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• Vuldaer

Zeitung

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Ge-

Amt Geisa und Umgebung.

* Ostheim, a. d. Rhön, 2. Aug. 1911. Der

„Es ist in jener Gegend üblich, daß, wenn man einen Meineid geschworen oder einen Brand gelegt Ijot, den lieben Gott als Zeugen anruft, daß man es nicht gerne getan Kat. Wie irgend jemand wo anders eine Beleidigung durch ein- Ohrfeige sühnt, so zündet man in Königshofen des Beleidigers Haus an, und ruft, wie dort üblich, den lieben Gott an. Die Brand- stifinngen in Königshofen seien geschickt arrangiert ge­wesen. Bei acht großen Bränden fei fein Stück Vieh umgelommen, und stets fanden sich Zeugen, welche anssagten, daß der Hauptverdächtige im Bett gelegen habe."

Diese ungeheuerliche Anrempelung von amtlicher Stelle aus beantworteten die Katholiken von Königs­hosen mit einer imposanten Protestversammlung. Man nahm eine Resolution an, in der aufs schärfste Einspruch erhoben wird gegen die den Katholiken itnb den katholischen Staatsbürgern angetane Schmach, und in der ein Einschreiten der Regierung verlangt wird. Dieses Verlangen können wir nur mit aller Entschiedenheit unterstützen. Bezeichnend ist, daß die liberale Presse den Protest der Katho­liken verhöhnt — die gleiche Presse, die dem katho­lischen Staatsanwalt, der sich ähnliche Ausfälle etwa gegen Protestanten oder vor allem Inden er­laubt hätte, mit tausend Scheiterhaufen zu Leibe gerückt wäre.

* Frankfurt a. M., 2. Aug. 1911. Nach dem Borbilde anderer Städte ist auch hier ein Eini­gungsamt für Mietsstreitigkeiten ins I Leben gerufen worden. Es sollen vorläufig nur kleinere Streitigkeiten, z. B. Differenzen aus den Hausordnungen, oder über Reparaturen usw., vor- I getragen werden, aber wenn es gelingt, eine größere I Anzahl von solchen Klagen von den Gerichtssälen fern zu halten, und das Streitverfahren nahezu I kostenlos zu gestalten, so ist schon allein dadurch der I Allgemeinheit ein großer Dienst geleistet, und es ist zu erwarten, daß später einmal das Einigungsamt auch in wichtigeren Fällen von solchen Personen I angerufen wird, denen Gerichtsverhandlungen an I sich, sowie ihre Umständlichkeit und ihre Kosten, zu- I wider sind. Das Einigungsamt wird am 15. Sep­tember seine Tätigkeit beginnen. Es tagt in der Be­setzung von drei Mitgliedern, und zwar dem Vor­sitzenden und zwei Beisitzern. Der Vorsitzende wie der stellvertretende Vorsitzende, sind beamtete Staats­richter. Von den Beisitzern wird der eine stets vom Mieterschutzverein und der andere von den Haus­besitzervereinen delegiert.

* Kasstl, 2. August 1911. Der Nestor der Kasseler Musiker, Herr Frödoric Tivendell, ist gestern im hohen Alter von 86 Jahren aus dem Seren geschieden. Tivendell, ein gebotener Eng­länder, lebte seit 58 Jahren in unserer Stadt, wo er als Klavierlehrer und Komponist in hervor­ragender Weise gewirkt hat. Unter größtem Bei­fall trat er in den großen Hoftheaterkonzerten auf. Hauptsächlich war aber sein Zusammenspiel mit Altmeister Spohr und Bott berühmt. Unter seinen veröffentlichten Kompositionen, welche sämtlich den durchgeoildeten Musiker bekunden, sind vor allem seine trefflichen „Etodcn" zu nennen.

