathie, weil er so manches bejaht, was dem natürlichen Menschen behagt, weil er so vieles aus dem Gebiete der Moral gestattet, dessen seitheriges Verbot der moderne Mensch als unerträgliches Joch einer veralteten Weltanschauung verschreit. Dem heutigen ausgelebten Genußmenschen und dem von Kreuz und Leid heimgesuchten gottentfrenibeten Erdbewohner ist diese Welt nur ein Jammerbild, ein Gebilde vou Schmerz und Weh, das ohne Auf- Hören denjenigen Peinigt, der es nicht versteht, sich selbst zu erlösen nach dem Rezepte des Buddhisten, d. i. durch Aufgabe alles Positiven Strebens und Arbeitens. Der Buddhismus ist vor allem die Reli­gion aller Lebenssatten, denen die Welt zum Ueberdruß geworden. Wer keinen Gott als eigenes Lebensziel anerkennt, dem muß die Welt tatsäch­lich als furchtbar öde und leer erscheinen, der muß das persönliche Mißbehagen und die eigene Ver­zweiflung zum System, zur Theorie erheben, wenn er Lust und Kraft zum Ueberdenken feiner Lebens­lage hat. Diese Weltanschauung ist die des Philo­sophen Ed. d. Hartmann, der da sagt: „Ich habe eine Weltanschauung, die das von Jammer zusam- mengekrampste .Herz vor Grauen erstarren, vor Verzweiflung brechen oder weichlich im Weltschmerz zerfließen macht/' Mit einer solchen Philosophie , und des steten Weltschmerzes hat die

christliche Lebensauffassung mit ihrer Hoffnungs- freudigkett und dem Bewußtsein, daß den Kindern Gottes alles zum Besten gereicht, nichts gemein. Der Buddhismus ist wesentlich Pessimismus. Er anerkennt feine Gottheit als erlösendes Prinzip. Anfang, Sein und Ende alles Wirklichen ist der Schmerz, und das einzige Erlösungsmittel ist die gänzliche Apathie gegen den Schmerz. Ed. v. H a r’t m a n n sieht in dem Buddhismus den „weib- lichen Heroismus kampflosen Duldens".

Dem buddhistischen Pessimismus ist der A t h e- ismus wesentlich. Er braucht, wie Hartmann bemerkt, zur Befriedigung seiner religiösen Bedürf-

nisie weder Gott noch Götter. Dar ist den Mo­dernen das Werwollste und Begehrenswerteste am Buddhismus. Wenngleich der Buddhismus den Himmel mit zahllosen Göttern bevölkert sein laßt, so ist er dennoch in seinen Grundgedanken athe­istisch. Die DavaS sind nur höhere Wesen, die den Buddha zu verherrlichen haben. Nie ist nn buddhistischen System die Rede von einem Gott im eigentlichen Sinne. Er kennt keinen Br ah- m a, keinen A t m a n als Weltgeist, überhaupt kein Wesen, das durch sich bestände. Es gibt überhaupt kein festes Sein, alles ist Wandel und Wechsel, Ent­stehen und Vergehen. Ein solches System ist heute vielen willkommen. Man will vielerorts noch einen religiösen Anstrich haben, ohne mit dem Glau­ben an einen persönlichen Gott ernst machen zu müssen. Haben wir es doch noch in jüngster Zett erleben müßen, daß ein gut bezahlter Diener der Religion jedes Glaubens an einen persönlichen Gott als völlig bar befunden wurde. In seiner Stellung und Richtung steht er bekanntlich nicht allein da. Seine Gesinnungsgenossen sind Legion.

