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irauemmännerversammlung des Bundes der Land­wirte in Felsberg der Bauerngutsbesitzer Blum aus Lohre, Kreis Fritzlar, als Kandidat aufge­stellt. Die konservative Partei unterstützt diese Kandidatur.

----- Straßburg, 29. Juli 1911. Wegen Heraus­forderung zum Zweikampf wurden heute von der Strafkammer Polizei-Präsident Baumbach v. Kaimberg aus Metz und wegen Kartelltrazens Geh. Regierungsrat Freiherr v. Gemmingen-Hwrn- berg, Kreisbirektor von Straßburg-Land, zu je einem TagFestungshaft verurteilt. Baumbach v. Kaim­berg hatte bekanntlich im Juni dem Abg. Blumen­thal aus Kolmar wegen einer abfälligen Bemerkung des letzteren im Landesausschuß, die v. Kaimberg auf sich beziehen mußte, eine Forderung auf Pistolen überbringen lassen.

<-< München, 28. Juli 1911. Mtt allge­meiner Spannung hat man in katholischen Volks­kreisen die Anträge des Bayerischen Lehrer- Vereins für die kommende Hauptversammlung in Regensburg erwartet. Es war anzunehmen, daß die Angelegenheit „Episkopat und Bayer. Lehrerverein" in irgend einer Form diskutiert würde. Allein nach dem bisher veröffentlichten Antragsmaterial zu schließen, wird über die Sache nicht verhandelt werden. Schubert wird sich also wieder allein und unwidersprochen in seinem Hauptreferate über das Wirken des Bayerischen Lehrervereins in seiner bekannten Weise äußern können. Warum diese Zurückhaltung? Sie ist der Ausfluß einerseits einer gewissen Verlegenheit, anderseits jener klugen Taktik, welche alle Be­strebungen der konservativen Mitglieder des Ver­eins vereitelt. Es mag vielleicht aufsallen, daß letztere nicht in einem Antrag zur Sache Stellung genommen haben. Aber sie werden sich wohl von der Aussichtslosigkeit solchen Beginnens über­zeugt haben. So wird sich wahrscheinlich recht ungestört fortsetzen lassen, was auf der letzten Hauptversammlung begonnen wurde: die Radi­kalisierung des Hauptausschusses. Werden die konservativen Mitglieder imstande sein, das nach links gerichtete Steuer des LehrervereinS-Schiffchens zurückzudrehen?

Das Befinden des bayerischen Prinzregenten.

* München, 29. Juli 1911. Die offiziöse Korrespondenz Hoffmann meldet: Die in den letzten Tagen umlaufenden alarmierenden Nach­richten über das Befinden des Prinzregenten geben den unterzeichneten Leibärzten Anlaß zu folgender Erklärung:

Zu einer besonderen Sorge besieht keine Ber- anlasiung. Der Prinzregent leidet bei seinem hohen Alter unter der Einwirkung der anhaltenden abnormen Hitze, hat aber bisher seine Lebensgewohnheiten bei­behalten, nimmt die gewohnten Vorträge entgegen, er­ledigt die Regierungsgeschäfte und nimmt auch täglich Spazierfahrten. Der Appetit ist sehr gut, nur ist die Nachtruhe vielfach gestört. Es ist zu hoffen, daß mit dem Rückgang der hohen Temperatur auch die Er­müdungserscheinungen zurückgehen werden, gez. Dr. v. Angerer.

Ausland.

♦ Tas österreichische Abgeordnetenhaus hat am Samstag seine Sommertagung geschlossen. In der letzten Sitzung ist es rwch zu Lärmszenen ge- kommen. Ein Antrag über die Einfuhr argentinischen Fleisches wurde infolge eines Irrtums bei der Ab­stimmung für abgelehnt erklärt. Jnsolgedeffen erhob sich ein Sturm bei den Sozialdemokraten und anderen Städtevertretern; die Sitzung mußte abgebrochen werden, und die Obmännerkonferenz beschloß, den Fehler dadurch zu reparieren, daß ein neuer Antrag

Fulda, Montag den 31. Juli 1911.