* Eschwege, 1. Aug. 1911. Das Befinden der Opfer des Automobil-Unglücks bei Sooden ist zum Teil noch recht besorgniserregend. Frau Grabau scheint eine schwere Gehirnerschütte­rung erlitten zu chaber^ denn die Bewußtlosigkeit

Dörfler in seinem Jagdrevier Merkers. Außer ein« stattlichen Sechserbock erlegte er eine Wildkatze von 1 Meter Länge.

dem die Steuerung herbeigeführt, Gefangene auch zur ] gemeine Lohnerhöhung vom 1. April 1912 aus Erntearbeit zu verwenden. Voraussetzung ist >bereit erklären.

die Bescheinigung des Gemeinde- oder Ortsvorstehers, daß es nicht möglich war, freie Arbeiter zu bekommen, und auch die Militärbehörden es hn dienstlichen In­teresse ablehnen mußten, Soldaten zur Erntezeit zu beurlauben. In Bettacht kommen natürlich nur kolche Gefangene, die nur noch eine kurze Strafzeit vor sich haben, sich bisher tadellos führten und zu der Feldarbeit freiwillig melden.

* Der katholische Sohn eines großen Protestanten. In der „Osnabrücker Ztg." lesen wir: „In der ka­tholisch-rheologischen Fakultät zu Breslau habilitierte sich für das Fach der Moraltheologie Dr. theol. et vhil. Friedrich Wagner mit einer Vorlesung über „Die Willensfreiheit und ihre Hemmnisse". Dr. Wagner ist 1867 als Sohn des bekannten protestantt- tchen Professors der Nationalökonomie an der Ber­liner Universität, Exzellenz Adolf Wagner, geboren und hatte zuerst Philosophie und Kunstwiffen- ichaft studiert. Nach seiner Promotion war er eine Zeitlang als Museumsassistent tätig, dann trat erzur katholischen Kirche über und studierte in Freiburg i. Br. Theologie. Gegenwärtig ist er Bene- Wat der kurfürstlichen Kapelle an der Domkirche zu Breslau.

Aus Gberheffen u. den Hess. Remter»

* Marburg, 2. Aug. 1911. Der Breslauer Uni oerfuat ist von der hiesigen zu ihrem Hundertfahl! Jubtlaum eme Glückwunsch.Adresse misgestelk worden, die von dem hiesigen Rektor, Prof. Budde heute m Breslau überreicht wird. — Die Straf kamm-r verurteilte einen 18jährigen, mehrfach vov bestraften F ü r s o r g e z ö g l r n g, der einem Schreine» meuter m Höringhausen, bei dem er als Geselle ge arbeitet, 30 Mark und versä iedene Gebrauchsgeaen. stände gestohlen hatte, zu zwei Monaten Gefängnis — Auch in der Lahn herrscht ein großes Fischsterben, das zweifellos ans den niedrigen Wassern and zurück- zusühren ist.

* Kirchhain, 2. Ang. 1911. Mit Rücksicht auf die Gefahr der Wetterverbrettung der Maul- und Klauenseuche werden die im Kresse Kirchhain fü, die Monate August und September d. I. anstehenden Viehmärkte mit Ausnahme der Schweinemärkti veterinärpolizeilich untersagt.

* Schöustadt, 2. Ang. 1911. In der Marburger Klinik fand ein fünfjähriges Kind Aufnahme, das hier von einem Wagen überfahren und schwer verletzt worden war.

* Caßdorf, 1. Aug. 1911. Die Dienstmagd des Landwirts Pfeiffer hier erlitt nach beendeter Tages­arbeit auf dem Hofe ihres Dienstherrn am Samstag einen H i tz s ch l a g, fiel plötzlichch ohnmächtig zusam­men und starb trotz alsbaldiger ärztlicher Hilfe ge­stern stüh.

△ Elmshausen, 2. August 1911. Schwer ver­letzt wurde in der Nähe unfere§ Ortes ein fremder junger Mann anfgesunden. Sein Rad lag neben ihm. In der Klinik zu Marburg ist er gestern früh gestorben. Wahrscheinlich liegt ein Unfall vor.