Ein weiteres Merkmal des Buddhismus, das ihm Sympathien unter unseren Zeitgenossen em- bringt, ist der In d i f feeren tis m us Seme Scheu vor entschiedener Philosophie und Dogmatik ist groß. Dem Buddhisten ist es Ketzerei, von Sem zu sprechen. Der alte Buddhismus verlangt von seinen Bekennern den Verzicht auf das Wißen vom Sein ober Nichtsein, von Ewigkeit ober Nicht - Ewig- Icir; er hängt über das Bild der Wahrheit den „wohltätigen" Schleier des Zweifels, der in­tellektuellen Resignation. Was nicht zum ^rieben führt, hat Buddha die Seinen nicht gelehrt. Das Wißen von Gott und Ewigkeit führt aber nicht zum Frieden. Dazu dient nur die Wahrheit vom Leiden, die Wahrheit von der Entstehung des Leidens, von der Aufhebung des Leidens und von dem Wege, der dazu führt. Das ist aber keine Aufklärung über die wichtigsten Lebensprobleme, sondern nur Matena- lismus atmende Lebenssicheruug. Daß die kanti- anische Erkenntnistheorie im Bündnisse nut dem Wirrwarr der Meiiiungen protestantischer Theologen bei vielen die Zuversicht aus menschliche Erkennt­nis bedeutend gelähmt und die größte Gleichgültig­keit gegen die Dogmen der Religion erzeugt hat, ist eine allbekannte Tatsache. Was Wunder, daß man sich einem orientalischen Religionssystem blindlings verschreibt, das beinahe seit Jahrtausenden den Jn- differentismus und Skeptizismus sanktioniert und Milliarden vou Geistern in ftiuen Baun geschlagen.

bett passiert, so kann es als Nahrungsmittel den Zucker nicht ersetzen und wird hauptsächlich in Brauereien, Bäckereien und Konditoreien zur Her- , stÄlung von Likören, Limonaden und Fruchtkonser­ven gebraucht.

Fahlberg stellte den Stoff fabrikmäßig her, in der Schweiz und in Frankreich entstanden ähnliche Betrieb und in Deutschland mehrten sie sich bis 1901 ständig. In diesem Jahre betrug d,e Ein­fuhr bereits 415, die Ausfuhr 492 Doppelzentner. Dann aber fchritten die Regierungen ein, bie be­stehenden Süßstoff-Fabriken wurden durch eine vom Bundesrat festgesetzte Entschädigung abgelöst, und in Deutschland durste nurmehr die vormals Fahlberg- sche Fabrik, jetzt List und Co. in Salbke-Westerhau­sen a. b. Elbe bett Stoff Herstellen. Die Süßstoff­gesetzgebung gestattet es nur dem Bundesrat, einen Fabrikationsbetrieb zu genehmigen, und gibt ihm bie Befugnis, die Herstellung zu überwachen, sowie bie Verkaufspreise festzusetzen. Nach seinen Bestim­mungen siub allein die Apotheken berechtigt, das Saccharin als Zuckerersatz für Diabetiker ober zur Geschmacksverbesserung von Arzneien abzugeben, je- boch nur an Personen, bie eine amtliche Erlaubnis bafur nachweisen. Solche kann zu wißenfchastlichen Zwecken gegeben werden, und auch Kranken- und Pflegeanstalten, sowie Gasthöfe in Kurorten, wo Gästen der Genuß von Rohrzucker ärztlich unter­sagt ist, pflegen sie zu erhalten. Zuwiderhandlungen werden bei nachgewiesener Fahrlässigkeit mit 150 Mark ober entsprechender Haft, sonst aber mit Ge­fängnis bis zu 6 Monaten ober 1500 Mark bestraft unb der Süßstoff gelangt zur Einziehung.

Bei bem verhältnismäßig geringen Gewicht unb der leichten Transportierbarkeit des Süßstoffes ist es erklärlich, daß nach Erlaß der genannten Be- stimmungeu das Saccharin alsbald für den Schmug gel ein begehrter Artikel werden mußte, der Kaffee und Tabak an Beliebtheit noch übertraf. Wir ha­ben denn auch heute ein ausgedehntes und raffinier­tes Schmuggelsystem auf diesem Gebiete und fast allwöchentlich haben bie Zeitungen von ertappten Sacchäriu-Schwärzern zu berichten. Gleichwohl sind das nur bie wenigsten, denn mit Sicherheit darf man auuehmen, daß die Mehrzahl trotz aller Schlau­heit der Zollbeamten unentbetft bleibt.