17 2.

oi Der Berfassungskarnpf m Eng-

** land

bat dm kritischen Punkt überschritten und bewegt sich jetzt einer verhältnismäßig friedlichen L o- U Als $ vor 8 Tagm einige Dutzmd konservative Eiferer Herm Asquith im Unterhause niederzuschreien versuchten, schadeten sie ihrer Sache, aber nicht der feinigen Eine konservative Partei darf nicht in so­zialdemokratische Manieren fallen; wenn ein Teil^sich dazu hmreißen läßt, so ist es ein Zeichen der Zer­fahrenheit und Schwäche. Tatsächlich ist denn auch die Opposition in England gespalten. Die anerkann­ten Führer der beiden Häuser, Lord Lansdowne und Balfour, wollen angesichts des drohenden Peersschubs ben Kampf gegen das Vetogesetz aufgeben; auch Lord Rosebery, der die früher liberalen Elemente in der unionistischen Partei vertritt, ist der Meinung, daß es besser sei das Gesetz p a s s i e r e n zu lassen als es auf die Ernennung von 300 liberalen Peers ankommen zu lassm. Dageqm ist eine Anzahl von Lords, an­geblich gegen 50, zum rücksichtslosen W i d e r ft a n d e entschlossen, und ihre Taktik wird von etwa 301 kon­servativen Mitgliedern des Unterhauses leidenschaft­lich gebilligt und unterstützt.

Jede Nation hat in scharfen politischen Kämpfen ihre eigenen Sitten. Wenn z. B. in Preußen das verfassungsmäßige Recht des Herrenhauses besei­tigt werden sollte, so würde schwerlich die bloße Drohung mit einem Peersschub genügen, um die konservativen Mitglieder des Herrenhauses nachgiebig zu machen. Man würde die Sache als eine große Prinzipien- und Ehrmfrage behandeln; die Mehrheit würde sagen: Nur über unsere Leichen! Vor nahezu 40 Jahren ist es in Preußen noch zu einem Peers­schub gekommen, und zwar wegen einer verhältnis­mäßig kleinen Streitfrage, nämlich der Kreisord- u u n g, die mit den alten, unhaltbaren pattimoniaien Vorrechten der Rittergüter aufräumen wollte Die Mehrheit des preußischen Herrenhauses ließ sich auch von dem gewaltigen Bismarck nicht bangemachen. Er mußte erst gegen 60 „neue Herren" in das Haus schicken, ehe er seine Kreisordnung durchbringen konnte.

Das war prinzipienfest; aber ob es klug war, ist eine andere Frage. Der Peersschub kam dem Fürsten Bismarck sehr gelegen. Er bekam da­durch in dem früher konservativen Hause eine getreue Mehrheit, die ihm auch in dm Kulturkampf und auf andere liberalisierende Wege ge­horsam folgte. Hätten die konservativen Herrenhäus­ler di: unhaltbare Opposition gegen die Kreisord- nung rechtzeitig aufgegeben und so den Charakter des Hauses gerettet, so hätten sie in den folgenden Jahren dec konservativen und christlichen Sacke viel mehr Vorschub leisten können.

Tie englischen Konservattven legen nun ge­rade auf diesen Zukunftswert, auf die Er­haltung eines Oberhauses mit konservativer Mehrheit, das entscheidenoe Gewicht. Sie sagen sich: Wenn erst das Oberhaus eine liberale Mehrheit hat, so ist der Hemmschuh gegen den Radi­kalismus vollständig ausgeschaltet; aber solange noch die konservative Mehrheit des Oberhauses be­steht, haben wir wenigstens die Möglichkeit, die Ent­scheidung über anstößige Gesetze auf zwei Jahre hmauszuschieben. Innerhalb zweier Jahre kann man­ches passieren, und in vielen Fällen wird schon die bloße Drohung mit dem verzögernden Veto die liberale Regierung veranlaffen, uns Zugeständnisse zu machen!

Aus diesem Gedankmgwige kommt die große Mehr­zahl der konservativen Lords und der unionistischen Abgeordneten zu dem Entschluffe, in ben saueren Apfel des Vetogesetzes zu beißen.

Vielleicht spielt dabei auch die Erkenntnis mit, daß die konservative Partei wenig Aussichten hat, die Mehrheit im Unterhause wieder zu erreichen.

so daß die Mehrheit im O b e r h a u s e ihre letzte Re1 ferbe bedeutet. Die Schutzzollparole hat bei den letzten Wahlm in England durchaus versagt. Im deutschen Reiche ist der Schutzzoll ein sehr wertvolles Hilfsmittel für die rechtsstehenden Parteien. Eng­land aber, die Handelsnatton, ist an den Freihandel gewöhnt und auf ihn eingerichtet.