Mau denke nur anBreslan; dort hat seiner­zeit der Hansabund im Bunde mit der Sozialdemo­kratie und dem Freisinn verhindert, daß ein Handwerker, der Schornsteinfegermeister Con­radi, in das preußische Abgeordnetenhaus gewählt wurde. War das etwa handwerkerfreundlich? Nun wird man uns einwenden, der Hansabund hätte die Kandidatur Conradi nicht unterstützen können, weil Herr Conradt vom Zentrum und den Konservativen aufgestellt gewesen sei. Ja warum denn nicht? Will der Hansabund wirklich handwerkerfreundlich sein, dann muß er auch jede Gelegenheit, die sich ihm bietet, das Handwerk zu fördern, benutzen. Und eine solche Gelegenheit war seinerzeit die Landtags­wahl in Breslau. - Wenn es dem Hansabund wirk­lich mit der Förderung des Handwerks ernst ge­wesen Iväre, dann hätte er dafür gesorgt, daß ein Handwerksmann in das preußische Abgeordneten­haus gewählt worden wäre. Dann hätte er wenig­stens etwas anfzittveisen, ivomit er dem Handwerk ge­witzt hätte . Aber was tat er statt dessen? Er ver­half dem Freisinnsmann, Dr. Ehlers, zum Sieg, also einem Angehörigen derjenigen Partei, die noch niemals auch nur einen Finger für das Handwerk gerührt hat, die im Gegenteil geradezu handwerker- feindlich ist. Und so hat sich der Hansabund bei allen Wahlen stets fiir den Freisinn eingesetzt und ihm mit seinem Gelde alle nur erdenklichen Förderungen angedeihen lasten. Mit dem Gelde also, zu dem auch , die im Hansabund vertretenen Handwerker beige­steuert haben, wird der schärfste Gegner des Hand­werks, der Freisinn unterstützt. Diese Tatsache sollte denn doch wirklich jedem Handwerksmann die Augen über den wahren Charakter des Hansabundes öffnen.

tncinberat will der Großherzoglichen Regiemng in Weimar dahin vorstellig werden, das Ministerium möge bei der bayerifchen Regierung in Weimar dahin wirken, daß sämtliche Sonntagsmärkke in Bayern bezw. Unterfranken a b g e s ch a f f t werden.

* Kaltennordheim, 2. Aug. 1911. Der neue Lei- ter des hiestgen P o st a m t s, Postverwalter Hobert, bat gestern sein Ami angetreten. Es ist dies der erste Wechsel in der Leitung der Postamtsgeschäfte seit 1863.

* Tiefenort, 2. Ang. 1911. Wie sehr die lange Trockenheit der Kultur hier wie anderwärts ge­schadet, zeigen eine Anzahl Obstbäume, die an der Lengsselder Chausse bei der Zeche hier stehen, die gänzlich entblättert, aber noch mit Obst be­hangen sind.

* Dorndorf, 2. Aug. 1911. Von seltenem Jagdglück begünstigt wurde Herr Bürgermeister

Handel und Industrie.

* Berlin, 2. Aug. 1911. An der heutigen Börse etzten die Kurse ihre rückläufige Bewegung fort.' Montanaktien sanken 0,5 bis 1,5 Prozent. Bank«' attien lagen sehr still. Schiffahrtsaktien gaben um Bruchteile eines Prozentes nach.

M 115.

vonnerstaz den 3. August IM

58. Jahrgang.

# Karlsruhe, 2. Aug. 1911. Wie mehrere Blät- ter melden, erlaubte sich der Moosbacher Staats­anwalt Krauß während eines Prozesses schier un­glaubliche und rohe Ausfälle gegen die katholischen Bewohner des badischen Frankenlandes, klärte u. a.:

vermischtes.

* Drucksachen nicht ungelesen in den Papierkort werfen! Der „Papierzeitung" ist von einem Papier­fabrikanten folgendes zur Erörterung zugegangen. Derselbe hatte nach Angabe eines Rechtsanwalts von diesem mit der Post eine mit 3 Pfg. frankierte Druck­sache erhalten, worin mitgeteilt wurde, daß der Rechts­anwalt annähme, der Empfänger stimme dem Ver­gleich in einer Konkurssache bei, falls er nichts Gegen­teiliges schreibe. Der Papierwarenfabrikant weiß nicht, ob er diese Drucksache erhalten hak, keinesfalls hat er sie gelesen. Nun wurde ihm m einem Prozeß, der infolge der erwähnten Konkursangelegenheit ent­standen ist, der Eid darüber zugeschoben, ob er diese Drucksache „in Händen gehabt" habe. Er be­schwere sich gegen diese Form des Eides, da es im Geschäftslebeu vielfach vorkomme, daß man keine Zeit hat, alle Drucksachen zu lesen, und sie in ben Papier- kvrb wirst. Er sei dagegen gern bereit zu beeiden, daß er von dem Inhalt der erwähnten Drucksache keine Kenntnis erhalten habe. Das Gericht lehnte diese Art der Eidesleistung ab und blieb beim ur­sprünglichen Wortlaut,- infolgedessen konnte der Pa­vierwarenfabrikant den Eid nicht leiften und verlor ben Prozeß. — Dieser Fall ermahnt ,eingehende Drucksachen nicht ohne weiteres dem Papierkorb zu übergeben.

