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Srdtag »en 4. SnguK 19».

58. Jahrgang.

* fuldaer U Zeitung

tfc 2. Blair.

»r«d ww> Verlag »er Fuldaer Iktienbrudeiei in 8>l»a.

H8. Generalversammlung der Katho­liken Lcutschlands zu Mainz.

in.

C. Mainz, 3. Aug. 1S11.

Ich würbe glauben, mir den Vorwurf der Unvoll- länoiateit zuzuziehen, wenn ich nicht hervorheben wurde, baß für die leiblichen Bedürfnisse der zahlreichen Tausende, die am nächsten Sonnlag nach Mainz kommen, in cct besten Weife gesorgt ist. Mainz ist ja eine Frcmdenstadt, und daher hat man, wenn auch der be- vorstehende Andrang ganz außergewöhnlich ist, doch schon eine gewisse Uebuno. In welchem Maße man Fürsorge für die leiblichen Genüsse gesorgt hat, mag der eine Umstand dartun, daß ein Wirt allein für seinen Betrieb 13 Zentner Schweinerippchen bestellt hat. Entsprechend sind die Vorbereitungen auf der ganzen Linie, sodaß sich die zahlreichen Besucher des Katholikentages keiner Beunruhigung hinzugeben brau­chen. Auch ist für ein ausreichendes Bedienungsperso­nal in den Hotels und Restaurants gesorgt.

Die Stadthalle, welche der diesjährigen Kalho- likenversammlung als Festhalle dient, liegt in ihrer ganzen Länge am Rheinufer und gewährt von ihren Sewaltigen Terrassen ein wundervolles Panorama. Ihr inneres erstrahlt in einem so glänzenden Festgewand, daß ihr kaum ein Saal Deutschlands an die Seite ge­stellt werden kann. Am Rhein dürfte sich kein der­artiges Bauwerk befinden, das zur Aufnahme einer Massenversammlung, wie fle der Katholikentag ist, so geeignet wäre. Die Stadthalle ist im Renaissancestil fjebaut und imponiert durch ihre gewaltigen Dimen- ioiien. Der Saal ist nahezu 53 Meter lang und 28 Meter breit. Durch Anbau der Terrassensäle hat die Stadthalle an Bequemlichkeit und baulicher Schönheit noch erheblich zugenommen. Bei ihrer Herrichtung für die Zwecke der Kalholikenversammlung hat man den praktischen Bedürfnissen der Teilnehmer in weitem Maße Rechnung getragen. So ist in dem großen Korridor, der nach der Stadtseite zuliegt, ein Postamt gebaut worden. Wenn, worauf wir die Mitglieder der Katholikenver­sammlung besonders aufmerfam machen wollen, die Empfänger in der Festhalle nicht angetroffen werden, so werden die Sendungen beim Postamt I zur Ab­holung bereit gestellt. Es empfiehlt sich, daß die in der Heimat Zurückbleibenden ihre eventuellen Sendungen nach Mainz dirigieren an das Fest- v ost amt in Mainz. Zur Bewältigung des Ver­kehrs find 4 Schalterstellen und 5 öffentliche Fern- fprechstellen vorgesehen. Der Stempel dieses Postamtes lautet: .58. Katholikentag», was vielleicht die Marken- sammler besonders interessieren dürste.

Von der Präsidialtribüne aus gerechnet, ist zur linken Hand eine wert in den Saal hineinreichende .Tribüne gebaut worden für den Begrüßungs- ! ab end, auf welchem die Sänger und die Musik unter­gebracht werden. Nach den Vorbereitungen, die ge­troffen find, zu schließen, wird den Teilnehmern am Begrüßungsabend ein hoher Kunstgenuß bevorstehen. So werden zwei bedeutende Chorwerke zur Aufführung kommen, nämlich Edgar Tinels Tedeum für sechs- stimmigen gemischten Chor und Orchester und Frain Liszts „Gründung der Kirche» aus seinem Oratorium >,Cbr stus" für siebenstimmigen gemischten Chor und Orchester.

Da der Patron unserer diesjährigen Generalver­sammlung der Bischof Emanuel v. Ketteler ist, halten wir es für unsere Pflicht, unsere Leser und die Be­sucher des Katholikentages darauf aufmerksam zu machen, daß der selige Bischof in der Mutter- Gottes-Kapell^ begraben liegt. Diese Kapelle wurde zur Feier des Ljahrigen Bischofs-Jubiläums Freiherrn v. Kettelers ausgemalt und mit Glassenstern verletzen. Das Marmorhochgrab wurde von der Fa­milie gestiftet, ein neuer gothischer Flügelaltar mit sehr interessanten Holzfiauren aus dem Anfänge des 16. Jahrhunderts, Madonna und zwei Bischöfe.