Eines schickt sich nicht für alle. Die Engländer mögen ihre Angelegenheiten nach ihrer Art erledigen. Wenn sie nur In unsere Angelegenheiten nicht hineinredenl

Deutsches Reich.

** Die Marokko-Affäre.

Der Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg und der Staatssekretär des Auswärtigen, v. Kid er- len-Wächter, haben sich am Samstag znm.Vor- trag beim Kaiser nach Swinemünde begeben. Man hat abzuwarten» wie sich nach diesen Swine­münder Beratungen die Dinge gestalten werden. Dorthin ist für diesen Augenblick der Schwerpunkt verlegt. Das fühlt man auch in Frankreich, nicht minder in England, wo man, gleichwie in Deutsch­land, in diesem Momente behutsame Zurückhaltung übt. Die Verhandlungen in Berlin werden voraus­sichtlich Dienstag fortgesetzt, wenn v. Kiderlen- Wächter aus Swinemünde zurückgekehrt sein und den Willen des Kaisers kennen gelernt haben wird.

** Berlin, 30. Juli 1911. Der Kaiser ist am Freitag von seiner Nordlandreise, die er später als sonst angetreten und früher als gewöhnlich beendet hat, nach Swinemünde zurückgekehrt, wo er sich noch einige Tage aufzuhalten gedenkt. Er war rund vier Wochen abwesend. Am Samstag hörte der Kaiser Vorträge des Reichskanzlers und des Staats­sekretärs von Kiderlen-Wächter. Sonntag nachmittag sind die beiden Minister wieder zurückgereist. — Für die Landtagsersatzwahl in Berlin V anstelle des verstorbenen Sozialdemokraten Borgmann beab­sichtigen dessen Parteifreunde, den Tapezierer Otto Wrts aufzustellen.

)( Reserve-Offiziere und Sozialdemokratie. Das Kriegsministerium hat unter dem 8. Juli 1911 nachstehende Verfügung erlassen:

„Ein Offizier des Beurlaubtenstandes hat vor der Slichwahl zu einer parlamentarischen Körperschaft zur Wahl eines Mitgliedes der sozialdemokratischen Partei öffentlich aufgesordert und sich auch sonst in diesem Sinne agitatorisch bestätigt. Dem Offizier ist darauf­hin der Abschied erteilt worden."

△ Zwei sozialdemokratische Tcinonstrationsvrrsamm- lungeu großen Stils fanden Freitag abend in B e r l i n aus Anlaß der Anwesenheit der sranzösischen Ge- werkschaftsführer statt. Die Versammlungen sollten den Zweck haben, gegen den Krieg zu protestieren sowie die Völkerverbrüderung und die Verbrüderung des Proletariates zu feiern. Gewiß sind auch in den beiden Versammlungen allerhand tönende Redensarten über den Völkerfrieden gemacht worden, aber die Tendenz der Versammlungen, die sich wie ein roter Faden durch die Ausführungen aller Redner zog, war die Verhetzung der Massen, die Aufhetzung der Arbeiterschaft gegen die besitzenden Klassen.

(*; Erfolgreicher Patrouillenritt in Südivcst- afrika. Im Sandfeld Deutsch-Südmeftafrikas sind, rote der „Südroestbote" zu melden weiß, der berüchtigte Hererokapitän Kanjemme fest­genommen und mehrere Hererowersten aufgehoben worden.

8 Fritzlar, 31. Juli 1911. (Tel.) Im Wahl- kreise Melsungen-Fritzlar, in dem bekanntlich durch den Tod des bisherigen nationalliberalen Vertreters, ®lei m-Melsungen eine Neuwahl zum Abgeordneten- hause stattfinden muß, wurde gestern in einer Ver-

Schloß Sonneck.

4] Roman von Felix Nabor.

Der Major schien dies nicht zu bemerken. Er wandte sich an Hilde. »Den Kaffee nehmen wir doch auf der Terraffe, nicht?"

„Gewiß. Papa", sagte diese und entfernte sich, um die nötigen Anordnungen zu treffen.

Auch Sixt erhob sich. „Xu entschuldigst, Papa", sagte er. „Es ist immer etwas zugig auf der Terrasse und du weißt, ich muß mich schonen —"

„Ja, ja, schone dich nur, mein Sohn", rief bet Major mit beißendem Spott, während cs in feinem braunen Gesicht wie Wetterleuchten zuckte. „Schließ: ja alle Fenster in deinem Zimmer und wickle dich in Watte."