Für den Privatgebrauch einzelner kommt das Paschen ou Saccharin kaum in Frage, es han­delt sich da fast immer um im großen organisierte Geschäfte. So wurden kürzlich in einer Waggon- laduug Heringe, die von Rotterdam an eine deut­sche Großhandlung ging, 800 Kilogramm Saccharin entdeckt und durch die Behörde beschlagnahmt, wäh­rend die Polizei in Antwerpen sogar in der Woh­nung eines Zollbeamten fünf Kisten mit dem toert« vollen Süßstoff fand, die ihm von seiner Geliebten ins Haus gebracht sein sollten. Wenn man bedenkt, daß abgesehen von der Einziehung der Ware der 50fache Betrag der zu umgehen gesuchten Steuer welch kolossalen Strafgelder es sich in solchen Fällen handelt.

Am umfangreichsten hat sich in den letzten Jah­ren das Einschwärzen von Saccharin ans der Schweiz nach Süddeutschland ausgebildet. Es hau- delt sich hier zum Teil um einen zweifachen Schmug­gel mit verdoppelten Gefahren, denn über den Hauptweg dieses heimlichen Handels, der von Lin­dau nach München führt, wird die Ware, Bayern nur als Durchgang benutzend, ein zweites Mal über die Grenze nach Oesterreich, wo der Süßstoff be­sonders begehrt ist, geschmuggelt. Die meisten der gelegentlichen und 'gewerbsmäßigen Schmuggler stammen denn ans den deutschen Bodenseegegenden, Voralberg, dem bayerischen und böhmischen Walde, was durch interessante statistische Feststellungen uach- gewieseu ist. Aus diesen ergibt sich, daß von 1904 bis 1910 allein in Lindau 88 Saccharin-Schwärzer verurteilt wurden, die 2275 Kilogramm Saccharin nach Bayern bringen wollten. In Voralberg be­schlagnahmten die österreichischen Behörden in Feld­kirch und Bregenz während der gleichen Zeit 8751 Kilogramm Süßstoff, an dessen Transport 356 Schmuggler beteiligt waren, und man wird kaum fehlgehen, wenn man annimmt, daß in Zürich an nähernd 130 Personen ausschließlich vom ungesetz­lichen Vertriebe der Ware leben.

Wie viel davon eine Einzelperson durchschnitt­lich über die Grenze schafft, läßt sich aus den bei den Ertappten vorgefundenen Mengen leicht feststellen. So erwischte man am Münchener Bahnhof unlängst einen böhmischen Monteur, der das Geschäft zusam­men mit seinem Dienstmädchen betrieb, und fand in den Kleidern der beiden je 40 Kilogramm des Stos­ses Ein in Passau verhaftetes Tagelöhnerpaar be- gmigte sich mit 30 Kilogramm, hatte aber in seiner Bkünchener Wohnung ein ganzes Depot, dessen Vor­räte nach und nach über die österreichische Grenze geschafft werden sollten. Besonderes Pech hatte ein Reisender in Kempten, der seine Stellung verloren und sich mit dem einträglichen Geschäft von der ärgsten Not befreien wollte. Um an einem erhal­tenen Auftrag von 25 Kilogramm Saccharin mehr zu verdienen, mischte er Rohrzucker unter den chemi­schen Stoff; die Firma, die nur eine Scheinbestellung gemacht hatte, nahm aber die Ware nicht an, und so mußte sich der Schwärzer nicht nur wegen Schmug­gels, sondern auch noch wegen Betrugsversuchs ver­antworten. Tragischer ging eine Affaire in Bregenz aus. Dort hatte der Prokurist eines großen Ge­schäfts ein 100 Liter flüssiges Saccharin enthalten­des Faß als Alizarin deklariert. Die Zollbehörde deckte aber den Betrugsversuch auf, verurteilte den Deklaranten, den seine Firma entlasten mußte,, zu 16 000 Kronen Buße, und aus Verzweiflung dar­über nahm sich der Unglückliche im See das Leben.

Eiu Labetrunk in der Sommerhitze.

Von Dr. Otto Thraenhart, Freiburg i. Br.