Besonder? Hinweisen möchten wir die Teilnehmer der Katholilenoersammlung auch auf das Fest blatt. Es erscheint diesmal in besonders gediegener Ausstat­tung. Die 1. Nummer des Festblattes bringt einen Festgruß, s»w e .inen W'llkommengruß. Nicht nur für alle Teilnehmer au der Mainzer Tagung, sondern auch für diejenige-, die infolge zn weiter Entfernung oder aus sonstigen Gründen nicht nach Main; kommen können, ist das Fest'olall ein bequemes Orientierung»» mittel. Es bringt au-ftibrliche Berichte über sämtliche Veranstaltung-ir, u. a die Reden, Beschlüsse, Ver- gnnoungen v'w. unu.

Bckarurtlich richtete dos Lokatkomitee alljährlich an den h l. Vater eine Huldigungsadresse, in der dem Oberhaupte Mitteilung von der Generatversirmmlung gemacht wird, iowie Einladungsschreiben an den hoch, würdigsten Episkopat. Das Antwortschreiben des hl. Vaters ist bereits in Mainz eingetroffen und wird auf der Generalversammlung zur Verlesung ge­langen. In demselben betont der hl. Vater, daß er die Generalversammlung umso freudiger begrüße, tveil das Andenken an den Bischof von Ketteler besonders erfreuliche Erfolge erhoffen lasse. Ferner sind bereits

Meines Femlleton.

— Einen eigenartigen Bienenstand hat das Lsarrhaus in Eickfier aufzuweisen. In das von Fach- oerf errichtete Gebäude zogen alljährlich ein oder mehrere Bienenschwärme und nisteten sich dann unter unter dem Fußbelag des Bodenraumes em. lieber Winter gingen fle dann jedesmal ein. Als auch dieses Jahr ein Schwarm durch die Oeffnung in das Halts drang, ließ der Psarradministrator die Zu- qänge bis auf einen mit Mörtel verstopfen, in den Belag des Bodens eine Oeffnung schneiden und stellte dann über der Oeffnung einen Bienenkorb auf. lind flehe da! Das Jnmienvolk zog in den Korb. Nach einigen Tagen zog noch ein Schwarm auf der an­deren Seite in das Haus ein. Auch hier wurde so verfahren. Und nun kann man zwei Völker bei ihrer Arbeit beobachten, wie sie auf dem umständ­lichen Wege durch die Mauer unb den Boden in den Korb tragen. =a.

— Die hellen Nächte haben jetzt ihr Ende er­reicht. In unserer Dreitenzonue tritt der mitter­nächtige Dämmerungsbogen am nördlichen Horizont zuerst am 15. Mai auf. Am 22. Juni hat er seine größte Stärke rereicht und am 29. Juli verschwindet er wieder. Diese Erscheinung erklärt sich daraus, daß die Sonne am 15. Mai weniger als 18 Grad unter den Horizont tritt, am 22. Juni bei ihrem Untergänge den höchsten Stand erreicht und am 29 Juli wieder zum efftenmale volle 18 Grad unter den Horizont sinkt, womit auch für den Norden völ­lige Dunkelheit eintritt, sofern nicht der Mond mit feinem schwachen Lichte diese Dunkelheit mildert. Das Ende der hellen Nächte läßt allmählich den Herbst vor- «hnen.

— Höchster Respekt. Unter den Aufzeichnungen öes Prinzen von Signe findet sich ein merkwürdiges ^Beispiel der unermeßlichen Devotion, mit der die Welt des 17. Jahrhunderts zum hohen Adel auf­

zahlreiche Begrüßungsschreiben von Bischöfen und Ächten eingelaufen.