* Beim Spielen mit einem Tesching hat in 91 e u- hofm Posen ein 13jähriger Ansiedlerssohn die 15- lahrige Tochter eines anderen Ansiedlers erschos­sen.

* Zwei jugendliche Buchhalter von der Norddeut- chen Kreditanstalt in Königsberg fälschten eine Zahlungsanweisung über 42 000 M und hoben darauf bei der Filiale Stettin 28 000 M ab. Die beiden Betrüger,' die flott lebte» und ständige Besucher der Rennbahn waren, sind flüchtig.

dauert, von einigen kurzen Unterbrechungen abgesehen, j noch immer an. Auch die Verletzungen des Sena­tors Grabau sind sehr schwerer Natur, und es ist zweifelhaft, ob das verletzte Bein wird erhalten blei­ben können.

* Aus Franken, 2. Aug. 1911. Die Maul- und Klauenseuche hat während der letzten 8 Tage eine weitere Ausdehnung genommen. Im ganzen sind in Bayern 5110 Gehöfte verseucht. — Ein anspruchsvoller Handwerksbur­sche wurde in Lohr verhaftet, der beim Betteln be­troffen wurde und den Einwohnern Vorschriften über die gewünschten Gaben machte. Unter 5 Pfennig nahm er nicht an. Brot und sonstige Speisen lehnte er ab. — Ein Mädchen von Aura int Sinngrund, das in der Gegend von Mainz bet der Kornernte be­schäftigt war, wurde dort vom H i tz s ch l a g e ge­troffen. — Einen Hitzschlag, der seinem Leben eilt sofortiges Ende machte, erlitt in Alzenau in seiner Wohnung der Kgl. Bezirksarzt a. D. Dr. Joseph Gernand. — Der Schaden, den das letzte Unwetter in Erlarunn in den Weinbergen allein anrich­tete, beläuft sich auf mindestens 150 000 M.

2. Blatt.

vruck und Verlag der zuldaer »etteudruckere» in Znlda.

Renes vom Blitz.

Im Jahre 1752 erfand Benjamin Franklin den Blitzableiter und damals fetzten die Unter-- fuchungen und Forschungen über den Blitz sehr energisch in allen Ländern der Erde ein. Viel Be­deutsames haben sie im Grunde genommen nicht zutage gefördert, und als man gar von den vielen tödlichen Unglücksfällen hörte, die bei den da­maligen noch recht mangelhaften UttierfuchmtgS- methoden nicht ausbleiben konnten, da ließ das Interesse bald wieder nach. Fast über ein Jahr­hundert lang ist dann alles beim alten geblieben: unser Wissen hat sich nicht vermehrt und die Blitz­ableiter haben ihre Form kaum verändert. Erst seit ganz kurzer Zett hat man die Forschungen über die Blitze und ihre Eigenart wieder von neuem und mit großer Energie ausgenommen und es wurde durch sie innerhalb eines verhältnismäßig geringen Zeitraumes eine Reihe neuer, bemerkenswerter und höchst interessanter Tatsachen zutage gefördert.