Sixt ließ da? Monokel fallen und verbeugte sich. „Ich kann doch nicht dafür, daß ich nicht so robust bin wie ihr." Er verließ mit Mama den Speisesaal.

„Nun ist er natürlich wieder gekränkt", sagte der Major. „Aber ich kann nun einmal diese Jammer­miene nicht ausstehen. Er schlägt ganz aus der Art."

In der Tat waren alle Sonnecks große, breit- schultenge Reckengestalten: Vater, Sohn und Toch­ter. Es lag Mart und Kraft in ihnen und mtt den stahlblauen Augen und den lichtblonden Haaren waren sie so recht die Verkörperung alten, echtdeut- schen Adels. Nur Sixt war kleiner als die andem, mit schmaler Brust, dunklen Haaren und zarter blas­set Gesichtsfarbe. Zu Sonnerks größtem Leid taugte Sixt infolge seiner zarten Konstitution nicht zum Offi­zier. Sonst waren alle Sonnecks tüchttge Soldaten gewesen, Männer aus Stahl und Eisen, die treu zu Kaiser und Reich standen und in mancher Schlacht sich Lorbeeren erworben hatten.

Bautz selber war ein ebenso tüchtiger Offizier tote flotter Reiter. Aber ihn hatte das harte Mißge­schick getroffen, bei einem tollen Ritt zu stürzen und den Fuß zu brechen. Zwar wat dieser längst geheilt, aber die Aerzte hatten Pfuscharbeit gemacht: der

Fuß blieb steif. Bautz von Sonneck mußte seinen Abschied nehmen. Das war ein Kummer, der seit­dem an ihm nagte und ihm das Leben verbitterte. Daß er nicht mehr Soldat sein konnte, das bedeutete für ihn so viel als aus der Liste des Lebens gestrichen.

Der Ausenthalt in der Residenz, wo das Militär eine so große Rolle spielte, war ihm entleibet. Er hätte es nicht mit ansehen können, wie bie Kameraden an der Spitze des Regiments unter klingendem Spiel durch die Stadt zogen, während er, ein Krüppel, zur Untätigfeit verbannt war. Sein ehrliches Soldaten- herz, dem des Königs Dienst und die eigene Ehre als Offizier über alles ging, hätte immer wieder aufs neue geblutet bei diesem Anblick. So zog er sich In die Einsamkeit auf Schloß Sonneck zurück und ver­suchte sein Gut zu bewirtschaften. Das war nun ftei- lich nie seine Passion gewesen und er verstand auch herzlich wenig davon. Daher überließ er bie ganze Sache einem Verwalter, zog sich, mit bem Schicksal grollend, In sich selber zurück und haderte mit bet ganzen Well.

Eine Zeitlang stand er noch in Verbindung mit feinen früheren Kameraden, ging auch hin und wieder zu einem LiebeSmah! — aber auf die Dauer war ihm das zu unbequem und er brach auch diesen Ver­kehr ab. Er war Ihnen fremd geworden. Andere kamen und gingen — und Sonneck war vergessen.

Aber er lebte jetzt In seinem Sohne wieder auf. Viktor war sein Ebenbild; hoch und schlank gewach­sen, ein frischer, schmucker Offizier, an bem jeder seine Freude haben mußte. Auch im Charakter wa­ren sie sich ähnlich: stolz, ritterlich, sorglos, rasch aufbrausend, aber auch rasch zur Versöhnung bereit. Viftor war sein Liebling, ben er heimlich vergötterte, dem er mit Freuden alles opferte, alles nachsah und verzieh, dessen Schwächen und Fehler In seinen Augen zu glänzenden Vorzügen wurden. Wenn er für ein paar Tage aus der Garnison nach Sonneck kam, so lebte der alte Herr förmlich auf. Dann steck­ten die beiden ben ganzen Tag zusammen und Vittor mußte von allem berichten, toaS sich in der Residenz und in seinem Regiment ereignet hatte. Für die