Ein guter Gedanke seitens des Lokalkomiiees war es, daß zur besseren Orientierung der Besucher des Katholikentages hinsichtlich der Nebenveranstal­tungen eine llebersicht derselben, geordnet nach Sälen, herausgegeben wurde. Dies ist umso erfreu­licher, als die Zahl der besonderen Veranstaltungen von Jahr zn Jahr steigt und in diesem Jahre bereits die Zahl 40 erreicht hat. Von den Nebenveranstal- tungen heben wir besonders hervor: die Tagung des Volksvereins, die am Dienstag vormittag stattfindet, die Tagung des Borromäusvereins, die Versammlung der katholischen Lehrer und Lehrerinnen, in der Pro­fessor R u v i l l e ans Halle sprechen wird und die da- her eine besondere Anziehungskraft ausüben wird; weiter nennen wir den akademischen Bonifatiusverein, den Albertus-Magnusverein, die katholischen kaufmän­nischen Vereinigungen, den Raphaelverein, den Ver- band katholischer Männer- und Arbestervereine, die katholischen Studentenvereine und Studentenverbin­dungen, den Mädchenschuhverein, die verschiedenen Organisationen, die sich auf dem Gebiete der Abstinenz und Temperenz betätigen, den Kettelerabend (Diens­tag, veranstaltet von der Kettelergesellschaft), den Boni­fatiusverein, die Marianischen Kongregationen, den Verein vom Heiligen Lande, die verschiedenen Priester- Vereine, den Bonifatiussammelverein, die Gesellender-, cine, den katholischen Küsterverein, den Landesverband der katholischen geistlichen Schulvorstände Bayerns, den akademischen Piusverein, den akademischen Missions- verein, die Vereinigung katholischer Freistudenten, die Unitas und die bereits erwähnte Missionsvereini­gung katholischer Frauen und Jungfrauen.

Die Bürgerschaft von Mainz hat alles aufgeboten, um der Generalversammlung eine würdige Aufnahme zu bereiten und ihr in den Tagen ernster, angestrengter Arbeit auch einige genußreiche Stunden der Erholung, der Freude und des Vergnügens zu bereiten. Wie ge­denken hier namentlich des Gartenfestes, vor allem aber der F e st f a h r t, mit der am nächsten Donners­tag die 58. Generalversammlung ihren Abschluß finden wird. Diese Fahrt wird den Teilnehmern an der Katholikenversammlung einen Genuß bereiten, der sich ihnen so leicht nicht mehr bieten wird. Die Festschiffe fahren von Mainz herunter bis Bingen. Die Fahrt ist so eingerichtet, daß Bingen erreicht wird zu bet Stunde, wo es dunkelt. Das Technikum in Bingen wird die Illumination eröffnen mit elektrischen Schein­werfern, die das Nationaldenkmal in den hellsten Strahlen erscheinen lassen wird. Auf dieses Zeichen hin werden die Lichter an beiden Ufern des Rheines aufblihen, werden sich fortpflanzen bis nach Mainz hin, wo die Rheinbrücken im Lichte der Illumination einen imposanten Abschluß bilden werden. Man fann sich vergegenwärtigen, welch einen packenden Eindruck dieses Bild in dunkler Nacht gewähren wird. Unsre Herzen als Katholiken werden höher schlagen und wenn vor dem beleuchteten Niederwaldd^nkmal aus den Kehlen tausender deutscher Männer das Lied der Wacht am Rhein ertönen wird, so werden unsere Her­zen auch als deutsche Männer hoher schlagen, und wie wir unsere Generalversammlung eröffnen mit dem Gedenken der Träger der Höchsten Gewalten in Staat und Kirche, so werden wir sie beschließen. Und wenn dann beim Abschied, bei dem Rückblick auf die disS- ährige Tagung der Blick sich noch einmal in die Ge- chichte vertieft, und uns die Zeit nahe rückt, wo im Jahre 1848 die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in Mainz das Licht der Welt erblickte, dann werden wir die Empfindung haben, die Kardinal Reiflich im Jahre 1850 an Ketteler schrieb: „Ich sehe im ganzen Verlauf dieser Mainzer Geschichte die Hand Gottes."

Ans dem Nachbargebieie.

? Dittlofrod, 31. Juli 1911. Eine große Auf­regung war heute in unserer Gemeinde. Bon aus- rvär s waren viele Leute gekomiucn. Gnterschlächler zerstückelten das Bauerngut eines hiesigen Einwohners. Es waren ungefähr 70 Acker Land in den besten Lagen. Zehn und elf Acker an einem Stück, das Vieh im Stall, die Ackergeräte, die Frucht auf dem Feld, alles wurde verkauft. Der Acker Land erftelle 650— 700 Mark. Die Gülerschlächter sollen 12—1500 Mark bei den: Verkaufe verdient habe». Tas Gut wäre zu retien gewese-, wenigstens hätten die Eiterfelder Güierschlächter den Profit nicht ge- habt, wenn der Besitzer dem guten Rat der Ver­wandten und Bekannten gefolgt hätte. Die un­mündige»-, zum Teil noch" fchulpfiichligen Kinder, sind zu bedauern.