Der menschliche Körper besteht dem Gewichte nach ungefähr zu zwei Drittel aus Flüssigkeit, er gleicht einem mit Wasser getränkten Schwamme. Wasser ist das unentbehrlichste aller Nahrungsmittel. Hungerkünstler produzieren sich öfter, Durftkünstler nie. Je mehr Flüssigkeit der Körper durch Aus­atmung unb Transpiration verliert, umso mehr muß durch Trinken ersetzt werden. Am meisten ist dies der Fall bei körperlicher Bewegung, nament­lich bei großer Hitze. Das beim Schwitzen nicht lange ausbleibende Gefühl brennenden Durstes zeigt an, daß das Blut für die ihm entzogenen Wafsermengen energisch Ersatz heischt, damit nicht schwere Schädi­gungen eintreten, deren schlimmsten Höhepunkt der Hitzschlag bildet. Prof. Dr. Zuntz sagt in seinem großartigen Werk über „Bergwanderungen" (Seite 401):

„Es ist der Mangel an Wasser im Körper, also heftiger Durst, welcher die Schweitzsekretion beschränkt und dadurch das wichtigste Mittel zur Herabsetzung der Körpertemperatur versagen läßt. Fast immer sino die tödlichen Fälle von Hitzschlag dadurch zustande ge­kommen, daß die Wasseraufnahme entweder unmöglich war oder infolge der leider noch so sehr verbreiteten Vorurteile gegen das Trinken bei erhitztem Körper gescheut wurde."

Dr. Hoole schreibt in seinem bekannten Buche „Tränieren zum Sport":

„Nach jeder körperlicher Anstrengung lechzt der Or­ganismus förmlich nach Flüssigkeit und nimmt b» gierig große Mengen davon auf. Wasser kann unter- allen Verhältnissen und zu allen Zeiten mchedenklich genossen werden. (S. 58.) Ein Entzug des Wassers gibt unter allen Umständen zu schweren Gesundheits-' störnngen Anlaß." (S. 76.)

Freilich soll man nicht bei jedem Trockenheits­gefühl int Munde gleich trinken; namentlich nicht der Mnndatmer, dem die heiße Einatmungsluft schnell wieder Mund unb Schlunb austrocknet. Die­ser muß sich mit aller Energie an Nasenatmung gewöhnen oder, wenn dies wegen Schwellungen der Nasenschleimhaut nicht möglich ist, das Trockenge­fühl durch Anregung der Speichelabsonderung. be­seitigen. Am besten geschieht dies durch Kauen eines Strohhalmes ober Blattes, durch Pfeffermüuzplätz- chen ober Fruchtpastillen. Es gibt eben auch eine „Hygiene des Trinkens". Allzuviel ist überall un­gesund. Ein kleiner Schluck kalter Kaffee beseitigt' dos Durstgefühl anhaltender als ein schnell hinun­tergegossenes großes Glas Wasser. Besonders em­pfehlenswert sind saftige, nicht zu süße Früchte. Von den Getränken verursachen die alkoholischen in der Hitze leicht Schlaffheit und Müdigkeit. Gut sind Limonaden, wenn sie aus Naturprodukten bestehen. Die kohlensauren Wasser löschen sehr gut den Durst unb begünstigen in vorzüglicher Weise die Magen- berbauung. Dr. Löning unb Prof. Penzold haben barüber mehrfach Untersuchungen angestellt. Die Verbauung ber Nahrung wurde stets beschleunigt unb gebessert, was bei den vielen Verdauungsstör­ungen im Sommer gewiß von großem Vorteil ist. Schon von jeher sprachen bie praktischen Erfah­rungen für ein heilsame Wirkung. Bei den akuten Magenverstimmungen im „Katzenjammer" erfreut sich das Sodawasser allgemeiner Beliebtheit. Mau kau» es also als sehr gutes Sommergetränk be« zeichnen.