kleinsten und unbedeutendsten Dinge zeigte Sonneck Interesse und über die ehemaligen Kameraden wollte er aufs genaueste informiert sein. Viftor, der mit heißer Liebe an seinem Vater hing, bot ihm gerne ben Willen. Er war selber mit Leib und Seele Soldat und verstand daher wohl den herben Schmerz des alten Herrn, den dieser empfunden hatte und noch empfand, als er mitten aus einer glänzenden Karriere und aus einem heißgeliebten Berufe herausgerissen und zur Untätigkeit verdammt wurde. So viel es an ihm tag, wollte er ben Vater erfreuen, ihn aufhei­tern, über bie Sorgen imb bas Harte unb Bittere in seinem Leben wenigstens für Stunden hinweghelfen und ihn froh unb glücklich sehen. Und das gelang ihm auch immer. Viftor hatte so eine helle unb son­nige Art, mit ben Menschen zu verkehren, fein offenes, gerades unb frisches Wesen wirkte wie ein erfrischen­der Strom; er war, wie sein Name sagte, ein rich­tiger Sieger, der durch sein helles Lachen und seine sieghafte Herzlichkeit rasch Grillen unb Sorgen ver­scheuchte und Freude und Frohsinn um sich her ver­breitete.

Auch jetzt hals er mit einem Scherzwort über die etwas peinliche Situation hinweg und reichte seinem Vater, der sonst eines Stockes benötigte, ben Arm. „Dars ich dich hinausgeleiten, Papa?"

„Mit Dank akzeptiert, mein Junge", sagte Son­neck, erhob sich etwas mühsam und legte den Ann um Viktors Schultern. „So — nun mag die Geschichte losgehen. Vorwärts — marsch!" Er lachte und doch zitterte seine Stimme. „Hilde", wandte er sich an seine Tochter, „willst du mir eine Havanna auf bie Terraffe bringen?" Die andem auf mein Zimmer. Oder willst du dir eine anstecken, Viftor?"

„Danke, Papa! Sie sind mir zu stark. Ich habe mir eine leichtere Sorte mitgebracht, bie genügt."

„Kartoffelkraut", lachte Bautz. „Na - ich banke! Ich kann sie nicht stark genug bekommen. Nun leg mal los Viktor. Was gibtts Neues in ber

Resibenz?" , ,

Viktor geleitete ben ritten Herm zu einem be­quemen Sessel, ber an ber Dalluitrabe der mächtigen

38. Jahrgang.

über bie Einfuhr argentinischen Fleisches auf dir Tagesordnung gesetzt und angenommen wurde. Der Antrag auf Erhebung des Anklagezustandes gegen das ehemalige Ministerium Bienerth wurde abge­lebt

* Wie ber Bürgermeister von Rom, Herr Na- than sein Geschäft versteht, darüber berichtet bie „Inta": In der letzten Sitzung des Stadtrats wurde beanftanbet, daß ber Bürgermeister als Gehalt statt ber bisherigen 100 0 0 Lire nunmehr 6 0 0 0 0 Lire bekomme. Nathan stellte baraufhin bie Ver­trauensfrage unb setzte so feine Forderung durch. Ein Teil ber Presse, barunter bie „Tribuna", kriti­siert lebhaft diese Erhöhung des Bürgermeister­gehaltes.

* Die Todesstrafe in Portugal abgefchafft. Zu ben Staaten, bie dem Humamtälsbusel unserer Zeit Rechnung tragen zu müssen glauben, zählt nun auch bie jüngste Republik Portugal. Die koustituierenbe Versammlung nahm eine ganze Anzahl Paragra­phen des Versassungsentwurfs an, u. a. benjenigen, ber bie Todesstrafe abschafft. Er wurde dahin er­weitert, daß auch bie körperlichen Strafen für immer abgeschafft sein sollen.

*♦ 400000 Mark für Mohammed Alis Kopf Das persische Parlament setzte auf den Kopf der ehemaligen Schahs einen Preis von 400 000 Mark, auf bie seiner Briidn Salar-eb-Dauleh unb Schoa-'^s, Saltaneh Preise von je 100 000 Mark aus.

Aus Mche und Schule.

a. Fulda, 31. Juli 1911. Auf Anorbnung des Hochw. Herrn Bischofs treten außer den schon ge« melbeten mit Wirkung vorn 3. August b. I. folgend«

, ntngen im Fuldaer Tiözesan-Klerus ein: Neu­priester Georg Kind aus Fulda als 2. Kaplan und Assistent an dcr Rettungs-Anstalt in Sannerz. Neu«, Priester Joseph Filthaut aus Fritzlar als 2.Assi«, stent amBlfchöfl. Gymnasial-Konvikt in Fulda. Neu-^ Priester Franz Mehlmann aus Geisa als Kaplan, in Neustadt (M.-W.-B.). Neupriester Augusts B r e h l e r aus Geisa als Kooperator des Pfarrers Rübsam in Petersberg. Neupriester Martin D r l s s e 1 als Kaplan in Hosenseld. Neupriester Emil Weber aus Thaiden als 2. Kaplan in Amöneburg. Neu« priesterLeo Herbert ausZirkeubach als 1.Kaplan in Amöneburg. Neupriester August Ackermann aus Zillbach als Kaplan in Allendorf (Kreis Kirch­hain). Neupriester Konrad Friedrich Wieder aus Niederklein als Kaplan in Ulmdach.