* Vom Vogelsberg, 3. August 1911. Die sen­gende Glut, die nun schon drei Wochen lang auch in unseren sonst so kühlen Gebirgstälern herrscht, bringt unter den Pferden schwere Erkran- k u n g e n mit sich. Es sind aus den verschiedensten

blickte. Ter Haushofmeister des Herzogs von Niver­nais lag sterbenskrank, und der Herzog, der ihr» außerordentlich schätzte, begab sich ins Krankenzirn- rner, uni sich nach seinem Befinden zu erkundigen. Der Haushofmeister lag gerade im Sterben und rich­tete sich nur mit Mühe auf, indem er dabei mit matter, kaum hörbarer Stimme im Ton der tiefsten Unterwürfigkeit sagte: „Ach, gnädigster Herr, nehmen Sie es mir doch ja nicht übel, daß ich in Ihrer Gegenwart sterbe." Im höchsten Grade gerührt, versetzte der Herzog: „Oh »nein Bester, genieren Sie sich nicht," und der Haushofmeister versäumte nicht, von dieser Erlaubnis sogleich Gebrauch zu machen.

~ Wir man in Japan Zähne auczieht. Der japanische Zahnarzt zieht die Zähne mit den Fingern aus, ohne sich irgend eines Instrumentes zu bedienen. Er greift höchst gewandt mit der einen Hand dem Patienten in den Kieferwinkel, derart, daß er den Mund nicht schließen fann; daun steckt er Daumen und Zeigefinger der anderen Hand dem Patienten in den Mund und zieht, wenn cs darauf ankommt, im Laufe von einer Minute 5, 6, 7 Zähne feinem Opfer aus, ohne daß dieses irgendwie imstande wäre, sich dagegen zu wehren. Wem dieses Verfahren unglaub­lich erscheint, der wird cs leicht begreifen, wenn er erfährt, aus welche Weise die japanischen Zahnärzte auf die Ausübung ihres Berufes vorbereitet werden. In ein schmales Holzbrett werden Löcher gebohrt und in diese Löcher werden Pflöcke hineingetrieben: dann wird das Brettchen im Erdboden befestigt und der angehende Zahnarzt muß mit Daumen und Zeigefinger der Rechten die Pflöcke einen nach dem anderen herausziehen, ohne daß er das Brettchen im geringsten erschüttern darf. Diese Uebung wird erst mit Tannenholz, dann mit Eichenholz und schließ­lich mit einem Brettchen aus noch härterem Holz wiederholt, und jedesmal werden die Pflöcke fester binemgetrieben. Sobald der junge Arzt die letzte Station auf diesem Wege siegreich bestanden hat, ist er für die Ausübung seines Berufes am leben­digen Menschen reif.

Dörfern Fälle bekannt geworden, in denen Pferde verendeten. Neben der Hitze mag auch der Futter­mangel mitfprechen, wodurch zu vieles frisches Heu verfüttert werden mußte, das bekanntlich für die Pferde sehr schädlich ist. — Die Wasserkräfte der Bracht bei Hitzkirchen int Kreise Gelnhausen sind für den Betrieb einer Elektrizitäts-U eber - landzentrale für den südlichen Vogelsberg in Aussicht genommen. Das Werk, das noch viele Gegnerschaft findet, soll von den Raiffeisenvereinen der interessierten Gemeinden übernommen werden.

* Alsfeld, 2. August 1911. Die landespolizei­liche Prüfung zum Bahnbau Alsfeld-Elfa- Riederaula fand dieser Tage statt. Die Aus­führung der Bahn soll bald in die Wege geleitet werden.