Daß man sich plötzlich und fo intensiv diesen Untersuchungen zuwandte, hat eine eigenartige Ur» suche. Die Feuerversicherungsgefellschasten waren es, die an den Summen, die sie für die durch Blitz» fchläge verursachten Brände zu zahlen hatten, zu- erst und am deutlichsten bemerkten, daß die Zahl oer einschlagenden Blitze im Steigen begriffen ist. Daraufhin hat man sich auch von feiten der Wissen-

>nit dieser merkwürdigen Erscheinung näher be.aßt, und es ergab sich, daß die B 1 i tz g e f a h r in t>er Aat fortwährend junimmt. Nach den

• Abstellungen wird — außer der nicht un­beträchtlichen Zahl von Todesfällen — durch den Blitz alljährlich ein durchschnittlicher Schaden an Gebäuden im Betrage von zwölf Millionen Mark angerichtet. Um einen vergleichenden Maßstab für die Zahl der schadenbringenden Blitzschläge zu er­halten, hat Dr. Steffens festgestellt, wie viel Blitz­schläge alljährlich je eine Million Gebäude eines Landes treffen. Er zog einen Zeitraum von fünfzig Jahren in den Kreis seiner Betrachtungen und fand hierbei die ebenso merkwürdige wie interessante

Ventsches Netch-

) ( Gefangene als Landarbeiter. Im vorigen Jahre hatte man den Versuch gemacht, Ge fange ne zur Frühjahrsbestellung auf dem Lande zu ver­wenden, sofern die Landbesitzer sich verpflichteien, die Kosten für das erforderliche Aussichtspersonal zu tra­gen und natürlich auch den ortsüblichen Tagelohn zu zahlen. In diesem Frühjahr sind viele Gefangene zur gleichen Arbeit herangezogen worden, und außer-

überhaupt nicht mit dem Blitze in Berührung ge­kommen war.

$a man, tote erwähnt, über die Kugelblitze nichts sicheres zu erfahren vermochte, so versuchte man, sie im Laboratorium auf künstlichem Wege zu er­zeugen. Bereits im Jahre 1878 hat der Physiker Plants durch besondere Versuche mit elektrischen Strömen von sehr hoher Spannung Erscheinungen hervorgerufen, die ben Kugelblitzen einigermaßen ähnelten. Besser als ihm gelang die künstliche Er­zeugung derartiger Blitze vor kurzem dem englischen Professor Throwbridge. Er lud einen sogenannten Kondensator, d. h. eine Kugel, auf deren Oberfläche die Elektrizität besonders stark verdichtet werden kann, und brachte bann beim Entloben desselben manchmal einen charakteristischen Kugelblitz zustande.

Wie wenig sorgfältig gerade bei derartigen Natur­phänomen, wie der Blitz eines ist, die Beobachtung erfolgt, davon kann man sich sehr leicht überzeugen. Man braucht nur irgend einen Bekannten zu fragen, welche Farbe der Blitz eigentlich hat. Dann wird man gewöhnlich die Antwort „schwefelgelb" zu hören bekommen, und zwar auch von Vertretern der Naturwissenschaften. Daß der Blitz schwefelgelb ist, hat sich nun einmal wie eine alte Tradition in der Vorstellung der Menfchhett sestgefetzt. Heber die chahre Farbe des Blitzes hat uns gleichfalls erst die jüngste Zeit Aufllärung verschafft. Sie ist, wie Professor Weiler feststellte, sehr verschieden und hängt von den in der Lust, durch die der Blitz hindurch­schlägt, fein verteilten unorganischen und organi­schen, meist mikroskopisch kleinen Bestandteilen ab. Diese Bestandteile werden durch ihn entweder vor», brannt und verleihen ihm seine Farbe oder sein Licht wird an ihren oft durchsichtigen Ecken und Kan­ten gebrochen und hierbei fo in feine Farben erlegt, daß eine bestimmte davon besonders stark hervortritt. Während eines in der Gegend von Stuttgart aufge»1 tretenen Gewiters wurden auffallend viel Blitze von roter Farbe beobachtet. Wie Professor Weiler nach­wies, rührt diese rote Farbe von ben in bet Luft schwebenben Kohlenteilchen her und es gelang ihm, die Fmckeu einer Elektrisiermaschine ebenfalls da-