F. Kohlhaus, 30. Juli 1911. Unser verehrter Lehrer, Herr Sell, ber schon seit vielen Jahren unsere Jugend unterrichtet, gedenkt mit bem 1. Okt. b. I. wegen seines leibenben Zustandes in ben Ruhestand zu treten. Lehrer Sell, bet bereits über 40 Jahre im Schuldienste steht, ist bekanntlich ber Nachfolger des Herrn Sanitätsrats Dr. Raabe als Vorsitzender des Fuldaer Gartenbauvereins, al8 welcher er ebenfalls recht beliebt ift Seine Ver­tretung im Schuldienste versieht gegenwärtig eine SchulamtsdewerderiN. Lehrer Sell wird nach seiner Pensionierung nach Fulda übersiedeln.

Lokales.

Fulda, den 31. Juli 1911.

& eine zweite Primizfeier war gestern ber Stabt« pfartei vergönnt. Der Neupriester Georg Kind von hier feierte fein erstes hl. Meßopfer. Die Feierlichkeit nahm denselben erbaulichen Verlaus, wie biejenige bei ber Primiz am Mittwoch ver-, gangener Woche. Die Festpredigt hielt Herr Stabt«, pfarrer Gruß. Er sprach über bie Hirtenliebe und, Hirtentatigkeit bes katholischen Priesters und ben, Lohn, ber seiner nach treu verbrachtem Priesterleben warte. Der Feftprebiger gab bem Wunsche Aus«

I,

Terrasse, die sich wie ein Turnierhof vor die Front, des Schlosses legte, aufgestellt war. Als ber Major feinen Abschied hatte nehmen müssen, ließ er sie an­leg cn, weil ihm das Gehen aus ben holperigen Wegen schwer und schmerzvoll war. Das war nun feint Welt. Den ganzen Sommer über brachte er hier, zu, vom Morgen an, wenn die Sonne über ben jen­seitigen Hügeln aufging, bis zum Abend, wenn sie hinter ben Wipfeln des Parkes versank. Oleander- und Lorbeerbäume waren hier in langer Reihe aus­gestellt, und ihre Pflege war Sonnecks einzige Be­schäftigung. Nur am Mittag zog er sich eine Stunde in fein Zimmer zurück, um sein Schläfchen zu machen.

Hilde brachte die Havanna, die ber Major sorg­fältig ihrer glänzenden Hülle entledigte, abknippte unb ansteckte. Er tat ein paar kurze rasche Züge. Famos, Viktor! Na, bu kennst meinen Geschmack!" Unb man sah es ihm an, mit welchem Behagen er sich dem Genuß des eblen Krautes hin gab. Ab unb zu weilte fein Blick mit heimlichem Wohlgefallen auf Viktor, dessen gute Haltung und feint Manieren er bewunderte. Viktor erzählte milttärische Schnurren und bie neuesten Kasinowitze und beider Lachen Hang in den schönen Tag hinein.

Als Hilde den Kaffee auftrug, zog er sie einen Augenblick aus den Schoß. „Mofta, was, Hlldchen? — Wie ich ihn gern hab: schwarz wie der Teufel, heiß wie die Hölle und süß wie die Liebe. Stimmt s?

„Natürlich, Papa!"

„Dann ist's gut. Ra - ihr beide ja — wen n üh euch nicht hätte! . , . Du, Hilde sieh dir mal ben hübschen Kerl da an. Ist er nickt -in swmnmer Offizier, was? Muß man den nicht gern haben^ bieten . . . diesen Schwerenöter! Geh, Hilde, gib chm tinCngidn^NtaPa — sonst werde ich den frechen Men­schen gar nimmer los. Du weißt gar nicht, tote schlimm et ist. . .

Der Major tat groß verwundert. „So? Wirt­

lich? Ra, das sind schöne Sachen, bie ich ba höre, Junge, das ift freilich schlimm. Na also — bann nicht " (Fortsetzung folgt.)