Befindet mau sich auf einer Wanderung, so totrb man gegen den Durst unterwegs am vorteilhaftesten gutes Trinkwasftr genießen. Bei uns sst daran glücklicherweise kein Mangel, hier und da sprudeln Quellen, rieseln Bäche, plätschern Brunnen. Das Wasser muß frisch und von prickelndem Wohlge­schmack, darf nicht abgestanden und fade sein. Letz­teres schmeckt nicht unb ist schlecht bekömmlich. Nur „srisches" Wasser kann „erfrischen". Man trinke bas Wasser in ganz kleinen Schlucken, schlürfe es, wie man Eiskaffee mit einem Strohhalm schlürft. Der „Lungenschlag nach kaltem Trunk" ist Muhmen­gewäsch, woburch früher selbst beim Militär viel Unheil angestiftet worden ist. Die Statistik beweist unanfechtbar, daß jetzt bedeutend weniger Hitz- schläge vorkommen, feitdem die Soldaten auf dem Marsche bei jeder möglichen Gelegenheit frisches Triukwasser bekommen; je heißer das Wetter ist, um so öfter. Der bekannte Wiener Kliniker Prof. Dr. Schrötter wendet sich in seinem Werke ««HW^ne der Lunge" energisch gegen den Aberglauben von Lunaeuschädigung durch kaltes Trinken. Prof. Dr. Zuntz hat mit seinen ärztlichen Begleitern aus deu schwierigen Alpenwanderungen nt Sonnen­brand unb Sommerhitze stets Eis und Schnee ge« nassen. In dem oben erwähnten Werke sagt et S. 490): „Man sollte sich, solange man in Bewegung bleibt, durchaus nicht scheuen, häufig kleine Mengen Eis und Schnee zu genießen, eventuell unter Zusatz

Rs. Die Ursachen ver neuzeitlichen Schwärmerei für den Buddhismus.

Die Schwärmerei sür den Buddhismus, diese Aus­geburt von Widerspruch und Gemeinheit, zieht im­mer weitere Kreise in ihren Bannkreis. Wie ist es nun möglich, daß ein ausländisches Religionssystem, das jeden Europäer und nüchtern denkenden Men­schen, inSbefonbcre den verstandesstolzen unb natio­nal gesinnten Deutschen sonderbar anmutet, in un­serer modernen europäischen Kultur- und Geistes­welt Anhänger unb sogar begeisterte Lobredner fin­den kann? Wie war es möglich, baß beutsche Reli- gionsphilosophen den Budbhismus als Ausbund philosophischer Spekulation unb Quelle sittlicher Vollenbung empfahlen? Die Werbekraft und die innere Anziehungskraft des Buddhismus auf das Gemüt des Menschen trägt an diesem Phänomen die geringste Schuld. Die Gründe sind jeelischer Art, sie sind gelegen in ber Psyche der modernen Ge­sellschaft.

Der Buddhismus mußte notwendig das Interesse ber modernen Gesellschaft umso mehr erregen, je größer bie Bekanntschaft mit seiner Natur unb seiner Bebcutung in Jubien würbe. Der Bubbhismus zählt Sunberte vou Millionen zu seinen Bekennern. Er bestimmt zugleich in jeder Hinsicht die Kultur und bas Geistesleben derselben. Sein Stifter er­scheint inmitten des indischen Volkslebens mit allen Reizen einer populären, sagenhaften Persönlichkeit umgeben. Eine ganze Flut von Schriften über Budd­has' Leben und 'Lehre hat in der neuesten Zeit von den Zentren abendländischer Denkweise und Kultur ihren' Ausgang genommen. Viele Jünger der Re- ligionsgemeiniwaft sind an die Erforschung des buddhistischen Reugionssystems aus reiner Liebe zur Wissenschaft, aus lauterem Wahrheitseifer getreten; aber noch größer ist die Zahl derjenigen, die den Buddhismus zu einer Menschheitsreligion auslauen möchten, zu einer Jdealreligion, die dem modernen Menschen in seiner Scheu vor Dogma und Autorität, in seinem Bestreben, mehr als es bisher zulässig erschien, zur Geltung zu bringen. Unter dieser Tendenzarbeit ist die moberne Reli­gionswissenschaft leider zur Verräterin an ber Wahr­heit, nicht nur an ber religiösen, sondern auch an der historischen geworden. Unter einseitigster Miß- kennung und Ignorierung ber gigantischen Todes- schatten, bie sich feit Anbeginn über die buddhistische Welt gelagert, ist sie bemüht, alle Lichtpunkte der buddhistischen Weltanschauung, wie wenige sie auch sein mögen, zu einer Himmelssonne für lichtbedürf­tige Menschenfeelen zu vereinen. Einem großen Teile zeitgenössischer Durchschnittsmenschen ist der srifche Lebensborn der christlichen Religion unb Weltan­schauung, sei es infolge organischer Verkümmerung der eigenen Seele, sei es infolge fremder Beeinfluß funa »erleidet unb verekelt worden, und so erst das Verlangen nach den Pfützen altheidnischer Religions­ti eisheit gekommen. Mit dieser Sympathie sür aus­ländische und fremdartige Geisteserzeugnisse rechnen buch viele übermoderne Religiousgescknchtler und hoffen bei der Charakterisierung des Buddhismus auf umso größeren Beifall, je mehr es gelingt, die Swattenfeiten desselben zu vertnfchcn unb ihn als annehmbares Surrogat für preisgegebenes Christen­tum darzutun.