* Erfurt, 3. Aug. 1911. In diesen Tagen haben hier zwei Männer versucht, für ein angebliches Blin­de nkonzert Beträge zu sammeln. Sie schrieben m ein Buch Namen dortiger Familien ein und ver­merkten dahinter irgendeinen Betrag. Dadurch soll­ten andere Familien veranlaßt werden, ebensoviel zu geben. Als in einem Haufe die Angelegenheit, bei der natürlich der Wohltättgkeit keine Schranken ge­letzt waren, näher unterstlcht werdm sollte, ver­schwanden die Beiben Schwindler schleunigst unter Zurücklassung ihres „Gabenverzeichnisses". Im­mer wieder muß darauf aufmerksam gemacht werden, daß es zu einer Kollekte eines polizeilichen Erlaub­nisscheines bedarf, den der Sammler stets Bei sich zu fichren und auf Verlangen vorzuzeigen hat.

* Gotha, 3. Aug. 1911. Als gestern morgen kurz nach 4 Uhr der Militärflieger Leutnant v. Thüna mit seinem Passagier die Rückfahrt nach Döberitz an­treten wollte, stürzte der Apparat kurz nach dem Aufstieg a B. Die beiden Flieger, die in ein Ha­ferfeld fielen, erlitten nur unbedeutende Verletzungen, wahrend der Apparat so beschädigt ist, daß der Rück­flug auf gegeben werden mußte.

Amt Geisa und Umgebung.

* Heimboldshausen, 3. Aug. 1911. Vorgestern abend entstand zwischen hier und Lengers an der Bahnböschung ein Brand, der wahrscheinlich durch Funkenauswurf eines vorbeifahrenden Eifenbahn­zuges entstanden ist. Nur dem schnellen Eingreifen der Feuerwehr von Heimboldshausen ist es zu ver­danken, daß der angrenzende Wald verscbout blieb.

* Dietlas, 3. Aug. 1911. In der Nacht zum Montag wurde in die Wirtschaft des Gasthofes „Zum Schloß" hier eingeb rochen und eine ganze Menge Warm sowie auch eine Anzahl Hühner gestohlen.

* Salziingel», 2. August 1911. Bei den <ohr- versuchen der Gewerkschaft Johann Wolfgang- Hannover, die bekanntlich in der Nähe von Unter­rohn betrieben werden, wurde in einer Tiefe von 145 Metern abbauwürdiges Steinsalz ge­funden. Es wird schon in aller Kürze in der Un'etroBner Flur ein zweiter Bohrturm errichtet.

* Aus Thüringen, 3. Aug. 1911. Die M e h- g_er in Saalfeld hatten' den Bewohnern der Stadt öffentlich vorgerechnet, daß beim Verkauf von Schweinefleisch 12y2 Pfg. am Pfund verloren wer­den. Gute Seelen regen nun an, eine Sammlung zu veranstalten, um die notleidenden Metzger vor dem Untergang zu retten. — In den Schachtlöchern am Bahnhof Langenberg ist infolge der anhaltenden Dürre ein großes F i s ch st e r b e n eingetreten. Die verwesenden Fischleichen verpesten die Luft. — Mit Rücksicht auf ote große Hitze ist die Arbeitszeit in der Glashütte „Friedrichswerk" in Schleu­singen von früh %2 bis mittag 12 Uhr verlegt worden. Die an den glühenden Glasöfen arbeiten­den Glasmacher werden also nur in den kühleren Nacht- und Vormittagsstunden tätig fein. — Am Mittwoch früh nm halb 5 Uhr stürzte in K o b u r g aus dem 3. Stockwerk seiner Wohnung der Kanzlei­inspektor a. D. Lindner auf die Straße; er war sofort tot. Es liegt wahrscheinlich ein Unglücksfall vor. — Verhaftet und dem Königlichen Amtsgericht in Zeitz zugeführt wurden der Rentier Gröschel nebst Ehefrau und 24jährigen Sohn aus Theißen int ikreise Weißenfels. Die gutsituiterteu Leute stehen im Verdacht, ihren Pächter, den Bäckermeister Otto, seit zwei Jahren derart bestohlen zu haben, daß über sein Geschäft der Konkurs verhängt werden mußte. Selbst den letzten Sack Futtermehl stahlen sie dem armen Pächter, um ihre 14 Schweine damit zu füttern.

Ans Gberhessen u. -en Hess. Aemtern.

* Marburg, 3. Aug. 1911. Professor Dr. Fer­dinand Sauerbruch. Ordinarius und Direttor bet chirurgischen Klinik in Zürich, früher in Mar­burg, hat einen Ruf als Nachfolger von Prof. E. P.'yr nach Königsberg erhalten. — In der Bahnhof- mtd Elisabcchstraße ist heute mit den VemiessungS- -irbeilen für die demnächst stattfindende Verlegung der Geleise der elektrischen Straßenbahn begonnen worden.