Tatsache, daß die Blitzgefahr ganz regelmäßigen Schwarckungen unterworfen ist, und zwar nimmt sie in Abständen von elf Jahren je zweimal mtt großer Stärke ab und zu, fo daß also während des genann­ten Zeitraumes fünf Maxima und fünf Minima 5» verzeichnen sind. Da sich auch die Ab- und Zu­nahme der Sonnenflecke während eines Zeitraumes von elf Iahen in den gleichen Bahnen bewegt, so kann man Wohl annehmen, daß zwischen diesen Schwankungen der Sonnenflecken und denen der Blitzgefahr gewisse Beziehungen obwalten. Die den ^euerversicherungsgesellschaften zu ihrem Schrecken so sehr ausgefallene Zunahme der Blitzschäden wurde bet den wissenschaftlichen Forschungen ebenfalls be» Itaftgt. Während in dem Zeiträume von 1851 bis 1860 auf je eine Million Gebäude 89 Blitzschläge kommen, waren es von 1861 bis 1870 schon 116, von 1871 bis 1880 189, von 1881 bis 1890 254 und von 1891 bis 1900 bereits 318; int Verlaufe von 50 Jahren hat sich also die Zahl der Blitzschläge mehr als verdreifacht, ohne daß man bis jetzt trotz aller Untersuchungen und Forschungen auch nur eine davon hätte, welchen Ursachen diese merkwür­dige und besorgniserregende Tatsache zuzuschreiben fft. Immerhin ist trotz dieser Blitzschläge und trotz der, wie nicht geleugnet werden kamt, wachsenden Gefahr für den Einzlneu verhältnismäßig noch wenig zu fürchten, denn die Statistik der durch den Blitz verursachten Unglücksfälle und Tötungen ergibt die vorerst immerhin tröstliche Tatsache, daß in Preußen die Aussichten, vom Blitze getroffen zu werden, pro Person vorerst noch nicht viel größer sind als die, auf der Eienbahn zu verunglücken.

Wenn die Naturforscher auch die Ursache für die an Zahl ständig zunehmenden Blitzschläge nicht zu ermttteln vermochten, so hat chre emsige Arbeit doch eine ganz bedeutende Zahl sonstiger wichtiger und interessanter Tatsachen ans Licht ge­bracht. Nach einem auch schon feit mehr als 100 Jahren gemachten Vorschlag des französischen Phy­sikers Arago pflegen wir auch heute noch die Blitze in Zickzack-, Flächen- und Kugelblitze einzuteilen, ob­wohl diese Einteilung jeder ivissenschaftliche» Grund­

lage entbehrt. Während man nun sehr oft Gelegen­heit hat, Zickzack- und Flächenblitze zu beobachte», gehört der sogenannte Kugelblitz zu de» aller- feltenften Erscheinungen. Er ist fo selten, daß seine Existenz schon des öfteren in das Reich der Fabel verwiesen und immer wieder von neuem angezwei­felt wurde. Glücklicherweise gelang es vor Jahren einem Naturforscher, dem Professor Roche zu Autmr, einen derartigen Blitz zu beobachten, sodaß man die Existenz dieser Art von Blitzen jetzt »mso mehr als erwiesen ansehen kann, als der Blitz, um den es sich hier handelt, von einer ganzen Anzahl von Per­sonen gesehen wurde. Nach dem Bericht, den Roche an die Französische Akademie der Wissenschaften er­stattete, dauerte das Gewitter selbst etwa 30 Mmu> ten und schloß mit einem Kugelblitz. Dieser Blitz, der aus einer großen Feuerkugel bestand, die über die Straße gleichsam dahinflog und dann zuletzt mit einem starken Knall zerbarst, schob mehrere Personen beiseite, die ihm im Wege standen. Andere wieder erlitten durch ihn mehr ober minder starke Stöße an de» verschiedensten Körpetteilen. So wurde z. B. eine Person stark an der Nase gestoßen, eine andere am Arm, eine Schüler erlitt sogar eine län­ger als eine Stunde währende Lähmung des Armes, wieder andere Personen verspürte» nur eine unange­nehmes Prickeln und eine Person wurde ziemlich stark am Handgelenk verwundet. Einer Tatfache, die sich bei Beobachtung dieses Blitzes ergeben hat, muß eine besondere Wichtigkeit zugeschriebeu werden. Es hat sich nämlich gezeigt, daß die Blitzableiter ohne jede Wttkung auf Kugelblitze zu fein scheinen. Zu­fällig fuhr der Blitz etwa 30 Meter hinter dem Punkte, wo er zuerst beobachtet worden war, in das Ämtsgebäude der Unterpräfektur, und die durch ihn verursachte Erschütterung war im Innern des Hau ses überall deutlich zu verspüren. Das Gebäude war mit einem Blitzabliter versehen, der dann in üb­licher Weife wie jeder vom Blitz getroffene Abletter genau untersucht wurde. Diese Untersuchung för­derte aber merkwürdiger Weise das unerwartete Resultat zutage, daß sich der Blitzableiter als voll­ständig unversehtt erwies, sodaß er zweifelsohne

o Handwerk und Hansabund.