Tie christnsseiudliche Religionswissenschaft sucht, um es mit wenigen Worten herauszusagen, eine pikante, glänzende ausländische Etikette für den Ab­schaum philosophischen Denkens und religiösen Em­pfindens. Dem Banalen, das man nicht mst dem eigentlichen Namen bezeichnen will, gibt man in diesem Falle eine fremdländische Verbrämung. Die Bnddhasschwärmer beteuern zwar, daß sie nur der aufrichtige Sinn für die Wahrheit zu ihren Auf­stellungen treibe, tatsächlich wollen sie sich nur von den Vorwürfen eines umfonst unterjochten Gewis­sens befreien.

Was ist dein Buddhismus denn eigen, das ihn zur Religion ber Gegenwart ober Zukunft machen könnte? Kami er auch nur einen einzigen Vorzug

Im allgemeinen aber wirken die kuriosen Mittel und originellen Triks, auf welche bie Schwärzer zur Erreichung ihres Zieles verfallen, nut komisch, unb kurzsichtige Beamte, bie darauf hereinfallen, haben gewöhnlich zum Schaden noch den Spott. Beson­ders das zarte Geschlecht versteht sich daraus, die Zöll­ner irezufühwn. Das Saccharin, in viele kleine Päckchen verteilt, an breiten, sogenannten Schmugg­lergürteln unter den Kleidern zu verstecken, erscheint den Raffinierten zu gewöhnlich, und so nahm man kürzlich in Lindau zwei in der erste» Bahnklasse rei­sende „feine" Damen fest, bie Süßstoff nicht nur in besonders angefertigten Taschen ber Unterrötfe mtt- sührten, sondern auch ihren Büsten eine ungewöhn­liche Fülle damit verliehen hatten. Ebenda fiel den Beamten auch eine große Sendung Bürsten m die Hände, deren ausgehöhlte hölzerne Rücken be» Suß" stoss bargen, sowie eine Partie umfangreicher Oet-

Das Saccharin und sein Schmuggel. Von Franz Wichmann.

Das Saccharin gehört zu denjenigen Dingen, über die man sehr viel hort und lieft, während sie die wenigsten aus eigener Anschauung kennen. Die Ur­sache liegt in dem strengen Gesetz, das im Deutschen Reiche wie in Oesterreich die Herstellung und Ein­führung von Süßstoffen verbietet. Ohne nähere Prüfung wird man gewiß mit den Schmugglern sympathisieren und sich bitter über Vorschriften ent­rüsten, die es dem Menschen verwehren wollen, sich sein Leben soviel als möglich zu versüßen. Aber die Sache hat doch üjren tiefen, wohlberechtigten Grund, denn ohne den Bundesratsbeschluß vom 7. Juli 1902 wäre die heimische, recht bedeutende Zuckerin­dustrie wohl rettunglos verloren gewesen.

Bis in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts kannte man keine künstlichen Ersatzmittel für den Zucker. Erst 1878 entdeckte Konstantin Fahlberg den chemisch herzustellenden Süßstoff Saccharin, ein weißes, kleinkrystallisches Pulver, das den Rohr­zucker 350mal an Süße übertraf. Es war so schwer löslich, daß man im Wasser noch die kleinste Dosis wahruahm, und brachte man es deshalb meistens in Form des Natriumsalzes als leicht lösliche Krh- stallose, vielfach auch in Tablettengestalt in den Handel.

Als Herstellungsmaterial diente das aus Stein« kohlenteer gewonnene Talouol von intensiv süßem Geschmack, aus dem auch die anderen künstlichen Süßstoffe Dulcin und Glucin erzeugt werden. Jetzt bereitet man das gewöhnliche Saccharin 300, das raffinierte aber 500 mal süßer als Rohrzucker, und der Preis für das Kilogramm stellt sich auf 17 bis 29 Mark. Da es den Organismus ganz unverän-