* Kirchhain, 2. Aug. 1911. Bei der gestern abge- tzaltenen FohlenmarkVsvtterie erhielt den tiften Preis, einen kompletten Einspänner, die Stadt Kirchhain, ben zweiten Preis, ein dunkelbraunes Foh- Ten, Landwirt Leonhard Feldpausch Niederstem, den dritten Preis, einen Rotschimmel, Spenglermeister Leonhard Lecher, Kirchhain.

* Frankenberg, 1. Aug. 1911. Mit Rücksicht auf b<e Gefahr der Weiterverbreitung der Maul- und Klauenseuche sind die für die Monate August und September im Kreise Frankenberg anstehenden Vieh­märkte unterlagt worden.

* Frankenberg, 3. Äug. 1911. Dem Lehrer und Kantor a. D. Braun zu Geismar ist der Adler der Inhaber des königlichen Hausordeus von Hobemollern allerhöchst »erheben worden.

* Böhl, 3. Aug. 1911. Die hiesige Wasser- 1 e i i u n g liefert trotz der g.ofcu Trockenheit Wasser im Iflberfluß. Bau« und Unterha'tnngskosten stad gegen übet dieser fegenspendenden Anlage nicht zu hock; die Baukosten haben 38 800 Mark betragen und vie Unterhaltungskosten belaufen sich auf zirka 1400 Mark, welche durch ÜLaflergeid aufgebracht weiden.

* Ziegenhain, 1. Aug. 1911. Vom Regierungs­präsidenten ist mit Rücksicht auf die Gefahr her Weiter- herbreiiung der Maul- und Klauenseuche die Abhal­tung ber für feie Monate August und September im

Streik Ziegenhain vorgesehenen Viehmärkte und viehmarttähnlichen Veranstaltungen untersagt worden.

vermischtes.

, * «keine statt Gold. Die Petersburger Polizei­behörden sind wieder einem neuen Riefenschwindel anf die Spur gekommen. Die russische Staatsbank übersandte vor einiger Zeit eine halbe Million Ru­bel in Papiergeld und Gold nach chrer Filiale in Chabarowsk. Das Geld war in Gegenwart höherer Beamten vorschriftsmäßig in Ledersäcken verpackt und versiegelt worden. Bei der Ankunft der Geld­sendung in Chabarowsk fand die Filiale nur Pa­pierschnitzel und Steine in den Geldsäcken vor. Der Täter ist bis jetzt noch nicht entdeckt, obgleich der Finanzminister 50 000 Rubel auf seine Ent­deckung ausgesetzt hat. Jedenfalls haben Beamte die Säcke geöffnet und das Geld entfernt.

* Neun Stunden in einer Gletscherspalte. Ein Böses Reiseabenteuer erlebte am Sonntag ein Kauf­mann aus Chiasso. Er hatte von Zürich aus mit zwei Bekannten eine Tour nach dem 3406 Meter hohen Rheinwaldhorn unternommen; auf dem Rückweg brach er durch die dünne Schneedecke plötz­lich ein und versank in die Tiefe. Seine Begleiter, die ihn angefeilt hatten, bemühten sich zwei Stunden lang vergeblich, ihn herauszuziehen. -Sie mußten den Verunglückten schließlich zehn Meter tiefer hin­ablassen auf einen Eisvorsprung, der ihm Platz zum Stehen bot. Dann brach einer der Touristen nach der vier Stunden entfernten Zapporthütte auf, wo er den Führer Gredig mit einer Karawane an­traf. Gredig und ein Tourist machten sich sofort auf den Weg, indem sie den Spuren im Schnee folgten, da ber Hilfesuchende zu erschöpft war, um den Weg selbst zeigen zu können. Sie trafen nachts gegen elf Uhr bei der Einbruchstelle ein. Der im Eisschlunde Verunglückte war völlig durchnäßt und halb erfroren. Er lebte aber noch und konnte nach vierstündiger Arbeit geborgen werden. Trotz der ge­fährlichen Lage, in der er sich befand, hatte er nur geringfügige Verletzungen erlitten.