Tie politische Entwicklung des Hansabundes, die immer deutlicher zeigt, daß der Hansabund nichts anderes ist und fein will, alsp o 111 rf ch em Wahlverein des Links!,beralrsrnus, und wirtschaftlich die einseitrgste ^znteressen- bertretung des Großkapitals, läßt es berechttgt er­scheinen, noch einmal die Frage aufzuwerfen, ob es sich mit den Jntereffe» des Handwerkerstandes ver­einbaren läßt, daß noch fo manche Vertreter des Handwerks zur Fahne des Hansabundes schwören. Gewiß haben schon zahlreiche Handwerker gar bald erkannt, daß das Handwerk vom Hansaburrd nichts zu erwarten hat. Aber manche sind noch immer in dem Wahn befangen, daß dem Handwerk vom Hansa» bunt» Heil und Hilfe kommen werde.

Eigentlich unbegreiflich! An schönen Worten dem Handwerkerstand gegenüber hat es der Hansabund freilich nicht fehlen lassen und wenn dem Handwerk mit Redensatten zu helfen wäre, dann wäre es ge» tt>iß längst aus aller Not heraus; nur schade, daß den Worten nicht auch die Taten des Hansabundes gefolgt sind! Washatdennder Hansabund bisher für das Handwerk geleistet? Nichts, gar nichts. Oder will man etwa in dem Ausschreiben von Preisaufgaben eine solche Tat erblicken? Kann man wirklich int Ernst glauben, daß dem Handwerk mit der Lösung von Preisauf­gaben, wie dem Handwerk zu helfen ist, usw. gehol­fen wird? Sicher nicht! Und kein einsichtiger Hand­werker wird sich darüber täuschen taffen, daß man mit der vorn Hansabund beliebten Methode dem Handwerk keinerlei Nutzen erweist.

Aber darauf kommt es der Leitung des Hansa- bundes ja auch garnicht an, ihr liegt nur daran, toie dem Hanfabunde beigetretenen Handwerker über ben wahren Charakter des „Bundes für Handel, Gewerbe und Industrie" zu täuschen. Alles, was der Hansabund bisher an Taten anfzuweifen hat, ist unmittelbar oder mittelbar zum Schaden des Hand­werks gewesen.

Ans dem Nachbargebiete.

* Brückenau, 1. Aug. 1911. Das am letzten Samstag im Kursaale zu Brückenau für die Abge­brannten zu Platz gegebene Konzett brachte einen Erlös von 700 Mk. Der Prinzregent hat für die Abgebrannten 1200 Mk. gespendet.

* Hanau, 2. Aug. 1911. Gestern nachmittag hat ich der 40 Jahre alte Maschinenmeister Studtmund in der Küche seiner Wohnung am Dachfenster er» h a n g t. Studtmund hinterläßt eine Frau und drei noch unversorgte Kinder. Längere Krankheit und Arbeitslosigkeit sind der Grund zu dem Selbstmorde.

* Offenbach a. M., 1. August 1911. Die hie- igen Spenglergefellen sind in eine Lohn­bewegung eingetreten und streben den Abschluß eines Tarifvertrages mit verkürzter Arbeitszeit und Lohn­erhöhung an. Die Meisterschaft hat erklärt, daß sie die jetzige Zeit für die Schaffung eines Tarifvertra- ges für ungünstig hält, da Produktion und Ab­schlüsse festgelegt sind und daß die Inszenierung einer Lohnbewegung mitten in der Produktionszeit als einen Gewaltakt empfindet. Die Meister aber feien bereit, einen Tarifvertrag zu schaffe» und fchlage» die Zeit vom 1. November 1911 bis 1. Mai 1912 vor, in der diese Frage mit Gründlichkeit erledigt toerben könnte. Falls die Gesellen sich damit ein-1 verstanden erkläre», würden sie sich für eine all-1