* Tragödie beim Gartenfest. In der Nähe von G a t s ch i n a verübte der russische Offizier Weri­gin unter eigenartigen Umständen Selbstmord. Er fchickte feinen Freunden und Bekannten gedruckte Ein­ladungskarten zu einem Gartenfeste, zu dem er ein besonders wichtiges Ereignis seines Lebens in Aus­sicht stellte. Das Fest verlief äußerst animiert. Weri­gin übertraf sich selbst an Heiterkeit und Humor. Um 11 Uhr abends, nachdem ein großes Feuerwerk abgebrannt war, intonierte das Militärorchester eine luftige Walzerweise. Dann bestieg Werigin den Bal­kon seiner Villa und hielt eine Ansprache an seine Freunde, in feer er betonte, daß er während seines Lebens eine Unmenge Fehler begangen habe. Jetzt werde er keine Fehler mehr machen. Sprach's und tagte sich eine Kugel durch den Kopf, ehe seine Freunde ihn daran hindern konnten. Der Tod trat auf ber Stelle ein.

Literarischer.

Tie Heilung der gichtisch-rheumatischen Erkrankungen gemäß der erfolgreichst bewährten Methode des Dr. med. M. I. Sittel in Franzensbad. — Verlag von Kleine u. Stapf, Berlin W. 15. Preis geheftet 3.50 Mark.

Der Verfasser, welcher lange und schwer an dieser Kiantheit gelitten und sie eingehend studiert hat, führt in dem Buche aus, wie durch die Forschungen von Dr. Kittel nunmehr festgestellt worden ist, daß die Veran- kaffungsursache dieser Erkrankungen in Zirkulations­störungen besteht: fast ausnahmslos sind es Erkältungen, üisbesondere Durchnässungen und plötzliche Abkühlung nach Schwetßbildung, welche die Grundbedingung für die Entstehung der Krankheit herbeiführen. Solcherart bilden sich nekrotische Herde, in welchen sich schleichend die Urate ablagern, welche mit der Erhärtung und Kristallbildung die Entzündungen, Mißbildungen, Ge­lenke re. verursachen. Durch die Einschnürung von Nerven entstehen rasende Nervenschmerzen; die Behinde­rung des arteriellen und venösen Blutstromes verursacht Fußwunden, welche bei ber üblichen Behandlung un­heilbar sind und bereits oft zu unnötigem Amputieren der erkrankten Gliedmaßen führten. So manche rätsel­hafte, unheilbare Erkrankung der Brustorgane und deS Magens, Kreuzschmerzen tc. sind durch die leicht fest­stellbaren Uratablagerungen jetzt sicher zu erkennen und leicht zu heilen. Zur vollen HeÜung gemäß der Methode des Dr. Kittel bedarf es keiner Medikamente, sondern der Beheirschnug einer ganz vorzüglich wirkenden thera­peutischen Technik. Die volle Heilung kann in den aller­meisten Fällen innerhalb weniger Wochen — zumeist in etwa 4 Wochen erreicht werden, und zwar neuerdings saft völlig schmerzfiei.

Haudcl und Industrie.

* Berlin, 3. Aug. 1911. Die heutige Börse eröffnete in ziemlich fester Stimmung. Am Montan­markte waren Knrsverbesserungen bis zu 0,5 Pro­zent z0 verzeichnen. Bankaktien fttll; auch Eleklri- zitatsattien zeigten keine wesentlichen Veränderungen.

Märkte.

* Kirchhain, 2. Aug. 1911. Gestern vormittag and hier der 2. diesjährige Fohlenmarkt mit Prämiierung und Verlosung statt. Prämiiert wurden ein- und zweijährige Fohlen des: 1. Wilh. Müller- Groseelheim, 2. derselbe, 3. Konrad Bingel-Kirchhain, 4. Heinrich Feußner-Rüdigheim, 5. Anton Lccher-Himmelsderg, 6. Bürgermeister Stöcker- Schweinsberg, 7. Bürgermeister Gnau-Stause­bach. Can Pohlen d.s: 1. H. Emmerich-Anzefahr 2. Komad Raß-Kirchhain, 3. Konrad Becker-Berns­dorf, 4. H. Emmerich-Anzefahr, 5. Theodor Fischer- Niederllein, 6. Konrad Löbcr-Großseelheim, 7. Konr. Schmitt-Allendorf, 8. H. Prediger-Kirchhain, 9. I. G. Estor-Schweinsbeig, 10. H. Tobelander-Groß- seelhcim, 11. Ludwig Werner-Rüddingshansen.

Sidlamru- und Anzeigenteil.

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jfl Kalb, Sohn, Bottennarkt 5.